Archiv der Kategorie: Politik

Aus Sicherheitsgrьnden…

Sehr Geehrter

Wir mцchten Sie darauf hinweisen, dass unsere Anwaltskanzelei  von der Kommission Agencia Tributaria Espana beauftragt wurde, Sie bezьglich einer ausstehenden Auszahlung von Ђ3,540,225.00 zu kontaktieren. Der Betrag wird  innerhalb von 21 Tagen falls keine Ansprьche vorliegen an der Finanzministerium als nicht beansprucht verfallen. Diese E-Mail dient als unwiderrufliche Verfallsbenachrichtigung

Bitte цffnen Sie aus Sicherheitsgrьnden den Anhang in PDF Formant, um weitere Informationen zu erhalten

Mit freundlichen GrьЯen,

Dr Richardo DaSilva

Tel.0034 722 349 075

mfontanarichardodasilva@gmail.com

Embed from Getty Images

Ja, ist klar. Ich hab auch schon mal meine Freunde von Rцssisch Mafia losgeschickt, um eцch zц eliminieren. Dieser Blogpost an eцch ist eцre unwiderrufliche Verfallsbenachrichtigung.

Mit freundlichen GrьЯen,

Eцer geehrter.

Ein mimimi für Annegret Kramp-Karrenbauer

Ganz offen gesagt stand die CDU in meiner bisherigen Wähler-Laufbahn noch nie im Zentrum meiner Überlegungen. Wobei ich ja die unaufgeregte und uneitle Art von Bundeskanzlerin Angela Merkel immer schon geschätzt habe. Ich würde mich sogar fast zu der These hinreißen lassen, dass Frauen als Spitzenpolitiker(innen) tendenziell weniger bescheuert sind als Männer. Obwohl da gerade Theresa May ein eindrucksvolles Gegenbeispiel gibt; Margaret Thatcher war ja auch irgendwie nicht so ganz besonders sympathieauslösend; dann gibt’s natürlich auch noch zig korrupte und eitle Damen in diversen Ländern, die genauso in die eigene Tasche wirtschaften und genauso penetrant am Amts-Stuhl kleben wie die Herren der Schöpfung.

Annegret Kamp-Karrenbauer fand ich eigentlich auch relativ sympathisch; jetzt mal so im Vergleich zu dem aus Blackrock-Aufsichtsrats-Höhen herab- (und nach seiner Pleite wieder herauf-…) geheuschreckten Friedrich Merz. 🙂 Aber nach ihrem beleidigten Statement als Reaktion auf die Europawahl und das natürlich völlig unverschämte, total unfair (oder sogar terroristische..) asymmetrische YouTube-Video von Rezo und den anderen natürlich völlig minderbemittelten YouTubern muss ich sagen: Mimimi, liebe AKK!

Das kann ja wohl nicht wahr sein. Die Dame will Bundeskanzlerin werden. Da wäre es vielleicht keine schlechte Idee, verinnerlicht zu haben, wie Demokratie funktioniert und was in unserem Grundgesetz steht. Damit ich hier nicht alle Kontra-Argumente aufzählen muss, verweise ich mal auf die Kommentare von Stefan Kuzmany bei SPON und Marvin Strathmann bei Heise. Noch ein paar Aspekte:

Ist eigentlich Wahlkampf keine “Meinungsmache”? Ist es vor einer Wahl legitim zu sagen: “Wählt CDU!” Und nicht legitim zu sagen: “Wählt nicht CDU!”? (Und nicht SPD. Und nicht AfD.)  Soll es einen Stimmen-Bonus geben für “Parteien der Mitte”? Oder einen Gedenk-Bonus für ehemalige “Volksparteien” und Kanzler-oder Kanzlerin-Steller-Parteien? Ist die AfD eigentlich keine “demokratisch legitimierte Partei” mit “unzähligen ehrenamtlichen Helfern”? (Auch wenn mir persönlich das vielleicht keine besondere Freude bereitet – ist sie aber.)

Ich habe das Rezo-Video übrigens erst am Samstag vor der Wahl angeschaut. Ist eben ein bisschen lang 🙂 . Aber, obwohl mir als Profi die Fakten natürlich bekannt waren – das hat mich tatsächlich beeinflusst. Ich hab mich immer schon gefragt: Warum machen wir öffentlich-rechtlichen Journalisten den Scheiß eigentlich mit? Warum machen wir bei diesem Spielchen mit, die Bullshit-Antworten von Politikern zu akzeptieren; vielleicht als Ritual noch einmal nachzufragen und dann auf den – in der Ausbildung so vermittelten Effekt zu vertrauen – “der demaskiert sich mit der Nichtbeantwortung der Frage selbst.”

