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Smava wirbt weiter – ich fürchte, es ist weiterhin Verarsche

Der Online-Kreditvermittler Smava ist ganz unverzagt und kann auch mit etwas polemischer Kritik bestens umgehen. Mir schicken die Freunde nämlich emsig und täglich weitere gefühlt hunderttausend Werbemails zu, obwohl ich doch nur mal vor einiger Zeit interesse- und recherchehalber das Minuszins-Versprechen ausprobieren wollte – das war ja offenbar ein Lockvogel bzw. Verarsche-Angebot. Jetzt gehen die Berliner aber in ihrer jüngsten Mitteilung über ihr bisheriges, schon sehr ambitioniertes Risiko-Profil weit hinaus, jetzt stehen plötzlich nicht nur glatte 6 Euro bei einer lächerlichen Kreditsumme von 1000 Euro , sondern sogar 41,73 Euro bei einer Kreditsumme von 10.000 Euro im Feuer!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das ist der absolute Hammer, aber zugegebenerweise immer noch mickrig im Vergleich zu den typischen Werbe-Angeboten bei einem Kontowechsel oder der Einrichtung eines Online-Depots. Ich hoffe trotzdem, das ist gut abgesprochen mit der Werbe- und Controlling-Abteilung und mit Herrn Draghi. Wobei – ach ja, es besteht ja gar kein Risiko, die ausgelobte Kunden-Werbeprämie (etwas anderes ist das ja weiterhin nicht…) auch zahlen zu müssen. Denn – oh Wunder – es werden sich wahrscheinlich nur sehr wenige 🙂 bonitätsmäßig für das großartige Angebot qualifizieren können.

Also, ich probier das jetzt erst gar nicht mehr aus, dafür ist mir meine Zeit zu schade. Denn: Wer einmal lügt (und das ist ja angesichts der vielfältigen Rückmeldungen im Netz offenbar noch sehr zurückhaltend ausgedrückt…), dem glaubt man nicht. (Und wenn er auch weiterhin nur versucht, die Leute zu verarschen, har, har, har! 🙂 ) Aber liebe Freunde bei Smava, wir können es ja mal anderes herum probieren: Ihr könnt mir gerne die 10.000 Ocken auf mein Konto überweisen, die Daten habt ihr ja noch. Anschließend fülle ich die Teilnahmebedingungen für mein “Geld-Geschenk” aus. Von mir aus können wir das auch gerne zu den gleichen Konditionen auf 100.000, 1.000.000, 10.000.000 oder 100.000.000 etc. Kreditsumme hochskalieren; je nach dem, was ihr so auf der Pfanne habt. Ich sag immer – zuviel kann die Kredit-Kohle eigentlich nicht sein – jedenfalls nicht bei den Minuszinsen. Gell? Vielen Dank!

(Ich vermelde die erfolgreiche Transaktion natürlich dann auch hier ganz groß und werbewirksam im Blog. Ganz großes Indianer-Ehrenwort von eurem Top-Influencer!)

EU-Parlament beschließt Urheberrechtsreform

Es ist schon einigermaßen lustig. Da gibt es einen höchst kontroversen Streit, der mit allen Argumenten (und allen Pseudo-Argumenten, Übertreibungen und Tatsachenverdrehungen; übrigens durchaus von beiden Seiten…)  über Monate hinweg ausgetragen wird, in aller Öffentlichkeit. In Diskussionsrunden, in Blogs, in Zeitungen, im Rundfunk, im Netz. Mit massivem Einsatz aller Lobby-Instrumente, mit Massen-Mails und angeblich oder tatsächlich auch mit Todes-Drohungen irgendwelcher durchgeknallter Eiferer.

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Und dann fällt die Entscheidung im EU-Parlamentin zweiter Instanz” nach all diesen Argumenten; vorgetragen ja jeweils von höchst respektablen Parteigängern: auf der einen Seite Verleger, Kreativschaffende und Gewerkschaften; auf der anderen Seite “Netzaktivisten”, Internet-Wirtschaftsverbandsvertreter, Verbraucherverbände, andere Kreativschaffende und natürlich auch (eher hinter den Kulissen…) die “Betroffenen”, also allen voran Google. Die Entscheidung fällt also in einem klaren Ergebnis zugunsten der “Pro-Providerhaftung und Pro-Leistungsschutzrecht”-Fraktion; ich referiere das und gebe wie immer als Netzautor meinen – wohlgemerkt aber auch als persönliche Meinung gekennzeichneten – Senf dazu ab; und wir (DLF Nova…) bekommen prompt eine Hörer-Zuschrift eines “Musikautors, Fachjournalisten, Buchautors” und offenbar auch Dozenten, der meint, ich würde in meiner Beurteilung der Kontroverse “falsche Schlüsse” ziehen.

