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Youtube will – jetzt aber wirklich – mehr gegen extremistische Inhalte tun

Dass Kent Walker, Vize-Chef und der Leiter der Rechtsabteilung von Google den Vier-Punkte-Plan gegen extremistrische Inhalte zuerst in einem Gastbetrag in der Financial Times vorgestellt hat, spricht Bände: Die Video-Plattform und der Werbe-Mutterkonzern stehen massiv unter Druck. Von Seiten der Politik mit wohlfeilen Forderungen, aber viel wichtiger – von Seiten der Werbekunden, die ihre Produkte nicht mehr im Umfeld von Enthauptungsvideos, Hasspredigten und Fake News präsentiert wissen wollen.

Der Wink mit dem zugedrehten Geldhahn ist nun mal das immer noch überzeugendste Mittel – dagegen können noch nicht einmal die angedrohten paar Millionen Strafe aus dem Hause Maas anstinken. 🙂

Also macht Google bzw. YouTube genauso wie Facebook Kotau – ob die versprochenen Maßnahmen, vor allem die automatische Säuberung durch KI tatsächlich funktionieren, ist noch einmal eine andere Frage.

Deutschlandfunk Nova · Propaganda-Videos: Youtube will mehr löschen

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 19.06.2017 (Moderation: Till Haase)

Künstliche Intelligenz aus dem Google-Labor: Vogelstimmen erkennen

Künstliche Intelligenz, neuronale Netze, maschinelles Lernen – das alles ist der absolute Supertrend. Und die KI steckt uns Menschen bei vielen Aufgaben ja schon in die Tasche: Beim Gooder Poker– oder PacMan-Spielen, beim Analysieren von Röntgenbildern oder von Aktienkursbewegungen. Alle große IT-Firmen investieren hier riesige Summen – und erhoffen sich noch größere Profite. Facebook, Microsoft und Google haben alle eigene Forschungsabteilungen, die ziemlich frei experimentieren dürfen. Beim Google-Labor gibt es ein neues Projekt, das erst einmal ein wenig überrascht. Die Programmierer haben die KI angesetzt auf: Vogelstimmen.

Was dabei herausgekommen ist, ist (typisch für den Einsatz von KI…) für den Menschen erst einmal kontra-intuitiv. Während ein Ornithologe oder Vogel-Liebhaber Zwergdrossel oder Herbstpfeifgans eher anhand eines charakteristischen Gesamt-Gesangs identifizieren würde (Hilfestellung leisten da Datenbanken mit entsprechenden Sound-Beispielen…) und dabei eine Abstraktionsleistung vollbringt (vom Typischen zum Konkreten), identifiziert die KI winzige Bruchstücke des Gesangs und verpasst ihnen eine Signatur, eine bestimmte Position in einer Gesamtmatrix des insgesamt vorkommenden Sound-Spektrums.

Und möglicherweise ist dieser Ansatz wieder einmal leistungsfähiger als der menschliche – oder zumindest für den Einsatz in einer App „in the field“ brauchbarer. Denn im Wald oder in der idyllischen Auenlandschaft piepsen und singen die Vögel ja durcheinander; dass da ein Kandidat seine Strophe solo und vollständig ins Mikrofon des interessierten Lauschers flötet, ist eher unwahrscheinlich. Vielleicht hilft ja der KI-Ansatz von Google den am Markt erhältlichen Apps noch etwas auf die Sprünge – die haben nämlich zwar teilweise ganz gute Bewertungen bei iTunes, aber teilweise auch eher schlechte; dort und auch im unabhängigen Test.

Bei mir selbst hat die App „Zwitschomat“ meinen Amsel (Turdus merula)-Gesang, den ich ab und zu aus dem Fenster meines Arbeitszimmers erschallen lasse, um allzu kecke und nervende Platzhirscheamselmännchen zu vergrämen, als Singdrossel (Turdus philomelos) identifiziert. Das ist immerhin nahe dran. Außerdem gibt es für „Zwitschomat“ im Gegensatz zu „Vogelstimmen ID“ aktuelle Updates, und die App läuft auch auf der iWatch. Bei dieser Option muss man allerdings etwas vorsichtig sein. Wenn man da arglos den Arm hochreckt, um die Nachtigall trapsen zu hören, denken andere Leute womoglich, man zeige den Deutschen Gruß 🙂 .

