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Amazons „Echo Look“ gibt Stylingtipps

Es gibt ja den alten Witz, in dem die böse Königin vor das Zaubermöbel tritt und die berühmten Worte spricht: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ – „Geh mal einen Schritt zur Seite, ich kann sonst nichts sehen.“ Mittlerweile sind zuhörende und quatschende Spiegel natürlich nichts märchenhaftes mehr, sondern knallharte digitale Realität. Datenschutz-Bedenkenträgern wie mir sind ja schon die bisher auf dem Markt erhältlichen Assistenz-Abhörwanzen ein Greuel – die Kamera im neuen „Echo Look“ geht da noch einmal einen logischen Schritt weiter.

Dass das Gadget dann auch noch für den „Style Check“ im Schlaf- oder Ankleidezimmer stehen soll, macht die Sache noch aparter. Aber eines steht fest: Die Home-Assist-Systeme und die damit einhergehenden neuen Möglichkeiten der gezielten Kundenanalyse und Werbeansprache versprechen der Branche schönste Umsatzperspektiven. Bei der Vorstellung der Quartalszahlen nannte Amazon sein Sprachsystem Alexa schon ausdrücklich als signifikant positiven Faktor für das Geschäftsergebnis; dazu passt auch bestens das Update für die digitale Einflüsterin:

Ab sofort wird Alexa viel natürlicher klingen – mit einer frei gestaltbaren Sprachmelodie, mit betonten oder geflüsterten Worten. Konkurrent Google stellt sein Assist-System ab sofort für fremde Hardware-Hersteller zur Verfügung, und dass auch Apples Siri bald in einem Hardware-Device Einzug in unsere Wohnstuben halten will, gilt unter Tech-Auguren als ausgemacht. Da bahnt sich ohne jeden Zweifel ein weiterer Privacy-Paradigmenwechsel an: Wer in absehbarer Zeit nicht einen der Assistenten zu Hause rumstehen, rumlauschen oder rumglotzen hat, der hat bestimmt etwas zu verbergen.

Deutschlandfunk Nova · Amazons „Echo Look“: Alexas Schlafzimmerblick

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 28.04.2017 (Moderation: Till Haase)

Der „Facebook-Mord“: Wie umgehen mit Gewaltvideos?

Der „mutmaßliche Mörder“, wie es so schön und offiziell heißt nach den Richtlinien des deutschen Journalismus, ist tot. Der „mutmaßliche Mörder“ hatte allerdings die Ankündigung seiner Tat, den abartigen Mord an einem Zufallsopfer – einem Großvater auf dem Rückweg vom Osteressen; ein Schwarzer übrigens genauso wie der Täter –  und anschließend das „Geständnis“ samt wirrer, narzisstischer „Erläuterungen“ dazu bei Facebook gepostet; und war daher nicht mehr so besonders mutmaßlich. Ich muss gestehen: Ich war und bin wütend, nachdem ich das Ereignis zur Kenntnis genommen habe – und den lächerlichen, erbärmlichen, feigen und verabscheuungswürdigen Gedanken des Täters:

„Mein eigenes Leben bzw. mein individuelles Wohlbefinden ist gerade so schrecklich verletzt, dass ich jetzt mal irgendeinen unbeteiligten Schwächeren killen muss.“ Dass das in den USA dadurch begünstigt wird, dass alle Leute legal oder faktisch ungehindert mit Wummen durch die Gegend laufen – geschenkt. Dass der Mörder von Cleveland im Gegensatz zu Herrn Lubitz nur einen Unschuldigen getötet hat, bevor er auf die – so denkt man unmittelbar – wesentlich bessere Idee kam, sich doch mal selbst zu töten; alleine bitte schön – geschenkt. Und hier kann man schon allmählich einmal die Wut- und Emotionsbremse ziehen:

Am besten wäre es natürlich, wenn Menschen wie Herr Lubitz und Herr Stephens nicht andere Leute und am Ende auch sich selbst killen, sondern vielleicht Hilfe suchen; wenn sie ihren eigenen Schmerz und ihre eigenen Verwundungen mit anderen besprechen. Und zwar mit konkreten Menschen, nicht mit einer amorphen, dem Verwundungs-Narzissmus Auftrieb gebenden virtuellen „Öffentlichkeit“. Dieser Gedanke ist allerdings etwas naiv heutzutage: Natürlich funktioniert das Versprechen und das Grundprinzip von Facebook und aller Sozialen Netzwerke bei einem psychisch verwundeten potentiellen Mörder oder IS-Attentäter genauso wie bei einem Katzenvideo-Poster, der auch nicht mehr alle Tassen im Schrank hat:

„Du, deine eigentlich erbärmliche und vollkommen nichtsbedeutende Existenz, deine Belanglosigkeit und Gewöhnlichkeit und deine belanglosen, feigen, erbärmlichen und perversen Taten werden irgendwie bedeutend – weil sie bei uns im Netz stehen. Und weil irgendwelche ebenso unbedeutende Leute, die Du nicht kennst und die Dich nicht kennen, deine Postings (vermeintlich…) zur Kenntnis nehmen und weiterverbreiten. Ist zwar alles nur ein Mausklick und ein großer Bedeutungs-Fake, aber immerhin. Außerdem verdienen wir dran.“

 

Wer das pervers und abartig findet, hat recht. Wer findet, dass wir durch die nur einen Mausklick entfernte Zur-Kenntnis-Nahme von abartigen Gewaltdarstellungen von Irren, Mördern und (angeblich…) religiös Verzückten psychisch schwerst verletzt werden, hat recht. Wer findet, dass der Ersatz normaler zwischenmenschlicher Kommunikation durch den Social-Media und Smartphone-Umweg pervers ist, dass Trennungen per WhatsApp-Message, dass Stalking und Sexting unter 13jährigen Schülern nicht in Ordnung, sondern abartig sind, hat recht.

Und trotzdem: Das ist die Welt, in der wir leben. Die Welt, die nicht zurückzudrehen sein wird. Die Welt, in der wir den ganzen Tag auf unsere Screens glotzen, und vielleicht (noch…) die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, welchen Scheiß, welche Perversität wir uns da anschauen. Von daher – das Problem liegt wahrscheinlich wirklich nicht bei Facebook und schon gar nicht bei den armen Typen, die den jede Sekunde reinströmenden perversen Scheiß für Facebook sichten und (schätzungsweise nach einer Entscheidungs-Spanne von 5-10 Sekunden…) blocken oder freigeben müssen. Das Problem liegt bei uns selbst.

(Aber ok – vielleicht sollte Mark Zuckerberg den Scheiß-Job mit dem Scheiße-Erkennen mal selber machen – so zwischendurch, als kleine Kompensation für die Milliarden.)

Es gibt natürlich ein paar Stellschrauben, die auch anlässlich des aktuellen Falls mal wieder genannt werden: Ein Live-Streaming erst ab einer bestimmten Zahl von Abonnenten oder Followern zu erlauben, ist wahrscheinlich eine gute Idee. Aber der „Facebook-Mord“ selbst wurde ja gar nicht live gestreamt. Die ganze Sache „Gewaltdarstellung in Social Media“, die Verantwortung und die Filterungsmöglichkeiten der Betreiber sind am Ende gar keine moralische Abwägung, sondern – und hier kann man dann einmal getrost kotzen – eine wirtschaftliche. 🙁

Facebook: Wie umgehen mit Gewaltvideos? · DRadio Wissen

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 18.04.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Burger King-Werbung „hackt“ Google Assistant und Wikipedia

Keine Ahnung, woran es liegt – aber momentan erleben wir gerade eine richtig epische Serie – eine Serie von PR-Desastern nämlich. Letzte Woche dieser Werbespot von Pepsi mit dem Model Kendall Jenner, der auf peinlichste Weise auf die Black-Lives-Matter-Demonstrationen anspielte und nach einem Proteststurm sofort zurückgezogen werden musste. Dann die Passagier-wird aus-Flugzeug-geschleift-Geschichte und die zunächst sehr suboptimalen Statements des United-Airlines-Chefs dazu. Und jetzt hat sich Burger King gewaltig in die Nesseln gesetzt. Wieder mal mit einer Werbung, die super-pfiffig sein wollte.