Ich könnte vielleicht die Reklamation an die 226 EU-Parlamentarier weiterleiten, die mit “Nein” gestimmt haben, oder an die “Netzaktivisten”, Internet-Wirtschaftsverbände, Verbraucherverbände, andere Kreativschaffende oder Kommentatoren, die eben anderer Meinung sind. Ich selbst bin ja auch Kreativschaffender, und auch auch Gewerkschaftsmitglied – und in diesem Fall muss ich einfach sagen: Ich teile die Meinung meiner Gewerkschaft und meiner ansonsten hochgeschätzten Kollegen hier einfach nicht. Nach Auffassung des Hörerbriefschreibers sollten wir “als Journalisten hier eine eindeutigere Interessenslage haben.”

Es geht aber – mit Verlaub – gar nicht immer um die individuelle Interessenslage. Ich bin selbstverständlich VG-Wort-Mitglied und würde theoretisch (praktisch glaube ich eher nicht…) von der beschlossenen Reform profitieren – und trotzdem halte ich die für falsch. Auf der Payroll von Google stehe ich auch nicht. Wahnsinn, was? Ein “erheblicher” Mangel an Expertise, wie vom Hörermail-Autor vermutet, liegt bei mir auch nicht vor – mit einer kleinen Google-Suche 🙂 hätte er bestimmt auch schnell herausgefunden, dass ich kein “einfacher Korrespondent, der seine Meinung kund tut” bin, sondern schon ein Weilchen über Netzthemen berichte – tendenziell sehr kritisch gegenüber Google, Facebook und Konsorten.

Vielen Dank in diesem Zusammenhang für die Aufklärung über die Monetarisierung von Google durch unsere User-Daten – da hab ich ja noch nie etwas drüber gehört. 🙂 Das Problem ist nur, dass der Hörerbriefschreiber – genau wie die Apologeten der Verleger-Seite (wobei das bei FAZ-Angestellten klar ist, dass sie das Lied ihres Brötchengebers singen müssen, während ich als ÖR-Beschäftigter einigermaßen gut pfeifen habe…) – stocksteif nur bei der einen, der eigenen “Interessenslage” geschuldeten Sichtweise bleibt. Ich habe in der Sendung die Frage aufgeworfen, ob es denn eigentlich einen Anspruch auf die kostenfreie Dienstleistung “aufgelistet werden in einer Internet-Suchmaschine” geben kann.

Der Hörermail-Verfasser wendet den Aspekt “kostenfreie Dienstleistung” prompt wieder in die Gegenrichtung und merkt an:

“Ganz genau! Google News nutzt die Lead-Sätze/Teaser-Texte und schafft dafür für sich einen Mehrwert. Es gibt Erhebungen, dass Google News-User gar nicht mehr auf die Seiten der Zeitungen/Contentanbieter gehen, sondern sich nur die Kurzversionen durchlesen. Damit ist der Vorteil von Google & Co schon hinweg.”

Entschuldigung – trotz des Dauerfeuers in der von mir geschätzten und abonnierten FAZ erschließt sich mir immer noch nicht, wie denn die angebliche unmittelbare Mehrwert-Schaffung bzw. der Content-Diebstahl hier aussehen soll – bei Google News schaltet Google ja eben keine Werbung. Dass es mittelbar einen gewissen Mehrwert allein schon durch die Datenauswertung der Google News nutzenden User gibt, ist mir mit meiner vorhandenen Expertise 🙂 durchaus klar. Dass es Leute geben mag, denen das Lesen von Überschrift und Teaser (“Kurzversionen” -:) ) reicht, mag ja sein – aber das ist natürlich eher ein tragischer Kulturverfall als ein Problem von Google. Das sind aber dann eben Leute, die das eigentliche Qualitätsprodukt auf den Verleger-Seiten eh nicht mehr lesen und die Seiten eh nicht mehr ansteuern.

