Archiv der Kategorie: Beiträge Radio/Online

Warum der Journalismus Probleme hat. Angeblich. Tatsächlich. Oder auch nicht.

Immer weniger Leute sind bereit, für Journalismus bzw. Online-Nachrichten Kohle rauszurücken. Das ist (so ungefähr…) die Erkenntnis aus einer Studie des “Reuters Institute for the Study of Journalism”, die bei Telepolis referiert wird. Jetzt muss man ganz kurz erst mal festhalten: Zwischen Online-Nachrichten und Journalismus besteht noch ein ganz kleiner Unterschied. Für pure Nachrichten Kohle rauszurücken, da bin ich (als Privatperson…) auch ganz ehrlich gesagt nicht bereit. Also für reine Agentur-Meldungen a la “Kanzlerin Merkel hat sich heute mit dem Präsidenten von West-Belutschistan getroffen. Die Unterredung dauerte eine Minute länger als geplant.”

Selbst das ist eigentlich schon Quatsch, denn eine nüchterne Agentur-Meldung ist insofern schon durchaus werthaltig, als sie eben unter Einhaltung von gewissen Qualitätskriterien von professionellen Agentur-Journalisten erstellt wird. Soll heißen: der Typ oder die Typin, die diese kurze Notiz verbrochen hat, war tatsächlich vor Ort oder hat die Message aus definitiv vertrauenswürdigen Quellen erhalten. Und in der Nachrichtenagentur hat noch mal jemand professionell drüber geschaut, ob die Meldung plausibel ist und plausibel formuliert ist. Mit anderen Worten: Sie können als Leser(in) ziemlich sicher sein, dass Angela Merkel tatsächlich den Präsidenten von West-Belutschistan getroffen hat.

Leider besteht ein Großteil des Journalismus, der in der Presselandschaft angeboten wird, nur noch aus Agenturmeldungen. Das heißt, egal ob Sie den Kölner Stadtanzeiger lesen oder das Winsen-an-der-Luhe-Lokalblättchen; Sie bekommen stets die gleichen Einheits-Artikel. Das ist definitiv traurig, aber natürlich eine Folge der stetigen Einnahmeverluste in der Presse (Kostensteigerung, rückläufiges Anzeigengeschäft, rückläufige Auflagen…) und des daraus resultierenden konstanten Sparzwangs. Als (privilegierter…?) Journalist im öffentlich-rechtlichen Rundfunk kann ich dies zunächst einmal nur konstatieren…

“Journalismus” in der Abgrenzung von “Online-Nachrichten” hat natürlich noch mal einen Mehrwert. Nämlich den der Einordnung einer “News” in einen fachlichen oder chronologischen Hintergrund. Bezeichnend ist ja ein Kommentar bei Telepolis, den ich hier zitiere – obwohl der/die Urheber(in) “macOS6000” bei Betrachtung seiner/ihrer Post-Historie einen starken Troll-Verdacht hinterlässt:

Weil halt Informationen überall zur Verfügung stehen. Man braucht keine Druckerpresse mehr. Fast alles kann mit Sonden, Kameras in Echtzeit erfasst werden, sogar Gravitationswellen sind jetzt drin. Informationen müssen nicht mehr von einer kleinen Gruppe gesammelt, sortiert und dann präsentiert werden. :-D

Die Leute brauchen halt keine andere Menschen mehr, die für sie denken.

Embed from Getty Images

Liebe(r) macOS6000 – wir Journalisten/Journalistinnen wollen oder erheben gar nicht den Anspruch, für Sie zu denken. Wir sind pure Dienstleister. Können Sie selbst etwas mit Rohdaten aus einer Gravitationswellen-Erfassung anfangen? Oder mit dem wissenschaftlichen Paper der Physiker, die ihre Forschung in einem wissenschaftlichen Fachblatt in Englisch veröffentlicht haben? Ja? Herzlichen Glückwunsch! 99% der Menschen können das nicht, und für diese Menschen sprechen meine Kollegen, die z.B. promovierte Physiker sind; oder ich selbst mit den Autoren solcher Studien und versuchen das Ganze allgemein verständlich in einem 4-Minuten-Radiobeitrag darzustellen.

Haben Sie die totale Checkung, was in West-Belutschistan in den vergangenen Monaten passiert ist? Wahrscheinlich nicht, wenn Sie nicht der absolute Überflieger sind und keinem geregelten Berufsleben nachgehen. Bei uns Journalisten schreibt aber (hoffentlich…) jemand über das Thema, der/die zumindest eine rudimentäre Checkung hat, was in West-Belutschistan so abgeht. Und dann wird das noch mal gegengelesen von jemand anders, der auch so eine rudimentäre Checkung hat. Das alles heißt nicht, dass wir keine Fehler machen oder auch unter Zeit- und Spardruck stehen.

Aber Sie selbst kaufen Ihre Brötchen doch wahrscheinlich auch beim Bäcker. Und kochen wahrscheinlich nicht so gut wie ein professioneller Koch in einem Restaurant, von der Eckkneipe zum Gourmet-Tempel aufsteigend… Wir professionellen Journalisten bieten Ihnen einfach eine Dienstleistung, genau wie der Bäcker oder der Koch. Sie können davon ausgehen, dass das, was wir abliefern, so einigermaßen genießbar und korrekt ist. Das spart Ihnen einfach eine Menge Zeit – alle Informationen selbst nachzuchecken und zu bewerten, ist genauso unrealistisch, wie alle seine Brötchen selbst zu backen.

Definitiv gibt es im Journalismus Leute mit “ich-erklär-euch-die-Welt-Gestus”. Definitiv gibt es Leute mit Parteibuch und ideologischen Scheuklappen. Aber das kann man ja individuell kritisieren und belegen. Zu den Typen aber, die alle journalistischen, mehr oder weniger qualitativen Brötchen/Beiträge von vornherein als “Fake-News” abtun – da kann ich nur sagen:  Vielleicht ist da in Ihrer Biografie und Ihrem Weltbild etwas schiefgelaufen. Sie haben nicht mehr alle Tassen im Schrank. Oder sind ein (wenn bezahlter; dann herzlichen Glückwunsch…) Troll.

