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Tidal soll Streamingzahlen gefälscht haben

Es läuft etwas gewaltig schief beim Musikstreaming-Dienst Tidal, und das schon seit geraumer Zeit – das ist jedenfalls das Bild, das beim Blick auf die Berichterstattung der norwegischen Finanz- und Wirtschaftszeitung Dagens Næringsliv entsteht. Nun ist die Dagens Næringsliv erstens keine Klitsche oder Gossip-Schleuder, und zweitens gibt es auch für die sehr hartnäckige und intensive Berichterstattung der Zeitung ausgerechnet über den Streamingdienst des Rappers Jay Z einen ganz naheliegenden Grund: Tidal hat ja norwegische Wurzeln; höchstwahrscheinlich sind weiterhin eine Reihe von Mitarbeitern der übernommenen Firma Aspiro an Bord – und aus diesem Kreis dürfte die Dagens Næringsliv mit allergrößter Wahrscheinlichkeit seit jeher die Insiderinformationen gesteckt bekommen haben.

Ende letzten Jahres hatte die Zeitung Details über die wirtschaftliche Situation von Tidal vermeldet – die Abonnenten- und Streamingzahlen seien weiterhin viel zu gering, um aus der Verlustzone herauszukommen und zu den Big Playern wie Spotify aufzuschließen, Tidal gehe schlicht und ergreifend in sehr absehbarer Zeit das Geld aus. Die jüngste Veröffentlichung von Dagens Næringsliv ist noch einmal deutlich brisanter – wirtschaftlicher Misserfolg ist eine Sache; Manipulation von Streamingzahlen, Bereicherung und Betrug eine ganz andere. Tidal weist die Vorwürfe empört zurück – das dürfte wohl ein Fall für die Staatsanwaltschaft werden.

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Bleibt ein kurzer Blick auf die berühmte Überlegung “cui bono”. Szenario eins: Die Daten auf der von Dagens Næringsliv präsentierten Festplatte sind gefälscht (und zwar sehr aufwendig und wiederum mit immensem Insiderwissen…), das Ganze ist eine Racheaktion von Mitarbeitern oder der Versuch, Tidal sturmreif zu schießen, als Konkurrenten auszubooten oder billig zu übernehmen. Szenario zwei: Die Manipulation ist tatsächlich so passiert, Tidal steht das Wasser tatsächlich bis zum Hals und die Abzocke ist irgendwie der Versuch, vor der Pleite oder dem Notverkauf noch etwas Saft aus dem Laden zu pressen.

Wenn man die Meldungen der letzten Jahre noch einmal Revue passieren lässt – die gescheiterten Verkaufsgespräche mit Apple  oder Samsung  (die wohl nach einem intensiven Blick auf die Zahlen von Tidal und die Preisvorstellung abgewunken haben…), die Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Engagements von Sprint, die seit jeher ständigen Querelen um Streaming-Zahlen und Ausschüttungen, am prominentesten vom möglicherweise ja jetzt “entschädigten” Jay Z-Buddie Kanye West, dann die Vorwürfe der Tidal-Gründer an die Vorläuferfirma, deren Zahlen hätten schon nicht gestimmt und man selbst sei bei der Übernahme übers Ohr gehauen worden – dann kommt man schon irgendwie ins Grübeln.

Immerhin; sollten sich die Manipulationsvorwürfe bestätigen: Ein als Betrüger ertappter Gangster-Rapper hat im Gegensatz zu einem Automobilmanager oder Banker wenigstens ein dickes Plus – seine Street Credibility geht wieder rasant nach oben 🙂

Musikstreaming: Tidal soll Abrufzahlen gefälscht haben · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 11.05.2018 (Moderation: Till Haase)

Geleakte Zahlen: Die Mischkalkulation bei Amazon Prime Video sieht ganz plausibel aus

Ich muss ja ganz ehrlich sagen: Trotz aller Bedenken gewerkschaftlicher Art oder trotz aller Skrupel in Richtung auf das Wohlergehen lokaler Einzelhändler; ich kaufe ziemlich massiv online bei Amazon ein. Weil die Sachen da halt meistens am billigsten sind. Klar, “Geiz ist geil 🙂 “. Und die Schmocks, die sich erst offline beraten lassen und danach online billiger kaufen, sind halt Schmocks – wobei allerdings ziemlich fraglich ist, ob es tatsächlich lokale Verkäufer gibt, die effektiv eine objektive Produkt-Checkung haben und einen insofern irgendwie objektiv beraten. Je besser man sich selbst auskennt, umso unwahrscheinlicher ist das.

