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Gotteslästerung: „Wissenschaftler“ zweifeln „Nutzen“ von Weihwasser an

Zwischen Wissenschaft (also dem Versuch, die Welt durch rationale Annahmen, nachvollziehbare Experimente  und überprüfbare Schlussfolgerungen zu erklären) und Religion (also dem Kunstgriff, irgendwelche bei rationaler Betrachtungsweise abstruse Begebenheiten, Behauptungen und Konstruktionen zur Glaubenssache zu erklären – gerne auch mit irgendwelchen Begründungen ausgeschmückt, warum die eigene abstruse Sichtweise die einzig korrekte ist und alle Vertreter anderer abstruser oder gar keiner Sichtweisen abgemurkst werden müssen…) klafft seit geraumer Zeit ein gewisser Dissens.

Momentan haben bekanntlich andere Religionen als das Christentum, vor allem der Islam bzw. seine salafistischen, wahhabitischen und sonstigen -istischen und -itischen Geschmacksrichtungen die Deutungshoheit darüber ergriffen, wer aus welchem Grund abzumurksen ist. Aber vor ein paar hundert Jahren wären auch bei uns Christoph König, Stephanie Tauchnitz, Heike Kunzelmann, Christian Horn, Frithjof Blessing, Matthias Kohl, Markus Egert vom „Institute of Precision Medicine“ an der Hochschule Furtwangen bzw. dem „Institut für Labormedizin“ in Siegen auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden.

 

Die vermutlich jungen und in diesen Dingen möglicherweise noch etwas unbedarften Damen und Herren haben sich erdreistet, die Keimzahl in Weihwasser-Becken von fünf Kirchen in Villingen-Schwenningen und umliegenden Ortschaften zu ermitteln und zu vergleichen – und dabei die Fragestellung aufzuwerfen, ob dieses Weihwasser „eher gefährlich als nützlich“ ist. Allein schon die vermeintlich wissenschaftlichen Feststellungen bzw. Thesen sind mehr als fraglich:

Das Weihwasser aus Stadtkirchen war mit zwischen 1.500 und 21.000 Keimen pro Milliliter signifikant stärker belastet als das aus Dorfkirchen mit nur rund 100 Keimen pro Milliliter. „Wir vermuten, dass dieser große Unterschied auf die höheren Besucherzahlen in den Stadtkirchen zurückzuführen ist“, so Studienleiter Prof. Dr. Markus Egert. „Die Keimzahl zeigte eine Korrelation mit den Gemeindegrößen.“

Bei der erbärmlich geringen Anzahl von (fünf) untersuchten Weihwasserbecken könnte es natürlich genausogut sein, dass ein, zwei Wutzen in Stadtkirchen erst aus irgendwelchen Gründen ihren After massiert und dann anschließend ohne vorangegangene Handwaschung das kirchliche Ritual durchgeführt haben. Den Wissenschaftlern ist auch korrekterweise und „gottlob“ aufgefallen, dass bei einer im kirchlichen Ritual vorgesehenen „äußerlichen“ Anwendung des Weihwassers (selbst bei Weihwasser-Wutzen in der Gemeinde…) zumindest bei „unverletzter Haut“ keine gesundheitlich schädlichen Folgen zu erwarten sind. Wie die Sache beim zwangsweisen Tauf-Heruntertauchen unschuldiger Säuglinge aussieht, ist noch einmal eine ganz andere Frage.

 

Ich muss an dieser Stelle zugeben – das Original-Paper der lästerlichen Autoren habe ich (noch…) gar nicht gelesen. (Kostet ein paar Euro – wahrscheinlich würde ich das als Journalist auch so bekommen…) Ich wage aber mal zu bezweifeln, dass die jugendliche Bagage und ihr fahrlässiger Prof. dort eine tatsächlich belastbare Kosten-Nutzen-Aufstellung präsentieren können, ob der theologische Gewinn (Seelenheil, Performance im Jenseits…) nicht den fragwürdigen und empirisch äußerst mau untermauerten hygienischen Nachteil im Diesseits mehr als wettmacht. Und wie gesagt: Früher einfach mal – Scheiterhaufen.

