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Unfassbar dreiste Abzocke? Regionale EnergieWerke GmbH

Das hier aus einem Leserbrief in der aktuellen Finanztest-Ausgabe 2/2020 zieht einem so ziemlich die Socken aus:

Auf der ersten Seite dick eine super-tolle Preissenkung in Höhe von  0,01 Cent pro kWh, auf der zweiten Seite eine Preiserhöhung von 39,96€ jährlich auf 35€ monatlich, also völlig absurde 420€ jährlich – extra versteckt bzw. schwerer lesbar gemacht durch die ausgeschriebenen Ziffern. Klar, weil die saubere Firma ja “kontinuierlich in die Qualität unserer Dienstleistungen, reibungslose Abläufe und kundenorientierte Serviceleistungen” investiert.

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“Meine Damen, meine Herren – ich erwarte ihre Vorschläge für unser diesjähriges Kundenanschreiben!”

Wie gesagt, so etwas unfassbar dreistes hab ich schon lange nicht mehr gelesen. Ich kann da ähnlich wie bei Enkeltrick-Betrügern oder Online-Verschlüsselungs-Cyberganoven etc. nur staunen: Wie können solche Typen morgens noch in den Spiegel gucken, ohne dass ihnen die Ravioli vom Vortag wieder hochkommen? Wobei ja eindeutig Kriminelle noch wenigstens mit offenen Karten und einem angemessenen Einsatz spielen – wenn sie erwischt werden, landen Sie im Knast. An der Borderline der Legalität herumlavierende Sportsfreunde fühlen sich hingegen bei ausreichender moralischer Verrottung als ganz normale Geschäftsleute – zur Untermauerung dieses Eindrucks nach außen hin und für ihr in-den-Spiegel-schau-Problem tragen sie daher auch gern Anzug und Krawatte 🙂  (Cum-Ex 🙂 … )

Aber apropos juristischer Einordnung: Bei Online-Verbrauchergeschäften hat der Gesetzgeber ja mittlerweile dafür gesorgt, die Abzock-Versuche etwas zu erschweren. Da muss dann die komplette Summe deutlich genannt werden, inklusive aller Gebühren und Versicherungsleistungen, und der Kunde muss dann auf einen klaren Button klicken: “Jetzt zahlungskräftig bestellen”. Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass eine Preiserhöhung wie oben abgebildet, in der die Verteuerung ganz eindeutig und absichtsvoll verschleiert wird, rechtwirksam sein kann, wenn der Kunde nicht sofort und ausdrücklich widerspricht. (Nebenbei, wie will denn das Unternehmen überhaupt nachweisen, dass der Schrieb dem Kunden tatsächlich zugegangen ist?)

Also, ich hoffe mal, dass das juristisch nicht haltbar sein würde (wobei nur ein Bruchteil von Kunden, die die Erhöhung wie geplant überlesen haben, den Rechtsweg einschreiten wird – auch das gehört natürlich wiederum zur Kalkulation der ganzen Masche dazu…). Ich hoffe das sehr – sonst müsste ich wieder mit dem Herumbrüllen anfangen wie in der ersten Version dieses Textes 🙂

Mail von der Deutshen Ban

Ein Jahresticket 1. Klasse bei der Deutschen Bahn wär natürlich toll, da müsste ich mich nicht mehr mit dem ebenso hoffnungsvollen wie zeitgemäßen Pöbel 🙂 herumschlagen…

Trotzdem bin ich jetzt noch so ein bisschen unsicher, ob ich auf die Links in dieser Mail draufklicken sollte…

P.S. – ich hatte ja in der ursprünglichen Version dieses Textes wieder mal in Richtung Cyber-Horden in fremden, perspektivarmen Staaten herumgetobt. Die uns Tag für Tag mit Abzock- und Malwareversuchen belästigen, ohne sich wenigstens mit unserer schönen Muttersprache etwas intensiver abzumühen. Nach Rassismus-Vorwürfen und Beschwerden vom Legastheniker-Verband und vom “Verein für lautgetreues Schreiben in der Schule” ziehe ich das reumütig zurück. 🙂 Auch die inländische Gauner-Branche hat natürlich ihre liebe Müh und Not mit dem verfügbaren Nachwuchs-Personal.