Meiner Meinung nach ist das Verhältnis zwischen Content-Produzenten (sowohl private als auch geschäftliche…) und Google eine Symbiose, und zwar eine höchst heikle – das ist mir völlig klar. Ob die vollkommen austariert ist – keine Ahnung. Ich bin da ja eigentlich eher radikal und habe immer dafür plädiert, das furchtbar nervende Internet-Geschäftsmodell “Werbung” mit dem absolut problematischen Deal “Daten gegen Pseudo-Gratis-Dienste” aufzugeben. Leider sieht das die Masse der User anders.

Ich selbst befürworte den Einsatz von Werbeblockern, ich würde mir wünschen, dass andere Geschäftsmodelle – Content-Flatrates, Pay-Modelle funktionieren; ich selbst abonniere nach wie vor diverse Zeitungen samt Online-Ausgaben, obwohl ich die auch “gratis” im Sender lesen könnte; leider sieht das die Masse der User anders – und liest eben überhaupt keine Artikel mehr, sondern bestenfalls noch eine Überschrift oder einen Clickbait-Teaser und drückt dann mit letzter Kraft auf den “like”-Button. 🙂 Solche Leute kommen aber eh nicht mehr auf die Seiten der “Qualitätsjournalismus”- Anbieter – wobei ja ulkigerweise das Haus Axel Springer am lautesten jammert 🙂

Aber ist Google für diesen Kulturwandel verantwortlich? Ich glaube nicht. Das Pech für die Verleger ist nur, dass ihr angestammtes Finanzierungsmodell – eben das Schalten von Werbung, von Anzeigen den Bach runter geht bzw. jetzt in anderen Kanälen stattfindet. Das Glück von Google ist, dass das Schalten von Werbung insgesamt immer noch funktioniert – trotz aller Fragwürdigkeiten in Bezug auf die Wirksamkeit, trotz aller Manipulation wie Clickbait und Klickbetrug; und trotz meines eingeschalteten Werbeblockers. 🙂

Aber jetzt noch mal mein Argument: Wieso glauben denn Verleger und andere Akteure im Netz, dass die bislang immer kostenfreie Dienstleistung von Google, sie bzw. ihre Webseiten auffindbar zu machen, auch für immer kostenfrei bleiben muss? Die Akteure bezahlen doch auch teures Geld für SEO-Maßnahmen und ggf. natürlich auch für Werbe-Kampagnen; die Auffindbarkeit ist absolut existenziell für ihr Geschäftsmodell. Wie ich schon in der Sendung gesagt habe – wenn Google als Monopolist mit einer radikalen Auslistung von allen Kohle-Anforderern drohen würde, wäre das vielleicht wettbewerbswidrig. Aber wieso sollte nicht Google von allen kommerziellen Akteuren eine kleine Gebühr für das Auflisten im Suchindex fordern dürfen, eventuell zufällig in gleicher Höhe wie die anders herum verlangten Leistungsschutzrechts-Abgaben? 🙂

Das mal so als meine selbstverständlich völlig “expertiselose und uninteressante” Meinung. Aber die Schlacht ist ja eh geschlagen. Warten wir mal ab, was die Trilog-Besprechungen aus dem Quark noch machen. Notfalls tröstet mich ja meine nächste VG-Wort-Abrechnung 🙂

Was die Urheberrechtsreform der EU für das Netz bedeuten könnte

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 13.09.2018 (Moderation: Till Haase)

Sicherheit mit Kollateralschäden: “https” macht Probleme in Entwicklungsländern

Klar, https ist eine gute Sache. Das Protokoll fängt jede Menge potentieller Internet-Gefahren ab, vom Surfen im offenen WLAN bis hin zum Mitlauschen von Geheimdiensten (vorausgesetzt, die haben nicht ihr gefälschtes Zertifikat irgendwo in den Vertrauens-Schlüsselbund geschmuggelt – wovon man im Zweifelsfall ausgehen darf 🙂 – für den Anwender ist es ohne jeden Mehraufwand, für den gewerblichen Content-Anbieter eine kleine Fußnote im IT-Gesamtpaket, und für den Blogger eine Frage des inneren Schweinehundes. Tja, ich hab’s ja zugegebenerweise auch immer noch nicht gemacht mit der SSL-Umstellung, obwohl Chrome meine völlig unverdächtigen Seiten seit kurzem als unsicher bemosert.

