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Warum einen Markler beauftragen?

Ich habe gefühlt jeden Tag zwei, drei mal mehr, mal weniger aufwendig gestaltete Kärtchen oder Briefchen im Briefkasten liegen, in dem mir sehr freundliche, mitfühlende Menschen ihre völlig kostenlose Hilfe anbieten. Manchmal ist das Ganze auch als “Gutschein” deklariert, für ein “Wertgutachten”. Nur leider, leider, leider: Die schmucke Immobilie im schmucken (vom abartigen nächtlichen Fluglärm mal abgesehen, aber das muss man potentiellen Interessenten ja nicht sofort auf die Nase binden…) Villenviertel Marienburg, in der ich wohne – die gehört gar nicht mir. Sondern meinem sehr netten Vermieter, der auch unten im Haus wohnt. Und der vermutlich auch nicht verkaufen will.

Klarer Fall: Einen verkaufswilligen Immobilieneigner in einer exzellenten Wohnlage zu finden, das ist momentan der Jackpot für die Jungs und Mädels im immer schon etwas sportlichen Berufsfeld “Makler”. Das ist natürlich ein absolut seriöses Betätigungsfeld, da hatte ich noch nie auch nur den geringsten Zweifel dran. Der Gesetzgeber hat da ja so ein paar regulative Einschränkungen eingezogen; aber klar: Die Jungs und Mädels arbeiten ganz hart für ihre Kohle. Zumindest, wenn sie Ladenhüter an den Mann bringen sollen. Viel mehr Spaß machen aber eben so Dinger wie die hier in Marienburg.

Bei den Null- bzw. Minuszinsen am Markt stehen die Kaufinteressenten Schlange, da werden gerne auch mal Preise gezahlt, die noch vor kurzem (vielleicht auch irgendwann wieder?) Phantasie waren – und da springt natürlich auch für einen wackeren Makler leicht verdiente Extra-Kohle raus. Wenn man denn so einen seltenen Paradiesvogel identifizieren und ankobern kann, der seine Hütte verkloppen will oder muss. Da kann man schon mal in Werbematerial investieren und das rege und regelmäßig verteilen. Heute hatte ich ein besonders schönes Exemplar im Briefkasten:

Ich hätte da jetzt auch noch ein paar Fragen zu. Halten Sie es für möglich, dass die hoffnungsvollen Markler nicht wissen, wie ihr sportlicher Job eigentlich korrekt geschrieben wird? Halten Sie es für möglich, dass da eine Panne beim Drucken passiert ist, das aber niemand gemerkt hat? Oder dass es sehr wohl aufgefallen ist, aber die Karte aus Kostengründen trotzdem verteilt wurde? Lassen sich die Fragen 5, 11, 14 und 16 eigentlich mit “Ja oder Nein” beantworten? Würden Sie diese hoffnungsvollen Markler mit dem Verkauf Ihrer jackpot-Immobilie beauftragen? Ich helfe gerne weiter.

Unfassbare Abzocke. Unfassbare Blödheit und Gier.

Die neueste Anlagebetrug-Abzocke, die Tagesschau.de heute morgen gemeldet hat –  die hat schon ganz amtliche Ausmaße. Hunderte Anzeigen, zig Tausende Betroffene mit jeweils happigen “Anlage”-Summen im fünfstelligen Bereich – da kommen schon ganz nette Summen zustande… Der totale Wahnsinn:  Zocker-Plattformen für Geschäfte auf Optionen oder Futures sind eh schon etwas spekulativ 🙂 – insofern war/ist (die Plattform ist immer noch online…) die Warnung von “Option888.com” sehr ernst zu nehmen – bei den Trading-Geschäften kann ein Totalverlust auftreten, die Betreibergesellschaft haftet da logischerweise nicht für.

Freischwebend traden auf der Überholspur. Mit 0 Ahnung und 100% Geld-weg-Garantie. (Screenshot option888.com)

 

Der Witz ist nur – die Wixer von Option888.com und den anderen Plattformen haben mit dem Geld ihrer irren Kunden überhaupt nie getradet – die Kohle war sofort weg. Wenn man da mal ein bisschen googelt – und das hätten natürlich auch die armen Schlachtopfer der letzten Jahre tun können – das Strickmuster war immer identisch: Die aus den Social Media angekoberten Opfer haben da Kohle überwiesen. Dann ist eine angeblich gewinnbringende Transaktion passiert – der Kontostand in der famosen App bzw.dem Online-Konto ist hochgegangen.

