Archiv der Kategorie: Beiträge Radio/Online

Post von den Alltium Brokers

Ich bin wieder mal völlig aufgewühlt, nachdem da heute diese wunderschöne Mail von den Alltium Brokers (mh@alltiumbroker.com) reinkam.

A: Michael Gessat

sehr geehrter

 

Also wenn ich das richtig verstehe, bekomme ich eigentlich wieder mal unermesslich viel Kohle, aber anscheinend hat dieser Drecksack James W. Miller dazwischengefunkt – der Typ ist mir schon öfter in die Quere gekommen. Ich bin aber einigermaßen zuversichtlich, das Missverständnis mithilfe der ebenso kompetenten wie empathischen (“sehne ich mich aufrichtig nach Verzeihung für die eher kurzfristige und die Unannehmlichkeiten…”) Profis bei Alltium aufklären zu können.

Von: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Gesendet: Sonntag, 14. Juni 2020 20:14
An: ‘mh@alltiumbrokers.com’ <mh@alltiumbrokers.com>
Betreff: AW: Zu Händen von Michael Gessat

Sehr geehrter Herr Mat Hernandez –

Vielen Dank für Ihre Mail. Hier liegt offenbar ein Irrtum oder ein Betrug vor.

Ich bin – Gott der Herr sei gepriesen! – nicht todkrank, und ich habe niemanden autorisiert, die ausstehende Zahlung auf ein anderes Konto zu überweisen. Insbesondere habe ich keine Vereinbarung mit James W. Miller getroffen. Dieser Herr bzw. seine saubere Firma sind offenbar in betrügerischer Absicht unterwegs und geben anscheinend sogar falsche eidesstattliche Erklärungen ab. Ich hoffe inständig, dass ich mit Ihrer Hilfe und Expertise die legitime Fondsfreigabe an mich durchsetzen kann.

Ich muss immer wieder sagen – die Welt ist schlecht und voller Betrüger wie James W. Miller. Gottseidank gibt es auch seriöse Firmen wie Alltium Brokers.

Vielen Dank und Gottes Segen über Sie! Bitte teilen Sie mir mit, wie wir weiter verfahren sollen.

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Gessat

So. Es geht weiter. Mit etwas Verzögerung. Ich kann mich schließlich nicht täglich um ausstehende Fonds-Einnahmen von 7,2 Millionen Euro kümmern.

Von: Alltium Brokers – Support Team <support@alltiumbrokers.com>
Gesendet: Dienstag, 16. Juni 2020 20:22
An: mgessat@mgessat.com
Betreff: Genehmigter Fonds

 

Sehr geehrte (r) Michael Gessat

Seien Sie informiert, dass die Zahlung von € 7.200.000,00 (sieben Millionen, zweihunderttausend Euro) zur Zahlung an Sie genehmigt wurde. Basierend auf diesen Verfahren Ihres nicht beanspruchten Fonds und um sicherzustellen, dass wir keinen solchen Anspruch von einer unbekannten Person erhalten, müssen Sie darüber informiert werden, dass ein neues Konto über die festgelegte zahlende Bank eingerichtet und zu Ihren Gunsten aktiviert werden muss, wo der gesamte Fonds verschoben wird Damit Sie als Begünstigter die Einzahlung nutzen und das Guthaben gleichermaßen auf ein Konto Ihrer Wahl weltweit überweisen können.

Sobald das Konto eingerichtet ist, wird eine Bankkarte (Premium Master Card) an Ihre Lieferadresse gesendet, damit Sie uneingeschränkten Abhebungszugriff haben.

Um dies zu erreichen, füllen Sie bitte das beigefügte Formular für das neue nicht ansässige Konto aus und senden Sie es uns zusammen mit den erforderlichen Dokumenten per Fax oder E-Mail-Anhang zurück.

Im Anhang finden Sie das Antragsformular für ein nicht in Großbritannien ansässiges Konto, das Sie ausfüllen, unterschreiben und an uns zurücksenden müssen, damit die Bank entsprechend handeln kann.

Freundliche Grüße

Matthew Hernandez

Quay House 2, Admirals Way
London, E14 9XG

Das Formular zur Eröffnung eines Kontos bei der Parr’s Bank fülle ich natürlich gerne aus. Die Parr’s Bank existierte im vor-vorigen Jahrhundert; möglicherweise ist aber sogar der Wikipedia-Artikel ein Fake.

Von: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Gesendet: Montag, 22. Juni 2020 23:47
An: ‘support@alltiumbrokers.com’ <support@alltiumbrokers.com>
Betreff: AW: Genehmigter Fonds

Sehr geehrter Herr Hernandez –

unglücklicherweise war ich in den letzten Tagen mit dringenden Aufsichtsrats-Pflichten beschäftigt.

Jetzt aber habe ich das Antragsformular zur Kontoeröffnung augefüllt und unterzeichnet.

Ich erwarte dringend die Zusendung meiner Bankkarte (Premium Master Card), um die mir zustehenden Zahlungen abheben und transferieren zu können.

Noch einmal vielen Dank für Ihre Initiative und Mühe!

Mit allerbesten Grüßen,

Michael Gessat

 

Von: Alltium Brokers – Support Team <support@alltiumbrokers.com>
Gesendet: Mittwoch, 24. Juni 2020 10:13
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: AW: Genehmigter Fonds

 

Sehr geehrter  Die Informationen wurden an die Bank weitergeleitet. Bitte beachten Sie, dass wir nicht sicher sind, ob die Bank einen deutschen Kundenservice hat.  Freundliche Grüße Matthew Hernandez

 

 

Quay House 2, Admirals Way
London, E14 9XG

Und tatsächlich, die nächste Instanz wechselt jetzt zur englischen Sprache. Kein Problem, da hab ich ja in der Schule auch eine drei+ drin gehabt 🙂

Von: Parr’s Bank <info@parrsbank-uk.co>
Gesendet: Donnerstag, 25. Juni 2020 04:25
An: mgessat@mgessat.com
Betreff: Account Activation Advice

To: TIMOTHEUS EUSEBIUS GESSAT

AM SÜDPARK 23 50968 KÖLN

GERMANY

We acknowledge the receipt of your coordinates from Alltium Brokers necessary for the activation of a system account in your favour. However, the mandatory final verification and validation process has been achieved given the conformity of your details as sent by you with details in our system.