Golfbälle für Trump-Fans oder Trump-Hasser

Eine ganz kleine Drehung kann unendlich viel aussagen. Zum Beispiel, ob man dem US-Präsidenten mit dem orangefarbigen Katzenfell auf dem Kopf eher ein dynamisches Fortkommen auch in der bevorstehenden nächsten möglichen Amtszeit (Gott, der Allmächtige möge uns beistehen…) oder eher einen satten, zentrierten Schlag in die lippenschürzende Fresse wünscht.

Und je nach dem wird man dann seinen Golfball wählen bzw. ausrichten. Entweder die Fresse nach vorne oder nach hinten.

The orange one

Dieses Antlitz kann man auf verschiedene Golfball-Modelle drucken lassen – selbst beim Titleist Pro V1 kostet das nur 22,39$. OK- gebraucht.

Ein eindeutig für Trump-Fans konzipiertes Design ist das hier:

The red, not the orange one

Und ein eindeutig für Trump-Hasser das hier:

Donald Trump Pile of Garbage Golf Balls

Der Preis bleibt immer gleich. Das ist Demokratie. Ach, nee. Das ist Marktwirtschaft.

 

ICE-Geschichten, Folge 664: Daniel ist total sauer. Weil er vom Alex beleidigt worden ist.

Ich steig vorgestern in Köln-Deutz in den ICE Richtung München ein. Da telefoniert ein junger Mann – offenbar eher in einer Art Leitungsfunktion mit einem Mitarbeiter; offenbar eher ein “Untergebener” – wobei; sowas altmodisches gibt es natürlich gar nicht mehr in jungen, hippen Unternehmen, die mutmaßlich etwas mit Netz oder Medien zu tun haben. Auf jeden Fall; der hoffnungsvolle junge Mann telefoniert da im ICE-Abteil; und er telefoniert laut, so dass das alles mindestens bis in die Hälfte des Wagens bombig mitzuverfolgen ist.

Am anderen Ende der Handy-Leitung ist Daniel; auch der spricht so laut bzw. ist so aufgeregt, dass wir das im Wagen zumindest so atmosphärisch mitbekommen. Der Daniel ist total außer sich. Und der hoffnungsvolle junge Mann, nennen wir ihn einfach mal “Chef”, versucht ihn wieder einzunorden: “Ne, Daniel, jetzt komm mal wieder runter. Wir können da gerne drüber reden, aber das hat keinen Zweck, wenn du da jetzt ausrastet. Jetzt beruhig dich mal. Reiß dich jetzt mal zusammen und sag mir vernünftig, was los war.”

Tja, der Daniel ist offenbar in der Firma ausgerastet und dann nach Hause geschickt worden. Aber der Daniel hat da auch einen Grund für gehabt: Er ist nämlich beleidigt worden. Und hat dann zurück beleidigt. “Ja, ok, das hab ich mir schon gedacht” – sagt der Chef. Aber was war da los? “Ok, wenn das so stimmt, dann schick mir einen Screenshot. Nein, ich möchte das auch wissen.” Der Daniel fragt, ob er morgen wieder kommen soll/kommen darf zur Arbeit. “Ich kann das jetzt nicht entscheiden. Ich fahr gerade nach Nürnberg, da hab ich ne Menge zu tun. Ich komm erst am Samstag wieder. Ich kann das nicht entscheiden, ruf da bitte den Dustin an.”

Ok, Gespräch beendet. Danach ruft der Chef den Dustin (vermutlich den Unterchef…) an. “Also ok, der Daniel ist total ausgerastet und nach Hause geschickt worden. Aber das scheint zu stimmen:  Der Alex, der Freund von der Steffi, hat ihn beleidigt. Ja, ich hab jetzt hier den Screenshot, das scheint zu stimmen. Also der Alex hat dem Daniel geschrieben: ‘Ich fick deine Mutter’ und ‘wir sehen uns demnächst’. Ja, das scheint so zu stimmen. Ich weiß auch nicht, was mit dem Alex los ist. Auf jeden Fall sollten die nicht morgen am Messestand so auflaufen.”

Das finde ich auch. Das könnte Leute verstören, die mit den Gepflogenheiten in jungen, hippen deutschen Unternehmen nicht so vertraut sind. Eine Frage wäre ja die, was der Alex (offenbar kein Mitarbeiter…), sondern nur der Freund von der Steffi (offenbar eine Mitarbeiterin…) überhaupt zu kamellen hat. Vielleicht braucht man einen Maulkorberlass für emotional unzuverlässige Freunde von Mitarbeiterinnen. Aber vielleicht steht Alex ja doch in einer geschäftlichen Verbindung zu Daniel, Steffi, Dustin und Chef.

