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Plötzlich RAW: Ernste Probleme mit externen (WD MyBook)-Festplatten

Ich predige das ja seit Jahren – wenn Sie kein (zuverlässiges…) Backup von Ihren Daten haben, dann sind Ihre Daten schon weg. Die sind gar nicht da, obwohl Sie das vielleicht anders empfinden. Aber das ist eben nur eine Illusion – denn jede Festplatte, jede SSD kann innerhalb einer Sekunde – völlig legitimerweise – abrauchen; sich mit einem gravierenden Fehler verabschieden. Ohne Vorankündigung, im schlimmsten Fall ohne eine Chance, da noch irgendetwas zumindest teilweise zu retten. So weit, so schlecht.

Ich setze da ebenfalls seit Jahren auf eine Backup-Strategie mit einem NAS (Network Attached Storage) von Synology, mit Backups in der “Cloud”; bei Mozy und (vom NAS hochgeladenen Backups) bei Strato. Und was richtig große Dateien und die Images, die theoretisch und hoffentlich binnen Minuten auch praktisch rekonstruierbaren Abbilder meines Computersystems betrifft: Auf eine Strategie mit externen Festplatten – konkret mit Platten aus der Western Digital “WD MyBook”-Serie. Die theoretischen Pluspunkte: Die Platten bieten eine Hardware-Verschlüsselung – wenn also in meiner Bude eingebrochen wird und die Ganoven meine Festplatten mitnehmen, kommen sie trotzdem nicht an die abgespeicherten Daten. Irgendwelche Ermittlungsbehörden übrigens auch nicht. 🙂  (Wenn denn die proprietäre AES-Implementierung von WD tatsächlich keine Hintertür hat 🙂 …)

Angebunden sind die Laufwerke mit USB3 – an sich ziemlich schnell; möglicherweise aber auch sehr fehlerträchtig. Die nativen USB-Slots an einem Computer sind ja begrenzt – von der Anzahl her, und auch von den praktikablen Kabellängen. Meine “MyBook”-Batterie hängt also an einem USB3-Hub; und wahrscheinlich ist das schon das Problem. Der Computer (unter Windows 10 Professional/64Bit verliert nämlich mal gern die Verbindung zu den Laufwerken; dann macht es “Didadeldumm” für das Abziehen eines USB-Gerätes und danach wieder “Didadeldei” für das Mounten. Oder der Explorer schmiert ab oder das ganze System erstarrt in einer Ratlosigkeits-Schleife “Ja, wo ist denn das Laufwerk, das doch gerade noch da war?”

Schade nur, wenn währenddessen irgendeine Datentransferaktion stattfinden sollte – ein richtiger Kopiervorgang oder vielleicht nur irgendein an sich überflüssiges Index-Gerödel irgendeines subalternen Windows-Prozesses. Dann kann es nämlich passieren, dass eine noch ziemlich niegelnagelneue 8-TB große WD MyBook-Platte plötzlich als Laufwerk nicht mehr da ist und nur noch lauthals rumrödelt – weil Windows die plötzlich als “RAW”, also unformatiert erkennt und da panikartig nach irgendwelchen Inhalten sucht. Zum Glück habe ich ja noch einen Mac – ich schließe das Laufwerk dort an und puh – der Mac mosert über einen ernsthaften Fehler auf der Platte, den er auch nicht reparieren kann. Was er aber kann: weiterhin auf die Platte zugreifen. Ich kaufe mir also eine zweite niegelnagelneue WD-MyBook-Platte mit 8TB und kopiere auf dem Mac die Daten – das dauert zwei Tage; ein kleiner Klimmzug ist natürlich auch noch nötig, damit der Mac überhaupt NTFS schreiben kann.

So. Jetzt will ich natürlich auch noch die erste, niegelnagelneue Platte wiederbeleben, weil da ja offenbar kein furchtbarer Headcrash, sondern nur eine kleine Unstimmigkeit in der Partitionstabelle oder dem Inhaltsverzeichnis, dem Master File Table (MFT) vorliegt. Für so was ist normalerweise das tolle Tool “TestDisk” zuständig. Erster Versuch auf dem Mac: tut sich nix. Zweiter Versuch auf dem Windows10-System: tut sich nix. Dritter Versuch auf einem extra restaurierten Notebook mit einem frisch aufgesetzten Windows 7: tut sich nix. Laut testdisk-Anleitung und -Forum soll man mal “chkdsk /f” ausprobieren. Die Reparatur läuft drei Tage und Nächte. Zwischendurch tat sich nix mehr, bis ich einen USB-Stick einsteckte und das Notebook irgendwie wieder aufwachte – die Platte neu zu formatieren und die Daten vom Backup zurückzuspielen, wäre schneller gewesen. Aber irgendwann – oh Wunder – ist chkdsk tatsächlich durch, jetzt noch ein Reboot – und Wahnsinn, das MyBook samt Daten ist wieder da.

WD MyBook – externes Laufwerk mit Hardware-Verschlüsselung (Quelle: Western Digital)

Zwischendurch mal Szenenwechsel zu einer weiteren Platte; ein WD MyBook 4TB – da gingen irgendwann plötzlich keine Schreibzugriffe mehr – CRC-Fehler bzw. “Fehler beim Zugriff auf die Schattenkopien”. Ich kopiere die Daten auf andere Platten (Lesezugriff ging noch…) und versuche anschließend, das Ding per Neupartitionierung/Neuformatierung wiederzubeleben bzw. eventuell kaputte Sektoren auszublenden. Irgendwann verwandelt sich mein Rechner plötzlich in einen Zombie – der Explorer (also inklusive des Desktops…) schmiert ab und startet immer wieder neu, der Lautsprecher bimmelt in Sekundenabständen zu der Aufforderung, doch bitte eine Aktion für das Laufwerk “F” zu starten (das ist nämlich das Laufwerk, auf dem das AES-verschlüsselte WD-Laufwerk gemountet werden will…) Schade nur, dass ich gerade an einem Script für die Frühsendung schreibe und mir solche Kinkerlitzchen und Eigenmächtigkeiten absolut nicht in den Kram passen.

