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Datenschutzaktivist Max Schrems gründet „NOYB“ -„none of your business/geht dich nichts an“

Max Schrems ist mittlerweile kein Unbekannter oder Exot mehr; das ist dieser junge Jurist aus Österreich, der sich seit 2011 mit Facebook angelegt hat. Nicht aus Jux und Dollerei, sondern aus gutem Grund, und das äußerst hartnäckig und erfolgreich – da passt das etwas abgedroschene Bild vom Kampf David gegen Goliath wirklich. Mittlerweile, nach mehreren Verfahren durch alle Instanzen bis hinauf zum Europäischen Gerichtshof haben Facebook und die anderen Big Player im Internet das Anliegen und die Botschaft von Max Schrems verstanden bzw. verstehen müssen: Wenn ein Unternehmen hier in Europa mit europäischen Nutzern Kohle machen will, muss es sich auch an europäische Gesetze und Datenschutzvorschriften halten.

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Bislang hat Max Schrems seinen Streit quasi im Alleingang (wenn auch schon mit finanzieller und personeller Unterstützung und “Sympathien” bis hinauf zur EU-Kommission…) geführt. Jetzt hat er eine Organisation gegründet, die die dabei gesammelten Erfahrungen und personellen Ressourcen bündeln und fortführen will. NOYB heißt die, das steht für „none of your business“ – „geht dich nichts an“. Nach österreichischem Recht ist das erstmal ein gemeinnütziger Verein, und den können und sollten alle an Datenschutzfragen Interessierte in einer Art Crowdfunding-Verfahren fördern. 🙂 Denn die Diagnose von Max Schrems wird ja von den “offiziellen” Datenschutzbeauftragten geteilt: Sie selbst, mit zwei, drei Stellen und einem knappen Budget ausgestattet, können den milliardenschweren IT-Giganten mit Stammsitz USA (oder Steuerparadies…) gar nicht wirksam Paroli bieten.

NOYB will mit Öffentlichkeitsarbeit, aber auch vor allem auch mit der konkreten Unterstützung von musterhaften Datenschutzklagen dazu beitragen, dass das EU-Datenschutzrecht zukünftig nicht nur auf dem Papier steht. Das soll aber nicht ideologisch und einseitig werden; NOYB will auch umgekehrt Unternehmen dabei helfen, datenschutzkonform im Netz zu agieren. Und dann wiederum auch eine Anlaufstelle für Whistleblower werden, die Verstöße aufdecken wollen. Auf jeden Fall bietet die neue Organisationsform eine bessere Chance, die formaljuristische Pseudo-Verteidigungsstrategie von Facebook und Konsorten auszuhebeln: Max Schrems sei ja gar nicht als Privatperson klagebefugt – und andererseits: Sammelklagen seien aber auch nicht zulässig 🙂 …

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 29.11. 2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Bizarre Kontakte zu Donald Trump jr.: Wikileaks auf Abwegen

Donald Trump jr. ein Jahr lang in Kontakt zur Enthüllungsplattform Wikileaks, und das seit September 2016, also in der ganz heißen Phase des Wahlkampfs um den Einzug ins Weiße Haus – das hört sich nach einem weiteren Beleg für unsaubere Machenschaften des Trump-Teams an; schließlich dürfte die Veröffentlichung der internen Emails der Demokraten-Partei ein entscheidender Faktor für Hillary Clintons Wahlniederlage gewesen sein. Aber trotz aller Antipathie zum Lager des POTUS-Darstellers: Ich weiß nicht, was man Donald Trump jr. in dieser Sache ernsthaft vorwerfen will – er hat ja so gut wie gar nicht auf die Twitter-Avancen reagiert; möglicherweise war ihm oder seinem Team die Sache auch nicht geheuer – da hätte er dann deutlich mehr politische Klugheit gezeigt als die Prankster-Opfer aus der Entourage seines Vaters.

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Skandalös ist vielmehr das Verhalten von Wikileaks bzw. von Julian Assange – das Ganze als listigen Versuch darzustellen, Trump jr. zu einem Selbstleak zu verführen, das nimmt man der Plattform und ihrem Anführer nicht mehr ab. Wikileaks ist mittlerweile “Assange.org” und verfolgt eine eigene, unseriöse und anrüchige Agenda. Für verantwortungsvolle Whistleblower, die Missstände aufdecken wollen, gibt es inzwischen andere Ansprechpartner.

