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Antisemitische Schmierfink-Kampagnen von Facebook? Blödsinn!

Jetzt ist mal Schluss. Mit dem Quatsch.

Ich bin ja wirklich nicht im Verdacht, irgendwie Fan von Facebook zu sein; da kann man einfach mal meine diversen Beiträge zu dem Laden Revue passieren lassen. Ich bin aus gutem Grund nicht selbst bei dem Verein angemeldet (bis auf einen uralten Gag-/Testaccount, der bezeichnenderweise niemals von Facebook gelöscht worden ist; trotz des offensichtlichen Fake-Usernamens und der Null-Interaktion; soviel zur Relevanz der Userzahlen  🙂  ) Facebook ist für mich die Nummer eins im No-Go-Datenabgreif- und Privacy-Schändungs-Konzept dieser modernen Zeiten – bei dem die User ja bereitwillig mitmachen; insofern sind die Alarmrufe von Bedenkenträgern wie mir ja auch vielleicht einfach eine Minderheitsposition.

Ich habe am 16.11. über den NYT-Artikel berichtet, in dem die PR-Strategie von Facebook beleuchtet wurde – eine offensive “Gegenangriffs-Strategie” als Reaktion auf den vielfältigen Gegenwind, dem Facebook beginnend mit der Cambridge-Analytica-Affäre ausgesetzt war. Dass die “Kotau/wir haben verstanden” – Geste von Mark Zuckerberg auch nur eine Geste oder vielleicht nur ein Fake war: geschenkt. Aber jetzt noch mal zu den Fakten der PR-Kampagne zurück: Der “Multimilliardär und Philantrop” (nein, nicht Mark Zuckerberg, sondern George Soros) hat sich diverse Male, z.B. in Davos, äußerst kritisch zu Facebook (und Google…) geäußert und eine Regulierung bzw. Zerschlagung der Unternehmen gefordert.

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Danach soll dann Sheryl Sandberg Facebook-Mitarbeiter damit beauftragt haben, herauszufinden, “weshalb Soros die Tech-Unternehmen angegriffen habe und ob er daraus einen finanziellen Vorteil erzielen wollte“. Ist diese Idee vollkommen absurd? Nein. Herr Soros hat durchaus in den vergangenen Jahren/Jahrzehnten immer wieder diverse Kampagnen angeschoben; wir können es auch nennen: Meinungspositionen in den öffentlichen Raum gestellt; um daraus finanzielle Vorteile zu generieren. In ziemlich happigen Dimensionen; ein Multi-Milliardär-Vermögen und eine daraus resultierende nennenswerte philantropische Kapazität (die möglicherweise auch wieder eine politische Agenda verfolgt…) entstehen normalerweise nicht aus einer Kassierer-Tätigkeit bei Aldi.

George Soros ist Jude. Daraus; aus seinem Reichtum, und aus seinen vielleicht philantropischen oder vielleicht auch politisch motivierten Aktionen und Engagements erwächst natürlich sofort ein häßlicher Gegenpol: Antisemitismus. Gegen die aktuelle ungarische Regierung; leider auch gegen sehr populäre Positionen in der ungarischen Bevölkerung; vielleicht sogar eben gegen  die Mehrheitsmeinung dort lässt sich einiges argumentieren. George Soros hat das getan; die ungarische Regierung hat im Gegenzug die wohlfeile Antisemitimus-Karte gezogen; mittlerweile hat die Soros-Stiftung das Land verlassen.

Es gibt also, klarer Fall,  jede Menge antisemitische Angriffe gegen George Soros. Aber heißt das jetzt, dass jeder Angriff gegen George Soros antisemitisch ist? Das ist so totaler Bullshit, dass ich kotzen könnte. Mark Zuckerberg ist Jude. Sheryl Sandberg ist Jüdin. Wenn die beiden jetzt eine PR-Agentur beauftragt haben, die Journalisten mit Material darüber versorgen, dass George Soros eine angebliche Grassroot-Gruppe finanziell unterstützt haben soll, die gegen Facebook agitiert – ist das dann eine “antisemitische Schmierfink-Kampagne“? Bullshit!!