Dann haben die Wixer das Opfer kontaktiert – das sollte doch bitte mehr anlegen, wo das Ganze doch so gut lief :)… Manche Wahnsinnige haben dem famosen Unternehmen eine Einzugsgenehmigung  auf ihre Kreditkarte eingeräumt, oder dem famosen persönlichen Berater freie Hand bei den Options- und Futures- und Cyberwährungstransaktionen gelassen. Weil das lief ja so gut. Auf der Fake-Website.  Da mal eben einen Wertzuwachs anzuzeigen, ist natürlich offen gestanden nicht so schwer.

Interessant wurde es ja jeweils, wenn irgendwelche “Anleger” mal versuchten, einen Teil ihrer Kohle wieder abzuziehen. Erfolgsrate: Null. Und das schon seit zig Jahren. Klar- bei einem (angeblichen…) Guthaben von 50.000 Euro musste eine Auszahlung ja erst “genehmigt” werden; das konnte dauern. Oder die eigentlich befasste Mitarbeiterin stellte sich als zugegebenerweise unfähig heraus; ein anderer Mitarbeiter übernahm und forderte aber erst mal eine neue Geldeinlage. Danach war dann wieder die unfähige Mitarbeiterin dran, die nun eine Klärung der Unstimmigkeiten  versprach.

Oder der mit “freier Hand” bei Transaktionen beauftragte Mitarbeiter tradete mal eben eine gewaltigen Verlust herbei – das könnte bei “freier Hand lassen” ja tatsächlich auch ohne bösen Willen passieren. Hier bei den famosen Betrügern rund um den famosen “Karsten L.” waren das aber einfach dreckige Abzock-Wixer, die überhaupt nie irgendwelche realen Transaktionen durchgeführt haben – das Konto und der Kontostand der Opfer war von vonherein einfach nur virtuell. Noch mal ganz klar – die Abzocke war eigentlich schon seit zig Jahren offensichtlich, es gab eine Bafin-Warnung bzw. ein Bafin-Verbot.

Bei so schönen Apps muss der Laden doch seriös sein. (Screenshot: option888.com)

Und was passierte von Seiten der Behörden bzw. der Polizei? Offenbar nix, über zig Jahre, in denen die Sachlage auch schon klar war. Ich weiß jetzt momentan noch nicht, wer eigentlich den heftigeren Schlag in die Fresse braucht. Die “Opfer”, die allen Ernstes bei einem risikolosen ZIns von 0% ihre Kohle in irgendwelche tollen Deals reinstecken, die 4, 5, 6; oder fantastilliarden % Rendite versprechen. Pro Monat bzw. Tag bzw. Trade; versteht sich. DIE RENDITE GIBT ES NICHT, IHR SCHWACHMATEN!!!  Oder die Betrüger, die ja “nur” gutgläubige, gierige Leute ausgenommen haben, die offenbar zuviel Geld hatten.

Aber nein – die Schuldigen in dieser Geschichte sind natürlich ganz eindeutig nicht die Opfer, sondern die unverschämten Betrüger; mit ihrer schillernden Vorgeschichte, dem unerhörten (aber natürlich in Relation zur abgezockten Kohle ausgesprochen angemessenen…) Aufwand  zur Täuschung, der unverschämten Dreistigkeit, bereits angekoberte und dann Verdacht schöpfende Opfer noch weiter auszumelken. Für so eine unverschämte Dreistigkeit kann ich eigentlich nur sagen: Arbeitslager und jeden Morgen Schläge auf die Fußsohlen und den Arsch. Ach so, ist nicht vorgesehen in unserem Rechtsstaat? Schade.

Smava wirbt weiter – ich fürchte, es ist weiterhin Verarsche

Der Online-Kreditvermittler Smava ist ganz unverzagt und kann auch mit etwas polemischer Kritik bestens umgehen. Mir schicken die Freunde nämlich emsig und täglich weitere gefühlt hunderttausend Werbemails zu, obwohl ich doch nur mal vor einiger Zeit interesse- und recherchehalber das Minuszins-Versprechen ausprobieren wollte – das war ja offenbar ein Lockvogel bzw. Verarsche-Angebot. Jetzt gehen die Berliner aber in ihrer jüngsten Mitteilung über ihr bisheriges, schon sehr ambitioniertes Risiko-Profil weit hinaus, jetzt stehen plötzlich nicht nur glatte 6 Euro bei einer lächerlichen Kreditsumme von 1000 Euro , sondern sogar 41,73 Euro bei einer Kreditsumme von 10.000 Euro im Feuer!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das ist der absolute Hammer, aber zugegebenerweise immer noch mickrig im Vergleich zu den typischen Werbe-Angeboten bei einem Kontowechsel oder der Einrichtung eines Online-Depots. Ich hoffe trotzdem, das ist gut abgesprochen mit der Werbe- und Controlling-Abteilung und mit Herrn Draghi. Wobei – ach ja, es besteht ja gar kein Risiko, die ausgelobte Kunden-Werbeprämie (etwas anderes ist das ja weiterhin nicht…) auch zahlen zu müssen. Denn – oh Wunder – es werden sich wahrscheinlich nur sehr wenige 🙂 bonitätsmäßig für das großartige Angebot qualifizieren können.