Consequently, the statutory Account Activation Advice Certificate has been forwarded to the relevant department for immediate attention necessitating the activation of a system account in your favour. Where funds would be deposited in allowing for the distribution of whatever manner desired cum instructed by you via the Automated system, details/direction on conclusions would be forwarded to you as soon as all such confirmation is received from account activation department, in the most 12hrs hereof.

All corresponding Sensitive material which includes the online access instruction and unlimited withdrawal Debit Card (Business Premium) would only be sent to yon upon verbal/written confirmation.

Note that you have to inform us clearly if your email address is convenient to receive such information (Account Information) to enable us to forward it to you immediately which will enable you to access your account online and equally make a transfer to any account of your choice.

Thomas Cardigan

Head of Accounts

9 George St Edinburgh EH2 2SB

United Kingdom

Tel: +44 131 777 2606

Ok, now in English:

Von: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Gesendet: Mittwoch, 1. Juli 2020 22:46
An: ‘info@parrsbank-uk.co’ <info@parrsbank-uk.co>
Betreff: AW: Account Activation Advice

Dear Thomas Cardigan,

unfortunately, your mail was in my spam folder – but I think we can now make big progress to get the funds, which are mine, to my bank accounts. My email address is definitely convenient to receive all related information.

I wait for your information or instructions.

God bless you!

Timotheus Eusebius Gessat

 

 

 

 

 

Der Corona-Überlebens-Check: Rindfleisch im eigenen Saft.

So. Ich bin natürlich auch im März in Panik verfallen, als ich gerade noch mit letzter Müh und Not aus dem Skiurlaub in der Schweiz in die Heimat fliehen konnte. Als dann hier ge-down-locked wurde, ich in “freiwillige” Selbstquarantäne musste. Als in den Supermärkten Nudeln, Klopapier und Seife definitiv weg waren und sich die bange Frage stellte: Werde ich zu den (99,97%…) Überlebenden gehören? Ich gestehe das ganz offen ein: Auch ich habe natürlich dann meine Hamster-Tour gemacht und meinen Rucksack und die Tragetaschen vollgepackt mit dem Nötigsten. Was man eben so auf dem Fahrrad wegschaffen kann.

Unter anderem auch Artikel, die ich schon lange nicht mehr in Erwägung gezogen hatte: Dosensuppen. Ok, die halten extrem lange. Und schmecken auch gar nicht sooo schlecht. Aber auch schon etwas härtere Krisen-Kost aus dem Konserven-Regal. Zum Beispiel: “Rindfleisch im eigenen Saft.” Wie das überhaupt aus der Perspektive von Rindern mit Rindfleisch-Saft so beschaffen ist, das lassen wir einstweilen dahingestellt. Auf jeden Fall hab ich jetzt mal eine der angeschafften, an sich noch recht lange haltbaren Dosen geöffnet und verköstigt. (Weil ich ja nicht immer nur an dem ebenfalls als Corona-Überlebensgarantie erworbenen Parmaschinken schnibbeln kann…)

Das Produkt sieht – nach einigem Konsum – so aus:

Und es schmeckt auch ziemlich genauso, wie es aussieht. Also ein bisschen in Richtung Corned Beef, aber noch mal deutlich unlockerer; eher in Richtung Krise und Krieg. Keine Ahnung, ob man das durch Erhitzen oder Weiterverarbeiten noch irgendwie aufhübschen kann. Aber solche Erwägungen gehen ja eh am Kern des Produktes völlig vorbei. Dies ist kein Produkt für verzärtelte Gourmets; für die Liebhaber von “Papageienzunge an Papaya-Juice.” Dies ist ein Produkt für Leute, die überleben wollen in schwierigen Zeiten. Oder die die Verantwortung dafür tragen, dass ihre Lieben – Weib, holdseliges Töchterlein, verfettete Katze etc. – überleben.

Ein Produkt für Familienväter, ängstliche Singles und Prepper also. Ein Produkt, das in seiner hermetischen Dosen-Verpackung Pandemien übersteht, aber auch Atomangriffe. Ein Relikt des Kalten Krieges, das jetzt zu wundersamer neuer Aktualität aufläuft. Eines steht fest: Ich beginne zwar gerade, die gehamsterten Lebensmittel so allmählich aufzufuttern, hoffentlich kongruent zu ihrem Haltbarkeitsdatum. Aber natürlich werde ich gleichzeitig den drei-Monats-Überlebens-Puffer wieder nachkaufen und aktualisieren. Jetzt bin ich sensibilisiert. Denn es könnte ja sein, dass mal eine wirklich kritische Pandemie vorbeischaut, bei der ich wirklich definitiv zuhause bleiben möchte.

Dann, spätestens dann, schlägt die Stunde vom “Rindfleisch im eigenen Saft.” Das Zeug schmeckt zwar grenzwertig, aber sichert mir das Überleben für ein paar Tage. Ein gutes Gefühl. So ähnlich wie damals als Kind, als ich Abenteuer-Geschichten gelesen habe, bei denen die Akteure allen möglichen Gefahren und Entbehrungen ausgesetzt waren. Und ich hab mir beim Lesen jeweils ein, zwei Tafeln Schokolade reingezogen. Oder eine Familienpackung Eis. Ein Vergnügen gewinnt eben deutlich an Durchschlagskraft, wenn es vor dem Hintergrund eines tatsächlichen oder imaginierten Armageddon genossen wird.

Wie funktioniert eigentlich (öffentlich-rechtlicher…) (Wissenschafts-) Journalismus?