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Symbolbild. Dieser ältere Mann ist nicht der hoffnungsvolle “Chef”. Aber immerhin sitzt er in einem ICE 🙂

Dann ist auch die Frage, warum sich Alex einer Ausdrucksweise befleißigt, die man normalerweise eher in migrationsbelasteten Milieus vermuten würde; der “fick deine Mutter”, oft auch einfach verkürzt auf “deine Mutter”-Topos ist ja ursprünglich dem islamischen Kulturkreis zuzuordnen; möglicherweise haben hier in der Zwischenzeit aber auch kulturübergreifende Wandelungsprozesse stattgefunden, die es nun auch erlauben, die “Mutter”-Beleidigung als indigen Deutscher abzusondern.

Ob man das allerdings per Mail tun sollte, wie Alex, der Freund von der Steffi das offenbar getan hat (falls nicht der Daniel den Screenshot, der ja auch nur ein Pixelhaufen ist, gefälscht hat…), das ist fraglich. Vielleicht hätte der Daniel ja einfach die Mail an die Staatsanwaltschaft weiterleiten, und nicht zurückbeleidigen sollen. Eigentlich müsste der Alex, der famose kulturell aufgeschlossene Freund von der Steffi dann erledigt sein. Aber ok; in Zeiten wie diesen, in denen das Landgericht Berlin die Beleidigung von Frau Künast als “Fotze” für legitim hält; da kann man wahrscheinlich auch die Beleidigung von Daniels Mutter als völlig normal ansehen.

Am besten klären die beiden das mal so von Mann zu Mann; wer stärker/geschickter/glücklicher war, hat recht gehabt. So läuft das auf jeden Fall in jungen, hippen, deutschen Unternehmen. Gut, dass man da im ICE mal diese tiefen Einblicke bekommt.

 

Neuer Computer. Bildschirm schwarz. Und dann die Erleuchtung.

Ich hab mal wieder einen neuen Rechner zusammengeschraubt. Wie schon öfter nach den Bauvorschlägen der c’t. Diesmal für meinen Neffen. Der braucht so langsam einen Computer. Offiziell für die Schule. In Wirklichkeit: Zum Zocken. Für alles, was mit der XBox nicht geht.

Ich baue also den Basis-PC zusammen für meinen Neffen; direkt mit der 2060Super-Grafikkarte – aus didaktischen Gründen; er soll mal sehen, wie das geht, was da so drin ist in einem Rechner. Etwas billiger und vor allem leiser als ein gekaufter PC soll die Kiste ja auch sein.

Wir schließen das Ding per HDMI-Kabel von seiner XBox an den Monitor an; schalten die Kiste an – der Rechner geht zwar schön an, die Lüfter drehen sich; nur kein Bild. Wir tauschen/checken die Verbindung: Nix, kein Bild. Ich tippe auf ein Verbindungsproblem mit dem Kabel. Wir latschen zu Saturn, kaufen ein völlig sittenwidrig überteuertes Displayport-Kabel von Belkin für sage und schreibe 40 Ocken. (Das weiß mein Neffe und das weiß ich natürlich auch seit Jahrzehnten: Die Kabel und Adapter bei Saturn sind völlig sittenwidrig überteuert; das war immer schon so und wird wahrscheinlich immer so bleiben.

Da wandern halt irgendwelche Mägdelein oder Null-Checker-Leute rein in den Laden und fragen dann einen Mitarbeiter; sofern die sich nicht gerade für ein Privat-Telefongespräch oder wegen “jetzt-gerade-keine-Lust” verdrückt haben 🙂 ; und dann kriegen die Ahnungslosen halt die sittenwidrig überteuerten Kabel und Adapter reingedrückt. Oder da kommen Ahnungsvolle (wie wir…) rein, die halt gerade vor der (vermeintlichen…) Alternative stehen: Entweder die Kiste läuft jetzt gleich, oder wir müssen bis spätestens in zwei Tagen warten, bis das gleiche Kabel per Amazon für 25 Ocken billiger geliefert wird.

OK. Wir sind schwach geworden – und haben damit das sittenwidrige Geschäftsmodell von Saturn noch mal für ein paar Wochen supported. Wir kaufen also wie gesagt das Kabel für abenteuerliche 40 Ocken. (Falls das nicht Displayport 2.1. bzw. 4k-kompatibel ist, gibt es eh noch mal Ärger … 🙂 )

Wir schließen das an und schalten die Kiste an. Nix. No Connection. Die sittenwidrigen 40 Ocken – auch am Ar… Herzlichen Glückwunsch, Saturn. Aber jetzt dämmert mir plötzlich, dass das schöne rote LED-Licht auf dem Board gar keine Gamer-Illumination ist, sondern ein Fehlercode: CPU-Error.

