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Demonetarisierte Videos bei YouTube: Zensur oder plausible Content-Bewertung?

Bei YouTube kann man bekanntlich Kohle verdienen. Nicht mit dem Video der Katze, aber wenn man da irgendetwas spannenderes oder einfach populäres zu bieten hat – tolle Schleichwerbung-Schminktips oder sich beim Videospielen zugucken lassen und dabei dauerlabern geht zum Beispiel immer – dann beteiligt einen YouTube ja an den Werbeeinnahmen und man wird ganz superreich, oder zumindest ein bisschen reich.

Aber einmal ganz ernsthaft: Für viele Anbieter im Netz, von  Nachrichtenseiten und Techblogs über Musiker bis hin zu LGBT-Organisationen sind die Einnahmen aus YouTube eine sehr wichtige Finanzierungsquelle. Und da ist die Frage: Ist das eigentlich transparent, nach welchen Kriterien YouTube bestimmte Clips promotet und andere nicht, ist es transparent, wo im Endeffekt Geld fließt und wo nicht? Daran gibt es momentan wieder einmal Zweifel.

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Im Netz und speziell bei YouTube-Content-Lieferanten ist gerade ein Paper einer Gruppe namens Karlaplan recht populär – die Verfasser haben in einer Auswertung von Berichten anderer User und durch eigene Experimente offenbar zumindest zum Teil aufdecken können, nach welchen Kriterien bei YouTube Filme promotet oder aber abgestraft; “demonetarisiert” werden. Diese Kriterien entsprechen anscheinend bestimmten potentiell oder grundsätzlich als “problematisch” eingeordneten Inhalten, wie sie in der Dokumentation zu Googles AdWord-Programm aufgelistet sind.

In der Werbewelt von Google und YouTube sind offenbar Dinge wie „Obszönität und grobe Sprache“ (Kategorie 102), “Tragödie und Konflikt“ (Kategorie 105) oder “Sensible soziale Probleme“ (Kategorie 115) nicht erwünscht und letztendlich geschäftsschädigend – ab einem gewissen (durch einen KI-Algorithmus zugemessenen…) Prozentsatz fliegt ein Clip aus der Monetarisierung und der Ranking-Liste heraus. Das ist systematische Zensur, so lautet das Fazit der Karlaplan-Autoren.

Ich bin da allerdings nicht so sicher. Irgendetwas muss YouTube bzw. Google ja tun, um die unzähligen Sekunde für Sekunde hochgeladenen Clips zu bewerten – die Werbekunden möchten ihre Inhalte nicht in oder neben Hass-, Fake-, oder Schrottvideos gepostet bekommen und drohen mit Boykott. Die Einstufung der Clips kann natürlich auch nicht standardmäßig von Menschen, sondern nur von Algorithmen erfolgen – insofern: Das läuft halt so, und da läuft auch mal etwas schief. In Zweifelsfällen gibt es ja die  Möglichkeit, YouTube dirkt anzufunken und zu sagen; Ich bin jetzt hier zu Unrecht heruntergerankt und de-monetarisiert worden.

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 01.12.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Elon Musk gewinnt Wette – und Australien hat die größte Batterie der Welt

Strom aus Solarzellen, aus Wind- und Wasserkraft, die sogenannten erneuerbaren Energien also, haben alle möglichen Vorteile: Sie sind unbegrenzt verfügbar und nicht klimaschädlich – aber da gibt es ja leider diesen großen Haken: Die Zeiten mit der höchsten Stromproduktion, wenn die Sonne scheint und der Wind bläst, das sind nicht zwangsläufig die Zeiten mit dem höchsten Strombedarf. Und einmal weiß man also gar nicht, wohin mit der schönen Energie, und die Netze drohen zu kollabieren. Oder umgekehrt: Licht, Computer und Motoren sollen und müssen auch laufen, wenn es duster ist und Flaute herrscht. Man braucht also Strompuffer – Batterien; oder nach unserem Sprachgebrauch: Akkus.

In Südaustralien ist heute die größte Batterie/der größte Akku der Welt in Betrieb gegangen – und da kann sich einer besonders freuen: Der Chef der Elektroautofirma Tesla, Elon Musk. Der hätte nämlich die Kosten in Höhe von 50 Millionen Dollar für das Aggregat auf der Fläche eines Football-Feldes selbst zahlen müssen, wenn das Ganze nicht innerhalb von 100 Tagen nach Vertragsabschluss fertig installiert und betriebsbereit gewesen wäre – aber die (wahrscheinlich doch sehr wohlkalkulierte…) Wette hat ja gehalten, das war schon seit ein par Tagen klar. Und Elon Musk bzw. Tesla bekommt das Geld und zusätzlich den beabsichtigten PR-Effekt: Wir können kurzfristig liefern, wir sind zuverlässig, wir haben die Kapazitäten für die Akkus.