Julian Assanges Taktik: Bizarre Strategien bei Wikileaks · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 15.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Twitter-Account von Donald Trump gelöscht – leider nur für 11 Minuten

Der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin von Twitter, der/die den dauerzwitschernden, orangegelockten Singvogel im Weißen Haus mal eben als letzte Amtshandlung den Schnabel verbunden hat, ist ja postwendend für den Friedensnobelpreis nominiert wurden. Aber bereits nach 11 Minuten hatte der Präsidenten-Darsteller sein Sprachrohr wieder – dass therealdonald tatsächlich mal wie seine Steigbügelhalter aus der Altright-Ecke vom Kurznachrichtendienst suspendiert oder rausgekickt wird, ist praktisch undenkbar; Geschäft ist schließlich Geschäft.

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Es gibt ja ein paar Nörgler, die die ganze Aktion gar nicht witzig finden. Klar, wenn ein niederer Support-Mitarbeiter mal eben dem POTUS den Zwitscher-Hahn abklemmen kann, dann kann er vielleicht auch auf eigene Faust den Start sämtlicher US-Atomraketen auf Pjöngjang, Beijing, Teheran und Moskau ankündigen. Und dann kann man gemütlich abwarten, ob es irgendwo noch andere Bekloppte gibt, die die (in diesem Fall dann auch noch gefälschten, aber das wäre ja nun echt schwer zu erkennen…) Tweets eines Bekloppten für bare Münze nehmen. Oder vielleicht wird der Gegenschlag und die Vernichtung der Welt dann ja auch ganz zeitgemäß durch eine KI ausgelöst, die Tweets “verstehen” kann und automatisch reagiert?

Donald Trump: Auf Twitter gelöscht für 11 Minuten · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 03.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Jesus contra Satan: Wie die russischen Anzeigen im US-Wahlkampf tatsächlich aussahen

Es ist mittlerweile keine Spekulation mehr, sondern erwiesen: Russland hat versucht, Einfluss auf die US-Präsidentschaftswahlen zu nehmen. Die Anzeigen bei Google,  Facebook und Twitter haben doch sehr viel mehr US-Bürger zu sehen bekommen, als zuerst behauptet – die bewährte Salamitaktik der IT-Firmenchefs verfängt hier nicht mehr so recht; bei der Untersuchung vor dem US-Senat werden gerade die Vertreter der betroffenen Internet-Unternehmen doch recht intensiv befragt bzw. vielmehr „gegrillt“. Wie die von russischen “Agenturen” geschalteten Anzeigenmotive konkret aussahen, das wussten wir bislang nicht. Jetzt haben Facebook und Co. die Karten auf den Tisch gelegt und die Anzeigen herausgerückt.

 

Und da weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Genau wie schon im Vorfeld angedeutet – die Motive nehmen gar nicht etwa nur Partei für Donald Trump und gegen Hillary Clinton; sie bedienen praktisch das ganze Spektrum der politischen bzw, gesellschaftlichen Auseinandersetzung in den USA – und das auf eine möglichst plakative Weise. Wenn man sich aber klar macht, das einzelne Motive sehr gezielt auf Basis der Social-Media-Geschichte einzelner User individuell präsentiert werden konnten, ist die ganze Aktion sehr viel weniger ein “Schrotschuss”, als einem das beim nachträglichen Durchblättern der Anzeigen vorkommt.

Wer sich von einem kitschigen Jesus-contra-Satan-Armdrück-Bildchen (theologisch ist das auch äußerst problematisch…) in seiner politischen Willensbildung beeinflussen lässt, ist natürlich debil. Aber wer sagt, dass sich Demokratie nur an geistig Gesunde richtet – sowohl was die Wähler als auch was den Gewählten betrifft? Insofern folgte die Aktion also dem Kalkül: Je mehr Polarisierung, desto besser für Trump und desto schlechter für Clinton. Ob man im Kreml (na klar – die Troll-Agentur hat diese Kampagne wie auch das andere Tagesgeschäft natürlich nur auf eigene Initiative hin oder aus Spaß an der Freud durchgeführt 🙂 )  im Nachhinein mit der Einflussnahme glücklich ist, das ist noch mal eine andere, auch wieder sehr lustige Frage.