Scheiße, verfluchte! Hab ich den Ryzen geschrottet bei der Lüftermontage oder was? Ich bin schon drauf und dran, den Alpenföhn wieder zu demontieren – falls das überhaupt möglich ist :) Aber vorher guck ich noch mal ins Forum. Vielleicht gibt es ja Leidensgenossen. Finde diesen Eintrag: “Trotz aller Umsicht habe ich doch tatsächlich vergessen…” Was, den CPU PWR-Stecker?? Ach ja! Heiliges Kanonenrohr! Der baumelt doch noch ganz friedlich am Kabelstrang.

Reingefummelt. Angeschaltet. Läuft. Jetzt leuchten da drinnen die roten LEDs, und es ist wirklich nur noch Illumination. Hallelujah! Es lebe das Netz und der Grundsatz: “Die Fehler sind da. Sie müssen nur gemacht werden. (Tarrasch, oder doch Tartakower?)”

 

Ich kann keine 3,49 Euro überweisen. Wegen PSD2

Arrrgh!! Grrrg!! Hmmpf!! Seid ihr wahnsinnig, ihr Vollhorste ???

Ja, offenbar. Ich habe gerade versucht, 3,49 Euro per Paypal zu zahlen. Für eine Tages-KFZ-Versicherung. Meine Kreditkarte, die bei Paypal hinterlegt ist, ist die Bahncard-Kreditkarte, herausgegeben von der Commerzbank. Die Commerzbank ist ja eh ein Unternehmen, das, sagen wir mal, in etwas schwierigen Umständen schwebt. Die Commerzbank bekommt es auch seit Jahren nicht hin, dass man eventuell mit zeitgemäßem Verfahren auf die Kreditkarten-Abrechnungen per Banking-Software zugreifen kann.

Geschenkt. Jetzt möchte ich gerade mal beschissene 3,49 Euro per Paypal zahlen für eine Eintages-Autoversicherung. Ich bekomme eine beschissene Fehlermeldung: “Ihr Kreditkartenanbieter hat den Transfer mit Ihrer Mastercard x-xx49 ueber 3,49 abgelehnt.” WTF!! Komisch. Vor ein paar Tagen gingen doch Käufe bei Allbirds über viel größere Summen problemlos raus? Ok. Ich kram den beschissenen Zettel aus, den ich vor einiger Zeit bekommen hab von der Commerzbank. Bekanntlich ist aber in der Zwischenzeit das Ultimo für die Umsetzung von PSD2 von der Bafin auch wieder gekippt worden…

Blicken Sie hier durch?

Ich nicht. Kann ich jetzt mein schon vorhandenes Passwort bei dem ohnehin sehr zweifelhaften Verfahren bestätigen/aktivieren, muss ich ein neues generieren – oder kann ich den ganzen Scheiß abschalten? Ok, ich versuch mal Option 2 mit dem Briefchen. Nur leider: bei dem F…-Briefchen lässt sich das beschissene Top-Secret-Abdeck-Papierchen nicht zuverlässig abziehen.

Seid ihr wahnsinnig, ihr Vollhorste und Voll… (oh, tschuldigung, das ist jetzt nicht politically correct…) ??? Geht’s hier um 3,49 Euro oder um die Weltherrschaft?? Bei diesen Realitäts-Bedingungen: PSD2 ist doch leider vollkommen utopisch.

PS 1  – mit der anderen Mastercard geht’s auch nicht. 3,49!!!

PS 2 – mit GiroPay gehts. Ihr Irren!! Ihr Wahnsinnigen!! Gut, dass ich keine Uzi habe. Aber ein Eisen 6!!!

PS 3 – nachdem ich drüber geschlafen und mich wieder abgeregt hab: Oder lag das an der zu geringen Summe?

PS 4 – nachdem ich gestern den Rant über PSD2 gebloggt hab, trudelt heute morgen diese hübsche Mail ein:

 

Hilfe!! Bin ich unter die Spear-Phisher geraten? Natürlich bin ich nicht so irre, auf den Link zu klicken, um dann interaktiv verwurstet zu werden. Und trotzdem plingt dann auch noch mein Antivirenprogramm auf und hat einen Trojaner im Browsercache gefunden:

 

 

 

 

 

 

 

Hilfe!! Aber wartet nur, Sportsfreunde! Ich hab ja schon mal an anderer Stelle geschrieben, was ich mit euch mache!

