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Amazon Instant Pickup: Tante-Emma-Laden für Soziopathen

Es gibt ja sehr ernstzunehmende Indizien dafür, dass die Allgegenwart von Smartphones signifikant negative Auswirkungen auf das körperliche und geistige Wohlbefinden von „Homo sapiens sapiens“ hat. Die einen kommen beim Straßenüberqueren oder Pixel-Monster-Jagen unter die Räder, die anderen verlieren für die Arterhaltung notwendige Kompetenzen an „KI“-Algorithmen. Smartphones, kurzum, machen blöd – selbst wenn man sie nur auf dem Tisch liegen hat.

Aber Hand aufs Herz – ist das nicht wirklich viel schöner, nur ganz virtuell durch Tinder-Angebote durchzuwischen, als die Typen wirklich zu daten und dann festzustellen, dass die Fotos Fake waren und die Biografien sowieso? Und ist es nicht viel schöner, auch alltäglichen To-Go-Bedarf wie Snacks, Getränke und Alexa-Abhördrohnen 🙂 mal eben per App zu kaufen und dann aus einem Schließfach zu entnehmen, als die von einem anderen Menschen (womöglich aus einer anderen sozialen Schicht…) überreicht zu bekommen?

Bild: Amazon.com

Ja. Ist viel schöner. Und deswegen gibt es halt bei Instant Pickup eine metallene Trennwand zwischen Käufer und Verkäufer. Wobei ja theoretisch noch ein Moment der Anarchie oder der Romantik möglich wäre – vielleicht macht man ja mal das Schließfach genau in dem Moment auf, in dem die Amazon-Mitarbeiterin auf der anderen Seite auf den allerletzten Drücker die Ware hineinlegt. Und dann ein tiefer Blick in die Augen, durch das Schließfach; von Türchen zu Türchen. Aber nein – das wird der Algorithmus schon zu verhindern wissen.

Um mal von diesen Exkursionen auf den Boden der nackten Realität zurückzukommen: Erst einmal könnte man bei einer Bestellung vorab und der dann folgenden Abholung tatsächlich die paar Sekunden sparen, die ein Verkäufer hinter dem Tresen zum aus-dem-Regal-holen bräuchte. Und zweitens (das ist ein Hinweis einer Kollegin bei Deutschlandfunk Nova…) fragt mit Trennwand auch niemand: „Haben Sie eine Payback-Karte?“ Wobei – das könnte Amazon ja noch in die App mit einbauen 🙂 …

Deutschlandfunk Nova · Amazon Instant Pickup: Tante-Emma-Laden für Soziopathen

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 17.08.2017 (Moderation: Till Haase)

Facebook launcht Marketplace nun auch in Europa

Der Test auf dem Heimatmarkt war offenbar erfolgreich, nun können auch deutsche User den digitalen Facebook-Flohmarkt bestücken oder nach Schnäppchen stöbern. Und auch hierzulande wird das neue Angebot aus dem Hause Zuckerberg nicht gleich den etablierten „Mitbewerb“ aus dem Rennen fegen. Dem Datensammel- und Werbeimperium geht es vor allem darum, seinen Nutzern ein möglichst komplettes Angebot zu präsentieren. Alles soll aus Facebook heraus funktionieren – gerne auch der Einkauf beim vermeintlichen oder tatsächlichen Konkurrenten eBay.

Wer einen Großteil der Weltbevölkerung zu seinen Kunden zählen kann, agiert halt einigermaßen gelassen. Vor allem, wenn man auch noch ein Alarmsystem hat, das einem etwaige Spielverderber frühzeitig meldet.