Die 4TB-Platte scheint aber wirklch hinüber zu sein, das WD-Check-Tool meldet “zu viele defekte Sektoren” – ok, das MyBook war ja auch ein paar Jahre alt, da kann es legitimerweise irgendwann abrauchen (s.o.). Ich kauf also noch ein neues 4TB-MyBook und spiel die gesicherten Daten zurück. Szenenwechsel, zurück zum 8TB-MyBook. Mittlerweile hängt das neu gekaufte Laufwerk an meinem Hauptrechner, die Daten von dem ersten 8TB-Laufwerk sind ja drauf; ich speicher da noch mal ein paar neue Daten drauf ab. Alles toll. Aber heute; nach ungefähr drei oder vier Tagen Einsatz, ist auch das neue MyBook 8TB plötzlich weg, wird von Windows nicht mehr erkannt. In der Datenträgerverwaltung wird die Platte als – na, Sie erraten es schon – “RAW” angezeigt. Und täglich grüßt das Murmeltier.

Ich bin ja wie gesagt ziemlich sicher, die Ursache zu kennen – die Anbindung von externen Platten über USB3 ist anscheinend nicht nur unter Windows 7, sondern auch unter Windows 10 äußerst fragil. Offenbar verschärft sich das Problem mit der Anzahl der gleichzeitig gemounteten Laufwerke; das 8TB-MyBook ist offenbar wesentlich sensibler oder labiler als die 3-oder 4TB-Modelle. Möglicherweise macht auch ein USB3-Hub, auch wenn er wie vorgesehen eine eigene Stromversorgung hat, noch mal Extra-Probleme. Vielleicht sind letztlich die Windows- oder WD-USB-Treiber fehlerhaft, denn auch Übertragungsprobleme sollten ja nicht dazu führen, dass die Inhaltsverzeichnisse, die MFTs oder Partitionstabellen von Laufwerken zerschossen werden. Um die Sache noch schlimmer zu machen:  Auch wenn ich ein MyBook-Laufwerk ohne USB-Connection-GAU mal prophylaktisch entfernen, “unmounten” will – das finktioniert nicht; da gibt es immer eine Fehlermeldung, wonach angeblich irgendein Prozess noch auf das MyBook zugreift.

Jetzt bin ich gerade etwas angepisst und etwas ratlos. Wir wollen ja demnächst auf den Mars fliegen – können wir vielleicht mal kurz vorher noch elementarste Computer-Probleme in den Griff bekommen?

Doxing-Affäre war wie erwartet Dummer-Jungen-Streich, bitte Hyperventilation jetzt einstellen

Der letzte, eigentlich vorgesehene Satz in meinem Script für das Netzreporter-Gespräch heute morgen lautete: “Ich persönlich tippe darauf, dass wir da relativ schnell etwas von den Ermittlungsbehörden hören werden.” Und dann kam beim Reingehen ins Studio die Eilmeldung: “Polizei hat Verdächtigen festgenommen”; SPON (und nicht die Witwenschüttler von BILD 🙂 , s.u.) hatte, so der Blick auf den Monitor dann im Studio, schon ein paar Details: Ein 20jähriger Schüler aus Mittelhessen (ein “Mittelhesse” 🙂 also…) war es offenbar, der die Republik für einige Tage in Schnappatmung versetzt hatte.

So richtig prophetische Gaben waren für meine Prognose nicht erforderlich – mit der Durchsuchung bei Jan Schürlein war ja schon klar, dass die Polizei da ziemlich sehr nah am Täter dran war – ich hätte jetzt auch ganz ehrlich gesagt meine Hand nicht ins Feuer gelegt dafür, wie eng da der Zeuge mit dem Urheber der Aktion verbunden war 🙂 und lege auch jetzt in Bezug auf eine eventuelle Mitwisser- oder Mittäterschaft noch nicht meine Hand ins Feuer; das soll man ja bekanntlich auch nie tun – selbst meine Sportreporter-Kollegen halten sich an diese Regel, auch wenn es in der 93zigsten Minute 3-0 steht 🙂

Aber wie dem auch alles sei – dass die ganze Aktion eine totale Luftnummer, ein lächerlicher “Heranwachsenden”-Streich (gottlob bringt das ja Ermäßigungen beim Strafmaß…) war, das war doch von Anfang an klar. Als die ersten Meldungen reinkamen, war ich gerade im Skiurlaub – aber ich hab direkt nach den anfänglichen Informationen gedacht: Das ist keine “Hacking”-Affäre, sondern der ganz normale Alltag – da hat sich bestenfalls jemand annähernd zielgerichtet die Mühe gemacht, die ganz normale Schlampigkeit bei den Passwörtern von “Prominenten” mal auszunutzen.

Ich wiederum hab mir auch noch nicht mal die Mühe gemacht, die Daten-Konvolute runterzuladen. Was interessiert mich, ob ein YouTuber, von dem ich noch nie was gehört habe, sich entgegen seines im Netz postulierten Saubermann-Images für Scat- und Piss-Videos begeistert? Kleiner-Jungen-Kram. Was interessiert mich die private Kommunikation von Grünen-Chef Robert Habeck? Null. Gar nicht. Aber klar – da haben jetzt ein paar zigtausend Leute draufgeguckt – das ist definitiv unangenehm. 

Wie der von Habeck angekündigte Rückzug aus den Social Media zu bewerten ist, da kann man noch lange drüber streiten – fest steht: Eine Pflicht, an dem ganzen Exhibitionismus- und Pseudo-Relevanz-Scheiß teilzunehmen, besteht nicht. Für Normalbürger jedenfalls; wie es bei Spitzenpolitikern aussieht, ist noch mal eine andere Frage. Fazit: Es war überhaupt nix los. Es gab keinen herbeigeschwafelten “Angriff auf die Demokratie”; es gab kein Versäumnis bei Ermittlungsbehörden oder beim BSI oder beim Innenminister. Klar, die Opposition ist natürlich verpflichtet, wohlfeil in die Pseudo-Schwachstelle reinzutröten – schon mal die eigenen Passwörter auf Nachhaltigkeit abgeklopft??

