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Markus Söder hat maskenmäßig alles im Griff – die Mehrheitsbevölkerung auch

Dank eines geheimnisvollen Zaubers ist Horst, Entschuldigung, Markus Söder bislang erstens glattrasiert und zweitens noch einigermaßen gutfrisiert. Wieso eigentlich?? Die Friseure fürs gemeine Volk sind ja zu seit 15.12. – die von mir überaus geschätzte BILD-Zeitung hat das interessante “Problem” auch schon für die Fußballspieler diagnostiziert. Wobei bei denen Brutal-Haarschnitte ja etwas sozialadäquater sind als beim gewöhnlichen Volk.

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Ohne Maske ist es gleich viel schöner…

Gibt es etwa einige wenige privilegierte Leute in dieser unserer Corona-Republik, die weiterhin Friseur-Leistungen in Anspruch nehmen können? Gibt es etwa einige, privilegierte Leute, die ganz normal ihre Kohle weiter kriegen? Beamte z.B., oder Politiker(innen), oder Rentner, oder Festangestellte? Das kann doch eigentlich gar nicht sein. Denn es gibt ja ohne jeden Zweifel Leute, die seit Beginn der Corona-Maßnahmen unfreiwillig und unverhofft als totale Arschlöcher fungieren. Obwohl sie von den direkten Auswirkungen von Corona gar nicht betroffen sind. Deren Einkommen und Leben aber – auch wenn sie vorher fröhliche, wertvolle Steuerzahler mit einem funktionierenden Geschäftsmodell waren, mit einem Mal komplett weggebrochen ist. Nö, nicht weggebrochen – sondern von einem staatlichen Berufsverbot betroffen.

Ich rede hier mal wieder von den absoluten Randgruppen unserer Gesellschaft. Solo- und sonstige Selbstständige. Künstler und Künstlerinnen, Filmschaffende, Leute in der Veranstaltungsbranche, Film- und Fernseh-Typen und -Typinnen. Gastronomen; von der Bierschänke bis zum Sternerestaurant. Kleine Läden, Wäschereien, Ergotherapeut(inn)en und Fitnessstudio-Betreiber. Das sind natürlich alles Arschlöcher. Die hätten ja mit ihren unermesslich hohen Einnahmen in normalen Zeiten ein Polster schaffen können für diese kleine, kurzfristige Krise. Gell?

Und so geht es eben gar nicht mehr…. erst recht nicht mit FFP2-Maske

Stimmt doch, ihr Normalbürger, die ihr doch normalerweise auch gerne die Angebote dieser totalen Exoten in Anspruch nehmt? Mal in die Kneipe, ins Restaurant geht; ins Konzert, ins Kino? Und ihr, liebe Politikerinnen und Politiker, die ihr euch doch normalerweise so gerne sonnt im Glanz der Promis, der Stars und Sportler – die ihr doch normalerweise so gern eure Ärsche. tschuldigung; Nasen in hippen In-Schuppen präsentiert – jetzt gehen deren Betreiber gerade den Bach runter. Meint ihr allen Ernstes, ihr seid da nach dem Corona-Armageddon wieder willkommen?

Bei den Solo-Selbstständigen gab es ja schon beim ersten Lockdown die aparte Konstruktion: Rettungs-Zuschüsse gibt’s nur für Betriebsausgaben. Die sind aber gar nicht relevant (bzw. bei Künstler-Soloselbstständigen so gut wie gar nicht vorhanden…), sondern die ausbleibenden Umsätze und Gewinne, aus denen die Leute ihren Lebensunterhalt finanzieren. Ach so? Egal. Dann eben Hartz-4. Großzügigerweise dürfen die unverhofften Arschlöcher erst mal in ihrer Wohnung bleiben. Beim zweiten Lockdown die Gastronomie: Erstmal hieß es; 80% des Umsatzausfalls werden ersetzt. Jetzt plötzlich: April, April, Kohle (und auch die eh erst nur zwei Monate später…) fließt nur, wenn es einen “Verlust” gegeben hat.

