Schlagwort-Archive: Wirtschaft

Youtube will – jetzt aber wirklich – mehr gegen extremistische Inhalte tun

Dass Kent Walker, Vize-Chef und der Leiter der Rechtsabteilung von Google den Vier-Punkte-Plan gegen extremistrische Inhalte zuerst in einem Gastbetrag in der Financial Times vorgestellt hat, spricht Bände: Die Video-Plattform und der Werbe-Mutterkonzern stehen massiv unter Druck. Von Seiten der Politik mit wohlfeilen Forderungen, aber viel wichtiger – von Seiten der Werbekunden, die ihre Produkte nicht mehr im Umfeld von Enthauptungsvideos, Hasspredigten und Fake News präsentiert wissen wollen.

Der Wink mit dem zugedrehten Geldhahn ist nun mal das immer noch überzeugendste Mittel – dagegen können noch nicht einmal die angedrohten paar Millionen Strafe aus dem Hause Maas anstinken. 🙂

Also macht Google bzw. YouTube genauso wie Facebook Kotau – ob die versprochenen Maßnahmen, vor allem die automatische Säuberung durch KI tatsächlich funktionieren, ist noch einmal eine andere Frage.

Deutschlandfunk Nova · Propaganda-Videos: Youtube will mehr löschen

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 19.06.2017 (Moderation: Till Haase)

Erste Quartalszahlen: Snapchat auf Börsen-Crashkurs

Ich habe es ja schon oft eingestanden: Trotz meiner ganzen Internet- und Tech-Affinität; Kapital konnte ich noch nie daraus schlagen. Also so richtig, ohne Arbeit meine ich. Durch eine Beteiligung an der nächsten großen Sache. Durch ein paar Aktien, zum richtigen Zeitpunkt gekauft. Damals, bei Google – dass das eine gute Suchmaschine war und die mit der Werbevermarktung irgendwie so gestartet waren, das habe ich ja noch mitbekommen. Aber dass man damit soo viel Geld verdienen kann, und das nachhaltig? Hätte ich nicht gedacht. Facebook? Investieren in eine Selbstvergewisserungs-Maschine und gnadenlose Privacy-Vermarktung? Womit wollten die eigentlich Geld verdienen?

Mit Werbung. Ach so. Das habe ich auch nicht gedacht, dass das ein zweites Mal so gut funktioniert. Bei Twitter war ich dann wieder skeptisch, und irgendwie ja wohl auch zu Recht. Und dann Snap mit seinem „Leute-über-fünfzehn-kapieren-den-Witz-eh-nicht“-Messenger? Kann eigentlich nicht funktionieren, ich seh da kein nachhaltiges Geschäftsmodell und keine richtig relevante bzw. kaufkräftige Kundschaft. Jetzt, nach den ersten Quartalszahlen ist der Kurs mal richtig runtergecrasht. Evan Spiegel hat aber noch gut lachen – zumindest solange die Aktie nicht bei Null notiert, sind seine Optionen ja noch ein paar Dollar wert.

 

Ich hab mich jetzt mal von Evans guter Laune anstecken lassen und seiner Ankündigung, noch irrwitzig viele neue Super-Dinger zu lancieren in diesem Jahr. Die Idee mit den „Limitless Snaps“ ist ja schon mal grandios – endlich kein Zeitdruck mehr beim Sexting-Bildchen angucken. Obwohl das ja gleichzeitig den USP und den Markenkern massakriert. Oder nicht? Egal. Ich hab mir jetzt also mal einen Ruck gegeben und auf die Optimisten bei Wired gehört. Und mir 10 Snap-Aktien gekauft, Kurs war 16,429 EUR. Wie hat doch André Kostolany immer so schön gesagt (oder war es Warren Buffet?): „Kaufen, wenn die Kanonen donnern.“ Und dann liegen lassen und sich keine Gedanken wegen ein paar lumpiger Quartalszahlen machen.

Also noch mal ganz klar: Das sind Kaufkurse jetzt. Schnell zugreifen, bevor das andere Leute auch merken!