Nein. Das stimmt eben leider nicht. Wir Journalisten machen bei diesem abgeschmackten Bullshit-Spielchen mit. Wir fühlen uns gebauchpinselt, wenn wir vom “ach-so-mächtigen” Außenminister ein paar vermeintlich vertrauliche und exklusive Infos bekommen; und für den vielleicht etwas karrierefördernden ersten Zugriff auf irgendwelchen harmlosen Bullshit opfern wir die Gelegenheit, nein, die Verpflichtung zu sagen: Das, was Sie da gerade gesagt haben, ist doch Bullshit/ein Ausweichmanöver/Sie haben da offenbar keine Ahnung.

Ich war letzte Woche mit ein paar Leuten aus gehobenen Etagen der ARD und des ZDF zusammen, und eigentlich war die Wahrnehmung des Rezo-Videos die: Warum machen wir eigentlich sowas nicht, ist das nicht eigentlich die Zukunft oder die Bringschuld des öffentlich-rechtlichen Journalismus? Ja, ist es. Auch wenn es Annegret Kramp-Karrenbauer, der SPD und natürlich auch der AfD nicht gefallen wird: Wenn man mal einen Realitätscheck macht, dann seid ihr alle Scheiße. In unterschiedlichen Ausmaßen vielleicht. Und bei den Grünen ist logischerweise auch nicht alles ok.

Aber darüber müssen wir doch diskutieren. Symmetrisch, asymmetrisch und vor allem demokratisch. Auch wenn das Neuland ist. Die (jetzt noch so einflussreiche…) Kohorte der alten Säcke und Säckinnen 🙂 stirbt nämlich aus. Und, wie Rezo ja schon gesagt hat, so konservativ oder zukunftsblind sind die “Alten” gar nicht: Auch Oma und Opa wollen eigentlich das Beste für ihre Enkel(innen)… Fazit: Wenn AKK und die CDU nicht total abkacken wollen, empfehle ich mal einen Realitäts-Check. Bei der SPD fällt mir gerade nix zwingendes ein. Auf jeden Fall: Willkommen im Neuland!

Mindestens 272 indonesische Wahlhelfer sterben an Überlastung

Das melden die Tagesschau und die Taz:

Das Engagement für die Demokratie hat sie das Leben gekostet, die Wahlzettel werden per Hand ausgezählt, bis tief in die Nacht, oft in unerträglicher Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit.

Und das klingt ja erst einmal ungeheuerlich, zumal auch noch etwa 2000 Wahlhelfer und Wahlhelferinnen erkrankt sein sollen. Ich muss einfach mal als lang gedienter abnehmender Redakteur sagen: Meine erste Reaktion war – das glaube ich nicht, da stimmt was nicht. Vielleicht hat da irgendwer irgendwas übertrieben? Also rechnen wir mal nach.

7 Millionen Wahlhelfer bei “knapp 200 Millionen” Wahlberechtigten – das bedeutet, auf 28,57 Wahlberechtigte kommt ein(e) Wahlhelfer(in) – das ist eine hohe Quote. In Deutschland kommen auf ca. 61,5 Millionen Wahlberechtigte ca. 500.000 Wahlhelfer (Zahlen von 2013 und 2017 zusammengemixt…), das ist ein Wahlhelfer pro 123 Wahlberechtigte. Wenn man jetzt allerdings die (z.B.im Tagesschau-Artikel beschriebene…) Topografie Indonesiens berücksichtigt, die entlegenen Orte und Inseln; dann klingt das mit den 7 Millionen Wahlhelfern ziemlich plausibel.

Embed from Getty Images

7 Millionen Helfer – das ist natürlich auch einfach absolut betrachtet eine gewaltige Menschenmenge. Und setzt man dazu 272 Verstorbene ins Verhältnis, dann sind das 0,0038%. Ist das viel oder ist das wenig oder ist das “normal”; so makaber das klingt? Die gleiche Quote ergäbe bei den 500.000 deutschen Wahlhelfern immerhin noch 19 Tote – davon habe ich allerdings noch nie gehört, dass in Deutschland jemand aufgrund der Wahlhelfer-Tätigkeit verstorben ist. Nun ist allerdings die Lebenserwartung in Indonesien auch signifikant niedriger als in Deutschland (69,19 Jahre im Vergleich zu 80,64 Jahre laut Google/Weltbank…).

