Archiv für den Monat: Juli 2019

Warum einen Markler beauftragen?

Ich habe gefühlt jeden Tag zwei, drei mal mehr, mal weniger aufwendig gestaltete Kärtchen oder Briefchen im Briefkasten liegen, in dem mir sehr freundliche, mitfühlende Menschen ihre völlig kostenlose Hilfe anbieten. Manchmal ist das Ganze auch als “Gutschein” deklariert, für ein “Wertgutachten”. Nur leider, leider, leider: Die schmucke Immobilie im schmucken (vom abartigen nächtlichen Fluglärm mal abgesehen, aber das muss man potentiellen Interessenten ja nicht sofort auf die Nase binden…) Villenviertel Marienburg, in der ich wohne – die gehört gar nicht mir. Sondern meinem sehr netten Vermieter, der auch unten im Haus wohnt. Und der vermutlich auch nicht verkaufen will.

Klarer Fall: Einen verkaufswilligen Immobilieneigner in einer exzellenten Wohnlage zu finden, das ist momentan der Jackpot für die Jungs und Mädels im immer schon etwas sportlichen Berufsfeld “Makler”. Das ist natürlich ein absolut seriöses Betätigungsfeld, da hatte ich noch nie auch nur den geringsten Zweifel dran. Der Gesetzgeber hat da ja so ein paar regulative Einschränkungen eingezogen; aber klar: Die Jungs und Mädels arbeiten ganz hart für ihre Kohle. Zumindest, wenn sie Ladenhüter an den Mann bringen sollen. Viel mehr Spaß machen aber eben so Dinger wie die hier in Marienburg.

Bei den Null- bzw. Minuszinsen am Markt stehen die Kaufinteressenten Schlange, da werden gerne auch mal Preise gezahlt, die noch vor kurzem (vielleicht auch irgendwann wieder?) Phantasie waren – und da springt natürlich auch für einen wackeren Makler leicht verdiente Extra-Kohle raus. Wenn man denn so einen seltenen Paradiesvogel identifizieren und ankobern kann, der seine Hütte verkloppen will oder muss. Da kann man schon mal in Werbematerial investieren und das rege und regelmäßig verteilen. Heute hatte ich ein besonders schönes Exemplar im Briefkasten:

Ich hätte da jetzt auch noch ein paar Fragen zu. Halten Sie es für möglich, dass die hoffnungsvollen Markler nicht wissen, wie ihr sportlicher Job eigentlich korrekt geschrieben wird? Halten Sie es für möglich, dass da eine Panne beim Drucken passiert ist, das aber niemand gemerkt hat? Oder dass es sehr wohl aufgefallen ist, aber die Karte aus Kostengründen trotzdem verteilt wurde? Lassen sich die Fragen 5, 11, 14 und 16 eigentlich mit “Ja oder Nein” beantworten? Würden Sie diese hoffnungsvollen Markler mit dem Verkauf Ihrer jackpot-Immobilie beauftragen? Ich helfe gerne weiter.

Unfassbare Abzocke. Unfassbare Blödheit und Gier.

Die neueste Anlagebetrug-Abzocke, die Tagesschau.de heute morgen gemeldet hat –  die hat schon ganz amtliche Ausmaße. Hunderte Anzeigen, zig Tausende Betroffene mit jeweils happigen “Anlage”-Summen im fünfstelligen Bereich – da kommen schon ganz nette Summen zustande… Der totale Wahnsinn:  Zocker-Plattformen für Geschäfte auf Optionen oder Futures sind eh schon etwas spekulativ 🙂 – insofern war/ist (die Plattform ist immer noch online…) die Warnung von “Option888.com” sehr ernst zu nehmen – bei den Trading-Geschäften kann ein Totalverlust auftreten, die Betreibergesellschaft haftet da logischerweise nicht für.