Deutschlandfunk Nova · Erste Quartalszahlen: Snapchat auf Börsen-Crashkurs

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 11.05.2017 (Moderation: Till Haase)

Amazons „Echo Look“ gibt Stylingtipps

Es gibt ja den alten Witz, in dem die böse Königin vor das Zaubermöbel tritt und die berühmten Worte spricht: „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ – „Geh mal einen Schritt zur Seite, ich kann sonst nichts sehen.“ Mittlerweile sind zuhörende und quatschende Spiegel natürlich nichts märchenhaftes mehr, sondern knallharte digitale Realität. Datenschutz-Bedenkenträgern wie mir sind ja schon die bisher auf dem Markt erhältlichen Assistenz-Abhörwanzen ein Greuel – die Kamera im neuen „Echo Look“ geht da noch einmal einen logischen Schritt weiter.

Dass das Gadget dann auch noch für den „Style Check“ im Schlaf- oder Ankleidezimmer stehen soll, macht die Sache noch aparter. Aber eines steht fest: Die Home-Assist-Systeme und die damit einhergehenden neuen Möglichkeiten der gezielten Kundenanalyse und Werbeansprache versprechen der Branche schönste Umsatzperspektiven. Bei der Vorstellung der Quartalszahlen nannte Amazon sein Sprachsystem Alexa schon ausdrücklich als signifikant positiven Faktor für das Geschäftsergebnis; dazu passt auch bestens das Update für die digitale Einflüsterin:

Ab sofort wird Alexa viel natürlicher klingen – mit einer frei gestaltbaren Sprachmelodie, mit betonten oder geflüsterten Worten. Konkurrent Google stellt sein Assist-System ab sofort für fremde Hardware-Hersteller zur Verfügung, und dass auch Apples Siri bald in einem Hardware-Device Einzug in unsere Wohnstuben halten will, gilt unter Tech-Auguren als ausgemacht. Da bahnt sich ohne jeden Zweifel ein weiterer Privacy-Paradigmenwechsel an: Wer in absehbarer Zeit nicht einen der Assistenten zu Hause rumstehen, rumlauschen oder rumglotzen hat, der hat bestimmt etwas zu verbergen.

Deutschlandfunk Nova · Amazons „Echo Look“: Alexas Schlafzimmerblick

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 28.04.2017 (Moderation: Till Haase)

Burger King-Werbung „hackt“ Google Assistant und Wikipedia

Keine Ahnung, woran es liegt – aber momentan erleben wir gerade eine richtig epische Serie – eine Serie von PR-Desastern nämlich. Letzte Woche dieser Werbespot von Pepsi mit dem Model Kendall Jenner, der auf peinlichste Weise auf die Black-Lives-Matter-Demonstrationen anspielte und nach einem Proteststurm sofort zurückgezogen werden musste. Dann die Passagier-wird aus-Flugzeug-geschleift-Geschichte und die zunächst sehr suboptimalen Statements des United-Airlines-Chefs dazu. Und jetzt hat sich Burger King gewaltig in die Nesseln gesetzt. Wieder mal mit einer Werbung, die super-pfiffig sein wollte.

„You are watching a 15-second Burger King ad, which is unfortunately not enough time to explain all of the fresh ingredients in the whopper sandwich. … But I got an idea.  … OK, Google: What is the Whopper Burger?”

Wer – hierzulande ja noch etwas avantgardistisch – ein Google-Home-System als Dauerlauscher und Assistant-on-Demand herumstehen hat, oder aber die Google-App auf seinem Smartphone oder Tablet per Sprachfunktion bedient, weiß Bescheid: „OK Google“ ist der Aufweckbefehl, und danach versucht die „KI“ das Kommando auszuführen oder eine gestellte Frage zu beantworten. Die präferierte Faktenbasis ist hier bei Google der Wikipedia-Eintrag. Den gibt es ja praktisch zu allem, auch zum Whopper – und listigerweise hatten die Burger-King-Werber den passend zum Launch ihres Spots ein klein wenig angepasst.