 

P.S.

Aus gut unterrichteten Kreisen werde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ein „zwangsweises Tauf-Heruntertauchen unschuldiger Säuglinge“ ein unrealistisches Szenario ist. Das vollständige Untertauchen, die Immersionstaufe (und da von Erwachsenen…) findet nur bei Baptisten oder Mennoniten statt. So ganz ernst gemeint hatte ich die Passage allerdings ohnehin nicht – auch bei einem Übergießen oder Besprengen des Täuflings dürfte das Taufwasser wohl nicht aus den am Kircheneingang platzierten Bottichen entnommen werden, in die zuvor Gläubige ihre Finger hineingesteckt hatten… Die spekulative Einlassung sollte eigentlich mehr die Absurdität einer Gefahrenabwägung bei äußerlicher Anwendung von Weihwasser illustrieren.

Erst Scaramucci, jetzt Breitbart: Der Email-Prankster schlägt wieder zu

Das Türenschlagen und Ein- und Ausflattern komischer Vögel im bekanntesten Irrenhaus der Welt geht munter weiter, inzwischen hat ja auch „Chefstratege“ Steve Bannon sein Köfferchen packen dürfen und ist in allerbestem Einvernehmen mit seinem guten Kumpel Donald wieder bei Muttern eingezogen zu seinem Hetz- und Fake-News-Portal Breitbart zurückgegangen. Um dort den „Krieg“ für Donald und die große amerikanische Nation weiterzuführen. Nun ist ja bekanntlich jeder Krieg ein Stück weit schmutzig, und insofern macht Breitbart nun also auch in Richtung Weißes Haus das, was es am besten kann: Mit Schmutz werfen. Ein paar Klümpchen gegen Buddy Donald selbst, die richtig dicken Brocken aber gegen die Typen, die dem Chefstrategen Bannon immer wieder ins Handwerk gepfuscht haben.

 

Das sind nämlich Donalds Tochter Ivanka und ihr Ehemann Jared Kushner (die im Gegensatz zum POTUS selbst noch zurechnungsfähig zu sein scheinen und ihm hoffentlich im Rahmen ihrer Betreuungspflichten auch schon das Atomköfferchen versteckt bzw. ausgetauscht haben…) – und die glaubt Breitbart-Chefredakteur Alex Marlow bis Ende des Jahres aus dem Weißen Haus mobben zu können; notfalls auch mit richtig dreckigem Dreck. Das schreibt er jedenfalls in einer launigen Antwortmail an seinen Wieder-Chef Bannon – doch oh weh – die Mail kam gar nicht von dem, sondern vom Email-Prankster, der ja vor kurzem schon die Mutter aller Kommunikationschefs, Anthony Scaramucci, auf unterhaltsame Weise genarrt hatte.

Die ziemlich unbeeindruckte Reaktion der Breitbart-Bagage auf den Prank nötigt aber auch schon wieder Respekt ab: In den geleakten Mails stehe ja nichts anderes drin, was man nicht auch auf der Breitbart-Seite offen publizieren würde, so Marlow. Niedertracht und Dreck eben. „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sichs gänzlich ungeniert.“

Deutschlandfunk Nova · Posse im Weißen Haus: Jeder gegen Jeden

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 23.08.2017 (Moderation: Thilo Jahn)

Erdogan attackiert Kurz scharf

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den österreichischen Außenminister Sebastian Kurz in einer scharfen persönlichen Attacke vor weiterer Kritik an der Türkei gewarnt. „Er kennt keine Grenzen“, kritisierte Erdogan in einer im Fernsehen übertragenen Rede. An Kurz gerichtet fügte Erdogan hinzu: „Wer sind Sie, dass Sie mit dem Präsidenten der Türkei reden? Beachten Sie Ihre Grenzen!“ Auch kritisierte Erdogan, Kurz versuche, „uns eine Lektion zu erteilen“. Wiederum an den Außenminister gerichtet fügte er hinzu: „Wie lange sind Sie eigentlich in der Politik? Wie alt sind Sie?“

 

Mit seiner Kritik reagierte Erdogan offenbar darauf, dass sich Kurz jede Einmischung des türkischen Präsidenten in die österreichischen Wahlen im Oktober und ganz allgemein „in innere Angelegenheiten anderer Staaten“ verbeten hatte. Erdogan hatte türkischstämmige Wähler in Deutschland zuvor aufgefordert, bei der Bundestagswahl im September nicht CDU, SPD oder Grüne zu wählen.

