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CoinCreator: Die eigene Kryptowährung „leicht“ gemacht

Geld selber drucken ist nach wie vor eine sehr populäre, aber auch juristisch riskante Idee, um endlich auch mal auf die Sonnenseite des Lebens zu kommen. Im Netz und beim überaus populären Hype Blockchain und Cyberwährung sind da auch jede Menge Glücksritter und windige Vögel unterwegs. Um dem bunten Treiben einen Riegel vorzuschieben, haben kürzlich China und andere Staaten neue ICOs, „Initial Coin Offers“ kurzerhand verboten – und damit auch den Kurs der Platzhirsch-Währung Bitcoin kurzfristig einknicken lassen.

Aber eigentlich ist eine ICO mit einem Crowdfunding vergleichbar, oder besser noch mit einer Aktien-Platzierung. Normalerweise braucht man dazu einiges Know-How – mit CoinCreator soll das Ganze auch für Laien schnell und unkompliziert machbar sein. Was man unkompliziert nennt, ist natürlich eine Ermessensfrage. Um meinen Gesscoin (G€$) 🙂 zu launchen, musste ich erstens ein Ether-Wallet („Meta-Mask„) als Browser-Extension installieren, die Software ist aber noch im Beta-Status und sollte vielleicht doch besser nicht mit „echtem“ (Cyber-) Geld benutzt werden. Die digitale Geldbörse kann man auch mit Test-Ether aufladen (die mit CoinCreator erstellten Cyber-Währungen bauen auf dem Ethereum-Blockchain-Konzept auf…), das geht (theoretisch…) auf der Website Rinkeby.

Dazu braucht man aber wiederum erst mal einen Github-Account, wo man ein Gist mit der Ethereum-Adresse hinterlegen muss, die man aus der Ether-Wallet kopiert hat. (Noch alle Laien an Bord soweit?) Und leider klappt bei mir das Aufladen mit den Test-Ether nicht, die Website meckert da irgendwas von wegen „Invalid User“, obwohl ich doch völlig valid bin und auch das zuweilen aufpoppende Google-Captcha gelöst habe. Beim CoinCreator wiederum kann ich den Blockchain-Kontrakt nicht endgültig generieren, solange meine Ether-Wallet leer ist. Ich könnte zum Aufladen natürlich auch echte Ether kaufen und ca. 15$ investieren – aber für ein Experiment ist mir das etwas zu teuer. Meine schönen GessCoins, das ahne ich ja schon – die will nachher eh niemand haben.

Mal sehen, vielleicht klappt das ja noch mit den Test-Ether. Oder ich lade doch was auf die Wallet; wäre ja schließlich steuerlich absetzbar. Fazit: Die ICO für Dummies via CoinCreator ist bestimmt viel leichter als eine ICO in Eigenregie. Aber so der totale Selbstläufer zur Sonnenseite ist das ganze auch noch nicht.

Kryptowährung: Cyber-Coins zum selber machen · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 16.10.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Cyberwährungs-Mining als faire Einnahmequelle für Medien-Websites?

Ich bin ja bekanntermaßen sehr skeptisch, ob das Finanzierungsmodell „Werbung“ wirklich der Bringer im Internet ist. Die Banner und Einblendungen, die Tracking-Cookies und Scripte nerven nicht nur total ( oder auf Neusprech: sie konterkarieren das „Benutzererlebnis“ der User…) – sie liefern uns auch Sicherheitslücken aus und opfern unsere Privatsphäre im Tausch gegen einen vermeintlichen Gratis-Deal. Trotz irgendwelcher Beteuerungen an sich gutmeinender Webseiten-Betreiber: Vor den vielfältigen, inakzeptablen Kollateralschäden kann uns kein gutmeinender Webseiten-Betreiber schützen; und so greifen wir halt zu Script- und Werbeblockern.

Auf der anderen Seite: Medien wie Zeit, Faz, Süddeutsche und Spiegel Online, die nicht wie öffentlich-rechtliche Sender auf „garantierte“ Einnahme-Töpfe zurückgreifen können, brauchen ein funktionierendes Monetarisierungsmodell. Einfach eine Paywall-Schranke einrichten und dann sehen, wieviel das Angebot denn den „Kunden“ wert ist, das wäre die radikale marktwirtschaftliche Variante. Vielleicht funken wir „zwangsabgabenfinanzierte“ ÖR-Medien da mit unseren Angeboten auch noch irgendwie rein – ich glaube das zwar eigentlich nicht, dass ein tatsächlich relevantes Konkurrenzverhältnis besteht; aber zugegebenerweise: Aktiv den Geldbeutel zücken fällt schwerer, als zu zahlen, weil man muss.