In diesen Wert ist ja der allgemeine Gesundheitszustand der Bevölkerung und der Zustand des Gesundheitssystems, sind die Lebensbedingungen und die Lebensrisiken “eingepreist” – das heißt, auch eventuelle Vorerkrankungen, die im Falle mancher der indonesischen Verstorbenen vielleicht die “wahre” Todesursache waren. Mit dem allgemeinen Lebenserwartungs-Korrekturfaktor kommen wir jetzt auf 16,3 verstorbene Wahlhelfer, die bei einer Wahl in Deutschland vergleichbar wären.

Auch eine solche Zahl wäre natürlich in Deutschland undenkbar bzw. völlig skandalös. Die spezifische Belastung und das spezifische Risiko eines Wahlhelfers in Indonesien würde ich allerdings noch einmal deutlich überproportional über dem der gemittelten indonesischen Normalbevölkerung einschätzen; im Gegensatz zu der Belastung und dem Risiko eines Wahlhelfers in Deutschland. Von daher mein Fazit: Jetzt glaube ich die Zahlen dann doch.

Möglicherweise hat sich die indonesische Regierung auch tatsächlich etwas zuschulden kommen lassen, wenn es keine Gesundheitschecks der Wahlhelfer gab. (Von Gesundheitschecks für deutsche Wahlhelfer ist mir wiederum auch nichts bekannt – wie gesagt würde ich natürlich auch das Risiko nicht besonders überproportional zum “normalen Leben” einschätzen…) Aber letztlich: So monströs, so ungeheuerlich wie beim allerersten Anschein ist die Zahl der Toten nicht. Trotzdem ist das Ganze auch wieder unfassbar: Die “ganz normale” Demokratie fordert soviel Opfer wie ein Mega-Terroranschlag.

Und noch mal ein Schwenk: Der “ganz normale” Straßenverkehr natürlich auch.

Erdogan attackiert Kurz scharf

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den österreichischen Außenminister Sebastian Kurz in einer scharfen persönlichen Attacke vor weiterer Kritik an der Türkei gewarnt. “Er kennt keine Grenzen”, kritisierte Erdogan in einer im Fernsehen übertragenen Rede. An Kurz gerichtet fügte Erdogan hinzu: “Wer sind Sie, dass Sie mit dem Präsidenten der Türkei reden? Beachten Sie Ihre Grenzen!” Auch kritisierte Erdogan, Kurz versuche, “uns eine Lektion zu erteilen”. Wiederum an den Außenminister gerichtet fügte er hinzu: “Wie lange sind Sie eigentlich in der Politik? Wie alt sind Sie?”

 

Mit seiner Kritik reagierte Erdogan offenbar darauf, dass sich Kurz jede Einmischung des türkischen Präsidenten in die österreichischen Wahlen im Oktober und ganz allgemein „in innere Angelegenheiten anderer Staaten“ verbeten hatte. Erdogan hatte türkischstämmige Wähler in Deutschland zuvor aufgefordert, bei der Bundestagswahl im September nicht CDU, SPD oder Grüne zu wählen.

Vor seiner Zurechtweisung des österreichischen Außenministers hatte der türkische Präsident bereits den deutschen Außenminister mit ganz ähnlich klaren Worten zurechtgewiesen. Der an und für sich für seine stets sehr zurückhaltenden und diplomatisch formulierten politischen Statements bekannte türkische „Reis“ geriet bei seiner Ermahnung des noch blutjungen Polit-Neulings Kurz ausnahmsweise etwas in Rage: „Wenn das Milchgesicht nicht die Fresse hält, werden wir da weitermachen, wo unsere tapferen osmanischen Truppen aus humanitären Gründen 1683 noch einmal Gnade vor Recht haben walten lassen.“

 

