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Friedrich Merz will reden. Darf er natürlich auch. Nur mit der Kanzlerschaft wird das definitiv nix.

Die CDU hat’s auch schwer. (“Auch”; weil die SPD es ja nun mal definitiv total schwer hat…) Da ist zwar eine Kanzlerin, die seit zig Jahren im Amt ist und dabei gar nicht mal so eine schlechte Figur abgegeben hat; selbst für nicht-CDU-Wähler… Andererseits klar: Die Partei ist unter Angela Merkel massiv nach links mitte rübergeschwenkt; auf einstige SPD-Positionen. Dazu noch die “Wir-schaffen-das-Flüchtlings-Aktion” – das ist schon harter Tobak für viele Bürgerinnen und Bürger draußen im Lande.

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Allerdings: Wenn nun ein Heuschrecken-Profiteur und Besserverdiener wie Friedrich Merz meint, er könne künftig wieder irgendeine größere Rolle in der ehemaligen Volkspartei spielen, dann ist dies ziemlich grenzwertig. Möglicherweise hat Merz eine gewisse Expertise in wirtschaftlichen Zusammenhängen, möglicherweise hat er auch recht in der Bewertung bestimmter Dinge – von einer übergeordneten, elitären Perspektive aus nämlich. Das finden auch ein paar Leute mit übergeordneter, elitärer, besserverdienender Perspektive toll.

Das Wahlvolk allerdings ganz bestimmt nicht. Ohne über irgendwelche anderen Figuren richten zu wollen, die vielleicht auch nicht so ganz super performen, wie dies (aus CDU-Perspektive…) eigentlich zu hoffen stand: Friedrich Merz ist auf jeden Fall definitiv nicht massen-wählertauglich. Nicht mal bei der CDU. Die Sache ist die: Der programmatische Schwenk unter Angela Merkel ist ja nicht aus Jux und Dollerei passiert, sondern hat gesellschaftliche Veränderungen abgebildet. Die ganz großen konservativen Milieus, die früher mal eine gewisse Stammwählerschaft der CDU abgegeben haben – die gibt es schlicht nicht mehr.

Rechts von der CDU hat sich nun die AfD etabliert. Die wird möglicherweise von Leuten gewählt, denen die CDU mittlerweile “zu links” oder zu progressiv ist. Aber die sind garantiert weder elitär noch besserverdienend und ganz bestimmt keine Merz-Wähler. Ob die ehemaligen Volksparteien aus dieser Klientel tatsächlich nennenswert Wähler zurückgewinnen können, ist sehr fraglich. Ansonsten bleiben halt die übrigen 70% der Bevölkerung, die sich aber in ihren Lebensumständen und Ansichten so weit angenähert haben, dass in Prinzip alle Parteien für ein Kreuzchen in Frage kommen. Im Grunde alles potentielle Wechselwähler.

Und da muss halt eine Kandidatin oder ein Kandidat vor allem eines mitbringen: Eine Ausstrahlung, ein Image, das maximal integrativ wirkt. Winfried Kretschmann hat so eine Ausstrahlung, Friedrich Merz ganz bestimmt nicht. Und so einen Imagewechsel kann man auch nicht glaubwürdig hinbekommen. Das nicht zu erkennen ist eigentlich ein Armutszeugnis für die unbestreitbare Intelligenz des Kandidaten. Also mal meine Diagnose und mein Ratschlag (für etwaige Honorarzahlungen nenne ich gern auf Anfrage meine Kontonummer…): Ein Ministeramt (Wirtschaft/Finanzen) in einer künftigen Regierung wär doch problemlos drin. Die Kanzlerschaft: no way.

Nachklapp 7.11.2019 – angeblich sehen ja 42% der Wähler laut ARD-Deutschlandtrend Friedrich Merz als “guten Kanzlerkandidaten” vorne. Martin Schulz ist ja bekanntlich auch souverän und ungefährdet Kanzler geworden.

Erbärmliche Hunde. Tapfere Hunde. Und der galoppierende (oder hechelnde) Wahnsinn.

Ich war gerade bei Freunden zu Besuch; die haben einen Hund. Beziehungsweise eine Hündin. Eine Französische Bulldogge, also ein mopsartig zu einer kindchen-schematischen Physiognomie herangezüchtetes Wesen. Der kleine Kollateralschaden für die Tiere selbst ist dabei wohl eine ziemlich happig behinderte Atmung, wie man so liest. Aber wie dem auch sei, die kleine Hundedame verhält sich auch ihrem Äußeren entsprechend: Sie kommuniziert fortwährend mit freundlich sorgenvoller, stets bettelnder Miene mit allen anwesenden Zweibeinern, stellt ihre Pfoten auf den Tisch, den Schoß, den Unter- oder Oberkörper der Zweibeiner (je nach dem die sitzen oder stehen…).

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Das kann man mögen oder auch nicht. Fest steht auf jeden Fall: Die Mops-artige Hundedame ist völlig ungefährlich. Trotzdem; so die Beobachtung der Halterin: In der Straßenbahn führt die Anwesenheit der Hundedame zu fluchtartigen Absetzbewegungen bestimmter Personengruppen. Und zwar solcher Personengruppen, die offenbar dem muslimischen Glauben huldigen. Wir haben da mal ein kurzes Brainstorming durchgeführt: Vielleicht gibt es ja in den Herkunftsländern besagter Personengruppen größere Populationen von Straßenkötern, denen man besser ausweicht?