Noch mal mein Fazit: Facebook agiert nicht moralisch, sondern geschäftlich. Aber antisemitisch bestimmt nicht. Wie kann man nur auf so einen völlig abstrusen Quatsch kommen? Überdosis “political correctness”? Oder eben einfach das ungeprüfte “Stille Post”-Weitergeben von vereinfachten, verkürzten oder falschen anderen News-Quellen? Das ist dann im Resultat genau das, was unsere allseits beliebten Freunde (leider in dem Fall berechtigt…) als “Fake-News” taggen können.

New York Times wirft Facebook Meinungsmanipulation vor

„Delay, Deny and Deflect“ –  „Verzögern, abstreiten, ablenken“, hat die NYT am Mittwoch auf Seite eins einen Artikel über Facebook überschrieben; „Verzögern, abstreiten und ablenken“, das sei nämlich die Unternehmens- und Kommunikationsstrategie des Social Networks. Der Artikel ist ein richtiger Riemen. Wenn man ihn ausdruckt, sind das 20 Seiten Text. Mit über 50 Informanten hat die Zeitung gesprochen, die meisten davon sind ehemalige oder aktuelle hochrangige Facebook-Mitarbeiter, die wohlweislich anonym bleiben. Und das Bild, das in dem Artikel entsteht, ist äußerst kritisch: Facebook gehe nicht offen und ehrlich mit seinen vielen Problemen um, sondern versuche mit anrüchigen PR-Kampagnen die öffentliche Meinung zu manipulieren, so das NT-Fazit.

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Inzwischen hat Facebook, hat Mark Zuckerberg auf den Artikel reagiert. Und hat zumindest versucht, sich selbst und seine Geschäftsführerin Sheryl Sandberg aus der Schusslinie zu nehmen. Der vielleicht heikelste Punkt in dem NYT-Dossier war ja, dass Facebook eine PR-Agentur namens „Definers Public Affairs“ damit beauftragt haben soll, nicht nur das eigene Image möglichst reinzuwaschen, sondern quasi auch noch einen Gegen- oder Entlastungsangriff zu fahren: Facebook-Kritiker schlecht zu machen, und negative Stories über Konkurrenten zu lancieren.

Mark Zuckerberg hat in einer eiligst einberufenen Pressekonferenz gesagt, er selbst und auch Sheryl Sandberg hätten von solchen Aufträgen an die PR-Agentur nichts gewusst. Den Vertrag mit „Definers Public Affairs“ hatte Zuckerberg ja praktisch unmittelbar nach Veröffentlichung des NYT-Artikels gecancelt. Halten wir einmal fest – das Schlechtmachen von Konkurrenten (oder zumindest mal Ablenkungsmanöver a la “die haben aber auch Dreck am Stecken”…) sind völlig normal in der Welt der PR. Sie passen nur halt relativ schlecht in die Demuts-Message von Facebook “wir haben verstanden”.

Aber auch das nochmal: Die Vorstellung, Facebook würde und könne vorwiegend nach hehren moralischen Kriterien agieren, ist halt ziemlich naiv. (Keine Ahnung, ob Mark Zuckerberg das selbst glaubt, zuviel Gras geraucht hat oder ein totaler Zyniker ist… 🙂 ) Das versuchen vielleicht kirchliche Organisationen. Und selbst da klappt das ja nicht immer.

New York Times wirft Facebook Meinungsmanipulation vor

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 16.11.2018 – Moderation: Diane Hielscher

Facebook: Die Entscheidung über Politiker-Posts übernimmt die Zentrale

Man könnte fast schon Mitleid bekommen mit Facebook. Denn auseinanderzuhalten, welche User-Posts ok sind und welche nicht, das ist auch mit den schönsten Content-Richtlinien immer wieder eine Gratwanderung. Wenn Einträge online gehen, die nach US-amerikanischem Recht zulässig wären und unter die am Stammsitz des Social Networks sehr weit gefasste Meinungsfreiheit fielen, dann schreit vielleicht der Justizminister eines unbedeutenden Zwergstaates irgendwo auf der Welt Zeter und Mordio und droht mit empfindlichen Geldstrafen und Zwangsmaßnahmen 🙂 .