Die grundsätzlichen Fragen der Reuters-Studie sind natürlich auch noch mal bedenkenswert: Will ich das wirklich wissen, dass gestern in Thailand 199 Menschen bei einem Flugzeug-Absturz ums Leben gekommen sind? Früher, sagen wir mal im Mittelalter, hätte ich nie davon gehört. Die Nachricht belastet mich irgendwie; und andererseits kann ich sie emotional nicht einordnen oder verarbeiten, weil ich eigentlich nicht die geringste Beziehung zu den Opfern habe. “Zu einem besseren Ort” bringt mich eine Nachricht darüber garantiert nicht.

Nur leider sind halt Nachrichten tendenziell negativ: Wenn hundert Leute einen schönen Tag beim Apfelsaft-Festival in Winsen an der Luhe hatten, dann ist das eher keine Nachricht. Wenn hundert Leute über Winsen an der Luhe mit einer Boeing 737 Max abstürzen, dann eher ja. Wie stark Sie sich diesen tendenziell negativen Nachrichten aussetzen wollen, das bleibt natürlich Ihnen überlassen. Aber total den Kopf in den Sand stecken bringt auch nichts – wenn Donald Trump dafür sorgt, dass Huawei gebannt wird, dann bekommt im Zweifelsfall auch Ihr Handy kein Android-Update mehr…

Also mal das Fazit: Wir Journalisten sind Dienstleister wie Bäcker und Köche. Wir bieten Ihnen Leistungen, die Sie im Ideal- oder Ausnahmefall auch selbst hinbekommen könnten. Aber Sie haben ja möglicherweise auch selbst einen Beruf und von daher nur noch begrenzte Zeit bzw. Ressourcen. Wenn Sie Bauingenieur sind, dann versuche ich ja auch Ihre Expertise nicht selbst zu errechnen. Wenn Sie Bäcker sind, kaufe ich meine Brötchen bei Ihnen, Wenn Sie Koch sind, esse ich bei Ihnen. Das alles hat seinen Preis, vollkommen legitimerweise. Und das gleicht sich ja insgesamt einigermaßen aus.

Außer, Sie sind der totale Voll-Checker. Können Gravitations-Physik-Meldungen einordnen, kennen sich in West-Belutschistan aus, können backen und kochen. Herzlichen Glückwunsch!

Ich glaub Ihnen nur kein Wort. Oder sagen wir mal: Sie sind nicht repräsentativ. Oder ein Troll.

Offenbarungen zur rechten Zeit

Manchmal können ja kleine Zufälle, kleine Launen des Schicksals über alles oder nichts entscheiden. Sie alle kennen das. Wer von Ihnen hätte nicht schon mal den Check-In für einen Flieger verpasst, der danach (wegen vermurkster Software…) abstürzte? Die Straßenseite aus purem Daffke gewechselt, bevor drüben dann ein paar Dachziegel runtergingen und Ihren eben noch frohgemuten Mit-Passanten die Schädel zertrümmerten? Den dritten Fahrstuhl von links nicht genommen, bevor dann im 9. Stock der Kollege mit dem furchtbaren Mundgeruch zustieg?

Sie können sich also vorstellen, welch tiefe Empfindungen die Email in mir ausgelöst hat, die ich heute um 13.28 Uhr von “Blanche aus Saint André” erhalten habe. (…zugestellt über die immer sehr vertrauenswürdigen Instanzen “go-nl-sending-71.de” bzw. ABCNEWSLETTER CONSULTING LTD; bei denen ich mich selbstverständlich für den Erhalt von Newslettern jeglicher Art angemeldet habe, sonst wäre die Zustellung dieser Mails ja ungesetzlich…)  Leider funktioniert aufgrund irgendeines Bugs in Outlook die “sofort-endgültig-löschen-Regel” nicht automatisch, die ich für die Drecks-Spammer eingerichtet habe. Aber zurück zu Blanche und ihrer Botschaft:

Hallo Michael,

Deine Zweifel und Sorgen ruinieren dein Leben.

Bingo. Das kann man wohl sagen nach meiner Teilnahme am “Monatspreis-Turnier” gestern im Golfclub Leverkusen. Ich hatte da schon mal Ende letzten Jahres eine ziemlich katastrophale Runde gespielt; aber das gestern war nicht nur katastrophal, sondern Armargeddon. Ich hab das schon beim Einschlagen auf der Range gemerkt, dass der Driver nicht “funktionierte”; aber da funktionierte nicht nur der Driver nicht mehr, da funktionierte gar nichts mehr. Erste Bahn, erster Strich. Zweite Bahn, Abschlag mit dem Eisen gehoppelt, zweiter Strich. Danach war ich schon im Schock&Verzweiflungs-Modus.

Während ein gutaussehender Jungspund mit HCP 47 in meinem Flight, begleitet von seiner Freundin (er hatte wohl mal als Kind irgendwo Golf gelernt, aber zwischendurch lange nicht gespielt; das war jetzt sein erstes Turnier seit zig Jahren…) die Abschläge mit satt über 220m geradeaus in die Prärie donnerte, war bei mir wieder mal völlig abartiger Slice angesagt. Erster Abschlag rechts in die Binsen, provisorischer Ball genau hinterher. Hinter uns der erste 9-Loch-Flight; die Flight-Partner kümmern sich nur um ihren eigenen Ball (“Ready-Golf”) – heißt: Abschlagen, Abschlagen, Ball ist weg, Strich.

Embed from Getty Images

(auch mit Wampe kann man theoretisch gut spielen…)

In den seltenen Fällen, wo ich mal einen ersten Abschlag geradeaus bekommen habe, habe ich dann bei der Annäherung völlig abartig verkackt. (So Slapstick-artige Sachen wie “aus dem Bunker in den Bunker gegenüber. Und dann von dort wieder zurück…”) Oder noch schlimmer: Abschlag ok; der Ball war eigentlich schon eindeutig geradeaus auf dem Fairway, nur leider haben wir den dort nicht mehr gefunden. Ich hab eigentlich nur aus Fairnessgründen weitergespielt, um meinen hoffnungsvollen Flightpartner weiter zählen zu können.