Aber nein. Nach einer kurzen Netz- und Wikipedia-Recherche konnten wir als gesichert erachten: Der Hund ist dem Moslem unrein. (Was ja nicht völlig unnachvollziehbar ist…) Als Jagdgefährte oder Wach-Beauftragter ist der Köter zwar ok, aber nicht als Haus- oder Straßenbahngenosse. Wenn wir diesen kleinen kulturellen Background berücksichtigen, haben natürlich die Anmerkungen des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump anlässlich der Tötung bzw. des Ablebens des Anführers des sogenannten “Islamischen Staates” Abu Bakr al-Bagdadi eine ganz besondere Note:

“Al-Baghadi war krank und verdorben. Er starb wie ein Hund, als Feigling, in totaler Panik vor den amerikanischen Streitkräften.”

Ein richtiger unreiner Drecks-Köter halt, dieser Bagdadi. Obwohl natürlich so eine Wortwahl einem Christen wie Donald Trump eigentlich nicht so ganz super gut ansteht. Wobei Donald Trump ja nicht nur ein einfacher Christ ist, sondern sogar vom christlichen Gott für sein wunderbares Wesen und Wirken speziell auserwählt und gesegnet worden ist: davon sind jedenfalls seine Kumpels am Tisch im Oval Office zutiefst überzeugt. (Für mich wieder mal ein handfestes Indiz für die Nichtexistenz des Allmächtigen, sonst wäre hier doch eindeutig ein himmlischer Blitz angezeigt gewesen.)

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Wir lassen das also einstweilen dahingestellt, ob ein real existierender Gott die Arschkriecher und Schleimscheißer und den nicht-mit-der-Wimper-zuckenden ondulierten Gebenedeiten hätte hinwegfegen müssen. Der Drecks-Sack und -Köter Al-Bagdadi starb auf jeden Fall wie ein räudiger, winselnder Hund. Interessanterweise hat dabei offenbar noch ein tapferer, vermutlich fortwährend die amerikanische Nationalhymne hechelnder US-Spezialeinheiten-Helden-Hund mitgewirkt. Der den Dreckshund Bagdadi in den Schacht gehetzt hat, wo der Islamisten-Hund dann feige und panikartig den Sprengstoffgürtel gezündet und den tapferen Spezialkräfte-Hund verletzt hat. Oder so.

Natürlich operiert der Helden-Hund (mit deutschen Wurzeln, das darf ich mal kurz anmerken!!) normalerweise inkognito, weil die gottverfluchten Moslems ihn sonst propheten-gegebenerweise vielleicht killen und zu Chop-Soey verarbeiten würden. Und das wär ja schade, weil der Helden-Köter vielleicht noch andere Drecksschweine; ach nein, islamistische Drecks-Köter aufstöbern und in den gottverdammten panikhaften Tod treiben könnte. Der Helden-Hund hat also an sich eine große nachvollziehbare Motivation, seine Identität nachhaltig geheim zu halten. Aber ok, bei so einem Erfolg kann man das Geheimnis auch mal lüften. Zumal wenn das irgendwie dem Image des POTUS frommen könnte. Außerdem hat der schon zig andere Militärgeheimnisse ausgetwittert…

Es gibt natürlich ein paar Leute, die halten auch Donald Trump für einen dreckigen Hund oder ein dreckiges Schwein. Man kann auch bestimmt lange und trefflich darüber nachsinnen, wie jetzt die Unterhose des Arschlochs al-Bagdadi ausgesehen hat, damit ein kurdischer Unterhosen-Spezialagent (kurze Zeit später per US-Präsidenten-Anordnung von in-die-Hose-machen-müssenden ehemaligen Kampfgenossen verraten…); die CIA oder wer auch immer daraus die tödlich identifizierenden DNA-Spuren gewinnen konnte.

Hätte er sich mal den Popo besser abgewischt, dann wäre der feige Islamisten-Hund vielleicht vom tapferen Spezial-Hund nicht zur Strecke gebracht worden. Wobei das im syrisch-irakischen Feld auch etwas schwieriger ist als im kuschelig warmen Weißen Haus. So. Jetzt kommen wir mal allmählich, nach diesen ganzen Erwägungen und Erörterungen zum Fazit: Es gibt vielleicht einige Leute, die dies alles für Wahnsinn halten. Dass sowas passiert und dann von (irgendwann in ferner Vergangenheit mal…) staatstragenden Akteuren in die Welt rausgepustet und rausgetwittert wird. Ich denke das übrigens auch. Trotzdem musste das mal erörtert werden.

Ich bin auch noch nicht ganz sicher, welche Figur Donald Trump machen wird, wenn er mal eine geladene Wumme an den Kopf gehalten bekommen sollte und es nur noch ein paar Sekunden dauert, bis herauskommt, ob da ein Gehirn in seinem Schädel ist oder ein Vakuum oder ein unappetitlich unreiner brauner Haufen (natürlich, der Secret Service und der Allmächtige möge dieses theoretische Szenario verhüten…): Die eines feigen Drecksack- oder die eines tapferen Präsidenten-Spezial-Hundes? Wuff. wuff. Wahnsinn. Tschuldigung für diesen Text.

Ich kandidiere jetzt auch für den SPD-Vorsitz

Also mal ganz ehrlich: Ich bin ja in Gelsenkirchen geboren, hab da meine Kinderzeit im schönen Stadtteil “Feldmark” verbracht (“Der schönste Fleck im deutschen Eck ist Feldmark an der Köttelbeck.”) Dazu gehörte auch eine mehr oder weniger eindrucksvolle Karriere im Fußballverein SW (“Schwarz-Weiß”) Feldmark: “Wer regelmäßig zum Training kommt, wird auch aufgestellt.” Und noch eine ewige Weisheit vom dortigen Trainer: “Nicht fummeln!” (Sondern den Ball weiterspielen, bevor einem der Gegenspieler den abnimmt.) Die “Köttelbecke” war übrigens der Abwasserkanal, Flussrichtung Essen-Katernberg; mein Schulfreund Michael M. war der Sohn des Klärwerks-Chefs. Danach bin ich dann irgendwann nach Bochum umgezogen, wo mein Vater Arzt am “Bergmannsheil”, der Knappschafts-Klinik war.