Das ist wirklich super, dass ich hier endlich mal ein Hakenkreuz einbinden kann. Ist selbstredend nur embedded von den ebenfalls dankbaren Kollegen von engadget.de und natürlich nur die Abbildung einer fiktiven Film-Szenerie… Screenshot Amazon “The Man in the High Castle”

Ich habe aber natürlich auch nix gegen eBay oder, wenn der Preischeck das so ergibt, gegen irgendeinen anderen seriösen Online-Händler. Insofern: ich hatte mich relativ früh für Amazon Prime entschieden, weil das einfach als Versandkosten-Flatrate “Sinn machte”. Als dann die Musik- und Video-Flatrate dazukam, dachte ich: Nettes Add-On. Ich nutze das übrigens persönlich auch überhaupt nicht ansatzweise aus, als Single (meine Theorie dazu ist: nach der ersten impulsiven Startphase einer Beziehung mit gewissen anderen Interessen steigt recht schnell das Bedürfnis nach konventioneller gemeinsamer Freizeitgestaltung und damit nach Video-Konsum 🙂 …) und Frühschicht-Arbeiter glotze ich unterproportional wenig.

Also insofern; ich selbst verzerre die Amazon-Aufwand-Nutzen-Kalkulation wahrscheinlich etwas. Aber ansonsten und durchschnittlich betrachtet ist die wahrscheinlich ganz gut berechnet.

Amazon Prime Video: Geleakte Zahlen · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 16.03.2018 (Moderation: Till Haase)

Der Bock als Gärtner: Google schaltet Werbefilter in Chrome scharf

Die absolute Netz-Sensation; das Sägen am eigenen Ast, der Wandel des Wichtigsten der Big Player des Internets vom Saulus zum Paulus, der vollkommene Paradigmenwechsel: “Die Nutzererfahrung ist wichtiger als Werbeeinnahmen” (dieses wunder, wunderschöne Statement von Googles Vizepräsident Rahul Roy-Chowdhury werde ich mir in meine Klobrille schnitzen, das gelobe ich hiermit feierlich…) – nun gut, diese absolute Sensation war ja seit einem Jahr angekündigt gewesen. So dass eigentlich alle Beteiligten und Betroffenen genug Zeit hatten, sich mit dem heute “scharfgeschalteten” Chrome-Werbeblocker zu arrangieren.

Blocker? Na ja, sagen wir mal Filter. Oder besser: Filter light. Chrome blockt ab jetzt die allerschlimmste, allernervigste Werbung (nicht verschiebbare oder bildschirmfüllende Anzeigen, nicht wegklickbare Anzeigen mit Countdown, sofort losplärrende Videos etc.). Das, was die “Coalition for better Ads“ für “bessere” oder akzeptable Werbung hält, kommt weiterhin durch. In der “Böcke als Gärtner”-Koalition haben sich so gute Freunde wie eben Google und der Axel-Springer-Verlag zusammengefunden, die sich ja ansonsten – übrigens wegen des gleichen Themas “Werbung und Kohle machen im Internet” bis aufs Messer bekriegen 🙂

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Aber die Ober-Ober-Schurken sind halt die Hersteller von Ad-Blockern – die ja ihrerseits auch teilweise wiederum “sportliche” Geschäftsmodelle haben und irgendwie mit “akzeptabler” Werbung (und einem gebührenpflichtigen “Whitelisting”…) Kohle machen wollen. Zum Glück hat der geneigte Internet-Surfer bis jetzt noch die Wahl: Einen Browser mit einem Pseudo-Werbefilter verwenden, der eigentlich nur die Mainstream-User davon abhalten will, einen “richtigen” Blocker zu installieren? Einen Werbeblocker verwenden, der gar nicht mehr richtig funktioniert (weil er offenbar mit den Adblock-Gegenmaßnahmen etwa bei Spiegel Online und Süddeutsche nicht mehr klarkommt…), dafür aber “eigentlich” und auf sehr diskussionsträchtige Weise am Werbe-Geschäftsmodell teilhaben will?