Klar, die EU lässt da keine andere Möglichkeit zu. Nur dummerweise leben die kleinen Gastronomen ja auch von ihrem Betrieb. Genau wie bei den Solo-Selbstständigen: Es gibt da Fixkosten, es gibt da möglicherweise Personalkosten – und dann gibt es möglicherweise einen Sternekoch und seine Frau, die bislang mit Einsatz von morgens früh bis abends spät ein Restaurant geschmissen und aus dem “Gewinn” ihren Lebensunterhalt bestritten haben. Ersetzt wird jetzt aber nur der “Verlust”, also Null-Umsatz minus Fixkosten. Klar – der Sternekoch und seine Frau können doch jetzt Hartz-4 beantragen. Ihr Haus oder ihre Wohnung dürfen sie auch – einstweilen – behalten. “Ist das echt so dramatisch? Ich als Politiker- oder Behörden-Arsch kann das ja nicht so einschätzen?” “Ja, das ist dramatisch und zutiefst ungerecht.” Danke!!

WTF?? Wenn es diese sagenhafte “Solidargemeinschaft” geben sollte, von der Politiker(innen) schwafeln – dann ist es ja alles ganz einfach: Alle Bürgerinnen und Bürger gehen sofort auf Hartz-4. Super, was?? Alle Politiker(innen). Alle Rentner(innen), deren Arsch ja überproprtional gerettet wird… Alle Manager(innen). Journalist(inn)en. Alle Festangestellte und Festangestelltinnen. Die eingesparten Gelder pushen wir in die dringenden Maßnahmen wie Aufstockung der Pflege- und Gesundheits-Stellen. Corona-Tests bis zum Abwinken und Infektions-Monitoring, durchgeführt von Bundeswehr und ansonsten Arbeitslosen, alles finanziert durch die Sondermaßnahmen oder eben die lahmgelegten, aber solidarischen Leute und Leutinnen.

Super, gell? Geil, was? Da sind Sie alle dabei, stimmt’s? Auch Herr Söder und Frau Merkel und Herr Lauterbach, alle sind dabei, gell? Alle auf dem gleichen Verzichts-Level (ok, das ist immer noch ein Unterschied, ob jemand jetzt allein ist oder einen Partner/eine Partnerin hat, oder depressiv oder kerngesund – aber das lassen wir jetzt hier mal weg…) Alle einverstanden? Prima. Oder ist der ganze Scheiß nur eine total egoistische Panik-Aktion der weitgehend nicht betroffenen Mehrheit, wobei aber Ross und Reiter gar nicht genannt werden??? Und die Kollateralschäden eh nicht beziffert??

Golf-Verbot: Das Oberverwaltungsgericht NRW hat ein klares Fehlurteil beschlossen

Und das ist auch noch “unanfechtbar” – so langsam raste ich aus und wechsle endgültig auf die Seite der Querdenker und Gesundheits-Diktatur-Propagandisten… Ich möchte eigentlich nicht. Aber die objektiven Fakten gehen in die Richtung. Noch mal zur Vorgeschichte: Die Golfplätze sind wieder geschlossen. Obwohl ein Golfplatz der sicherste Ort in dieser gottverdammten Drecks-Pandemie samt ihrem Panik-Überbau ist.

Das OVG Münster hat in seinem Ratschluss am 23.12. 2020 https://www.ovg.nrw.de/behoerde/presse/pressemitteilungen/104_201223/index.php folgendes erkannt:

Das Oberverwaltungsgericht hat heute den Eilantrag eines Golfspielers abgelehnt, das Verbot des Amateur- und Freizeitsports auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen vorläufig außer Vollzug zu setzen.

Nach der aktuellen Coronaschutzverordnung des Landes in der seit dem 16. Dezember 2020 geltenden Fassung ist der Freizeit- und Amateursportbetrieb unter anderem auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen unzulässig. Anders als bis dahin ist jetzt auch der im Freien stattfindende Individualsport auf Sportanlagen nicht mehr möglich. Die Antragsteller, der Mitglied in einem Düsseldorfer Golfclub ist, hatte geltend gemacht, von Individualsport im Freien und insbesondere von Golf gehe keine Gefahr der Verbreitung einer Infektion mit dem Coronavirus aus.