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Sorry – mehr sozialdemokratischer Hintergrund geht eigentlich schon gar nicht. Wir waren zwar in der Familie durch den Aufstieg vom proletarischen zum ärztlichen Milieu wahrscheinlich tendenziell etwas bessergestellt. Wobei das durch diverse Pannen auch wieder verpufft ist :)… Aber irgendwie hab ich das da doch so wie die Mutter- oder Vatermilch aufgesogen: Die Minderprivilegierten und ungerechtigtfertigt Benachteiligten müssen irgendwie Gerechtigkeit erlangen.  Jetzt weiß ich nicht, ob Jan Böhmermann das genau so sieht. Ich weiß auch noch nicht, ob er sein Verhältnis zum türkischen Präsidenten schon abschließend geklärt hat. .]

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Auf jeden Fall: Eine weibliche Mit-Kandidatin aus uraltem Stuttgarter SPD-Adels-Geschlecht – die schmeiß ich auch noch völlig problemlos mit ins Gefecht. Ich, wir sehen das ganz pragmatisch: das sind schwere Zeiten momentan.  Wir werden die SPD anführen, zumindest für ein Weilchen. Ihr könnt entscheiden, ob das ein sinnloses Himmelsfahrtskommando wird oder eine realistische Option. Na?

Die (vermeintliche…) Naivität der Digital-Asketen

In meinem Firefox-Empfehlungs-Neuer-Tab ist gerade ein Gastbeitrag von Jürgen Geuter; seines Zeichens “Autor und Informatiker” aufgepoppt – hab ich mal gelesen und kommentiere den mal “wie folgt” 🙂 …

Also: Das Digitale ist angeblich ebenso real wie die “echte”, analoge Welt – natürlich will ich das jetzt nicht total komplett abstreiten, sonst säbel ich mir ja meine wirtschaftliche Existenzberechtigung ab 🙂 Aber mal ernsthaft – gegen eine zielgerichtete Nutzung “Sozialer Medien” mit persönlich bekannten Leuten; “von der Kita über den Landfrauenverein bis zu Selbsthilfegruppen für Menschen mit Migräne und ‘Fridays for Future’ ” spricht natürlich gar nix – von kleinen Details wie dem datenschutzrechtlich nicht gestatteten Hochladen sämtlicher Smartphone-Kontakte zu Facebook oder WhatsApp jetzt mal abgesehen…

Vielleicht ist ja die WhatsApp-Kommunikation mit der “guten Freundin” in der “Supermarktschlange” total ok und hinreichend real. Ist es aber auch das “normale” Dauer-Checken der WhatsApp- oder Twitter- oder Facebook- oder Instagram- oder Youtube- oder Twitch-Timeline? Vielleicht steht ja gerade die Traumfrau vor Dir in der “Supermarktschlange”; greift ebenso wie Du zu den “fair traded” Artikeln, kauft ebenso nur Single-Mengen ein; und Du checkst es aber nicht, weil Du gerade (wie immer im Dauermodus…) auf Dein Phone starrst??

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Ich war gerade im Urlaub; unter anderem zusammen mit meinem 15-jährigen Neffen. Ich hab mir da in Rosenheim ein Mini-Cabrio ausgeliehen, und wir sind da an einem wunderschönen Sommertag nach Bad Aibling zum Minigolf gefahren. Und mein Neffe hat da auf dem Beifahrersitz gehockt und auf sein Smartphone geglotzt, mit irgendwelchen lächerlichen Spielchen. Und dann hab ich gesagt: “Wir fahren hier gerade mit einem Cabrio durch eine wunderbare Landschaft, und Du guckst auf ein beschissenes Smartphone mit einem lächerlichen, beschissenen Spielchen.”

Der (traurige…) Witz ist – die “digitale Option” wird ja nicht nur zur zielgerichteten (und natürlich völlig legitimen…) Kommunikation eingesetzt, sondern zur Multitasking-Dauerberieselung. Der “digitale” Input ist regelmäßig “wichtiger” als der analoge – sprich; da haben sich zwei Leute verabredet und sitzen im Cafe oder Restaurant – und der oder die oder beide checken aber dauernd ihre beschissenen siehe-oben-Nachrichten. Ein Wunder, dass unter diesen Umständen überhaupt noch Sex stattfindet. 🙂

Es geht; anders als das der SZ-Gastautor suggeriert, keinesfalls nur im beruflichen Bereich darum, “Normen und Strategien (zu) finden, sich selbst vor Stress und Entgrenzung zu schützen”. Die Clickbait- und (eigentlich…) völlig irrelevanten “News”, “Statusupdates” und Newsline-Updates eben auch von “Freunden”; mit dem “digitalen” Zwang oder vermeintlichen Zwang, die auch zeitnah zu beantworten – die beanspruchen schlichtweg einen Großteil des Aufmerksamkeitsbudgets “normaler” Zeitgenossen.

Das hat überhaupt nix mit einem “reaktionärem Verständnis der Welt” zu tun. Natürlich ist nicht jede(r) berufen, sich (durch Digital Detoxing…) zu einer(m) “Albert Einstein oder Simone de Beauvoir” aufzuschwingen. Aber das Wahrnehmen des Gegenübers oder der Landschaft in einer ganz realen Echtzeit-Situation wär ja auch schon mal nicht schlecht. Vielleicht sind Gegenüber und Landschaft ja scheiße. Vielleicht ist man (bist Du…) auch selbst scheiße. Vielleicht ist aber auch der digitale Input und die Klo-Benutzungs- oder Katzenbilder-Statusmeldungen und das Twitch-Gelaber deiner “Freunde” und Kontakte und “Vorbilder” und Social-Media-“Helden” Scheiße.