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So ganz klar war das ja in letzter Zeit nicht, selbst für das Kerngeschäft von Tesla – die Produktion von Elektro-Autos. Ich würde sogar auch vermuten, dass das prestigeträchtige “Super-Batterie”-Projekt in Süd-Australien bei Tesla mit absoluter Top-Priorität behandelt worden ist, und dass dafür halt andere Sparten im Zweifelsfall mal etwas “leiden” mussten. Aber auch wenn das jetzt also ein etwas aufgehübschter Showcase war, der vielleicht die Frage “gibt es schon genug Kapazitäten, um das erneuerbare-Energien-Dilemma direkt und zu vertretbaren Kosten zu lösen” nicht ganz realistisch beantwortet – die Perspektive ist jedenfalls da. Und das ist ja auch notwendig – wenn z.B. ein Big Player wie Google komplett auf Solar- und Windenergie umstellt.

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 01.12.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Donald Trump retweetet islamfeindliche Videos und keilt gegen Theresa May

Es ist nicht zu fassen. Weltpolitik (wenn auch nur simuliert von einem orangehaarigen Reality-Darsteller…), Diplomatie und die Kommunikation zwischen Regierungen findet heutzutage per dauer-defizitärem Kurznachrichtendienst statt (der doch ansonsten nur zur Selbstbespiegelung von eitlen Journalisten taugt 🙂 …)  Hat eigentlich der sympathische Herrscher mit der ebenfalls problematischen Frisur aus dem letzten authentischen Reich der Finsternis auch einen Twitter-Account? Und wenn nein, warum nicht???

Ich selbst; und da gehe ich hier auf meinem Blog mal etwas über die “politically correctness”-Version von heute morgen “on air” hinaus – habe auch ein massives Problem mit “dem Islam”, wie der sich momentan darstellt. Bzw. wie der von vielen seiner Anhänger, seiner Gläubigen oder Pseudo-Gläubigen (die in Wirklichkeit nur klein/großkriminelle Arschlöcher und Versager sind…) momentan “präsentiert” wird. Natürlich nicht von allen Gläubigen. Umgekehrt finde ich es aber auch vollkommen absurd und im Sinne einer Glaubwürdigkeit öffentlich-rechtlicher Medien völlig kontraproduktiv, “politically correct” und weichgespült herumzuschwafeln, Gewaltexzesse vom IS, das gegenseitige Abschlachten von Sunniten und Schiiten oder völlig abstruse Blasphemie-Ausraster in Ländern mit dem Islam als Staatsreligion wie derzeit in Pakistan hätten “mit der Religion nichts zu tun”.

Natürlich hat die Religion etwas damit zu tun. Insofern bin ich auch gar nicht islamfeindlich, sondern eher religionsfeindlich. Und zwar, sobald die Religion – egal in welcher Geschmacksrichtung – in Fundamentalismus oder Extremismus abdriftet, sobald die Religion nicht- oder andersgläubigen das Existenzrecht abspricht. Oder eben nicht nur abspricht, sondern nimmt. Natürlich gibt es zig andere Erklärungen, was “wirklich” hinter den unter religiöser Flagge segelnden Gewaltexzessen steckt: wirtschaftliche Interessen, Interessen von Stämmen, von Ländern – alles geschenkt. Aber sorry; der irrationale Bullshit- und Manipulationsfaktor ist bei Religionen einfach systemimmanent: Ich schlag dir jetzt mal die Fresse ein, du Ungläubiger. “Deus oder der Prophet vult.” Judäische Befreiungsfront contra Befreiungsfront Judäas.

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Das heißt allerdings noch lange nicht, dass der Präsident der Vereinigten Staaten (wenn er halt ein Präsident wäre und nicht nur ein Präsidenten-Darsteller…) Videos retweeten sollte, die von einer islamfeindlichen “Bewegung” mit einer zum Teil eben doch irreführenden Kontext-Agenda ins Netz gestellt werden. Aber die Sache hat natürlich Methode: Erst mal ungeprüft raushauen an die Schwachmaten-Community. Auf den Wahrheitsgehalt kommt es nicht so sehr an. Sondern auf die “grundsätzliche” Message.