Auf per TV- oder Radio-Spot hereingeschmuggelte Sprachbefehle reagieren die meisten Home-Assistent-Besitzer aber wenig amüsiert (obwohl das Voice-Hacking ja eigentlich vielleicht auch nur den grundsätzlichen Irrsinn des dauerlauschenden Gerätes illustriert…). Und für Wikipedianer sind Artikeltrollerei und erst recht solche mit Werbe-Absicht ein rotes Tuch. Aber die ursprüngliche Werbe-Absicht funktionierte ja nur ganz kurz, danach wurde zurückgetrollt – nicht jeder liebt den Whopper. Mittlerweile hat Google dafür gesorgt, dass die Frage mit der Originalstimme aus dem Werbespot keine Aktion mehr auslöst. Wer seinen Assistant aber selbst fragt, bekommt weiter tiefschürfende Informationen über das Hackbrötchen geliefert – jetzt wieder in der geprüften und ungetrollten Wikipedia-Qualität 🙂 .

DRadio Wissen · Burger King: PR-Panne mit Wikipedia

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 13.04.2017 (Moderation: Till Haase)

Elite-Dating-App „Highblood“: Marketing-Gag oder rassistischer Schund?

Die Überschrift klang ja ganz interessant bei Medium.com: „Ein einziger Facebook-Post hat meinem Startup-Unternehmen weltweit virale Aufmerksamkeit gebracht.“ Schreibt Herbert Eng, Erfinder der Dating-App „Highblood“. Die virale Aufmerksamkeit war allerdings ein veritabler Shitstorm, auch wenn er bei seinem Lostreten, Mitte März, an mir vorübergegangen ist – trotz der durchaus zahlreichen und reputablen berichtenden Medien. Also: Konfliktscheu, pflegeleicht und politisch korrekt dürfe man nicht sein, wenn man als Firmengründer oder sonstwie öffentlich Aktiver eine maximale Resonanz erreichen wolle – da hat Eng ja so unrecht nicht; so funktionieren ja schließlich auch Boulevardzeitungen, Alt-Right-, Verschwörungstheorie- und Clickbait-Plattformen im Netz.

 

Und diskriminierend sind Wisch-und-Weg-Apps wie Tinder ja per se, tatsächlich werden die allermeisten Menschen auch bei ihrer Partnersuche einer gewissen Präferenz folgen, die dann auch eine Präferenz für einen bestimmten optischen und u.U. ethnischen Phänotyp beinhalten kann – so irgendwie argumentiert Herbert Eng nicht ganz zu unrecht. Was Bildung und Einkommen angeht: Das gute alte „Elitepartner“ bei uns hier in Deutschland klang ja auch immer schon reichlich schräg, da kann man je nach persönlichem Humor und Skurrilitäts-Akzeptanzrate sagen – „ok, was soll’s“, oder eben „geht gar nicht“. Also die Publicity hat Herr Eng schon mal, den Shitstorm auch – ob „Highblood“ bei seiner Zielgruppe in Singapur auch wirklich auf zahlreichen und zahlungskräftigen Zuspruch treffen wird, das schauen wir noch mal in einem Jahr nach.

Elite-Dating-App „Highblood“: Marketing-Gag oder rassistischer Schund? · DRadio Wissen

DRadio Wissen – Schaum oder Haase vom 11.04.2017 (Moderation: Till Haase)

Heikle Notoperation: YouTube schraubt am Algorithmus

Vor rund zehn Tagen ging die Sache los, und für „Netzchecker“ wie meine Kollegin Martina Schulte 🙂 war sofort klar: YouTube hat ein richtiges Problem. Da war nämlich großen Werbekunden aufgefallen, dass ihre schönen Produktclips (in denen teure Klamotten, schicke Autos oder saftige Burger ans Konsumentenvolk gebracht werden sollen…) vor Videos eingeblendet werden, die von Hasspredigern, Rechtsradikalen oder Verschwörungstheoretikern stammen. Seitdem der „Guardian“ darüber berichtet und selbst gesagt hatte „wir schalten keine Anzeigen mehr bei YouTube“, ist eine Lawine ins Rollen gekommen; immer mehr Werbetreibende haben ebenfalls die Zusammenarbeit mit YouTube gestoppt.

