Die Kriminalpolizei-Einbruchswarnungs-Scammer rufen bei mir an

Heute so um 14 Uhr geht das Telefon, ein Herr Sowieso von der Kriminalpolizei ist dran. Ich geb mich mal im ersten Moment ganz kooperativ – wo ich doch Anfang letzter Woche bei meiner allerersten längeren Fahrt mit meinem neuen Auto – nämlich nach Bitburg zum Golfspielen in Rheinland-Pfalz 🙂 – direkt in die einzige, allen anderen Autofahrern bekannte Radarfalle reingerauscht bin. Gottseidank war das ja einen Tag vor der Anhebung der Verkehrssünder-Strafen.

Aber darauf wollte der Herr gar nicht hinaus. Sondern in meiner Straße sei nämlich in der Nähe eingebrochen worden, man habe die Täter da gefasst – eine rumänische Bande (das habe ich ja immer schon geahnt 🙂 ) – und bei den Tätern einen Zettel gefunden, auf dem mein Name und meine Adresse draufstand und die Info, bei mir gäbe es womöglich Goldmünzen oder -barren und viel Bargeld. Ob ich denn darüber mal mit irgendwem gesprochen habe?

Embed from Getty Images

Mist, jetzt sind die schon da. Ok, ich hol die Uzi raus…

Ok, die Masche ist ja mittlerweile eigentlich allen bekannt, die nicht völlig senil; na ja, sagen wir mal etwas aus der Welt sind. Da fallen nicht mal meine Tanten drauf rein – bei denen haben die Dreckschweine auch schon letztes Jahr mal angerufen. Ich frage mich auch, wieso die es bei mir versuchen, ich heiße ja schließlich nicht Hans-Horst oder Adolf; und Michael deutet doch eher auf die Babyboomer-Zeit hin. Ich verfalle aber sofort in meinen “ich bin etwas verwirrt”-Ton, den ich ja schon in meiner Mailunterhaltung mit dem guten alten Barrister trainiert habe.

Gleichzeitig versuche ich das Gespräch irgendwie auf den Computer rüberzulegen, damit ich den Sportsfreund aufnehmen kann. Klappt erst mal nicht, also lege ich auf. Der Typ versuchts natürlich direkt wieder. Mist, meine Telefon-App funktioniert erst mal nicht, weil ich zunächst nicht schnalle, dass die das aktive Aufnahme-Equipment nicht etwa vom Windows-Standard übernimmt, sondern man das gesondert einstellen muss.

Inzwischen rufe ich schon mal die richtige Polizei in Rodenkirchen an, ob die nicht Lust haben, vorbeizukommen, um dann den Mule (der Scam läuft ja so, dass ich meine Wertsachen vorsichtshalber einem “Kripomitarbeiter” übergeben soll…) direkt hopszunehmen. Die Dame meint aber, das würde meistens nicht funktionieren. Außerdem seien sie gerade Corona-bedingt etwas dünn besetzt (genau wie das LKA letztens beim Mail-Scam…). Sie würden aber trotzdem jemand vorbeischicken, um eine Anzeige aufzunehmen – die könnten sie aus statistischen Gründen gebrauchen.

Ok. Kurz danach ruft der Scammer wieder an, inzwischen ist meine App bereit – und ich zeichne dieses wunderschöne Gespräch mit “Einsatzleiter Thomas Kehl” hier auf.

 

Ich laber und laber, in der Hoffnung, dass die richtige Polizei bei mir auftaucht und ich die Kollegen 🙂 dann vielleicht sogar persönlich miteinander plaudern lassen kann. Selbstredend habe ich sieben Krügerrand und zehn 50g-Goldbarren im Haus; das ist ja wohl das mindeste in diesen Krisenzeiten. Aber die richtige Polizei kommt erstmal nicht – ich versuche noch etwas Zeit zu schinden, indem ich eine akute Darm-Unpässlichkeit vorgebe; ich müsse also erst mal aufs Klo.

Irgendwann bricht die Verbindung ab, der Typ versucht es immer und immer wieder – mit Vorwahlnummern aus Marokko, Bolivien und Laos. Interessant, wo die Kripo überall Büros hat. Irgendwann ruft die richtige Polizei wieder an; es würde noch später werden – oder ich könne vielleicht die Anzeige doch online aufgeben. Mach ich; ich werde da auch das Audio mit reinschicken. Und ich hoffe mal, dass die richtigen Ordnungshüter bei einem richtigen Notfall dann trotz Corona doch einigermaßen “zeitnah” vorbeischauen 🙂

So. Die Sportsfreunde sind wieder da. Hier das nächste Audio:

Da brach gerade die Verbindung wieder ab.

Jetzt hat der Sportsfreund wieder angerufen. Ich hab noch ein Weilchen mit ihm geplaudert. (Die komischen Telefon-Nummern sind natürlich eine Top-Secret-Verschleierungsaktion…) Und ihm dann am Ende die bittere Wahrheit verkündet. Ich hab nämlich leider auch null Gold bei mir hier zuhause. Das Arschloch legt einfach auf. Wo gibt es denn so was??

Außerdem heiße ich Gessat, nicht Gesat; liebe türkische (?!) Sportsfreunde. Und die Leyboldstraße wird Leiboldstraße ausgesprochen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.