„You are watching a 15-second Burger King ad, which is unfortunately not enough time to explain all of the fresh ingredients in the whopper sandwich. … But I got an idea.  … OK, Google: What is the Whopper Burger?”

Wer – hierzulande ja noch etwas avantgardistisch – ein Google-Home-System als Dauerlauscher und Assistant-on-Demand herumstehen hat, oder aber die Google-App auf seinem Smartphone oder Tablet per Sprachfunktion bedient, weiß Bescheid: „OK Google“ ist der Aufweckbefehl, und danach versucht die „KI“ das Kommando auszuführen oder eine gestellte Frage zu beantworten. Die präferierte Faktenbasis ist hier bei Google der Wikipedia-Eintrag. Den gibt es ja praktisch zu allem, auch zum Whopper – und listigerweise hatten die Burger-King-Werber den passend zum Launch ihres Spots ein klein wenig angepasst.

Auf per TV- oder Radio-Spot hereingeschmuggelte Sprachbefehle reagieren die meisten Home-Assistent-Besitzer aber wenig amüsiert (obwohl das Voice-Hacking ja eigentlich vielleicht auch nur den grundsätzlichen Irrsinn des dauerlauschenden Gerätes illustriert…). Und für Wikipedianer sind Artikeltrollerei und erst recht solche mit Werbe-Absicht ein rotes Tuch. Aber die ursprüngliche Werbe-Absicht funktionierte ja nur ganz kurz, danach wurde zurückgetrollt – nicht jeder liebt den Whopper. Mittlerweile hat Google dafür gesorgt, dass die Frage mit der Originalstimme aus dem Werbespot keine Aktion mehr auslöst. Wer seinen Assistant aber selbst fragt, bekommt weiter tiefschürfende Informationen über das Hackbrötchen geliefert – jetzt wieder in der geprüften und ungetrollten Wikipedia-Qualität 🙂 .

DRadio Wissen · Burger King: PR-Panne mit Wikipedia

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 13.04.2017 (Moderation: Till Haase)

Microsoft-Sicherheitslücke: Word braucht ein Update!

Das Update auf das aktuelle Major-Release von Windows 10 („Creators Update“) ist ja bekanntlich eine komplette Neuinstallation des Betriebssystems – da kann ja theoretisch auch richtig etwas schiefgehen. Ich hatte das also schon am Montag vorsichtshalber „per Hand“ gestartet, damit mir Update, Neustart des Systems und eventuelles Desaster nicht in einem unpassenden Moment – bei der Vorbereitung der Frühsendung zum Beispiel 🙂 – hineingrätscht. Hat aber alles geklappt, den „Windows.old“-Ordner habe ich auch schon gelöscht inzwischen. Am Dienstag war dann der turnusmäßige Microsoft-„Patchday“ – der neben dem „Creators Update“ auch wieder mal ein paar Sicherheitslücken stopfen sollte.

 

Ganz oben auf der Dringlichkeitsliste – ein Flicken für das am Wochenende bekannt gewordene OLE-Problem bei Word. Aber heute morgen saß ich dann doch etwas verwirrt vor dem Bildschirm – war der Patch jetzt bei mir automatisch installiert worden oder nicht? Im „Updateverlauf“ war nichts zu Word oder Office zu lesen – ein Klick auf „neue Updates suchen“ brachte tatsächlich noch drei bereitstehende Flicken zutage; ob da der für Word dabei war, blieb unklar. Microsoft hat, wie „The Register“ maliziös titelt, „feige die kritischen Patches“ in ein harmlos aussehendes Paket „begraben“; „gefällig eingepackt“ könnte man das natürlich auch nennen. Wer die Sicherheits-Fixes manuell installieren will, findet das „kumulative Update“ hier.