Künstliche Intelligenz: Vogelstimmen erkennen · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 19.06.2017 (Moderation: Till Haase)

Warum wird jemand Hacktivist? Jedenfalls nicht aus ganz nüchterner Kalkulation.

Lange nichts mehr gehört von Anonymous. Die letzten Aktionen – die Verhinderung von Donald Trump, die vollständige Vernichtung des IS jedenfalls in seinem Social-Media- und Netz-Treiben waren ja auch so grandiose Erfolge, dass nun erst einmal ein bisschen Ausruhen auf den Lorbeeren angebracht erscheint. Ok, das ist jetzt etwas fies von mir. Denn ich kann ja durchaus nachvollziehen, dass es wirklich ein paar junge Leute gibt, mit alterstypisch noch ziemlich kompromisslosen, unkorrumpierten oder auch unreflektierten moralischen Maßstäben, die ihre technologische Expertise umsetzen wollen in politischen oder gesellschaftlichen Einfluss.

Der anonyme Pressesprecher von Anonymous vor dem Brandenburger Tor. (Thomas Wolf, www.foto-tw.de Montage: anonym)

Ob da dann eben eine Hacktivisten-Aktion wirklich das Mittel der Wahl ist, darüber konnte man ja schon immer trefflich philosophieren. Dass da manche Leute demokratische Teilhabe mit Nötigung verwechselt haben, ist klar. Dass da manche Leute wegen eines solchen Irrtums vollkommen irrwitzig verfolgt oder bestraft worden sind, ist ebenfalls klar. Bei allen „Chancen und Risiken“ von Hacktivismus – so die Ausgangsbasis von Wissenschaftlern der Arizona State University – sollte doch eigentlich eine ziemlich nüchterne „Kosten-Nutzen-Abwägung“ im Sinne der Spieltheorie darüber Auskunft geben, ob jemand zum Hacktivisten wird oder nicht.

Das ist aber anscheinend nicht der Fall. Die Testpersonen in der Studie der Wissenschaftler (die sich selbst nicht als tatsächliche Hacktivisten outen mussten, sondern in die Rolle einer genderneutralen „Jordan“ schlüpfen konnten) – die orientierten sich am möglichen Erfolg, nicht an den möglichen Risiken einer Hacktivismus-Aktion. Das ziemlich bierernste Fazit der Forscher: Mit mehr Aufklärung über mögliche drastische Konsequenzen von Hacktivismus ließen sich auch die Aktionen (und andere altersmäßig beliebte Netz-Handlungsmuster wie Raubkopiererei 🙂 ) signifikant vermindern.

Klingt und riecht alles so attraktiv wie ein fünf Wochen lang getragener Socken. Andererseits – mit irgendeinem gut gemeinten, aber letztlich blödsinnigen Hacktivismus seine Karriere/sein Leben zu zerstören, ist auch nicht besonders intelligent. Es gibt doch noch eine Alternative: Einfach öffentlich und im Netz sagen, was man Scheiße findet – das geht ja auch noch. Und manchmal hat sogar das eine gewisse Wirkung.

Deutschlandfunk Nova · Studie: Warum wird jemand Hacktivist?

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 15.06.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

WannaCry – WannaLaugh

Ein paar kleine Nachträge zur WannaCry-Ransomware. Erstens: skandalös, dass da doch nicht mehr so ganz viel nachgekommen ist wie befürchtet. Ich verdiene schließlich an der Krisen-Berichterstattung.

Zweitens:

Da lag ich doch mit meinem ersten spontanen Kommentar am letzten Samstag gar nicht so falsch. Also, liebe Erpressungs-Kunden – greifen Sie doch bitte dem Erpresser-Support etwas unter die Arme beim Zuordnen Ihrer Zahlungen. Sie bekommen dann auch ganz ehrlich Ihren Entschlüsselungs-Schlüssel. Großes nordkoreanisches Indianer-Ehrenwort, beim wohlgestutzten Haupthaar unseres verehrten großen Führers Kim Jong-Un. (Der die Kohle ganz dringend braucht, um einen neuen Raketenversuch zu finanzieren; irgendwann muss das doch mal klappen, andere kriegen die Dinger doch auch hochgeschossen ohne Explosion… Und für sein Netflix-Disney-Abo, und für ein paar Schweinskaldaunen und die Bären-Blutwurst, die er so gerne morgens auf seine Brötchen schmiert.) Vielen Dank!