Antimuslimische Videos – Kritik ist Trump egal · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 30.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Nachklapp 02.12.2017 – Twitter eiert völlig desorientiert und peinlich bei der Antwort auf die Frage herum, warum die Videos und der Retweet vom orangehäuptigen POTUS darauf eigentlch nicht gegen die Twitter-Nutzungsbedingungen verstoßen. Natürlich verstoßen sie eigentlich dagegen.

Die Autos in Google Street View liefern verlässliche demographische Informationen

Eine komplette Volkszählung ist ja speziell bei uns hier in Deutschland immer noch ziemlich unpopulär – aber trotzdem ist klar: Es ist schon sehr wichtig und aufschlussreich zu wissen, wer z.B. in einem bestimmten Stadtviertel so wohnt; wie hoch da das durchschnittliche Einkommen ist, der Bildungsstand, die Arbeitslosenrate. Auch wenn man sich nur auf Stichproben stützt: Verlässliche demographische Daten zu sammeln, ist bislang ziemlich aufwendig und teuer. Es gäbe aber eine einfache und sehr billige Alternative, sagen amerikanische Wissenschaftler: Einfach bei Google Street View nachgucken, was dort, auf den Aufnahmen für Autos herumfahren und herumstehen.

Die Grundidee ist natürlich schon auf den ersten Blick einleuchtend und nachvollziehbar – wenn da in einem Stadtviertel am Straßenrand überwiegend Porsches, Mercedesse und BMWs parken, dann wohnen da wohl eher gutbetuchte Leute. Und in einem Viertel, wo uralte Schrottkarren vor sich hinrosten, da sieht es eher anders herum aus. Jetzt haben Informatiker u.a. von der Stanford University diesen intuitiven Ansatz einmal in großem Maßstab ausprobiert – natürlich automatisiert, mit sogenannter Künstlicher Intelligenz. Die Wissenschaftler haben Google-Street View-Ansichten von 200 Städten in den USA ausgewertet, insgesamt 50 Millionen Einzelbilder.

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Dem KI-Algorithmus haben die Forscher zunächst einmal beigebracht, Automodelle (und deren Baujahre…) aus allen Perspektiven zu erkennen – dann haben sie sich für einen kleinen Teil der untersuchten Städte oder Bezirke demographische Daten aus anderen Quellen besorgt und dann ihr Deep-Learning-Programm von der Leine gelassen: Wie korrelieren denn die demographische Daten zu den auf Street View beobachteten Automodellen? Offenbar sehr gut und sehr aussagekräftig. Wohlgemerkt – das alles ist nur Statistik. Aber ab einer bestimmten größeren Zahl kommt die Statistik der Realität schon ziemlich nah. 🙂

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 29.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Datenschutzaktivist Max Schrems gründet „NOYB“ -„none of your business/geht dich nichts an“

Max Schrems ist mittlerweile kein Unbekannter oder Exot mehr; das ist dieser junge Jurist aus Österreich, der sich seit 2011 mit Facebook angelegt hat. Nicht aus Jux und Dollerei, sondern aus gutem Grund, und das äußerst hartnäckig und erfolgreich – da passt das etwas abgedroschene Bild vom Kampf David gegen Goliath wirklich. Mittlerweile, nach mehreren Verfahren durch alle Instanzen bis hinauf zum Europäischen Gerichtshof haben Facebook und die anderen Big Player im Internet das Anliegen und die Botschaft von Max Schrems verstanden bzw. verstehen müssen: Wenn ein Unternehmen hier in Europa mit europäischen Nutzern Kohle machen will, muss es sich auch an europäische Gesetze und Datenschutzvorschriften halten.

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Bislang hat Max Schrems seinen Streit quasi im Alleingang (wenn auch schon mit finanzieller und personeller Unterstützung und “Sympathien” bis hinauf zur EU-Kommission…) geführt. Jetzt hat er eine Organisation gegründet, die die dabei gesammelten Erfahrungen und personellen Ressourcen bündeln und fortführen will. NOYB heißt die, das steht für „none of your business“ – „geht dich nichts an“. Nach österreichischem Recht ist das erstmal ein gemeinnütziger Verein, und den können und sollten alle an Datenschutzfragen Interessierte in einer Art Crowdfunding-Verfahren fördern. 🙂 Denn die Diagnose von Max Schrems wird ja von den “offiziellen” Datenschutzbeauftragten geteilt: Sie selbst, mit zwei, drei Stellen und einem knappen Budget ausgestattet, können den milliardenschweren IT-Giganten mit Stammsitz USA (oder Steuerparadies…) gar nicht wirksam Paroli bieten.