Auch Ars technica bemängelt die ziemlich intransparente Dokumentation – und die Tatsache, dass Microsoft für zwei weitere (wenn auch nicht so brisante…) Lücken in Word „zur Zeit“ noch keine Lösung parat hat.

Microsoft-Sicherheitslücke: Word braucht ein Update! · DRadio Wissen

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 12.04.2017 (Moderation: Till Haase)

(Nachklapp 27.04.2017) Microsoft hat die Sicherheitslücke offenbar erst neun Monate nach der Entdeckung gestopft – in der Zwischenzeit haben „gut informierte Kreise“ das offene Einfallstor bereits ebenso gezielt wie erfolgreich ausgenutzt.

Elite-Dating-App „Highblood“: Marketing-Gag oder rassistischer Schund?

Die Überschrift klang ja ganz interessant bei Medium.com: „Ein einziger Facebook-Post hat meinem Startup-Unternehmen weltweit virale Aufmerksamkeit gebracht.“ Schreibt Herbert Eng, Erfinder der Dating-App „Highblood“. Die virale Aufmerksamkeit war allerdings ein veritabler Shitstorm, auch wenn er bei seinem Lostreten, Mitte März, an mir vorübergegangen ist – trotz der durchaus zahlreichen und reputablen berichtenden Medien. Also: Konfliktscheu, pflegeleicht und politisch korrekt dürfe man nicht sein, wenn man als Firmengründer oder sonstwie öffentlich Aktiver eine maximale Resonanz erreichen wolle – da hat Eng ja so unrecht nicht; so funktionieren ja schließlich auch Boulevardzeitungen, Alt-Right-, Verschwörungstheorie- und Clickbait-Plattformen im Netz.

 

Und diskriminierend sind Wisch-und-Weg-Apps wie Tinder ja per se, tatsächlich werden die allermeisten Menschen auch bei ihrer Partnersuche einer gewissen Präferenz folgen, die dann auch eine Präferenz für einen bestimmten optischen und u.U. ethnischen Phänotyp beinhalten kann – so irgendwie argumentiert Herbert Eng nicht ganz zu unrecht. Was Bildung und Einkommen angeht: Das gute alte „Elitepartner“ bei uns hier in Deutschland klang ja auch immer schon reichlich schräg, da kann man je nach persönlichem Humor und Skurrilitäts-Akzeptanzrate sagen – „ok, was soll’s“, oder eben „geht gar nicht“. Also die Publicity hat Herr Eng schon mal, den Shitstorm auch – ob „Highblood“ bei seiner Zielgruppe in Singapur auch wirklich auf zahlreichen und zahlungskräftigen Zuspruch treffen wird, das schauen wir noch mal in einem Jahr nach.

Elite-Dating-App „Highblood“: Marketing-Gag oder rassistischer Schund? · DRadio Wissen

DRadio Wissen – Schaum oder Haase vom 11.04.2017 (Moderation: Till Haase)

Sensible Plaudertaschen: PIN-Klau per Bewegungssensor

Desktop-Computer sind ja mittlerweile ziemlich out – heutzutage kommt man bestens mit Tablet und Smartphone aus. Und macht darüber dann alles im Netz, was man so macht: Online-Banking, alle möglichen Accounts aufrufen, Passwörter eingeben. Da gibt es allerdings einen kleinen Haken, und der heißt „Bewegungssensor“. Der steckt in allen Mobilgeräten drin und ist sehr feinfühlig – so feinfühlig, dass er wirklich alle Bewegungen mitbekommt. Auch, wie man gerade die PIN für das Konto eingebt. Britische Forscher haben jetzt noch einmal auf ein altbekanntes Problem aufmerksam gemacht.