„Die Politiker in Deutschland zittern vor dem Donnerhall aus Istanbul Ankara und springen auf und ab. Und dieses Würstchen aus dem bedeutungslosen Alpen-Kleinstaat wagt es, dem Türkischen Präsidenten, gelobt sei sein Name, zu drohen?“ führte Erdogan weiter aus. Auch Adolf Hitler sei bekanntlich Österreicher gewesen, erinnerte der geschichtsbewanderte türkische Präsident: “Ihr seid Faschisten. Ihr mit Euren Nazi-Praktiken könnt so verärgert sein wie Ihr wollt.” Recep Tayyip Erdogan kündigte zum Abschluss seiner von seinen Anhängern umjubelten Rede an, Jan Böhmermann, Sebastian Kurz, Sigmar Gabriel sowie überhaupt sämtliche Kritiker, Journalisten, Dissidenten und Spötter „überall auf der Welt“ verhaften und in die Türkei ausliefern zu lassen.

Donald Trump schiebt sich ganz nach vorne…

…im derzeit heiß umkämpften Rennen um den Asshole-Award.

Ok, mal eben die Hälfte der Bevölkerung als “Terroristen” in den Knast stecken, das ist auch nicht von schlechten Eltern. Oder mit speckigem Grinsen Schrott-Raketen in den Himmel zu jagen, um die “schöne Welt” gegebenfalls auszuradieren. Aber in höchsteigener Person und im illustren Kreis so richtig herumrempeln und mit “verpiss-dich-hier-kommt-der-Babo”-Fresse mediokre Kleinstaaten-Vertreter wegzuschubsen, das ist schon einsame Spitze.

Wie sagte doch Robert de Niro so schön? “He is an idiot, he is a pig. I’d like to punch him in the face.”

Zeynep Tufekci: Twitter and Teargas – über die Fragilität von Protestbewegungen im Netz

Ich erinnere mich noch sehr genau – als es losging mit dem “Arabischen Frühling”, da waren auch wir Journalisten und die “Neue-Welt-so-halb-oder-eben-eher-noch-gar-nicht-Checker” in den Führungsebenen der öffentlich-rechtlichen Sender oder der Presse geradezu besoffen von der Dynamik, dem subversiven, basisdemokratischen, revolutionären, unaufhaltsamen, vom die Diktatur hinwegfegenden Potential der über Twitter und vor allem über Facebook organisierten Protestbewegungen – von ein paar Spaßbremsen und ewigen Nörglern wie mir einmal abgesehen.

Und auch nicht nur Protest in autokratischen Regimen, auch Politikbetrieb übers Netz in etablierten Demokratien erschien plötzlich logisch und attraktiv und machbar – ablesbar am Erfolg der Piratenpartei in diversen europäischen Ländern. Mittlerweile ist Ernüchterung eingekehrt. Dass Netzbewegungen kein Selbstläufer sind, ist klar; dass sie nicht per se etwas an den grundlegenden kulturellen und politischen Strukturen in einem Land oder einer Region ändern, auch. Die These von Zeynep Tufekci, den zahlreichen erst boomenden und dann verpuffenden Netz-Protestbewegungen mangle es an (politischem…) Handwerkszeug, so wie den auf ihre Sherpas angewiesenen Bergsteigern am Mount Everest – die klingt plausibel. Mit fehlendem Rückgrat – so wie das die Online-Kollegen bei Deutschlandfunk Nova titeln – ist dabei keineswegs ein moralisches, sondern ein anatomisches Problem gemeint…

Allzu konkrete Handlungsvorschläge oder gar Patentrezepte hat die Soziologin in ihrem Buch allerdings auch nicht zu bieten – dafür sind auch die politischen Rahmenbedingungen der “Bewegungen” von Zapatisten über schwarze Bürgerrechtler in den USA über Occupy in geordneten westlichen Staaten über Protestler in Tunesien, Ägypten oder der Türkei zu unterschiedlich. Zeynep Tufekci bezieht ganz ausdrücklich Position gegenüber der kritischen Interpretation eines Evgeny Morozov und seiner “Slacktivism”-Theorie. Aber dass repressive Regime hinzugelernt haben und nicht nur wieder erfolgreich zensieren und überwachen, sondern auch selbst die Klaviatur der Social Media bedienen – notfalls mit “Fake News”, Bots und Trollfarmen, das registriert und schildert die Soziologin in ihrem Buch auch.