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Klar, die Regierung ist verpflichtet, Pseudo-Gegenmaßnahmen einzuleiten – das Cyber-Abwehrzentrum Plus. Ich mach da bei etwaigem Personalbedarf gerne mit; eine anständige Bezahlung vorausgesetzt, eine gute Pension brauch ich auch noch. Alles Bullshit. Es gab nur den ganz normalen Alltag. Jeden Tag werden Accounts “gehackt”, ob das jetzt Lieschen Müller oder Robert Habeck ist. Aber eines können wir natürlich alle aus der ganzen Sache lernen – es ist ziemlich unangenehm, wenn einem das passiert; zielgerichtet wie im vorliegenden Fall oder einfach zufällig.

Die Plattformen machen dabei auch keine gute Figur – sie sind in dem Dilemma: Account kapern soll nicht so einfach klappen. Den Zugang zu einem Account (nach einem vergessenem oder geklautem Passwort…) wiederherstellen soll aber auch nicht so schwierig sein. Also – wie steht es denn um Ihr Passwort für Ihren Haupt-Mail-Account? Ein Wort, das in einem Wörterbuch steht? (Ich gestehe zu meiner Schande, ich hab so was mal bei einer Freundin von mir, deren Account ich eingerichtet habe, zugelassen. Der wurde dann auch im Dezember “gehackt”…) Ein Geburtsdatum, das sich aus Social-Media-Quellen erschließen lässt? Böse, ganz böse.

Überprüfen Sie das mal. Jetzt. Fügen Sie mal zu Ihrem “leicht zu merkenden” Schrott-Passwort (das Sie aber eh nicht jedesmal neu eingeben müssen, sondern in Ihren Mail-Programmen oder Ihren Geräten gespeichert haben…) ein paar Sonderzeichen hinzu – Sie brauchen das ja schließlich nur ein einziges Mal überall zu aktualisieren. Und können anschließend wieder besser schlafen.

Robert Habeck: Datenklau, Shitstorm, Twitter-Ausstieg

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 08.01.2019 – Moderation: Diane Hielscher

Prosper-Haniel macht dicht

Es war keine leichte Zeit damals, nach dem Krieg, der ja so völlig in die Hose gegangen ist 🙂 . Irgendwie haben die Kumpels in den Bergwerken dann das Wirtschaftswunder miterschaffen, und andererseits – “der Niedergang der Steinkohle begann schon Ende der 1950er Jahre.” Das kann ich immerhin ab 1964 bestätigen, wo ich doch aus dem Ruhrpott komme und das dort damals mit dem Malochen im Pütt schon ab diesem Beginn nicht mehr so richtig en vogue und tofte war, obwohl mir das ja wahrscheinlich im Säuglingsalter noch nicht so ganz klar sein konnte.

Andere haben da offenbar eine andere Wahrnehmung.

Mir blutet das Herz. Ich bin hier im Bergwerk groß geworden, und mir fällt das sehr schwer. Sehr schwer.

Na gut – Kinderarbeit gab’s da hoffentlich nicht, und wer sich allen Ernstes so zu meinen Säuglings- oder Jugendzeiten als Berufsanfänger entschlossen hatte, in die Grube zu fahren, der hatte “sich vorbereiten können auf diesen Moment” heute, da die Lichter endgültig ausgehen. Definitiv; ungefähr ein paar gemütliche Jahrzehnte lang. Gemütlich, weil halt die Institution “Steinkohlebergbau” eine deutsche heilige Kuh war, weil da Milliarden an Subventionen reingesteckt worden sind. Da waren sich Gewerkschaften und Politik so einig, dass man den Kumpels die Kohle auch einfach so für lau hätte auszahlen können, ohne dass die den Gruben-Stunt und das tägliche Blackfacing hätten exerzieren müssen. Schwamm drüber.

Klar, es ging natürlich auch lange Zeit darum, aus strategischen Gründen eine Möglichkeit der Energie-Selbstversorgung offenzuhalten; falls mal international etwas schiefgehen sollte. Da war allerdings auch schon sehr früh relativ klar – diese Schieflage würde es nicht geben. Dann sind da noch noch so gefühlsduselige Sachen im Spiel wie “harte Maloche” unter Tage; die Kameradschaft (Schalke 04; elf Freunde sollt ihr sein…) und so.

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Eigentlich wollte ich diesen Text ziemlich sarkastisch schreiben; aber irgendwie geht das nicht.

Ich erinnere mich ganz dunkel, dass ich mal als winzig kleiner Junge von der Feldmark (in Gelsenkirchen) nach Ückendorf gegangen oder geradelt bin; und am Horizont waren die Zechen bzw. die Kokereien, mit dieser archaischen Silhouette, mit den so in gewissen Intervallen aufsteigenden Geräuschen und dem auflodernden Feuerschein. Irgendwie ein Organismus, wo Menschen kunstvoll und konzentriert und hingegeben daran arbeiteten, etwas sinnvolles und nutzbringendes; ja, etwas essentiell lebenserhaltendes zu erschaffen.

Wahrscheinlich geht es den Kumpeln und Eisenwerks-Arbeitern in den USA ganz genauso, wenn ihre Arbeitsplätze abgeschafft werden; oder den Bauern oder Nachfahren von Bauern, die vielleicht schon ganz oder dreiviertel oder halb in einem anderen, “modernen” Beruf arbeiten: Das ist nicht einfach nur ein Umdisponieren zu zukunftsträchtigeren Perspektiven, das ist eine andere Welt.

Es gibt schon noch mal einen Unterschied zwischen den modernen, luxuriösen und artifiziellen Disziplinen und den archaischen, lebensnotwendigen Basics. Bei den ersteren schauen wir auf die schnöde, kostensparende Effizienz und letztlich auf ein “nice to have”. Die Basics sind uns – jedenfalls uns in den “westlichen Staaten” – mangels akuter Krise nicht mehr so ganz geläufig; wir haben die erst mal outgesourct. Ich erinnere mich aber noch daran. An dieses atmende, geräuschvolle, aufflackernde “Lebewesen” am Horizont.

