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Schwierige Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Konsultieren Sie den Zauberwirker Dr. John!!!

Die Menschen sind verunsichert. Ein Virus kursiert, von dem man noch nicht so ganz weiß, wie gefährlich es ist – sagen wir mal im Vergleich zu Ebola. Da kann man schon mal als Notenbankchef von “schöpferischer Zerstörung” schwafeln, wenn Solo-Selbstständige oder Kleinunternehmer (mit in Normalzeiten völlig gesunden Geschäftsmodellen…) aufgrund staatlicher Anordnungen von heute auf morgen keine Einnahmen mehr haben. Hauptsache, die eigene dicke Kohle fließt weiter. (Aber aufpassen, lieber Herr Holzmann – Sie gehören zur Haupt-Corona-Zielgruppe. Es gibt eben nicht nur ökonomische, sondern auch biologische Reinigungsprozesse… 🙂 )

Da kann man auch schon mal als öffentlich-rechtlicher Arbeitgeber komplett die Solidarität mit seinen freien Mitarbeitern sausen lassen. Auch wenn man gar keine Einnahmeausfälle hat, weil die (mittlerweile gesellschaftlich ja hoch umstrittene…) Gebühren-/Beitrags-Kohle völlig ungemindert wie ursprünglich budgetiert weiterfließt. Im Gegensatz zur Situation bei Restaurants, Konzertveranstaltern, Künstlern und Taxifahrern. Auch aufpassen, liebe festangestellten und besserverdienenden Entscheidungsträger – wir sitzen alle im gleichen (bislang komfortablen…) Glashaus!

Aber was rede ich denn da? Für alle denkbaren Probleme der Welt – von Potenzschwäche bis Geldarmut – trudeln täglich viele liebe, attraktive Lösungsvorschläge in meinem Email-Postfach ein. Ich weiß gar nicht, wie viele Millionen-Vermächtnisse ich schon ungenutzt habe verfallen lassen – ich komme eben einfach vor lauter Lebensmittel-Hamstern gar nicht dazu, die alle ordnungsgemäß zu reklamieren. Heute habe ich aber einmal eine Mail bekommen, die etwas aus dem Rahmen fällt.

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Hokus. Pokus. Fidibus!!

Denn hier wird die Problemlösung einfach einmal ganz offen, ganz ungeniert in einen wundervollen, freischwebenden Bereich transferiert: In die Welt des Zaubers. Nicht zu Harry Potter, sondern zu Dr. John. Ich möchte Ihnen daher ausnahmsweise diese Botschaft nicht vorenthalten:

Mein Leben ist zurück !!!

Nach 2 Jahren Ehe ging meine Frau zu einem anderen Mann. Ich hatte das Gefühl, mein Leben würde bald enden. Ich hätte fast Selbstmord begangen. Ich war sehr lange emotional niedergeschlagen. Dank eines Zauberwirkers namens Dr. John, den ich online kennengelernt habe, als ich im Internet surfte. Ich bin auf viele Zeugnisse über diesen Zauberwirker gestoßen. Einige Leute sagten aus, dass er ihren Ex-Liebhaber zurückgebracht habe, andere sagten aus, dass er den Mutterleib wiederhergestellt, bei Gerichtsverfahren und anderen Krankheiten geholfen und auch Zauber gewirkt habe, um Lotterie zu gewinnen und Wetten zu gewinnen, andere sagten aus, dass er einen Zauber wirken könne, um die Scheidung zu stoppen und bald. Ich stieß auch auf ein bestimmtes Zeugnis, es handelte sich um eine Frau namens Sonia, sie sagte aus, wie er ihren Ex-Liebhaber in weniger als drei Tagen zurückgebracht hatte, und am Ende ihres Zeugnisses ließ sie die Kontaktadresse von Dr. John fallen. Nachdem ich all dies gelesen hatte, beschloss ich, es auszuprobieren. Ich kontaktierte ihn und erklärte ihm mein Problem und folgte seinen Anweisungen. In nur 3 Tagen kam meine Frau zu mir zurück. Wir haben unsere Probleme gelöst und sind noch glücklicher als zuvor. Dr. John ist wirklich ein begabter Mann und ich werde nicht aufhören, ihn zu veröffentlichen, weil er ein wunderbarer Mann ist … Wenn Sie ein Problem haben und nach einem echten und echten Zauberwirker suchen, um alle Ihre Probleme für Sie zu lösen. Kontaktieren Sie ihn jederzeit, er hat die Antwort und Lösung für Ihre Probleme. Hier ist sein Kontakt: E-Mail: (zensiert)

P.S. 1: Wenn Sie die originalen Kontaktdaten zu Dr. John haben wollen – kein Problem; überweisen Sie mir einfach 1000,- Euro; ich brauche die Kohle gerade. (s.o.)