YouTube wird NICHT wirtschaftlich uninteressante Videos rauskicken

Ich hatte heute wieder mal Dienst als Montag-morgen-“Netzreporter” bei Deutschlandfunk Nova. Und das ist immer ein bisschen heikel – weil halt nach dem Wochenende die Themensituation tendenziell so etwas mau ist. Aber dann kam ja nach dem ersten Slot noch eine regelrechte Kracher-Meldung rein: YouTube führt eine neue “Terms-of-Service”-Klausel ein, wonach sich die Plattform vorbehält, Inhalte, die für sie “wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll” sind, rauszukicken, zu terminieren.

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Tolle Geschichte – stand bei Mashable; an sich ja eine verlässliche Quelle. In dem Artikel auch diverse Twitter-Postings von empörten Usern, oder Influenzern – und der Link zu einem Reddit-Thread mit zehntausenden ebenfalls überwiegend empörten Nutzern. Zum Glück hab ich noch mal ganz kurz gegoogelt. Und siehe da: Die angebliche Neuerung ist in Wirklichkeit ein alter Hut. Offenbar ist in der US-Version der YouTube-ToS lediglich eine kleine Umformulierung passiert und ein Halbsatz hinzugekommen. Den haben aber offenbar sowohl die empörten User als auch der Mashable-Autor auch noch missverstanden:

„YouTube may terminate your access, or your Google account’s access to all part of the Service if YouTube believes …that provision of service to you is no longer commercially viable…”

…muss natürlich nicht als “entweder der Zugang oder der Zugang zum Google-Account“ gelesen werden… (es folgt die Bullshit-Fehlinterpretation bei Mashable…)

It should also be noted that the terms specifically state the company can terminate a user’s Google account as well. As written, a YouTuber can lose their Gmail, Google Photos, Documents, and more just for “no longer being commercially viable” on the video platform.      

…, sondern als „oder der Zugang per Google-Account“ – und genau so steht das auch in den für uns in Europa ab dem 7.Juli geltenden Bedingungen auf Deutsch drin:

„Kündigung durch YouTube aufgrund von Änderungen des Dienstes:

YouTube kann gegebenenfalls Ihren Zugriff oder den Zugriff Ihres Google-Kontos auf den gesamten oder einen Teil des Dienstes kündigen, wenn YouTube berechtigterweise davon ausgeht, dass die Bereitstellung des Dienstes an Sie nicht mehr wirtschaftlich ist.“

Die angebliche neue Gefahr, dass YouTube nach Gutdünken den Zugang zu einem Google Account “terminieren” kann oder will: Ist totaler Bullshit. Und auch die andere Befürchtung ist kompletter Unsinn: YouTube wird natürlich niemals eine Neuregelung oder neue Hürde einführen, wonach Inhalte, die nicht gut performen, rausgekickt werden. Totaler Quatsch. Das Geschäftsmodell von YouTube ist ja gerade: Jede(r) kann seinen/ihren Bullshit hochladen – und wenn das erwarteter oder eben auch unerwarteterweise performt, fließt Werbekohle.

Mittlerweile hat YouTube ja ein kurzes Statement an Mashable übermittelt:

“We made some changes to our Terms of Service in order to make them easier to read and to ensure they’re up to date. We’re not changing the way our products work, how we collect or process data, or any of your settings.”

Aber Mashable hat offenbar immer noch nicht ganz gerafft, dass der ganze Artikel ein Missverständnis war.

DLF Nova – Hielscher oder Haase vom 11.11.2019 – Moderation: Diane Hielscher

 

P.S. Mittlerweile boostet die Story quasi weltweit – da sieht man mal wieder, was eine ordentliche Netz-Reichweite ausmacht. Ändert aber nix daran, dass Mashable hier eine Ente

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lanciert hat 🙂

P.S. 2: Mashable hat ja auch das zweite Dementi von YouTube unter seinem Artikel gepostet:

To clarify, there are no new rights in our ToS to terminate an account bc it’s not making money. As before, we may discontinue certain YouTube features or parts of the service, for ex., if they’re outdated or have low usage. This does not impact creators/viewers in any new ways.