Ich surfe nach wie vor mit Firefox und NoScript und mittlerweile mit uBlock. Ich habe gerade als vorwiegend für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk tätiger Journalist großes Verständnis für die nicht “beitragsfinanzierten” Kollegen und den “Mitbewerb” – aber die Werbung im Netz ist für mich “nicht akzeptabel”. Aus optischen Gründen, aus Relevanzgründen, aus Privacy- und Securitygründen. Für eine Reihe von Online-Angeboten habe ich ein Abo gebucht. Und, wie ich ja schon vorgeschlagen habe, und wie das die Website Salon.com jetzt nach unzähligen halbseidenen oder betrügerischen Vorgängern ausprobiert: En Bezahlmodell mit Crypto-Währung-Schürfen halte ich für eine gute und faire Idee.

An alle Effizienz- und Klima-Bedenkenträger: Der ganze Werbe-Scheiß verbrät auch gigantische Kollateral-Ressourcen 🙂 …

Google: Schönere Werbung mit Chrome · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 15.02.2018 (Moderation: Till Haase)

Amazon, JP Morgan und Berkshire Hathaway wollen das US-Gesundheitssystem aufmischen

Für den einen Präsidenten war es ein zentrales Anliegen seiner zwei Amtszeiten – für seinen Nachfolger schieres Teufelswerk, das so schnell und so gründlich wieder rückgängig gemacht werden muss: Die Rede ist von “Obamacare”, von der Regulierung des US-amerikanischen Gesundheitssystems, um jedem Bürger die Chance auf eine bezahlbare Krankenversicherung zu bieten. Regulierung mögen viele Amerikaner aber nun gar nicht; sie pochen auf ihre “Freiheit” – eben auch auf die, vielleicht eben keine Krankenversicherung abzuschließen.

Dass die “Entscheidung” gegen den Versicherungsschutz bei Armen, Arbeitslosen und Geringverdienern natürlich gar nichts mit Freiheit, sondern mit purer Not zu tun hat, das war Barack Obamas Argument. Dass “Obamacare” beileibe nicht ohne Pannen und beileibe nicht völlig überzeugend auf die Schiene gekommen ist, spielt wiederum den Kritikern in die Hände. Fest steht jedenfalls – das US-Gesundheitssystem in seiner jetzigen Form ist teuer und ineffizient; es gibt einfach zu viele Akteure, die an unterschiedlichsten Stellen die Hand aufhalten. Und wenn es um Leben und Tod geht, ist der “Kunde” halt in einer schlechten Verhandlungsposition.

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Für drei Firmen-Giganten wie Amazon, JP Morgan und Berkshire Hathaway sieht das schon besser aus. Aber bei der am Dienstag angekündigten Kooperation geht es wohl um mehr, als nur einen Mengenrabatt herauszuschlagen. Und bei genauerem Hinsehen spielt der vermeintliche Exot im Dreierbündnis vielleicht sogar die Hauptrolle.

US-Gesundheitssystem: Versichert bei Amazon & Co. · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 01.02.2018

Cyberwährungsbörse Coincheck gehackt, eine halbe Milliarde Dollar futsch

So richtig gut ist die Stimmung in der Cyberwährungswelt momentan ohnehin nicht, der Kurs des Platzhirschs Bitcoin ist  – zumindest von den Höchstständen im Dezember aus gesehen – gewaltig auf Talfahrt gegangen. In China droht die Stilllegung der Mining-Farmen mit ihrem absurden Stromverbrauch, in Südkorea ist Schluss mit dem schrankenlosen Cyber-Handel, und allerorten platzen Abzock-Modelle, die geldgierigen Ahnungslosen ganz ungerührt die Kohle aus der Tasche ziehen.

Da passt natürlich die Nachricht von einem erneuten Cyberbörsen-Superhack (wieder mal in Japan…) mit rekordverdächtiger Schadenssumme wie die Faust aufs Auge; ein deftiger Schlag ins Cyber-Kontor :), wie es ein früherer Kollege immer so schön formuliert hat. Wie der Hack genau abgelaufen ist, darüber werden wie in der nähsten Zeit vielleicht noch näheres erfahren. Aber nahezu sensationell: Die Betreiber von Coincheck stellen eine Entschädigung ihrer Kunden in Aussicht, immerhin 90% der Schadenssumme wollen sie wiedergutmachen – aus “Rücklagen”.