Also, ich probier das jetzt erst gar nicht mehr aus, dafür ist mir meine Zeit zu schade. Denn: Wer einmal lügt (und das ist ja angesichts der vielfältigen Rückmeldungen im Netz offenbar noch sehr zurückhaltend ausgedrückt…), dem glaubt man nicht. (Und wenn er auch weiterhin nur versucht, die Leute zu verarschen, har, har, har! 🙂 ) Aber liebe Freunde bei Smava, wir können es ja mal anderes herum probieren: Ihr könnt mir gerne die 10.000 Ocken auf mein Konto überweisen, die Daten habt ihr ja noch. Anschließend fülle ich die Teilnahmebedingungen für mein “Geld-Geschenk” aus. Von mir aus können wir das auch gerne zu den gleichen Konditionen auf 100.000, 1.000.000, 10.000.000 oder 100.000.000 etc. Kreditsumme hochskalieren; je nach dem, was ihr so auf der Pfanne habt. Ich sag immer – zuviel kann die Kredit-Kohle eigentlich nicht sein – jedenfalls nicht bei den Minuszinsen. Gell? Vielen Dank!

(Ich vermelde die erfolgreiche Transaktion natürlich dann auch hier ganz groß und werbewirksam im Blog. Ganz großes Indianer-Ehrenwort von eurem Top-Influencer!)

EU-Parlament beschließt Urheberrechtsreform

Es ist schon einigermaßen lustig. Da gibt es einen höchst kontroversen Streit, der mit allen Argumenten (und allen Pseudo-Argumenten, Übertreibungen und Tatsachenverdrehungen; übrigens durchaus von beiden Seiten…)  über Monate hinweg ausgetragen wird, in aller Öffentlichkeit. In Diskussionsrunden, in Blogs, in Zeitungen, im Rundfunk, im Netz. Mit massivem Einsatz aller Lobby-Instrumente, mit Massen-Mails und angeblich oder tatsächlich auch mit Todes-Drohungen irgendwelcher durchgeknallter Eiferer.

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Und dann fällt die Entscheidung im EU-Parlamentin zweiter Instanz” nach all diesen Argumenten; vorgetragen ja jeweils von höchst respektablen Parteigängern: auf der einen Seite Verleger, Kreativschaffende und Gewerkschaften; auf der anderen Seite “Netzaktivisten”, Internet-Wirtschaftsverbandsvertreter, Verbraucherverbände, andere Kreativschaffende und natürlich auch (eher hinter den Kulissen…) die “Betroffenen”, also allen voran Google. Die Entscheidung fällt also in einem klaren Ergebnis zugunsten der “Pro-Providerhaftung und Pro-Leistungsschutzrecht”-Fraktion; ich referiere das und gebe wie immer als Netzautor meinen – wohlgemerkt aber auch als persönliche Meinung gekennzeichneten – Senf dazu ab; und wir (DLF Nova…) bekommen prompt eine Hörer-Zuschrift eines “Musikautors, Fachjournalisten, Buchautors” und offenbar auch Dozenten, der meint, ich würde in meiner Beurteilung der Kontroverse “falsche Schlüsse” ziehen.

Ich könnte vielleicht die Reklamation an die 226 EU-Parlamentarier weiterleiten, die mit “Nein” gestimmt haben, oder an die “Netzaktivisten”, Internet-Wirtschaftsverbände, Verbraucherverbände, andere Kreativschaffende oder Kommentatoren, die eben anderer Meinung sind. Ich selbst bin ja auch Kreativschaffender, und auch auch Gewerkschaftsmitglied – und in diesem Fall muss ich einfach sagen: Ich teile die Meinung meiner Gewerkschaft und meiner ansonsten hochgeschätzten Kollegen hier einfach nicht. Nach Auffassung des Hörerbriefschreibers sollten wir “als Journalisten hier eine eindeutigere Interessenslage haben.”