P.S. 2: Dr. John kann selbstverständlich auch gegen das Corona-Virus und gegen dessen Kollateral-Schäden helfen; sonst wäre er ja ein schlechter Zauberwirker.

England macht den Abmarsch. Mein Mini Cabrio ist da.

Es ist Brexit-Day. Das Inselvolk mit den so liebenswert schrulligen Traditionen (deftiges Frühstück, Linksverkehr, Pfund) und der so sympathisch einfach zu erlernenden (bzw. zu radebrechenden…) Sprache verabschiedet sich aus der EU. Das ist traurig. Weil England bzw. Großbritannien natürlich ganz fundamental zu Europa gehört. Und irgendwie, trotz aller vielleicht sogar nachvollziehbarer Kritikpunkte, hat die EU ein gutes und notwendiges Werk vollbracht: Nämlich die zwischen den europäischen Staaten immer noch bestehenden Vorbehalte und Animositäten auszubügeln, trotz aller kulturellen und historischen Zusammengehörigkeit.

Im Zweifelsfall eben durch zentralistische und bürokratische Regeln und Vorschriften, über die sich dann alle Betroffenen gleichermaßen aufregen können. Freude, schöner Götterfunke! 🙂

Aber ok – eine kleine, eine winzige Mehrheit (die vielleicht gar keine Mehrheit war…) hat bei einem (Troll-manipuliertem…) Referendum, das von mutwilligen Politikern eingetütet worden ist (in völliger Fehlspekulation bzw. kalt lächelnder Zielstrebigkeit…), eine Entscheidung getroffen. So funktioniert (oder funktioniert vielleicht auch nicht…) Demokratie.

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Für mich persönlich ist der Brexit auch einigermaßen tragisch. Da schlagen nicht nur die zahlreichen (unbezahlten…) journalistischen Versuche zu Buche, zu verstehen oder gar erklären zu können, was “Backstop” bedeutet. 🙂 Viel dramatischer ist für mich natürlich der Wegfall der relativ günstigen Einkaufsmöglichkeiten für Golf-Equipment. Das war bislang vergleichsweise billig, bei englischen Händlern Schläger, Klamotten oder Bälle zu bestellen. Erst recht, nachdem die Briten aufgrund der Brexit-Erwartungen ihren Pfund-Kurs geschrottet hatten 🙂

Und nun? Was wird mit Umrechnungskursen, Versandkosten und ggf. Zollgebühren? Das sieht echt nicht gut aus; bei aller Sympathie für das Golf-Mutterland 🙂 Aber ok; eigentlich bin ich eh für die nächste Zeit ausreichend versorgt. Und wenn England jetzt prohibitiv teuer wird, dann fahr ich eben nach Irland zum Golfen 🙂 Aber meine Grundsympathie ist ja da. (Natürlich auch wegen der vermeintlich leichten Sprache…) Und deswegen hab ich mir eben auch ein Mini Cabrio gekauft. Um damit mal (ab und zu…) zu Golfturnieren hier im Umland von Köln zu fahren – mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das nämlich zwar möglich, aber teilweise etwas sehr aufwendig.

Die Karre hab ich ausgerechnet heute; am Brexit-Day abgeholt. Ein eigentlich doch recht britisches Auto, mit einem sehr eigenwilligen Design und Fahrverhalten. Seit geraumer Zeit gehört Mini ja zu BMW; auch das kann man nun aufgrund der englisch-deutschen Geschichte problematisieren oder auch nicht – immerhin haben wir denen das regierende Königshaus gestellt 🙂 Über die ganze Konstellation kann man bestimmt Jahre und Jahrzehnte trefflich nachsinnen. Auf jeden Fall hab ich als überzeugter Europäer bei meiner Karre selbstredend das aufpreispflichtige “LED-Licht-Paket” genommen. Mit britischen, jetzt aus der zurückbleibenden EU-Perspektive verdammt nostalgischen Rückleuchten.

Tschüss dann! Ich komm aber trotzdem gern mal nach St. Andrews.

Unfassbar dreiste Abzocke? Regionale EnergieWerke GmbH

Das hier aus einem Leserbrief in der aktuellen Finanztest-Ausgabe 2/2020 zieht einem so ziemlich die Socken aus:

Auf der ersten Seite dick eine super-tolle Preissenkung in Höhe von  0,01 Cent pro kWh, auf der zweiten Seite eine Preiserhöhung von 39,96€ jährlich auf 35€ monatlich, also völlig absurde 420€ jährlich – extra versteckt bzw. schwerer lesbar gemacht durch die ausgeschriebenen Ziffern. Klar, weil die saubere Firma ja “kontinuierlich in die Qualität unserer Dienstleistungen, reibungslose Abläufe und kundenorientierte Serviceleistungen” investiert.