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Aber keine Frage, es gibt überhaupt nichts einzuwenden gegen https – dachte ich bislang auch. Das ist allerdings eine Mainstream-Sicht aus der Perspektive eines gut ans Netz angebundenen Normal-Surfers oder Protokoll-Entwicklers. Im hintersten Uganda, an einer Schule mit teurem, langsamen und fehlerträchtigen Satelliten-Internetzugang kann das ganz anders aussehen, berichtet Eric Mayer. Da war nämlich bislang ein Proxy bzw. Cache zwischen den “Originalseiten” und den Browsern seiner Schüler das Mittel der Wahl – aber seit der allgemeinen Umstellung auf https mag sich keine Website mehr einfach so zwischenspeichern lassen – technisch gesehen ist der Proxy schließlich ein “böser” “Man-in-the-Middle”.

Die an sich vorgesehene Ausnahme-Lösung funktioniert dummerweise nur auf neuen Rechnern mit aktuellen Browsern. Fazit: Die neugewonnene Sicherheit bringt kleine, oder eben doch recht gravierende Kollateralschäden mit sich – für die Leute “fernab von unseren Datencentern und unseren Gedanken”.

Hypertext Transfer Protocol Secure: “https” ist nicht immer gut · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 20.08.2018 (Moderation: Diane Hielscher)

Facebook: Die Entscheidung über Politiker-Posts übernimmt die Zentrale

Man könnte fast schon Mitleid bekommen mit Facebook. Denn auseinanderzuhalten, welche User-Posts ok sind und welche nicht, das ist auch mit den schönsten Content-Richtlinien immer wieder eine Gratwanderung. Wenn Einträge online gehen, die nach US-amerikanischem Recht zulässig wären und unter die am Stammsitz des Social Networks sehr weit gefasste Meinungsfreiheit fielen, dann schreit vielleicht der Justizminister eines unbedeutenden Zwergstaates irgendwo auf der Welt Zeter und Mordio und droht mit empfindlichen Geldstrafen und Zwangsmaßnahmen 🙂 .

Aber zum Glück muss Mark Zuckerberg die heikle Arbeit ja nicht selbst machen, sondern kann sie aus der immer noch prall gefüllten Geldbörse an mau bezahlte Hilfskräfte weitergeben. Für den “einfachsten” und schlimmsten Job – das Aussortieren von exzessivster Gewalt und Kinderpornografie – zahlt Facebook “logischerweise” am wenigsten; das Begutachten von Texten erfordert hingegen schon eine höhere und vor allem muttersprachliche Qualifikation – dafür gibt es dann in einem jungen, hippen Team im schönen Berlin glatte 1400 Euro monatlich zu verdienen; ggf. plus Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit.

Und ein weiterer Bonus ist drin, wenn ein(e) Content-Moderator(in) bei der Entscheidung “Löschen oder stehen lassen” überproportional oft richtig lag. Knifflige Fälle, etwa nach “Zensur!”-Protesten von hochrangigen Politikern, übernimmt die Zentrale. Der Bericht von “Zoltan” auf der ungarischen Website 444.hu ist auch über den Umgang mit dem Video des Fidesz-Kabinettchefs Janos Lazar hinaus interessant – so reichen offenbar subtile Umformulierungen aus, die Facebook-No-Go-Kriterien zu umschiffen und die beabsichtigte Botschaft doch noch recht unmissverständlich ans Volk zu bringen.

Facebook Moderator: Posts von ungarischem Kabinettschef bleiben unangetastet · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 15.08.2018 (Moderation: Till Haase)

Social Science One: Facebook-Daten für Wissenschaftler

Die großen Social Networks sind keine Wohltätigkeitsveranstaltungen, sondern kommerzielle Unternehmen. Und trotzdem – das eigentliche Kapital eines solchen Unternehmens; die User nämlich, deren Aktionen und deren Beziehungen untereinander sind nicht nur für Werbekunden höchst interessant, sondern auch für Wissenschaftler. Aus Social-Media-Daten lassen sich Erkenntnisse über politische Vorlieben und soziologische Fakten ablesen, aber auch über Ernährungsgewohnheiten oder Grippeepidemien – ein auch nur annähernd vergleichbares Datenmaterial war bis vor ein paar Jahren schlichtweg nicht verfügbar.