Es geht aber – mit Verlaub – gar nicht immer um die individuelle Interessenslage. Ich bin selbstverständlich VG-Wort-Mitglied und würde theoretisch (praktisch glaube ich eher nicht…) von der beschlossenen Reform profitieren – und trotzdem halte ich die für falsch. Auf der Payroll von Google stehe ich auch nicht. Wahnsinn, was? Ein “erheblicher” Mangel an Expertise, wie vom Hörermail-Autor vermutet, liegt bei mir auch nicht vor – mit einer kleinen Google-Suche 🙂 hätte er bestimmt auch schnell herausgefunden, dass ich kein “einfacher Korrespondent, der seine Meinung kund tut” bin, sondern schon ein Weilchen über Netzthemen berichte – tendenziell sehr kritisch gegenüber Google, Facebook und Konsorten.

Vielen Dank in diesem Zusammenhang für die Aufklärung über die Monetarisierung von Google durch unsere User-Daten – da hab ich ja noch nie etwas drüber gehört. 🙂 Das Problem ist nur, dass der Hörerbriefschreiber – genau wie die Apologeten der Verleger-Seite (wobei das bei FAZ-Angestellten klar ist, dass sie das Lied ihres Brötchengebers singen müssen, während ich als ÖR-Beschäftigter einigermaßen gut pfeifen habe…) – stocksteif nur bei der einen, der eigenen “Interessenslage” geschuldeten Sichtweise bleibt. Ich habe in der Sendung die Frage aufgeworfen, ob es denn eigentlich einen Anspruch auf die kostenfreie Dienstleistung “aufgelistet werden in einer Internet-Suchmaschine” geben kann.

Der Hörermail-Verfasser wendet den Aspekt “kostenfreie Dienstleistung” prompt wieder in die Gegenrichtung und merkt an:

“Ganz genau! Google News nutzt die Lead-Sätze/Teaser-Texte und schafft dafür für sich einen Mehrwert. Es gibt Erhebungen, dass Google News-User gar nicht mehr auf die Seiten der Zeitungen/Contentanbieter gehen, sondern sich nur die Kurzversionen durchlesen. Damit ist der Vorteil von Google & Co schon hinweg.”

Entschuldigung – trotz des Dauerfeuers in der von mir geschätzten und abonnierten FAZ erschließt sich mir immer noch nicht, wie denn die angebliche unmittelbare Mehrwert-Schaffung bzw. der Content-Diebstahl hier aussehen soll – bei Google News schaltet Google ja eben keine Werbung. Dass es mittelbar einen gewissen Mehrwert allein schon durch die Datenauswertung der Google News nutzenden User gibt, ist mir mit meiner vorhandenen Expertise 🙂 durchaus klar. Dass es Leute geben mag, denen das Lesen von Überschrift und Teaser (“Kurzversionen” -:) ) reicht, mag ja sein – aber das ist natürlich eher ein tragischer Kulturverfall als ein Problem von Google. Das sind aber dann eben Leute, die das eigentliche Qualitätsprodukt auf den Verleger-Seiten eh nicht mehr lesen und die Seiten eh nicht mehr ansteuern.

Meiner Meinung nach ist das Verhältnis zwischen Content-Produzenten (sowohl private als auch geschäftliche…) und Google eine Symbiose, und zwar eine höchst heikle – das ist mir völlig klar. Ob die vollkommen austariert ist – keine Ahnung. Ich bin da ja eigentlich eher radikal und habe immer dafür plädiert, das furchtbar nervende Internet-Geschäftsmodell “Werbung” mit dem absolut problematischen Deal “Daten gegen Pseudo-Gratis-Dienste” aufzugeben. Leider sieht das die Masse der User anders.

Ich selbst befürworte den Einsatz von Werbeblockern, ich würde mir wünschen, dass andere Geschäftsmodelle – Content-Flatrates, Pay-Modelle funktionieren; ich selbst abonniere nach wie vor diverse Zeitungen samt Online-Ausgaben, obwohl ich die auch “gratis” im Sender lesen könnte; leider sieht das die Masse der User anders – und liest eben überhaupt keine Artikel mehr, sondern bestenfalls noch eine Überschrift oder einen Clickbait-Teaser und drückt dann mit letzter Kraft auf den “like”-Button. 🙂 Solche Leute kommen aber eh nicht mehr auf die Seiten der “Qualitätsjournalismus”- Anbieter – wobei ja ulkigerweise das Haus Axel Springer am lautesten jammert 🙂