Ich werde dir helfen, mit Gelassenheit wieder in Kontakt zu treten, indem ich dir deine Zukunft enthülle, indem ich dir präzise Antworten auf alle Fragen gebe, die sich dir stellen.

Bingo, Bingo. Ich hätte da zig Fragen. Wieso kann ich von einem auf den anderen Tag nicht mehr Golf spielen? (Auf dem bescheidenen bisher erreichten Niveau, versteht sich…) Wieso habe ich noch bei den letzten beiden Turnieren den dritten/zweiten Netto-Preis gemacht, und jetzt geht gar nichts mehr?

Gib mir dein Vertrauen und dein Leben wird sich verändern, denn der Frieden, das Glück und der Wohlstand, den du verdienst, stehen dir zur Verfügung.

Ein neues Leben wird dir angeboten!

Ja klar – ich verdien das doch echt. Was hab ich nicht alles gemacht: tausend mal trainiert, tausend mal Kohle für die Pros rausgerückt… Teure, meinem Können nicht angemessene Blades gekauft…

Klicke auf den untenstehenden Link und ich kümmere mich vorrangig um dich: Klicke auf den untenstehenden Link und ich kümmere mich vorrangig um dich:

Super, danke. Was mich ein ganz kleines bisschen irritiert: Die hellsichtige Blanche…

…arbeitet offenbar auch als Model für Stock-Foto-Anbieter. Das ist natürlich ihr gutes Recht, schließlich sieht sie ja für ihr Alter noch ziemlich extrem gut aus, und vielleicht ist ja das beherbergen der kleinen possierlichen Tiere auf ihrer Farm noch letztlich nicht abendfüllend … Aber; oder: Wollen mich da “go-nl-sending-71.de” bzw. “ABCNEWSLETTER CONSULTING LTD” mit einer gefaketen Blanche etwa betrügen??? Dann müsste ich mal wieder meine Voodoo-Zeremonie vorbereiten, mit den bekannt schrecklichen Folgen.

Mein eigenes Golf-Problem habe ich heute (hoffentlich…) einigermaßen gelöst: Ich hatte am Samstag vor dem Turnier beim Üben offenbar eine großartige neue (falsche…) “Schwung-Idee”, die mich am Sonntag total gekillt hat. Nach zwei Stunden auf der Range heute bin ich drauf gekommen, was ich da für einen Bullshit mache. Das ist echt ziemlich diffizil mit diesem komischen Golfen, Blanche. Kennst Du dich da wirklich aus?

DeepMind-KI spielt erfolgreich Multiplayer-Shooter

“Quake 3” war einer der letzten “Ego-Shooter” (zurecht oder zu unrecht 🙂 besorgte Zeitgenossen sprechen ja auch von “Killer-Spielen”…), die ich sehr ausgiebig und auch einigermaßen gut gespielt habe. Das ging damals (1999…) eben noch mit meinem heiß geliebten und sehr soliden Joystick, bei dem eine der Funktionstasten für das “strafen”; das seitliche Ausweichen bei feindlichem Beschuss zuständig war. Danach kam dann die kombinierte Steuerung durch Maus (für das Rumgucken…) und Tastatur (für das Laufen, Schleichen, Hüpfen oder Ducken) in Mode, und das hat meine koordinativen Fähigkeiten dann schnell überfordert. Tja, man wird älter 🙂 …

“Capture the Flag”, also das bis auf den heutigen Tag beliebte Multiplayer-Game hab ich auch nicht versucht; ich hab mir höchstens mit meiner damaligen Freundin im 2-PC-Netzwerk Kettensägen-Duelle geliefert, oder wir sind gemeinsam gegen die im Spiel eingebaute Monsterhorde angetreten. Aber natürlich ist das “Capture the Flag”-Multiplayer-Game die wesentlich anspruchsvollere Variante bei Ego-Shootern – zumindest wenn man über den ganz primitiven Impuls “auf alles ballern, was sich bewegt” hinausgeht. Das Multiplayer-Game erfordert Kooperation und Koordination und irgendwelche Strategien.

Ist es z.B. eine gute Idee, hinter einem Team-Kollegen hinterher zu laufen, den ggf. gegen Feinde zu unterstützen und im Falle seines Ablebens die vakante Fahne zu ergreifen? Sollte man die eigene Basis gegen feindliche Angriffe verteidigen, oder vielleicht im verlassenen gegnerischen Camp ausharren, bis dort die Fahne eines hingemetzelten Fahnenträgers wieder auftaucht? Die Deep-Mind-Programmierer haben ihre “Agents”, ihre auf neuronalen Netzen basierenden Algorithmen genauso wie bei Schach, Go oder StarCraft nach dem “Reinforcement Learning”-Prinzip trainiert.

Der Algorithmus/das neuronale Netzwerk weiß erst einmal nichts. Es spielt drauflos und lernt durch Erfolg oder Misserfolg. Beim aktuellen Quake-Experiment hatten die “Agents” auch nur exakt die Teil-Information über die Spielsituation, wie sie auch ein menschlicher Spieler hat: Das “Sichtfeld”, also die in der Ego-Perspektive sichtbaren Pixel. Und den Punktestand, also den eigenen “Gesundheits”- und “Erfolgs”-Status und den des Teams. Wie die verschiedenen Iterationen der neuronalen Netzwerks “trainiert werden” bzw. “lernen”, ist sehr komplex – professionell Interessierten empfehle ich da dringend einen Blick ins Original-Paper und in das Supplement. 🙂

(Quelle: DeepMind)

Aber das Resultat ist klar: Die besten der trainierten “Agenten”/neuronalen Netzwerke spielen Quake 3 CTF mit einer übermenschlichen “superhuman Performance”. Tröstlicherweise können versierte menschliche Spieler die Agents immer noch “exploiten”, also ihre Strategien durchschauen und ausnutzen, wenn ein gegebenes Spiel-Szenario gleich bleibt. Und für die Experten: Der Vorsprung der KI bleibt auch erhalten, wenn die etwas schnellere Reaktionszeit der KI-Bots auf das Erscheinen eines Feindes durch eine menschen-ähnlich verzögerte Reaktionszeit angeglichen wird.