 

Dann gibt’s auch noch total großartige Hoffnungs- und Freudenbotschaften für all diejenigen Super-Experten, die befallen und verschlüsselt worden sind, und seitdem aber dann in Schockstarre vor dem Rechner sitzen, den also auch nicht ausgeschaltet haben (Leute, die auch nur einen Funken Ahnung haben, ziehen sofort den Netzstecker, sobald irgendeine Drecks-Malware loszurattern beginnt…) Ach so – noch nicht mal dann funktioniert das richtig mit der Wiederherstellung. Schade.

Weitere Trittbrettfahrer versuchen auch noch aufzuspringen. Ok – versuchen kann man es ja mal. Und zu der Tomahawk-Analogie von Microsoft und der Gutmenschen-Kritik an der NSA und ihrem Cyber-Waffenschrank gibt’s auch noch ein Update. Es ist und bleibt halt eine schwierige Kosten-Nutzen-Abwägung. Aber wer als Profi-Anwender weiterhin XP- und NT-Gurken betreibt, hätte ja auch schließlich den kostenpflichtigen Extended-Support von Microsoft bezahlen können.

WannaCry – bislang noch keine Entwarnung

Ob der globale „WannaCry“-Malwareausbruch wirklich eine „Cyberattacke“ oder nicht eine ganz stinknormale Ransomware-Aktion war/ist, das bleibt noch abzuwarten. Die schlechte Nachricht: Der vermeintlich zur Entwarnung Anlass gebende „Killswitch“, die entweder absichtlich oder versehentlich eingebaute Notabschaltung, die durch einen Sicherheitsexperten entdeckt und aktiviert worden ist (eine nicht völlig auszuschließende Vermutung könnte auch sein, der Sicherheitsexperte hätte irgendwelche Verbindungen zu den Urhebern 🙂 ) wird offenbar in typischen Firmennetzen (mit Proxy-Servern) gar nicht wirksam.

Die Diskussion, ob Geheimdienste in „zivilisierten“ Ländern nicht „eigentlich“ die ihnen bekannten Sicherheitslücken sofort an Software-Hersteller melden müssten, gibt es schon lange – und letztlich ist das Traumtänzerei. Die Dienste und Strafverfolgungsbehörden brauchen Exploits und den Informationsvorsprung gegenüber der Öffentlichkeit, um Feinde/Terroristen/Kriminelle überwachen/auszuspionieren/überführen zu können. Das kann man legitim finden oder auch nicht. Bei einem von vielen Seiten geforderten, aber nicht zu erwartenden Strategieschwenk westlicher Dienste würden natürlich auch die Dienste Russlands, Chinas und Nordkoreas sofort nachziehen. Oder doch nicht? Nein.

Auch der Versuch von Microsoft, den „schwarzen Peter“ der NSA zuzuschieben, überzeugt nicht ganz. Erstens: Der „Cruise Missile-Vergleich“ hinkt – einen Tomahawk-Marschflugkörper kann eine Privatperson nicht zusammenlöten; eine Sicherheitslücke entdecken und einen Exploit schreiben aber durchaus. Zweitens: Vielleicht sollte Microsoft ja noch mehr Manpower daran setzen, Fehler zu finden. Und gefundene Fehler möglichst schnell zu fixen. Allerdings: Neben westlichen und östlichen und sonstigen Geheimdiensten sind ja auch noch westliche, östliche und sonstige Hacker, Sicherheitsforscher, Black- und Whitehats im Spiel – das Ganze hat nicht nur mit Moral, sondern vor allem mit Geschäft zu tun…

Aber von wegen „schwarzer Peter“ an die NSA – der WannaCry-Ausbruch ist ja nun gerade kein Beispiel für das Ausnutzen eines Zero-Day-Exploits. Insofern: Trotz allem Verständnis für die Schwierigkeiten von Firmen-Admins, einen Patch erst einmal auf Kompatibilität abzuchecken, trotz allem Verständnis für die Privatanwender – wer zwei Monate nach einem verfügbaren Sicherheitsupdate noch verwundbar ist, der hat vermutlich seine Hausaufgaben nicht gemacht. Insofern ist WannaCry vor allem eine Bestandsaufnahme und hilfreiche Warnung: Wie verwundbar sind wir eigentlich? Für den Fall, dass mal ein „richtiger“ Cyberangriff kommt.