“Geliefert wie bestellt” – der Fall Relotius

In unserer schönen neuen Welt der allseits erwarteten Perfektheit, des ständigen Abgleichs des eigenen Selbst, des eigenen Äußeren oder des eigenen Schaffens mit dem vermeintlich perfekten Selbst oder Äußeren oder Schaffen von anderen, des “Mitbewerbs” also im Leben oder im Beruf; in den Zeiten der ständigen Selbstvergewisserung anhand von “Likes”, Followern oder Abonnenten ist das Aufhübschen der Realität zum völlig normalen Verhalten geworden. Und irgendwie (wobei bei allen Beteiligten das Ausmaß der Einsicht gerne situationsabhängig schwankt…), irgendwie weiß ja jeder: Das ist nicht die Realität, das ist eigentlich gar nicht so glamourös. Das ist eigentlich gar nicht so schön. Das ist gar nicht so eindeutig. Das ist eigentlich gar nicht so spannend.

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Es gibt ja bei Instagram oder auf anderen Plattformen etwas, das man “Food Porn” nennt, und der Gedanke hinter dieser semantischen Schöpfung passt natürlich auch auf andere Diszipline; auch “Beauty Porn”, “Fashion Porn”, “(Extreme-) Sport Porn” oder “Travel Porn” (ich erhebe mal sofort Leistungsschutzanspruch auf all diese Neuschöpfungen…) sind also völlig normale, völlig gebräuchliche Realitäts-Aufhübschungen. Und, das jetzt mal meine These aus gegebenem Anlass, es gibt auch “Journalismus- oder Reportage-Porn”.

Claas Relotius’ Reportagen sind unglaublich detailliert ausrecherchiert und eindringlich geschildert und fast schon als Literatur zu bezeichnen. (Aus der Laudatio des Jurors Gero von Boehm bei der Verleihung des Reemtsma Liberty Award 2017)

Eben. Fast schon Literatur. Die Subjektivität ist ja eh eingepreist, ist ja eh konstituierendes Stilmittel bei der “Königsdisziplin” Reportage.

Die Reportage stellt ein spezielles Ereignis oder ein Geschehen so dar, wie es die Autorin/der Autor miterlebt hat und wahrnimmt, um es den Leserinnen und Lesern auch emotional nahezubringen. (Bayerischer Rundfunk: Journalistische Textsorten)

Und natürlich lernt man als junge(r), aufstrebende(r) Journalist(in) auf den entsprechenden Journalistenschulen, bei den Voluntariaten der Zeitungen und Sender, wie das handwerklich gemacht wird.

Generell gibt es keine Standardstruktur oder Musterlösungen für eine gute Reportage, doch lässt sie sich grob in drei Bereiche gliedern: Einstieg, Hauptteil und Ausstieg. Für den Einstieg eignen sich besondere Szenen. Sie sollten den Leser neugierig machen und möglichst Ort, Zeit und handelnde Personen einzuführen. (Journalist-werden.de: Schreibwerkstatt, Teil 3)

So zum Beispiel:

An einem Dienstagmorgen im Januar, vier Tage nachdem Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt worden ist, steht neben dem Willkommensschild am Ortseingang noch ein zweites Schild, halb so hoch, aber kaum zu übersehen. Jemand muss es in der Dunkelheit aufgestellt haben. Auf diesem Schild, aus dickem Holz in den gefrorenen Boden getrieben, steht in großen, aufgemalten Buchstaben: “Mexicans Keep Out” – Mexikaner, bleibt weg. (Claas Relotius, “Wo sie sonntags für Trump beten“)

Super; nur, dass der Reporter sich das Schild ausgedacht (wieso gab es eigentlich kein Foto davon, und wieso hat die Spiegel-Doku-Abteilung danach eigentlich nicht gefragt oder nachgeforscht?) und noch so ein paar andere Sachen erfunden hat. In den Reportagen von Claas Relotius gibt es offenbar auch als immer wiederkehrendes Stilmittel Musik: Lieder, Songs, die die Protagonisten vielsagend oder rührend selbst anstimmen oder – natürlich, darunter geht’s nicht – in einer Endlosschleife hören. Anscheinend momentan ein regelrechter Fake-Marker bei seinen Stücken. Ansonsten natürlich: Handwerkszeug.

Wenn ich einen Satz sehe wie “draußen beginnen die Hunde zu bellen”, höre ich sofort auf zu lesen. (Ein hellsichtiger Kommentator im SPON-Forum)

Es gibt offenbar auch Leser/Hörer, die unsere journalistischen Handwerks-Stereotype durchschauen; wir Journalisten selbst tun dies natürlich auch – aber in der Rolle als abnehmende Redakteure fordern wir die paradoxerweise, und ohne übermäßige Anforderungen an deren Plausibilität oder Belegbarkeit zu stellen ein. Die Geschichte, das “Storytelling” muss halt natürlich “rund” sein, und anschaulich. Einstieg-Hauptteil-Austieg, der Bogen muss da sein. Oder notfalls zusammengedrechselt werden.

Er steigt mit ihr hinab in den Keller, der nach Schweiß stinkt, über eine Treppe mit 15 Stufen, so steht es da: 15 Stufen, weil Relotius gelernt hat, dass exakte Zahlen die Glaubwürdigkeit des Geschriebenen erhöhen. (SPIEGEL legt Betrugsfall im eigenen Haus offen – Eine Rekonstruktion in eigener Sache von Ullrich Fichtner)

Und, weil der/die abnehmende Redakteur(in) das geil findet und das natürlich genauso wie sein/ihr Autor, womöglich sogar auf der gleichen Journalistenschule gelernt hat; klar, die Zahl der Treppenstufen ist unerlässlich – obwohl eigentlich niemand, kein normaler Mensch in der normalen Situation in Syrien oder sonstwo auch nur im entferntesten auf die Idee kommen würde, die bescheuerten Treppenstufen mitzuzählen. Ist selbstverständlich auch fuckegal, ob das 15 oder 14 oder 16 sind. Bullshit; Reporter-Porn halt.

Natürlich ist der Fall – leider – Wasser auf die Mühlen der Fake-News-Apologeten.