Über die Übertragbarkeit des DeepMind-Quake 3-CTF-Algorithmus auf realistischere Szenarien kann man nur spekulieren. Aber der Ansatz “Reinforcement Learning” und neuronales Generalisieren von unbekannten Szenarien scheint sehr erfolgversprechend zu sein. Darüber kann man sich perspektivisch freuen (etwa irgendwann einmal bei Rettungs-Einsätzen von Robotern; oder bei echtzeit-kritischen Weltraum-Missionen…) oder ärgern (etwa beim autonomen Agieren von Killer-Drohnen oder -Robotern bei kriegerischen Auseinandersetzungen…

Reinforcement Learning – KI kann auch „Killer-Spiele“

Deutschlandfunk – Forschung aktuell vom 31.05.2019 (Moderation: Arndt Reuning)

Ein mimimi für Annegret Kramp-Karrenbauer

Ganz offen gesagt stand die CDU in meiner bisherigen Wähler-Laufbahn noch nie im Zentrum meiner Überlegungen. Wobei ich ja die unaufgeregte und uneitle Art von Bundeskanzlerin Angela Merkel immer schon geschätzt habe. Ich würde mich sogar fast zu der These hinreißen lassen, dass Frauen als Spitzenpolitiker(innen) tendenziell weniger bescheuert sind als Männer. Obwohl da gerade Theresa May ein eindrucksvolles Gegenbeispiel gibt; Margaret Thatcher war ja auch irgendwie nicht so ganz besonders sympathieauslösend; dann gibt’s natürlich auch noch zig korrupte und eitle Damen in diversen Ländern, die genauso in die eigene Tasche wirtschaften und genauso penetrant am Amts-Stuhl kleben wie die Herren der Schöpfung.

Annegret Kamp-Karrenbauer fand ich eigentlich auch relativ sympathisch; jetzt mal so im Vergleich zu dem aus Blackrock-Aufsichtsrats-Höhen herab- (und nach seiner Pleite wieder herauf-…) geheuschreckten Friedrich Merz. 🙂 Aber nach ihrem beleidigten Statement als Reaktion auf die Europawahl und das natürlich völlig unverschämte, total unfair (oder sogar terroristische..) asymmetrische YouTube-Video von Rezo und den anderen natürlich völlig minderbemittelten YouTubern muss ich sagen: Mimimi, liebe AKK!

Das kann ja wohl nicht wahr sein. Die Dame will Bundeskanzlerin werden. Da wäre es vielleicht keine schlechte Idee, verinnerlicht zu haben, wie Demokratie funktioniert und was in unserem Grundgesetz steht. Damit ich hier nicht alle Kontra-Argumente aufzählen muss, verweise ich mal auf die Kommentare von Stefan Kuzmany bei SPON und Marvin Strathmann bei Heise. Noch ein paar Aspekte:

Ist eigentlich Wahlkampf keine “Meinungsmache”? Ist es vor einer Wahl legitim zu sagen: “Wählt CDU!” Und nicht legitim zu sagen: “Wählt nicht CDU!”? (Und nicht SPD. Und nicht AfD.)  Soll es einen Stimmen-Bonus geben für “Parteien der Mitte”? Oder einen Gedenk-Bonus für ehemalige “Volksparteien” und Kanzler-oder Kanzlerin-Steller-Parteien? Ist die AfD eigentlich keine “demokratisch legitimierte Partei” mit “unzähligen ehrenamtlichen Helfern”? (Auch wenn mir persönlich das vielleicht keine besondere Freude bereitet – ist sie aber.)

Ich habe das Rezo-Video übrigens erst am Samstag vor der Wahl angeschaut. Ist eben ein bisschen lang 🙂 . Aber, obwohl mir als Profi die Fakten natürlich bekannt waren – das hat mich tatsächlich beeinflusst. Ich hab mich immer schon gefragt: Warum machen wir öffentlich-rechtlichen Journalisten den Scheiß eigentlich mit? Warum machen wir bei diesem Spielchen mit, die Bullshit-Antworten von Politikern zu akzeptieren; vielleicht als Ritual noch einmal nachzufragen und dann auf den – in der Ausbildung so vermittelten Effekt zu vertrauen – “der demaskiert sich mit der Nichtbeantwortung der Frage selbst.”

Nein. Das stimmt eben leider nicht. Wir Journalisten machen bei diesem abgeschmackten Bullshit-Spielchen mit. Wir fühlen uns gebauchpinselt, wenn wir vom “ach-so-mächtigen” Außenminister ein paar vermeintlich vertrauliche und exklusive Infos bekommen; und für den vielleicht etwas karrierefördernden ersten Zugriff auf irgendwelchen harmlosen Bullshit opfern wir die Gelegenheit, nein, die Verpflichtung zu sagen: Das, was Sie da gerade gesagt haben, ist doch Bullshit/ein Ausweichmanöver/Sie haben da offenbar keine Ahnung.

Ich war letzte Woche mit ein paar Leuten aus gehobenen Etagen der ARD und des ZDF zusammen, und eigentlich war die Wahrnehmung des Rezo-Videos die: Warum machen wir eigentlich sowas nicht, ist das nicht eigentlich die Zukunft oder die Bringschuld des öffentlich-rechtlichen Journalismus? Ja, ist es. Auch wenn es Annegret Kramp-Karrenbauer, der SPD und natürlich auch der AfD nicht gefallen wird: Wenn man mal einen Realitätscheck macht, dann seid ihr alle Scheiße. In unterschiedlichen Ausmaßen vielleicht. Und bei den Grünen ist logischerweise auch nicht alles ok.