Vor seiner Zurechtweisung des österreichischen Außenministers hatte der türkische Präsident bereits den deutschen Außenminister mit ganz ähnlich klaren Worten zurechtgewiesen. Der an und für sich für seine stets sehr zurückhaltenden und diplomatisch formulierten politischen Statements bekannte türkische „Reis“ geriet bei seiner Ermahnung des noch blutjungen Polit-Neulings Kurz ausnahmsweise etwas in Rage: „Wenn das Milchgesicht nicht die Fresse hält, werden wir da weitermachen, wo unsere tapferen osmanischen Truppen aus humanitären Gründen 1683 noch einmal Gnade vor Recht haben walten lassen.“

 

„Die Politiker in Deutschland zittern vor dem Donnerhall aus Istanbul Ankara und springen auf und ab. Und dieses Würstchen aus dem bedeutungslosen Alpen-Kleinstaat wagt es, dem Türkischen Präsidenten, gelobt sei sein Name, zu drohen?“ führte Erdogan weiter aus. Auch Adolf Hitler sei bekanntlich Österreicher gewesen, erinnerte der geschichtsbewanderte türkische Präsident: „Ihr seid Faschisten. Ihr mit Euren Nazi-Praktiken könnt so verärgert sein wie Ihr wollt.“ Recep Tayyip Erdogan kündigte zum Abschluss seiner von seinen Anhängern umjubelten Rede an, Jan Böhmermann, Sebastian Kurz, Sigmar Gabriel sowie überhaupt sämtliche Kritiker, Journalisten, Dissidenten und Spötter „überall auf der Welt“ verhaften und in die Türkei ausliefern zu lassen.

Deutsche Post bringt „Alterssichtprüfung durch Zusteller“

 

Screenshot Email der Deutschen Post an mich

Ob ich zukünftig Waren mit jugendgefährdendem Inhalt per Brief versenden möchte? Tja, mal überlegen. Warum eigentlich nicht. Die Jugend kann man ja im Grunde in den heutigen Zeiten nie früh genug mit den Gefahren konfrontieren, die überall – vor allem im Netz natürlich – lauern.

Und Ihre Ware soll nicht in die Hände von Personen unter 16 bzw. unter 18 Jahre gelangen? Unser neues Produkt, die Alterssichtprüfung, schafft hier Abhilfe. Denn dabei überprüft der Zusteller in Ihrem Auftrag das geforderte Mindestalter des Empfängers, so wie es auch beispielweise an der Supermarktkasse gehandhabt wird.

Ach so, jetzt schnall ich das erst. Die jugendgefährdenden Inhalte sollen nicht in die Hände der durch sie gefährdeten Jugendlichen gelangen. Alles klar. Das ist ja gar nicht so blöd, dann könnte ich vielleicht doch noch mal die alte Büchergilde-Gutenberg-Ausgabe der „Josefine Mutzenbacher“ oder die vielleicht noch auf dem Dachboden verstaubenden Playboy-Ausgaben aus den 90ern bei Ebay losschlagen – bin ja schon seit langem auf Online-„Erotik“ umgestiegen. Ach nee, das geht ja auch nicht – dann zickt Paypal wieder rum und friert mein Konto ein. Wegen der unzulässigen Inhalte und der Jugendgefährdung. Dabei wär das an sich so praktisch: jugendgefährdender Versand bequem von zu Hause aus.