Gar nicht. Selbstverständlich sind alle ÖR-Journalistinnen und -Journalisten (Disclaimer: Ich gehöre zu dieser verachtenswerten Spezies dazu 🙂 …) Teil einer furchtbaren, erst von ganz wenigen Durchblickern erkannten Verschwörungskampagne, die einerseits auf das maximale Abgreifen von zwangsweise eingetriebenen “Beiträgen” – in Wirklichkeit natürlich Frongeldern einer herrschenden Elite – abzielt. Und andererseits auf die tägliche Durchsetzung des Willens und der Ziele einer vermeintlich harmlosen, aber doch entsetzlichen, das Universum beherrschenden Diktatorin: Angela Merkel.

Embed from Getty Images

Selbstverständlich bekomme ich jeden Morgen – wie alle meine Kolleginnen und Kollegen auch – einen Anruf von Angela Merkel bzw. ihren Schergen, was ich an dem betreffenden Tag veröffentlichen darf oder soll. Soweit, so klar.

Ok, jetzt kloppen wir mal diesen Bullshit einstweilen in die Tonne. Dass natürlich in Funkhäusern ein “Parteien-Proporz” herrscht und insofern zumindest die Leitungsebene so einigermaßen politisch verordnet sein mag – stimmt, geschenkt. Ich persönlich finde das auch ziemlich problematisch.

Die Frage ist natürlich, ob dann auch zwangsläufig alle Beiträge und Einlassungen unter einer bestimmten Agenda stattfinden. Der Verdacht (“Fake-News”…) ist da, in einem gewissen prozentualen Anteil mag der sogar zutreffen – nämlich dann, wenn Kolleginnen oder Kollegen einer vermuteten oder auch teilweise suggerierten “political correctness” – Vorgabe folgen. Aber in der allergrößten Mehrheit folgen die Kolleginnen und Kollegen doch den journalistischen Standards.

Allerwichtigster Punkt: Wie vertrauenswürdig ist die Quelle? Bei Nachrichten lautet das Mantra: Zwei unabhängige Quellen, dann kann man das verantwortungsvoll raushauen. Wobei eben auch Kollegen oder Kolleginnen bei eigentlich durch ihre internen Kontrollmechanismen als “sakrosankt” geltenden Institutionen wie Nachrichtenagenturen Fehler machen können. Bei wissenschaftsjournalistischen Quellen gibt es auch ein ziemlich zuverlässiges Kriterium: Wer an einer renommierten Universität als Professorin oder Professor arbeitet und publiziert, ist vermutlich kein(e) totale(r) Wahnsinnige(r) oder Blender(in).

Ganz hinreichend ist das Kriterium “kein(e) komplett Wahnsinnige(r) als Quelle” natürlich noch nicht – und deswegen ist es selbstredend gut, wünschenswert oder sogar notwendig, wenn der/die berichtende Journalist(in) auch noch eigene Fachexpertise mitbringt. Und eben selbst sofort mitbekommt – wo ist ein Thema, eine Meinung, eine Veröffentlichung heikel, wo gibt es Zweifel und Gegenmeinungen? Ich würde mal behaupten – die Chance zu so einer Expertise ist im öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch vergleichsweise hoch.

Aber trotzdem: Expertise und hinreichend ausführliche Beschäftigung mit Themenverläufen hat ihren Preis. Wenn erwartet wird, dass Journalistinnen und Journalisten Beiträge mit zwei Stunden Vorlauf “herauskloppen”, dann führt das zwangsläufig zu Kollateralschäden. Wenn es nicht vorgesehen oder möglich ist, sehr komplexe Themen ergebnisoffen zu recherchieren – und trotzdem ein Honorar dafür zu erhalten – dann werden diese Themen eben nicht tiefschürfend recherchiert.

Mal zur Eingrenzung: Wenn öffentlich-rechtliche Journalistinnen und Journalisten Themen referieren – vielleicht ja auch teilweise auf einer aus guten, gerade erwähnten Gründen 🙂 nicht vollständig geklärten Faktenbasis – dann machen sie sich natürlich die referierten “Erkenntnisse” noch lange nicht automatisch zu eigen. Von daher gehen möglicherweise auch “Gegenstimmen” in “Sozialen Medien” komplett in die falsche Richtung. Übrigens, als kleiner Hinweis an Entscheidungsträger: Ein “Shitstorm” von zehn, fünfzehn Leuten ist immer noch ein sehr, sehr laues Lüftchen. 🙂

Und noch was: Wenn ich alle – auch die aufgrund bisher eigentlich einigermaßen bewährter Qualitätskriterien untermauerten – Quellen aus Angst vor lauen Social-Media-Shitstorms pauschal in einen “Ich-mach-mir-jetzt-mal-vorsichtshalber-in-die-Hose-Topf” schmeiße; nach dem Motto: “Na ja, das könnte jetzt stimmen. Es gibt allerdings möglicherweise auch ein paar Leute im Netz, die sagen: Das stimmt nicht.” Dann kann ich komplett die Berichterstattung einstellen über alles, was auch nur ansatzweise potenziell kontrovers sein könnte. Und dann schwenke ich komplett ein auf die Linie der Trolle, die “es gibt ja gar keine Wahrheit” – Desinformation betreiben.

Das soll natürlich kein Plädoyer sein für generellen Schnellschuss-Journalismus – ganz im Gegenteil.

 

NRW-Sport-Staatssekretärin Andrea Milz vor Ort im Lemmerz-Freibad

Zum Lemmerz-Freibad in Königswinter hab ich eine tiefe, innige Verbundenheit. Ich hab nämlich aus bestimmten, hier nicht weiter zu erörternden Gründen die Website der Initiative zusammengebastelt, die die angedachte Schließung des wunderhübschen historischen Bades vor der Kulisse eines Ausblicks ins Rheintal verhindern wollte. Das Ziel der Initiative ist offenbar geglückt; die Website (deren Zugriffsmöglichkeiten ich vor geraumer Zeit an andere abgegeben habe…) aber scheint inzwischen etwas vernachlässigt worden zu sein 🙂

Freibäder sind natürlich Horte und Hotspots der Corona-Übertragungsmöglichkeit. Infizierte und Nicht-Infizierte springen ins Wasser, röcheln oder näseln (oder pieseln…) da in die Becken-Füllung – und ob die Chlorung die tödlichen Viren killt, ist noch längst nicht ausgemacht. Umso tapferer von unserer famosen NRW-Sport-Staatssekretärin Andrea Milz, das Lemmerz-Freibad zu besuchen. Ins (möglicherweise verseuchte…) Wasser reingesprungen ist Frau Milz offenbar nicht, aber sie hat eine wunderbare Botschaft hinterlassen für alle wagemutigen Schwimmer und Schwimmerinnen:

 

Auf einen ähnlich riskanten Besuch auf einem NRW-Golfplatz hat sich Frau Milz bislang noch nicht eingelassen. Klar; da lauern natürlich noch mal ganz andere Gefahren – vor allem publicity- und BILD-Zeitungs-mäßige.