Mashable Ist aber offenbar noch immer nicht bereit, mal anzuerkennen oder richtigzustellen, dass die komplette Story ein peinlicher, unrecherchierter Fake Irrtum war. Heise hat heute über die “Verwirrung” in dem Fall berichtet – interessanterweise aber, ohne die Quelle der “Verwirrung” (eben Mashable…) zu benennen.

Der Wahnsinn ist ja wirklich – und davon bin ich ja als ebenfalls normalerweise “kuratierender” Netzreporter auch betroffen: Eine Fake-News/ein Irrtum von einer vermeintlich glaubwürdigen Quelle mit immensem Impact-Faktor wie Mashable verbreitet sich um die ganze Welt, ohne dass da mal irgendwie einer gegencheckt – was in dem Fall ganz einfach war. Wenn wir das mal hochrechnen auf vielleicht noch wichtigere Themen als (nicht-) geänderte YouTube-Nutzerbedingungen – dann wird einem ganz anders.

Telekom-Mail nicht gecheckt? Tja, Pech gehabt.

Eigentlich verhalte ich mich ja als aufgeklärter Netz- und Telekommunikationsbürger – noch dazu mit dem beruflichen Hintergrund – ganz normal: Anrufe von irgendwelchen Callcentern, die trotz meines tellows-Spam-Filters durchkommen,  werden sofort nach Identifikation (rausch, rausch, radebrech… “spreche ich mit Herrn Gessat? Das freut mich.”) weggedrückt. Die Trillerpfeife ist ja leider verboten – da macht man die Opfer zu Tätern 🙂

Irgendwann im Mai hat mich mal notorisch T-Mobile angerufen – das hab ich zwar anhand der Nummer erkannt, aber immer tapfer weggedrückt. Und irgendwann – da war ich wahrscheinlich besoffen – habe ich den Anruf dann doch tatsächlich entgegengenommen. Schließlich bin ich ja in einer Geschäftsbeziehung zu den Sportsfreunden; vielleicht haben die ja etwas relevantes zu sagen. Hatten die auch. Ein Super-Angebot für mich.

Doppeltes Datenvolumen nämlich bei identischem Preis für mein Mobilfunk-Paket. Toll. Ich frag die Dame oder den Herrn – das weiß ich schon nicht mehr – ich glaube aber, eine Dame, mehrmals ausdrücklich: Ich bekomme da das doppelte Datenvolumen, aber es ändert sich nix am Preis und nix an der bestehenden Laufzeit des Vertrages? Korrekt. Also mach ich das und sag ja. Am Telefon.

Böser, böser Fehler. Ein paar Monate später schau ich mal auf meine turnusmäßig per Email eintrudelnden Rechnungen und stelle fest: Mein Monats-Salär ist plötzlich um 12 Euro hochgegangen, seit Juni. Und beim Blick in meinen Kunden-Account bei T-Mobile wird klar: Ich hab da angeblich einen Tarifwechsel durchgeführt. Von “Magenta Mobil S” auf “Magenta Mobil M”. Nur stimmt das eben gar nicht, das ist definitiv Bullshit oder Betrug (oder ein Fehler, um das mal ganz zärtlich zu formulieren…).

Ich ruf also nach meiner Entdeckung bei der Telekom-Hotline an. Schilder das Gespräch – da war ausdrücklich von verdoppeltem Datenvolumen bei gleichbleibendem Preis die Rede. Ich fordere die Hotline-Dame auf, doch mal auf meinen Datenvolumen-Verbrauch zu schauen – ich nutze schon das bisherige Kontingent bei weitem nicht aus. Welche Motivation sollte ich also haben, einen teureren Tarif mit mehr Volumen zu buchen? Ich fordere die Dame auf, doch mal in den Mitschnitt des Gesprächs reinzuhören – der ist aber selbstredend aus Datenschutzgründen mittlerweile gelöscht.

Tja – das sei natürlich denkbar, dass die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter damals im Mai nach dem Gespräch mit dem Finger in die falsche Spalte (ja klaro…) gekommen ist und statt der Erweiterung des bestehenden Tarifs den Wechsel zum neuen Tarif gebucht hat. Aber ich hätte doch – laut ihren Unterlagen – die Bestätigung des Tarifwechsels per Email bekommen und der nicht innerhalb von einem Monat oder so widersprochen? Das sei dann leider mein Fehler.

Sowas nicht sofort zu lesen, kann Fantastilliarden kosten. Jedenfalls laut Telekom.