Wie die anderen Plattformen hat Facebook auch bislang schon Wissenschaftlern zuweilen Zugriff auf seinen Datenschatz eingeräumt – allerdings zum einen mit gewissen Einschränkungen und Bedingungen, zum anderen mit wenig Fortune bei der Kontrolle dieses Zugriffs; der Fall Cambridge Analytica hat sich bekanntlich zu einem ausgewachsenen Desaster für die Zuckerberg-Truppe entwickelt – und zum Auslöser einer gewaltigen Goodwill- und Transparenz-Offensive.

In die passt auch der neue Ansatz zum Datenzugang für Wissenschaftler – der soll nun über eine unabhängige Forschungskommission ablaufen. „Social Science One“ ist dabei nicht nur Vermittler zwischen dem Social Network und interessierten Forschern, dem Gremium steht sogar ein ganz ansehnlicher Fördergeldtopf und ein Peer-Review-Pool zur Verfügung; für die Auswahl unterstützungswürdiger Projekte hat man Berater in aller Welt rekrutiert, u.a. auch an deutschen Universitäten.

Social Science One: Facebook lässt Wissenschaftler an Daten · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 12.07.2018 (Moderation: Diane Hielscher)

Alles nur geklaut: Instagram-Influencer täuscht Anhänger

Dass man auf Instagram den eigenen Glamour-Faktor notfalls ein bisschen nachpoliert, liegt in der Natur der Sache. Für eine Posing-Plattform, auf der die Message nun einmal primär über schmucke Bilder herüberkommt, ist Photoshop ein legitimes Mittel der Wahl: Mal den Himmel etwas blauer machen, als er eigentlich war; mal den eigenen Teint etwas glatter und gebräunter – absolut in Ordnung. Mal ein Objekt oder vielleicht sogar eine Person wegretuschieren, die nicht so schön ist wie das übrige Setting oder wie man selbst 🙂 – das kann man notfalls auch noch durchgehen lassen. Aber sich selbst in fremde Szenerien hineinzufaken, kommt bestensfalls als Gag oder eben in einem ganz privaten Account in Frage.

Wenn man hingegen wie Daryl Aiden Yow aus Singapur als professioneller Fotograf und Filmer auftritt, wen man über die geposteten Bilder nicht nur sich selbst, sondern auch technisches Equipment featured – was wiederum von Promotion-Partnern entsprechend honoriert wird – dann sind die Maßstäbe logischerweise etwas strenger. Stock-Fotos als eigene ausgeben reicht da schon als Credibility-Killer – so dürfte beispielsweise ein Kamera-Hersteller wie Sony nicht besonders erfreut sein, wenn sich sich ein beworbenes Motiv als in Wirklichkeit mit einer Nikon aufgenommen herausstellt.

Und Fotos einfach von wildfremden Netz-Accounts klauen? Wird immer mal wieder gerne gemacht, fällt aber trotz Photoshop-Manipulation auch immer mal wieder am Ende auf.  Es ist halt wirklich verführerisch mit den schnellen, einfachen und lukrativen Ruhm im Netz – und vielleicht will das Follower-Volk ja auch betrogen werden 🙂 …

Instagram-Fake: Influencer täuscht Anhänger · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 22.06.2018 (Moderation: Till Haase)

EU-Datenschutzgrundverordnung: Last-Minute-Aktionen, Erpressung und Resignation

Ich habe ja meine Impressum/Datenschutz-Seite auch erst vor zwei Tagen angepasst, wobei ich natürlich meinen unheimlich lustigen und lockeren Duktus beibehalten hab, den ich dort bislang auch schon gepflegt hatte. Damit erfülle ich die Anforderungen der DSGVO in Hinsicht auf “verständliche Sprache” selbstredend viel besser, als die gutgemeinten Muster-Datenschutzerklärungen, die es jetzt im Netz so gibt und in denen aber noch viel herumgeschwurbelt wird a la “unser Unternehmen ist selbstverständlich bemüht, Ihnen ein ganz tolles datenschutzkonformes Benutzererlebnis beim Besuch unserer Special-Interest-‘Perverse’-Sexpraktiken-sind-total-ok-Website” zu liefern. 🙂

Muster-Datenschutzerklärungen “einfach so” unverändert zu übernehmen, zeugt vielleicht von gutem Willen, ist aber andererseits Wasser auf die Mühlen von Abmahnanwälten. Denn deren schon immer ziemlich “gefickt eingeschädelte”/völlig absurde Argumentationsfigur ist ja: Der Datenschutz-Delinquent hat den (auch finanziellen…) Aufwand gescheut, einen datenschutzkonformen Webauftritt zu generieren – und sich damit einen wettbewerbsrechtlichen Vorteil gegenüber unseren ach so gesetzestreuen Auftraggebern verschafft. Ich schätze mal, dass es wahrscheinlich schon ein paar Anwalts-Arschlöcher geben wird, die auf diese Weise versuchen werden, etwas Kohle abzuzocken.