Damit die Szenen nicht beliebig wirken, ist es wichtig sich vor dem Schreiben eine These zu überlegen. Diese These ist das Ergebnis der vorherigen Recherche, also die Quintessenz aller Interviews und Beobachtungen, die man im Vorfeld geführt bzeziehungsweise gemacht hat. Anhand dieser These wählt man die Szenen für die Reportage aus. Passt eine Szene nicht zur These, sollte man sie weglassen. (Journalist-werden.de: Schreibwerkstatt, Teil 3 – für die Schreibfehler der Schreibwerkstatt kann ich übrigens nix 🙂  )

Oder eine passende hinzuerfinden 🙂 Ganz ohne Zweifel hat der Spiegel eine These, eine vorgefasste Agenda. Möglicherweise ist das gerechtfertigt, möglicherweise passt die Agenda auch zum angepeilten Zielpublikum; oder möglicherweise ist die Agenda und die Erwartungshaltung an die Autoren in Wirklichkeit aber auch kontraproduktiv und führt zum Mechanismus “geliefert wie bestellt”. “Sagen, was ist.” Nicht, sagen, wie wir gerne hätten, dass es sei. Das gilt natürlich auch für mich und meine Kolleg(inn)en beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Die Erklärungen von Claas Relotius selbst, er habe da unter Erfolgsdruck gehandelt, die kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Er hat halt in der “Königsklasse” mitspielen wollen und auch bei den entsprechenden gutdotierten Preisen, die systemimmanent “Porn-verdächtig” sind (ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn man jetzt alle preisgekrönten Reportagen der letzten Jahre auf die wirklich minutiös nachprüfbaren Fakten bis zum “ihre zusammengepressten Knöchel werden weiß” nachprüft…). Die Verlockung und das Problem sind systemimmanent, und ich sehe es genauso wie die “Salonkolumnisten” – selbst die an sich lobenswerte Aufarbeitung des Falls beim Spiegel bedient sich wiederum der Stilmittel, die den Fall erst miterzeugt haben.

Und mal an Claas Relotius selbst gerichtet – ich kenne Sie nicht, aber laut allen Einschätzungen ihrer Kollegen sollen Sie ein äußerst angenehmer, bescheiden auftretender, sympathischer Zeitgenosse sein. Tun Sie sich nichts an, verzweifeln Sie nicht; auch wenn Ihre Karriere als Journalist mit der Angelegenheit höchstwahrscheinlich beendet sein sollte. Holen Sie sich Hilfe – und dann wechseln Sie; vielleicht ja zunächst unter Pseudonym, ins literarische Fach. Denn Sie schreiben ja einfach richtig gut, nur bislang im falschen Genre.

Antisemitische Schmierfink-Kampagnen von Facebook? Blödsinn!

Jetzt ist mal Schluss. Mit dem Quatsch.

Ich bin ja wirklich nicht im Verdacht, irgendwie Fan von Facebook zu sein; da kann man einfach mal meine diversen Beiträge zu dem Laden Revue passieren lassen. Ich bin aus gutem Grund nicht selbst bei dem Verein angemeldet (bis auf einen uralten Gag-/Testaccount, der bezeichnenderweise niemals von Facebook gelöscht worden ist; trotz des offensichtlichen Fake-Usernamens und der Null-Interaktion; soviel zur Relevanz der Userzahlen  🙂  ) Facebook ist für mich die Nummer eins im No-Go-Datenabgreif- und Privacy-Schändungs-Konzept dieser modernen Zeiten – bei dem die User ja bereitwillig mitmachen; insofern sind die Alarmrufe von Bedenkenträgern wie mir ja auch vielleicht einfach eine Minderheitsposition.

Ich habe am 16.11. über den NYT-Artikel berichtet, in dem die PR-Strategie von Facebook beleuchtet wurde – eine offensive “Gegenangriffs-Strategie” als Reaktion auf den vielfältigen Gegenwind, dem Facebook beginnend mit der Cambridge-Analytica-Affäre ausgesetzt war. Dass die “Kotau/wir haben verstanden” – Geste von Mark Zuckerberg auch nur eine Geste oder vielleicht nur ein Fake war: geschenkt. Aber jetzt noch mal zu den Fakten der PR-Kampagne zurück: Der “Multimilliardär und Philantrop” (nein, nicht Mark Zuckerberg, sondern George Soros) hat sich diverse Male, z.B. in Davos, äußerst kritisch zu Facebook (und Google…) geäußert und eine Regulierung bzw. Zerschlagung der Unternehmen gefordert.

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Danach soll dann Sheryl Sandberg Facebook-Mitarbeiter damit beauftragt haben, herauszufinden, “weshalb Soros die Tech-Unternehmen angegriffen habe und ob er daraus einen finanziellen Vorteil erzielen wollte“. Ist diese Idee vollkommen absurd? Nein. Herr Soros hat durchaus in den vergangenen Jahren/Jahrzehnten immer wieder diverse Kampagnen angeschoben; wir können es auch nennen: Meinungspositionen in den öffentlichen Raum gestellt; um daraus finanzielle Vorteile zu generieren. In ziemlich happigen Dimensionen; ein Multi-Milliardär-Vermögen und eine daraus resultierende nennenswerte philantropische Kapazität (die möglicherweise auch wieder eine politische Agenda verfolgt…) entstehen normalerweise nicht aus einer Kassierer-Tätigkeit bei Aldi.

George Soros ist Jude. Daraus; aus seinem Reichtum, und aus seinen vielleicht philantropischen oder vielleicht auch politisch motivierten Aktionen und Engagements erwächst natürlich sofort ein häßlicher Gegenpol: Antisemitismus. Gegen die aktuelle ungarische Regierung; leider auch gegen sehr populäre Positionen in der ungarischen Bevölkerung; vielleicht sogar eben gegen  die Mehrheitsmeinung dort lässt sich einiges argumentieren. George Soros hat das getan; die ungarische Regierung hat im Gegenzug die wohlfeile Antisemitimus-Karte gezogen; mittlerweile hat die Soros-Stiftung das Land verlassen.