Per se besser (oder auch nur gleichwertig…) ist der “digitale” Blick auf die Welt  jedenfalls nicht – allein schon, weil er normalerweise nicht so stark von der Echtzeit abhängig ist. Und wie gesagt: Wer weiß, was sich da in der Supermarktschlange tun kann… Die nächste Mathe-Klausur vorbereiten und rechtzeitig ins Bett zu gehen, statt Laberwasser-gestörten gutverdienenden Minecraft-Spielern zu lauschen (am besten in zeitverschobenen Nachtstunden…) wäre in bestimmten Lebenssituationen auch nicht schlecht…

Ein mimimi für Annegret Kramp-Karrenbauer

Ganz offen gesagt stand die CDU in meiner bisherigen Wähler-Laufbahn noch nie im Zentrum meiner Überlegungen. Wobei ich ja die unaufgeregte und uneitle Art von Bundeskanzlerin Angela Merkel immer schon geschätzt habe. Ich würde mich sogar fast zu der These hinreißen lassen, dass Frauen als Spitzenpolitiker(innen) tendenziell weniger bescheuert sind als Männer. Obwohl da gerade Theresa May ein eindrucksvolles Gegenbeispiel gibt; Margaret Thatcher war ja auch irgendwie nicht so ganz besonders sympathieauslösend; dann gibt’s natürlich auch noch zig korrupte und eitle Damen in diversen Ländern, die genauso in die eigene Tasche wirtschaften und genauso penetrant am Amts-Stuhl kleben wie die Herren der Schöpfung.

Annegret Kamp-Karrenbauer fand ich eigentlich auch relativ sympathisch; jetzt mal so im Vergleich zu dem aus Blackrock-Aufsichtsrats-Höhen herab- (und nach seiner Pleite wieder herauf-…) geheuschreckten Friedrich Merz. 🙂 Aber nach ihrem beleidigten Statement als Reaktion auf die Europawahl und das natürlich völlig unverschämte, total unfair (oder sogar terroristische..) asymmetrische YouTube-Video von Rezo und den anderen natürlich völlig minderbemittelten YouTubern muss ich sagen: Mimimi, liebe AKK!

Das kann ja wohl nicht wahr sein. Die Dame will Bundeskanzlerin werden. Da wäre es vielleicht keine schlechte Idee, verinnerlicht zu haben, wie Demokratie funktioniert und was in unserem Grundgesetz steht. Damit ich hier nicht alle Kontra-Argumente aufzählen muss, verweise ich mal auf die Kommentare von Stefan Kuzmany bei SPON und Marvin Strathmann bei Heise. Noch ein paar Aspekte:

Ist eigentlich Wahlkampf keine “Meinungsmache”? Ist es vor einer Wahl legitim zu sagen: “Wählt CDU!” Und nicht legitim zu sagen: “Wählt nicht CDU!”? (Und nicht SPD. Und nicht AfD.)  Soll es einen Stimmen-Bonus geben für “Parteien der Mitte”? Oder einen Gedenk-Bonus für ehemalige “Volksparteien” und Kanzler-oder Kanzlerin-Steller-Parteien? Ist die AfD eigentlich keine “demokratisch legitimierte Partei” mit “unzähligen ehrenamtlichen Helfern”? (Auch wenn mir persönlich das vielleicht keine besondere Freude bereitet – ist sie aber.)

Ich habe das Rezo-Video übrigens erst am Samstag vor der Wahl angeschaut. Ist eben ein bisschen lang 🙂 . Aber, obwohl mir als Profi die Fakten natürlich bekannt waren – das hat mich tatsächlich beeinflusst. Ich hab mich immer schon gefragt: Warum machen wir öffentlich-rechtlichen Journalisten den Scheiß eigentlich mit? Warum machen wir bei diesem Spielchen mit, die Bullshit-Antworten von Politikern zu akzeptieren; vielleicht als Ritual noch einmal nachzufragen und dann auf den – in der Ausbildung so vermittelten Effekt zu vertrauen – “der demaskiert sich mit der Nichtbeantwortung der Frage selbst.”

Nein. Das stimmt eben leider nicht. Wir Journalisten machen bei diesem abgeschmackten Bullshit-Spielchen mit. Wir fühlen uns gebauchpinselt, wenn wir vom “ach-so-mächtigen” Außenminister ein paar vermeintlich vertrauliche und exklusive Infos bekommen; und für den vielleicht etwas karrierefördernden ersten Zugriff auf irgendwelchen harmlosen Bullshit opfern wir die Gelegenheit, nein, die Verpflichtung zu sagen: Das, was Sie da gerade gesagt haben, ist doch Bullshit/ein Ausweichmanöver/Sie haben da offenbar keine Ahnung.

Ich war letzte Woche mit ein paar Leuten aus gehobenen Etagen der ARD und des ZDF zusammen, und eigentlich war die Wahrnehmung des Rezo-Videos die: Warum machen wir eigentlich sowas nicht, ist das nicht eigentlich die Zukunft oder die Bringschuld des öffentlich-rechtlichen Journalismus? Ja, ist es. Auch wenn es Annegret Kramp-Karrenbauer, der SPD und natürlich auch der AfD nicht gefallen wird: Wenn man mal einen Realitätscheck macht, dann seid ihr alle Scheiße. In unterschiedlichen Ausmaßen vielleicht. Und bei den Grünen ist logischerweise auch nicht alles ok.