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Donnerwetter – das Cyberbörsen-Betreiben scheint ja noch lukrativer zu sein als das Zocken mit den Währungen selbst.  Ob das Versprechen auch eingehalten wird; da bin ich aber mal sehr gespannt.

Hack auf Cyberwährungsbörse Coincheck: 400 Millionen Euro in Kryptowährung gestohlen

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 29.01.2018 (Moderation: Till Haase)

P.S. Die entwendeten 523 Millionen XEM sind ja natürlich und tröstlicherweise noch irgendwie in der NEM-Blockchain sichtbar – mittlerweile versuchen der oder die Hacker aber wohl, die halbe Milliarde etwas zu stückeln 🙂

P.S. 2 Die japanische Finanzaufsicht hat jetzt auch mal bei Coincheck vorbeigeschaut und einen umfassenden Bericht zu dem Desaster angefordert.

Endlich: Super-Initiative der EU-Kommission gegen Fake-News

Es herrscht Unsicherheit in diesem unserem Land. Seit den Wahlen ist schon viel Zeit verstrichen, und immer noch gibt es keine neue Regierung. Irgendwie wird Angela Merkel in Berlin weiterhin eine Rolle spielen und Horst Seehofer auch; in München oder Berlin; den ganz genauen Zeitpunkt oder Umfang der Rollen kann man noch nicht einschätzen – es gibt da vielerlei nachvollziehbare Motivationen, Absichten und strategische Erwägungen. Ein paar der beteiligten Politiker stechen zuweilen Informationen an die Medien durch. Ganz schlimm.

Die Medien selbst sind selbstverständlich auch korrumpiert und fremdgesteuert; insofern steht natürlich ein furchtbares Unwort und Unding im Raum. Es heißt: “Fake News”. Aber was sind eigentlich “Fake News”? – diese bange Frage wird seit Monaten von vielen besorgten Mitbürgerinnen und Mitbürgern an mich herangetragen. Erst mal die Entwarnung: Wenn Sie sich eh nicht für Nachrichten interessieren bzw. für das, was so in der Welt passiert, dann sind auch “Fake News” für Sie völlig unschädlich. Weil, die bekommen Sie gar nicht mit.

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Wenn Sie aber über irgendwelche Social-Media-Kanäle mit Nachrichten bzw. einem Nachrichten-Stream versorgt werden, dann haben Sie ein Problem. OK – Facebook mildert das ja gerade zugunsten von problemlosen Cat-Content ab. Aber ansonsten: Fake-News sind Definitionssache. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, hat da eine sehr überzeugende Argumentations-Schablone. Aber mit der gibt sich die notorisch linksradikale EU-Kommission natürlich nicht zufrieden.

“Bekämpfung von Falschmeldungen im Netz”, und das auch noch durch ein “Expertenheer” (wieso hat man mich da nicht gefragt???) ? 🙂 Die Fake-News löschen; zwangslöschen? Ja!! Oder zumindest ganz soft Gegenhalten mit super-verlässlichen Gegen-Qualitätsnachrichten? Auch eine grandiose Idee. Genauso wie die angepeilten “Bildungsmaßnahmen”. Die minderbemittelten Schwachmaten müssen doch endlich mal kommuniziert bekommen, dass sie halt minderbemittltelte Schwachmaten sind.

Ach so, die BILD-Zeitung ist gar keine Zeitung, sondern ein Fake-News-Propaganda-Vehikel?  Und das schon seit Jahrzehnten? Das sind ja Fake-News, mit denen man sich weiß Gott nicht auseinandersetzen muss und will. Aber was sage ich denn – beginnen Sie doch Ihre Welt-Recherche einfach auf Twitter; da wird Ihnen geholfen.

 

 

Ihr Kredit ist nicht da. Lockvogel-“angebote” bzw. Verarsche bei smava.de

Liebe Leute bei smava.de: Ich brauche eigentlich nicht ganz dringend einen Kredit über lumpige 1.000 Euro. Oder sagen wir mal so: ein (über einen Zeitraum von drei Jahren rückzuzahlender… 🙂 ) Betrag in dieser doch recht überschaubaren Höhe würde meine finanzielle Situation nicht allzu wesentlich verändern, wie immer die auch sein mag. Ich habe auch glücklicherweise sowohl höhere andererweitige Kreditlinien als auch anderweitig anzapfbare Rück-/Anlagen. Der einzige Grund, warum ich schon im August 2017 mal auf euer “Angebot” “Kredit zu Minuszinsen” reagiert habe, war ja mein Interesse als Journalist und als Aufsichtsrat einer von Nullzinsen betroffenen Pensionskasse. 🙂

Würde ich wirklich ausnahmsweise als Privatperson auch einmal “umgekehrt” von der Sparer-Enteignungs-Strategie der Herren Draghi und Schäuble profitieren? Meine Zins-, Anlage- und Rentenverluste und die aller übrigen Betroffenen ein ganz klein wenig relativieren können? Welch verlockende Hoffnung!