Aber zum Glück muss Mark Zuckerberg die heikle Arbeit ja nicht selbst machen, sondern kann sie aus der immer noch prall gefüllten Geldbörse an mau bezahlte Hilfskräfte weitergeben. Für den “einfachsten” und schlimmsten Job – das Aussortieren von exzessivster Gewalt und Kinderpornografie – zahlt Facebook “logischerweise” am wenigsten; das Begutachten von Texten erfordert hingegen schon eine höhere und vor allem muttersprachliche Qualifikation – dafür gibt es dann in einem jungen, hippen Team im schönen Berlin glatte 1400 Euro monatlich zu verdienen; ggf. plus Zuschläge für Nacht- und Wochenendarbeit.

Und ein weiterer Bonus ist drin, wenn ein(e) Content-Moderator(in) bei der Entscheidung “Löschen oder stehen lassen” überproportional oft richtig lag. Knifflige Fälle, etwa nach “Zensur!”-Protesten von hochrangigen Politikern, übernimmt die Zentrale. Der Bericht von “Zoltan” auf der ungarischen Website 444.hu ist auch über den Umgang mit dem Video des Fidesz-Kabinettchefs Janos Lazar hinaus interessant – so reichen offenbar subtile Umformulierungen aus, die Facebook-No-Go-Kriterien zu umschiffen und die beabsichtigte Botschaft doch noch recht unmissverständlich ans Volk zu bringen.

Facebook Moderator: Posts von ungarischem Kabinettschef bleiben unangetastet · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 15.08.2018 (Moderation: Till Haase)

Social Science One: Facebook-Daten für Wissenschaftler

Die großen Social Networks sind keine Wohltätigkeitsveranstaltungen, sondern kommerzielle Unternehmen. Und trotzdem – das eigentliche Kapital eines solchen Unternehmens; die User nämlich, deren Aktionen und deren Beziehungen untereinander sind nicht nur für Werbekunden höchst interessant, sondern auch für Wissenschaftler. Aus Social-Media-Daten lassen sich Erkenntnisse über politische Vorlieben und soziologische Fakten ablesen, aber auch über Ernährungsgewohnheiten oder Grippeepidemien – ein auch nur annähernd vergleichbares Datenmaterial war bis vor ein paar Jahren schlichtweg nicht verfügbar.

Wie die anderen Plattformen hat Facebook auch bislang schon Wissenschaftlern zuweilen Zugriff auf seinen Datenschatz eingeräumt – allerdings zum einen mit gewissen Einschränkungen und Bedingungen, zum anderen mit wenig Fortune bei der Kontrolle dieses Zugriffs; der Fall Cambridge Analytica hat sich bekanntlich zu einem ausgewachsenen Desaster für die Zuckerberg-Truppe entwickelt – und zum Auslöser einer gewaltigen Goodwill- und Transparenz-Offensive.

In die passt auch der neue Ansatz zum Datenzugang für Wissenschaftler – der soll nun über eine unabhängige Forschungskommission ablaufen. „Social Science One“ ist dabei nicht nur Vermittler zwischen dem Social Network und interessierten Forschern, dem Gremium steht sogar ein ganz ansehnlicher Fördergeldtopf und ein Peer-Review-Pool zur Verfügung; für die Auswahl unterstützungswürdiger Projekte hat man Berater in aller Welt rekrutiert, u.a. auch an deutschen Universitäten.