Es ist ja auch sicherlich kein Zufall; oder eben nur totaler Irrsinn, dass selbst die Golfplätze in Irland nur für Mitglieder innerhalb eines Radius von fünf Kilometern aufgesucht werden dürfen. Klar. Wer da per Automobil als Mitglied aus sechs, 10, 20 oder 40 km Distanz anreist, löst selbstredend zwangsläufig ein Corona-Armageddon aus. Also bitte für immer zuhause bleiben und an Vereinsamung, Verfettung, Herzinfarkt und Kreislaufkollaps sterben!! Danke!

Kann man diese Voll-Horste nicht mal in Grund und Boden verklagen???

Endlich reich!! Ich wusste ja immer, dass Aktien die richtige Strategie sind.

Eigentlich war ja der Blick aufs Depot in den letzten Tagen immer schon so einigermaßen tröstlich. Corona? War da was? Aber heute dann endlich mal ganz große Freude. Ich bin reich. Bin Millionär. Tja, die wechselnden Launen der Börse gehen eben mal nach unten. Oder eben auch – richtiges Händchen und Näschen vorausgesetzt – nach oben.

Ich werde den unverhofften Kursgewinn sofort morgen früh realisieren. Ok, das bisschen Abgeltungssteuer werde ich dabei auch noch verkraften. Das Leben kann so schön sein!

P.S. 20.05.2020 Mist, Mist, Mist. Irgendwie sind meine Millionen jetzt plötzlich wieder weg. Das ist wirklich sehr deprimierend.

Helge Schneider zu Corona: Forever at Home, forever alone

Der alternative Eurovision-Song-Contest auf Pro 7 war ja gestern ein gewaltiger Bauchklatscher. Ärmliche Songs von “internationalen Stars” mit deutsch-verankertem Migrationshintergrund, eine Akustik wie aus dem Schuhkarton; pardon – dem Raab-Fernsehstudio. Uninspirierte Moderatoren und Interpreten, die in die leeren Ränge hinein “I-love-to-entertain-you”-Stimmung verströmen mussten. Dann die Väter, Freunde, Kumpels der Interpreten, die mal eben aus Daffke die “Nationen-Wertung” beisteuern.

Das alles war, geb ich ja zu, echt hart – für die Beteiligten und für die Zuschauer.

Und dann doch noch der Moment des Staunens, der Überraschung und der Begeisterung: Helge Schneider tritt als letzter Teilnehmer auf – “für Deutschland”. Und lotet den Corona-Wahnsinn aus, bis in die letzte “Stay-at-Home-Helden”-Ecke. Das reicht natürlich nicht für den “Sieg” im Contest; dazu ist die Verständnis-Ebene zu komplex. Aber ein epischer Augenblick. Forever.

 

Die geistige Gesundheit und Mobilität kann wieder gestärkt werden

Je mehr ich über den Satz in dem Brief gestern (im Beitrag hier ganz unten…) von unserer famosen NRW-Staatssekretärin für Sport und Gedöns, Frau Andrea Milz, nachdenke (“Durch die Änderung der Coronaschutzverordnung NRW können Sie sich nun wieder bewegen und Ihre geistige Gesundheit und Mobilität stärken.”), desto mehr komme ich ins Grübeln. Ist das ein äußerst feinsinniger Ansatz, meine intellektuelle Satisfaktionsfähigkeit in Frage zu stellen (dazu gibt es eigentlich im Vergleich der Argumentationstiefe in meinem Blogpost und der im Brief der Staatssekretärin keinen Anlass…)?

Ist es ein zartes, empathisches Eingehen auf die von mir geschilderten, ganz persönlichen Beeinträchtigungen, die ich durch die nicht gerechtfertigte wochenlange Sperrung der Golfplätze hinnehmen musste (die Schilderung war übrigens auch schon als Blaupause für eine Klage gegen die rechtlich nicht haltbare Maßnahme gedacht…)? Während Spaziergänger, Jogger und Fahrradfahrer ganz gemütlich durch Parks und Fußgängerzonen einherwandeln durften – trotz eines definitiv dort höheren Infektionsrisikos? Dazu bei Golfpost.de eine nette Karikatur:

Karikatur von Torsten Kropp bei Golfpost.de https://www.golfpost.de/community/posts/5eb038804c729f00062be320/

Ist es eine Botschaft an eine vermutet ältere Zielgruppe an der Grenze zur Senilität (die Frage ist ja, ob man die Passage lesen muss als “geistige Gesundheit und geistige Mobilität” oder “geistige Gesundheit und (körperliche…) Mobilität”)? Oder ist das Ganze einfach nur Behörden-Kommunikationsabteilungs-Geschwurbel? Ohnehin kann man ja recht lange darüber nachsinnen, ob die “Antwort” von Frau Milz bzw. ihrer Mitarbeiter(innen) noch als Zeichen guten Willens oder aber schon als Verhohnepiepelung interpretiert werden muss. Woanders galoppiert der Amtsschimmel bzw. der Corona-Wahnsinnsgaul ja ohnehin fröhlich weiter.