Jetzt reagiert das Unternehmen und schraubt massiv an den Algorithmen herum, wie und wo Werbeclips eingeblendet werden. Aber das führt auch wieder zu Irritationen – bei den Content-Produzenten, sprich den „YouTubern“ nämlich. Das Ganze ist ja ein Geben und Nehmen: ohne die Videoclip-Produzenten ist YouTube nichts. Und andererseits kann man als YouTube-„Star“ ungeahnte Kohle kassieren – und auch als Nicht-Star zumindest (je nach Klickzahlen…) einen kleinen, großen, marginalen oder eben doch wichtigen Finanzierungsbaustein für sein Anliegen generieren. Da sorgte ein Post eines YouTube-Community-Betreuers doch für einiges Aufsehen:

„Wenn ihr in den nächsten Wochen Fluktuationen in euren Einnahmen seht, dann könnte das daran liegen, dass wir gerade unser Anzeigensystem feintunen.“

Bei manchen YouTubern waren die angesprochenen „Fluktuationen“ und Algorithmus-Veränderungen offenbar auch schon direkt spürbar: Es gab Beschwerden von Transgender-Aktivisten und Leuten, die Gewalt gegen Frauen thematisieren, dass ihre Videos keine Werbeeinblendung mehr bekommen, obwohl sie nicht gegen die YouTube-Guidelines verstoßen. Außerdem kursierten Gerüchte, wonach YouTube generell nichts mehr an Channels mit weniger als 25.000 Abonnenten ausschütten wolle. Falsch, so die Reaktion von  YouTube, und in dem Post des Community-Betreuers heißt es:

„Wenn Du glaubst, dass dein Video zu Unrecht de-monetarisiert wurde, klicke auf das gelbe Dollar-Icon im Video-Manager.“

 

In dem Fall verspricht YouTube also eine manuelle Überprüfung. Auch YouTube-Chefin Susan Wojcicki ist in Berlin im Gespräch mit der Wirtschaftswoche-Chefredakteurin Miriam Meckel noch einmal auf das Problem „Werbe-Boykott“, aber auch auf die Vorwürfe z.B. aus der LBGT-Richtung eingegangen, ihre Inhalte würden nun zensiert – das sei keine Absicht gewesen. Aber eines ist klar: Bei der Gratwanderung von YouTube zwischen Werbe-Boykott und Neujustierung der Ausschüttungs-Algorithmen steht gewaltig etwas auf dem Spiel: Laut Wirtschaftswoche haben YouTube und der Google-Mutterkonzern Alphabet in der letzten Woche 26 Milliarden Dollar Börsenwert verloren – die Boykott-Diskussion dürfte da der maßgebliche Faktor gewesen sein.

Und dann war da auch noch am Mittwoch in der NYT ein höchst interessanter Bericht: Das Bankhaus JP Morgan Chase hatte – ausgelöst von der aktuellen Debatte – seine Werbestrategie einmal „testweise“ umgestellt. Bislang hatte die Bank ihre Anzeigen auf rund 400.000 Webseiten pro Monat plaziert, also nach der als „State-of-the art“ geltenden Schrotschuss-Methode. Nun hatte man die Werbeaktivitäten auf nur noch 5000 ausgesuchte Webseiten konzentriert. Und siehe da – der Effekt, also das Verhältnis Klickrate zu Kosten war gleichgeblieben. Fefe – auch er durchaus ein „Netzchecker“ 🙂  – hat das ja direkt richtig eingeordnet:

„Ooooh, das könnte ein Blutbad von biblischen Ausmaßen werden. Wenn das Schule macht, dann wird niemand mehr Werbung bei kleineren Sites oder gar Nicht-Superstar-Youtube-Kanälen machen wollen. Da könnte ein ganzes Ökosystem wegbrechen.“

Youtube: Schwierige Reaktion auf Werbung neben Hasspredigern · DRadio Wissen

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 31.03.2017 (Moderation: Till Haase)

P.S. 07.04.2017: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ YouTube hat selbstverständlich auch niemals die Absicht gehabt, Channels mit weniger als 25.000 Abonnenten von den Werbe-Ausschüttungen auszuschließen. Sondern nur Channels mit weniger als 10.000 Views. 🙂 (Ganz ehrlich gesagt – das ist aus meiner Sicht auch o.k. so…)