Es gibt also, klarer Fall,  jede Menge antisemitische Angriffe gegen George Soros. Aber heißt das jetzt, dass jeder Angriff gegen George Soros antisemitisch ist? Das ist so totaler Bullshit, dass ich kotzen könnte. Mark Zuckerberg ist Jude. Sheryl Sandberg ist Jüdin. Wenn die beiden jetzt eine PR-Agentur beauftragt haben, die Journalisten mit Material darüber versorgen, dass George Soros eine angebliche Grassroot-Gruppe finanziell unterstützt haben soll, die gegen Facebook agitiert – ist das dann eine “antisemitische Schmierfink-Kampagne“? Bullshit!!

Noch mal mein Fazit: Facebook agiert nicht moralisch, sondern geschäftlich. Aber antisemitisch bestimmt nicht. Wie kann man nur auf so einen völlig abstrusen Quatsch kommen? Überdosis “political correctness”? Oder eben einfach das ungeprüfte “Stille Post”-Weitergeben von vereinfachten, verkürzten oder falschen anderen News-Quellen? Das ist dann im Resultat genau das, was unsere allseits beliebten Freunde (leider in dem Fall berechtigt…) als “Fake-News” taggen können.

New York Times wirft Facebook Meinungsmanipulation vor

„Delay, Deny and Deflect“ –  „Verzögern, abstreiten, ablenken“, hat die NYT am Mittwoch auf Seite eins einen Artikel über Facebook überschrieben; „Verzögern, abstreiten und ablenken“, das sei nämlich die Unternehmens- und Kommunikationsstrategie des Social Networks. Der Artikel ist ein richtiger Riemen. Wenn man ihn ausdruckt, sind das 20 Seiten Text. Mit über 50 Informanten hat die Zeitung gesprochen, die meisten davon sind ehemalige oder aktuelle hochrangige Facebook-Mitarbeiter, die wohlweislich anonym bleiben. Und das Bild, das in dem Artikel entsteht, ist äußerst kritisch: Facebook gehe nicht offen und ehrlich mit seinen vielen Problemen um, sondern versuche mit anrüchigen PR-Kampagnen die öffentliche Meinung zu manipulieren, so das NT-Fazit.

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Inzwischen hat Facebook, hat Mark Zuckerberg auf den Artikel reagiert. Und hat zumindest versucht, sich selbst und seine Geschäftsführerin Sheryl Sandberg aus der Schusslinie zu nehmen. Der vielleicht heikelste Punkt in dem NYT-Dossier war ja, dass Facebook eine PR-Agentur namens „Definers Public Affairs“ damit beauftragt haben soll, nicht nur das eigene Image möglichst reinzuwaschen, sondern quasi auch noch einen Gegen- oder Entlastungsangriff zu fahren: Facebook-Kritiker schlecht zu machen, und negative Stories über Konkurrenten zu lancieren.

Mark Zuckerberg hat in einer eiligst einberufenen Pressekonferenz gesagt, er selbst und auch Sheryl Sandberg hätten von solchen Aufträgen an die PR-Agentur nichts gewusst. Den Vertrag mit „Definers Public Affairs“ hatte Zuckerberg ja praktisch unmittelbar nach Veröffentlichung des NYT-Artikels gecancelt. Halten wir einmal fest – das Schlechtmachen von Konkurrenten (oder zumindest mal Ablenkungsmanöver a la “die haben aber auch Dreck am Stecken”…) sind völlig normal in der Welt der PR. Sie passen nur halt relativ schlecht in die Demuts-Message von Facebook “wir haben verstanden”.

Aber auch das nochmal: Die Vorstellung, Facebook würde und könne vorwiegend nach hehren moralischen Kriterien agieren, ist halt ziemlich naiv. (Keine Ahnung, ob Mark Zuckerberg das selbst glaubt, zuviel Gras geraucht hat oder ein totaler Zyniker ist… 🙂 ) Das versuchen vielleicht kirchliche Organisationen. Und selbst da klappt das ja nicht immer.

New York Times wirft Facebook Meinungsmanipulation vor

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 16.11.2018 – Moderation: Diane Hielscher

Die dreisteste Crowdfunding-Idee ever: Trink-Genosse

Ok, ok. Wir saufen alle. Obwohl wir das nicht tun sollten. Alkohol ist schlecht für den Teint, für die Leber und für die Libido – wobei andererseits unter Alkoholeinfluss auch wiederum vieles passiert, was besser nicht hätte passieren sollen. Kurzum – Alkohol ist das Werk des Teufels, des Shaitans, vor dem ja Allah sei dank unsere bärtigen Freunde mit den handgehäkelten Strickmützchen gefeit sind. Aber was rede ich denn da? Fest steht – die Crowdfunder vom “Seminar für Genossenschaftswesen der Universität zu Köln” (gibt es das echt???) (*siehe die Korrektur unten) huldigen dem Alkohol und der Geselligkeit – und haben eben mal schnell die dreisteste Crowdfunding-Aktion der Weltgeschichte lanciert…

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Alleine trinken macht keinen Spaß

Klar- ne eigene Bar ist total geil; weil man da halt Kölsch und Cocktails gratis bis zum Abwinken oder bis zum Delirium reinkippen kann; möglicherweise sogar (solange man nicht völlig abgefüllt und unzurechnungsfähig ist…) mit einem kommunikativen Kennenlern-Faktor. Open Source, Ode an die Genossenschaft, Solidarität (diesmal nicht mit der Internationale, sondern einfach nur so…), ein Abgesang an die kollektive Vereinzelung und vielleicht sogar an das Alleinenachhausegehen – das sind natürlich die Schlagworte, die in uns allen und speziell auch in uns junggebliebenen Mitt-Fünfzigern die Lebensgeister und die Extremitäten-Aktivatoren erneut – vielleicht zum letzten Mal – erwachen und sprießen lassen. Dafür tausend Dank!

Völlig klar also, dass ich für diese super-geile Crowdfunding-Aktion sofort zehn Ocken rausgerückt habe, für die ich – nach einem erfolgreichen Start des Projektes (woran ich ja noch gewisse Zweifel habe…) – mit einem crowdgefundeten Kölsch sehr teuer, aber auch sehr avantgardistisch profitieren werde. Ihr trefft mich also bald immer abends in der Trink-Genossen-Bar, wo ich meine basisdemokratischen Pflichten erfüllen werde. Nastrowje!