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“Meine Damen, meine Herren – ich erwarte ihre Vorschläge für unser diesjähriges Kundenanschreiben!”

Wie gesagt, so etwas unfassbar dreistes hab ich schon lange nicht mehr gelesen. Ich kann da ähnlich wie bei Enkeltrick-Betrügern oder Online-Verschlüsselungs-Cyberganoven etc. nur staunen: Wie können solche Typen morgens noch in den Spiegel gucken, ohne dass ihnen die Ravioli vom Vortag wieder hochkommen? Wobei ja eindeutig Kriminelle noch wenigstens mit offenen Karten und einem angemessenen Einsatz spielen – wenn sie erwischt werden, landen Sie im Knast. An der Borderline der Legalität herumlavierende Sportsfreunde fühlen sich hingegen bei ausreichender moralischer Verrottung als ganz normale Geschäftsleute – zur Untermauerung dieses Eindrucks nach außen hin und für ihr in-den-Spiegel-schau-Problem tragen sie daher auch gern Anzug und Krawatte 🙂  (Cum-Ex 🙂 … )

Aber apropos juristischer Einordnung: Bei Online-Verbrauchergeschäften hat der Gesetzgeber ja mittlerweile dafür gesorgt, die Abzock-Versuche etwas zu erschweren. Da muss dann die komplette Summe deutlich genannt werden, inklusive aller Gebühren und Versicherungsleistungen, und der Kunde muss dann auf einen klaren Button klicken: “Jetzt zahlungskräftig bestellen”. Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass eine Preiserhöhung wie oben abgebildet, in der die Verteuerung ganz eindeutig und absichtsvoll verschleiert wird, rechtwirksam sein kann, wenn der Kunde nicht sofort und ausdrücklich widerspricht. (Nebenbei, wie will denn das Unternehmen überhaupt nachweisen, dass der Schrieb dem Kunden tatsächlich zugegangen ist?)

Also, ich hoffe mal, dass das juristisch nicht haltbar sein würde (wobei nur ein Bruchteil von Kunden, die die Erhöhung wie geplant überlesen haben, den Rechtsweg einschreiten wird – auch das gehört natürlich wiederum zur Kalkulation der ganzen Masche dazu…). Ich hoffe das sehr – sonst müsste ich wieder mit dem Herumbrüllen anfangen wie in der ersten Version dieses Textes 🙂

Mail von der Deutshen Ban

Ein Jahresticket 1. Klasse bei der Deutschen Bahn wär natürlich toll, da müsste ich mich nicht mehr mit dem ebenso hoffnungsvollen wie zeitgemäßen Pöbel 🙂 herumschlagen…

Trotzdem bin ich jetzt noch so ein bisschen unsicher, ob ich auf die Links in dieser Mail draufklicken sollte…

P.S. – ich hatte ja in der ursprünglichen Version dieses Textes wieder mal in Richtung Cyber-Horden in fremden, perspektivarmen Staaten herumgetobt. Die uns Tag für Tag mit Abzock- und Malwareversuchen belästigen, ohne sich wenigstens mit unserer schönen Muttersprache etwas intensiver abzumühen. Nach Rassismus-Vorwürfen und Beschwerden vom Legastheniker-Verband und vom “Verein für lautgetreues Schreiben in der Schule” ziehe ich das reumütig zurück. 🙂 Auch die inländische Gauner-Branche hat natürlich ihre liebe Müh und Not mit dem verfügbaren Nachwuchs-Personal.

Golfbälle für Trump-Fans oder Trump-Hasser

Eine ganz kleine Drehung kann unendlich viel aussagen. Zum Beispiel, ob man dem US-Präsidenten mit dem orangefarbigen Katzenfell auf dem Kopf eher ein dynamisches Fortkommen auch in der bevorstehenden nächsten möglichen Amtszeit (Gott, der Allmächtige möge uns beistehen…) oder eher einen satten, zentrierten Schlag in die lippenschürzende Fresse wünscht.

Und je nach dem wird man dann seinen Golfball wählen bzw. ausrichten. Entweder die Fresse nach vorne oder nach hinten.

The orange one

Dieses Antlitz kann man auf verschiedene Golfball-Modelle drucken lassen – selbst beim Titleist Pro V1 kostet das nur 22,39$. OK- gebraucht.