NOYB will mit Öffentlichkeitsarbeit, aber auch vor allem auch mit der konkreten Unterstützung von musterhaften Datenschutzklagen dazu beitragen, dass das EU-Datenschutzrecht zukünftig nicht nur auf dem Papier steht. Das soll aber nicht ideologisch und einseitig werden; NOYB will auch umgekehrt Unternehmen dabei helfen, datenschutzkonform im Netz zu agieren. Und dann wiederum auch eine Anlaufstelle für Whistleblower werden, die Verstöße aufdecken wollen. Auf jeden Fall bietet die neue Organisationsform eine bessere Chance, die formaljuristische Pseudo-Verteidigungsstrategie von Facebook und Konsorten auszuhebeln: Max Schrems sei ja gar nicht als Privatperson klagebefugt – und andererseits: Sammelklagen seien aber auch nicht zulässig 🙂 …

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 29.11. 2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Bitcoin und Co: Cyberwährungen sind ein Öko-Desaster

Dass herkömmliche Cyber-Währungen ein Öko-Desaster sind, das wusste ich ja schon und habe das auch immer bei meinen bisherigen Berichten über Bitcoin und Konsorten so nebenbei erwähnt. Dass aber – wenn auch auf der Basis von vielen Hochrechnungen und Schätzungen – bei jeder Bitcoin-Transaktion (Latte-Macchiato-Kaufen im Hipster-Coffeeshop…) der Wochen- oder sogar Monats-Stromverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts fällig bzw. verbraten wird, das fegt auch mich aus den Latschen. Entweder die Leute von digiconomist und vom Bitcom haben sich da grandios verrechnet – oder die Sache stimmt einfach. Davon gehe ich momentan aus – ich  werde die Annahmen und Zahlen aber auch noch mal bei Gelegenheit zusammen mit einem Experten überprüfen. Versprochen.

Bei aller “prinzipiellen” Genialität des Konzeptes – an sich ist die Cyberwährung Nr. 1, der Bitcoin, mit Volldampf in die Sackgasse gelaufen. Der Effizienz-Wettlauf “mit welcher Hardware und welchen Stromkosten kann ich noch gewinnbringend neue Coins schürfen?” kontra “das Blockchain-Hashwert-finden wird immer aufwendiger” hat dazu geführt, dass Mining und damit auch die Aufrechterhaltung der Bitcoin-Transaktionsfunktionalität praktisch nur noch dort stattfindet, wo die Stromkosten und die Umwelt-Auflagen am niedrigsten sind: In China. Und die dortigen Miner haben natürlich auch gar kein Interesse daran, an sich sinnvolle Neuerungen im Bitcoin-Konzept zu unterstützen, wenn dadurch ihre Gebühren-Einnahmen oder ihre Macht in der “Bitcoin-Community” leiden könnten.

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Ob Cyberwährungen, speziell Bitcoin, aktuell wirklich eine Währung oder aber ein pures Spekulationsvehikel sind, darüber kann man trefflich streiten. Am ehesten lassen sich die Cyber-Coins vielleicht mit Gold vergleichen – auch das eine “Wertanlage”, die auf einer zwar verbreiteten, aber eigentlich ebenfalls nur irrationalen oder emotionalen Wertzuschreibung beruht (von dem technischen Bedarf an Gold einmal abgesehen…). Und auch beim Goldschürfen gibt es gewaltige Kollateralschäden – durch Quecksilbereinsatz etwa an der Umwelt oder an der Gesundheit der Minenarbeiter oder Schürfer.

Letztlich ist das bislang vorherrschende Cyberwährungskonzept zwar von der “diktatorischen” Macht von Zentralbanken oder Regierungen unabhängig – demokratisch oder gar ökologisch ist es aber aber auch nicht. Statt eines theoretisch denkbaren “allgemeinnützlichen”, “sozialistischen” oder “idealistischen” Konzeptes herrscht vielmehr: die pure, nackte, brutale Marktwirtschaft. Genau wie beim Gold die Sauerei mit vergifteten Flüssen – beim Bitcoin wird halt billigster Strom verbraten. Nachhaltigkeit und Klimaschutz? Nie gehört; uns doch egal.