Zur Begründung seines Eilbeschlusses hat der für das Infektionsschutzrecht zuständige 13. Senat im Wesentlichen ausgeführt: Das angegriffene Verbot sei voraussichtlich verhältnismäßig. Dass die Infektionszahlen trotz des Teil-Lockdowns im November nicht gesunken seien, sondern sich zunächst auf hohem Niveau stabilisiert hätten und anschließend seit Anfang Dezember wieder deutlich angestiegen seien, belege, dass die bisherigen Maßnahmen zwar grundsätzlich Wirkung gezeigt hätten, aber für sich genommen nicht ausreichten, um das Infektionsgeschehen nachhaltig abzubremsen. Es sei daher nicht zu beanstanden, dass der Verordnungsgeber nunmehr einen umfassenderen Ansatz gewählt habe, der auf die Reduzierung nicht zwingend erforderlicher persönlicher Kontakte durch ein weitgehendes “Herunterfahren“ des öffentlichen Lebens ziele. In diese Grundentscheidung füge sich die streitige Regelung schlüssig ein. Die Öffnung öffentlicher und privater Sportanlagen schaffte Anreize bzw. Gelegenheit zu Kontakten. Das gelte grundsätzlich auch in Bezug auf Individualsportarten wie Golf. Diese seien zwar nicht in hohem Maße infektionsbegünstigend, aber auch nicht gänzlich unbedenklich. Hierbei gehe es nicht allein um den Kontakt zu einem möglichen Mitspieler, sondern auch zu anderen Spielern, die die Anlagen zum gleichen Zeitpunkt nutzten und denen man etwa auf dem Parkplatz oder am Eingang begegne. Eine solche Begegnung könne – weil sich viele Mitglieder eines Vereins oder Clubs auch kennen dürften – den Anreiz bieten, zu einem Gespräch zu verweilen. Speziell beim Golf seien Kontakte auf dem Platz und in der Umgebung des Platzes nicht ausgeschlossen. Der mit dem Verbot verbundene Eingriff in die allgemeine Handlungsfreiheit der Sportler sei gemessen an dem damit bezweckten Gesundheitsschutz der Bevölkerung voraussichtlich gerechtfertigt. In diesem Zusammenhang seien insbesondere die gravierenden und teils irreversiblen Folgen zu berücksichtigen, die ein weiterer unkontrollierter Anstieg der Zahl von Neuansteckungen für Leben und Gesundheit einer Vielzahl von Menschen hätte. Demgegenüber falle auch nicht ausschlaggebend ins Gewicht, dass sportliche Betätigung selbst einen Wert für die physische und psychische Gesundheit habe. Das angegriffene Verbot schließe nicht jede sportliche Betätigung aus. Individualsport im Freien außerhalb von privaten und öffentlichen Sportanlagen (etwa Joggen, Walken, Radfahren, Inlineskaten, Gymnastik) bleibe weiter möglich. Dass hierbei vorübergehend auf andere Sportarten ausgewichen werden müsse, sei angesichts des mit dem Verbot verfolgten Schutzzwecks hinnehmbar. Hinsichtlich des Eingriffs in die Rechte der privaten Anlagenbetreiber sei schließlich in Rechnung zu stellen, dass diese staatliche Unterstützungsleistungen in Anspruch nehmen könnten, die etwaige finanzielle Einbußen in gewissem Maß abfederten.

Der Beschluss ist unanfechtbar.

Aktenzeichen: 13 B 1983/20.NE

Hinweis

Beim Oberverwaltungsgericht sind weitere vier Eilverfahren anhängig, die die Nutzung von Golfplätzen betreffen.

Das ist echt super erkannt von den Super-Checkern im OVG Münster. Erstens: Der beobachtete Anstieg der Infektionszahlen trotz Teil-Lockdown geht primär auf einen Anstieg bei der sehr alten Bevölkerung in Pflegeheimen zurück. Die Schließung von eben nicht infektionsbegünstigenden, sondern sogar völlig ungefährlichen Szenarien ist in diesem Kontext eben absolut NICHT schlüssig. Zweitens: Der behauptete “Anreiz” zu Begegnungen, “auf dem Parkplatz oder am Eingang oder in der Umgebung des Platzes” ist völlig fiktiv. Wie und in welchem Ausmaß das behauptete bzw. völlig freischwebend konstruierte “nicht gänzlich unbedenkliche” Szenario zu dem Anstieg der Infektionszahlen beitragen soll, das bleibt das Geheimnis der famosen Richterinnen und Richter vom 13. Senat. (Die offenbar ebenso wie die NRW-Spitzenpolitiker keine Ahnung vom Golfen haben…)

Mein Normal-Szenario ist jedenfalls, da einfach mutterseelenallein auf den Platz zu gehen. Jetzt im Winter ist da eh kaum noch was los – da spielen eben nur noch die hartgesottenen. Und zufälligerweise zu einem “Gespräch zu verweilen” – das kann ja genauso gut passieren, wenn ich meine Nachbarn oder Bekannten beim weiterhin erlaubten Spazierengehen oder Joggen im Park treffe. Selbstredend mit einem Abstand von 1,5 Metern. Und diesen Abstand kann ich eben auch auf dem Golfplatz-Parkplatz einhalten – oder eben auch nicht. Wie sehr tragen eigentlich kurze Gespräche in freier Luft mit eingehaltenem Mindestabstand zum Infektionsgeschehen bei? WTF!! Sind Begegnungen und Gespräche an der freien Luft außerhalb von Golfanlagen verboten??? FUCK, nein!