Screenshot Email der Deutschen Post an mich

Die immer sehr kompetenten Zusteller der Post – schöne Grüße an meinen Paketboten hier noch mal, das rechteckige Ding auf der Metallplatte ist die Klingel, da kann man draufdrücken. Dann macht es bei mir oben Bim-Bam und Sie brauchen gar keinen „Nicht angetroffen-Zettel“ in den Briefkasten zu schmeißen, obwohl ich doch oben am Küchenfenster stehe 🙂 – die Zusteller sorgen dann für den Schutz der Jugend.

Screenshot Email der Deutschen Post an mich

„Na Kleine, schon 16?“ „Ja klaro, Alter!“

Übrigens – bei regelmäßigerem Schmutz-Versand winken ja schon 5 Cent Rabatt. Das ist großzügig. Und die notorischen en gros-Schmutzfinken oder Darknet-Großhändler nehmen gleich die dicke Rolle:

Screenshot Email der Deutschen Post an mich

Da ist dann allerdings wieder kein Rabatt drin.

 

P.S. Fällt mir gerade noch ein: Die Internetmarke + Alterssichtprüfung kleb ich jetzt immer drauf, wenn ich einen Empfänger mal ein bisschen veräppeln will. Und stell mir dann den wissenden Gesichtsausdruck des Zustellers bei der Übergabe vor. 😉

Donald Trump schiebt sich ganz nach vorne…

…im derzeit heiß umkämpften Rennen um den Asshole-Award.

Ok, mal eben die Hälfte der Bevölkerung als „Terroristen“ in den Knast stecken, das ist auch nicht von schlechten Eltern. Oder mit speckigem Grinsen Schrott-Raketen in den Himmel zu jagen, um die „schöne Welt“ gegebenfalls auszuradieren. Aber in höchsteigener Person und im illustren Kreis so richtig herumrempeln und mit „verpiss-dich-hier-kommt-der-Babo“-Fresse mediokre Kleinstaaten-Vertreter wegzuschubsen, das ist schon einsame Spitze.

Wie sagte doch Robert de Niro so schön? „He is an idiot, he is a pig. I’d like to punch him in the face.“

WannaCry – WannaLaugh

Ein paar kleine Nachträge zur WannaCry-Ransomware. Erstens: skandalös, dass da doch nicht mehr so ganz viel nachgekommen ist wie befürchtet. Ich verdiene schließlich an der Krisen-Berichterstattung.

Zweitens:

Da lag ich doch mit meinem ersten spontanen Kommentar am letzten Samstag gar nicht so falsch. Also, liebe Erpressungs-Kunden – greifen Sie doch bitte dem Erpresser-Support etwas unter die Arme beim Zuordnen Ihrer Zahlungen. Sie bekommen dann auch ganz ehrlich Ihren Entschlüsselungs-Schlüssel. Großes nordkoreanisches Indianer-Ehrenwort, beim wohlgestutzten Haupthaar unseres verehrten großen Führers Kim Jong-Un. (Der die Kohle ganz dringend braucht, um einen neuen Raketenversuch zu finanzieren; irgendwann muss das doch mal klappen, andere kriegen die Dinger doch auch hochgeschossen ohne Explosion… Und für sein Netflix-Disney-Abo, und für ein paar Schweinskaldaunen und die Bären-Blutwurst, die er so gerne morgens auf seine Brötchen schmiert.) Vielen Dank!

 

Dann gibt’s auch noch total großartige Hoffnungs- und Freudenbotschaften für all diejenigen Super-Experten, die befallen und verschlüsselt worden sind, und seitdem aber dann in Schockstarre vor dem Rechner sitzen, den also auch nicht ausgeschaltet haben (Leute, die auch nur einen Funken Ahnung haben, ziehen sofort den Netzstecker, sobald irgendeine Drecks-Malware loszurattern beginnt…) Ach so – noch nicht mal dann funktioniert das richtig mit der Wiederherstellung. Schade.