Zeynep Tufekci hat große Sympathien für das zapatistische Motto „Wir gehen voran, während wir Fragen stellen.“ Ich selbst und wahrscheinlich der überwiegende Teil der Journalisten in öffentlich-rechtlichen oder einfach Mainstream-Medien teilen diese Weltsicht vermutlich so irgendwie. Aber das ist natürlich eine Wahrnehmungs-Brille (“Lügenpresse…”), die wir da aufhaben. Ein großer Teil der Weltbevölkerung ist überhaupt nicht links und anti-autoritär; sieht gar nicht aufklärerische Ideen, LGBTQ-Interessen und Verbesserungen bei den Menschenrechten als vordringlich zu lösende Probleme. 🙂 Möglicherweise nicht zu Unrecht.

Blicken wir nach Deutschland, nach Frankreich, Holland, in die USA; nach Russland oder in die Türkei: Viele Bürger dort, viele wahlberechtigte Bürger haben zu einem sehr signifikanten Anteil – in den USA und in der Türkei ist das Verhältnis ja etwa 50-50 – gar keinen Veränderungsimpuls. Oder vielleicht eher einen in die Gegenrichtung, zu mehr Autorität, Nation, Religion, Ressentiment. Das Mobilisierungspotential von Social Media hat auch bei Pegida funktioniert – darauf gibt es kein linkes, antiautoritäres Exklusiv-Abo…

 

Im Grunde spiegelt sich dieses Dilemma sogar in den Schilderungen von Zeynep Tufekci – sie beschreibt einigermaßen enthusiastisch die Ereignisse während des Putschversuchs in der Türkei im letzten Jahr – wie sie selbst die neuen Entwicklungen an ihre Follower twitterte, wie sie die eigentlich geplante Abreise aus dem Land spontan verschob, wie dann Staatspräsident Erdogan über einen Handy-Stream in CNN Turk zugeschaltet wurde und zum Widerstand gegen den Putsch aufrufen konnte, wie sich die Bevölkerung in den Social Media gegen den Putschversuch organisierte (während wiederum der Putschversuch auch über Social Media  organisiert wurde…) und auf die Straße ging. Das war das Eintreten der Bevölkerung für eine demokratisch legitim gewählte Regierung; keine Frage. Es wäre allerdings interessant zu hören, was Zeynep Tufekci jetzt über die Situation in der Türkei denkt.

Deutschlandfunk Nova · Politik: Demokratie via Netz verpufft

Deutschlandfunk Nova – Grünstreifen vom 18.05.2017 (Moderation: Tina Kiessling)

Nordkorea feiert Geburtstag

Auch wenn es nach dem Fall der Deutschen Demokratischen Republik und nach der Verweichlichung und dem Niedergang der UdSSR und ihrer Nachfolgestaaten keine andere Macht auf der Welt – außer eben Nordkorea – mehr gibt, die den guten alten Stechschritt noch wirklich mustergültig performen lassen kann –

 

mit ruckartigem Herumgelatsche …

 

…so sieht da natürlich etwas besser aus 🙂 …

 

oder so…

 

oder so…

 

…aber auch mit “gegen-die-Panzer-Oberkante-Knallschutz-Mützchen”, die nur in der hinteren Seitwärtsperspektive…

Nordkoreanische Soldaten marschieren am Samstag zur Feier des 105. Geburtstags des Staatsgründers Kim Il-sung in Pjöngjang auf. © dpa

…ein bisschen an Cyborg-Bataillone erinnern, gewinnt man noch keine Kriege.

Der Ausgang des Konfliktes zwischen dem mopsigen Oberschergen aus dem Reich des Bösen und dem ebenfalls etwas aufgedunsenen und erratisch agierenden Vorkämpfer der freien westlichen Welt lässt sich aber auch mit einem möglichst rationalen Vergleich der problematischen Frisuren…

 

beider beteiligten Akteure…

 

nicht vollständig abschätzen.

 

P.S. Aber etwas anderes steht fest: Deutsche Autos sind nun mal die besten der Welt.

Donald Trump übernimmt Twitter-Account @potus – mit kleinen Pannen und “Alternative Facts”

Donald Trump ist der neue Herr im Weißen Haus, und er setzt da gleich vom ersten Moment an eigene Akzente, um das einmal sehr vorsichtig zu formulieren. Die Befehlsgewalt und den Atomkoffer hat er von seinem Vorgänger übernommen, natürlich. Aber die schöne Kinderschaukel, die die Obamas ihren Töchtern 2009 auf den Rasen gestellt hatten, die wollte Trump nicht geschenkt haben und stehen lassen, obwohl sein Sohn Barron William ja mit 10 Jahren eigentlich noch im besten Schaukelalter ist. Den schönen Twitteraccount @potus „President of the United States“, den hat er wiederum gern genommen, obwohl er ja selbst schon einen anderen schönen hat; @realdonaldtrump.