Deutschlandfunk Nova · Kleinanzeigen: Facebook launcht Marketplace in Europa

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 16.08.2017 (Moderation: Till Haase)

Onavo: Facebooks Marktforschungs- bzw. Schnüffel-App weiß Bescheid

Wer Facebook nutzt (und das ja bekanntlich „gratis“…), gibt im Gegenzug seine Privatsphäre auf; zumindest den digitalisierten Teil. Das ist den meisten Leuten so diffus klar. Ein bisschen kann man ja auch noch an den Privacy-Stellschrauben drehen, wie das Unternehmen mehr treuherzig als letztlich zutreffend in seiner Werbe-Kampagne für Bedenkenträger betont. Und doch würde es vermutlich den meisten Usern der Facebook-App für Smartphones und Tablets etwas unangenehm aufstoßen, würde die Anwendung fragen: „Darf ich mal mitprotokollieren und an Facebook weitermelden, welche anderen Apps Du eigentlich auf deinem Gerät installiert hast, wie oft und wie lange Du die nutzt, und wieviel und welche Daten Du dabei übers Netz sendest und empfängst?“

Genau das fragt aber die App Onavo – relativ unauffällig. Und die meisten Nutzer nicken den Programmpunkt ab – ihr Fokus liegt ja auf den Features, die Onavo ihnen bietet: Schnelleres und sichereres mobiles Surfen. Für Web-Anbieter – und seit der Übernahme im Jahr 2013 eben für den neuen Besitzer von Onavo, Facebook – da liegt der Fokus ganz woanders: Auf den mitprotokollierten Daten nämlich. Laut Wall Street Journal und gut informierten Insidern haben die Mobile Analytics-/Marktforschungs-/Schnüffel-Informationen einen ganz erheblichen Einfluss auf Unternehmens-Entscheidungen von Facebook – vom WhatsApp-Kauf über Maßnahmen gegen Live-Video-Stream-Konkurrenten bis hin zum Ausbremsen von verkaufsunwilligen Messenger-Mitbewerbern 🙂

Das alles ist völlig normal und ja auch von den Usern abgenickt, sagt Facebook. Das alles könnte gegen AppStore-Richtlinien oder sogar gegen kartellrechtliche Vorschriften verstoßen, sagen Kritiker. Mit der Schnüffel- bzw. Analytics-App hat Facebook ein hübsches Tool im Portfolio, um Mitbewerber beizeiten „plattzumachen“ – durch das Abkupfern von Funktionen oder im Notfall, durch eine Übernahme 🙂 … Mal sehen, wie das weitergeht – immerhin: Facebook hat das gleiche Problem wie Google: Ein marktbeherrschendes Unternehmen kann nicht mehr einfach das machen, was es gerne möchte und was ja so schön einfach und praktisch funktioniert. 🙁

Apropos Snap – da hätte Mark mir doch echt mal Bescheid sagen sollen; bei all der Facebook-freundlichen Berichterstattung, die ich seit Jahren betreibe.

Deutschlandfunk Nova · Schnüffel-App Onavo

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 14.08.2017 (Moderation: Till Haase)

Copyright-Posse um YouTube-Clip „Star Wars minus Musik/Williams“

Über die sehr rustikale Methode von Film- und Musik-Rechteinhabern, ihre Algorithmen YuoTube durchscannen zu lassen und dann mal ganz schnell Löschanträge, Monetization Claims oder Abmahnungen rauszuhauen haben wir ja schon öfters mal berichtet. Ein Daueraufreger, weil immer wieder angebliche Rechte reklamiert werden, die gar nicht bestehen. Kaum zu toppen ist allerdings, wenn ein Musik-Rechteinhaber einen Clip reklamiert, in dem weitgehend Stille herrscht, in dem genau die Musik absichtlich entfernt worden ist.

Warner/Chappell, der Tochterfirma von Warner Music gelingt dieses Kunststück – und zwar nicht durch die Aktivitäten eines durchgeknallten Bots, sondern durch die eines (durchgeknallten?) Menschen. Was den oder die Beschwerde-Einreicher(in) zu seinem/ihrem Monetization Claim veranlasst hat, bleibt zur Zeit unklar. Vielleicht ja die (ziemlich peinliche…) Verwechslung der Musik von Gustav Holst („The Planets“) mit der Star Wars-Hymne von John Williams – eine unziemliche Verwechslung zudem von Original und – zugegeberweise genialer – Variation.