Weitere Trittbrettfahrer versuchen auch noch aufzuspringen. Ok – versuchen kann man es ja mal. Und zu der Tomahawk-Analogie von Microsoft und der Gutmenschen-Kritik an der NSA und ihrem Cyber-Waffenschrank gibt’s auch noch ein Update. Es ist und bleibt halt eine schwierige Kosten-Nutzen-Abwägung. Aber wer als Profi-Anwender weiterhin XP- und NT-Gurken betreibt, hätte ja auch schließlich den kostenpflichtigen Extended-Support von Microsoft bezahlen können.

Exklusiver Beweis: Nordkorea verantwortlich für Wannacry

Der Cyberkrieg ist da – endlich. Ich habe mich ja manchmal schon als Panikmacher gefühlt mit meinem ständigen Herumwarnen in den Sendungen: „Ganz schnell das Update einspielen, diesmal ist es wirklich ernst!“ „Unbedingt regelmäßige Backups machen, das ist das Einzige, was hilft!“ Und dann habe ich natürlich immer auch die verständnisvollen Blicke der Kolleginnen und Kollegen registriert – ja, ja; unser Netzreporter kommt mal wieder mit blinkenden Alarmleuchten am Alu-Hut ins Studio. Wo blieb denn der Weltuntergang nach der Stagefright-Lücke? Na also.

Aber jetzt ist es da, das weltweite Armageddon. Und wer ist schuld – außer Microsoft und den Leuten, die ihre Updates nicht einspielen oder halt ältere Betriebssystemversionen weiterbetreiben, für die es keine Sicherheitsfixes mehr gibt (* siehe Nachklapp); und außer den Unglücksraben, die nun ganz konkret auf die initiale Phishing-Mail geklickt und dem Wurm damit die Tür ins Firmen-Netzwerk aufgemacht haben? Nordkorea natürlich. Hier ist der Beweis:

 

 

 

 

 

 

Na, klingeln die Glocken? Überall infizierte System, nur nicht im Reich des Diktators mit der gewagten Frisur? Als Hacker sind die Schurken eh bekannt, und Geld braucht die Mischpoke bekanntlich auch ganz dringend. Ok, wenn man einen etwas größeren Blick auf das Geschehen wirft, dann kommen noch andere Verdächtige mit ins Spiel: Turkmenistan! Papua-Neuguinea! Madagaskar!

Screenshot von https://intel.malwaretech.com/botnet/wcrypt/?t=24h&bid=all

 

Da hat sich auf jeden Fall jemand richtig Mühe gegeben, allein schon die recht passablen Übersetzungen der Handlungs- und Zahlungsanweisungen in die jeweiligen Landessprachen – alle Achtung. Die Sache mit der Killswitch-Domain ist hingegen suboptimal gelaufen, trotz der an sich ja ehrenwerten Idee, eine Notbremse einzubauen. Es gibt aber für alle Betroffenen noch eine richtig gute Nachricht: Die Zahlung des geforderten Lösegeldes, die können Sie sich sparen!

Es gibt nämlich im Programmcode von Wannacry nur drei fest „hardcodierte“ Bitcoin-Adressen – das heißt, die Erpresser können gar nicht feststellen, wer gezahlt hat und wer nicht. (Nachklapp: OK, man soll ja nach der Zahlung auf den Button „Check Payment“ klicken. Am besten während der Erpresser-Bürostunden 9-11 Uhr. Vielleicht geht ja dann der Private Key mit einem Timestamp an den Command-Server raus, und die freundlichen Erpresser checken das dann nach, ob das zu einer Zahlung passt. Vielleicht könnte man auch nicht zahlen und den Button trotzdem drücken ?) Aber vielleicht ist das ja auch ein Ransomware-Crowdfunding mit einer Zielmarke – sobald 10 Millionen Dollar eingesammelt sind, rücken die Leute freundlicherweise global die Entsperr-Schlüssel raus. Oder so.

 

Nachklapp: Microsoft hat in einer Blitz-Reaktion auf WannaCry Updates für eigentlich nicht mehr unterstützte ältere Windows-Versionen bereitgestellt.

Bleibt nur noch abzuwarten, wer es als erster auf alte XP- oder NT-Gurken – z.B. die Fahrkartenautomaten im öffentlichen Nahverkehr – schafft; der Sicherheitsfix oder der Crypt-Wurm bzw. seine Nachfolger 🙂

 

Arbeit ist nicht mal das Viertelleben – von wegen!