Ein eindeutig für Trump-Fans konzipiertes Design ist das hier:

The red, not the orange one

Und ein eindeutig für Trump-Hasser das hier:

Donald Trump Pile of Garbage Golf Balls

Der Preis bleibt immer gleich. Das ist Demokratie. Ach, nee. Das ist Marktwirtschaft.

 

ICE-Geschichten, Folge 664: Daniel ist total sauer. Weil er vom Alex beleidigt worden ist.

Ich steig vorgestern in Köln-Deutz in den ICE Richtung München ein. Da telefoniert ein junger Mann – offenbar eher in einer Art Leitungsfunktion mit einem Mitarbeiter; offenbar eher ein “Untergebener” – wobei; sowas altmodisches gibt es natürlich gar nicht mehr in jungen, hippen Unternehmen, die mutmaßlich etwas mit Netz oder Medien zu tun haben. Auf jeden Fall; der hoffnungsvolle junge Mann telefoniert da im ICE-Abteil; und er telefoniert laut, so dass das alles mindestens bis in die Hälfte des Wagens bombig mitzuverfolgen ist.

Am anderen Ende der Handy-Leitung ist Daniel; auch der spricht so laut bzw. ist so aufgeregt, dass wir das im Wagen zumindest so atmosphärisch mitbekommen. Der Daniel ist total außer sich. Und der hoffnungsvolle junge Mann, nennen wir ihn einfach mal “Chef”, versucht ihn wieder einzunorden: “Ne, Daniel, jetzt komm mal wieder runter. Wir können da gerne drüber reden, aber das hat keinen Zweck, wenn du da jetzt ausrastet. Jetzt beruhig dich mal. Reiß dich jetzt mal zusammen und sag mir vernünftig, was los war.”

Tja, der Daniel ist offenbar in der Firma ausgerastet und dann nach Hause geschickt worden. Aber der Daniel hat da auch einen Grund für gehabt: Er ist nämlich beleidigt worden. Und hat dann zurück beleidigt. “Ja, ok, das hab ich mir schon gedacht” – sagt der Chef. Aber was war da los? “Ok, wenn das so stimmt, dann schick mir einen Screenshot. Nein, ich möchte das auch wissen.” Der Daniel fragt, ob er morgen wieder kommen soll/kommen darf zur Arbeit. “Ich kann das jetzt nicht entscheiden. Ich fahr gerade nach Nürnberg, da hab ich ne Menge zu tun. Ich komm erst am Samstag wieder. Ich kann das nicht entscheiden, ruf da bitte den Dustin an.”

Ok, Gespräch beendet. Danach ruft der Chef den Dustin (vermutlich den Unterchef…) an. “Also ok, der Daniel ist total ausgerastet und nach Hause geschickt worden. Aber das scheint zu stimmen:  Der Alex, der Freund von der Steffi, hat ihn beleidigt. Ja, ich hab jetzt hier den Screenshot, das scheint zu stimmen. Also der Alex hat dem Daniel geschrieben: ‘Ich fick deine Mutter’ und ‘wir sehen uns demnächst’. Ja, das scheint so zu stimmen. Ich weiß auch nicht, was mit dem Alex los ist. Auf jeden Fall sollten die nicht morgen am Messestand so auflaufen.”

Das finde ich auch. Das könnte Leute verstören, die mit den Gepflogenheiten in jungen, hippen deutschen Unternehmen nicht so vertraut sind. Eine Frage wäre ja die, was der Alex (offenbar kein Mitarbeiter…), sondern nur der Freund von der Steffi (offenbar eine Mitarbeiterin…) überhaupt zu kamellen hat. Vielleicht braucht man einen Maulkorberlass für emotional unzuverlässige Freunde von Mitarbeiterinnen. Aber vielleicht steht Alex ja doch in einer geschäftlichen Verbindung zu Daniel, Steffi, Dustin und Chef.

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Symbolbild. Dieser ältere Mann ist nicht der hoffnungsvolle “Chef”. Aber immerhin sitzt er in einem ICE 🙂

Dann ist auch die Frage, warum sich Alex einer Ausdrucksweise befleißigt, die man normalerweise eher in migrationsbelasteten Milieus vermuten würde; der “fick deine Mutter”, oft auch einfach verkürzt auf “deine Mutter”-Topos ist ja ursprünglich dem islamischen Kulturkreis zuzuordnen; möglicherweise haben hier in der Zwischenzeit aber auch kulturübergreifende Wandelungsprozesse stattgefunden, die es nun auch erlauben, die “Mutter”-Beleidigung als indigen Deutscher abzusondern.