Stimmt. Ich hab die Email bekommen. Ich bekomme halt jeden Tag so einige Emails 🙂 ; und ich schau da nicht unbedingt in alle direkt sofort rein. Manchmal nehme ich einfach an, dass der Inhalt nicht so super-direkt-relevant ist – und das könnte z.B. auch durchaus bei Mails von der Telekom zutreffen. In dem Fall habe ich vielleicht gedacht – ich habe ja nix kritisches bestellt oder verändert, also steht da in der Mail das drin, was wir vereinbart haben – nämlich Ausweitung des Datenvolumens bei ansonsten unveränderten Bedingungen.

Da haben wir natürlich jetzt ein interessantes juristisches Problem: Wenn ich in mir zugeschickten Mails, meinetwegen eben auch von Geschäftspartnern, nicht zeitnah und vielleicht nicht aufmerksam genug reinschaue – werden dann nicht zutreffende Vertrags-Behauptungen automatisch wirksam? Wenn die Telekom da in der Mail jetzt reingeschrieben hätte, dass ich ab Juni 50.000 Euro für meinen Mobilfunkvertrag zu zahlen hätte, dass ich ab dem Zeitpunkt jeden Tag 500 Liegestütze und 3000 Kniebeugen zu absolvieren hätte – wäre das dann juristisch wirksam?

Und: Wie will die Telekom überhaupt nachweisen, dass ich diese Mitteilung über eine angebliche Vertragsänderung überhaupt bekommen habe? Ich könnte mich da tierisch drüber aufregen. Meine Lehre aus der ganzen Geschichte – und das würde ich auch jedem/jeder Telekom-Kundin/Kunden raten: Bei einem Hotline-Anruf sofort auflegen. Vertragsänderungen nur schriftlich machen. Bei mir persönlich gibt es ja noch einen kleinen Trost: Ich kann selbst so eine gar nicht bestellte Vertragserweiterung von der Steuer absetzen.

Und noch ein Trost: bei dem M-Tarif ist dann auch die Flatrate (StreamOn-Music&VideoMax-Option…) für Audio- und Video-Streaming-Dienste inklusive. Von Spotify über Netflix bis hin zu Sky. Das verstößt zwar wahrscheinlich gegen die Netzneutralität. Aber wenn man schon selbst abgezockt wird, muss man pragmatisch sein. Ich hab das also direkt aktiviert. Die Kosten werden sozialisiert, sorry – wie bei den Finanz-Heuschrecken-Profiteuren. Aber die Telekom ist ja immer noch weitgehend ein Staatsunternehmen; die Raustu und Reintu-Taschen liegen also eng beieinander. Hoffentlich liest hier mein Finanzamt nicht mit.

Allbirds. Total nachhaltig. Wie Leonardo DiCaprio

Ich versuche ja ständig, in Sachen Nachhaltigkeit und Coolness so einigermaßen auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Wer weiß, vielleicht erbarmt sich ja doch einmal ein schmuckes Weiblein, den Lebensabend eines weißen, alten Mannes zu verschönern. Insofern hat mich natürlich dieser Internet-Fund in höchste Alarmbereitschaft versetzt: “Obama, DiCaprio, Kutcher, Jackman – Wieso alle Stars den gleichen Sneaker tragen“.

Ja, verflucht noch mal – wieso? Weil die Treter aus neuseeländischer Wolle oder (in der Sommer-Version) aus Eucalyptus-Baum-Fasern eben so wahnsinnig nachhaltig sind. Die Sohle ist aus einem Zuckerrohr-Kunststoff, die Verpackung beim Versand selbstredend recycled. Die Schnürsenkel sind aus recyceltem Kunststoff, und die Anmutung, zumindest bei den Wolle-Tretern ist so irgendwie zwischen Filz-Pantoffel und “ich-bin-ganz-cosy-und-soft-und-insofern-ein-ganz-toller-und-verantwortungsvoller-Partner-für-fortpflanzungswillige-Frauen”.

Ich hoffe, das kommt auch so an. Auf jeden Fall hab ich erst mal die “Wool Runners” für 110,- bestellt. Die gefallen mir auch, obwohl die nach ein paar Stunden Tragezeit (mit frischen Socken…) etwas fischig riechen.

Aber man kann die sogar in der Maschine waschen. Direkt nach dem Erstkauf war da plötzlich ein neues Modell da – die “Mizzles”, die auch etwas unfreundlicherem Wetter widerstehen sollen. Ich kauf das auch noch (130,-), zusammen mit einem Paar Hiders-Socken, die Dinger kosten 14€, sind aber auch total nachhaltig, weil die aus 48% Tencil, 21% Wool, 15% Recycled Nylon, 7% Recycled Polyester, 7% Polyester und 2% Spandex bestehen.