Das Abmahn-Business beruhte ja immer schon zu einem Gutteil auf Bluff – auf jeden Fall liefert die DSGVO keinerlei neue Aspekte für wettbewerbsrechtliche Ansprüche oder Abmahnungen – rein datenschutzrechtliche Verstöße dürfen nur Behörden oder zugelassene Verbände bemängeln. Wer also tatsächlich in nächster Zeit ein entsprechendes Schreiben oder eine entsprechende Mail von einem Anwalt erhält, sollte relativ gelassen bleiben und sich erst mal informieren – mit allergrößter Wahrscheinlichkeit ist die Abmahnung missbräuchlich, das behauptete Wettbewerbsverhältnis und der angeblich erzielte Wettbewerbsvorteil gar nicht existent. Einfach nicht reagieren ist leider wie immer aufgrund der juristischen Automatismen auch keine gute Idee.

Ich habe in der Sendung gesagt: “Keine Panik.” Bei Fotografen – und generell halt bei allen, die Fotografien von anderen Personen online veröffentlichen – da bin ich mir allerdings auch noch nicht ganz sicher. Sind die bislang gültigen “Privilegien”, die wohlgemerkt Fotografen überhaupt erst ermöglichen, Aufnahmen mit irgendwelchen – auch zufällig oder beiläufig abgebildeten Personen – ins Netz zu stellen, weiterhin gültig? Oder “toppen” die Vorschriften der DSGVO die bislang gültigen “Privilegien”? Nach gesundem Menschenverstand dürfte das “eigentlich” nicht sein. Eigentlich. 🙂

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Noch mal ganz klar: Die DSGVO ist natürlich nicht dazu eingeführt worden, um uns Normal-Usern Probleme zu bereiten. Sondern um den “Big Playern” in den Arsch zu treten. 🙂 Max Schrems, der Facebook-Nerver und mittlerweile Chef bei der Datenschutz-NGO-Gruppe “NOYB” (die ich übrigens finanziell unterstütze, das mal als Disclaimer…) hat direkt kurz nach Mitternacht losgelegt und gegen die “Friss-Vogel-oder-stirb-Datenschutz-Policy“, die gegen das “Koppelungsverbot” der DSGVO verstößt, Einspruch eingelegt.

EU-Datenschutzgrundverordnung · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 25.05.2018 (Moderation: Till Haase)

US-Gericht: Trump darf keine Twitter-Follower blocken

Ich selbst, das ist kein Geheimnis, bin ja eher kein großer Fan von Donald Trump. Von daher bin ich natürlich auch kein Follower von @realdonaldtrump; in dem speziellen Fall schafft da schon allein die semantische Konnotation (“Führer, wir folgen dir”…) eine definitive No-Go-Condition – obwohl man das aus journalistischem Interesse auch alles viel pragmatischer sehen könnte. Wobei ich selbstredend die härtesten Kracher aus der Zwitscher-Tastatur des “Orange One” auch so mitbekomme, wenn Kollegen darüber berichten – und die Timeline des Präsidenten-Darstellers angucken kann ich ja auch eh.

Nur reagieren auf Trumps Tweets, direkt in seiner Timeline, kann ich so natürlich auch nicht; aber das wäre wahrscheinlich vom journalistischen Neutralitäts-Standpunkt her eh keine gute Idee – wobei, hier in meinem privaten Blog bin ich ja auch nicht neutral. Das ist aber wiederum mein privater digitaler Raum, wo ich die Regeln setze. Schwierige Abwägungen – und genau darum ging es eben auch beim juristischen Streit um die Frage: Ist @realdonaldtrump ein privater Account oder ein öffentliches Forum der US-Regierung? Natürlich letzteres, hat eine US-Bundesrichterin jetzt entschieden und der Klage von Beschwerdeführern stattgegeben, die nicht hinnehmen wollten, vom POTUS (bzw. seinem PR-Team…) wegen ihrer unliebsamen Tweets oder Meinungen einfach “geblockt” zu werden.