Ob man das allerdings per Mail tun sollte, wie Alex, der Freund von der Steffi das offenbar getan hat (falls nicht der Daniel den Screenshot, der ja auch nur ein Pixelhaufen ist, gefälscht hat…), das ist fraglich. Vielleicht hätte der Daniel ja einfach die Mail an die Staatsanwaltschaft weiterleiten, und nicht zurückbeleidigen sollen. Eigentlich müsste der Alex, der famose kulturell aufgeschlossene Freund von der Steffi dann erledigt sein. Aber ok; in Zeiten wie diesen, in denen das Landgericht Berlin die Beleidigung von Frau Künast als “Fotze” für legitim hält; da kann man wahrscheinlich auch die Beleidigung von Daniels Mutter als völlig normal ansehen.

Am besten klären die beiden das mal so von Mann zu Mann; wer stärker/geschickter/glücklicher war, hat recht gehabt. So läuft das auf jeden Fall in jungen, hippen, deutschen Unternehmen. Gut, dass man da im ICE mal diese tiefen Einblicke bekommt.

 

Telekom-Mail nicht gecheckt? Tja, Pech gehabt.

Eigentlich verhalte ich mich ja als aufgeklärter Netz- und Telekommunikationsbürger – noch dazu mit dem beruflichen Hintergrund – ganz normal: Anrufe von irgendwelchen Callcentern, die trotz meines tellows-Spam-Filters durchkommen,  werden sofort nach Identifikation (rausch, rausch, radebrech… “spreche ich mit Herrn Gessat? Das freut mich.”) weggedrückt. Die Trillerpfeife ist ja leider verboten – da macht man die Opfer zu Tätern 🙂

Irgendwann im Mai hat mich mal notorisch T-Mobile angerufen – das hab ich zwar anhand der Nummer erkannt, aber immer tapfer weggedrückt. Und irgendwann – da war ich wahrscheinlich besoffen – habe ich den Anruf dann doch tatsächlich entgegengenommen. Schließlich bin ich ja in einer Geschäftsbeziehung zu den Sportsfreunden; vielleicht haben die ja etwas relevantes zu sagen. Hatten die auch. Ein Super-Angebot für mich.

Doppeltes Datenvolumen nämlich bei identischem Preis für mein Mobilfunk-Paket. Toll. Ich frag die Dame oder den Herrn – das weiß ich schon nicht mehr – ich glaube aber, eine Dame, mehrmals ausdrücklich: Ich bekomme da das doppelte Datenvolumen, aber es ändert sich nix am Preis und nix an der bestehenden Laufzeit des Vertrages? Korrekt. Also mach ich das und sag ja. Am Telefon.

Böser, böser Fehler. Ein paar Monate später schau ich mal auf meine turnusmäßig per Email eintrudelnden Rechnungen und stelle fest: Mein Monats-Salär ist plötzlich um 12 Euro hochgegangen, seit Juni. Und beim Blick in meinen Kunden-Account bei T-Mobile wird klar: Ich hab da angeblich einen Tarifwechsel durchgeführt. Von “Magenta Mobil S” auf “Magenta Mobil M”. Nur stimmt das eben gar nicht, das ist definitiv Bullshit oder Betrug (oder ein Fehler, um das mal ganz zärtlich zu formulieren…).

Ich ruf also nach meiner Entdeckung bei der Telekom-Hotline an. Schilder das Gespräch – da war ausdrücklich von verdoppeltem Datenvolumen bei gleichbleibendem Preis die Rede. Ich fordere die Hotline-Dame auf, doch mal auf meinen Datenvolumen-Verbrauch zu schauen – ich nutze schon das bisherige Kontingent bei weitem nicht aus. Welche Motivation sollte ich also haben, einen teureren Tarif mit mehr Volumen zu buchen? Ich fordere die Dame auf, doch mal in den Mitschnitt des Gesprächs reinzuhören – der ist aber selbstredend aus Datenschutzgründen mittlerweile gelöscht.

Tja – das sei natürlich denkbar, dass die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter damals im Mai nach dem Gespräch mit dem Finger in die falsche Spalte (ja klaro…) gekommen ist und statt der Erweiterung des bestehenden Tarifs den Wechsel zum neuen Tarif gebucht hat. Aber ich hätte doch – laut ihren Unterlagen – die Bestätigung des Tarifwechsels per Email bekommen und der nicht innerhalb von einem Monat oder so widersprochen? Das sei dann leider mein Fehler.

Sowas nicht sofort zu lesen, kann Fantastilliarden kosten. Jedenfalls laut Telekom.

Stimmt. Ich hab die Email bekommen. Ich bekomme halt jeden Tag so einige Emails 🙂 ; und ich schau da nicht unbedingt in alle direkt sofort rein. Manchmal nehme ich einfach an, dass der Inhalt nicht so super-direkt-relevant ist – und das könnte z.B. auch durchaus bei Mails von der Telekom zutreffen. In dem Fall habe ich vielleicht gedacht – ich habe ja nix kritisches bestellt oder verändert, also steht da in der Mail das drin, was wir vereinbart haben – nämlich Ausweitung des Datenvolumens bei ansonsten unveränderten Bedingungen.