Böswillige Apps nämlich, die den Bewegungssensor abgreifen und übers Netz ausplaudern, gab es als „proof of concept“ oder vielleicht auch in freier Wildbahn schon länger – die muss man sich allerdings auch erst einmal gutgläubig und freiwillig installieren. Der viel heiklere Angriffsvektor, so Maryam Mehrnezhad von der Newcastle University, liegt in einem „drive-by“, einem schlichten Webseitenaufruf mit dem Mobilgerät. Dann wird nämlich auf einer „bösartigen“ Website oder bei einem „bösartigen“ Werbebanner JavaScript-Code ausgeführt, der den Bewegungssensor abfragt – im Unterschied etwa zum Geolokalisation-Tracking ohne das Einholen einer Genehmigung des Users.

 

Die Sensor-Abfrage ist in den W3C-Standards vorgesehen und ja auch als Feature für bestimmte Zwecke sinnvoll (Bewegungs-, Gesundheits- oder Schlaf-Tracker z.B. ) – tatsächlich haben Browser-Hersteller in Zusammenarbeit mit den Forschern auch schon nachgebessert: So wird mittlerweile die Sensordaten-Übermittlung geblockt, wenn die ursprünglich abfragende Webseite nicht mehr im Vordergrund angezeigt wird. Auch eine Reduzierung der Sensor-Samplingrate, der übermittelten Genauigkeit also, kann die Rekonstruktion von PIN- oder Passworteingaben erschweren oder unmöglich machen.

Und so merkwürdig das klingt – beim derzeitigen Stand könnte es sinnvoll sein. das Mobilgerät bei allen „heiklen“ Aktionen nicht in der Hand zu halten, sondern auf den Tisch zu legen. 🙂

P.S. – Für die sensible Plaudertasche an Bord gibt es ja auch sehr lehrreiche Anwendungen wie PhyPhox von der RWTH Aachen.

PIN-Klau per Bewegungssensor: Sensible Plaudertaschen · DRadio Wissen

DRadioWissen – Hielscher oder Haase vom 10.04.2017 (Moderation: Till Haase)

P.S. 15.04.2017 – Mein Kollege Manfred Kloiber hat das Thema auch heute in der Sendung Computer & Kommunikation noch einmal beleuchtet und ein Interview mit der Studienautorin geführt.

Heikle Notoperation: YouTube schraubt am Algorithmus

Vor rund zehn Tagen ging die Sache los, und für „Netzchecker“ wie meine Kollegin Martina Schulte 🙂 war sofort klar: YouTube hat ein richtiges Problem. Da war nämlich großen Werbekunden aufgefallen, dass ihre schönen Produktclips (in denen teure Klamotten, schicke Autos oder saftige Burger ans Konsumentenvolk gebracht werden sollen…) vor Videos eingeblendet werden, die von Hasspredigern, Rechtsradikalen oder Verschwörungstheoretikern stammen. Seitdem der „Guardian“ darüber berichtet und selbst gesagt hatte „wir schalten keine Anzeigen mehr bei YouTube“, ist eine Lawine ins Rollen gekommen; immer mehr Werbetreibende haben ebenfalls die Zusammenarbeit mit YouTube gestoppt.

Jetzt reagiert das Unternehmen und schraubt massiv an den Algorithmen herum, wie und wo Werbeclips eingeblendet werden. Aber das führt auch wieder zu Irritationen – bei den Content-Produzenten, sprich den „YouTubern“ nämlich. Das Ganze ist ja ein Geben und Nehmen: ohne die Videoclip-Produzenten ist YouTube nichts. Und andererseits kann man als YouTube-„Star“ ungeahnte Kohle kassieren – und auch als Nicht-Star zumindest (je nach Klickzahlen…) einen kleinen, großen, marginalen oder eben doch wichtigen Finanzierungsbaustein für sein Anliegen generieren. Da sorgte ein Post eines YouTube-Community-Betreuers doch für einiges Aufsehen:

„Wenn ihr in den nächsten Wochen Fluktuationen in euren Einnahmen seht, dann könnte das daran liegen, dass wir gerade unser Anzeigensystem feintunen.“