Alles extrem schwierig halt, die Sache mit der Online-Werbung 🙂

Bahnhofsbox: Lebensmittel, Pakete und Wäsche in Schließfach abholen

Wir alle sind pausenlos unterwegs, permanent gestresst und unter Zeitdruck – eigentlich ist schon fast ein Wunder, dass wir nicht schon völlig verlottert und verhungert den Kampf mit dem Alltag verloren haben. Aber ok – immerhin können wir ja mittlerweile praktisch alles im Internet kaufen und uns sehr schnell bringen lassen. Klamotten, Klopapier oder Kaviar. Das einzige Problem – wohin soll die Lieferung gehen? Zuhause sind wir erst spät abends wieder. Zum Arbeitsplatz geht es schlecht, in der Uni gar nicht. Ab jetzt gibt’s eine neue Lösung: Zum Bahnhof, in die Bahnhofsbox.

Das Konzept ist natürlich ganz ähnlich zu den Paketboxen der Post – auch hier geht es um eine alternative Zustellmöglichkeit für alle, die tagsüber nicht zuhause sind. Die Bahnhofsbox zielt aber offenbar ganz stark auf spontane Bestellungen und Lieferungen, die wirklich in allerkürzester Zeit abgewickelt werden. Wo es also nicht um einen Tag, sondern um ein paar Stunden geht – und besonders im Fokus stehen da Lebensmittel. Beim Projektstart in Stuttgart ist Edeka der Partner – die Preise sollen weitgehend normal sein, und tatsächlich sind dann auch für Waren mit Kühlungsbedarf entsprechende Liefer- bzw. Abholboxen vorhanden – die Frischhaltekette wird garantiert.

 

Copyright: Deutsche Bahn AG / Stefanie Elsner

Bleiben noch ein paar Fragen, die ein Sprecher der Bahn freundlicherweise beantwortet hat:

Was ist die konkrete Motivation für die Bahn, also im Klartext: Gibt es auch eine finanzielle Kompensation ggf. in der Vertragsgestaltung mit dem Geschäftspartner Edeka?
Unser primäres Ziel ist, unseren Kunden mit der Bahnhofsbox einen neuen attraktiven Service anzubieten und damit den Aufenthalt auf den Bahnhöfen insbesondere für Pendler aufzuwerten. Diesen Service werden wir mit den Pilotprojekten in Stuttgart und Berlin testen – vorerst mit dem Partner EDEKA. Erst mit den resultierenden Erkenntnissen zur Marktakzeptanz werden wir Themen wie die Vertragsgestaltung mit Partnern für die Bahnhofsbox finalisieren.

Damit zusammenhängend – sind eigentlich irgendwelche Gebühren vorgesehen für die Szenarien, die unabhängig von der Lebensmittellieferung angedacht bzw. vorgestellt wurden – bei denen es ja noch nicht einmal zwangsläufig ein Geschäftsinteresse oder einen Umsatz geben würde (Schlüssel abholen etc.)?

Wir sind aktuell mit einer Vielzahl potenzieller Partner im Gespräch und entwickeln die jeweiligen Nutzungsmöglichkeiten. Diese sind sehr unterschiedlich. Allerdings haben die Partner in allen Fällen insbesondere deshalb ein Interesse an der Nutzung der Bahnhofsbox, da sich für den Dienstleister oder Händler dadurch einerseits eine Serviceaufwertung für den Kunden und andererseits ein optimierter weil gebündelter Lieferprozess ergibt. Insofern erfolgt die Erhebung einer angemessenen Transaktionsgebühr für die Nutzung der Bahnhofsbox in den bisherigen Gesprächen mit potenziellen Partnern im gegenseitigen Konsens.

Wäre es auch denkbar, in der Box Pakete zur Abholung durch Post und andere Paketdienste zu hinterlegen (z.B. Rücksendungen)?