Da haben wir natürlich jetzt ein interessantes juristisches Problem: Wenn ich in mir zugeschickten Mails, meinetwegen eben auch von Geschäftspartnern, nicht zeitnah und vielleicht nicht aufmerksam genug reinschaue – werden dann nicht zutreffende Vertrags-Behauptungen automatisch wirksam? Wenn die Telekom da in der Mail jetzt reingeschrieben hätte, dass ich ab Juni 50.000 Euro für meinen Mobilfunkvertrag zu zahlen hätte, dass ich ab dem Zeitpunkt jeden Tag 500 Liegestütze und 3000 Kniebeugen zu absolvieren hätte – wäre das dann juristisch wirksam?

Und: Wie will die Telekom überhaupt nachweisen, dass ich diese Mitteilung über eine angebliche Vertragsänderung überhaupt bekommen habe? Ich könnte mich da tierisch drüber aufregen. Meine Lehre aus der ganzen Geschichte – und das würde ich auch jedem/jeder Telekom-Kundin/Kunden raten: Bei einem Hotline-Anruf sofort auflegen. Vertragsänderungen nur schriftlich machen. Bei mir persönlich gibt es ja noch einen kleinen Trost: Ich kann selbst so eine gar nicht bestellte Vertragserweiterung von der Steuer absetzen.

Und noch ein Trost: bei dem M-Tarif ist dann auch die Flatrate (StreamOn-Music&VideoMax-Option…) für Audio- und Video-Streaming-Dienste inklusive. Von Spotify über Netflix bis hin zu Sky. Das verstößt zwar wahrscheinlich gegen die Netzneutralität. Aber wenn man schon selbst abgezockt wird, muss man pragmatisch sein. Ich hab das also direkt aktiviert. Die Kosten werden sozialisiert, sorry – wie bei den Finanz-Heuschrecken-Profiteuren. Aber die Telekom ist ja immer noch weitgehend ein Staatsunternehmen; die Raustu und Reintu-Taschen liegen also eng beieinander. Hoffentlich liest hier mein Finanzamt nicht mit.

Allbirds. Total nachhaltig. Wie Leonardo DiCaprio

Ich versuche ja ständig, in Sachen Nachhaltigkeit und Coolness so einigermaßen auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Wer weiß, vielleicht erbarmt sich ja doch einmal ein schmuckes Weiblein, den Lebensabend eines weißen, alten Mannes zu verschönern. Insofern hat mich natürlich dieser Internet-Fund in höchste Alarmbereitschaft versetzt: “Obama, DiCaprio, Kutcher, Jackman – Wieso alle Stars den gleichen Sneaker tragen“.

Ja, verflucht noch mal – wieso? Weil die Treter aus neuseeländischer Wolle oder (in der Sommer-Version) aus Eucalyptus-Baum-Fasern eben so wahnsinnig nachhaltig sind. Die Sohle ist aus einem Zuckerrohr-Kunststoff, die Verpackung beim Versand selbstredend recycled. Die Schnürsenkel sind aus recyceltem Kunststoff, und die Anmutung, zumindest bei den Wolle-Tretern ist so irgendwie zwischen Filz-Pantoffel und “ich-bin-ganz-cosy-und-soft-und-insofern-ein-ganz-toller-und-verantwortungsvoller-Partner-für-fortpflanzungswillige-Frauen”.

Ich hoffe, das kommt auch so an. Auf jeden Fall hab ich erst mal die “Wool Runners” für 110,- bestellt. Die gefallen mir auch, obwohl die nach ein paar Stunden Tragezeit (mit frischen Socken…) etwas fischig riechen.

Aber man kann die sogar in der Maschine waschen. Direkt nach dem Erstkauf war da plötzlich ein neues Modell da – die “Mizzles”, die auch etwas unfreundlicherem Wetter widerstehen sollen. Ich kauf das auch noch (130,-), zusammen mit einem Paar Hiders-Socken, die Dinger kosten 14€, sind aber auch total nachhaltig, weil die aus 48% Tencil, 21% Wool, 15% Recycled Nylon, 7% Recycled Polyester, 7% Polyester und 2% Spandex bestehen.