Aber darüber müssen wir doch diskutieren. Symmetrisch, asymmetrisch und vor allem demokratisch. Auch wenn das Neuland ist. Die (jetzt noch so einflussreiche…) Kohorte der alten Säcke und Säckinnen 🙂 stirbt nämlich aus. Und, wie Rezo ja schon gesagt hat, so konservativ oder zukunftsblind sind die “Alten” gar nicht: Auch Oma und Opa wollen eigentlich das Beste für ihre Enkel(innen)… Fazit: Wenn AKK und die CDU nicht total abkacken wollen, empfehle ich mal einen Realitäts-Check. Bei der SPD fällt mir gerade nix zwingendes ein. Auf jeden Fall: Willkommen im Neuland!

Mindestens 272 indonesische Wahlhelfer sterben an Überlastung

Das melden die Tagesschau und die Taz:

Das Engagement für die Demokratie hat sie das Leben gekostet, die Wahlzettel werden per Hand ausgezählt, bis tief in die Nacht, oft in unerträglicher Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit.

Und das klingt ja erst einmal ungeheuerlich, zumal auch noch etwa 2000 Wahlhelfer und Wahlhelferinnen erkrankt sein sollen. Ich muss einfach mal als lang gedienter abnehmender Redakteur sagen: Meine erste Reaktion war – das glaube ich nicht, da stimmt was nicht. Vielleicht hat da irgendwer irgendwas übertrieben? Also rechnen wir mal nach.

7 Millionen Wahlhelfer bei “knapp 200 Millionen” Wahlberechtigten – das bedeutet, auf 28,57 Wahlberechtigte kommt ein(e) Wahlhelfer(in) – das ist eine hohe Quote. In Deutschland kommen auf ca. 61,5 Millionen Wahlberechtigte ca. 500.000 Wahlhelfer (Zahlen von 2013 und 2017 zusammengemixt…), das ist ein Wahlhelfer pro 123 Wahlberechtigte. Wenn man jetzt allerdings die (z.B.im Tagesschau-Artikel beschriebene…) Topografie Indonesiens berücksichtigt, die entlegenen Orte und Inseln; dann klingt das mit den 7 Millionen Wahlhelfern ziemlich plausibel.

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7 Millionen Helfer – das ist natürlich auch einfach absolut betrachtet eine gewaltige Menschenmenge. Und setzt man dazu 272 Verstorbene ins Verhältnis, dann sind das 0,0038%. Ist das viel oder ist das wenig oder ist das “normal”; so makaber das klingt? Die gleiche Quote ergäbe bei den 500.000 deutschen Wahlhelfern immerhin noch 19 Tote – davon habe ich allerdings noch nie gehört, dass in Deutschland jemand aufgrund der Wahlhelfer-Tätigkeit verstorben ist. Nun ist allerdings die Lebenserwartung in Indonesien auch signifikant niedriger als in Deutschland (69,19 Jahre im Vergleich zu 80,64 Jahre laut Google/Weltbank…).

In diesen Wert ist ja der allgemeine Gesundheitszustand der Bevölkerung und der Zustand des Gesundheitssystems, sind die Lebensbedingungen und die Lebensrisiken “eingepreist” – das heißt, auch eventuelle Vorerkrankungen, die im Falle mancher der indonesischen Verstorbenen vielleicht die “wahre” Todesursache waren. Mit dem allgemeinen Lebenserwartungs-Korrekturfaktor kommen wir jetzt auf 16,3 verstorbene Wahlhelfer, die bei einer Wahl in Deutschland vergleichbar wären.

Auch eine solche Zahl wäre natürlich in Deutschland undenkbar bzw. völlig skandalös. Die spezifische Belastung und das spezifische Risiko eines Wahlhelfers in Indonesien würde ich allerdings noch einmal deutlich überproportional über dem der gemittelten indonesischen Normalbevölkerung einschätzen; im Gegensatz zu der Belastung und dem Risiko eines Wahlhelfers in Deutschland. Von daher mein Fazit: Jetzt glaube ich die Zahlen dann doch.

Möglicherweise hat sich die indonesische Regierung auch tatsächlich etwas zuschulden kommen lassen, wenn es keine Gesundheitschecks der Wahlhelfer gab. (Von Gesundheitschecks für deutsche Wahlhelfer ist mir wiederum auch nichts bekannt – wie gesagt würde ich natürlich auch das Risiko nicht besonders überproportional zum “normalen Leben” einschätzen…) Aber letztlich: So monströs, so ungeheuerlich wie beim allerersten Anschein ist die Zahl der Toten nicht. Trotzdem ist das Ganze auch wieder unfassbar: Die “ganz normale” Demokratie fordert soviel Opfer wie ein Mega-Terroranschlag.

Und noch mal ein Schwenk: Der “ganz normale” Straßenverkehr natürlich auch.

Das Glyphosat-Gutachten und das Informationsfreiheitsgesetz

Heute gab es ja so ein ziemlich irritierendes Urteil bzw. eine “einstweilige Verfügung” vom Landgericht Köln (das für seine konservative, um das mal vorsichtig auszudrücken…)Tendenz bekannt ist und deshalb auch von den Anwälten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bzw. der übergeordneten Behörde, des Bundeslandwirtschaftsministeriums gerne als Gerichtsstand ausgewählt wird…) Meiner Meinung nach ist der Spruch völlig irre; ebensowie die Idee des Ministeriums, von Beamten oder anderen öffentlich besoldeten Mitarbeitern erstellte Gutachten der interessierten Öffentlichkeit mit dem Argument “Urheberrechtsschutz” vorzuenthalten…

Ich würde jetzt allzugern auf den Link klicken, den die in dieser Sache aktive Gruppe “Frag den Staat” propagiert und das Glyphosat-Gutachten selbst anfordern und die bescheuerten Paragrafen-Reiter etwas lahmlegen – leider bin ich nicht so ganz sicher, ob das dann tatsächlich kostenfrei ist oder ob die Ministeriums-Vollhorste mir dann 500 Ocken abzuzocken versuchen… Nach heldenhafter Vernachlässigung ihrer sonstigen Aufgaben und erzwungener Hingabe an die Anforderungen einer sicherlich missbräuchlich aufgehetzten Internet-Renegaten-Crowd.