Bei manchen YouTubern waren die angesprochenen „Fluktuationen“ und Algorithmus-Veränderungen offenbar auch schon direkt spürbar: Es gab Beschwerden von Transgender-Aktivisten und Leuten, die Gewalt gegen Frauen thematisieren, dass ihre Videos keine Werbeeinblendung mehr bekommen, obwohl sie nicht gegen die YouTube-Guidelines verstoßen. Außerdem kursierten Gerüchte, wonach YouTube generell nichts mehr an Channels mit weniger als 25.000 Abonnenten ausschütten wolle. Falsch, so die Reaktion von  YouTube, und in dem Post des Community-Betreuers heißt es:

„Wenn Du glaubst, dass dein Video zu Unrecht de-monetarisiert wurde, klicke auf das gelbe Dollar-Icon im Video-Manager.“

 

In dem Fall verspricht YouTube also eine manuelle Überprüfung. Auch YouTube-Chefin Susan Wojcicki ist in Berlin im Gespräch mit der Wirtschaftswoche-Chefredakteurin Miriam Meckel noch einmal auf das Problem „Werbe-Boykott“, aber auch auf die Vorwürfe z.B. aus der LBGT-Richtung eingegangen, ihre Inhalte würden nun zensiert – das sei keine Absicht gewesen. Aber eines ist klar: Bei der Gratwanderung von YouTube zwischen Werbe-Boykott und Neujustierung der Ausschüttungs-Algorithmen steht gewaltig etwas auf dem Spiel: Laut Wirtschaftswoche haben YouTube und der Google-Mutterkonzern Alphabet in der letzten Woche 26 Milliarden Dollar Börsenwert verloren – die Boykott-Diskussion dürfte da der maßgebliche Faktor gewesen sein.

Und dann war da auch noch am Mittwoch in der NYT ein höchst interessanter Bericht: Das Bankhaus JP Morgan Chase hatte – ausgelöst von der aktuellen Debatte – seine Werbestrategie einmal „testweise“ umgestellt. Bislang hatte die Bank ihre Anzeigen auf rund 400.000 Webseiten pro Monat plaziert, also nach der als „State-of-the art“ geltenden Schrotschuss-Methode. Nun hatte man die Werbeaktivitäten auf nur noch 5000 ausgesuchte Webseiten konzentriert. Und siehe da – der Effekt, also das Verhältnis Klickrate zu Kosten war gleichgeblieben. Fefe – auch er durchaus ein „Netzchecker“ 🙂  – hat das ja direkt richtig eingeordnet:

„Ooooh, das könnte ein Blutbad von biblischen Ausmaßen werden. Wenn das Schule macht, dann wird niemand mehr Werbung bei kleineren Sites oder gar Nicht-Superstar-Youtube-Kanälen machen wollen. Da könnte ein ganzes Ökosystem wegbrechen.“

Youtube: Schwierige Reaktion auf Werbung neben Hasspredigern · DRadio Wissen

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 31.03.2017 (Moderation: Till Haase)

P.S. 07.04.2017: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ YouTube hat selbstverständlich auch niemals die Absicht gehabt, Channels mit weniger als 25.000 Abonnenten von den Werbe-Ausschüttungen auszuschließen. Sondern nur Channels mit weniger als 10.000 Views. 🙂 (Ganz ehrlich gesagt – das ist aus meiner Sicht auch o.k. so…)

Alles extrem schwierig halt, die Sache mit der Online-Werbung 🙂

Bahnhofsbox: Lebensmittel, Pakete und Wäsche in Schließfach abholen

Wir alle sind pausenlos unterwegs, permanent gestresst und unter Zeitdruck – eigentlich ist schon fast ein Wunder, dass wir nicht schon völlig verlottert und verhungert den Kampf mit dem Alltag verloren haben. Aber ok – immerhin können wir ja mittlerweile praktisch alles im Internet kaufen und uns sehr schnell bringen lassen. Klamotten, Klopapier oder Kaviar. Das einzige Problem – wohin soll die Lieferung gehen? Zuhause sind wir erst spät abends wieder. Zum Arbeitsplatz geht es schlecht, in der Uni gar nicht. Ab jetzt gibt’s eine neue Lösung: Zum Bahnhof, in die Bahnhofsbox.