 

P.S. 18.10.2018:  Die Trink-Genossen haben direkt mal ein paar Dinge in meinem Post richtiggestellt – der wichtigste Lapsus: Die Genossen sind keineswegs identisch mit den Genossenschaftswesen-Studierenden 🙂 , sondern haben sich lediglich von denen beraten lassen. Da hab ich wahrscheinlich schon einen zuviel in der Alleintrinker-Mütze gehabt. (Obwohl ja auch noch ein gewisser wissenschaftlich-aufklärerischer Impetus bei den Genossen verankert zu sein scheint: “Im Verlauf von Gründung und Betrieb der Genossenschaft werden also Methoden ausgearbeitet, ausprobiert, analysiert, verbessert und nicht zuletzt dokumentiert.” (auf nem Bierdeckel wahrscheinlich…) Jetzt wüsste ich natürlich auch noch gern, ob die Beratungs-Stundensätze der Genossenschaftswesen-Studierenden unter denen von McKinsey liegen – dann wär das ja auch noch eine Idee für die SPD, die Raiffeisenbank, Edeka und Erich Honecker.

Das mit dem “Gratis-Saufen in der eigenen Bar” hab ich natürlich nur so aus der allgemeinen Lebenserfahrung (Es gibt ja da diesen furchtbar diskriminierenden Spruch, den ich persönlich selbstverständlich vollständig ablehne: “Wer nichts wird, wird Wirt 🙂  ) heraus geschöpft; der Wirt oder die Wirtin oder das Wirt-Wesen (gender-neutrale Bezeichnungen sind ganz wichtig; insofern bin ich mir bei “Genossen” nicht so ganz sicher, ob da wirklich alle inkludiert sind…) oder der Miteigentümer (“Genosse”) hinter der Theke könnte(n) sich eben relativ einfach einen unbemerkt, unregistriert und unversteuert hinter die Binde kippen. Das fänd ich zumindest einigermaßen menschlich und naheliegend.

Auf der Trink-Genossen-Website (die ich noch mal zur Korrektur meiner Irrtümer konsultiert habe…) scheint mir übrigens eine gewisse Aversion gegen die Komma-Setzung vorzuherrschen. Ich stelle hier noch mal etwas Material zur Verfügung. (,,,,,,,,,,,)

Top-geheime Spam-Botschaften. Codeknacker, bitte übernehmen!

In meinem Emailpostfach kommt ja so einiges rein, und dankenswerterweise sortiert Outlook den übelsten Spam direkt ins Abfall-Fach ein. Aber in den letzten Tagen schaffen es doch so manche Botschaften, in der Inbox zu landen. Der Inhalt und auch die Absicht sind etwas kryptisch:

https://bit.ly/zensiert

zivcorz zaragoanb biwieibu
auqeiaguj wuygqo ia

Das ist bestimmt chinesisch, die schlitzäugigen Typen da sind ja eh die schlimmsten Hacker ever. Ich habe da erst mal nicht auf den Link geklickt. Danach ging es aber weiter:

quzop vysomw
haatipuqc ityfy

Aztekisch, keine Frage. Und immer noch etwas sehr lakonisch.

Aber “Paula Meier” (eot@gmail.com; richten Sie ihr schöne Grüße aus von mir…) wurde dann schon etwas ausführlicher:

https://bit.ly/schonwiederzensiert

sesgyaubu iejuco xeeadqcym
lovnaakyx yqptrtzw imatqpivq
b tynfvdib ypyuyyrbe
gkoerozo lubpexx xz
iojey ncaaweua cmwptpyih
jqolajyok khijlmuby oluucyar
yagfohon ikiiboyr liveqm
rehbyutik nhhiyb nyqure
emencv xa wovyusgy
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Und dann heute der bisherige Höhepunkt, von Michael Wolff (jqy@fastmail.fm):

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Das ist schon ziemlich präzise und zugleich erschöpfend umfangreich formuliert. Bitte unbedingt so weitermachen! Ich führe ja bekanntlich die an mich gerichteten Spam-Mails einem umweltfreundlichen Recycling zu. Oh Mist, die uralte Gag-Website muelltonne.de ist anscheinend auch schon offline.

 

Der Banksy-Shredder digital

Mir ist ja noch nicht ganz klar, ob die Shredder-Maßnahme bei der Sotheby’s-Auktion…

…jetzt wahnsinnig genial, subversiv und aufklärerisch war oder aber abgeschmackt, abgesprochen und anbiedernd (dass das Objekt etwas schwerer war als normal und dass sich auf der Unterseite des Rahmens ein Schlitz befand, wird den scharfsinnigen Auktionären wohl kaum verborgen geblieben sein…) – ein “Clickbait de luxe” sozusagen… Eine kleine Explosion nach dem dritten Hammerschlag wäre natürlich auch ganz nett und ebenfalls per Fernsteuerung im Saal “zündbar” gewesen (komisch, dass der Typ rechts mit der antiken Digitalkamera schon direkt geistesgegenwärtig nicht auf das Kunstwerk, sondern auf die angeblich konsternierten Auktionsgäste hält…)

Aber wie dem auch alles sei, geshreddert werden kann mancher Ikone zu neuem Leben verhelfen – umso schöner, wenn sich dies ganz einfach digital bewerkstelligen lässt.

See the Pen Banksy Shredder by Lee Martin (@leemartin) on CodePen.

Ein bisschen Material:

oder:

Tiger Woods macht meinen Tag

Embed from Getty Images

Ich bin ja wie gesagt seit einem guten Jahr unrettbar vom Golf-Virus infiziert, und da kommt man am Phänomen Tiger Woods ja schon mal gar nicht vorbei. In der Zeit vor meinem aktiven Golf-Interesse habe ich natürlich auch so “unterhaltsame” News über einen der erfolgreichsten Sportler der Welt zur Kenntnis genommen. Wie den Vorfall, bei dem ihm seine damalige Ehefrau aus gegebenem Anlass mit einem Golfschläger die Windschutzscheibe des Autos zertrümmert hat, dann auch die gravierenden Rückenprobleme und die daraus resultierenden Zwangspausen, die zwischenzeitlichen Operationen und die gescheiterten Versuche, wieder in Wettkämpfen zu bestehen.