Aber vielleicht könnten ja reichweitenstarke Medien auf ein Konzept aufspringen, das bislang eher von Malware-Autoren oder den Betreibern zweifelhafter Websites ausprobiert wird: Nämlich, ihre Besucher Cyberwährungen schürfen lassen. Ich hätte jedenfalls überhaupt kein Problem damit, einer Website 80% meiner CPU- oder GPU-Ressourcen zur Verfügung zu stellen, während ich gerade die angebotenen Artikel lese, die Videos schaue oder Audios höre. Möglicherweise ergäbe das einen wesentlich zuverlässigeren Anhaltspunkt dafür, welche Inhalte für das Zielpublikum relevant sind (Verweildauer statt kurzes Clickbait-Headline-Anklicken…). Und auch Klickbetrug hätte sich beim Konzept „mine per view“ erledigt – die ganz große Frage ist halt nur, ob die erzielbaren Einnahmen pro (tatsächlichem, nicht gefakten…) Besucher mit denen beim Werbe-Modell vergleichbar sind.

Alibaba bringt „Zahlen mit einem Lächeln“

Am Bahnhof Südkreuz in Berlin lauft ja gerade ein Videoüberwachungs-Pilotversuch, da will die Polizei herausbekommen, wie gut Gesichtserkennung in einem belebten, öffentlichen Raum funktioniert und ob das dann dazu taugt, Personen zu identifizieren, nach denen gefahndet wird. Das Projekt ist sehr umstritten – inzwischen ist vielleicht auch etwas Alarmismus lautgeworden – aber Kritiker sehen die Überwachungskameras als unzulässigen Eingriff in die Privatsphäre unbescholtener Bürger. In China gehören Gesichtserkennungssysteme zumindest in Großstädten schon weitgehend zum Alltag – als Zugangskontrolle zu Gebäuden oder beim Einsteigen in die U-Bahn. Jetzt testet der Online-Händler Alibaba ein System, bei dem man mit einem Lächeln bezahlen kann – bei Kentucky Fried Chicken.

Dahinter stecken nicht etwa Sorgen über fettige Finger, die andere Bezahlkonzepte problematisch erscheinen lassen könnten. Alibaba und KFC sind geschäftlich verbunden. Und zu Beginn des Pilotversuchs muss die Hähnchen-Rechnung auch noch zusätzlich mit einer Mobilfunknummer-Eingabe legitimiert werden – so ganz trauen die Macher ihrer Gesichtserkennungs-Software offenbar auch noch nicht. Aparterweise stellt das System aber schon beim Eintreten registrierter Personen in den KFC-Shop Betrachtungen darüber an, welche Hähnchenteile die Person wohl gleich bestellen wird. Predictive Chicken Eating sozusagen.

Auch andere Umsetzungen von Gesichtserkennung führen in China (und hoffentlich bald ja auch in Deutschland…) zu verblüffenden Resultaten: Beim „Beer Festival“ in Qingdao sind der Polizei 25 gesuchte Personen ins Netz gegangen, darunter ein Mann, der seit über 10 Jahren auf der Flucht war. Und an chinesischen Straßenkreuzungen können dank der neuen Technik nun auch Über-Rot-geh-Sünder identifiziert und direkt individuell beschämt  werden. Hallo, ja Sie, Herr Gessat – es ist Rohoht!! Zum Glück ist ja Gesichtsverlust hierzulande nicht soo schlimm wie in Asien.

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 04.09.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Ad-Blocker auf Mobilgeräten: Fehlanzeige

Die Diskussion um Werbeblocker ist ein Dauerbrenner – vor kurzem hat ja Eyeo, Anbieter des weit verbreiteten „AdBlockPlus“ wieder mal einen juristischen Sieg einfahren können. Andererseits haben verschiedene Content-Anbieter, u.a. auch Spiegel Online, offenbar „erfolgreich“ nachgerüstet – wer die Seiten mit AdBlockPlus oder auch einem Adblocker auf dem iPad ansteuert, wird nun praktisch auf allen Artikeln mit einem Anti-Blocker-Nagscreen zur Wieder-Zulassung der Anzeigen-Herrlichkeit aufgefordert. Eine ganz, ganz schwierige Kosten-Nutzen-Rechnung…

Auf Mobilgeräten spricht eigentlich noch mehr als am Desktop für das Blocken: der Platz auf dem Display ist knapp, vor allem aber verlangsamt Werbung signifikant den Seitenaufbau und verbrät das meist limitierte Daten-Kontingent des Users. Als Apple mit iOS 9 und den 64-Bit-Geräten erstmals Werbeblocker im App Store zuließ, sahen weite Kreise der Werbeindustrie und der Content-Anbieter den Untergang des Abendlandes kommen. Ausgerechnet die zahlungskräftigste Klientel sollte sich ausklinken können?