Sicherheitslücke war bekannt: Cyerattacke WannaCry · Deutschlandfunk Nova

 

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 15.05.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Erste Quartalszahlen: Snapchat auf Börsen-Crashkurs

Ich habe es ja schon oft eingestanden: Trotz meiner ganzen Internet- und Tech-Affinität; Kapital konnte ich noch nie daraus schlagen. Also so richtig, ohne Arbeit meine ich. Durch eine Beteiligung an der nächsten großen Sache. Durch ein paar Aktien, zum richtigen Zeitpunkt gekauft. Damals, bei Google – dass das eine gute Suchmaschine war und die mit der Werbevermarktung irgendwie so gestartet waren, das habe ich ja noch mitbekommen. Aber dass man damit soo viel Geld verdienen kann, und das nachhaltig? Hätte ich nicht gedacht. Facebook? Investieren in eine Selbstvergewisserungs-Maschine und gnadenlose Privacy-Vermarktung? Womit wollten die eigentlich Geld verdienen?

Mit Werbung. Ach so. Das habe ich auch nicht gedacht, dass das ein zweites Mal so gut funktioniert. Bei Twitter war ich dann wieder skeptisch, und irgendwie ja wohl auch zu Recht. Und dann Snap mit seinem „Leute-über-fünfzehn-kapieren-den-Witz-eh-nicht“-Messenger? Kann eigentlich nicht funktionieren, ich seh da kein nachhaltiges Geschäftsmodell und keine richtig relevante bzw. kaufkräftige Kundschaft. Jetzt, nach den ersten Quartalszahlen ist der Kurs mal richtig runtergecrasht. Evan Spiegel hat aber noch gut lachen – zumindest solange die Aktie nicht bei Null notiert, sind seine Optionen ja noch ein paar Dollar wert.

 

Ich hab mich jetzt mal von Evans guter Laune anstecken lassen und seiner Ankündigung, noch irrwitzig viele neue Super-Dinger zu lancieren in diesem Jahr. Die Idee mit den „Limitless Snaps“ ist ja schon mal grandios – endlich kein Zeitdruck mehr beim Sexting-Bildchen angucken. Obwohl das ja gleichzeitig den USP und den Markenkern massakriert. Oder nicht? Egal. Ich hab mir jetzt also mal einen Ruck gegeben und auf die Optimisten bei Wired gehört. Und mir 10 Snap-Aktien gekauft, Kurs war 16,429 EUR. Wie hat doch André Kostolany immer so schön gesagt (oder war es Warren Buffet?): „Kaufen, wenn die Kanonen donnern.“ Und dann liegen lassen und sich keine Gedanken wegen ein paar lumpiger Quartalszahlen machen.

Also noch mal ganz klar: Das sind Kaufkurse jetzt. Schnell zugreifen, bevor das andere Leute auch merken!

Deutschlandfunk Nova · Erste Quartalszahlen: Snapchat auf Börsen-Crashkurs

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 11.05.2017 (Moderation: Till Haase)

Google-Experten entdecken „Mutter aller Sicherheitslücken“ in Windows Defender

Wenn man prominent oder reich ist oder beides; sagen wir mal als Kanzlerin, Filmstar oder russischer Oligarch, hat das manche Annehmlichkeiten. Aber leider – es gibt dann nun mal auch jede Menge Leute da draußen, die einem etwas Böses wollen. Und dann hilft nur eines: Man braucht einen Bodyguard. Der kostet was, ist vielleicht auch irgendwie lästig, aber man kommt nicht drum herum. Ganz, ganz böse ist halt, wenn ausgerechnet dieser Bodyguard einen verrät oder vielleicht auch nur total unfähig ist; wenn er den Angreifern die Türen aufschließt und seine Waffe übergibt.

Etwas vergleichbares ist jetzt beim Betriebssystem Windows passiert: Microsofts Antivirensoftware „Defender“ bzw. die „Malware Protection Engine“ hat sich als Mutter aller Sicherheitslücken entpuppt. Wenn wir das alles mal etwas poetisch ausdrücken wollen 🙂 … Oder etwas nüchterner: Zwei sehr versierte Sicherheitsexperten von Google haben eine tatsächlich sehr böse Lücke in einer Software entdeckt, die zur Standardinstallation von Windows gehört, auf zig Millionen Rechnern installiert ist und insofern ein richtig attraktives Ziel für jeden Cyberkriminellen abgibt.