Nachdem Wired die Geschichte recherchiert hatte, wurde der Claim allerdings sehr schnell wieder fallengelassen.

 

 

Du wirst Deine bescheuerte Beschwerde jetzt zurückziehen.

Ich werde meine bescheuerte Beschwerde jetzt zurückziehen.

Deutschlandfunk Nova · Copyright: Star Wars ohne Musik auf Youtube

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 03.08.2017 (Moderation: Till Haase)

Cyberwährung Bitcoin wird aufgespalten in „Classic“ und „Cash“

In der normalen Welt wäre das ja eine ziemlich angenehme Vision: Man hat da ein paar Euro in seiner Geldbörse, und plötzlich liegt da zusätzlich eine neue Münze drin. Eine Münze, die auch etwas wert ist, auch wenn noch nicht ganz klar ist, wieviel; und welches Geschäft die dann auch tatsächlich als Zahlungsmittel annimmt. Genau so ist die Situation momentan beim Bitcoin – alle bisherigen Besitzer der Cyberwährung – zumindest die, die ihre digitale Geldbörse selbst verwalten – haben nun auch noch die gleiche Menge „Bitcoin Cash“ in ihrer Wallet.

Die Ursache für den wundersamen Geldzuwachs: Die Bitcoin-Community konnte sich nicht auf ein allgemeines technisches Protokoll einigen, wie man die Cyberwährung modernisieren wollte. Dass modernisiert werden musste, war unstrittig: Mit den bislang 1 Megabyte großen Blöcken des dezentral verteilten „Orderbuches“, der Blockchain, konnte man nur eine begrenzte Zahl von Transaktionen pro Zeiteinheit bewältigen – und das stellte die Akteure vor die unangenehme Wahl: Entweder schnelle Vorzugsbehandlung gegen hohe Gebühren – oder geduldig abwarten; bis zu 24 Stunden.

Bei der Abspalter-Version Bitcoin Cash wird die Blockgröße gleich auf 8MB erhöht, bei der weiterbestehenden „klassischen“ Bitcoin nur auf 2MB – dafür werden aber dort die Signatur-Komponenten in einen sozusagen separaten Zusatzblock ausgelagert. Das sind Feinheiten, die wahrscheinlich die allerwenigsten Bitcoin-User oder Bitcoin-Zocker auch nur ansatzweise technisch nachvollziehen können. Und trotzdem – der Teil der Community mit Durchblick hat die Abwägungen und die letztendliche Entscheidung für die eine oder andere Variante treffen können und auch getroffen – das ist, anders als von der „analogen“ Welt geprägte Beobachter vermuten, gerade kein Zeichen für Chaos und fehlende Verlässlichkeit, sondern genau das revolutionäre Element bei Cyberwährungen: Hier entscheidet keine Notenbank, keine Regierung, was richtig und falsch ist, hier entscheiden die Besitzer der Währung selbst.

Zugegeben – die Sache ist unglaublich kompliziert. Zu den technischen Feinheiten kommen ja auch noch die ökonomischen hinzu. In der „analogen“ Welt entspräche der Bitcoin-Fork ein Aktien-Split in zwei neue börsennotierte Unternehmen oder der Hinzubuchung von Bezugsrechten – wie etwa 2004 bei der Ausgliederung der Chemie-Sparte Lanxess aus dem Bayer-Konzern. In der normalen, analogen Welt und der analogen Ökonomie-Logik (die ja schon widersprüchlich und erratisch genug ist…) fällt „eigentlich“ der Wert der Haupt-Aktie um den Wert der ausgegliederten Tochter oder der Bezugsrechte; beide zusammen sollten „eigentlich“ genau soviel kosten wie vorher das „Gesamtpaket“.