Mit Statistik kann man sich ja alles zurechtbiegen.

Wussten Sie schon: Ihr tägliches Rumgejammere ist völlig Weichei-mäßig und unberechtigt. Ihr Eindruck, mit Ihrem Vollzeitjob in einem Hamsterrad rumzutreten und irgendwie überhaupt keine Zeit mehr zu haben – das ist eine totale Illusion. Blödsinn. Ihnen geht’s prima. Sie haben in Wirklichkeit jede Menge Zeit. Freizeit. Zeit für ihr Life. Ihre Life-Work-Balance ist wahrscheinlich völlig in Ordnung, Sie Weichei. Jedenfalls statistisch gesehen.

Den täglichen nächtlichen Schlaf haben Sie doch hoffentlich schon auf der Haben/Life-Seite verbucht? Mit der täglichen Pendelei zur Arbeitsstätte sind Sie auch nicht allzu pedantisch?

Gut. Wenn Sie es nämlich überhaupt bis zu Ihrem Renteneintrittsalter schaffen – danach wird sich Ihre Life-Work-Balance total zum Besseren wandeln. Das Leben ist schön und gar nicht so anstrengend! Sie Weichei, Sie!

Das ist alles rein rechnerisch sehr schön. Nur ein paar kleine Haken: In der Phase, in der wir überhaupt über das Problem Work-Life-Balance nachdenken, also vor unserer Rente – da sieht die Sache natürlich wesentlich ungünstiger aus. Rechnen wir mal nach und nehmen erst mal der Einfachheit halber wie im Artikel 8 Stunden Arbeit und 8 Stunden Schlaf (schön wärs…). Der Schlaf: 365×8/24 macht 122 Tage. Die Arbeit: 246 (ungefähre Arbeitstage pro Jahr…) minus 31 Tage Urlaub – 215×8/24 macht 72 Tage. Nun ist der Schlaf zwar notwendig und vielleicht teilweise auch von schönen Träumen begleitet – vielleicht aber auch von bösen. Aber natürlich ist das keine erlebbare oder gestaltbare Zeit – den können wir also komplett aus der ganzen Rechnung abziehen. Und dann sind die 8 Stunden in Wirklichkeit 8,5 plus für viele Leute locker 2 Stunden täglich An- und Abfahrtszeiten; auch das hastige Frühstück am Morgen wird man nicht zwangsläufig als Life, sondern eher als notwendige Vorbereitung für Work empfinden. Wenn wir dann noch die Zeiten für Haushalt, Einkaufen, Essen und Trinken (womit ja nicht jedes Mal der Besuch beim Sterne-Restaurant gemeint ist..) und andere Kleinigkeiten („For example, the time distribution for parents looks different from the distribution for those who never have kids.“) abziehen, dann sind wir genau bei unserem normalen, täglichen Eindruck.

 

Nach dem Renteneintritt wird es dann besser mit der „Balance“, das kippt dann die Gesamtbilanz. Die dann körperlich und geistig angeschlagenen, die Siechen und Dementen sind aber auch drin in der tollen Statistik. Die haben dann noch ein paar Jahre eine ganz tolle Work-Life-Balance. Jedenfalls statistisch gesehen.

 

Disclaimer: Ich möchte hiermit natürlich keinem lebensfrohen Rentner mit einer positiv empfundenen Work-Life-Balance zu nahe treten.

 

Nordkorea feiert Geburtstag

Auch wenn es nach dem Fall der Deutschen Demokratischen Republik und nach der Verweichlichung und dem Niedergang der UdSSR und ihrer Nachfolgestaaten keine andere Macht auf der Welt – außer eben Nordkorea – mehr gibt, die den guten alten Stechschritt noch wirklich mustergültig performen lassen kann –

 

mit ruckartigem Herumgelatsche …

 

…so sieht da natürlich etwas besser aus 🙂 …

 

oder so…

 

oder so…

 

…aber auch mit „gegen-die-Panzer-Oberkante-Knallschutz-Mützchen“, die nur in der hinteren Seitwärtsperspektive…

Nordkoreanische Soldaten marschieren am Samstag zur Feier des 105. Geburtstags des Staatsgründers Kim Il-sung in Pjöngjang auf. © dpa

…ein bisschen an Cyborg-Bataillone erinnern, gewinnt man noch keine Kriege.