Und wegen dieser konstruierten, minimalen, theoretischen Gefahr eines Gesprächs auf dem Parkplatz eines Golfplatzes, die nicht über die Gefahr bei einem (gnädigerweise…) erlaubten Szenario im Park oder auf der Straße hinausgeht, soll ich auf die nachgewiesen und völlig unstrittigen positiven physischen und psychischen Wirkungen meiner Golf-Aktivitäten verzichten??? TICKT IHR NOCH SAUBER??

Wenn ich jetzt wieder wie schon im Frühjahr mit meinem Golfzeug in den Park gehe und dort meine Bälle schlage, ergeben sich naheliegenderweise auch Gespräche sogar mit interesssierten wildfremden Leuten. Selbstredend mit einem Abstand von 1,5 Metern. 🙂 Liebe in dieser Sache beteiligten Richter und Richterinnen vom OVG Münster – ihr habt nicht mehr alle Tassen im Schrank. (Ich weiß, die Schelte unserer unabhängigen Rechtsprechung ist tendenziell gefährlich. Die Einschränkung von Bürgerrechten mit Fuck-Begründung und ohne Anfechtungsmöglichkeit erst recht…)

Sorry, ich bin jetzt allmählich draußen aus dem vermeintlichen oder eingeforderten Rechtskonsens in NRW. Interessanterweise kann ich ja noch problemlos nach Rheinland-Pfalz rüberfahren und dort golfspielen. Noch ein Indiz, dass nicht ich irre bin, sondern hier die Politiker(innen) und Richter(innen) in NRW. Es reicht allmählich!!! Das wird spätestens jetzt eine Angelegenheit für das Bundesverfassungsgericht. Klingt vielleicht alles etwas hyper-ventiliert. Aber der Casus ist ja nur paradigmatisch für die grassierende Panik und die Aushebelung von Verhältnismäßigkeit und Bürgerrechten.

Corona-Strategie: “Je härter die Maßnahmen, desto besser”

Ich habe heute erst das Interview bei zeit.de mit dem Mathematiker Wolfgang Bock gelesen, der “an der TU Kaiserslautern zur Ausbreitung von Krankheiten forscht” und offenbar auch die polnische; zum Glück nicht die deutsche Regierung berät. Herr Bock plädiert für eine maximale Beibehaltung bzw. sogar Ausweitung der Kontaktsperren und des “Social Distancing”, bis das Corona-Virus “ausgestorben” ist.  Weil es eben irgendwann nicht mehr “genügend” Überträger gibt. Den nötigen Zeitraum für diese Strategie und die Aufrechterhaltung der Maßnahmen hat Herr Bock bei “90% Kontaktreduzierung” auf “etwas mehr als ein Jahr” taxiert.

Bis dahin also Shut-Down, mit wahnwitzigen Folgen für das Leben aller Menschen und der Wirtschaft, mit wahnwitzigen auch gesundheitlichen “Kollateralschäden” aufgrund der Einschränkung der Bewegungsfreiheit? Es gibt da ja leider einen klitzekleinen Haken an diesem wunderschönen mathematischen Modell, wie man das Virus “aushungern” lassen kann – und der ist sogar dem Experten Wolfgang Bock klar, weil es ja nach dieser Strategie keine “Herdenimmunität” geben wird:     

“Würde das Virus dann von außerhalb wieder importiert – was nicht unrealistisch ist – stünde man vor einem Problem.”

Bingo – nämlich vor exakt dem gleichen, wie gerade derzeit auch schon. (Nur dass bis dahin schon ein paar hundert Milliarden Euro verbraten sind, so und so viele Leute Pleite gemacht, psychisch zerstört sind oder Selbstmord begangen haben…) Wir wären dann wieder bei Null und könnten also das Spielchen bis in alle Ewigkeit fortführen.

Dann müsste man hoffen, dass möglichst bald ein Impfstoff zur Verfügung steht. Solche Überlegungen sind in diesem Modell aber noch nicht berücksichtigt. Hier haben wir erst einmal geprüft, was mathematisch am sinnvollsten wäre.