Aber ist Google für diesen Kulturwandel verantwortlich? Ich glaube nicht. Das Pech für die Verleger ist nur, dass ihr angestammtes Finanzierungsmodell – eben das Schalten von Werbung, von Anzeigen den Bach runter geht bzw. jetzt in anderen Kanälen stattfindet. Das Glück von Google ist, dass das Schalten von Werbung insgesamt immer noch funktioniert – trotz aller Fragwürdigkeiten in Bezug auf die Wirksamkeit, trotz aller Manipulation wie Clickbait und Klickbetrug; und trotz meines eingeschalteten Werbeblockers. 🙂

Aber jetzt noch mal mein Argument: Wieso glauben denn Verleger und andere Akteure im Netz, dass die bislang immer kostenfreie Dienstleistung von Google, sie bzw. ihre Webseiten auffindbar zu machen, auch für immer kostenfrei bleiben muss? Die Akteure bezahlen doch auch teures Geld für SEO-Maßnahmen und ggf. natürlich auch für Werbe-Kampagnen; die Auffindbarkeit ist absolut existenziell für ihr Geschäftsmodell. Wie ich schon in der Sendung gesagt habe – wenn Google als Monopolist mit einer radikalen Auslistung von allen Kohle-Anforderern drohen würde, wäre das vielleicht wettbewerbswidrig. Aber wieso sollte nicht Google von allen kommerziellen Akteuren eine kleine Gebühr für das Auflisten im Suchindex fordern dürfen, eventuell zufällig in gleicher Höhe wie die anders herum verlangten Leistungsschutzrechts-Abgaben? 🙂

Das mal so als meine selbstverständlich völlig “expertiselose und uninteressante” Meinung. Aber die Schlacht ist ja eh geschlagen. Warten wir mal ab, was die Trilog-Besprechungen aus dem Quark noch machen. Notfalls tröstet mich ja meine nächste VG-Wort-Abrechnung 🙂

Was die Urheberrechtsreform der EU für das Netz bedeuten könnte

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 13.09.2018 (Moderation: Till Haase)

Tidal soll Streamingzahlen gefälscht haben

Es läuft etwas gewaltig schief beim Musikstreaming-Dienst Tidal, und das schon seit geraumer Zeit – das ist jedenfalls das Bild, das beim Blick auf die Berichterstattung der norwegischen Finanz- und Wirtschaftszeitung Dagens Næringsliv entsteht. Nun ist die Dagens Næringsliv erstens keine Klitsche oder Gossip-Schleuder, und zweitens gibt es auch für die sehr hartnäckige und intensive Berichterstattung der Zeitung ausgerechnet über den Streamingdienst des Rappers Jay Z einen ganz naheliegenden Grund: Tidal hat ja norwegische Wurzeln; höchstwahrscheinlich sind weiterhin eine Reihe von Mitarbeitern der übernommenen Firma Aspiro an Bord – und aus diesem Kreis dürfte die Dagens Næringsliv mit allergrößter Wahrscheinlichkeit seit jeher die Insiderinformationen gesteckt bekommen haben.

Ende letzten Jahres hatte die Zeitung Details über die wirtschaftliche Situation von Tidal vermeldet – die Abonnenten- und Streamingzahlen seien weiterhin viel zu gering, um aus der Verlustzone herauszukommen und zu den Big Playern wie Spotify aufzuschließen, Tidal gehe schlicht und ergreifend in sehr absehbarer Zeit das Geld aus. Die jüngste Veröffentlichung von Dagens Næringsliv ist noch einmal deutlich brisanter – wirtschaftlicher Misserfolg ist eine Sache; Manipulation von Streamingzahlen, Bereicherung und Betrug eine ganz andere. Tidal weist die Vorwürfe empört zurück – das dürfte wohl ein Fall für die Staatsanwaltschaft werden.

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Bleibt ein kurzer Blick auf die berühmte Überlegung “cui bono”. Szenario eins: Die Daten auf der von Dagens Næringsliv präsentierten Festplatte sind gefälscht (und zwar sehr aufwendig und wiederum mit immensem Insiderwissen…), das Ganze ist eine Racheaktion von Mitarbeitern oder der Versuch, Tidal sturmreif zu schießen, als Konkurrenten auszubooten oder billig zu übernehmen. Szenario zwei: Die Manipulation ist tatsächlich so passiert, Tidal steht das Wasser tatsächlich bis zum Hals und die Abzocke ist irgendwie der Versuch, vor der Pleite oder dem Notverkauf noch etwas Saft aus dem Laden zu pressen.