Aber ich bin da feige; das Gebühren-Risiko der Behörden-Horste ist mir etwas zu teuer; das politische Leben ist eh gerade ziemlich pittoresk (Brexit….) Deswegen postuliere ich das mal hier gratis: Das Landwirtschaftsministerium geriert sich meiner Meinung nach (mit der teuren Beauftragung privater, externer Anwaltskanzleien) als Informationsfreiheits-Arschloch -Verhinderer/Abschrecker; die einstweilige Verfügung des Landgerichts Köln ist rechtsfehlerhaft.

Der junge New Yorker Desmond Napoles kämpft für die Rechte der LGBTQ-Community

Tolle Sache, nicht wahr? So ein Kampf für die Rechte der LGBTQ-Community ist unbedingt was Gutes, außer für ewig gestrige, rechte und spießige Konservative. Ich hab heute durch den dpa-picture-alliance-Newsletter von der Existenz des jungen New Yorkers und seines Kampfes erfahren; ein Link auf ein paar Fotos zur geneigten Verwendung inklusive:

Screenshot picture alliance-Newsletter vom 20.3.2019

Nun ist der gute LGBTQ-Vorkämpfer allerdings gerade mal erst elf Jahre alt; auch wenn er offenbar schon seit vier Jahren als “Drag-Kid” öffentlich unterwegs ist. Ich muss jetzt auch mal noch ein paar Fotos von Desmond bringen – in diesem Fall nicht von picture alliance, sondern von Getty Images:

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Desmond tanzt auch schon mal in New Yorker Gay-Bars und läuft bei der Pride-Parade mit. Er hat Model-Jobs bei der New York Fashion Week und wird in der US-Vogue gefeatured. Und er ist ELF JAHRE ALT!!! (Wobei der Scheiß offenbar schon seit vier Jahren läuft…)

Mal eine kleine Ansage: DAS IST EIN KIND!! Das hier gerade in aller Öffentlichkeit hyper-sexualisiert und vermarktet wird. Da können die Eltern noch so sehr rumquatschen (“wir verdienen nix daran, das ist alles sein eigener Wunsch…”…) Der Gute ist ja auch schon in Therapie gewesen, und der Rat des Therapeuten, man solle ihn da etwaige Neigungen zum Frauenkleider-Anziehen, Schminken und laszive-Gesten-ausprobieren ruhig gestatten, ist ja vielleicht absolut ok – aber doch nicht in einer erweiterten, ungeschützten Öffentlichkeit!!

Als sieben- bis elfjähriges Kind hat man möglicherweise alle möglichen Wünsche und Neigungen oder eben Manipulations-Potentiale (über die Straße laufen ohne nach rechts und links zu gucken, mit fremden Onkeln mitgehen, auf Aufforderung den Schwanz eines katholischen Priesters lutschen…) – und der Job der Eltern ist es, den Unterschied zwischen erwachsen und Kind sein zu begreifen und ein Kind zu beschützen. Vor dem eigenen Erfahrungs- und Bewertungs-Defizit und vor einem Missbrauch durch Erwachsene. Ein sieben- bis elfjähriges Kind kämpft nicht für LGBTQ-Rechte.

Eine sich entwickelnde kindliche Sexualität (vor der Pubertät…) ist vielleicht eh schon ein sehr kontroverses Thema (es gab ja mal eine Zeit, in der man einen da sehr liberalen Standpunkt auch gern besten Gewissens postulierte, um sich den Schwanz streicheln oder lutschen zu lassen oder um die eigene Tochter “aufzuklären” und mit ersten sachkundigen sexuellen Erfahrungen zu versorgen – die Grünen in ihrer Gründungsphase können ein Liedlein davon singen – aber da hat man eigentlich inzwischen dazugelernt. Und die Entwicklung der kindlichen Sexualität selbst gehört garantiert nicht an die (erweiterte, ungeschützte…) Öffentlichkeit; das ist mittlerweile Stand der Erkenntnis – dachte ich.

Natürlich kann man ein Kind im normalen, “privaten” Umfeld dabei unterstützen oder darin bestärken, “anders” zu sein, wenn es sich so empfindet. Zu Hause, im Kindergarten, in der Schule. Aber dazwischen und zwischen öffentlichen Auftritten bei Gay-Paraden, in Nachtklubs und Mode-Zeitschriften ist noch mal ein kleiner Unterschied. Die Mindestalter-Hürde bei den Social Media-Kanälen ist selbstredend auch nur unverbindliche Folklore, oder gab es da irgendeinen Sinn?

Ist das alles eh nur politisch bestens korrekter, weil queerer Karneval – oder ein legitimer frühreifer politischer Auftritt a la Klima-Retterin Greta Thunberg?

Bullshit. Wir brauchen das Ganze nur mal ganz kurz vom angeblich “ich bin schwul”-“Drag Kid” zur heterosexuellen “Normal”-Version zu switchen (schließlich ist ja auch LGBTQ-Sexualität nicht per se qualitativ besser als die straight-Variante…): Da würde dann eine geschminkte, aufgebrezelte, sich in lasziven Posen ergehende 7- bis 11-jährige “ich bin hetero”-Lolita in einem (Hetero…)-Club tanzen. Natürlich gibt es auch hier entsprechende Parallelen. Aber die sind ja genauso abartig.