Nun stellt sich heraus – Pustekuchen, Werbeblocker spielen auch Mobilgeräten praktisch keine Rolle; jedenfalls wenn man der „gut unterrichteten“ Quelle von „The Register“ folgen will. Offenbar sind die Leute doch zu faul, zu geizig, oder selbst mit den paar Einstellungen zu überfordert, sich einen AdBlocker zu installieren. Selbst die, die einen haben, nutzen den offenbar nicht konsequent. Da könnten ja eigentlich bei Werbeindustrie und Content-Anbietern die Champagnerkorken knallen. Aber noch mal Pustekuchen. Klick-Betrug ist wohl inzwischen auch so sehr Mainstream, dass alle theoretisch schönen Werbe-Bilanzen katastrophal verhagelt werden.

Laut dem von „The Register“ zitierten Experten sind 43% der Ad-Impressions, also der Klicks betrügerisch: Das sind eben keine Menschen, die sich für ein Produkt interessieren, sondern Bots oder Klickfarmen. Der Schaden – der die Anzeigen-Verkäufer wie Google schwer trifft, vor allem aber natürlich die Anzeigen-Schalter, soll im laufenden Jahr 2017 ein Volumen von 16 Milliarden Dollar erreichen; es gibt allerdings auch etwas vorsichtigere Schätzungen. Google ist jedenfalls unter Zugzwang und erstattet den geprellten Kunden ihren Schaden – und versucht selbst, Klickbetrüger durch bessere Algorithmen effektiver zu entlarven.

Vielleicht ist aber auch das ganze Mainstream-Finanzierungsmodell des Internets: Mist.

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 28.08.2017 (Moderation: Till Haase)

Bei Online-Bewertungen kann weniger mehr sein

Ob bei eBay, Amazon oder anderen Online-Händlern – wer beim Kauf noch zwischen ein paar Produkten schwankt, schaut auf die Bewertungen oder Rezensionen. Weil das für uns alle so alltäglich und selbstverständlich geworden ist, haben wir dabei bestimmte Denkmuster im Kopf, sagen Psychologen von der Stanford University. Die können uns allerdings sogar in die Irre führen bei der Kaufentscheidung, so das Ergebnis ihrer Untersuchung. Der intuitive Automatismus „viel Bewertungen sind besser als wenige“ spielt natürlich auch Rezensions-Fakern noch einmal zusätzlich in die Hände.

Ratings: Wann Produkte mit wenigen Bewertungen kaufen · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 22.08.2017 (Moderation: Thilo Jahn)

Bitcoin-Cash-Kurs explodiert, Bitcoin-Transaktionen sind nicht so anonym wie gedacht

Gerade mal drei Wochen ist es her, da hat sich die „Rebellen-Währung“ Bitcoin Cash abgespalten vom Platzhirsch der Cyberwährungsbranche. Nach einer kurzen Kursexplosion lag die Notierung dann geradezu verdächtig stabil bei rund 300 Dollar – aber jetzt war dann wieder mal die nächste Explosion fällig; der Kurs des Bitcoin Classic hatte ja auch schon wieder unfassbar zugelegt. Das alles ist Wahnsinn, und eben auch nicht Wahnsinn: Marktwirtschaft halt.

Ganz offenbar gibt es eben an mehreren Cyberwährungsbörsen eine ausreichende Anzahl von Leuten, die bereit sind, Bitcoin Cash nun zu höheren Kursen zu kaufen. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Immer mehr Handelsplattformen unterstützen die Rebellen-Währung jetzt doch, die Transaktionszahlen und -volumina steigen. Für die mächtige Fraktion der Miner ist beim gestiegenen Kurs das Bitcoin Cash-Schürfen sogar attraktiver als das Errechnen der klassischen Cyber-Münze, und es gibt wieder eine gute Nachricht in Richtung allgemeiner Akzeptanz: Ein ehemaliger Vermögensverwalter der Harvard Universität plant, einen Cyberwährungs-Hedgefond aufzulegen – wo also auch Leute in Bitcoin und Konsorten investieren könnten, die sich mit der technischen Materie unmittelbar nicht beschäftigen wollen.