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Super-1a-Enten, so gut wie echt.

Dass – liebe Leute bei smava – Ihr Minuszinsen-“Angebot” eh nur ein Gimmick ist, dass Sie bzw. die eventuell anbietende Bank (falls es die überhaupt gibt… ) die Minuszinsen selbstverständlich nur als Werbegag auf einen Mini-Kreditbetrag von 1000,- und damit in peinlich streng limitierter Höhe ausloben, war mir schon klar. Trotzdem wäre der Mechanismus “Minuszinsen” doch etwas schönes/lustiges und eventuell berichtenswertes gewesen; obwohl die angeblich “geschenkte” Summe natürlich lächerlich gering war und im Vergleich zur herkömmlichen Marketing-/Datenabgreif-/Kundenneugewinnungsprämie weit unterhalb etwa der bei Eröffnung eines neuen Online-Depots lag.

Ich hatte dann im letzten Jahr bei meinem ersten Test-Antrag einigermaßen realistische Angaben zu meinen Lebensumständen und Einkommensverhältnissen gemacht. Und die sehen eigentlich in Relation zu einer Kreditsumme von 1000,- Euro ganz solide aus. 🙂 Der Minuszinsen-Kredit wurde mir allerdings nicht angeboten: stattdessen irgendwelche Alternativen zu 1,95%, oder 3%, oder noch sehr viel höheren Zinsen für sehr viel höhere Kreditsummen. (“Darfs auch ein bisschen mehr sein?”)

Mir ist natürlich schmerzlich bewusst, dass ich als Selbstständiger/Freiberufler trotz bestem Schufa-Score bei Kreditvergabe-Algorithmen ein Manko habe: Zu den Algorithmen bzw. deren Programmierern hat sich noch nicht rumgesprochen, dass auch sogenannte “Festanstellungen” keine lebenslängliche oder auch nur sehr viel kurzfristigere Einkommens-Garantie mehr bedeuten. Auch bei Banken übrigens nicht. Geschenkt.

Ich habe das Kapitel smava.de dann erstmal abgehakt, für einen lustigen Draghi-Bericht hat es ja nicht gereicht. Aber natürlich hat mich das Unternehmen auch weiterhin mit regelmäßigen, dringlichen und gutgemeinten Angeboten über eine Kreditsumme von 1000,- bedacht. 🙂 Heute war es dann wieder soweit. Minuszinsen!! Jetzt aber wirklich. Ich zahle weniger zurück, als ich geliehen habe. Versprochen. (Oder nicht?) Jetzt aber wirklich. Hurra!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das mit der “keine Zweckbindung” ist mir ganz wichtig. Ich will die Sore nämlich versaufen und/oder verhu… OK. Ich habe dann vorhin noch einmal wieder meine (glaube ich..) in Relation zu einem mickrigen Kredit von 1000,- 🙂 recht hinreichenden Lebensumstände und Einkommensverhältnisse eingetragen, um mir das großartige “Angebot” sofort zu sichern (mehr als die mickrigen 1000,- gibt es auch diesmal schon als theoretisches Versprechen bzw. Werbe-Gimmick nicht; bei niedrigeren (!!) oder höheren Kreditanfragen erscheinen direkt andere, höhere Konditionen…).

Und natürlich: Auch diesmal bekomme ich den versprochenen Minuszinsen-Kredit und das “geschenkte Geld” nicht – stattdessen ein “Angebot” von der Barclays-Bank mit einem Zinssatz von 6,49% (alles klar, solche Renditen sind heutzutage normalerweise nur mit Cyberwährungen drin. Aber versuchen kann man es ja mal 🙂 ); die Postbank als zweiter Anbieter braucht noch etwas länger zum Kalkulieren. Haha. Lasst mal stecken, Leute. Das Porto für die Snailmail könnt ihr euch sparen. Super-Deal. Tadschikistan bestes Land der Welt 🙂 .