Als Windows-Anwender braucht man ja gar nicht besonders prominent oder reich zu sein, um Tag für Tag mit Phishing-Mails belästigt oder auf irgendwelche verseuchten Websites gelockt zu werden – von Gaunern aus aller Welt, die mal eben kurz versuchen, einem die Festplatten zu Erpressungszwecken zu verschlüsseln, die Bankingdaten abzufangen oder mindestens doch den PC für ihr Botnetz zu rekrutieren. (Klar, von irgendwas muss man ja leben in Staaten mit problematischem Arbeitsmarkt…) Angeblich ist die Defender-Sicherheitslücke bislang nicht durch einen Exploit ausgenutzt worden – zumindest nicht durch Akteure, die nach Bekanntwerden des Problems losgelegt haben 😉

 

Microsoft hat – der äußerst kritischen Situation angemessen – sehr schnell reagiert. Es ist aber ratsam für alle Windows-Nutzer, nachzuschauen, ob das Update auch tatsächlich eingespielt wurde oder den Prozess notfalls „per Hand“ anzustoßen. Manche User berichten, bei ihnen lasse sich der Patch nicht installieren, ohne zuvor unerwünschterweise von einem älteren Betriebssystem auf Windows 10 upzugraden. Für die Anwender, die momentan eine andere Anti-Virensoftware installiert (und damit den Defender deaktiviert) haben, droht möglicherweise in dem Augenblick ein Problem, in dem sie diese deinstallieren – etwa, weil sie auf ein anderes Produkt wechseln wollen.

Der ganze Vorfall ist natürlich Wasser auf die Mühlen derjenigen, die Anti-Virensoftware ohnehin für „Snake Oil“ halten. Ihr Argument: Die zusätzlich installierte Software, die mit höchstmöglichen Systemrechten läuft – also wie der Bodyguard im richtigen Leben mit dem Generalschlüssel oder der Master-Chipkarte Zutritt zu allem hat – die bringt nur zusätzliche Risiken ins Spiel. Weil sie zum Beispiel, um den verschlüsselten Netzverkehr prüfen zu können, mal eben Sicherheitsstandards wie SSL aushebelt und „Man-in-the-Middle“ spielt – leider mit leicht abgreifbaren Sicherheitszertifikaten, sprich Bodyguard-Generalschlüsseln.

Für einen Laien ist aber die „reine Lehre“ der Experten, das Windows-System (Linux ist natürlich eh besser…) durch restriktive Einstellungen abzusichern (und selbstverständlich nicht auf lächerliche Phishing-Mails reinzufallen …), keine realistische Option. Die Gegenbeispiele und die Fälle, wo Antivirensoftware das System ruiniert, die kenne ich auch. Ich vermute nur, dass für den normalen Privatanwender der Nutzen durch Antiviren-Software das mögliche Risiko weit übertrifft. In Firmenumgebungen mag das anders aussehen. Klar, ein jederzeit aktuelles Backup oder ein Image braucht man eh – aber wer im Laien-Bekanntenkreis hat das denn? Ich kenne praktisch niemand. Ist so eine Sache mit der reinen Lehre.

Eigentlich macht ja selbst der Microsoft Defender einen guten Job. Wenn er nicht gerade die Mutter aller Sicherheitslücken aufklaffen lässt… 🙂

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 10.05.2017 (Moderation: Till Haase)

Freischwebender Bullshit: Facebook will Gedanken lesen

Die Gedanken sind frei. Sich Irgendwas ausdenken, oder mal irgendwie über die Zukunft nachdenken, das wird man doch wohl noch dürfen. Oder mal die Gedanken schweifen lassen. Ganz frei, völlig losgelöst von irgendwelchen Realitäten. Alles ist erlaubt bei einem Brainstorming. Auch totaler Bullshit.

Facebook will demnächst irgendwann mal Gedanken lesen, bzw. Gedanken als Input-Channel nutzen für – ja was denn eigentlich? Für ein tastaturloses Katzenbildposting, für ein Liken des gerade vertilgten Burgers oder ein prospektives Ändern des Beziehungsstatus („im Moment bin ich gerade mit der langweiligen und bei Licht besehen doch nicht so attraktiven X – was besseres war aber gerade nicht im Angebot – liiert, denke aber, dass ich eigentlich lieber die scharfe Y als Freundin hätte…“  Oder zum Steuern von Autos??