Da Bitcoin Cash genauso gut funktioniert wie Bitcoin, dürfte auch schlicht ein psychologischer Aspekt eine Rolle spielen: Der Unterschied zwischen „billigem“ und „teurem“ Kurs der beiden Rivalen. Und möglicherweise gibt es noch eine äußerst freudige Botschaft für all die Bitcoin-Besitzer, die ihre Reichtümer auf einer Plattform gelagert hatten, die Bitcoin Cash nicht unterstützt hatte. Bei so viel Jubel-Nachrichten ein kleiner Wermutstropfen: Online-Einkäufe mitt Bitcoin sind viel weniger anonym als gedacht, das zeigt eine Studie der Princeton University – der ganz normale Tracking-Wahnsinn ist schuld. Letzte Woche hatten andere Wissenschaftler schon gezeigt, dass sich per Bitcoin bezahlte Menschenhandel- bzw. Kindersex-Anzeigen ebenfalls mit dem Kassenbuch der Cyberwährung, der Blockchain abgleichen lassen.

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 21.08.2017 (Moderation: Thilo Jahn)

Amazon Instant Pickup: Tante-Emma-Laden für Soziopathen

Es gibt ja sehr ernstzunehmende Indizien dafür, dass die Allgegenwart von Smartphones signifikant negative Auswirkungen auf das körperliche und geistige Wohlbefinden von „Homo sapiens sapiens“ hat. Die einen kommen beim Straßenüberqueren oder Pixel-Monster-Jagen unter die Räder, die anderen verlieren für die Arterhaltung notwendige Kompetenzen an „KI“-Algorithmen. Smartphones, kurzum, machen blöd – selbst wenn man sie nur auf dem Tisch liegen hat.

Aber Hand aufs Herz – ist das nicht wirklich viel schöner, nur ganz virtuell durch Tinder-Angebote durchzuwischen, als die Typen wirklich zu daten und dann festzustellen, dass die Fotos Fake waren und die Biografien sowieso? Und ist es nicht viel schöner, auch alltäglichen To-Go-Bedarf wie Snacks, Getränke und Alexa-Abhördrohnen 🙂 mal eben per App zu kaufen und dann aus einem Schließfach zu entnehmen, als die von einem anderen Menschen (womöglich aus einer anderen sozialen Schicht…) überreicht zu bekommen?

Bild: Amazon.com

Ja. Ist viel schöner. Und deswegen gibt es halt bei Instant Pickup eine metallene Trennwand zwischen Käufer und Verkäufer. Wobei ja theoretisch noch ein Moment der Anarchie oder der Romantik möglich wäre – vielleicht macht man ja mal das Schließfach genau in dem Moment auf, in dem die Amazon-Mitarbeiterin auf der anderen Seite auf den allerletzten Drücker die Ware hineinlegt. Und dann ein tiefer Blick in die Augen, durch das Schließfach; von Türchen zu Türchen. Aber nein – das wird der Algorithmus schon zu verhindern wissen.

Um mal von diesen Exkursionen auf den Boden der nackten Realität zurückzukommen: Erst einmal könnte man bei einer Bestellung vorab und der dann folgenden Abholung tatsächlich die paar Sekunden sparen, die ein Verkäufer hinter dem Tresen zum aus-dem-Regal-holen bräuchte. Und zweitens (das ist ein Hinweis einer Kollegin bei Deutschlandfunk Nova…) fragt mit Trennwand auch niemand: „Haben Sie eine Payback-Karte?“ Wobei – das könnte Amazon ja noch in die App mit einbauen 🙂 …

Deutschlandfunk Nova · Amazon Instant Pickup: Tante-Emma-Laden für Soziopathen

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 17.08.2017 (Moderation: Till Haase)

Facebook launcht Marketplace nun auch in Europa

Der Test auf dem Heimatmarkt war offenbar erfolgreich, nun können auch deutsche User den digitalen Facebook-Flohmarkt bestücken oder nach Schnäppchen stöbern. Und auch hierzulande wird das neue Angebot aus dem Hause Zuckerberg nicht gleich den etablierten „Mitbewerb“ aus dem Rennen fegen. Dem Datensammel- und Werbeimperium geht es vor allem darum, seinen Nutzern ein möglichst komplettes Angebot zu präsentieren. Alles soll aus Facebook heraus funktionieren – gerne auch der Einkauf beim vermeintlichen oder tatsächlichen Konkurrenten eBay.

Wer einen Großteil der Weltbevölkerung zu seinen Kunden zählen kann, agiert halt einigermaßen gelassen. Vor allem, wenn man auch noch ein Alarmsystem hat, das einem etwaige Spielverderber frühzeitig meldet.