Praktischerweise durfte er die vorhandenen rund 14 Millionen Follower von @potus auch übernehmen, obwohl die ja nicht zwangsläufig Trump-Fans sind. Aber vielleicht interessieren die sich “grundsätzlich” für das, was der US-Präsident von sich gibt – so ungefähr war wohl die Überlegung bei der “Transition” des offiziellen Accounts. Die alten Follower und die alten Tweets hat Twitter übrigens unter @potus44 quasi archiviert – und wer Trump als Präsident nun absolut nicht mehr folgen mag (dafür gibt es einige gute Gründe…), muss aktiv “entfolgen”. Wenn das mal im richtigen Leben genauso einfach wäre wie auf Twitter!

Trumps neuer Social-Media-Manager Dan Scavino kennt sich bestens aus im Spannungsfeld zwischen Fakten und Verschwörungstheorien, Trumps neuer Pressesprecher Sean Spicer…

 

…landete direkt zu Beginn seiner sicherlich glorreichen Karriere “unter dem Bus” ; und Trumps “Beraterin” und PR-Chefin Kellyann Conway kreierte gleich einmal ohne großes Zucken im Gesicht den epischen Memealternative Facts“.

https://twitter.com/MerriamWebster/status/823221915171061760

Schwierig zu sagen, wer von beiden am ehesten und würdigsten mit “Baghdad Bob” alias Muhammad as-Sahhaf konkurrieren kann.

Nun könnte man den ersten Auftritt der Trump-Vasallen ja als peinlichen Fehlstart von Dilettanten abheften – möglicherweise ist die Sache aber bereits viel grauenvoller; möglicherweise ist die Desinformation schon Teil einer Umdeutung der Wirklichkeit nach dem Vorbild von Trumps bestem Kumpel Vladimir Putin. Und wenn man Donald vor dem Ehrenmal der “gefallenen” CIA-Mitarbeiter etwas über den “Krieg” mit den Medien schwafeln hört, in dem “wir”, also er sich befindet, dann denkt man natürlich an Trumps zweiten besten Kumpel Recep Tayyip Erdoğan, der ja nicht nur einen ähnlichen gediegenen Geschmack hat, was die Einrichtung von Palästen oder Penthäusern betrifft, sondern in seiner schönen Türkei auch schon mal das durchexerziert, was Trump mit der renitenten US-Lügenpresse nun ebenfalls gerne durchexerzieren möchte.

Sein potentiell dritter bester Kumpel Kim Jong-Un hat da ziemlich ähnliche Vorstellungen und auch eine ähnlich problematische Frisur; allerdings ist Trump in Bezug auf asiatische Staatslenker doch wiederum bislang etwas skeptisch.

 

Da muss man mal abwarten, wie sich die Sym- oder Antipathien letztlich einrenken. Bei Twitter ist das ja so ähnlich und vielleicht deshalb auch viel weniger dramatisch, als all die riesigen Zahlen suggerieren:  Wahrscheinlich haben die Trump-Follower und die Trump-Hasser gar keine Schnittmenge; das Fact-Faking und das Lügen-Aufdecken oder -verhohnepiepeln laufen auf unterschiedlichen Channeln. Und die Politiker-Accounts sind eh eine Einbahnstraße. Übrigens: Ich selbst komme doch auch schon nicht dazu, die Tweets von denen zu lesen, denen ich folge.  🙂 Und die Fake-Bots, die mir folgen, lesen mich natürlich schon erst recht nicht.

Ein Start mit Pannen · DRadio Wissen

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 23.01.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Donald Trump braucht ein neues Handy. Eigentlich.

Manchmal werden Albträume wahr. Ein smarter, intelligenter, emotional authentischer und sportlich gutaussehender Mensch verlässt das Amt des “mächtigsten Mannes der Welt” (auch wenn die tatsächliche Bilanz nach acht Jahren ernüchternd mager ausfällt, haut einen der Kontrast unfassbar aus den Latschen…) und ein unappetitlicher, infantiler, narzisstischer, rachsüchtiger, sexistischer und höchstwahrscheinlich intellektuell noch unterhalb der Bush-Grenze (* s.u.) daherschrammender Fatzke mit orangem Haupthaar übernimmt.