Aber darüber müssen wir doch diskutieren. Symmetrisch, asymmetrisch und vor allem demokratisch. Auch wenn das Neuland ist. Die (jetzt noch so einflussreiche…) Kohorte der alten Säcke und Säckinnen 🙂 stirbt nämlich aus. Und, wie Rezo ja schon gesagt hat, so konservativ oder zukunftsblind sind die “Alten” gar nicht: Auch Oma und Opa wollen eigentlich das Beste für ihre Enkel(innen)… Fazit: Wenn AKK und die CDU nicht total abkacken wollen, empfehle ich mal einen Realitäts-Check. Bei der SPD fällt mir gerade nix zwingendes ein. Auf jeden Fall: Willkommen im Neuland!

Spammer droht, mich als Spammer dastehen zu lassen

Ich wundere mich ja immer wieder, wie dreist irgendwelche Arschlöcher versuchen, ihre Mitmenschen übers Ohr zu hauen. Ob jetzt in der analogen Welt mit Enkeltrick oder einem Telefonanruf:

“Hier die Kriminalpolizei, in Ihrer Nachbarschaft hat es Einbrüche gegeben. Auch Sie sind offenbar Ziel der Ganoven. Wir kommen jetzt gleich mal bei Ihnen vorbei, um Ihren Schmuck oder Ihre Bargeldbestände in Sicherheit zu bringen.”

(Ist allen Ernstes bei meinen Tanten so passiert – schade, dass ich nicht da war, sonst hätten wir ja mal drauf eingehen können und ich hätte dem Abholer mein Eisen 6 über die Rübe gezogen…) Aber damit hätte ich mich ja wiederum strafbar gemacht, klar.

Oder in der digitalen Welt mit irgendwelchen Quatsch-Mails: “Reklamieren Sie jetzt sofort ihren bislang nicht abgerufenen Lotto-Gewinn; oder den Nachlass des unglücklicherweise verstorbenen Ministers Wuggo Waggabuggo aus Nigeria…” Die ganzen Analog- und Cyber-Verarscher spekulieren ja auch “nur” auf die Dummheit der Menschen; am liebsten auf die von älteren oder aus anderen Gründen etwas argloseren. Teilweise kommen die Verarscher selbst aus benachteiligten gesellschaftlichen Gruppen (um das mal total “political correct” zu formulieren 🙂 ) oder aus Ländern mit Armut und gesellschaftlichen Problemen. Wahrscheinlich hatten auch viele von den Verarschern eine schwierige Kindheit.

Mein spontaner Impuls ist trotzdem, den Drecksäcken einfach mal so richtig die Fresse zu polieren. Kommen wir mal zu konkreten Beispielen. Die Masche mit dem Erpressungs-Spam:

“Ich habe Ihren Computer gehackt. Und Sie mit Ihrer eigenen Webcam dabei gefilmt, wie Sie beim Besuchen von Porno-Websites vor dem PC onanieren. Herzlichen Glückwunsch, Sie haben einen guten Geschmack! Wenn Sie nicht wollen, dass ich das Splitcam-Video an alle Ihre Kontakte maile, zahlen Sie soundsoviel Bitcoins an die Adresse soundso…”

– die ist ja nun mittlerweile schon etwas älter. So richtig überzeugend ist die Drohung ja auch nicht, wenn man wie ich gar keine Webcam hat. „Isch ‘abe gar keine Auto“ 🙂

Gestern habe ich aber mal einen originellen neuen Erpressungsversuch  bekommen, und zwar als Kommentareintrag auf einem WordPress-Blog:

Autor: Joshuaepimb (IP: 141.98.103.30, 141.98.103.30)
E-Mail: fgedufd@yfgeufds.com
URL:
Kommentar:
Hey. Soon your hosting account and your domain forsttierarzt.de will be blocked forever, and you will receive tens of thousands of negative feedback from angry people.

Pay me 0.5 BTC until June 1, 2019.
Otherwise, you will get the reputation of a malicious spammer, your site forsttierarzt.de will be blocked for life and you will be sued for insulting believers. I guarantee this to you.

My bitcoin wallet:19ckouUP2E22aJR5BPFdf7jP2oNXR3bezL

Here is a list of what you get if you don’t follow my requirements:
+ abuse spamhouse for aggressive web spam tens of thousands of negative
+ reviews about you and your website from angry people for aggressive
+ web and email spam lifetime blocking of your hosting account for
+ aggressive web and email spam lifetime blocking of your domain for
+ aggressive web and email spam Thousands of angry complaints from angry
+ people will come to your mail and messengers for sending you a lot of
+ spam complete destruction of your reputation and loss of clients
+ forever for a full recovery from the damage you need tens of thousands
+ of dollars
All of the above will result in blocking your domain and hosting account for life. The price of your peace of mind is 0.5 BTC.
Do you want this?
If you do not want the above problems, then before June 1, 2019, you need to send me 0.5 BTC to my Bitcoin wallet: 19ckouUP2E22aJR5BPFdf7jP2oNXR3bezL
How do I do all this to get this result:

  1. I will send messages to 33 000 000 sites with contact forms with offensive messages with the address of your site, that is, in this situation, you and the spammer and insult people.

And everyone will not care that it is not you.

  1. I’ll send messages to 19,000,000 email addresses and very intrusive advertisements for making money and offer a free iPhone with your website address forsttierarzt.de and your contact details.

And then send out abusive messages with the address of your site.

  1. I will do aggressive spam on blogs, forums and other sites (in my database there are 35 978 370 sites and 315 900 sites from which you will definitely get a huge amount of abuse) of your site forsttierarzt.de.