Freischwebend traden auf der Überholspur. Mit 0 Ahnung und 100% Geld-weg-Garantie. (Screenshot option888.com)

 

Der Witz ist nur – die Wixer von Option888.com und den anderen Plattformen haben mit dem Geld ihrer irren Kunden überhaupt nie getradet – die Kohle war sofort weg. Wenn man da mal ein bisschen googelt – und das hätten natürlich auch die armen Schlachtopfer der letzten Jahre tun können – das Strickmuster war immer identisch: Die aus den Social Media angekoberten Opfer haben da Kohle überwiesen. Dann ist eine angeblich gewinnbringende Transaktion passiert – der Kontostand in der famosen App bzw.dem Online-Konto ist hochgegangen.

Dann haben die Wixer das Opfer kontaktiert – das sollte doch bitte mehr anlegen, wo das Ganze doch so gut lief :)… Manche Wahnsinnige haben dem famosen Unternehmen eine Einzugsgenehmigung  auf ihre Kreditkarte eingeräumt, oder dem famosen persönlichen Berater freie Hand bei den Options- und Futures- und Cyberwährungstransaktionen gelassen. Weil das lief ja so gut. Auf der Fake-Website.  Da mal eben einen Wertzuwachs anzuzeigen, ist natürlich offen gestanden nicht so schwer.

Interessant wurde es ja jeweils, wenn irgendwelche “Anleger” mal versuchten, einen Teil ihrer Kohle wieder abzuziehen. Erfolgsrate: Null. Und das schon seit zig Jahren. Klar- bei einem (angeblichen…) Guthaben von 50.000 Euro musste eine Auszahlung ja erst “genehmigt” werden; das konnte dauern. Oder die eigentlich befasste Mitarbeiterin stellte sich als zugegebenerweise unfähig heraus; ein anderer Mitarbeiter übernahm und forderte aber erst mal eine neue Geldeinlage. Danach war dann wieder die unfähige Mitarbeiterin dran, die nun eine Klärung der Unstimmigkeiten  versprach.

Oder der mit “freier Hand” bei Transaktionen beauftragte Mitarbeiter tradete mal eben eine gewaltigen Verlust herbei – das könnte bei “freier Hand lassen” ja tatsächlich auch ohne bösen Willen passieren. Hier bei den famosen Betrügern rund um den famosen “Karsten L.” waren das aber einfach dreckige Abzock-Wixer, die überhaupt nie irgendwelche realen Transaktionen durchgeführt haben – das Konto und der Kontostand der Opfer war von vonherein einfach nur virtuell. Noch mal ganz klar – die Abzocke war eigentlich schon seit zig Jahren offensichtlich, es gab eine Bafin-Warnung bzw. ein Bafin-Verbot.

Bei so schönen Apps muss der Laden doch seriös sein. (Screenshot: option888.com)

Und was passierte von Seiten der Behörden bzw. der Polizei? Offenbar nix, über zig Jahre, in denen die Sachlage auch schon klar war. Ich weiß jetzt momentan noch nicht, wer eigentlich den heftigeren Schlag in die Fresse braucht. Die “Opfer”, die allen Ernstes bei einem risikolosen ZIns von 0% ihre Kohle in irgendwelche tollen Deals reinstecken, die 4, 5, 6; oder fantastilliarden % Rendite versprechen. Pro Monat bzw. Tag bzw. Trade; versteht sich. DIE RENDITE GIBT ES NICHT, IHR SCHWACHMATEN!!!  Oder die Betrüger, die ja “nur” gutgläubige, gierige Leute ausgenommen haben, die offenbar zuviel Geld hatten.

Aber nein – die Schuldigen in dieser Geschichte sind natürlich ganz eindeutig nicht die Opfer, sondern die unverschämten Betrüger; mit ihrer schillernden Vorgeschichte, dem unerhörten (aber natürlich in Relation zur abgezockten Kohle ausgesprochen angemessenen…) Aufwand  zur Täuschung, der unverschämten Dreistigkeit, bereits angekoberte und dann Verdacht schöpfende Opfer noch weiter auszumelken. Für so eine unverschämte Dreistigkeit kann ich eigentlich nur sagen: Arbeitslager und jeden Morgen Schläge auf die Fußsohlen und den Arsch. Ach so, ist nicht vorgesehen in unserem Rechtsstaat? Schade.