„Würde Facebook das Projekt gelingen, könnte das Problem der Spracherkennung ausgeschaltet werden. Wenn ich dann denke, dass ich im Auto rechts abbiegen will, erkennt mein Navi das automatisch“, sagt Klaus Heblich von der SWR-Wissenschaftsredaktion.

„Solche Technologie existiert heute nicht. Wir werden sie erfinden müssen“, hat Facebook-Managerin Regina Dugan am Mittwoch auf der Facebook-Entwicklerkonferenz F8 gesagt. Stimmt. Der Warp-Antrieb existiert auch noch nicht, aber wenn sich 60 Leute beim milliardenschweren Werbe- und Selbstvergewisserungskonzern von Herrn Zuckerberg dransetzen, dann müsste das doch eigentlich auch zu schaffen sein. Dran arbeiten am neu erfinden kann man ja mal. Oder das planen, aber jetzt schon mal rausposaunen – in die dankbare Presselandschaft.

 

Die greift solch futuristische Pläne ja gerne auf und diskutiert die dann auch ganz ernsthaft mit „Experten“. Wenn Facebook an sowas arbeitet, muss das ja irgendwie realistisch sein. Oder aber total spekulative Zukunftsvision, die man einfach mal als kommerzieller Akteur im Markt freischwebend daherpinseln und -schwafeln kann. Im Klartext: Bullshit, jedenfalls auf sehr lange Sicht hin. Schauen wir doch mal ganz kurz auf die Fakten: Die bisherigen Ansätze zum Abgreifen von irgendwelchen motorischen oder intellektuellen Absichten (Ja – Nein, Cursor nach rechts oder links…) sind von der Praxistauglichkeit (Elektroden im Gehirn…) oder der Geschwindigkeit äußerst bescheiden.

Natürlich ist es eine großartige Sache, wenn Leute mit Locked-In-Syndrom (oder mit anderen Behinderungen; das Paradebeispiel ist vielleicht Stephen Hawking…) einen (bislang sehr mühsamen…) Weg bekommen, sich zu artikulieren. Aber das ist auch schon das einzige relevante Szenario für die „Gedanken-Lese-Technologie“, jedenfalls für die nächsten 20, 30, 40 Jahre (mit Prognosen soll man ja vorsichtig sein, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen…). Es gibt nicht den allergeringsten Anhaltspunkt, wie ein „Abgreifen“ komplexerer Gedanken als „Ja-Nein“, „Cursor nach rechts, Cursor nach links“ oder „vorgegebene Auswahlmöglichkeit auswählen“ zuverlässig funktionieren soll.

Wie die Facebook-Evangelisten (oder die Presse oder die befragten Experten…) auf die Idee kommen, die herbeiphantasierte Technologie könne sinnvoll die (ja auch noch gar nicht zuverlässig und ansatzweise befriedigend umgesetzte…) Spracherkennung ablösen oder ersetzen, das ist mir völlig schleierhaft. Nehmen wir mal das bei Tagesschau.de erwähnte Szenario: „Ich denke jetzt mal, dass ich rechts abbiegen will. Ach nee, doch nicht, ich würde zwar eigentlich gerne, aber da ist ja ein Lastwage…“  Die Handlungsweisen, ethischen Aspekte und Haftungsfragen bei eventuell eingebundenen KI-Assistenz-Systemen sind auch noch völlig ungeklärt, um mal ein eventuelles Gegenargument gleich einzubeziehen.

Oder die anderen Beispiele:

So könnte der Gedanke an eine Tasse direkt mit dem entsprechenden Fremdwort in Spanisch oder Chinesisch umgesetzt werden, sagte die Facebook-Managerin. „Eines nicht so fernen Tages könnte es sein, dass ich auf Chinesisch denke und sie es sofort auf Spanisch fühlen.“

Hatte ich gerade gedacht – der hat nicht mehr alle Tassen im Schrank; oder mit dem würde ich gern eine Tasse Tee trinken? Natürlich „gehe es nicht darum, wahllos Gedanken zu lesen“. (z.B. um dann direkt Burger- oder Porno-Werbung einzublenden…) „Nur solche Gedanken, die an das Sprachzentrum weitergeleitet würden, seien gemeint.“ Und wie soll das gehen, diese Differenzierung??? „War dieser Gedanke von dir gerade zur Weiterleitung an das Sprachzentrum gedacht? Denke bitte Ja oder Nein.“ „Meintest Du gerade Porno oder Burger, denke bitte P oder B.“ Bist Du sicher? Denke Ja oder Nein“. Ich setze mir zur Klärung dieser Feinheiten aber erst mal ein Elektroden-Mützchen auf. (Seid ihr wahnsinnig, ihr Vollhorste ???)