Jetzt bekomme ich heute die Socken schon mal vorab per DPD-Zustellung – da ist also ein Lieferwagen extra durch die Gegend gefahren. Und dann kommen demnächst die Schuhe, nehme ich an. Hab ich (bzw. hat Allbirds…) jetzt das Klima gerettet oder eher nicht? Schwierige Sache. Ich hoffe, wenigstens der Leonardo-DiCaprio-Effekt ist nachhaltig.

Friedrich Merz will reden. Darf er natürlich auch. Nur mit der Kanzlerschaft wird das definitiv nix.

Die CDU hat’s auch schwer. (“Auch”; weil die SPD es ja nun mal definitiv total schwer hat…) Da ist zwar eine Kanzlerin, die seit zig Jahren im Amt ist und dabei gar nicht mal so eine schlechte Figur abgegeben hat; selbst für nicht-CDU-Wähler… Andererseits klar: Die Partei ist unter Angela Merkel massiv nach links mitte rübergeschwenkt; auf einstige SPD-Positionen. Dazu noch die “Wir-schaffen-das-Flüchtlings-Aktion” – das ist schon harter Tobak für viele Bürgerinnen und Bürger draußen im Lande.

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Allerdings: Wenn nun ein Heuschrecken-Profiteur und Besserverdiener wie Friedrich Merz meint, er könne künftig wieder irgendeine größere Rolle in der ehemaligen Volkspartei spielen, dann ist dies ziemlich grenzwertig. Möglicherweise hat Merz eine gewisse Expertise in wirtschaftlichen Zusammenhängen, möglicherweise hat er auch recht in der Bewertung bestimmter Dinge – von einer übergeordneten, elitären Perspektive aus nämlich. Das finden auch ein paar Leute mit übergeordneter, elitärer, besserverdienender Perspektive toll.

Das Wahlvolk allerdings ganz bestimmt nicht. Ohne über irgendwelche anderen Figuren richten zu wollen, die vielleicht auch nicht so ganz super performen, wie dies (aus CDU-Perspektive…) eigentlich zu hoffen stand: Friedrich Merz ist auf jeden Fall definitiv nicht massen-wählertauglich. Nicht mal bei der CDU. Die Sache ist die: Der programmatische Schwenk unter Angela Merkel ist ja nicht aus Jux und Dollerei passiert, sondern hat gesellschaftliche Veränderungen abgebildet. Die ganz großen konservativen Milieus, die früher mal eine gewisse Stammwählerschaft der CDU abgegeben haben – die gibt es schlicht nicht mehr.

Rechts von der CDU hat sich nun die AfD etabliert. Die wird möglicherweise von Leuten gewählt, denen die CDU mittlerweile “zu links” oder zu progressiv ist. Aber die sind garantiert weder elitär noch besserverdienend und ganz bestimmt keine Merz-Wähler. Ob die ehemaligen Volksparteien aus dieser Klientel tatsächlich nennenswert Wähler zurückgewinnen können, ist sehr fraglich. Ansonsten bleiben halt die übrigen 70% der Bevölkerung, die sich aber in ihren Lebensumständen und Ansichten so weit angenähert haben, dass in Prinzip alle Parteien für ein Kreuzchen in Frage kommen. Im Grunde alles potentielle Wechselwähler.

Und da muss halt eine Kandidatin oder ein Kandidat vor allem eines mitbringen: Eine Ausstrahlung, ein Image, das maximal integrativ wirkt. Winfried Kretschmann hat so eine Ausstrahlung, Friedrich Merz ganz bestimmt nicht. Und so einen Imagewechsel kann man auch nicht glaubwürdig hinbekommen. Das nicht zu erkennen ist eigentlich ein Armutszeugnis für die unbestreitbare Intelligenz des Kandidaten. Also mal meine Diagnose und mein Ratschlag (für etwaige Honorarzahlungen nenne ich gern auf Anfrage meine Kontonummer…): Ein Ministeramt (Wirtschaft/Finanzen) in einer künftigen Regierung wär doch problemlos drin. Die Kanzlerschaft: no way.

Nachklapp 7.11.2019 – angeblich sehen ja 42% der Wähler laut ARD-Deutschlandtrend Friedrich Merz als “guten Kanzlerkandidaten” vorne. Martin Schulz ist ja bekanntlich auch souverän und ungefährdet Kanzler geworden.