Mein Fazit: Die Werbung und das “Angebot” von smava.de waren und sind weiterhin Bullshit und Lockvogel-Mist. Es gibt noch nicht einmal eine Neu-Kunden-Werbe-Aktion im üblichen oder wenigstens sehr knauserigen Rahmen, sondern nur irreführende/verarschende Mails und nix dahinter. Auch viele Grüße.

P.S. (Wenn Sie wollen, schenke ich Ihnen 6 Euro. Har,har, reingefallen! Natürlich nicht. War nur eine kleine Verarsche. Har-har-har!!!)

P.S. und Nachtrag 18.01.2018: Ich habe heute per Snailmail 🙂 das Angebot bzw. den vorgefertigten Kreditvertrag von barclaycard erhalten. Der ist mit allen Schikanen ausgestattet, u.a. mit einem “Sicherheitspaket”, für das ich mich angeblich schon “zusätzlich entschieden” haben soll. Das ist mir nicht erinnerlich – welches Kraut raucht ihr eigentlich bzw. in welchem Paralleluniversum seid ihr unterwegs? Ich melde mich bei smava.de auf eine Werbegag-Aktion, bei der ich 6 Euro “gewinnen” kann, im Gegenzug zur Preisgabe meiner Daten. Und von euch bekomme ich allen Ernstes ein “Angebot”, bei dem ich euch für einen lächerlichen, lumpigen, wegen eures Werbe-Geizes eben auf diese Summe limitierten Kreditbetrag von 1000,- Euro zusätzlich zur Rückzahlung der Kreditsumme 197,90 Euro rüberschieben soll? Ich dokumentiere hier einmal das Formular:

Der Kredit-Zinssatz ist natürlich eh schon völlig überzogen angesichts der momentanen Zentralbank-Konditionen. Und das “Sicherheitspaket” hebelt das Ganze in stratosphärische Regionen. Mal eben zur Aufklärung vielleicht etwas verunsicherter Zeitgenossen: Im Zinssatz (ggf. in Ihrem individuellen Zinssatz) einer Bank ist das Ausfallrisiko eines Kredites bzw. einer Anlage bereits eingepreist. Was mit dem Kredit nach Ihrem unvorhergesehenen/vorzeitigen Tod passiert, sollte Ihre Sorge nicht sein. Sie sind dann nämlich tot. 🙂 Und Ihre eventuellen Erben werden mit den eventuellen Abzügen einer noch nicht komplett zurückgezahlten Schuld von ursprünglich 1000,- schon zurechtkommen – oder Ihr miserables, lächerliches Mini- bzw. Minus-“Erbe” eben einfach ausschlagen.

Auch ein eventueller Verlust des Arbeitsplatzes ist in Ihren individuellen Kreditkonditionen schon eingepreist – genau deswegen gibt es ja die Nachfragen im Kreditantrag, und genau deswegen bekommen halt Beamte eher einen Kredit zu günstigen Bedingungen; und selbstständige Freiberufler eher nicht. Aber das “Sicherheitspaket” ist halt nicht ein “Sicherheitspaket” für Sie, sondern stattdessen und unverschämterweise ein zusätzliches, doppeltes für die Bank. Und von daher kommen da eben auch, gemessen am aktuellen tatsächlichen Zinsniveau, abenteuerliche Renditen von 20% für 1000,- über eine Laufzeit von drei Jahren heraus. Wenn den Kreditvertrags-Scheiß einer unterschreibt. Ich mache das jedenfalls nicht; zumal ich ja erfreulicherweise über weitere Kreditlinien verfüge 🙂 …

Was mir echt nicht ganz klar ist – wieso geht so ein offensichtlich bekloppter Abzocker-Scheiß überhaupt raus; per Snailmail/Post, was ja wiederum Kosten verursacht? (Hoffentlich insgesamt oberhalb von 6,- Euro…) Wieso gibt es da nicht noch irgendeine Plausibilitäts-Kontrolle? Wahrscheinlich, weil es sich nicht lohnt. Der algorithmische Wahnsinn ist halt wahnsinnig. Aber liefert trotzdem noch eine insgesamt positive Performance ab. Kollateralschäden sind halt  – eingepreist. 🙂