Manipulation des US-Wahlkampfs: Russische Anzeigen · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 02.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Hack auf NSA-Contractor: Ist Kaspersky-Antivirensoftware verantwortlich?

Kaspersky ist einer der Marktführer bei Antivirensofware und IT-Sicherheit, und das weltweit. Die Firma und ihre Mitarbeiter verfügen zweifellos über exzellentes technisches Knowhow; bei der Aufdeckung und Analyse von Hacking-Angriffen ist Kaspersky immer vorne mit dabei. In den USA hat das Unternehmen allerdings seit Monaten gewaltige Probleme. Die russische Firma Kaspersky habe enge Verbindung zum russischen Geheimdienst, heißt es dort – US-Regierungsbehörden dürfen die Antivirensoftware nicht mehr verwenden. Und nun gibt es angeblich neue Belege dafür, dass Kaspersky bei dem höchst peinlichen Hack auf die Cyberangriffswerkzeuge der NSA eine Rolle gespielt haben soll.

Für das Unternehmen sind die Vermutungen und Vorwürfe eine Sache von allerhöchster Brisanz – man habe sich da nichts zuschulde kommen lassen, beteuert Kaspersky. Und in der Tat sieht es im Fall des anscheinend höchst fahrlässigen NSA-Contractors eher so aus, als habe die Antivirensoftware nur ihren Job gemacht – und entsprechend der aktivierten Echtzeit-Cloudanalyse dann eben auch Samples der dubiosen Dateien auf die Kaspersky-Server hochgeladen. Mein vorläufiges Fazit: Für Normal-Anwender ist das Unternehmen nach wie vor genauso oder genauso wenig vertrauenswürdig wie andere Hersteller. Ob ich mich aber als NSA-Mitarbeiter auf die absolute Immunität Kasperskys gegenüber irgendwelchen etwaigen “Wünschen” oder Forderungen russischer Behörden verlassen würde, ist noch mal eine andere Frage… 🙂

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 06.10.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Nachklapp 02.12.2017 – Logischerweise sind auch westliche Geheimdienste völlig schmerzfrei bei “false flag”-Operationen, auch wenn das für ein Privatunternehmen wie Kaspersky geschäftsschädigend sein könnte. Dass die russischen Virenjäger die NSA-Spionagemalwaredateien tatsächlich entdeckt und analysiert, dann aber restlos wieder gelöscht haben wollen, das fällt mir -sorry- sehr schwer zu glauben. Mittlerweile warnt auch das britische National Cyber Security Centre die einheimischen Behörden davor, Kaspersky-Software einzusetzen. Und last but not least – der unselige NSA-Contractor hat sich schuldig bekannt und dürfte trotz seiner Dienste für die Nation noch ein paar Jahre seines Ruhestands hinter Gittern verbringen.

Bundesinnenministerium verbietet linksunten.indymedia.org

Ich muss ja zugeben: Mir selbst sind Linksradikale irgendwie einen deutlichen Tick lieber als Rechtsradikale. Bei den Linken schwebt wenigstens noch eine grundsätzlich sympathische und humane Utopie im Hintergrund: Gerechtigkeit für die Unterdrückten und Ausgebeuteten, Freiheit und bedingungsloses Grundeinkommen für alle 🙂 , wirtschaftlicher “Erfolg”, Abzocke und abgezockte oder geerbte Kohle dürfen keine Legitimation für politische Macht sein usw. usw. Wie heißt es doch so schön: “Wer mit 20 Jahren nicht Sozialist ist, der hat kein Herz, wer es mit 40 Jahren noch ist, hat kein Hirn.” Weil die Utopie halt nicht praxistauglich ist.