Nun muss eine konzeptionelle Sackgasse wie beim Bitcoin aber trotzdem noch nicht das zwangsläufige und direkte Ende der Cyberwährung und/oder des Kurswertes bedeuten: Ganz offenbar wirkt sich beim Bitcoin der spekulative Aspekt für den Besitz einer Cyberwährung – die Hoffnung auf Wertsteigerung – nicht negativ, sondern stabilisierend aus. Bis jetzt jedenfalls – die mahnenden Auguren wissen schon mit genauer Prozent-Wahrscheinlichkeit, dass der Crash unausweichlich kommt. Wie bei den Tulpen. Dann würde ich doch einfach mal Bitcoin in ganz großem Stil leer verkaufen und mich später, nach dem Absturz, wieder billigst eindecken. Reich werden ist doch total einfach. Also – nur Mut! Die Kugel rollt. Ihre Einsätze, bitte!

Deutschlandfunk Nova · Bitcoin und Co – Ökosünder

Deutschlandfunk Nova – Grünstreifen vom 28.11.2017 (Moderation: Tina Kiessling)

Nachklapp 29.11.2017: Gestern haben wir noch über 10.000 Dollar Kurswert gesprochen, heute über 11.000. Aber ganz klar, der Crash kommt. Unausweichlich. Das ist jetzt wirklich, wirklich, wirklich die aller, aller, allerletzte Phase des Wahnsinns. Wie gesagt: Auf den Absturz setzen! Alles Geld in Put-Derivate auf Bitcoin! Leer-Verkäufe! Alles einsetzen, die Rücklagen, die Altersvorsorge (Lebensversicherungen auflösen!!!), das erwartete Geld von der Erbtante schon mal per Kreditaufnahme vorwegnehmen!!! Es gibt auch Buchmacher, bei denen man wetten kann! Das ist DIE Chance, reich zu werden!!! Oder auf jeden Fall: hinterher schlauer.

Pilotprojekt “Smart City” in Bonn – Wenn der Glascontainer “voll” meldet

Bekanntlich bin ich nicht per se ein glühender Anhänger der Idee, alles zu vernetzen und ins Internet (“der Dinge”…) zu bringen – und dann davon auszugehen, dass allein diese Aktion die Welt automatisch in ein Paradies voller glücklich umherstapfender, bestens informierter und vor lauter tollem “Benutzererlebnis” 🙂  fortwährend jubilierender neuer, smarter und stets wohlwollender Menschen verwandelt. In Wirklichkeit ist das IoT eher ein Albtraum von billigst zusammengestoppelten China-Devices mit Backdoors, Sicherheitslücken und niemals erfolgenden Updates 🙂 … Und die Menschen bleiben natürlich genau so, wie sie halt sind. Es gibt nette, intelligente Leute. Und Vollidioten und Arschlöcher.

Da betrifft auch technische Visionen. In einer idealen Welt oder einem Science-Fiction-Film laufen attraktive Menschen in einem weißen Hosenanzug durch gestylte Wohnwelten und wischen und tippen über smarte Monitore und pseudo-Graffitti-Betonwände. In Wirklichkeit versuchen schlechtgekleidete Spaßvögel und Trolle, Sand ins Getriebe zu streuen – aus purer Lust am Destruktiven; oder weil es ja auch vielleicht auch wirklich ein Stück weit lustig ist, eine vermeintlich tolle Vision mal kurz und schmerzhaft auf den Boden der analogen Wirklichkeit zurückzuholen. Auf jeden Fall: vernetzte Zukunftsideen und “smarte Sensorik” müssen unter diesem Aspekt einigermaßen robust konzipiert sein – sonst pulverisiert sich der erhoffte “Benefit” ganz schnell wegen ein paar Einzelaktionen von “unsmarten” Zeitgenossen.

Aber natürlich wird sich das “Kosten-Nutzen-Verhältnis” zwischen Infrastruktur-Betreibern und IoT-Providern einpendeln; und natürlich werden in zehn Jahren IoT-Dienste und Dienstleistungen selbstverständlich sein, die heute noch experimentell sind. Und möglicherweise ist das dann auch alles smart, klimafreundlich und energiesparend. An der Abwägung: Was bringt mir meine Investition in einigermaßen absehbarer Zeit? – ändert das jedenfalls momentan nichts. Solange die Kommunen nicht einmal das Geld haben, um die allerschlimmsten Schlaglöcher in den Straßen auszubessern, steht die flächendeckende “smarte Stadt-Infrastruktur” wahrscheinlich noch nicht ganz oben auf der Prioritäten-Liste 🙂