Wie KI und Maschinelles Lernen die Arbeitswelt der Zukunft verändern

Wenn man als Forscher beim MIT arbeitet, dann ist es vielleicht recht naheliegend, die Auswirkungen von neuen Technologien auf die Lebenswelt kommender Generationen insgesamt eher positiv zu sehen. Dass diese Sichtweise per se auch schon stimmt, ist aber noch lange nicht erwiesen. Ich bin da z.B.  – obschon ja tendenziell Optimist und Early Adopter – ganz ernsthaft sehr skeptisch, wenn ich die absolute Smartphone-, Tablet- oder Spielkonsolen-Abhängigkeit der Kinder meiner Verwandten und Freunde sehe. Das ist ein gravierender Kulturwandel, der definitiv auch signifikante Auswirkungen auf die Psyche, auf Denk- und Kommunikationsstrukturen hat; von eventuellen Kollateralschäden durch die vielleicht doch vorhandene Belastung durch elektromagnetisches Dauerfeuer mal ganz abgesehen…

Die Auswirkungen der Automatisierung in der Industrie sind ja bei uns immer noch erst in einer Anfangsphase, der sehr viel stärkere Effekt beruht auf Billigarbeit in aufstrebenden Volkswirtschaften, wo Arbeitslöhne, Arbeitszeiten und Arbeitnehmerschutz halt noch etwas rustikaler gesehen werden. Aber irgendwann werden sich die ökonomischen Bedingungen, Erwartungen und der Lebensstandard weltweit angeglichen haben. Und irgendwann werden auch die immer rasanter fortschreitenden “Fähigkeiten” von KI- oder Maschinenlern-Systemen Einzug in Berufsfelder halten, in denen die heute dort Tätigen nicht im Traum auf die Idee kämen, sie seien eines Tages “ersetzbar” oder “überflüssig”.

c’t-Schlagseite / Ritsch-Renn.com

Vielleicht gibt es ja bis dahin entsprechende gesellschaftliche Anpassungen – bedingungsloses Grundeinkommen und/oder VR-Bespaßung für die Abgehängten 🙂 … Ein Aspekt beim Ausblick der Forscher vom MIT in der Science-Perspektive ist ganz wichtig: Ein sehr kritischer Blick darauf, wie die spektakulären Ergebnisse von ML und KI eigentlich zustande kommen, und wie verlässlich sie sind – der bleibt sehr ratsam. 😉

Deutschlandfunk Nova · Arbeitswelt der Zukunft: Wenn eine KI eure Jobs klaut

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 22.12.2017 (Moderation: Till Haase)

Deutschlandfunk – Forschung aktuell vom 22.12.2017 (Moderation: Ralf Krauter)

Lukrative Firmen-Umbenennungen: Irgendwas mit Blockchain und Bitcoin

Geldverdienen, reich werden ist ganz einfach. Mit Cyber-Währungen, das habe ich ja schon seit einem Weilchen propagiert. Oder mit Trittbrettfahrer-Aktionen. Einfach mal das eigene Business umbennnen. (Börsennotierung ist natürlich optimal, auch wenn da bislang und wahrscheinlich auch jetzt oder in der Zukunft nur ein paar Freunde, Verwandte oder man selbst den Kurs bewegen 🙂 ) Aber nichts gegen einen seriösen Hersteller von Eistee (ein überteuertes Blasen-Produkt 🙂 ) und Limonade.

Das Schürfen oder Minen von Cyber-Währung ist aber schon lange kein Selbstläufer mehr – insofern ist es also nach den Regeln der herkömmlichen ökonomischen Weisheit sehr fraglich, warum man in einen absoluten Newcomer und Keine-Ahnung-Haber in Sachen Cyberwährung investieren sollte.

Aber da gibt es ja noch mehr Fragebedarf. Kollegen von mir sind z.B. bei einem Arbitrage-Bot eingestiegen, dessen Betreiber die Kursdifferenzen bei verschiedenen Cyberwährungs-Börsen ausnutzen will und da soundsoviel Rendite pro Tag verspricht. Kolleginnen überlegen, signifikante Beträge in bislang eher unterbelichtete Cyberwährungen wie IOTA zu investieren. Mein generelles Statement auf Basis der ökonomischen Logik: “There is no free lunch.” Wenn es irgendwo einen risikolosen Weg geben würde, Kohle zu scheffeln, dann würden den sehr schnell sehr viele Leute identifizieren und nutzen.