 

Bei Bitcoin und Bitcoin Cash ist das nicht der Fall, hier hat anscheinend tatsächlich eine Bereicherung der bisherigen Besitzer stattgefunden (verdammt, warum habe ich das Zeug auch nach Jahren der Berichterstattung nicht gekauft? 🙂 …) – ökonomisch scheint das unsinnnig, Voodoo oder eine Blase zu sein. Aber es gibt genug plausible Erklärungen. Zum einen: Ja, die bisherigen Notierungen von Bitcoin Cash – der Kurs ist übrigens gerade noch einmal explodiert – sind sehr spekulativ, weil bislang wenige tatsächliche Transaktionen stattgefunden haben. Wenn alle Bitcoin Cash-Neubesitzer ihren unverhofften Neuzugang verkaufen wollen, schmiert der Kurs ab.

Aber im Bitcoin Cash-Kurs steckt natürlich auch andererseits wieder – wie bei einer Aktie oder einer Landeswährung auch – eine Zukunftserwartung, wie sich der zugrundeliegende Wert entwickeln wird. Wenn Bitcoin Cash der „Bitcoin Classic“ – was nicht zu erwarten, aber ja theoretisch möglich ist, den (Beliebtheits-)Rang ablaufen wird, dann werden sich die Kursnotierungen entsprechend „umdrehen“ – und die Bitcoin Cash-Fans hätten ein gigantisches Geschäft gemacht. Bei all diesen marktwirtschaftlichen Verrücktheiten: Nein, als „normaler Mensch“ brauchen Sie da nicht zwangsläufig mitzumachen. Die ganze Cyberwährungs-Kiste ist immer noch im Beta-Stadium.

Ab und zu passieren Software-Katastrophen, und ein paar Millionen Euro/Dollar/Renmimbi sind weg. Oder irgendwelche Betrüger hacken/kompromittieren beliebte Cyberwährungs-Börsen, und zocken mal eben dreistellige Millionensummen ab. Aber Betrüger und Zocker, im Nadelstreifenanzug und mit gehämmerten Visitenkarten gibt es ja in der analogen Finanzwelt auch.  Fazit: Der Bitcoin-Fork hat offenbar geklappt. Von Chaos keine Spur.

Deutschlandfunk Nova · Cyberwährung: Bitcoins gibt es jetzt auch als „Cash“

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 02.08.2017 (Moderation: Till Haase)

 

Deutschlandfunk – Computer und Kommunikation vom 05.08.2017 (Moderation: Manfred Kloiber)

Deutsche Post bringt „Alterssichtprüfung durch Zusteller“

 

Screenshot Email der Deutschen Post an mich

Ob ich zukünftig Waren mit jugendgefährdendem Inhalt per Brief versenden möchte? Tja, mal überlegen. Warum eigentlich nicht. Die Jugend kann man ja im Grunde in den heutigen Zeiten nie früh genug mit den Gefahren konfrontieren, die überall – vor allem im Netz natürlich – lauern.

Und Ihre Ware soll nicht in die Hände von Personen unter 16 bzw. unter 18 Jahre gelangen? Unser neues Produkt, die Alterssichtprüfung, schafft hier Abhilfe. Denn dabei überprüft der Zusteller in Ihrem Auftrag das geforderte Mindestalter des Empfängers, so wie es auch beispielweise an der Supermarktkasse gehandhabt wird.

Ach so, jetzt schnall ich das erst. Die jugendgefährdenden Inhalte sollen nicht in die Hände der durch sie gefährdeten Jugendlichen gelangen. Alles klar. Das ist ja gar nicht so blöd, dann könnte ich vielleicht doch noch mal die alte Büchergilde-Gutenberg-Ausgabe der „Josefine Mutzenbacher“ oder die vielleicht noch auf dem Dachboden verstaubenden Playboy-Ausgaben aus den 90ern bei Ebay losschlagen – bin ja schon seit langem auf Online-„Erotik“ umgestiegen. Ach nee, das geht ja auch nicht – dann zickt Paypal wieder rum und friert mein Konto ein. Wegen der unzulässigen Inhalte und der Jugendgefährdung. Dabei wär das an sich so praktisch: jugendgefährdender Versand bequem von zu Hause aus.