After such spam, the spamhouse will turn its attention on you and after several abuses your host will be forced to block your account for life.
Your domain registrar will also block your domain permanently.
All of the above will result in blocking your domain and hosting account for life.
If you do not want to receive thousands of complaints from users and your hosting provider, then pay before June 1, 2019.
The price of your peace of mind is 0.5 BTC.
Otherwise, I will send your site through tens of millions of sites that will lead to the blocking of your site for life and you will lose everything and your reputation as well.
But get a reputation as a malicious spammer.
My bitcoin wallet:19ckouUP2E22aJR5BPFdf7jP2oNXR3bezL

Mal zusammengefasst – das Erpresser-Arschloch droht, wenn ich ihm nicht etwas 🙂 Kohle per Bitcoin-Überweisung rüberschicke, in meinem Namen Millionen andere Webseiten zuzuspammen. Das hätte dann zur Folge, dass meine eigene Website entweder durch Anti-Spam-Blacklists oder sogar durch meinen eigenen Provider abgeschaltet und ich meine Netz-Reputation und meine “Kunden” verlieren würde. Abwenden kann ich das nur, wenn ich dem Erpresser schlappe 3.569,41 Euro (nach aktuellem Bitcoin-Kurs…) zahle. Natürlich hat sich das Erpresser-Arschloch nicht die Mühe gemacht, abzuchecken, ob die Drohung mit dem Reputations- und “Kunden”-Verlust bei einer Website wie “Forsttierarzt”  🙂 plausibel ist. Das Ganze ist genauso ein wohlfeiler Schuss ins Blaue wie die Porno-Webcam-Erpressungsmasche.

Das Erpresser-Arschloch ist sogar saublöd genug, um den Erpressungs-Blogkommentar auch noch wieder zu spammen. Da kam nämlich um 19.32 Uhr der erste Eintrag von:

Joshuaepimb (IP: 141.98.103.30, 141.98.103.30)

E-Mail: fgedufd@yfgeufds.com

Dann um 20.24 Uhr von:

WilliamFex (IP: 137.59.253.16, 137.59.253.16)

E-Mail: geugf@fgeuhfe.com

Dann um 21.40 Uhr von:

PatrickLip (IP: 137.59.253.16, 137.59.253.16)

E-Mail: gudfe@ufguef.com

Und um 22.24 Uhr von:

RichieTew (IP: 137.59.253.16, 137.59.253.16)

E-Mail: guhfue@fygsuf.com

Das heißt, auch wenn ich jetzt vielleicht als etwas minderbemittelter nicht-so-ganz-Checker angesichts des ersten Erpresser-Kommentareintrags verunsichert bin und eventuell sogar mit dem Gedanken spiele, die Kohle rauszurücken – spätestens hier wird mir klar, dass das Erpresser-Arschloch ja ewig weitermachen kann und mich morgen als RäuberHotzenplotz@Hotzenplotz.com und übermorgen als GottDerAllmächtige@GottDerAllmächtige.de weiter erpressen kann. Man kann einen netten, kleinen abgefuckten Erpressungs-Versuch eben auch übertreiben und vermasseln.

Das alles ist natürlich an sich lächerlich. Da hier das Erpresser-Arschloch aber nicht mit einer direkt als Fake durchschaubaren Drohung (wie bei der Onanier-Porno-Variante bei nicht vorhandener Webcam…) droht, sondern mit einer theoretisch tatsächlich beeinträchtigenden Handlung (ich hoffe mal, dass wenigstens Spam-Blacklists nicht auf gefälschte Mail-Header reinfallen…), werde ich jetzt mal Anzeige erstatten. Interessanterweise sind ja Bitcoin-Wallets längst nicht so anonym, wie sich das manche Arschlöcher vorstellen.

Ich werde hier über die Weiterentwicklung berichten; vielleicht landet ja am Ende ein Arschloch (vermutlich mit schwieriger Kindheit…) im Knast. Da glaube ich allerdings selbst nicht so ganz dran. Von daher mal – als Alternative zum Schlag in die Fresse folgendes:

Embed from Getty Images

Ich habe gerade eine Voodoo-Zeremonie durchgeführt. Har, har!!! Du Erpresser-Arschloch und alle deine Verwandten werden nun auf grausamste Weise sterben. Hilfsweise sind auch meine Russische-Mafia-Killer bereits ausgeschwärmt. Erwarte Dein bitteres Ende ab sofort in jeder Sekunde! Har, har, har!!!

Photoshop hilft immer

Mir ist ja so manches beim Golf immer noch ein Mysterium. Ich meine jetzt mal nicht so Sachen, warum ich plötzlich von einem Tag auf den anderen 30 Meter kürzer schlage oder den Ball plötzlich wieder toppe. Nein, dabei wird mir ab sofort mein Wunder-Armband helfen. Ich spreche jetzt hier von meinen Polos. Natürlich hab ich mich an den Golf-Bekleidungs-Codex angepasst und mir seit meinem Einstieg in die Sportart diverse dieser unverzichtbaren, aber für den normalen Wampen-Inhaber auch optisch tendenziell problematischen Kleidungsstücke angeschafft – ok, ich bin da gerade so auf der Borderline der Vertretbarkeit.

Einen hochgeklappten Kragen find ich nach wie vor zwar irgendwie attraktiv, aber letztlich eben nicht vertretbar. Kragen-Hochklapper gab’s früher bei uns in der Schule auch schon; mit Lacoste-Shirts. Und die waren nicht besonders angesehen und wurden “Popper” genannt. Aber was ich eigentlich meine: Spätestens nach dem zweiten Drive oder Eisenschlag ist ja mein Polo aus dem Hosenbund hochgerutscht, trotz der extra angeschafften Golf-Hosen und -Shorts, die genau zur Verhinderung dieses Desasters extra Silikon-Inlets im Bund haben; zwecks besserer Haftung oder Reibung. Auf manchen Plätzen verstoße ich ja mit dem rausgerutschten Polo schon gegen die Bekleidungs-Etikette.

Umso sympathischer, dass selbst Profi-Models bei einem führenden deutschen Golfartikel-Anbieter nicht völlig perfekt sind. Das war zumindest mein spontaner Eindruck beim Blick auf den Umschlag der gestern zugestellten Werbe-Zuschrift von Golfhouse.