Pilotprojekt “Smart City” in Bonn – Wenn der Glascontainer “voll” meldet

Deutschlandfunk – Computer und Kommunikation vom 18.11.2017 (Moderation: Maximilian Schönherr)

Sicherheitslücke bei Amazon Key: Der Paketbote kann doch unbemerkt in die Wohnung

Amazon Key ist an sich eine nette Idee, aber doch insgesamt eher etwas für Leute mit großem Vertrauen in Technik und Mitmenschen – so ungefähr hatte ich das “der Paketbote macht sich die Wohnungstür selbst auf und wird dabei sicherheitshalber gefilmt”-Konzept ja bei der Vorstellung eingeordnet. Und nun, drei Wochen später haben IT-Experten einen sehr simplen Weg gefunden, wie sich das Ganze aushebeln lässt. Die Schwachstelle ist die Webcam, die als Dreh- und Angelpunkt von Amazon Key nämlich auch die Schließkommandos an das “smarte” Türschloss sendet.

Dummerweise lässt sich die “Cloud Cam” per simpler WLAN-Paketüberflutung in ein zeitweiliges Standbild-Koma versetzen, und noch dümmererweise bekommt sie bzw. der Amazon Key-Nutzer den Blackout gar nicht mit. Der Hotfix von Amazon – nun schlägt das System Alarm, wenn die Kamera die Netzverbindung verliert – dürfte die Anwender auch nicht so richtig glücklich machen.  “Möglicherweise wird gerade deine Bude ausgeräumt. Vielleicht muss sich aber auch nur deine DSL-Verbindung kurz neu synchronisieren.”  🙂

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 17.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Bizarre Kontakte zu Donald Trump jr.: Wikileaks auf Abwegen

Donald Trump jr. ein Jahr lang in Kontakt zur Enthüllungsplattform Wikileaks, und das seit September 2016, also in der ganz heißen Phase des Wahlkampfs um den Einzug ins Weiße Haus – das hört sich nach einem weiteren Beleg für unsaubere Machenschaften des Trump-Teams an; schließlich dürfte die Veröffentlichung der internen Emails der Demokraten-Partei ein entscheidender Faktor für Hillary Clintons Wahlniederlage gewesen sein. Aber trotz aller Antipathie zum Lager des POTUS-Darstellers: Ich weiß nicht, was man Donald Trump jr. in dieser Sache ernsthaft vorwerfen will – er hat ja so gut wie gar nicht auf die Twitter-Avancen reagiert; möglicherweise war ihm oder seinem Team die Sache auch nicht geheuer – da hätte er dann deutlich mehr politische Klugheit gezeigt als die Prankster-Opfer aus der Entourage seines Vaters.

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Skandalös ist vielmehr das Verhalten von Wikileaks bzw. von Julian Assange – das Ganze als listigen Versuch darzustellen, Trump jr. zu einem Selbstleak zu verführen, das nimmt man der Plattform und ihrem Anführer nicht mehr ab. Wikileaks ist mittlerweile “Assange.org” und verfolgt eine eigene, unseriöse und anrüchige Agenda. Für verantwortungsvolle Whistleblower, die Missstände aufdecken wollen, gibt es inzwischen andere Ansprechpartner.

Julian Assanges Taktik: Bizarre Strategien bei Wikileaks · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 15.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Rescam: KI-Bot verwickelt Scam-Betrüger in Email-Konversation

So richtig neu ist die Idee natürlich nicht, aber immer noch gut: Scamming, das Email-Verschicken mit irgendwelchen Fantasie-Stories über sagenhafte Vermächtnisse, Bankschließfächer oder Beziehungs-Avancen – das funktioniert immer noch mit viel Manpower und Handarbeit. Zuerst braucht man natürlich einen Idioten oder eine Idiotin, die auf den Scheiß reinfallen – aber danach müssen ja ehrliche Hand-Arbeiter in Nigeria oder Moldawien die Kommunikation fortführen, die ja letztlich in eines münden soll: In einen Geldtransfer des Idioten zum Scammer.

Der Ki-Bot “Rescam” von der neuseeländischen NGO-Netzsicherheits-Agentur zielt schlicht auf diesen menschlichen Faktor – wenn die Scam-Arschlöcher mit der Beantwortung der Bot-Fragen, Anekdoten und schlechten Witzen beschäftigt sind, dann können sie in der Zeit keine neuen Idioten Opfer abzocken. Ich habe so etwas ja mal per Hand gemacht. (Fortsetzung in den Folgeposts…) – das ist einigermaßen lustig. Har, Har.

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 13.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)