Das Konzept ist natürlich ganz ähnlich zu den Paketboxen der Post – auch hier geht es um eine alternative Zustellmöglichkeit für alle, die tagsüber nicht zuhause sind. Die Bahnhofsbox zielt aber offenbar ganz stark auf spontane Bestellungen und Lieferungen, die wirklich in allerkürzester Zeit abgewickelt werden. Wo es also nicht um einen Tag, sondern um ein paar Stunden geht – und besonders im Fokus stehen da Lebensmittel. Beim Projektstart in Stuttgart ist Edeka der Partner – die Preise sollen weitgehend normal sein, und tatsächlich sind dann auch für Waren mit Kühlungsbedarf entsprechende Liefer- bzw. Abholboxen vorhanden – die Frischhaltekette wird garantiert.

 

Copyright: Deutsche Bahn AG / Stefanie Elsner

Bleiben noch ein paar Fragen, die ein Sprecher der Bahn freundlicherweise beantwortet hat:

Was ist die konkrete Motivation für die Bahn, also im Klartext: Gibt es auch eine finanzielle Kompensation ggf. in der Vertragsgestaltung mit dem Geschäftspartner Edeka?
Unser primäres Ziel ist, unseren Kunden mit der Bahnhofsbox einen neuen attraktiven Service anzubieten und damit den Aufenthalt auf den Bahnhöfen insbesondere für Pendler aufzuwerten. Diesen Service werden wir mit den Pilotprojekten in Stuttgart und Berlin testen – vorerst mit dem Partner EDEKA. Erst mit den resultierenden Erkenntnissen zur Marktakzeptanz werden wir Themen wie die Vertragsgestaltung mit Partnern für die Bahnhofsbox finalisieren.

Damit zusammenhängend – sind eigentlich irgendwelche Gebühren vorgesehen für die Szenarien, die unabhängig von der Lebensmittellieferung angedacht bzw. vorgestellt wurden – bei denen es ja noch nicht einmal zwangsläufig ein Geschäftsinteresse oder einen Umsatz geben würde (Schlüssel abholen etc.)?

Wir sind aktuell mit einer Vielzahl potenzieller Partner im Gespräch und entwickeln die jeweiligen Nutzungsmöglichkeiten. Diese sind sehr unterschiedlich. Allerdings haben die Partner in allen Fällen insbesondere deshalb ein Interesse an der Nutzung der Bahnhofsbox, da sich für den Dienstleister oder Händler dadurch einerseits eine Serviceaufwertung für den Kunden und andererseits ein optimierter weil gebündelter Lieferprozess ergibt. Insofern erfolgt die Erhebung einer angemessenen Transaktionsgebühr für die Nutzung der Bahnhofsbox in den bisherigen Gesprächen mit potenziellen Partnern im gegenseitigen Konsens.

Wäre es auch denkbar, in der Box Pakete zur Abholung durch Post und andere Paketdienste zu hinterlegen (z.B. Rücksendungen)?

Prinzipiell sind wir für alle Anwendungsfälle offen, die unseren Kunden das Leben vereinfachen. Im Rahmen der Pilotprojekte wird das Kundenverhalten und die Marktakzeptanz der Bahnhofsbox getestet – vorerst mit dem Partner EDEKA. Sind diese erfolgreich, werden weitere Bahnhofsboxen an ausgewählten Standorten in Deutschland installiert. Das Potenzial ist groß, denn das Konzept kann grundsätzlich an 5.400 Bahnhöfen in Deutschland umgesetzt werden. Auch weitere Nutzungsformen wie die Übergabe von gereinigter Wäsche, von Autoschlüsseln durch Mietwagenfirmen oder die Hinterlegung von online bestellten Paketen sind geplant.