Ein ernster Tag für uns alle, ein ernster Tag aber auch für Donald Trump selbst. Zum einen stellt sich die Frage “wie bedient man eigentlich diesen komischen Atom-Koffer, wo ich doch schon meinen Videorekorder nicht programmieren kann”.

 

Aber noch viel schlimmer: Der Reality-Darsteller und 45. US-Präsident muss “eigentlich” sein Smartphone abgeben, auf dem er doch permanent und manisch herumtwittert. Weil Smartphones bekanntlich unsicher sind. Und speziell Android-Smartphones der Sicherheits-SuperGAU – ok, ein Modell aus Südkorea ist immer noch besser als eins aus China.

Aber vielleicht ist das vermeintliche Security-Problem bei Donald Trump erstmals gar keins. Der Mann ändert ja eh täglich seine Meinungen, Positionen, Drohungen oder Versprechungen. Was soll man da groß abhören und analysieren? Dem @realDonaldTrump folgen reicht ja völlig.

DRadio Wissen · US-Präsident muss sein Handy abgeben: Weg mit dem Trump-Phone

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 20.01.2017 (Moderation: Till Haase)

(*) Anmerkung 03.03.2017 – Ich nehme das zurück. Bush ist doch gar nicht so übel, wie ich dachte. Kommt eben immer auf den Vergleichsmaßstab an.

Die Schwachmatokratie wird hiermit abgeschafft

So. Ich hab es ja schon vorher gesagt – ich bin nicht sicher, ob ich das Ergebnis der Wahl anerkennen werde. (Ach nee, das hat ja Donald Goldlöckchen Trump selbst gesagt…) Ich hatte das amerikanische Volk (und zwar stellvertretend für alle anderen Völker) unmissverständlich und ausdrücklich gewarnt: Wenn ihr den völlig ahnungslosen, rumschwafelnden Widerling zum Präsidenten wählt, war das die letzte Wahl.

Und jetzt sind natürlich doch wieder die Typen zur Urne geschlichen, die sich selbst zu Recht so verdächtig sind, dass sie bei Meinungsumfragen oder gegenüber uns linken Lügenpresse-Typen vorsichtshalber die Klappe halten: Die “Silent Majority”. Aber ein Kreuzchen machen, dazu reicht es eben doch noch, auch wenn es früher in der Schule nicht so recht geklappt hat. Natürlich kann die “Silent Majority” aber auch noch viele andere Sachen, wenn sie endlich mal einer (von der Leine…) lässt.

Symbolbild. Das Bild zeigt keine lebende Personen und soll insbesondere “Frankie, the Pig” nicht verunglimpfen.

Also: Die DemoSchwachmatokratie ist hiermit abgeschafft. Das war eh ein Missverständnis in letzter Zeit. Bei den alten Griechen bedeutete Demokratie ja auch nicht, dass da jetzt jeder Schweinehirt plötzlich was zu sagen haben sollte – die Veranstaltung richtete sich an ein paar Leute mit gewisser Bildung und gewissen Umgangsformen, die zu logischer Analyse, zu strukturierter Rede und Gegenrede imstande waren; mit einem gewissen Weitblick über ihre individuellen akuten Lebensverhältnisse hinaus (dazu war natürlich ein gewisser Wohlstand vonnöten… 🙂 ) – mit einem Wort: an Eliten.

Oder wie ja dann auch die alten Römer so schön sagten (jedenfalls laut meinem Lateinlehrer…): Vox populi, vox Rindvieh. Aber jetzt ist Schluss. Das Experiment ist beendet. Ab jetzt kümmern Sie sich bitte nur noch um (TV-Casting-Show-)Konsum, Social Media und Virtuelle Realität – die Brillen und Feedback-Sensoren werden demnächst in ausreichenden Stückzahlen bereitgestellt, völlig gratis selbstverständlich. Ich übernehme einstweilen die Weltherrschaft. Machen Sie sich also keine Sorgen – es wird Ihnen an nichts fehlen, es ist alles vorbereitet und durchdacht.

P.S. Ein Gutes hat die Wahl von Donald Trump natürlich doch: Von der noch hässlicheren Fratze des Islamismus werden wir ja nun schon in Kürze befreit sein.