Die hehren Worte von DGV-Chef Claus Kobold jetzt sind bestimmt auch gut gemeint, aber eigentlich bestenfalls folkloristisch. Die “Clubverantwortlichen, der Dachverband, die Landesgolfverbände und viele Golferinnen und Golfer haben gemeinsam” eben nicht “erfolgreich dafür gekämpft”, dass wir wieder Golf spielen dürfen. Sondern wir sind – jedenfalls speziell in den Bundesländern NRW und Bayern, in denen ja Führungspersönlichkeiten mit Kanzlerambitionen das Sagen habe, absolut unerfolgreich in der ganz normalen Grabbelkiste “jetzt darf das ganze Sportgedöns mal langsam wieder lockern” gelandet. Egal, wie jeweils die tatsächliche Infektionsgefahr war oder ist.

Mit der Realitätswahrnehmung ist das ja immer so eine Sache. Bei Politikern wie auch bei Funktionären. Aus meiner Sicht war (und ist, in Bezug auf die immer noch bestehenden Einschränkungen…) das ganze Geschehen ein ganz klarer Rechtsbruch, eine unverhältnismäßige Einschränkung der Grundrechte und sogar eine Gesundheitsgefährdung. Und es war und ist ein ganz klarer Tigerfell-Bauchklatscher unserer Verbände, die eben offenbar doch überhaupt keinen signifikanten Einfluss auf die Politik haben, wenn es mal nicht um Champagnertrinken bei lustigen Schönwetter-Charity-Events und wohlfeile Sonntagsreden, sondern um differenzierte, wirklich wichtige Sachentscheidungen geht.

Wie dem auch alles sei. Mein Platz ist wieder auf, und ich habe heute die erste Runde gespielt. Leider ja erst mal nur 9-Loch. Mann, Mann; wie schön. (Und schon wieder könnte ich eigentlich ausrasten, welche Traumbedingungen wir in den letzten Wochen unnötigerweise in die Corona-Tonne gekloppt haben…) Aber wie heißt es so schön: “Schaue vorwärts, nie zurück.” (“In der Arbeit liegt dein Glück.” Wie, was?)  Der Platz ist jedenfalls in sehr gutem Zustand. Die renovierten Grüns auf der 6 und 7 sehen schon ziemlich anständig aus, obwohl man sie noch nicht bespielen darf. Mit Bunkersand aus Honolulu.

Das renovierte Grün auf der 7. Hoffentlich ist das bald wieder auf – das Wintergrün ist nämlich erheblich schwerer zu treffen…

Und der wegen Borkenkäfer oder Eichenlaubspinner oder sonstwas arg gerupfte Baum auf der 8 hat sich wieder ganz gut erholt und strahlt jetzt einen gewissen Bonsai-Charme aus. (Es gibt ja wohl, so haben mir das eingeweihte Kreise zugetragen, allen Ernstes einige Mitglieder im MGC, die den Baum gerne abholzen würden. Weil sie da nicht drüber oder dran vorbei kommen. Da kann ich nur sagen, ein Golfplatz ist doch kein Ponyhof. Einfach mal ein paar Stunden beim Pro nehmen, anstatt an die Kettensäge als Ausweg aus golferischem Unvermögen zu appellieren… 🙂

Die 8 mit dem wunderschönen Baum in der Mitte – der macht natürlich gerade den Charakter der Bahn aus.

Der Baum bleibt stehen. Basta. Ist eh ganz easy, drüber zu spielen. Klonk; Blätter riesel. Mist. 🙂

Die Kriminalpolizei-Einbruchswarnungs-Scammer rufen bei mir an

Heute so um 14 Uhr geht das Telefon, ein Herr Sowieso von der Kriminalpolizei ist dran. Ich geb mich mal im ersten Moment ganz kooperativ – wo ich doch Anfang letzter Woche bei meiner allerersten längeren Fahrt mit meinem neuen Auto – nämlich nach Bitburg zum Golfspielen in Rheinland-Pfalz 🙂 – direkt in die einzige, allen anderen Autofahrern bekannte Radarfalle reingerauscht bin. Gottseidank war das ja einen Tag vor der Anhebung der Verkehrssünder-Strafen.

Aber darauf wollte der Herr gar nicht hinaus. Sondern in meiner Straße sei nämlich in der Nähe eingebrochen worden, man habe die Täter da gefasst – eine rumänische Bande (das habe ich ja immer schon geahnt 🙂 ) – und bei den Tätern einen Zettel gefunden, auf dem mein Name und meine Adresse draufstand und die Info, bei mir gäbe es womöglich Goldmünzen oder -barren und viel Bargeld. Ob ich denn darüber mal mit irgendwem gesprochen habe?

Embed from Getty Images

Mist, jetzt sind die schon da. Ok, ich hol die Uzi raus…

Ok, die Masche ist ja mittlerweile eigentlich allen bekannt, die nicht völlig senil; na ja, sagen wir mal etwas aus der Welt sind. Da fallen nicht mal meine Tanten drauf rein – bei denen haben die Dreckschweine auch schon letztes Jahr mal angerufen. Ich frage mich auch, wieso die es bei mir versuchen, ich heiße ja schließlich nicht Hans-Horst oder Adolf; und Michael deutet doch eher auf die Babyboomer-Zeit hin. Ich verfalle aber sofort in meinen “ich bin etwas verwirrt”-Ton, den ich ja schon in meiner Mailunterhaltung mit dem guten alten Barrister trainiert habe.

Gleichzeitig versuche ich das Gespräch irgendwie auf den Computer rüberzulegen, damit ich den Sportsfreund aufnehmen kann. Klappt erst mal nicht, also lege ich auf. Der Typ versuchts natürlich direkt wieder. Mist, meine Telefon-App funktioniert erst mal nicht, weil ich zunächst nicht schnalle, dass die das aktive Aufnahme-Equipment nicht etwa vom Windows-Standard übernimmt, sondern man das gesondert einstellen muss.