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Ein sehr interessanter Aspekt, darauf haben Experten bei Wired hingewiesen, ist die Frage nach der eventuellen Übertragbarkeit des Richterinnenspruchs auf andere Streitfälle von digitalem Hausrecht und “Aussperrung”. Aber es gibt ja noch einen weiteren Riesen-Knackpunkt: Unzweifelhaft (wie im Fall von @realdonaldtrump…) oder auch diskutierbar öffentliche digitale Foren laufen nicht auf eigenem Webspace und eigenen Domains, sondern auf privaten Plattformen – eben auf Twitter oder Facebook, bei Google oder Apple. Und theoretisch oder eben auch praktisch können die privaten Plattformen jeden dieser Accounts von heute auf morgen abschalten, weil da angeblich oder vermeintlich gegen die TOS verstoßen wurde.

Und nicht jeder Betroffene kann wie der Präsidenten-Darsteller im Weißen Haus im Zweifelsfall den Secret Service oder die Ledernacken losschicken, um einem herumzickenden linksintellektuellen Verhökerer des digitalen Raumes ein paar behutsame Denkanstöße zu geben.

Trump darf keine Follower blocken · Dlf Nova

Deutschlandradio Nova – Hielscher oder Haase vom 24.05.2018 (Moderation: Till Haase)

Zuckerberg vor EU-Parlamentariern: Schaulaufen ohne Erkenntniswert

Am Vortag hatte es das übliche Aufplustern gegeben: Die Zustimmung von Mark Zuckerberg, die Anhörung dann doch nicht hinter verschlossenen Türen ablaufen zu lassen, zeige die Bedeutung und auch die Macht der EU, hatten sich mehrere Parlamentarier gefreut; “Druck wirkt” hatte Sven Giegold von den Grünen getwittert.

Aber der Facebook-Boss hatte da offenbar schon einen cleveren Deal mit Parlamentspräsident Tajani geschlossen: Die Befragung sollte öffentlich sein, nämlich per Livestream übertragen werden, aber dafür nicht im schnöden Frage-und-Antwort-Wechsel (womöglich mit sofortigem Nachbohren…), sondern hübsch getrennt: Erst alle Fragen en bloc, dann Antworten nach eigenem Gusto und a la carte.

Und da war die gute Laune von Sven Giegold logischerweise auch wieder verflogen:

Tja, so schnell kann das gehen. 🙂 Ein extrem entspannendes Arrangement also für Mark Zuckerberg, der nun einfach aus seinem gut einstudierten Statement-Fundus rezitieren konnte – und dann, da viele der Fraktionschefs die knapp bemessene Zeit für eitle Selbstdarstellung verballert hatten, anstatt auf den Punkt zu kommen – dann blickte der Facebook-Boss einfach ganz trocken auf die Uhr. Time over, der Flieger wartet. Schließlich hatte er ja eh nur auf der Durchreise zum Technologiegipfel in Paris einmal kurz vorbeigeschaut. Und die noch offenen Fragen würden nachträglich schriftlich beantwortet, ganz großes Indianerehrenwort.

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Ob das jetzt also wirklich die große Machtdemonstration des Europäischen Parlaments war, das erscheint sehr fraglich. Und angesichts der doch sehr unterschiedlichen Positionen und Interessen der verschiedenen politischen Fraktionen gegenüber Facebook – die waren nämlich durchaus auch atmosphärisch spürbar bei der Anhörung: Dass die Vorsitzenden nun wissen, “dass es keinen Sinn macht, mit diesem Unternehmen zu reden, sondern dass sie zu scharfer Regulierung greifen müssen” – diese Sichtweise von Jan-Philipp Albrecht scheint mir auch reichlich “optimistisch” 🙂 Die Rechtspopulisten z.B. werden sich trotz ihrer “Zensur”-Vorwürfe an Facebook hüten, ausgerechnet das Medium ernsthaft zu beschädigen, das sie zur Ansprache und Mobilisierung ihrer Klientel so dringend brauchen wie die Luft zum Atmen.