Rechtsradikale oder Nationalisten hingegen sind einfach nur bescheuert – wie man auf die Zugehörigkeit zu einer “Nation” oder einer “Rasse” “stolz” sein kann, entzieht sich meinem Verständnis. Die eventuellen hochgejubelten Leistungen oder Verdienste haben ja irgendwelche Individuen erbracht, übrigens auch meist einfach so, ohne irgendeine Verbindung zur “Nation” oder “Rasse” – und natürlich kann kein kurzgeschorener Neo-Nazi die kulturelle Leistung von Goethe und Schiller für sich reklamieren; was der Ku-Kux-Klan oder auch türkische Nationalisten oder salafistische Attentäter für sich reklamieren wollen, erschließt sich mir auch nicht: Ein kriminelles Arschloch und ein ungebildeter Versager bleibt halt ein kriminelles Arschloch oder ein ungebildeter Versager. Egal was da Imame, Aufhetzer oder letztlich sogar US-amerikanische oder türkische Präsidenten schwafeln …

Aber mal ganz klar – weil ja nach den G20-Krawallen in Hamburg der Vorwurf einer einseitigen Wahrnehmung in Richtung “Systempresse” geäußert worden ist: Letztlich sind Rechtsradikale und Linksradikale Idioten und Bewohner einer Parallelwelt, die mit der Wahrnehmung der einigermaßen normal tickenden normalen Bevölkerung nichts zu tun haben. (Und nein – wir wollen auch nicht von euch Idioten/Exoten aufgeweckt/bekehrt/zwangsbekehrt werden… “Warnung: Auf der Autobahn A3 kommt ihnen ein Geisterfahrer entgegen. ‘Wieso einer? Hunderte!'”) Nee, ihr seid die Geisterfahrer! Also von daher – ich habe die Bullenschweine-Feinde von linksunten.indymedia.org bislang immer eher als nicht ganz zurechnungsfähige, irgendwie links-folkloristisch Verwirrte aufgefasst.

 

Wenn das Bundesinnenministerium die Plattform jetzt verbietet (anscheinend gibt es ja mit der Durchsetzung noch einige Probleme 🙂 ), habe ich dafür ehrlich gesagt weitgehendes Verständnis. Wieso sollten wir Neo-Nazi- und Salafisten-Seiten aus dem Netz kicken und von amerikanischen Mainstream-Akteuren wie Twitter und Facebook die Einhaltung europäischer und deutscher Gesetze fordern – und von einer “autonomen” linksextremistischen Seite nicht?

Netzwerk von radikalen Linken offline: Verbot von linksunten.indymedia.org · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 25.08.2017 (Moderation: Thilo Jahn)

 

P.S. Die letzten Mohikaner von linksunten.indymedia.org haben eine Botschaft voller Cyberspace-Neo-Poesie und rätselhafter Bildsymbolik auf ihre Seite gestellt. Und wem der Text in all seinem geradezu rührenden Gestus irgendwie schon wieder reichlich von gestern vorkommt, hat recht – mittlerweile trampeln Mainstream-Politiker ungeniert durchs Neuland einher. Übrigens – sich für irgendwie exterritorial zu erklären, garantiert auch noch nicht, dass man nicht einen an der Klatsche hat – siehe “Reichsbürger”…

Neues zur Social-Media-Kontrolle bei einer Einreise in die USA

Dass bei der Visumerteilung und der Einreise in die USA auch bestehende Social-Media-Accounts angegeben werden werden müssen, hatte ja beim Bekanntwerden der Neuerung – noch in der Amtszeit von Barack Obama – für einiges Aufsehen gesorgt. Seinerzeit war offen geblieben, wie eigentlich die Überprüfung eines Facebook- oder Twitterkontos ablaufen würde, welche Erkenntnisse dabei eigentlich gewonnen werden sollen. Jetzt gibt es erstmals eine konkrete Antwort darauf – naheliegenderweise erfolgt der Account-Check per Software und Sentiment-Analyse, das berichtet die US-Wochenzeitung The Nation.

Da kann also jeder USA-Reisende nur hoffen, dass er zuvor den richtigen Ton getroffen hat in seinen Postings und Tweets. Und dass die Analyse-Software auch alles richtig verstanden hat. Vielleicht hilft es ja, alle Verlautbarungen von TheRealDonald zu retweeten, immer mit einem Daumen-hoch-Emoji oder einem kurzen “Great – weiter so!”