Social Science One: Facebook lässt Wissenschaftler an Daten · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 12.07.2018 (Moderation: Diane Hielscher)

Alles nur geklaut: Instagram-Influencer täuscht Anhänger

Dass man auf Instagram den eigenen Glamour-Faktor notfalls ein bisschen nachpoliert, liegt in der Natur der Sache. Für eine Posing-Plattform, auf der die Message nun einmal primär über schmucke Bilder herüberkommt, ist Photoshop ein legitimes Mittel der Wahl: Mal den Himmel etwas blauer machen, als er eigentlich war; mal den eigenen Teint etwas glatter und gebräunter – absolut in Ordnung. Mal ein Objekt oder vielleicht sogar eine Person wegretuschieren, die nicht so schön ist wie das übrige Setting oder wie man selbst 🙂 – das kann man notfalls auch noch durchgehen lassen. Aber sich selbst in fremde Szenerien hineinzufaken, kommt bestensfalls als Gag oder eben in einem ganz privaten Account in Frage.

Wenn man hingegen wie Daryl Aiden Yow aus Singapur als professioneller Fotograf und Filmer auftritt, wen man über die geposteten Bilder nicht nur sich selbst, sondern auch technisches Equipment featured – was wiederum von Promotion-Partnern entsprechend honoriert wird – dann sind die Maßstäbe logischerweise etwas strenger. Stock-Fotos als eigene ausgeben reicht da schon als Credibility-Killer – so dürfte beispielsweise ein Kamera-Hersteller wie Sony nicht besonders erfreut sein, wenn sich sich ein beworbenes Motiv als in Wirklichkeit mit einer Nikon aufgenommen herausstellt.

Und Fotos einfach von wildfremden Netz-Accounts klauen? Wird immer mal wieder gerne gemacht, fällt aber trotz Photoshop-Manipulation auch immer mal wieder am Ende auf.  Es ist halt wirklich verführerisch mit den schnellen, einfachen und lukrativen Ruhm im Netz – und vielleicht will das Follower-Volk ja auch betrogen werden 🙂 …

Instagram-Fake: Influencer täuscht Anhänger · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 22.06.2018 (Moderation: Till Haase)

EU-Datenschutzgrundverordnung: Last-Minute-Aktionen, Erpressung und Resignation

Ich habe ja meine Impressum/Datenschutz-Seite auch erst vor zwei Tagen angepasst, wobei ich natürlich meinen unheimlich lustigen und lockeren Duktus beibehalten hab, den ich dort bislang auch schon gepflegt hatte. Damit erfülle ich die Anforderungen der DSGVO in Hinsicht auf “verständliche Sprache” selbstredend viel besser, als die gutgemeinten Muster-Datenschutzerklärungen, die es jetzt im Netz so gibt und in denen aber noch viel herumgeschwurbelt wird a la “unser Unternehmen ist selbstverständlich bemüht, Ihnen ein ganz tolles datenschutzkonformes Benutzererlebnis beim Besuch unserer Special-Interest-‘Perverse’-Sexpraktiken-sind-total-ok-Website” zu liefern. 🙂

Muster-Datenschutzerklärungen “einfach so” unverändert zu übernehmen, zeugt vielleicht von gutem Willen, ist aber andererseits Wasser auf die Mühlen von Abmahnanwälten. Denn deren schon immer ziemlich “gefickt eingeschädelte”/völlig absurde Argumentationsfigur ist ja: Der Datenschutz-Delinquent hat den (auch finanziellen…) Aufwand gescheut, einen datenschutzkonformen Webauftritt zu generieren – und sich damit einen wettbewerbsrechtlichen Vorteil gegenüber unseren ach so gesetzestreuen Auftraggebern verschafft. Ich schätze mal, dass es wahrscheinlich schon ein paar Anwalts-Arschlöcher geben wird, die auf diese Weise versuchen werden, etwas Kohle abzuzocken.