Inzwischen rufe ich schon mal die richtige Polizei in Rodenkirchen an, ob die nicht Lust haben, vorbeizukommen, um dann den Mule (der Scam läuft ja so, dass ich meine Wertsachen vorsichtshalber einem “Kripomitarbeiter” übergeben soll…) direkt hopszunehmen. Die Dame meint aber, das würde meistens nicht funktionieren. Außerdem seien sie gerade Corona-bedingt etwas dünn besetzt (genau wie das LKA letztens beim Mail-Scam…). Sie würden aber trotzdem jemand vorbeischicken, um eine Anzeige aufzunehmen – die könnten sie aus statistischen Gründen gebrauchen.

Ok. Kurz danach ruft der Scammer wieder an, inzwischen ist meine App bereit – und ich zeichne dieses wunderschöne Gespräch mit “Einsatzleiter Thomas Kehl” hier auf.

 

Ich laber und laber, in der Hoffnung, dass die richtige Polizei bei mir auftaucht und ich die Kollegen 🙂 dann vielleicht sogar persönlich miteinander plaudern lassen kann. Selbstredend habe ich sieben Krügerrand und zehn 50g-Goldbarren im Haus; das ist ja wohl das mindeste in diesen Krisenzeiten. Aber die richtige Polizei kommt erstmal nicht – ich versuche noch etwas Zeit zu schinden, indem ich eine akute Darm-Unpässlichkeit vorgebe; ich müsse also erst mal aufs Klo.

Irgendwann bricht die Verbindung ab, der Typ versucht es immer und immer wieder – mit Vorwahlnummern aus Marokko, Bolivien und Laos. Interessant, wo die Kripo überall Büros hat. Irgendwann ruft die richtige Polizei wieder an; es würde noch später werden – oder ich könne vielleicht die Anzeige doch online aufgeben. Mach ich; ich werde da auch das Audio mit reinschicken. Und ich hoffe mal, dass die richtigen Ordnungshüter bei einem richtigen Notfall dann trotz Corona doch einigermaßen “zeitnah” vorbeischauen 🙂

So. Die Sportsfreunde sind wieder da. Hier das nächste Audio:

Da brach gerade die Verbindung wieder ab.

Jetzt hat der Sportsfreund wieder angerufen. Ich hab noch ein Weilchen mit ihm geplaudert. (Die komischen Telefon-Nummern sind natürlich eine Top-Secret-Verschleierungsaktion…) Und ihm dann am Ende die bittere Wahrheit verkündet. Ich hab nämlich leider auch null Gold bei mir hier zuhause. Das Arschloch legt einfach auf. Wo gibt es denn so was??

Außerdem heiße ich Gessat, nicht Gesat; liebe türkische (?!) Sportsfreunde. Und die Leyboldstraße wird Leiboldstraße ausgesprochen.

Golfplätze bleiben weiterhin geschlossen. Ein Brief an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Armin Laschet,

Sehr geehrte Frau Staatssekretärin Andrea Milz,

ich habe heute eine Mail von meinem Golfclub erhalten, wonach die Anlage „jedenfalls bis Anfang Mai geschlossen“ und weiterhin kein Trainings- und Spielbetrieb möglich ist. Laut Information des Deutschen Golfverbandes DGV soll eine „neuerliche Prüfung“ dieser Restriktionen erst am 30. April erfolgen – wenn ich das „jedenfalls bis Anfang Mai“ richtig interpretiere, ist ja offenbar eine weitere Verlängerung der angeordneten Schließung durchaus möglich.

Der DGV als Dachverband hat sich zu dem von der Regierung getroffenen Beschluss bzw. den Ausführungsbestimmungen bereits „mit Enttäuschung und Unverständnis“ geäußert. Ich möchte Sie – lieber Herr Laschet und liebe Frau Milz – heute als Bürger des Landes Nordrhein-Westfalen; als Privatmensch, aber auch als Journalist fragen:

Können Sie mir irgendwelche Sachargumente nennen, inwiefern das Golfspielen für mich selbst oder für andere ein erhöhtes oder überhaupt irgendein Infektionsrisiko darstellen soll? Können Sie mir irgendwelche Sachargumente nennen, inwiefern das Golfspielen im Vergleich zu anderen, erlaubten Freiluftaktivitäten wie Spazierengehen oder Joggen im Park ein höheres Risiko darstellen soll und infolgedessen weiterhin untersagt werden müsste?

Der DGV als Dachverband hat versucht, Entscheidungsträger wie Sie darüber zu informieren, wie Golf als Freizeitaktivität ausgeübt wird. (Sie sollten das übrigens auch mal probieren, das wird Ihnen gut tun… 🙂 ) Ich wiederhole dies der Vollständigkeit halber auch noch einmal am Beispiel meiner eigenen – jetzt ja leider durch Sie unterbundenen – Aktivität:

Ich fahre zum Golfplatz, in meinem Fall mit dem Fahrrad, weil ich in unmittelbarer Nähe wohne. (Die meisten Golfspieler in Deutschland dürften ihre Plätze mit dem Auto aufsuchen, eine Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, bei der es ein Infektionsrisiko geben könnte, ist vermutlich eine absolute Ausnahme.) Dann gehe ich zum Abschlag der ersten Bahn, spiele meinen ersten Ball – und laufe danach mutterseelenallein die neun oder 18 Löcher über den Platz. Zwei bis vier Stunden.

Niemand ist in meiner Nähe – wir reden hier nicht von 1,5 Metern, sondern von hunderten Metern. Abstand halten gehört aus Sicherheitsgründen elementar zum Golfspielen dazu – damit man nicht von fremden Bällen getroffen wird und andere nicht mit dem eigenen Ball trifft. In diesem Szenario – dem Einzelspiel oder „Einer-Flight“ ist eine Infektion oder irgendein Infektionsrisiko absolut ausgeschlossen.

Embed from Getty Images
Dass einem Spieler Hunderte oder Tausende Zuschauer folgen, ist die absolute Ausnahme – keine Sorge, Herr Laschet!