Fazit: Die Facebook-Ankündigung ist die größte Luftnummer, die ich in den vergangenen Jahrzehnten (ok, sagen wir mal seit Duke Nukem…) gelesen habe. Irgendwann wird so was natürlich mal kommen. Irgendwann werden wir den Gehirnerweiterungs-Chip implantiert haben. Irgendwann werden wir wirkliche von implantierten Erinnerungen nicht mehr unterscheiden können, irgendwann werden wir den Warp-Antrieb haben – oder denken, wir hätten ihn. Vielleicht steht da sogar dann „Facebook Virtual Reality“ drauf. Momentan ist das aber alles totaler Bullshit. Oder halt eine sehr völlig freischwebende Vision. Da wäre ich ja der letzte, der das verbieten wollte. Man muss das nur auch Bullshit nennen dürfen.

(Nachklapp 27.04.2017:) Wired sieht Facebooks Visionen ähnlich kritisch wie ich.

Microsoft-Sicherheitslücke: Word braucht ein Update!

Das Update auf das aktuelle Major-Release von Windows 10 („Creators Update“) ist ja bekanntlich eine komplette Neuinstallation des Betriebssystems – da kann ja theoretisch auch richtig etwas schiefgehen. Ich hatte das also schon am Montag vorsichtshalber „per Hand“ gestartet, damit mir Update, Neustart des Systems und eventuelles Desaster nicht in einem unpassenden Moment – bei der Vorbereitung der Frühsendung zum Beispiel 🙂 – hineingrätscht. Hat aber alles geklappt, den „Windows.old“-Ordner habe ich auch schon gelöscht inzwischen. Am Dienstag war dann der turnusmäßige Microsoft-„Patchday“ – der neben dem „Creators Update“ auch wieder mal ein paar Sicherheitslücken stopfen sollte.

 

Ganz oben auf der Dringlichkeitsliste – ein Flicken für das am Wochenende bekannt gewordene OLE-Problem bei Word. Aber heute morgen saß ich dann doch etwas verwirrt vor dem Bildschirm – war der Patch jetzt bei mir automatisch installiert worden oder nicht? Im „Updateverlauf“ war nichts zu Word oder Office zu lesen – ein Klick auf „neue Updates suchen“ brachte tatsächlich noch drei bereitstehende Flicken zutage; ob da der für Word dabei war, blieb unklar. Microsoft hat, wie „The Register“ maliziös titelt, „feige die kritischen Patches“ in ein harmlos aussehendes Paket „begraben“; „gefällig eingepackt“ könnte man das natürlich auch nennen. Wer die Sicherheits-Fixes manuell installieren will, findet das „kumulative Update“ hier.

Auch Ars technica bemängelt die ziemlich intransparente Dokumentation – und die Tatsache, dass Microsoft für zwei weitere (wenn auch nicht so brisante…) Lücken in Word „zur Zeit“ noch keine Lösung parat hat.

Microsoft-Sicherheitslücke: Word braucht ein Update! · DRadio Wissen

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 12.04.2017 (Moderation: Till Haase)

(Nachklapp 27.04.2017) Microsoft hat die Sicherheitslücke offenbar erst neun Monate nach der Entdeckung gestopft – in der Zwischenzeit haben „gut informierte Kreise“ das offene Einfallstor bereits ebenso gezielt wie erfolgreich ausgenutzt.

Heikle Notoperation: YouTube schraubt am Algorithmus

Vor rund zehn Tagen ging die Sache los, und für „Netzchecker“ wie meine Kollegin Martina Schulte 🙂 war sofort klar: YouTube hat ein richtiges Problem. Da war nämlich großen Werbekunden aufgefallen, dass ihre schönen Produktclips (in denen teure Klamotten, schicke Autos oder saftige Burger ans Konsumentenvolk gebracht werden sollen…) vor Videos eingeblendet werden, die von Hasspredigern, Rechtsradikalen oder Verschwörungstheoretikern stammen. Seitdem der „Guardian“ darüber berichtet und selbst gesagt hatte „wir schalten keine Anzeigen mehr bei YouTube“, ist eine Lawine ins Rollen gekommen; immer mehr Werbetreibende haben ebenfalls die Zusammenarbeit mit YouTube gestoppt.