Das Abmahn-Business beruhte ja immer schon zu einem Gutteil auf Bluff – auf jeden Fall liefert die DSGVO keinerlei neue Aspekte für wettbewerbsrechtliche Ansprüche oder Abmahnungen – rein datenschutzrechtliche Verstöße dürfen nur Behörden oder zugelassene Verbände bemängeln. Wer also tatsächlich in nächster Zeit ein entsprechendes Schreiben oder eine entsprechende Mail von einem Anwalt erhält, sollte relativ gelassen bleiben und sich erst mal informieren – mit allergrößter Wahrscheinlichkeit ist die Abmahnung missbräuchlich, das behauptete Wettbewerbsverhältnis und der angeblich erzielte Wettbewerbsvorteil gar nicht existent. Einfach nicht reagieren ist leider wie immer aufgrund der juristischen Automatismen auch keine gute Idee.

Ich habe in der Sendung gesagt: “Keine Panik.” Bei Fotografen – und generell halt bei allen, die Fotografien von anderen Personen online veröffentlichen – da bin ich mir allerdings auch noch nicht ganz sicher. Sind die bislang gültigen “Privilegien”, die wohlgemerkt Fotografen überhaupt erst ermöglichen, Aufnahmen mit irgendwelchen – auch zufällig oder beiläufig abgebildeten Personen – ins Netz zu stellen, weiterhin gültig? Oder “toppen” die Vorschriften der DSGVO die bislang gültigen “Privilegien”? Nach gesundem Menschenverstand dürfte das “eigentlich” nicht sein. Eigentlich. 🙂

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Noch mal ganz klar: Die DSGVO ist natürlich nicht dazu eingeführt worden, um uns Normal-Usern Probleme zu bereiten. Sondern um den “Big Playern” in den Arsch zu treten. 🙂 Max Schrems, der Facebook-Nerver und mittlerweile Chef bei der Datenschutz-NGO-Gruppe “NOYB” (die ich übrigens finanziell unterstütze, das mal als Disclaimer…) hat direkt kurz nach Mitternacht losgelegt und gegen die “Friss-Vogel-oder-stirb-Datenschutz-Policy“, die gegen das “Koppelungsverbot” der DSGVO verstößt, Einspruch eingelegt.

EU-Datenschutzgrundverordnung · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 25.05.2018 (Moderation: Till Haase)

US-Gericht: Trump darf keine Twitter-Follower blocken

Ich selbst, das ist kein Geheimnis, bin ja eher kein großer Fan von Donald Trump. Von daher bin ich natürlich auch kein Follower von @realdonaldtrump; in dem speziellen Fall schafft da schon allein die semantische Konnotation (“Führer, wir folgen dir”…) eine definitive No-Go-Condition – obwohl man das aus journalistischem Interesse auch alles viel pragmatischer sehen könnte. Wobei ich selbstredend die härtesten Kracher aus der Zwitscher-Tastatur des “Orange One” auch so mitbekomme, wenn Kollegen darüber berichten – und die Timeline des Präsidenten-Darstellers angucken kann ich ja auch eh.

Nur reagieren auf Trumps Tweets, direkt in seiner Timeline, kann ich so natürlich auch nicht; aber das wäre wahrscheinlich vom journalistischen Neutralitäts-Standpunkt her eh keine gute Idee – wobei, hier in meinem privaten Blog bin ich ja auch nicht neutral. Das ist aber wiederum mein privater digitaler Raum, wo ich die Regeln setze. Schwierige Abwägungen – und genau darum ging es eben auch beim juristischen Streit um die Frage: Ist @realdonaldtrump ein privater Account oder ein öffentliches Forum der US-Regierung? Natürlich letzteres, hat eine US-Bundesrichterin jetzt entschieden und der Klage von Beschwerdeführern stattgegeben, die nicht hinnehmen wollten, vom POTUS (bzw. seinem PR-Team…) wegen ihrer unliebsamen Tweets oder Meinungen einfach “geblockt” zu werden.