Prinzipiell sind wir für alle Anwendungsfälle offen, die unseren Kunden das Leben vereinfachen. Im Rahmen der Pilotprojekte wird das Kundenverhalten und die Marktakzeptanz der Bahnhofsbox getestet – vorerst mit dem Partner EDEKA. Sind diese erfolgreich, werden weitere Bahnhofsboxen an ausgewählten Standorten in Deutschland installiert. Das Potenzial ist groß, denn das Konzept kann grundsätzlich an 5.400 Bahnhöfen in Deutschland umgesetzt werden. Auch weitere Nutzungsformen wie die Übergabe von gereinigter Wäsche, von Autoschlüsseln durch Mietwagenfirmen oder die Hinterlegung von online bestellten Paketen sind geplant.

Ganz klar – die Idee, obwohl nicht vollkommen neu, hat Potential: Naheliegenderweise eben für alle Bahnpendler, und das sind ja nicht so ganz wenige… Die Anlieferung an die Bahnhofsbox soll laut Bahn auch ökologische Vorteile bringen – nämlich überflüssige Wegstrecken bei Kunden und Lieferanten (etwa durch Fehlfahrten und Mehrfach-Zustellung…) vermeiden.

Bahnhofsbox: Lebensmittel, Pakete und Wäsche in Schließfach abholen · DRadio Wissen

DRadioWissen – Hielscher oder Haase vom 31.03.2017 (Moderation: Till Haase)

Steckt Nordkorea hinter Cyber-Attacken auf Banken?

Trotz aller anderen Skurrilitäten zur Zeit in der Weltpolitik – Nordkorea ist nach wie vor nicht zu toppen. Beherrscht wird das Land in dritter Generation von einer Diktator-Familiendynastie; Machthaber Kim Jong Un räumt dabei auch widerspenstige, gefährliche oder abtrünnige Verwandte per Hinrichtung oder Mordanschlag aus dem Weg. Ökonomische Kontakte hat das Land eigentlich nur nach China und – in einer Sonderwirtschaftszone – zum Nachbarn Südkorea. Ab und zu lässt sich das Land bzw. die Führungsclique angebliche Gesprächsbereitschaft mit ein paar Tonnen Reis bezahlen.

Die Bevölkerung lebt in der Mehrzahl unter prekären Umständen und einer abgeschotteten Welt – andererseits verfügt das Land angeblich oder tatsächlich über die Fähigkeit zum atomaren Schlag. Und auch im Internet tummelt sich zumindest ein kleiner Kreis von nordkoreanischen Akteuren sehr emsig, und das mit einem sehr einleuchtenden Ziel: Laut einem Bericht der New York Times versucht Nordkorea mit einer Vielzahl von Cyberangriffen auf das internationale Bankensystem, zu Geld zu kommen – und das gleich in ganz großem Stil.

 

Wie immer bei Hacking-Attacken, erst recht bei solchen von staatlichen und fachlich versierten Akteuren: Die Urheberschaft lässt sich praktisch nie ganz eindeutig beweisen. Aber natürlich ist das Kohle abgreifen übers Netz (oder zumindest der Versuch…) um so naheliegender, je mehr es an praktikablen und legalen anderen Einnahmemöglichkeiten im eigenen Land fehlt und je höher das Wohlstandsgefälle zu den Opfern oder Melkkühen ist – das gilt für die Cyber-Freibeuter aus Russland und anderen „Ostblock“-Staaten genauso wie für die talentierten Web-Bankräuber aus der Truppe des Herrn mit der problematischen Frisur.

DRadio Wissen · Nordkorea: Cyber-Attacken auf Banken

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 27.03.2017 (Moderation: Till Haase)

Cyber-Ganove zockt 100 Millionen Dollar mit dem „Chef-Trick“ ab

Im Netz sind jede Menge Gauner unterwegs, die auf schnelle und leichte Kohle aus sind – da sprechen wir ja schon öfter drüber. Manche klinken sich beim Onlinebanking ein, manche lassen sich Ware mit gehackten Kreditkartendaten schicken, manche verschlüsseln Festplatten und erpressen einen dann. Alles sehr ärgerlich, aber vom finanziellen Schaden her meist noch so im drei, vier oder fünfstelligen Bereich. Es geht aber auch richtig groß, richtig episch. Sagen wir mal 100 Millionen Dollar. So etwas oberhalb dieser Summe hat nämlich ein Betrüger aus Litauen abgezockt, und zwar mit der sogenannten „Chef-Masche“.