Ganz klar – die Idee, obwohl nicht vollkommen neu, hat Potential: Naheliegenderweise eben für alle Bahnpendler, und das sind ja nicht so ganz wenige… Die Anlieferung an die Bahnhofsbox soll laut Bahn auch ökologische Vorteile bringen – nämlich überflüssige Wegstrecken bei Kunden und Lieferanten (etwa durch Fehlfahrten und Mehrfach-Zustellung…) vermeiden.

Bahnhofsbox: Lebensmittel, Pakete und Wäsche in Schließfach abholen · DRadio Wissen

DRadioWissen – Hielscher oder Haase vom 31.03.2017 (Moderation: Till Haase)

Wissenschaftler erstellen Liste mit empfehlenswerten Gesundheits-Infoseiten

„Ich habe mich schon mal im Internet schlau gemacht“ – wer mit diesen Worten bei einem Arztbesuch in einer Praxis das Gespräch beginnt, wird wohl bei Frau oder Herrn Doktor reichlich gemischte Gefühle auslösen. Einerseits – es spricht natürlich nichts gegen mündige Patienten, die sich informieren. Andererseits – aus Netzquellen kann man sich als Laie schon eine ganze Menge zusammenreimen und fehlinterpretieren. Und viele Seiten sind schlicht Humbug und postulieren veraltete, esoterische oder – sagen wir es mal zeitgemäß – „alternative Fakten“. Jetzt haben amerikanische Wissenschaftler in einer Großaktion gesichtet, welche Gesundheits-Infoseiten im Netz „nachweisbar“ empfehlenswert sind.

Die geringe Zahl von 44 Webseiten/Webportalen im Empfehlungs-Pdf mag überraschen – aber dennoch steckt hinter dieser Auswahl ein immenser Aufwand. Die Meta-Meta-Studie beruht nämlich letztlich auf 1733 Einzelstudien – und die als „the best of the best“ herausdestillierten Selbsthilfe-Seiten umfassen ein breites Spektrum. Bei sehr akuten oder lebensbedrohlichen Szenarien wie Krebs bleibt trotz aller Web-Infos nur ein Rat – sofort zum Arzt oder in die Klinik gehen. Dass die „Halbgötter/-göttinnen in Weiß“ tatsächlich auf dem neuesten Stand der Forschung sind, ist übrigens auch noch nicht garantiert. Ein bisschen vorab informieren schadet also nicht. Aber auf den richtigen Seiten, bitte.

DRadio Wissen · Medizin-Websites: Das bessere Dr. Google

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 30.03.2017 (Moderation: Till Haase)

Automatische Gesichtserkennung beim FBI und bei der Deutschen Bahn

Automatische Gesichtserkennung – das ist ja mittlerweile quasi eine Standard-Technologie. Bei den aktuellen Smartphones ist das eingebaut; Bildbearbeitungssoftware kann das, die Software von Google oder Facebook kann das auch, um z.B. Personen auf Fotos zu „taggen“. Und grundsätzlich funktioniert das natürlich nicht nur bei Fotos, sondern auch bei einem Video, etwa dem aus Überwachungskameras. In den USA ist gerade eine Diskussion neu entflammt, wie das FBI automatische Gesichtserkennung einsetzt – und bei uns in Deutschland, in Berlin soll die Technik demnächst auch wieder einmal erprobt werden.

Was das Hearing des Überwachungsausschusses des Repräsentantenhauses angeht – da wundert man sich fast schon, warum denn das Problem den nun Bedenken äußernden Politikern nicht schon nach dem Bericht des Rechnungshofes präsent war. Eine flächendeckende Überwachung von unbescholtenen Bürgern ist natürlich nicht in Ordnung. Andererseits – wenn eine Gesichtserkennungssoftware Personen identifiziert, die den ganzen Vormittag eine Rolltreppe rauf- und runterfahren (um nämlich anderen Zeitgenossen Geldbörse und Handy aus den Taschen zu ziehen…); oder die irgendwo am Gleis einen Koffer deponieren und sich dann schnurstracks entfernen – dann habe ich da irgendwie auch nichts gegen einzuwenden.

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 28.03.2017 (Moderation: Till Haase)