Deutschlandfunk Nova · Kleinanzeigen: Facebook launcht Marketplace in Europa

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 16.08.2017 (Moderation: Till Haase)

Onavo: Facebooks Marktforschungs- bzw. Schnüffel-App weiß Bescheid

Wer Facebook nutzt (und das ja bekanntlich „gratis“…), gibt im Gegenzug seine Privatsphäre auf; zumindest den digitalisierten Teil. Das ist den meisten Leuten so diffus klar. Ein bisschen kann man ja auch noch an den Privacy-Stellschrauben drehen, wie das Unternehmen mehr treuherzig als letztlich zutreffend in seiner Werbe-Kampagne für Bedenkenträger betont. Und doch würde es vermutlich den meisten Usern der Facebook-App für Smartphones und Tablets etwas unangenehm aufstoßen, würde die Anwendung fragen: „Darf ich mal mitprotokollieren und an Facebook weitermelden, welche anderen Apps Du eigentlich auf deinem Gerät installiert hast, wie oft und wie lange Du die nutzt, und wieviel und welche Daten Du dabei übers Netz sendest und empfängst?“

Genau das fragt aber die App Onavo – relativ unauffällig. Und die meisten Nutzer nicken den Programmpunkt ab – ihr Fokus liegt ja auf den Features, die Onavo ihnen bietet: Schnelleres und sichereres mobiles Surfen. Für Web-Anbieter – und seit der Übernahme im Jahr 2013 eben für den neuen Besitzer von Onavo, Facebook – da liegt der Fokus ganz woanders: Auf den mitprotokollierten Daten nämlich. Laut Wall Street Journal und gut informierten Insidern haben die Mobile Analytics-/Marktforschungs-/Schnüffel-Informationen einen ganz erheblichen Einfluss auf Unternehmens-Entscheidungen von Facebook – vom WhatsApp-Kauf über Maßnahmen gegen Live-Video-Stream-Konkurrenten bis hin zum Ausbremsen von verkaufsunwilligen Messenger-Mitbewerbern 🙂

Das alles ist völlig normal und ja auch von den Usern abgenickt, sagt Facebook. Das alles könnte gegen AppStore-Richtlinien oder sogar gegen kartellrechtliche Vorschriften verstoßen, sagen Kritiker. Mit der Schnüffel- bzw. Analytics-App hat Facebook ein hübsches Tool im Portfolio, um Mitbewerber beizeiten „plattzumachen“ – durch das Abkupfern von Funktionen oder im Notfall, durch eine Übernahme 🙂 … Mal sehen, wie das weitergeht – immerhin: Facebook hat das gleiche Problem wie Google: Ein marktbeherrschendes Unternehmen kann nicht mehr einfach das machen, was es gerne möchte und was ja so schön einfach und praktisch funktioniert. 🙁

Apropos Snap – da hätte Mark mir doch echt mal Bescheid sagen sollen; bei all der Facebook-freundlichen Berichterstattung, die ich seit Jahren betreibe.

Deutschlandfunk Nova · Schnüffel-App Onavo

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 14.08.2017 (Moderation: Till Haase)

Copyright-Posse um YouTube-Clip „Star Wars minus Musik/Williams“

Über die sehr rustikale Methode von Film- und Musik-Rechteinhabern, ihre Algorithmen YuoTube durchscannen zu lassen und dann mal ganz schnell Löschanträge, Monetization Claims oder Abmahnungen rauszuhauen haben wir ja schon öfters mal berichtet. Ein Daueraufreger, weil immer wieder angebliche Rechte reklamiert werden, die gar nicht bestehen. Kaum zu toppen ist allerdings, wenn ein Musik-Rechteinhaber einen Clip reklamiert, in dem weitgehend Stille herrscht, in dem genau die Musik absichtlich entfernt worden ist.

Warner/Chappell, der Tochterfirma von Warner Music gelingt dieses Kunststück – und zwar nicht durch die Aktivitäten eines durchgeknallten Bots, sondern durch die eines (durchgeknallten?) Menschen. Was den oder die Beschwerde-Einreicher(in) zu seinem/ihrem Monetization Claim veranlasst hat, bleibt zur Zeit unklar. Vielleicht ja die (ziemlich peinliche…) Verwechslung der Musik von Gustav Holst („The Planets“) mit der Star Wars-Hymne von John Williams – eine unziemliche Verwechslung zudem von Original und – zugegeberweise genialer – Variation.

Nachdem Wired die Geschichte recherchiert hatte, wurde der Claim allerdings sehr schnell wieder fallengelassen.

 

 

Du wirst Deine bescheuerte Beschwerde jetzt zurückziehen.

Ich werde meine bescheuerte Beschwerde jetzt zurückziehen.

Deutschlandfunk Nova · Copyright: Star Wars ohne Musik auf Youtube

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 03.08.2017 (Moderation: Till Haase)