Jetzt reagiert das Unternehmen und schraubt massiv an den Algorithmen herum, wie und wo Werbeclips eingeblendet werden. Aber das führt auch wieder zu Irritationen – bei den Content-Produzenten, sprich den „YouTubern“ nämlich. Das Ganze ist ja ein Geben und Nehmen: ohne die Videoclip-Produzenten ist YouTube nichts. Und andererseits kann man als YouTube-„Star“ ungeahnte Kohle kassieren – und auch als Nicht-Star zumindest (je nach Klickzahlen…) einen kleinen, großen, marginalen oder eben doch wichtigen Finanzierungsbaustein für sein Anliegen generieren. Da sorgte ein Post eines YouTube-Community-Betreuers doch für einiges Aufsehen:

„Wenn ihr in den nächsten Wochen Fluktuationen in euren Einnahmen seht, dann könnte das daran liegen, dass wir gerade unser Anzeigensystem feintunen.“

Bei manchen YouTubern waren die angesprochenen „Fluktuationen“ und Algorithmus-Veränderungen offenbar auch schon direkt spürbar: Es gab Beschwerden von Transgender-Aktivisten und Leuten, die Gewalt gegen Frauen thematisieren, dass ihre Videos keine Werbeeinblendung mehr bekommen, obwohl sie nicht gegen die YouTube-Guidelines verstoßen. Außerdem kursierten Gerüchte, wonach YouTube generell nichts mehr an Channels mit weniger als 25.000 Abonnenten ausschütten wolle. Falsch, so die Reaktion von  YouTube, und in dem Post des Community-Betreuers heißt es:

„Wenn Du glaubst, dass dein Video zu Unrecht de-monetarisiert wurde, klicke auf das gelbe Dollar-Icon im Video-Manager.“

 

In dem Fall verspricht YouTube also eine manuelle Überprüfung. Auch YouTube-Chefin Susan Wojcicki ist in Berlin im Gespräch mit der Wirtschaftswoche-Chefredakteurin Miriam Meckel noch einmal auf das Problem „Werbe-Boykott“, aber auch auf die Vorwürfe z.B. aus der LBGT-Richtung eingegangen, ihre Inhalte würden nun zensiert – das sei keine Absicht gewesen. Aber eines ist klar: Bei der Gratwanderung von YouTube zwischen Werbe-Boykott und Neujustierung der Ausschüttungs-Algorithmen steht gewaltig etwas auf dem Spiel: Laut Wirtschaftswoche haben YouTube und der Google-Mutterkonzern Alphabet in der letzten Woche 26 Milliarden Dollar Börsenwert verloren – die Boykott-Diskussion dürfte da der maßgebliche Faktor gewesen sein.

Und dann war da auch noch am Mittwoch in der NYT ein höchst interessanter Bericht: Das Bankhaus JP Morgan Chase hatte – ausgelöst von der aktuellen Debatte – seine Werbestrategie einmal „testweise“ umgestellt. Bislang hatte die Bank ihre Anzeigen auf rund 400.000 Webseiten pro Monat plaziert, also nach der als „State-of-the art“ geltenden Schrotschuss-Methode. Nun hatte man die Werbeaktivitäten auf nur noch 5000 ausgesuchte Webseiten konzentriert. Und siehe da – der Effekt, also das Verhältnis Klickrate zu Kosten war gleichgeblieben. Fefe – auch er durchaus ein „Netzchecker“ 🙂  – hat das ja direkt richtig eingeordnet:

„Ooooh, das könnte ein Blutbad von biblischen Ausmaßen werden. Wenn das Schule macht, dann wird niemand mehr Werbung bei kleineren Sites oder gar Nicht-Superstar-Youtube-Kanälen machen wollen. Da könnte ein ganzes Ökosystem wegbrechen.“

Youtube: Schwierige Reaktion auf Werbung neben Hasspredigern · DRadio Wissen

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 31.03.2017 (Moderation: Till Haase)

P.S. 07.04.2017: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ YouTube hat selbstverständlich auch niemals die Absicht gehabt, Channels mit weniger als 25.000 Abonnenten von den Werbe-Ausschüttungen auszuschließen. Sondern nur Channels mit weniger als 10.000 Views. 🙂 (Ganz ehrlich gesagt – das ist aus meiner Sicht auch o.k. so…)

Alles extrem schwierig halt, die Sache mit der Online-Werbung 🙂