Kommen wir zu denkbaren anderen Szenarien. Auch beim Zusammenspiel von mehreren Personen ist es absolut üblich und überhaupt kein Problem, einen Abstand zu wahren – auch schon normalerweise meist ein Vielfaches mehr als 1,5 Meter. Nach den mittlerweile üblichen Spielbedingungen („Ready Golf“) geht jeder Spieler zu seinem Ball und spielt den bei Gelegenheit; immer unter der Maßgabe, keinen Mitspieler zu gefährden und also Abstand zu halten. Auch am Ziel einer jeden Bahn, dem „Grün“, wo der Ball (hoffentlich…) eingelocht wird, gibt es keinerlei Notwendigkeit oder Anlass, einen gewissen Abstand zu unterschreiten.

Selbstverständlich bedeutet auch das gemeinsame Spiel von Ehepartnern oder Angehörigen einer Haushaltsgemeinschaft keinerlei zusätzliches Risiko – selbstverständlich sind daher ja auch gemeinsame Spaziergänge erlaubt.

Mit der am Mittwoch eingeleiteten „Lockerung“ der Corona-bedingten Einschränkungen gehen wir aus der Phase der – übrigens ja von keinerlei gesicherten Fakten untermauerten – Erstreaktion in eine Phase der rationalen, abwägenden Gegenüberstellung: Was können Restriktionen bewirken, was sind die „Kollateralschäden“ dieser Restriktionen? Sind möglicherweise die Kollateralschäden größer als der mögliche Nutzen der Maßnahmen? Werden möglicherweise Grundrechte eingeschränkt, ohne dass dies in einer Abwägung der Verhältnismäßigkeit geboten und auch rechtlich zulässig ist?

Ich möchte Ihnen einmal – ganz subjektiv – die Auswirkungen schildern, die das Verbot des Golfspielens momentan für mich persönlich bedeutet: Golf ist für mich der – leider viel zu spät entdeckte – ideale Ausgleich für meine Tätigkeit als „Bildschirmarbeiter“. Ich bin 55 Jahre alt, habe einen schönen, aber auch stressigen Job als freiberuflicher Journalist beim Deutschlandfunk. Mit Frühdiensten, bei denen ich um 4 oder 5 Uhr aufstehen muss. Bei aller Routine – wann immer es Probleme oder Stress oder auch einmal Arbeitsplatzsorgen gibt, spüre ich mein Herz. Seit ich vor knapp drei Jahren mit dem Golfspielen angefangen habe, habe ich acht Kilo abgenommen, bin ausgeglichener, zufriedener, glücklicher.

Sie nehmen mir das gerade weg.

Aus Gründen, die nicht nachvollziehbar sind. (Ich warte natürlich gern auf Ihre diesbezüglichen „Sachargumente“…) Ich habe seit dem Beginn der Platzsperren vier Kilogramm zugenommen. Natürlich – ich könnte auch zwei Stunden täglich irgendwie so in vergleichbar schnellem Tempo mit einem Ersatzgewicht von 10 kg auf dem Rücken durch die Gegend latschen – in einer vermutlich im Vergleich zu einem Golfplatz signifikant höher „virenbelasteten“ Umgebung. Aber das ist natürlich utopisch. Ich trinke auch gerade mehr Alkohol als sonst. Auch das könnte ich natürlich lassen. Aber Sie selbst werden als Privatpersonen und ganz normale Menschen wissen – das theoretische „könnte man machen“ und das tatsächliche Machen sind zwei unterschiedliche Dinge.

Langer Rede kurzer Sinn: Die Restriktionen in Bezug auf Golfplätze treffen mich hart. Sie treffen mich hart in gesundheitlich, in physischer und psychischer Hinsicht. Sie treffen andere, ältere Golffreunde noch viel härter – möglicherweise sogar letztlich lebensgefährlich. Und es gibt meines Erachtens keine, aber auch gar keine dem entgegenstehende Sachargumente (auf etwaige Einlassungen Ihrerseits bin ich wie gesagt gespannt…).

Es gibt möglicherweise irgendwelche „Solidaritäts-Erwägungen“ nach dem Motto „wenn bestimmte Sporteinrichtungen schließen müssen, dann müssen alle schließen“. Aber mit Verlaub – das ist doch totaler Unsinn. Einem Handballer, der vielleicht aufgrund der Infektionsgefahr bei seinem doch recht kontaktträchtigen Sport in der Halle bis auf weiteres auf Training und Wettkämpfe verzichten muss, hilft es überhaupt nichts, wenn ich auch nicht – mutterseelenallein – Golfspielen darf. Auch bei den übrigen „Lockerungsmaßnahmen“ wird ja differenziert – wo gibt es hohe Risiken, wo geringe?

Ich möchte Sie – Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, Sehr geehrte Frau Staatssekretärin – einmal bitten, über diese Dinge kurz und gründlich nachzudenken.  Es geht hier nicht um die Freizeitbeschäftigung einer möglicherweise etwas elitären Bevölkerungsgruppe oder eine „Extrawurst“. Sondern es geht darum, abzuwägen: Was ist in dieser schwierigen Situation und angesichts erheblicher Einschränkungen und Einschnitte in das Leben aller Bürgerinnen und Bürger sachorientiert, rational und juristisch haltbar?

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Gessat; Journalist, Köln

 

P.S. 18.04.2020 Das hier: (“Jogging, Gymnastik und Golfen ja – Mannschaftssport nein”) bei meinem Sender lese ich aber jetzt mit großem Interesse 🙂 …

P.S. 03.05.2020 Mein Hoffen vom 18.04.2020 war ja offenbar auch nur ein großer Rohrkrepierer. Herr Laschet registriert zwar richtigerweise die “wachsende Wut” in der Bevölkerung – aber offenbar nicht primär die von Golffreunden. Und offenbar ist seine BILD-Zeitungs-Angst immer noch größer als seine angebliche Neigung zur sachgemäßen Differenzierung und Wahrnehmung von Unverhältnismäßigkeiten. Frau Milz ist trotz ihrer angeblichen Empfindlichkeit für “herzerweichende” Zuschriften von lahmgelegten Breitensport-Treibenden in einer bräsigen “Ich-kann-mir-doch nicht-alle-Sportarten-einzeln-angucken-Versenkung” abgetaucht.