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Ein sehr interessanter Aspekt, darauf haben Experten bei Wired hingewiesen, ist die Frage nach der eventuellen Übertragbarkeit des Richterinnenspruchs auf andere Streitfälle von digitalem Hausrecht und “Aussperrung”. Aber es gibt ja noch einen weiteren Riesen-Knackpunkt: Unzweifelhaft (wie im Fall von @realdonaldtrump…) oder auch diskutierbar öffentliche digitale Foren laufen nicht auf eigenem Webspace und eigenen Domains, sondern auf privaten Plattformen – eben auf Twitter oder Facebook, bei Google oder Apple. Und theoretisch oder eben auch praktisch können die privaten Plattformen jeden dieser Accounts von heute auf morgen abschalten, weil da angeblich oder vermeintlich gegen die TOS verstoßen wurde.

Und nicht jeder Betroffene kann wie der Präsidenten-Darsteller im Weißen Haus im Zweifelsfall den Secret Service oder die Ledernacken losschicken, um einem herumzickenden linksintellektuellen Verhökerer des digitalen Raumes ein paar behutsame Denkanstöße zu geben.

Trump darf keine Follower blocken · Dlf Nova

Deutschlandradio Nova – Hielscher oder Haase vom 24.05.2018 (Moderation: Till Haase)

Mark Zuckerberg: Schlips- und Charme-Training vor Kongress-Hearing

Eins steht fest: Auf die Frage „Was ziehe ich morgens an?“ braucht Mark Zuckerberg, Gründer und Chef bei Facebook, keine Sekunde Nachdenken verschwenden. Irgendeine Jeans unten, und ein graues T-Shirt oben, fertig. An fehlendem Geld für etwas stylischere Klamotten liegt es ganz bestimmt nicht (auch Amazons Jeff Bezos pflegt ja den gleichen Look 🙂 ), der Multimilliardär ist halt so ziemlich der gleiche nerdige Student geblieben, der er schon bei der Gründung von Facebook war. Optisch, möglicherweise auch von der Denke. Alles ist ganz easy und unkompliziert, das ist die Botschaft.

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Momentan allerdings brennt bei Facebook die Hütte, und so übt Mark Zuckerberg wieder einmal Schlips und Anzug; und er übt auch, etwas un-nerdiger, seriöser, charmanter herüberzukommen, das berichtet die New York Times. Ein ganzes Heer von Kommunikationstrainern arbeite gerade daran, Zuckerberg so einigermaßen Politiker-kompatibel zu machen. Denn in der bevorstehenden Fragerunde im US-Kongress ist zuviel Lockerheit und Easy-Going nicht mehr angesagt, sondern eine gehörige Portion Kotau.

So nach dem Motto: Da ist etwas schiefgegangen, wir arbeiten daran, das wird nicht mehr vorkommen. In einer solchen Situation ist weder das neueste Update des Cambridge Analytica-“Whistleblowers” Christopher Wylie besonders hilfreich, die weitergegebenen Facebook-Userdaten könnten jetzt in Russland sein, noch die reichlich schräge “Sonderlöschfunktion” für verschickte Facebook-Messages, die sich Zuckerberg und ein paar andere Führungskräfte eingerichtet haben.

Aber bei aller hoffentlich gut einstudierter Betroffenheit und Reue: das eigentlich Schwierige für Mark Zuckerberg wird sein, nicht einzuräumen, was er natürlich am allerbesten weiß: Dass nämlich die angeblich skandalöse Datenweitergabe und die Manipulation der öffentlichen Meinung gegen harte Währung (im Zweifelsfall auch Rubel 🙂 …) keine Ausrutscher sind, sondern exakt das Kerngeschäft von Facebook. Bei dem – daran muss immer wieder erinnert werden – die User ja eifrig und bereitwillig mitmachen.