Wenn man die Meldungen der letzten Jahre noch einmal Revue passieren lässt – die gescheiterten Verkaufsgespräche mit Apple  oder Samsung  (die wohl nach einem intensiven Blick auf die Zahlen von Tidal und die Preisvorstellung abgewunken haben…), die Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Engagements von Sprint, die seit jeher ständigen Querelen um Streaming-Zahlen und Ausschüttungen, am prominentesten vom möglicherweise ja jetzt “entschädigten” Jay Z-Buddie Kanye West, dann die Vorwürfe der Tidal-Gründer an die Vorläuferfirma, deren Zahlen hätten schon nicht gestimmt und man selbst sei bei der Übernahme übers Ohr gehauen worden – dann kommt man schon irgendwie ins Grübeln.

Immerhin; sollten sich die Manipulationsvorwürfe bestätigen: Ein als Betrüger ertappter Gangster-Rapper hat im Gegensatz zu einem Automobilmanager oder Banker wenigstens ein dickes Plus – seine Street Credibility geht wieder rasant nach oben 🙂

Musikstreaming: Tidal soll Abrufzahlen gefälscht haben · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 11.05.2018 (Moderation: Till Haase)

Geleakte Zahlen: Die Mischkalkulation bei Amazon Prime Video sieht ganz plausibel aus

Ich muss ja ganz ehrlich sagen: Trotz aller Bedenken gewerkschaftlicher Art oder trotz aller Skrupel in Richtung auf das Wohlergehen lokaler Einzelhändler; ich kaufe ziemlich massiv online bei Amazon ein. Weil die Sachen da halt meistens am billigsten sind. Klar, “Geiz ist geil 🙂 “. Und die Schmocks, die sich erst offline beraten lassen und danach online billiger kaufen, sind halt Schmocks – wobei allerdings ziemlich fraglich ist, ob es tatsächlich lokale Verkäufer gibt, die effektiv eine objektive Produkt-Checkung haben und einen insofern irgendwie objektiv beraten. Je besser man sich selbst auskennt, umso unwahrscheinlicher ist das.

Das ist wirklich super, dass ich hier endlich mal ein Hakenkreuz einbinden kann. Ist selbstredend nur embedded von den ebenfalls dankbaren Kollegen von engadget.de und natürlich nur die Abbildung einer fiktiven Film-Szenerie… Screenshot Amazon “The Man in the High Castle”

Ich habe aber natürlich auch nix gegen eBay oder, wenn der Preischeck das so ergibt, gegen irgendeinen anderen seriösen Online-Händler. Insofern: ich hatte mich relativ früh für Amazon Prime entschieden, weil das einfach als Versandkosten-Flatrate “Sinn machte”. Als dann die Musik- und Video-Flatrate dazukam, dachte ich: Nettes Add-On. Ich nutze das übrigens persönlich auch überhaupt nicht ansatzweise aus, als Single (meine Theorie dazu ist: nach der ersten impulsiven Startphase einer Beziehung mit gewissen anderen Interessen steigt recht schnell das Bedürfnis nach konventioneller gemeinsamer Freizeitgestaltung und damit nach Video-Konsum 🙂 …) und Frühschicht-Arbeiter glotze ich unterproportional wenig.

Also insofern; ich selbst verzerre die Amazon-Aufwand-Nutzen-Kalkulation wahrscheinlich etwas. Aber ansonsten und durchschnittlich betrachtet ist die wahrscheinlich ganz gut berechnet.

Amazon Prime Video: Geleakte Zahlen · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 16.03.2018 (Moderation: Till Haase)

Der Bock als Gärtner: Google schaltet Werbefilter in Chrome scharf

Die absolute Netz-Sensation; das Sägen am eigenen Ast, der Wandel des Wichtigsten der Big Player des Internets vom Saulus zum Paulus, der vollkommene Paradigmenwechsel: “Die Nutzererfahrung ist wichtiger als Werbeeinnahmen” (dieses wunder, wunderschöne Statement von Googles Vizepräsident Rahul Roy-Chowdhury werde ich mir in meine Klobrille schnitzen, das gelobe ich hiermit feierlich…) – nun gut, diese absolute Sensation war ja seit einem Jahr angekündigt gewesen. So dass eigentlich alle Beteiligten und Betroffenen genug Zeit hatten, sich mit dem heute “scharfgeschalteten” Chrome-Werbeblocker zu arrangieren.