EU-Parlament beschließt Urheberrechtsreform

Es ist schon einigermaßen lustig. Da gibt es einen höchst kontroversen Streit, der mit allen Argumenten (und allen Pseudo-Argumenten, Übertreibungen und Tatsachenverdrehungen; übrigens durchaus von beiden Seiten…)  über Monate hinweg ausgetragen wird, in aller Öffentlichkeit. In Diskussionsrunden, in Blogs, in Zeitungen, im Rundfunk, im Netz. Mit massivem Einsatz aller Lobby-Instrumente, mit Massen-Mails und angeblich oder tatsächlich auch mit Todes-Drohungen irgendwelcher durchgeknallter Eiferer.

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Und dann fällt die Entscheidung im EU-Parlamentin zweiter Instanz” nach all diesen Argumenten; vorgetragen ja jeweils von höchst respektablen Parteigängern: auf der einen Seite Verleger, Kreativschaffende und Gewerkschaften; auf der anderen Seite “Netzaktivisten”, Internet-Wirtschaftsverbandsvertreter, Verbraucherverbände, andere Kreativschaffende und natürlich auch (eher hinter den Kulissen…) die “Betroffenen”, also allen voran Google. Die Entscheidung fällt also in einem klaren Ergebnis zugunsten der “Pro-Providerhaftung und Pro-Leistungsschutzrecht”-Fraktion; ich referiere das und gebe wie immer als Netzautor meinen – wohlgemerkt aber auch als persönliche Meinung gekennzeichneten – Senf dazu ab; und wir (DLF Nova…) bekommen prompt eine Hörer-Zuschrift eines “Musikautors, Fachjournalisten, Buchautors” und offenbar auch Dozenten, der meint, ich würde in meiner Beurteilung der Kontroverse “falsche Schlüsse” ziehen.

Ich könnte vielleicht die Reklamation an die 226 EU-Parlamentarier weiterleiten, die mit “Nein” gestimmt haben, oder an die “Netzaktivisten”, Internet-Wirtschaftsverbände, Verbraucherverbände, andere Kreativschaffende oder Kommentatoren, die eben anderer Meinung sind. Ich selbst bin ja auch Kreativschaffender, und auch auch Gewerkschaftsmitglied – und in diesem Fall muss ich einfach sagen: Ich teile die Meinung meiner Gewerkschaft und meiner ansonsten hochgeschätzten Kollegen hier einfach nicht. Nach Auffassung des Hörerbriefschreibers sollten wir “als Journalisten hier eine eindeutigere Interessenslage haben.”

Es geht aber – mit Verlaub – gar nicht immer um die individuelle Interessenslage. Ich bin selbstverständlich VG-Wort-Mitglied und würde theoretisch (praktisch glaube ich eher nicht…) von der beschlossenen Reform profitieren – und trotzdem halte ich die für falsch. Auf der Payroll von Google stehe ich auch nicht. Wahnsinn, was? Ein “erheblicher” Mangel an Expertise, wie vom Hörermail-Autor vermutet, liegt bei mir auch nicht vor – mit einer kleinen Google-Suche 🙂 hätte er bestimmt auch schnell herausgefunden, dass ich kein “einfacher Korrespondent, der seine Meinung kund tut” bin, sondern schon ein Weilchen über Netzthemen berichte – tendenziell sehr kritisch gegenüber Google, Facebook und Konsorten.

Vielen Dank in diesem Zusammenhang für die Aufklärung über die Monetarisierung von Google durch unsere User-Daten – da hab ich ja noch nie etwas drüber gehört. 🙂 Das Problem ist nur, dass der Hörerbriefschreiber – genau wie die Apologeten der Verleger-Seite (wobei das bei FAZ-Angestellten klar ist, dass sie das Lied ihres Brötchengebers singen müssen, während ich als ÖR-Beschäftigter einigermaßen gut pfeifen habe…) – stocksteif nur bei der einen, der eigenen “Interessenslage” geschuldeten Sichtweise bleibt. Ich habe in der Sendung die Frage aufgeworfen, ob es denn eigentlich einen Anspruch auf die kostenfreie Dienstleistung “aufgelistet werden in einer Internet-Suchmaschine” geben kann.

Der Hörermail-Verfasser wendet den Aspekt “kostenfreie Dienstleistung” prompt wieder in die Gegenrichtung und merkt an:

“Ganz genau! Google News nutzt die Lead-Sätze/Teaser-Texte und schafft dafür für sich einen Mehrwert. Es gibt Erhebungen, dass Google News-User gar nicht mehr auf die Seiten der Zeitungen/Contentanbieter gehen, sondern sich nur die Kurzversionen durchlesen. Damit ist der Vorteil von Google & Co schon hinweg.”

Entschuldigung – trotz des Dauerfeuers in der von mir geschätzten und abonnierten FAZ erschließt sich mir immer noch nicht, wie denn die angebliche unmittelbare Mehrwert-Schaffung bzw. der Content-Diebstahl hier aussehen soll – bei Google News schaltet Google ja eben keine Werbung. Dass es mittelbar einen gewissen Mehrwert allein schon durch die Datenauswertung der Google News nutzenden User gibt, ist mir mit meiner vorhandenen Expertise 🙂 durchaus klar. Dass es Leute geben mag, denen das Lesen von Überschrift und Teaser (“Kurzversionen” -:) ) reicht, mag ja sein – aber das ist natürlich eher ein tragischer Kulturverfall als ein Problem von Google. Das sind aber dann eben Leute, die das eigentliche Qualitätsprodukt auf den Verleger-Seiten eh nicht mehr lesen und die Seiten eh nicht mehr ansteuern.