Scan des Umschlags einer Werbezusendung von Golfhouse

OK – die Gürtelschnalle am Bauch des weiblichen Models ist hier etwas merkwürdig verrutscht. Was in ihrem Fall (im Gegensatz zur Situation bei mir…) nicht an einer Wampe, sondern eher am beherzten Zugriff des männlichen Models liegen dürfte. Sieht etwas komisch aus, ist aber sehr authentisch. Im Innenteil, beim “Trendbooklet” ist der kleine, authentische Faux-Pas aber selbstredend wieder korrigiert:

Scan Golfhouse-Trendbooklet

Tja, Photoshop-Warp macht’s möglich. Und das Tatoo am rechten Arm des männlichen Models ist auch plötzlich weg – im Gegensatz zu einigen anderen Fotos im “Trendbooklet”. Vielleicht sollte man ja wenigstens eine gewisse Konsequenz beim Retuschieren einhalten. 🙂

Wenn ich jetzt mal genau hinschau: Das Logo auf dem Polo des weiblichen Models ist auch weg. Und ihre Busen-Größe bzw. der Büsten-Winkel ist etwas “optimiert” worden. Ui, ui – “das geht ja gar nicht”. So Typen wie ihr spielt bestimmt auch mit dem Leder-Wedge. 🙂

 

Das Wunder-Armband wird mir helfen

Ich hab mich da schon mal geoutet: Ich spiel seit einiger Zeit Golf. Und zwar ziemlich ernsthaft und ambitioniert – was natürlich neben dem förderlichen und entspannenden Faktor (man sitzt nicht bräsig und zusammengekauert vor dem Monitor, sondern bewegt seinen Arsch und dazu noch das Golfbag kalorienverbrauchend durch die Prärie 🙂 ) auch noch einen negativen Faktor ins Leben reinbringt: Wenn plötzlich (bzw. immer mal wieder…) alle Schläge getoppt oder zu kurz sind oder gescliced in die Binsen gehen, obwohl man doch “eigentlich” das Mysterium der Hüft-Schulter-Entkoppelung gerade gelöst hatte – dann verflucht man das Dasein.

Die Sache wird noch mal komplizierter, wenn man zusätzlich noch eine andere Sportart wie “Singen” betreibt. Weil nämlich da irgendwelche “Erkenntnisse”, die nach ein paar Tagen plötzlich “irgendwie” nicht mehr klappen, zu fürchterlichsten Verspannungen führen, die dann auch den auch den “eigentlich” schon begriffenen Golfschwung unmöglich machen. Ok – wer in keiner der beiden Disziplinen unterwegs ist, weiß gar nicht, wovon ich hier rede… Herzlichen Glückwunsch!

Aber für die Eingeweihten: Ich habe jetzt das ultimative Gegenmittel, die ultimative Erlösung gefunden und kostenpflichtig bestellt. Ich poste hier mal die Beschreibung dieses Wunder-Gadgets:

Trion:Z ZenLoop Solo Ionic Bracelet. Trion:Z is the #1 therapy bracelet on Tour worn by over 200 PGA Tour Golf Professionals. The all new ZenLoop wristband contains powerful negative ions producing materials in the pod and patented ANSPO magnetic technology, working together to produce the most powerful product of its type, on the market today. Constructed with premium grade, climbing rope inspired braided cord, strength tested to 50 kg and finished with a magnetic push fit fastening. The water resistant, high grade dual density silicone material is infused with negative ions that are released in abundant levels. The stylish and functional, brushed stainless steel power POD features 2 x 1,000 gauss magnets working together to produce one of the most powerful products of its type on the market today, producing over 1,000 negative ions per second. ‘Clinical tests have shown that wearing the bracelet provides significant improvement to pain, stiffness and daily functioning.’

 

Tja, liebe Golf-Freunde – wenn da schon über 200 Golf-Pros (die können ja nicht alle bekloppt sein…Oder doch?) drauf vertrauen, dann wird das Ding wohl funktionieren, oder nicht? Die Lidl-Golfer können natürlich auch die Billig-Version des Armbands bestellen und lächerliche 5€ sparen. Und aber mit der spärlichen Hälfte der Gauss-Kraft auskommen. Viel Spaß dabei!!!

Mit meinem Power-Armband spiele ich demnächst alles in Grund und Boden! Ihr armen Erdenmenschen! Nähere Details und Erfahrungsberichte bald hier in diesem Blog.

Klare Regeln in Internet-Foren schrecken neue User nicht ab – im Gegenteil

Wenn Sie sich regelmäßig an irgendwelchen Online-Diskussionen; sei es in Kommentarforen, bei Twitter oder Facebook beteiligen – dann müssen Sie ja ein ziemlich dickes Fell haben. Denn je nach Brisanz des Themas dauert es ja meist nicht lange, bis die ersten Troll- oder Hate-Postings auftauchen, bis provoziert oder beleidigt wird, entweder ernstgemeint (der gemeine Netz-Wutbürger, geradezu unvermeidbar etwa bei allen ÖR- oder GEZ-Treads 🙂 …) oder aus reinem destruktiven Spaß an der Freud (der gemeine Troll…). Oder halt jobmäßig. (Der Russen-Troll…)

Embed from Getty Images

Psychologen von der Princeton University haben jetzt mal ein Experiment gemacht und ausprobiert, ob es etwas bringt, von vornherein sehr klare Spielregeln für Online-Diskussionen aufzustellen – das Ergebnis: Das bringt definitiv was, da beteiligen sich dann nämlich mehr Leute und der Umgangston wird friedlicher. Wer jemals mit dem Gedanken gespielt hat, auf einer Zeitungs-Website oder einem Kommentar-Forum etwas zu posten, kann das intuitiv und erfahrungsgemäß bestätigen. Natürlich ist da an der “radikalen” Internet-Freedom-These etwas dran: Eigentlich sollte es möglich sein, im Netz die Meinungsfreiheit auszuleben.