Screenshot Email der Deutschen Post an mich

Die immer sehr kompetenten Zusteller der Post – schöne Grüße an meinen Paketboten hier noch mal, das rechteckige Ding auf der Metallplatte ist die Klingel, da kann man draufdrücken. Dann macht es bei mir oben Bim-Bam und Sie brauchen gar keinen „Nicht angetroffen-Zettel“ in den Briefkasten zu schmeißen, obwohl ich doch oben am Küchenfenster stehe 🙂 – die Zusteller sorgen dann für den Schutz der Jugend.

Screenshot Email der Deutschen Post an mich

„Na Kleine, schon 16?“ „Ja klaro, Alter!“

Übrigens – bei regelmäßigerem Schmutz-Versand winken ja schon 5 Cent Rabatt. Das ist großzügig. Und die notorischen en gros-Schmutzfinken oder Darknet-Großhändler nehmen gleich die dicke Rolle:

Screenshot Email der Deutschen Post an mich

Da ist dann allerdings wieder kein Rabatt drin.

 

P.S. Fällt mir gerade noch ein: Die Internetmarke + Alterssichtprüfung kleb ich jetzt immer drauf, wenn ich einen Empfänger mal ein bisschen veräppeln will. Und stell mir dann den wissenden Gesichtsausdruck des Zustellers bei der Übergabe vor. 😉

Apple wirft VPN-Apps aus dem chinesischen App-Store

Ende Januar hatte die chinesische Regierung bekanntgegeben: VPN-Anbieter brauchen ab sofort eine behördliche Genehmigung, wenn sie ihre Dienste fortführen wollen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Denn natürlich ist eine solche „Genehmigung“  in einem nicht-demokratischen Staat keine reine Formsache oder Qualitätskontrolle, sondern bedeutet: Vor dem mitlauschenden WLAN-Betreiber mag ein behördenkonformer VPN-Dienst vielleicht noch schützen, nicht aber vor der mitlauschenden Behörde.

Die wichtigsten, beliebtesten und von ihren Usern bislang als vertrauenswürdig eingeschätzten VPN-Apps, laut Informationen der BBC mindestens 60 an der Zahl, hat Apple jetzt aus dem chinesischen App-Store geworfen – sie enthielten, so die Erklärung des Unternehmens, „unzulässige Komponenten“. Soll heißen – sie hatten keine Genehmigung oder Zulassung und verstießen also gegen die gesetzliche Regelung. Apps müssen die gesetzlichen Bestimmungen des Landes einhalten, in dem sie verfügbar gemacht werden, zitiert Apple aus seinen Geschäftsbedingungen.

Und trotz dieser Erläuterungen: Natürlich steht der Vorwurf im Raum, Apple hätte Kotau vor einem Unrechtsregime gemacht, nur um sein Geschäft fortführen zu können. Das Unternehmen habe seinen eigenen Anspruch unterminiert, allen Begehrlichkeiten von Regierungen – demokratischen wie nicht-demokratischen – zu trotzen und die Sicherheit und Verlässlichkeit von iPhones und iOS und der damit abgewickelten Kommunikation zu schützen. Wie soll Apple in Zukunft – fragt Techcrunch – gegen die Entschlüsselungs- und Backdoor-Wünsche der eigenen Regierung argumentieren?

 

Die Kritik ist natürlich ganz und gar nicht abwegig, das Dilemma für Apple ist unverkennbar und schmerzhaft – und doch gibt es noch ein paar wichtige Details, warum ein Nachgeben auf einem einen Schauplatz noch nicht ein Einknicken auf der ganzen Linie bedeuten muss. Punkt eins: es macht einen gewaltigen Unterschied, ob es in einem bestimmten App-Store bestimmte Apps nicht mehr gibt – oder ob das ganze Betriebssystem kompromittiert ist. Punkt zwei: es macht einen gewaltigen Unterschied, ob ein Widerstand gegen eine unliebsame Regulation überhaupt Sinn macht.