Blocker? Na ja, sagen wir mal Filter. Oder besser: Filter light. Chrome blockt ab jetzt die allerschlimmste, allernervigste Werbung (nicht verschiebbare oder bildschirmfüllende Anzeigen, nicht wegklickbare Anzeigen mit Countdown, sofort losplärrende Videos etc.). Das, was die “Coalition for better Ads“ für “bessere” oder akzeptable Werbung hält, kommt weiterhin durch. In der “Böcke als Gärtner”-Koalition haben sich so gute Freunde wie eben Google und der Axel-Springer-Verlag zusammengefunden, die sich ja ansonsten – übrigens wegen des gleichen Themas “Werbung und Kohle machen im Internet” bis aufs Messer bekriegen 🙂

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Aber die Ober-Ober-Schurken sind halt die Hersteller von Ad-Blockern – die ja ihrerseits auch teilweise wiederum “sportliche” Geschäftsmodelle haben und irgendwie mit “akzeptabler” Werbung (und einem gebührenpflichtigen “Whitelisting”…) Kohle machen wollen. Zum Glück hat der geneigte Internet-Surfer bis jetzt noch die Wahl: Einen Browser mit einem Pseudo-Werbefilter verwenden, der eigentlich nur die Mainstream-User davon abhalten will, einen “richtigen” Blocker zu installieren? Einen Werbeblocker verwenden, der gar nicht mehr richtig funktioniert (weil er offenbar mit den Adblock-Gegenmaßnahmen etwa bei Spiegel Online und Süddeutsche nicht mehr klarkommt…), dafür aber “eigentlich” und auf sehr diskussionsträchtige Weise am Werbe-Geschäftsmodell teilhaben will?

Ich surfe nach wie vor mit Firefox und NoScript und mittlerweile mit uBlock. Ich habe gerade als vorwiegend für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk tätiger Journalist großes Verständnis für die nicht “beitragsfinanzierten” Kollegen und den “Mitbewerb” – aber die Werbung im Netz ist für mich “nicht akzeptabel”. Aus optischen Gründen, aus Relevanzgründen, aus Privacy- und Securitygründen. Für eine Reihe von Online-Angeboten habe ich ein Abo gebucht. Und, wie ich ja schon vorgeschlagen habe, und wie das die Website Salon.com jetzt nach unzähligen halbseidenen oder betrügerischen Vorgängern ausprobiert: En Bezahlmodell mit Crypto-Währung-Schürfen halte ich für eine gute und faire Idee.

An alle Effizienz- und Klima-Bedenkenträger: Der ganze Werbe-Scheiß verbrät auch gigantische Kollateral-Ressourcen 🙂 …

Google: Schönere Werbung mit Chrome · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 15.02.2018 (Moderation: Till Haase)

Amazon, JP Morgan und Berkshire Hathaway wollen das US-Gesundheitssystem aufmischen

Für den einen Präsidenten war es ein zentrales Anliegen seiner zwei Amtszeiten – für seinen Nachfolger schieres Teufelswerk, das so schnell und so gründlich wieder rückgängig gemacht werden muss: Die Rede ist von “Obamacare”, von der Regulierung des US-amerikanischen Gesundheitssystems, um jedem Bürger die Chance auf eine bezahlbare Krankenversicherung zu bieten. Regulierung mögen viele Amerikaner aber nun gar nicht; sie pochen auf ihre “Freiheit” – eben auch auf die, vielleicht eben keine Krankenversicherung abzuschließen.

Dass die “Entscheidung” gegen den Versicherungsschutz bei Armen, Arbeitslosen und Geringverdienern natürlich gar nichts mit Freiheit, sondern mit purer Not zu tun hat, das war Barack Obamas Argument. Dass “Obamacare” beileibe nicht ohne Pannen und beileibe nicht völlig überzeugend auf die Schiene gekommen ist, spielt wiederum den Kritikern in die Hände. Fest steht jedenfalls – das US-Gesundheitssystem in seiner jetzigen Form ist teuer und ineffizient; es gibt einfach zu viele Akteure, die an unterschiedlichsten Stellen die Hand aufhalten. Und wenn es um Leben und Tod geht, ist der “Kunde” halt in einer schlechten Verhandlungsposition.

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Für drei Firmen-Giganten wie Amazon, JP Morgan und Berkshire Hathaway sieht das schon besser aus. Aber bei der am Dienstag angekündigten Kooperation geht es wohl um mehr, als nur einen Mengenrabatt herauszuschlagen. Und bei genauerem Hinsehen spielt der vermeintliche Exot im Dreierbündnis vielleicht sogar die Hauptrolle.

US-Gesundheitssystem: Versichert bei Amazon & Co. · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 01.02.2018

Cyberwährungsbörse Coincheck gehackt, eine halbe Milliarde Dollar futsch

So richtig gut ist die Stimmung in der Cyberwährungswelt momentan ohnehin nicht, der Kurs des Platzhirschs Bitcoin ist  – zumindest von den Höchstständen im Dezember aus gesehen – gewaltig auf Talfahrt gegangen. In China droht die Stilllegung der Mining-Farmen mit ihrem absurden Stromverbrauch, in Südkorea ist Schluss mit dem schrankenlosen Cyber-Handel, und allerorten platzen Abzock-Modelle, die geldgierigen Ahnungslosen ganz ungerührt die Kohle aus der Tasche ziehen.