Ich bin ja gar nicht für Gender- oder Political-Correctness um jeden Preis; und je repressiver Staaten werden (Russland, Türkei, China…),  umso mehr ist natürlich ein Kanal notwendig, abweichende und den Herrschenden nicht genehme Meinungen und Informationen zu verbreiten. Das Problem ist ja nur – auf jeden “rechtschaffenden” Dissidenten und Andersdenkenden kommen zehn Bekloppte, Radikale, Trolls und bezahlte Staats- und Desinformations-Trolls…

Insofern ist wahrscheinlich auch die Moderations-Blaupause der Princeton-Forscher ganz hilfreich: Witze und Memes sind zwar manchmal witzig und memig, meistens aber nicht. Insofern scheint mir die Idee mit dem “Sticky Post” ganz hilfreich, da könnte z.B. auch das von mir doch recht oft konsultierte Heise-Forum von profitieren. Aber klar – die Gesamt-Klicks gehen natürlich zurück, wenn man die Irren rauskickt… 🙂

Kommunikationsregeln wirken

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 30.04.2019 (Moderation: Diane Hielscher)

England und Wales: Opfer von Straftaten sollen Zugriff auf Smartphone gewähren

Ganz klar – was auf unseren Smartphones gespeichert ist, das ist normalerweise ein ziemlich aussagekräftiges Abbild unserer Existenz. Das ist extrem unangenehm oder peinlich oder vielleicht sogar existenz-gefährdend, wenn uns das Smartphone abhanden kommt; wir haben da hoffentlich eine wirksame(!) Verschlüsselung eingerichtet.

Ein neues Verfahren der britischen Staatsanwaltschaft sieht jetzt vor: Ab sofort soll jeder/jede, die/der eine Anzeige bei britischen Polizeidienststellen erhebt, der Polizei Zugriff auf das persönliche Smartphone einräumen. Also inklusive des Zugriffs auf Mails, Chats oder Fotos – das Konzept gilt für alle Anzeigen, zielt aber offenbar insbesondere auf Anzeigen wegen Vergewaltigung oder sexueller Belästigung. Bei denen ist die Hemmschwelle zur Anzeigenerstattung extrem hoch und die tatsächliche Strafverfolgungsquote extrem niedrig – andererseits; es gibt offenbar eine Reihe von Fällen, bei denen die Anschuldigung ungerechtfertigt war – die drastischen Folgen ersehen wir in Deutschland z.B. im Fall Kachelmann…

Ohne jeden Zweifel wird das neue Verfahren wie beabsichtigt ein paar Fälle von ungerechtfertigter Beschuldigung aufklären oder von vornherein verhindern. Ob dieser positive Effekt allerdings den negativen Effekt kompensiert, dass zweifellos zukünftig noch weniger Vergewaltigungen/sexuelle Belästigungen überhaupt zur Anzeige gebracht werden – da bin ich völlig ratlos…

England und Wales: Opfer von Straftaten sollen Zugriff auf Smartphone gewähren

DLF Nova – Hielscher oder Haase vom 29.04.2019 – Moderation: Diane Hielscher

Da gibt’s noch mal einen interessanten Nachklapp von einem der Smartphone-Auswerter zu.

Facebook in 50 Jahren: Mehr tot als lebendig

Dass Soziale Netzwerke und der ständige (vorwiegend mobile…) Zugriff darauf Zombies produzieren, ist eh klar 🙂 Aber dass die Toten oder eben vielmehr die Untoten (verstorbene Nutzer mit verwaisten oder in den Gedenkzustand versetzten Accounts…) irgendwann bei Facebook in der Mehrzahl gegenüber den Lebenden sein werden, darauf muss man erst mal kommen. Aber klar; im Gegensatz zu Mikroben oder sonst was pflanzt sich der Mensch nicht exponentiell fort, es gibt also auch trotz eines gewissen oder vielleicht sogar besorgniserregenden Bevölkerungswachstums insgesamt schon mehr Gestorbene als noch Lebende.

Und zweitens: Facebook hat eine so gewaltige Userzahl, dass es überhaupt erst Sinn macht, deren Entwicklung mit der prognostizierten Entwicklung der Weltbevölkerung zu korrelieren: Im “optimistischen” Szenario der beiden Forscher Carl Öhman und David Watson vom Oxford Internet Institute wächst das Netzwerk mit der derzeitigen Rate von 13% jährlich bis zur “Marktsättigung” – soll heißen; jeder Mensch auf der Erde, der einen Facebook-Account haben will, hat dann einen. Mehr Wachstum geht nicht, und insofern setzt dann der oben erwähnte Mechanismus ein: Die Nutzer sterben, und auch wenn es eine Generation neue User geben sollte, stehen denen erst eine, dann zwei, dann drei Generationen tote User (bzw. eben deren Gedenk- oder vergessene Profile…) gegenüber…

Embed from Getty Images

Unmittelbar einsichtig wird der Effekt beim Extrem-Szenario der Wissenschaftler: Wenn von heute auf morgen kein neuer Nutzer mehr zu Facebook dazu käme, dann ginge das Sterben sofort los – dann würden übrigens asiatische User den größten Teil der Toten/Untoten stellen. Beim zweiten, realistischeren Szenario (eine vielleicht ja angebrachte Facebook-Kernschmelze infolge eines noch mal potenzierten Cambridge-Analytica-Effekts halten die Autoren für unwahrscheinlich; ich stimme da zu..) inklusive weiteren Wachstums wären das hingegen die Afrikaner: Das reflektiert schlicht und ergreifend die derzeitigen und prognostizierten User-Zuwachsraten und die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung in den betroffenen Regionen.

Aber eigentlich ist das Ganze nur ein Big-Data-Rechenexempel, das zeigt: Das digitale Erbe, die digitalen Hinterlassenschaften von Menschen im Netz; nicht nur bei Facebook – die sind in ein paar Jahren kein exotisches Szenario mehr, sondern Mainstream. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob ein User-Profil eines stinknormalen Menschen überhaupt erhalten werden muss oder sollte, oder im Gegenteil im Daten-Nirvana am besten aufgehoben ist – nur; die Entscheidung darüber, das meinen die Autoren der Studie wahrscheinlich zu Recht – die sollte vielleicht besser nicht in der Entscheidungsgewalt eines privaten, gewinnorientierten Unternehmens wie Facebook liegen.

Wie in anderen Disziplinen auch (Einflussnahme auf Wahlen, Mobilisierung von durchgeknallten Extremen…) – ab einer bestimmten Größe ist ein Privatunternehmen mit privaten Nutzungs-Regeln eben nicht mehr privat – und das gilt auch für die toten User.

Facebook in 50 Jahren: Mehr tot als lebendig

DLF Nova – Hielscher oder Haase vom 29.04.2019 (Moderation: Diane Hielscher)