Das hört sich opportunistisch an – aber einmal ganz ehrlich: Seit wann ist ein Unternehmen, dass seinen Aktionären Rechenschaft über den Geschäftserfolg schuldig ist, eine Freiheitskampf-Organisation? Sollten nicht alle deutschen (und amerikanischen…) Firmen alle Geschäftsbeziehungen zu China, zum Iran, vielleicht auch zur Türkei aus „moralischen Gründen“ abbrechen? Das ist relativ naiv und vielleicht auch einfach kontraproduktiv – und auf jeden Fall eine politische, nicht primär eine Entscheidung von Unternehmen – außer die „Moral-Dividende“ ist höher als der entgangene Gewinn 🙂 .

Ich bin ja selbst gespalten in der Sache: Von Google und Facebook erwarte ich einerseits, dass sich die Herrschaften gnädigerweise an deutsches oder europäisches Datenschutzrecht halten, wenn sie hier Geschäfte machen. Andererseits: Urteile wie das aus München, Wien oder aus Frankreich zur Löschpflicht bei Facebook und Google, demzufolge nationales Recht weltweit umzusetzen ist, die machen mir wieder Bauchschmerzen. Weil dann natürlich eigentlich auch Urteile aus Istanbul, Riad oder Pjöngjang weltweit umzusetzen wären. Im Moment versucht ja gerade Google, ein Urteil aus Kanada in den USA wieder kassieren zu lassen. 🙂

Warum dem lupenreinen Demokraten Vladimir Putin die VPNs ebenfalls ein Dorn im Auge sind, ist klar. Zumindest unsere Politiker im „freien Westen“ täten also gut daran, nicht unter der Flagge „Terrorbekämpfung“ in die gleichen Gefilde zu dampfen.

Virtual Private Networks: Apple wirft VPN-Apps aus dem chinesischen App-Store · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 31.07.2017 (Moderation: Till Haase)

Milliarden-Geldwäsche: Bitcoin-Mixing-Dienste im Fokus der Ermittlungsbehörden

Wer smart ist und einen schnellen PC hat, kann  versuchen, Cyber-Kohle  selbst zu „schürfen“, das ist dann digitales Gelddrucken. (Ether ist noch für Amateure machbar, Bitcoin nur noch für Profis mit Spezial-Hardware und Billig-Strom…) Und wer mehr als smart ist, sagen wir einfach mal: kriminell, für den sind Cyber-Währungen auch etwas sehr feines: Da kann man nämlich relativ anonym mit bezahlen oder bezahlt werden, für krumme Geschäfte aller Art. Aber die Betonung liegt auf relativ anonym – denn allmählich werden auch Ermittlungsbehörden etwas fitter darin, Licht in dunkle Transaktionen zu bringen.

Vor kurzem war der Betreiber der Darknet-Plattform AlphaBay aufgeflogen und verhaftet worden. Jetzt gab es eine weitere spektakuläre Festnahme – die griechische Polizei hat einen russischen Staatsbürger namens Alexander V. verhaftet, auf Betreiben des US-Justizministeriums und diverser Ermittlungsbehörden. Der Vorwurf lautet: Geldwäsche in Milliardenumfang. Was die Sache noch pikanter macht: Möglicherweise ist V. auch verantwortlich für den legendären Hack bzw. die Insider-Abzocke bei der Bitcoin-Börse Mt.Gox. Auf der von V. betriebenen russischen Bitcoin-Börse BTC-e  hat sich offenbar das Gros der Ransomware-Abzocker ein Waschkonto eingerichtet.

Da mag man dann – trotz aller Liebe zu hehren Werten wie Anonymität und Freiheit im Internet – nicht mehr so ganz ungetrübt in das Horn derjenigen blasen, die die Verbindung Cyberwährung – Cyberkriminalität für eine ganz marginale Randerscheinung erklären. Das alles sehen offenbar die Betreiber des Mixing-Dienstes Bitmixer.io jetzt auch mit anderen Augen – oder sie haben Muffensausen bekommen 🙂 …

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 27.07.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Ethereum: Goldgräberstimmung und Crash bei Cyberwährungen