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Jede Abweichung von einer normalen, “risikolosen Rendite” (wobei der Begriff “risikolos” lustigerweise seit dem Lehman-Crash und der Euro-Krise etwas Federn gelassen hat…) bedeutet: Für die Mehr-Performance steigt auch das Risiko. Im Fall von Bitcoin: Da gibt es viele Argumente, warum das Konzept tragfähig ist. Aber bei den irrwitzigen Kurssteigerungen sind auch irrwitzige Kursabstürze drin. Wer das nicht verkraften kann, für den ist das natürlich nix. Hier sollte man wirklich nur “Spielgeld” investieren, dessen Verlust einem nicht die Existenz gefährdet.

Und andererseits: Das Geflenne von offiziellen Bedenkenträgern kann ich auch schon nicht mehr hören. Bitcoin und Konsorten sind nicht sicher. Stimmt, Euro, Dollar und Gold auch nicht, Im schlimmsten Fall droht ein Totalverlust. Stimmt, bei Euro, Dollar und Gold auch. Ich würde mal empfehlen: Nicht alle Eier in das gleiche Körbchen legen. 🙂 Aber wer jeweils nach einem Bitcoin-Absturz gekauft hat, hat bislang Top-Resultate erzielt – immer sind die vorab erzielten Höchststände kurze Zeit später wieder errecht worden.

Die realistischste Gefahr für den Bitcoin-Kurs besteht bislang darin, dass ein paar Früheinsteiger-Hanseln einen Großteil der Cyberwährung besitzen. Immerhin – seit der Einführung von Derivaten und Futures gibt es für die einen ziemlich eleganten Weg, da kursschonend Kasse zu machen 🙂

Aber wie gesagt – wer die Achterbahn nicht erträgt, ist hier völlig falsch und sollte lieber auf 0,1%ige Anleihen setzen. Der aktuelle Absturz (Bitcoin-Kurs runter auf 10.500…) hat natürlich auch die Kurse unserer schönen Limonaden-Abstauber-Firmen lädiert – aber es geht ja schon wieder aufwärts 🙂 …

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 22.12.2017 (Moderation: Till Haase)

Apple “zwangsdrosselt” ältere iPhones mit schlappen Akkus

Als alter langjähriger Fanboy von Apple-Produkten seit dem Ur-iPhone muss ich sagen: Ich hatte noch nie Probleme; oder vielleicht sogar sagenhaftes Glück mit den Akkus in den Geräten. Wann immer ich aufgerüstet habe (meist nach Auslassen einer Neuheiten-Generation…) – das alte Smartphone oder Tablet bzw. der Akku darin hielt noch ca. eine Woche im Standby-Modus, zumindest von dem Aspekt her konnten sich also die Käufer oder “Erben” der Altgeräte nicht beschweren – und mein iPad 3 leistet auch immer noch gute Dienste als Gäste-Gerät oder Steuereinheit für meine Ikea-Lampen bzw. für Alexa; man muss halt mit der Zeit gehen 🙂 …

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Aber die “Zwangsdrosselung”, die Apple gestern eingeräumt hat; die hat ihr “Geschmäckle”. Natürlich wird es für die allermeisten Anwender besser sein, lieber mal das Gerät herunterzutakten als eine kältebedingte Spontanabschaltung erleben zu müssen – aber das möchte ich als User eigentlich selbst entscheiden können. Wenn sich ein iPhone nach einem iOS-Update plötzlich “zäher” anfühlt, ist das natürlich ein gewisser “Anreiz”, sich ein neues Gerät zuzulegen.  Und da stände es Apple eben gut an, den Grund klar zu kommunizieren – liegt es an einem für neue Funktionen und Apps zu langsamen Prozessor oder an der Grafik-Karte – oder einem tatsächlich oder vermeintlich schlappem Akku?

Der lässt sich übrigens bei den meisten Geräten relativ leicht und relativ billig austauschen – das muss auch nicht unbedingt der offizielle Apple-Support machen. 🙂 Und dann tut es das alte iPhone oder iPad vielleicht doch noch ein paar Jährchen – mit wiederum “normaler” Geschwindigkeit.

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 21.12.2017 (Moderation: Till Haase)