Auch der Golfverband NRW vermeldet Betrübliches:

Informationen zur Corona-Entwicklung und die Folgen für den Golfsport in NRW – Stand 02.05.2020 um 17:00 Uhr

Liebe Mitglieder,

am 30. April haben Bundesregierung und Ministerpräsidenten sich nicht mit dem Thema Lockerung der Verbote für den Breiten- und Freizeitsport befasst. Die von uns allen erhoffte Öffnung der Golfanlagen blieb aus. Das Thema wurde auf den 6. Mai vertagt. Wir als Golfverband NRW sind enttäuscht.

Trotz der intensiven Lobbyarbeit des DGV auf Bundesebene und des Golfverbandes auf Landesebene müssen wir leider feststellen, dass Lockerungen des Amateur- und Breitensports im allgemeinen sowie die Freiluftsportarten im Besonderen von der Politik im Bund und in NRW zurückgestellt werden.

Unsere Geschäftsstelle haben seitdem zahlreiche emails erreicht, in denen wir zur Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens aufgefordert werden. Dazu ist folgendes klarzustellen:

Das Präsidium hat sich in den letzten Wochen mehrfach mit der Frage befasst, ob und welche rechtlichen Möglichkeiten für uns als Verband bestehen, gegen die Schließung der Golfanlagen vorzugehen. Nach Auffassung des Präsidiums hätte ein durch den Golfverband NRW angestrengtes gerichtliches Verfahren schon deswegen keine hinreichende Aussicht auf Erfolg, da der Golfverband NRW nicht Betreiber einer Golfanlage und damit nicht unmittelbar von dem Verbot Betroffener ist. Die bloß mittelbare Betroffenheit über unsere Mitglieder und Aktiven reicht nicht aus.

Soweit wir auf ein von dem Bayerischen Golfverband angestrengtes Verfahren hingewiesen werden, ist nach unseren Informationen, der Bayerische Golfverband nicht Antragssteller dieses Verfahrens, sondern vielmehr eine Betreibergesellschaft, die das Verfahren im eigenen Namen und auf eigene Kosten führt.

Nach unserer Kenntnis ist vor den zuständigen Gerichten in NRW bereits ein von verschiedenen Personen angestrengtes sog. Eilverfahren anhängig. Ein weiteres Verfahren wird nach unseren Informationen aktuell vorbereitet. Wir hoffen auf eine zeitnahe Klärung der offenen Rechtsfragen durch die Gerichte. Der Golfverband NRW ist grundsätzlich bereit, derartige Verfahren, soweit sie im Interesse unserer Mitglieder liegen, angemessen zu unterstützen.

Bei aller nachvollziehbaren Enttäuschung und Frustration über die Schließungen der Golfanlagen und die Entscheidungen der Politik, auf die wir als Golfverband leider keinen Einfluss haben, möchten wir Sie darum bitten, die Grundregeln des menschlichen Anstands und des Umgangs, insbesondere gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Geschäftsstelle zu wahren. Das war in der Vergangenheit leider nicht immer der Fall. Vielen Dank.

Bleiben Sie gesund!

Das Präsidium

Ok, da bleiben für mich in dem zitierten Text jetzt so ein paar Fragen offen: “Trotz der intensiven Lobbyarbeit des DGV auf Bundesebene und des Golfverbandes auf Landesebene” und “die Entscheidungen der Politik, auf die wir als Golfverband leider keinen Einfluss haben”… Ach so, ich dachte “Lobbyarbeit” hieße eben genau Einfluss auf Entscheidungen der Politik nehmen, oder das zumindest versuchen. Das war wohl nix. Da kann man natürlich schon ganz kurz drüber nachdenken, ob dann die bislang handelnden Personen den bestmöglichen Impact-Faktor haben oder auch nicht. Oder ob da niemand eine Chance gehabt hätte; aufgrund der Bräsigkeit und der BILD-Zeitungs-Empfindlichkeit (“bitte nicht den Fahrstuhl runter…”) der Kanzlerkandidaten.

Geschenkt. Jetzt kommt tatsächlich langsam die Stunde der Gerichte. Man kann ja zur Auffassung von Epidemiologen stehen, wie man will – auf den Golfplätzen wird sich die Schlacht jedenfalls nicht entscheiden. Da sind eindeutig die Kollateralschäden um Dimensionen höher als der vermeintliche Nutzen der Einschränkungen.

Ich nehme das mal mit Interesse zur Kenntnis, was in dem GVNRW-Statement an laufenden Verfahren berichtet wird. Völlig klar – eine erfolgreiche Klage muss unter Darlegung der persönlichen Betroffenheit erfolgen. Anregungen dazu in meinem Post – ab nächster Woche werde ich selbst auch Klage einreichen.

Mit etwaigen Wahlstimmen für Sie, lieber Herr Laschet, liebe Frau Milz – das wird jetzt irgendwie nix mehr. Trotzdem sollten Sie es mal versuchen mit dem Golfspielen. Wird Ihnen guttun. Auch sogar in Hinblick auf: Richtige Entscheidungen treffen.

P.S. 07.05.2020:  Ich habe gerade überraschenderweise eine Antwort auf meinen Brief/meine Mail vom 16.04.2020 an Herrn Laschet und Frau Milz bekommen. Es lebe der bürgernahe Dialog! Da die Staatssekretärin jetzt nicht allzu differenziert auf meine Fragen bzw. Argumente eingeht 🙂 , ist es glaube ich ok, wenn ich dieses Schreiben hier ohne vorherige Nachfrage bei der Staatskanzlei auch veröffentliche:

Dass wir uns jetzt netterweise “nun wieder bewegen” und unsere “geistige Gesundheit und Mobilität stärken” dürfen, hatte ich allerdings auch schon durch intensive Beobachtung der Nachrichtenlage mitbekommen. 🙂 Morgen um 14 Uhr habe ich meine erste Startzeit. Das wird eine langwierige Rekonvaleszenz, fürchte ich.