Der Ausgang des Konfliktes zwischen dem mopsigen Oberschergen aus dem Reich des Bösen und dem ebenfalls etwas aufgedunsenen und erratisch agierenden Vorkämpfer der freien westlichen Welt lässt sich aber auch mit einem möglichst rationalen Vergleich der problematischen Frisuren…

 

beider beteiligten Akteure…

 

nicht vollständig abschätzen.

 

P.S. Aber etwas anderes steht fest: Deutsche Autos sind nun mal die besten der Welt.

Telekom-Zwangsunterbrechung mit Überraschungseffekt

Da habe ich vor ein paar Tagen ein Briefchen von der Telekom erhalten:

Automatische Umschaltung im Netz. Sie brauchen nicht vor Ort zu sein.

Wenn man es genau nimmt, wäre es sogar besser, wenn ich nicht vor Ort bin bei der automatischen Umschaltung. Weil dann nämlich meine Leitung tot ist.

Wichtig dabei: An diesem Tag sind Sie für bis zu 30 Minuten nicht erreichbar. In dieser Zeit können Sie mit dem oben genannten Anschluss nicht telefonieren, im Internet surfen oder Entertain nutzen. Bitte denken Sie daran, insbesondere, wenn Sie einen Hausnotruf oder eine Alarmanlage an Ihrem Anschluss haben.

OK – das wäre jetzt suboptimal, wenn die automatische Umschaltung mir in eine Sendungs-Vorbereitung hineingrätschen würde. Also schau ich doch mal nach, wann der Termin denn bei meinem Anschluss konkret angesetzt ist. Dafür hat die Telekom eine Abfrage-Seite aufgesetzt: www.telekom.de/netzumschaltung. Hier erfährt man z.B., was einem die tolle Umschaltung überhaupt alles bringt an Verbesserungen – wer mag, kann dazu auch ein extra produziertes kleines Filmchen auf der Seite anschauen, das hat einen ganz speziellen Charme. (Tschüss. Und machen Sie’s gut.)

Die Technologie, die wir einführen, heißt Broadband Network Gateway. Sie ermöglicht zum Beispiel, dass Ihr Anschluss automatisch erkannt wird. Dadurch wird die Einrichtung eines Internet-Zugangs künftig viel einfacher. Mit einem aktuellen Router der Telekom müssen Sie dann keine Zugangsdaten mehr eingeben!

Juchu!! Obwohl – war das nicht schon seit gefühlt zwanzig Jahren eh so, dass mit dem automatische-Zugangsdaten-eintragen? Na ja, egal. Und einen Telekom-Router habe ich ja auch schon nicht mehr, seit mir ein Gewitter und eine dadurch ausgelöste Überspannung den reichlich funktionsbeschränkten grauen Kasten geschrottet hat. Aber da bin ich ganz zuversichtlich, mit meinem geballten IT-Know-How bekomme ich im Zweifelsfall auch meine Fritzbox wieder zum Laufen, nach der automatischen Umschaltung. Wann ist die jetzt noch mal?

Screenshot Telekom-Netzumschaltung

Die Netzumschaltung Ihres Anschlusses hat sich kurzfristig verschoben. Im Moment können wir Ihnen leider noch keinen neuen Termin nennen. Bitte versuchen Sie es in vier Wochen erneut, vielen Dank.

Ach so. Alles klar. Soll meine Sekretärin auf Wiedervorlage setzen. Fräulein Hiltrud, bitte erinnern Sie mich dann rechtzeitig.

Aus technischen Gründen kann sich das angegebene Datum noch kurzfristig ändern.

Ja. Klar. Natürlich. Telekom. Erleben, was verbindet.