Noch mal “tja”: Nigel Farage konnte seine Message wenigstens fokussiert rüberbringen – und bekam sogar eine Antwort von Mark Zuckerberg (der ja wie die meisten seiner Silicon-Valley-Kollegen im nicht allzu facettenreichen US-Politspektrum eher im demokratischen als im republikanischen/populistischen/Trump-freundlichen Lager zu verordnen ist…):

Entscheidungen darüber, welche Inhalte erlaubt sind oder wie sie gerankt werden auf Basis der politischen Orientierung zu treffen – das haben wir nie getan, und das werden wir auch nie tun.

 

Zuckerberg vor EU-Parlamentariern · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 23.05.2018 (Moderation: Till Haase)

 

Das Desaster hatte sich “ein Stück weit” bereits am Dienstag morgen angekündigt:

Europäisches Parlament: Zuckerberg gegen die EU · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 22.05.2018 (Moderation: Till Haase)

Tidal soll Streamingzahlen gefälscht haben

Es läuft etwas gewaltig schief beim Musikstreaming-Dienst Tidal, und das schon seit geraumer Zeit – das ist jedenfalls das Bild, das beim Blick auf die Berichterstattung der norwegischen Finanz- und Wirtschaftszeitung Dagens Næringsliv entsteht. Nun ist die Dagens Næringsliv erstens keine Klitsche oder Gossip-Schleuder, und zweitens gibt es auch für die sehr hartnäckige und intensive Berichterstattung der Zeitung ausgerechnet über den Streamingdienst des Rappers Jay Z einen ganz naheliegenden Grund: Tidal hat ja norwegische Wurzeln; höchstwahrscheinlich sind weiterhin eine Reihe von Mitarbeitern der übernommenen Firma Aspiro an Bord – und aus diesem Kreis dürfte die Dagens Næringsliv mit allergrößter Wahrscheinlichkeit seit jeher die Insiderinformationen gesteckt bekommen haben.

Ende letzten Jahres hatte die Zeitung Details über die wirtschaftliche Situation von Tidal vermeldet – die Abonnenten- und Streamingzahlen seien weiterhin viel zu gering, um aus der Verlustzone herauszukommen und zu den Big Playern wie Spotify aufzuschließen, Tidal gehe schlicht und ergreifend in sehr absehbarer Zeit das Geld aus. Die jüngste Veröffentlichung von Dagens Næringsliv ist noch einmal deutlich brisanter – wirtschaftlicher Misserfolg ist eine Sache; Manipulation von Streamingzahlen, Bereicherung und Betrug eine ganz andere. Tidal weist die Vorwürfe empört zurück – das dürfte wohl ein Fall für die Staatsanwaltschaft werden.

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Bleibt ein kurzer Blick auf die berühmte Überlegung “cui bono”. Szenario eins: Die Daten auf der von Dagens Næringsliv präsentierten Festplatte sind gefälscht (und zwar sehr aufwendig und wiederum mit immensem Insiderwissen…), das Ganze ist eine Racheaktion von Mitarbeitern oder der Versuch, Tidal sturmreif zu schießen, als Konkurrenten auszubooten oder billig zu übernehmen. Szenario zwei: Die Manipulation ist tatsächlich so passiert, Tidal steht das Wasser tatsächlich bis zum Hals und die Abzocke ist irgendwie der Versuch, vor der Pleite oder dem Notverkauf noch etwas Saft aus dem Laden zu pressen.

Wenn man die Meldungen der letzten Jahre noch einmal Revue passieren lässt – die gescheiterten Verkaufsgespräche mit Apple  oder Samsung  (die wohl nach einem intensiven Blick auf die Zahlen von Tidal und die Preisvorstellung abgewunken haben…), die Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Engagements von Sprint, die seit jeher ständigen Querelen um Streaming-Zahlen und Ausschüttungen, am prominentesten vom möglicherweise ja jetzt “entschädigten” Jay Z-Buddie Kanye West, dann die Vorwürfe der Tidal-Gründer an die Vorläuferfirma, deren Zahlen hätten schon nicht gestimmt und man selbst sei bei der Übernahme übers Ohr gehauen worden – dann kommt man schon irgendwie ins Grübeln.

Immerhin; sollten sich die Manipulationsvorwürfe bestätigen: Ein als Betrüger ertappter Gangster-Rapper hat im Gegensatz zu einem Automobilmanager oder Banker wenigstens ein dickes Plus – seine Street Credibility geht wieder rasant nach oben 🙂

Musikstreaming: Tidal soll Abrufzahlen gefälscht haben · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 11.05.2018 (Moderation: Till Haase)