Die „Chef-Masche“ ist eine spezielle Kombination von Phishing-Mails und Social Engineering: Beim Phishing soll ja der Mailempfänger zu einer Aktion verleitet werden; im simpelsten Fall, auf einen Link zu klicken oder ein Dokument zu öffnen. Beim Chef-Trick soll der Empfänger – typischerweise jetzt ein Angestellter/eine Angestellte im Rechnungswesen bei einer Firma – dazu verleitet werden, eine Rechnung zu begleichen und Kohle zu überweisen.

 

Und das funktioniert vielleicht sogar eher bei jungen, hippen Unternehmen, bei denen es insgesamt etwas formloser und flapsiger zugeht. Die Polizei geht angesichts des erheblichen Peinlichkeitsfaktors bzw. Reputationsschadens von einer signifikanten Dunkelziffer aus – manchmal lässt sich aber auch der Canossa-Gang an die Öffentlichkeit nicht vermeiden.

Ein insgesamt „nettes“ Geschäftsmodell – bei dem natürlich analog zu den recht reizvollen Abzock-Möglichkeiten auch recht amtliche Strafen und Gefängnisaufenthalte im Spiel sind. Das Ganze ist halt eine ganz nüchterne Kosten-Nutzen-Abwägung: No risk, no fun.

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 23.03.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Börsengang: Snap(chat) veröffentlicht Geschäftszahlen – Top oder Flop?

Snapchat, oder genauer gesagt, die Firma dahinter, Snap, will an die Börse. Das wissen wir schon seit einem Weilchen. Und seit einem Weilchen konnten wir, die Tech- und die Finanz-Welt darüber spekulieren, ob die Aktie ein Erfolg wird oder ein voraussehbarer Flop – die gleichen Fragen haben wir uns ja schon bei Google gestellt, bei Facebook oder bei Twitter. Da spielt natürlich die Hoffnung und die Phantasie immer die Hauptrolle – aber auch die nackten, blanken Geschäftszahlen. Und genau die hat Snap nun erstmals herausgerückt, das war ja vor dem Börsengang nicht zu umgehen.

Aber die Interpretation bleibt natürlich genauso auf wackeliger Basis wie in den historischen Beispielen zuvor. Sind 160 Millionen DAUs, „daily active User“ gut oder nicht? Ist es gut oder schlecht für die potentiellen Werbekunden, das die Snapchat-Klientel sehr jung ist; möglicherweise noch nicht allzu viel Kohle hat und beim snapchatten kackend auf dem Klo sitzt? Dass sie Sexting-Bildchen austauscht, statt sich für den Kommerz-Shit der Snapchat ohnehin nicht mehr raffenden Werbeheinis zu interessieren – wobei; hier mal der absolute Super-Geheimtipp – bei Snapchat gibt es eh nix zu raffen.

 

Das ist halt eine Plattform, auf der Vater und Mutter und Opa und Oma mangels Verständnis im Gegensatz zu Facebook noch nicht unterwegs sind und ihre Kiddies nicht nerven – deswegen ist Snapchat gerade verhältnismäßig cool. Andererseits bedeutet das Nichtchecken der Kiddies über Bilder, die eben doch gar nicht wirklich nach ein paar Sekunden verschwinden und die Verwirrung darüber, ob bescheuerte Werbeeinblendungen und das Abgreifen sämtlicher Aktivitäten eigentlich tolerabel sind, auch gar nix – die Pubertät ist halt eine legitime Phase des Wahnsinns. Schön. dass ein, zwei Leute das im Milliardenbereich monetarisieren können, während sie gleichzeitig irrwitzig Kohle verbrennen.

 

Aber wie immer schon zugegeben – bei Google und Facebook lag ich ja auch daneben mit meiner Bedenkenträger-Prognose. Bei Twitter aber nicht.

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 03.0.2017 (Moderation: Till Haase)