Jetzt bekomme ich heute die Socken schon mal vorab per DPD-Zustellung – da ist also ein Lieferwagen extra durch die Gegend gefahren. Und dann kommen demnächst die Schuhe, nehme ich an. Hab ich (bzw. hat Allbirds…) jetzt das Klima gerettet oder eher nicht? Schwierige Sache. Ich hoffe, wenigstens der Leonardo-DiCaprio-Effekt ist nachhaltig.

Erbärmliche Hunde. Tapfere Hunde. Und der galoppierende (oder hechelnde) Wahnsinn.

Ich war gerade bei Freunden zu Besuch; die haben einen Hund. Beziehungsweise eine Hündin. Eine Französische Bulldogge, also ein mopsartig zu einer kindchen-schematischen Physiognomie herangezüchtetes Wesen. Der kleine Kollateralschaden für die Tiere selbst ist dabei wohl eine ziemlich happig behinderte Atmung, wie man so liest. Aber wie dem auch sei, die kleine Hundedame verhält sich auch ihrem Äußeren entsprechend: Sie kommuniziert fortwährend mit freundlich sorgenvoller, stets bettelnder Miene mit allen anwesenden Zweibeinern, stellt ihre Pfoten auf den Tisch, den Schoß, den Unter- oder Oberkörper der Zweibeiner (je nach dem die sitzen oder stehen…).

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Das kann man mögen oder auch nicht. Fest steht auf jeden Fall: Die Mops-artige Hundedame ist völlig ungefährlich. Trotzdem; so die Beobachtung der Halterin: In der Straßenbahn führt die Anwesenheit der Hundedame zu fluchtartigen Absetzbewegungen bestimmter Personengruppen. Und zwar solcher Personengruppen, die offenbar dem muslimischen Glauben huldigen. Wir haben da mal ein kurzes Brainstorming durchgeführt: Vielleicht gibt es ja in den Herkunftsländern besagter Personengruppen größere Populationen von Straßenkötern, denen man besser ausweicht?

Aber nein. Nach einer kurzen Netz- und Wikipedia-Recherche konnten wir als gesichert erachten: Der Hund ist dem Moslem unrein. (Was ja nicht völlig unnachvollziehbar ist…) Als Jagdgefährte oder Wach-Beauftragter ist der Köter zwar ok, aber nicht als Haus- oder Straßenbahngenosse. Wenn wir diesen kleinen kulturellen Background berücksichtigen, haben natürlich die Anmerkungen des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump anlässlich der Tötung bzw. des Ablebens des Anführers des sogenannten “Islamischen Staates” Abu Bakr al-Bagdadi eine ganz besondere Note:

“Al-Baghadi war krank und verdorben. Er starb wie ein Hund, als Feigling, in totaler Panik vor den amerikanischen Streitkräften.”

Ein richtiger unreiner Drecks-Köter halt, dieser Bagdadi. Obwohl natürlich so eine Wortwahl einem Christen wie Donald Trump eigentlich nicht so ganz super gut ansteht. Wobei Donald Trump ja nicht nur ein einfacher Christ ist, sondern sogar vom christlichen Gott für sein wunderbares Wesen und Wirken speziell auserwählt und gesegnet worden ist: davon sind jedenfalls seine Kumpels am Tisch im Oval Office zutiefst überzeugt. (Für mich wieder mal ein handfestes Indiz für die Nichtexistenz des Allmächtigen, sonst wäre hier doch eindeutig ein himmlischer Blitz angezeigt gewesen.)

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Wir lassen das also einstweilen dahingestellt, ob ein real existierender Gott die Arschkriecher und Schleimscheißer und den nicht-mit-der-Wimper-zuckenden ondulierten Gebenedeiten hätte hinwegfegen müssen. Der Drecks-Sack und -Köter Al-Bagdadi starb auf jeden Fall wie ein räudiger, winselnder Hund. Interessanterweise hat dabei offenbar noch ein tapferer, vermutlich fortwährend die amerikanische Nationalhymne hechelnder US-Spezialeinheiten-Helden-Hund mitgewirkt. Der den Dreckshund Bagdadi in den Schacht gehetzt hat, wo der Islamisten-Hund dann feige und panikartig den Sprengstoffgürtel gezündet und den tapferen Spezialkräfte-Hund verletzt hat. Oder so.