Da passt natürlich die Nachricht von einem erneuten Cyberbörsen-Superhack (wieder mal in Japan…) mit rekordverdächtiger Schadenssumme wie die Faust aufs Auge; ein deftiger Schlag ins Cyber-Kontor :), wie es ein früherer Kollege immer so schön formuliert hat. Wie der Hack genau abgelaufen ist, darüber werden wie in der nähsten Zeit vielleicht noch näheres erfahren. Aber nahezu sensationell: Die Betreiber von Coincheck stellen eine Entschädigung ihrer Kunden in Aussicht, immerhin 90% der Schadenssumme wollen sie wiedergutmachen – aus “Rücklagen”.

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Donnerwetter – das Cyberbörsen-Betreiben scheint ja noch lukrativer zu sein als das Zocken mit den Währungen selbst.  Ob das Versprechen auch eingehalten wird; da bin ich aber mal sehr gespannt.

Hack auf Cyberwährungsbörse Coincheck: 400 Millionen Euro in Kryptowährung gestohlen

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 29.01.2018 (Moderation: Till Haase)

P.S. Die entwendeten 523 Millionen XEM sind ja natürlich und tröstlicherweise noch irgendwie in der NEM-Blockchain sichtbar – mittlerweile versuchen der oder die Hacker aber wohl, die halbe Milliarde etwas zu stückeln 🙂

P.S. 2 Die japanische Finanzaufsicht hat jetzt auch mal bei Coincheck vorbeigeschaut und einen umfassenden Bericht zu dem Desaster angefordert.

Endlich: Super-Initiative der EU-Kommission gegen Fake-News

Es herrscht Unsicherheit in diesem unserem Land. Seit den Wahlen ist schon viel Zeit verstrichen, und immer noch gibt es keine neue Regierung. Irgendwie wird Angela Merkel in Berlin weiterhin eine Rolle spielen und Horst Seehofer auch; in München oder Berlin; den ganz genauen Zeitpunkt oder Umfang der Rollen kann man noch nicht einschätzen – es gibt da vielerlei nachvollziehbare Motivationen, Absichten und strategische Erwägungen. Ein paar der beteiligten Politiker stechen zuweilen Informationen an die Medien durch. Ganz schlimm.

Die Medien selbst sind selbstverständlich auch korrumpiert und fremdgesteuert; insofern steht natürlich ein furchtbares Unwort und Unding im Raum. Es heißt: “Fake News”. Aber was sind eigentlich “Fake News”? – diese bange Frage wird seit Monaten von vielen besorgten Mitbürgerinnen und Mitbürgern an mich herangetragen. Erst mal die Entwarnung: Wenn Sie sich eh nicht für Nachrichten interessieren bzw. für das, was so in der Welt passiert, dann sind auch “Fake News” für Sie völlig unschädlich. Weil, die bekommen Sie gar nicht mit.

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Wenn Sie aber über irgendwelche Social-Media-Kanäle mit Nachrichten bzw. einem Nachrichten-Stream versorgt werden, dann haben Sie ein Problem. OK – Facebook mildert das ja gerade zugunsten von problemlosen Cat-Content ab. Aber ansonsten: Fake-News sind Definitionssache. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, hat da eine sehr überzeugende Argumentations-Schablone. Aber mit der gibt sich die notorisch linksradikale EU-Kommission natürlich nicht zufrieden.

“Bekämpfung von Falschmeldungen im Netz”, und das auch noch durch ein “Expertenheer” (wieso hat man mich da nicht gefragt???) ? 🙂 Die Fake-News löschen; zwangslöschen? Ja!! Oder zumindest ganz soft Gegenhalten mit super-verlässlichen Gegen-Qualitätsnachrichten? Auch eine grandiose Idee. Genauso wie die angepeilten “Bildungsmaßnahmen”. Die minderbemittelten Schwachmaten müssen doch endlich mal kommuniziert bekommen, dass sie halt minderbemittltelte Schwachmaten sind.

Ach so, die BILD-Zeitung ist gar keine Zeitung, sondern ein Fake-News-Propaganda-Vehikel?  Und das schon seit Jahrzehnten? Das sind ja Fake-News, mit denen man sich weiß Gott nicht auseinandersetzen muss und will. Aber was sage ich denn – beginnen Sie doch Ihre Welt-Recherche einfach auf Twitter; da wird Ihnen geholfen.