Facebook-Chef vor dem US-Kongress: Makeover für Zuckerberg · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 09.04.2018 (Moderation: Till Haase)

Überlebenshilfe für Smartphone-Zombies

Es gibt ja einige sarkastische Zeitgenossen, die halten das für einen ganz normalen evolutionären Selektions-Prozess, wenn manche ihrer Mitmenschen beim allzu eifrigen Pokemon erhaschen oder beim neue-Instagram-Likes-abchecken-im-Sekundentakt unter die Räder kommen oder in Flüsse, Seen und Abgründe stürzen. Die Forscher vom Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE sehen das gottlob nicht so rabenschwarz – sie haben sich vielmehr Gedanken gemacht, wie man die Überlebensrate der mit starrem Blick nach unten durch unsere Metropolen streifenden Multitasker verbessern kann.

Ihre Idee – drei tempoabhängige GUI-Varianten für alle Apps – klingt zunächst einmal etwas skurril, aber angesichts der faktischen Realität (die ja ebenso skurril ist…) doch ganz brauchbar und wahrscheinlich auch relativ leicht umzusetzen. Zumindest als Opt-In-Alternative (ähnlich der iOS-Funktion “beim Autofahren nicht stören”…) könnte ich mir gut vorstellen, dass der Vorschlag umgesetzt wird – Maßnahmen wie orange Warnlichter auf dem Boden oder eben doch ein drastisches Handy-Verbot für Fußgänger bleiben um ihre Bürger besorgten Stadtoberen ja völlig unbenommen. 🙂

Fußgänger & Handy: Größerer Text statt Unfall · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 06.03.2018 (Moderation: Till Haase)

US-Gericht: Private Facebook-Posts können Beweismittel sein

Es soll ja immer noch ein paar letzte Mohikaner auf der Welt geben, die Facebook nicht benutzen (ich zum Beispiel…), weil sie nicht ihre komplette Privatsphäre an Herrn Zuckerberg und die weltweite Werbe-Industrie rausrücken wollen. (Und dann gibt’s natürlich noch die junge Generation, die ihre Privatsphäre lieber woanders rausrückt…) Aber die Datenschutz- und Privacy-Bedenken sind selbstverständlich völlig übertrieben, da geht Facebook selbst ja in seiner immer noch laufenden Anzeigen-Kampagne ganz offensiv mit um.

„Keine Ahnung, wer meine Posts oder Bilder zu sehen bekommt.” – „Kontrolliere, wer was sieht.“

Soll heißen – was auf privat gesetzt wird, bleibt ja auch privat (abgesehen für Facebook selbst und die Werbeheini-Truppe dahinter 🙂 ); wer meine Postings, Messages oder Fotos zu sehen bekommt, das kann ich ja selbst bestimmen. Von wegen, sagt das Berufungsgericht der Vereinigten Staaten in einem schon recht lange laufenden Rechtsstreit. Wenn Informationen oder Kommunikationsdaten “relevant” sind für ein Gerichtsverfahren , dann können sie auch als Beweismittel herangezogen werden. Und dann muss ich (oder Facebook…) sie herausrücken.

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Nun ging es in dem anhängigen Rechtsstreit keineswegs um Schwerstkriminalität, Amoklauf oder Terrorismus. Sondern um einen Sturz vom Pferd (eine fachkundige Kollegin merkt hierzu an: Wer runterfällt, ist meist selbst schuld 🙂 …), um eine Schadensersatzforderung an den Pferdeeigner und um den Verdacht, die angeblich Geschädigte könnte die reklamierten Langzeit-Folgen übertreiben oder nur vortäuschen. Wie immer auch der Streit in der Sache ausgeht – den Claim aus den Anzeigen von Facebook können wir getrost dort hinstecken, wo Werbeversprechen hingehören.

Immerhin; etwas Facebook-Privacy haben die gestrengen US-Richter ja dann doch noch für angemessen gehalten: Sollten sich unter den “privat” geposteten Fotos solche mit nackter Haut und unter den Nachrichten solche mit “romantic encounters”, mit Liebes-Bezug befinden – die bleiben dem skeptischen und zahlungsunwilligen Pferde-Eigner dann doch verborgen. 🙂

USA: Private Facebook-Posts als Beweismittel · Dlf Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 15.02.2018 (Moderation: Till Haase)