Allerdings – es ist ja nicht gesagt, ob die Amtszeit des “Orange one” nicht vorzeitig zu Ende geht. Oder ihm sein Twitter-Account abhanden kommt, was eine ehemalige CIA-Agentin mit einer “äußerst originellen” Crowdfunding-Idee anstrebt. (Ich überlege, ob ich nicht auch eine Milliarde Dollar, gerne auch mehr, einsammeln soll, um Trump seinen Tower abzukaufen und ihn dann auf die Straße zu setzen. Oder seine Golfplätze, und ihm dann Hausverbot erteilen.) Auch Nordkorea sieht hier Handlungsbedarf – leider fehlt es dem Land derzeit an Devisen, um sich an der gut gemeinten Aktion zu beteiligen.

USA-Einreise: Software prüft, ob der Ton in Social-Media-Profilen stimmt · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 24.08.2017 (Moderation: Thilo Jahn)

Erst Scaramucci, jetzt Breitbart: Der Email-Prankster schlägt wieder zu

Das Türenschlagen und Ein- und Ausflattern komischer Vögel im bekanntesten Irrenhaus der Welt geht munter weiter, inzwischen hat ja auch “Chefstratege” Steve Bannon sein Köfferchen packen dürfen und ist in allerbestem Einvernehmen mit seinem guten Kumpel Donald wieder bei Muttern eingezogen zu seinem Hetz- und Fake-News-Portal Breitbart zurückgegangen. Um dort den “Krieg” für Donald und die große amerikanische Nation weiterzuführen. Nun ist ja bekanntlich jeder Krieg ein Stück weit schmutzig, und insofern macht Breitbart nun also auch in Richtung Weißes Haus das, was es am besten kann: Mit Schmutz werfen. Ein paar Klümpchen gegen Buddy Donald selbst, die richtig dicken Brocken aber gegen die Typen, die dem Chefstrategen Bannon immer wieder ins Handwerk gepfuscht haben.

 

Das sind nämlich Donalds Tochter Ivanka und ihr Ehemann Jared Kushner (die im Gegensatz zum POTUS selbst noch zurechnungsfähig zu sein scheinen und ihm hoffentlich im Rahmen ihrer Betreuungspflichten auch schon das Atomköfferchen versteckt bzw. ausgetauscht haben…) – und die glaubt Breitbart-Chefredakteur Alex Marlow bis Ende des Jahres aus dem Weißen Haus mobben zu können; notfalls auch mit richtig dreckigem Dreck. Das schreibt er jedenfalls in einer launigen Antwortmail an seinen Wieder-Chef Bannon – doch oh weh – die Mail kam gar nicht von dem, sondern vom Email-Prankster, der ja vor kurzem schon die Mutter aller Kommunikationschefs, Anthony Scaramucci, auf unterhaltsame Weise genarrt hatte.

Die ziemlich unbeeindruckte Reaktion der Breitbart-Bagage auf den Prank nötigt aber auch schon wieder Respekt ab: In den geleakten Mails stehe ja nichts anderes drin, was man nicht auch auf der Breitbart-Seite offen publizieren würde, so Marlow. Niedertracht und Dreck eben. “Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sichs gänzlich ungeniert.”

Deutschlandfunk Nova · Posse im Weißen Haus: Jeder gegen Jeden

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 23.08.2017 (Moderation: Thilo Jahn)

Appell an UN: Autonome Waffen ächten

Das Szenario ist uns aus zig Science-Fiction-Filmen vertraut, vom Terminator bis zu Matrix: Vom Menschen geschaffene “Künstliche Intelligenz”, die irgendwann aus dem Ruder läuft und sich gegen den Menschen wendet. Dass sehr ernstzunehmende Wissenschaftler und Unternehmer – die eben selbst an KI forschen oder diese in ihren Produkten einsetzen – vor “Killer-Robotern”, vor autonom agierenden Waffensystemen warnen, ist gar nicht einmal neu, aber bestimmt keine irrationale Schwarzmalerei von Technik-Skeptikern. Elon Musk, einer der Mitunterzeichner des offenen Briefes hatte sich in dem Zusammenhang vor kurzem ein kleines Scharmützel mit dem Chef von Facebook, Mark Zuckerberg, geliefert.