Meiner Meinung nach ist das Verhältnis zwischen Content-Produzenten (sowohl private als auch geschäftliche…) und Google eine Symbiose, und zwar eine höchst heikle – das ist mir völlig klar. Ob die vollkommen austariert ist – keine Ahnung. Ich bin da ja eigentlich eher radikal und habe immer dafür plädiert, das furchtbar nervende Internet-Geschäftsmodell “Werbung” mit dem absolut problematischen Deal “Daten gegen Pseudo-Gratis-Dienste” aufzugeben. Leider sieht das die Masse der User anders.

Ich selbst befürworte den Einsatz von Werbeblockern, ich würde mir wünschen, dass andere Geschäftsmodelle – Content-Flatrates, Pay-Modelle funktionieren; ich selbst abonniere nach wie vor diverse Zeitungen samt Online-Ausgaben, obwohl ich die auch “gratis” im Sender lesen könnte; leider sieht das die Masse der User anders – und liest eben überhaupt keine Artikel mehr, sondern bestenfalls noch eine Überschrift oder einen Clickbait-Teaser und drückt dann mit letzter Kraft auf den “like”-Button. 🙂 Solche Leute kommen aber eh nicht mehr auf die Seiten der “Qualitätsjournalismus”- Anbieter – wobei ja ulkigerweise das Haus Axel Springer am lautesten jammert 🙂

Aber ist Google für diesen Kulturwandel verantwortlich? Ich glaube nicht. Das Pech für die Verleger ist nur, dass ihr angestammtes Finanzierungsmodell – eben das Schalten von Werbung, von Anzeigen den Bach runter geht bzw. jetzt in anderen Kanälen stattfindet. Das Glück von Google ist, dass das Schalten von Werbung insgesamt immer noch funktioniert – trotz aller Fragwürdigkeiten in Bezug auf die Wirksamkeit, trotz aller Manipulation wie Clickbait und Klickbetrug; und trotz meines eingeschalteten Werbeblockers. 🙂

Aber jetzt noch mal mein Argument: Wieso glauben denn Verleger und andere Akteure im Netz, dass die bislang immer kostenfreie Dienstleistung von Google, sie bzw. ihre Webseiten auffindbar zu machen, auch für immer kostenfrei bleiben muss? Die Akteure bezahlen doch auch teures Geld für SEO-Maßnahmen und ggf. natürlich auch für Werbe-Kampagnen; die Auffindbarkeit ist absolut existenziell für ihr Geschäftsmodell. Wie ich schon in der Sendung gesagt habe – wenn Google als Monopolist mit einer radikalen Auslistung von allen Kohle-Anforderern drohen würde, wäre das vielleicht wettbewerbswidrig. Aber wieso sollte nicht Google von allen kommerziellen Akteuren eine kleine Gebühr für das Auflisten im Suchindex fordern dürfen, eventuell zufällig in gleicher Höhe wie die anders herum verlangten Leistungsschutzrechts-Abgaben? 🙂

Das mal so als meine selbstverständlich völlig “expertiselose und uninteressante” Meinung. Aber die Schlacht ist ja eh geschlagen. Warten wir mal ab, was die Trilog-Besprechungen aus dem Quark noch machen. Notfalls tröstet mich ja meine nächste VG-Wort-Abrechnung 🙂

Was die Urheberrechtsreform der EU für das Netz bedeuten könnte

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 13.09.2018 (Moderation: Till Haase)

Facebook: Die Entscheidung über Politiker-Posts übernimmt die Zentrale

Man könnte fast schon Mitleid bekommen mit Facebook. Denn auseinanderzuhalten, welche User-Posts ok sind und welche nicht, das ist auch mit den schönsten Content-Richtlinien immer wieder eine Gratwanderung. Wenn Einträge online gehen, die nach US-amerikanischem Recht zulässig wären und unter die am Stammsitz des Social Networks sehr weit gefasste Meinungsfreiheit fielen, dann schreit vielleicht der Justizminister eines unbedeutenden Zwergstaates irgendwo auf der Welt Zeter und Mordio und droht mit empfindlichen Geldstrafen und Zwangsmaßnahmen 🙂 .

Aber zum Glück muss Mark Zuckerberg die heikle Arbeit ja nicht selbst machen, sondern kann sie aus der immer noch prall gefüllten Geldbörse an mau bezahlte Hilfskräfte weitergeben. Für den “einfachsten” und schlimmsten Job – das Aussortieren von exzessivster Gewalt und Kinderpornografie – zahlt Facebook “logischerweise” am wenigsten; das Begutachten von Texten erfordert hingegen schon eine höhere und vor allem muttersprachliche Qualifikation – dafür gibt es dann in einem jungen, hippen Team im schönen Berlin glatte 1400 Euro monatlich zu verdienen; ggf. plus Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit.

Und ein weiterer Bonus ist drin, wenn ein(e) Content-Moderator(in) bei der Entscheidung “Löschen oder stehen lassen” überproportional oft richtig lag. Knifflige Fälle, etwa nach “Zensur!”-Protesten von hochrangigen Politikern, übernimmt die Zentrale. Der Bericht von “Zoltan” auf der ungarischen Website 444.hu ist auch über den Umgang mit dem Video des Fidesz-Kabinettchefs Janos Lazar hinaus interessant – so reichen offenbar subtile Umformulierungen aus, die Facebook-No-Go-Kriterien zu umschiffen und die beabsichtigte Botschaft doch noch recht unmissverständlich ans Volk zu bringen.

Facebook Moderator: Posts von ungarischem Kabinettschef bleiben unangetastet · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 15.08.2018 (Moderation: Till Haase)