Natürlich operiert der Helden-Hund (mit deutschen Wurzeln, das darf ich mal kurz anmerken!!) normalerweise inkognito, weil die gottverfluchten Moslems ihn sonst propheten-gegebenerweise vielleicht killen und zu Chop-Soey verarbeiten würden. Und das wär ja schade, weil der Helden-Köter vielleicht noch andere Drecksschweine; ach nein, islamistische Drecks-Köter aufstöbern und in den gottverdammten panikhaften Tod treiben könnte. Der Helden-Hund hat also an sich eine große nachvollziehbare Motivation, seine Identität nachhaltig geheim zu halten. Aber ok, bei so einem Erfolg kann man das Geheimnis auch mal lüften. Zumal wenn das irgendwie dem Image des POTUS frommen könnte. Außerdem hat der schon zig andere Militärgeheimnisse ausgetwittert…

Es gibt natürlich ein paar Leute, die halten auch Donald Trump für einen dreckigen Hund oder ein dreckiges Schwein. Man kann auch bestimmt lange und trefflich darüber nachsinnen, wie jetzt die Unterhose des Arschlochs al-Bagdadi ausgesehen hat, damit ein kurdischer Unterhosen-Spezialagent (kurze Zeit später per US-Präsidenten-Anordnung von in-die-Hose-machen-müssenden ehemaligen Kampfgenossen verraten…); die CIA oder wer auch immer daraus die tödlich identifizierenden DNA-Spuren gewinnen konnte.

Hätte er sich mal den Popo besser abgewischt, dann wäre der feige Islamisten-Hund vielleicht vom tapferen Spezial-Hund nicht zur Strecke gebracht worden. Wobei das im syrisch-irakischen Feld auch etwas schwieriger ist als im kuschelig warmen Weißen Haus. So. Jetzt kommen wir mal allmählich, nach diesen ganzen Erwägungen und Erörterungen zum Fazit: Es gibt vielleicht einige Leute, die dies alles für Wahnsinn halten. Dass sowas passiert und dann von (irgendwann in ferner Vergangenheit mal…) staatstragenden Akteuren in die Welt rausgepustet und rausgetwittert wird. Ich denke das übrigens auch. Trotzdem musste das mal erörtert werden.

Ich bin auch noch nicht ganz sicher, welche Figur Donald Trump machen wird, wenn er mal eine geladene Wumme an den Kopf gehalten bekommen sollte und es nur noch ein paar Sekunden dauert, bis herauskommt, ob da ein Gehirn in seinem Schädel ist oder ein Vakuum oder ein unappetitlich unreiner brauner Haufen (natürlich, der Secret Service und der Allmächtige möge dieses theoretische Szenario verhüten…): Die eines feigen Drecksack- oder die eines tapferen Präsidenten-Spezial-Hundes? Wuff. wuff. Wahnsinn. Tschuldigung für diesen Text.

Ich kandidiere jetzt auch für den SPD-Vorsitz

Also mal ganz ehrlich: Ich bin ja in Gelsenkirchen geboren, hab da meine Kinderzeit im schönen Stadtteil “Feldmark” verbracht (“Der schönste Fleck im deutschen Eck ist Feldmark an der Köttelbeck.”) Dazu gehörte auch eine mehr oder weniger eindrucksvolle Karriere im Fußballverein SW (“Schwarz-Weiß”) Feldmark: “Wer regelmäßig zum Training kommt, wird auch aufgestellt.” Und noch eine ewige Weisheit vom dortigen Trainer: “Nicht fummeln!” (Sondern den Ball weiterspielen, bevor einem der Gegenspieler den abnimmt.) Die “Köttelbecke” war übrigens der Abwasserkanal, Flussrichtung Essen-Katernberg; mein Schulfreund Michael M. war der Sohn des Klärwerks-Chefs. Danach bin ich dann irgendwann nach Bochum umgezogen, wo mein Vater Arzt am “Bergmannsheil”, der Knappschafts-Klinik war.

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Sorry – mehr sozialdemokratischer Hintergrund geht eigentlich schon gar nicht. Wir waren zwar in der Familie durch den Aufstieg vom proletarischen zum ärztlichen Milieu wahrscheinlich tendenziell etwas bessergestellt. Wobei das durch diverse Pannen auch wieder verpufft ist :)… Aber irgendwie hab ich das da doch so wie die Mutter- oder Vatermilch aufgesogen: Die Minderprivilegierten und ungerechtigtfertigt Benachteiligten müssen irgendwie Gerechtigkeit erlangen.  Jetzt weiß ich nicht, ob Jan Böhmermann das genau so sieht. Ich weiß auch noch nicht, ob er sein Verhältnis zum türkischen Präsidenten schon abschließend geklärt hat. .]

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Auf jeden Fall: Eine weibliche Mit-Kandidatin aus uraltem Stuttgarter SPD-Adels-Geschlecht – die schmeiß ich auch noch völlig problemlos mit ins Gefecht. Ich, wir sehen das ganz pragmatisch: das sind schwere Zeiten momentan.  Wir werden die SPD anführen, zumindest für ein Weilchen. Ihr könnt entscheiden, ob das ein sinnloses Himmelsfahrtskommando wird oder eine realistische Option. Na?