Ob sich die Entwicklung der Waffen der Cyber-Generation durch eine UN-Ächtung aufhalten lässt, das darf man (als Berufs-Pessimist sowieso…) getrost bezweifeln. Zu verlockend sind vollautonome Waffensysteme für die Militärs, gerade in einer Zeit der “asymmetrischen Kriegsführung”, in der man es einerseits mit einem technologisch unterlegenen Feind zu tun hat – und in der man (bzw. die Gesellschaft hinter der High-Tech-Armee…) immer weniger bereit ist, eigene Verluste zu akzeptieren. Die “Killer-Roboter” versprechen einen strategischen und taktischen Vorteil, der kriegsentscheidend ist – zumindest eine Zeitlang. Bis nämlich die ersten Systeme in fremde Hände fallen oder gehackt werden, bis die Underdogs technologisch nachgezogen haben – nur ein kleines Beispiel: Mit Drohnen lässt sich schon jetzt allerhand anstellen, und dass die bisherigen islamistischen Terroristen überwiegend debile Kleinkriminelle sind, muss ja nicht immer so bleiben.

Vom Super-GAU, der “Emanzipation” und Bewusstwerdung einer KI jetzt einmal ganz abgesehen: Autonome Waffensystem entwickeln heißt, die Büchse der Pandora öffnen – sagen die Verfasser des warnenden Briefes. Da ist definitiv etwas dran.

Deutschlandfunk Nova · Autonome Waffensysteme: Unternehmer appellieren, die Entwicklung autonomer Waffen zu ächten

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 21.08.2017 (Moderation: Thilo Jahn)

Erdogan attackiert Kurz scharf

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den österreichischen Außenminister Sebastian Kurz in einer scharfen persönlichen Attacke vor weiterer Kritik an der Türkei gewarnt. “Er kennt keine Grenzen”, kritisierte Erdogan in einer im Fernsehen übertragenen Rede. An Kurz gerichtet fügte Erdogan hinzu: “Wer sind Sie, dass Sie mit dem Präsidenten der Türkei reden? Beachten Sie Ihre Grenzen!” Auch kritisierte Erdogan, Kurz versuche, “uns eine Lektion zu erteilen”. Wiederum an den Außenminister gerichtet fügte er hinzu: “Wie lange sind Sie eigentlich in der Politik? Wie alt sind Sie?”

 

Mit seiner Kritik reagierte Erdogan offenbar darauf, dass sich Kurz jede Einmischung des türkischen Präsidenten in die österreichischen Wahlen im Oktober und ganz allgemein „in innere Angelegenheiten anderer Staaten“ verbeten hatte. Erdogan hatte türkischstämmige Wähler in Deutschland zuvor aufgefordert, bei der Bundestagswahl im September nicht CDU, SPD oder Grüne zu wählen.

Vor seiner Zurechtweisung des österreichischen Außenministers hatte der türkische Präsident bereits den deutschen Außenminister mit ganz ähnlich klaren Worten zurechtgewiesen. Der an und für sich für seine stets sehr zurückhaltenden und diplomatisch formulierten politischen Statements bekannte türkische „Reis“ geriet bei seiner Ermahnung des noch blutjungen Polit-Neulings Kurz ausnahmsweise etwas in Rage: „Wenn das Milchgesicht nicht die Fresse hält, werden wir da weitermachen, wo unsere tapferen osmanischen Truppen aus humanitären Gründen 1683 noch einmal Gnade vor Recht haben walten lassen.“

 

„Die Politiker in Deutschland zittern vor dem Donnerhall aus Istanbul Ankara und springen auf und ab. Und dieses Würstchen aus dem bedeutungslosen Alpen-Kleinstaat wagt es, dem Türkischen Präsidenten, gelobt sei sein Name, zu drohen?“ führte Erdogan weiter aus. Auch Adolf Hitler sei bekanntlich Österreicher gewesen, erinnerte der geschichtsbewanderte türkische Präsident: “Ihr seid Faschisten. Ihr mit Euren Nazi-Praktiken könnt so verärgert sein wie Ihr wollt.” Recep Tayyip Erdogan kündigte zum Abschluss seiner von seinen Anhängern umjubelten Rede an, Jan Böhmermann, Sebastian Kurz, Sigmar Gabriel sowie überhaupt sämtliche Kritiker, Journalisten, Dissidenten und Spötter „überall auf der Welt“ verhaften und in die Türkei ausliefern zu lassen.