Wer träumt nicht davon – einfach reich werden, ohne zu arbeiten, durchs Nichtstun. Da gibt es ja diverse Ideen, nicht alle sind legal oder moralisch einwandfrei. Aber zwei Möglichkeiten sind altbewährt: Entweder man hat etwas, was rapide im Wert steigt. Oder man findet etwas Wertvolles, was quasi in der Gegend herumliegt und darauf wartet, aufgesammelt zu werden. Genau so funktioniert das gerade bestens bei Cyberwährungen und sorgt momentan für einen totalen Hype. Am bekanntesten sind natürlich die Bitcoins, auf Platz zwei der Beliebtheit liegt Ethereum.

Beim Mining von Bitcoins – auch mit Spezial-Hardware – ist der Zug für Privatanwender schon längst abgefahren

Lange dümpelte der Kurs für den Ether, die Währungseinheit von Ethereum, ziemlich unauffällig herum. Am Jahresanfang lag er bei etwa 10 Euro – um dann im März plötzlich zu explodieren, in der Spitze bis auf knapp 350 Euro. Kein Wunder, dass da allen Ernstes die doch eigentlich seriöse 🙂 IT-Seite Heise.de eine „Anleitung zum Geldverdienen„, zum Ethereum-Schürfen ins Netz stellte. Nach einer kurzen Kalkulation (bei mir steckt eine Geforce GTX 980 im Rechner, immerhin…) habe ich von der Idee Abstand genommen, da vielleicht mit Ach und Krach einen Fünfziger zu erwirtschaften – und dafür permanentes Lüfterrauschen, vorzeitige Alterung des PCs, Energieverschwendung und weitere Erhitzung meiner Bude in Kauf zu nehmen. Außerdem hat der Rechner ja ab und zu auch noch andere Arbeit zu erledigen.

Zwischen Manuskript-Fertigstellung und Sendung war dann der Ether-Kurs schon leicht gefallen, und danach kam: Der Crash. Oder wie soll man es anders nennen, wenn die Notierung innerhalb von 14 Tagen wieder auf 230 Euro herunterrauscht? Wie gesagt kann man ja ein paar gute Gründe aufzählen, warum es für Ether (und erst recht für das über die reine Währung ja weit hinausgehende Konzept Ethereum…) Nachfrage und Perspektiven gibt. Aber im Moment ist halt noch Zocker-Time. Das muss man mögen bzw. aushalten können. Ach ja, ich habe da auch noch einen altbewährten Börsen-Trost auf Lager: Das verlorene Geld ist nicht weg, das hat nur jemand anders. 🙂

Ethereum: Goldgräberstimmung bei Cyberwährungen · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfum Nova – Grünstreifen vom 21.06.2017 (Moderation: Paulus Müller)

Youtube will – jetzt aber wirklich – mehr gegen extremistische Inhalte tun

Dass Kent Walker, Vize-Chef und der Leiter der Rechtsabteilung von Google den Vier-Punkte-Plan gegen extremistrische Inhalte zuerst in einem Gastbetrag in der Financial Times vorgestellt hat, spricht Bände: Die Video-Plattform und der Werbe-Mutterkonzern stehen massiv unter Druck. Von Seiten der Politik mit wohlfeilen Forderungen, aber viel wichtiger – von Seiten der Werbekunden, die ihre Produkte nicht mehr im Umfeld von Enthauptungsvideos, Hasspredigten und Fake News präsentiert wissen wollen.

Der Wink mit dem zugedrehten Geldhahn ist nun mal das immer noch überzeugendste Mittel – dagegen können noch nicht einmal die angedrohten paar Millionen Strafe aus dem Hause Maas anstinken. 🙂

Also macht Google bzw. YouTube genauso wie Facebook Kotau – ob die versprochenen Maßnahmen, vor allem die automatische Säuberung durch KI tatsächlich funktionieren, ist noch einmal eine andere Frage.

Deutschlandfunk Nova · Propaganda-Videos: Youtube will mehr löschen

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 19.06.2017 (Moderation: Till Haase)