Dann kamen da neue Beziehungen wie die höchst glamouröse zu Lindsey Vonn, die in einer anderen Sportart auf einem vergleichbaren Top-Level unterwegs war und möglicherweise auch vergleichbar auf der Borderline zwischen höchsten Erfolgen und den Dämonen des ganz normalen Alltags wandelt; und dann kam irgendwann quasi “als Tiefpunkt” die Geschichte mit dem Auto-Ausflug in den Straßengraben, höchstwahrscheinlich unter irgendeinem Drogen- oder Medikamenteneinfluss. Auf den anschließend weltweit publizierten “Mugshots” der Polizei sah Tiger aus wie ein Wrack – stoned.

Zu Weihnachten habe ich von meinem Neffen einen schönen dicken Wälzer geschenkt bekommen: “Tiger Woods – so spiele ich”, mit vielen Fotos und Golf-Tipps. Ich habe mir auf YouTube die Sampler angeschaut “Die zehn legendärsten Golfschläge von Tiger” – und da ich ja mittlerweile so eine gewisse Ahnung davon hatte, wie schwer das Spiel ist, konnte ich das einigermaßen würdigen. Und dann kam um die Jahreswende die Nachricht bzw. ein von Woods selbst lanciertes Video – Tiger Woods spielt wieder Proberunden. Da war allerdings die Frage – war das jetzt ein einzelner geglückter Abschlag, oder ist das die Ankündigung eines Comebacks?

Ich hab damals mit meinen Golf-Pros drüber gesprochen – und die einhellige Meinung war eigentlich: Das ist ja ganz nett, aber der Mann wird nach der Vorgeschichte und in Anbetracht der Verletzungen, der Pause und seines Alters niemals wieder in die Nähe der Weltspitze kommen. Mit dem Absturz auf rund Platz 1200 der Weltrangliste war er ja auch ein Stückchen weit davon entfernt. Und dann kamen halt die Turniere der Saison 2018; die irgendwie den Skeptikern (oder auch Hassern…) Recht zu geben schienen, dann aber schon wieder ausgezeichnete Platzierungen, über die nahezu jeder Golf-Pro glücklich gewesen wäre – die halt nur bei einem ehemaligen Dominator der Weltspitze vergleichsweise unbefriedigend aussahen.

Ich habe das US-Open mitverfolgt, da hatte Tiger Woods furchtbare Momente mit hin- und her  über das Grün geputteten Schlägen und Triple-Bogeys; beim British Open war er dann auf Platz zwei. Und jetzt, beim Saisonausklang, da hat es dann endgültig gepasst. Die Runden eins und drei quasi sensationell; gestern abend habe ich noch den Anfang der vierten Runde mitverfolgt, bevor ich wegen der Frühschicht ins Bett gehen musste. Zu dem Zeitpunkt lag er mit 2 Schlägen vorn, und ich hab mir gesagt – mit dem Platz kommt er erwiesenermaßen bestens zurecht; der schaukelt das Kind jetzt ganz kontrolliert nach Hause.

In der Nacht hab ich dann davon geträumt, wie ich die PGA-Seite aktualisiere, und Tiger hat es verbockt und irgendein anderer hat sich vorbeigeschoben – da hab ich im Traum rumgeflucht und gezetert. Ich hab aber wohlweislich nicht “richtig” wach nachgeschaut, sondern mich zum weiterschlafen umgedreht. Um vier Uhr ist dann der Wecker gegangen, ich hab das iPad neben mir im Bett angemacht, die PGA-Seite aktualisiert – und Tiger hat’s nicht verbockt, sondern gemacht. Und meinen Tag auch. Congratulations.

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Ist vielleicht gerade als Medien-Profi ein bisschen schnulzig, sich von so einer “von-ganz-oben-nach-ganz-unten-und-dann-wieder-nach ganz-oben-Story” rühren zu lassen, aber da reagiere ich wie Millionen andere ganz simpel. Zumal ja auch noch das Motiv “alter Sack gehört noch nicht zum alten Eisen” 🙂 dazukommt. Ich kann auch ganz ehrlich gesagt überhaupt nicht nachvollziehen, wie Leute Tiger Woods seine sogenannten “Verfehlungen” irgendwie zur Last legen wollen – der Mann hat sich ja weder um einen Posten als Politiker oder Priester noch als Moralapostel beworben; das ist einfach ein Sportler, dessen quasi ganz normales (und zwischenzeitlich ganz normal katastrophales…) Privatleben im Gegensatz zu normalen Leuten im Fokus der Aufmerksamkeit steht.

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Wie gesagt, ob das jetzt schnulzig ist oder nicht – wie da beim letzten Loch die tausend Zuschauer mitgegangen sind und Tiger Woods begleitet haben auf dem Weg zum 18. Grün, wie sie ihn da angefeuert und am Schluss gejubelt haben; und wie Tiger dann am Ende den Tränen nahe einfach die Arme hochgereckt hat und den jubelnden Leuten damit gedankt hat, das ist einfach episch. Gladiator, nur eben halt im real life 🙂 Und wie dann der Jubel noch lange so weiterging; während der Gratulationen von seinen Kollegen und den ersten Interviews und Tiger immer noch mal zwischendurch in Richtung Tränen unterwegs war und den Leuten gedankt hat.

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Sorry – wer sich davon nicht rühren lässt, hat entweder keine Ahnung und/oder kein Herz. Für mich hat Tiger Woods heute jedenfalls meinen Tag gemacht; um vier Uhr morgens. Für Phil Mickelson sehe ich allerdings demnächst bei dem als Welt-Event hochgekurbelten (keine Ahnung, wer dafür das recht anständige Preisgeld locker gemacht hat…) “The-Winner-takes-it-all”-Zweikampf schwarz.  Aber beim Golf ist ja alles möglich 🙂 …