Eben. “Hoffen”. Und “noch nicht berücksichtigt”. Und deswegen ist diese isolierte “mathematische” Betrachtung einfach totaler Bullshit. Sorry. Nach diesem “etwas mehr als ein Jahr” des Wahnsinns mit allen wirtschaftlichen, psychischen und gesundheitlichen “Kollateralschäden” müsste man ja die Grenzen auch weiter zulassen. Kein Urlaub, keine Dienstreisen im Ausland mehr für Deutsche, keine Einreise mehr für Leute aus dem Ausland ohne mindestens zweiwöchige Quarantäne. Für immer. Solange nicht alle anderen Staaten auf der Welt das gleiche Szenario genauso strikt durchziehen.

Aber wer sagt, dass es nicht im nächsten Jahr eine neue Virus-Variante mit der gleichen Letalitäts-Rate gibt – die aber bislang eh ja noch gar nicht zuverlässig quantifiziert worden ist? (Vom übrigens theoretisch auch jederzeit denkbaren Szenario einer wirklich dramatischen Pandemie mit Letalitätsraten wie bei Ebola jetzt einmal völlig zu schweigen…) Ich muss da ganz offen sagen – obwohl ich mit meinen 55 Jahren ja auch schon ansatzweise zur “Risikogruppe” zähle: Es kann nicht sein, dass 99% (oder 99,9%?) der Bevölkerung ihr Leben auf unabsehbare Zeit in die Tonne kloppen, um möglicherweise das Leben von 1% (oder 0,1%?) der Bevölkerung etwas zu verlängern.

Mathematische Modelle mit “Ideallösungen” sind eine Sache – erst recht, wenn man einfach ganz elementare reale Parameter einfach erst mal salopp unter den Tisch fallen lässt. Realitische, politisch durchsetzbare Szenarien sehen anders aus. Das sind Abwägungen, in denen auch irgendwann Zumutbarkeiten und Verhältnismäßigkeiten eine Rolle spielen. So ist das auch verfassungsmäßig vorgesehen. Mit freischwebendem “Experten”- Herumgerechne ist jedenfalls auch niemand gedient.

Unfassbar dreiste Abzocke? Regionale EnergieWerke GmbH

Das hier aus einem Leserbrief in der aktuellen Finanztest-Ausgabe 2/2020 zieht einem so ziemlich die Socken aus:

Auf der ersten Seite dick eine super-tolle Preissenkung in Höhe von  0,01 Cent pro kWh, auf der zweiten Seite eine Preiserhöhung von 39,96€ jährlich auf 35€ monatlich, also völlig absurde 420€ jährlich – extra versteckt bzw. schwerer lesbar gemacht durch die ausgeschriebenen Ziffern. Klar, weil die saubere Firma ja “kontinuierlich in die Qualität unserer Dienstleistungen, reibungslose Abläufe und kundenorientierte Serviceleistungen” investiert.

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“Meine Damen, meine Herren – ich erwarte ihre Vorschläge für unser diesjähriges Kundenanschreiben!”

Wie gesagt, so etwas unfassbar dreistes hab ich schon lange nicht mehr gelesen. Ich kann da ähnlich wie bei Enkeltrick-Betrügern oder Online-Verschlüsselungs-Cyberganoven etc. nur staunen: Wie können solche Typen morgens noch in den Spiegel gucken, ohne dass ihnen die Ravioli vom Vortag wieder hochkommen? Wobei ja eindeutig Kriminelle noch wenigstens mit offenen Karten und einem angemessenen Einsatz spielen – wenn sie erwischt werden, landen Sie im Knast. An der Borderline der Legalität herumlavierende Sportsfreunde fühlen sich hingegen bei ausreichender moralischer Verrottung als ganz normale Geschäftsleute – zur Untermauerung dieses Eindrucks nach außen hin und für ihr in-den-Spiegel-schau-Problem tragen sie daher auch gern Anzug und Krawatte 🙂  (Cum-Ex 🙂 … )

Aber apropos juristischer Einordnung: Bei Online-Verbrauchergeschäften hat der Gesetzgeber ja mittlerweile dafür gesorgt, die Abzock-Versuche etwas zu erschweren. Da muss dann die komplette Summe deutlich genannt werden, inklusive aller Gebühren und Versicherungsleistungen, und der Kunde muss dann auf einen klaren Button klicken: “Jetzt zahlungskräftig bestellen”. Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass eine Preiserhöhung wie oben abgebildet, in der die Verteuerung ganz eindeutig und absichtsvoll verschleiert wird, rechtwirksam sein kann, wenn der Kunde nicht sofort und ausdrücklich widerspricht. (Nebenbei, wie will denn das Unternehmen überhaupt nachweisen, dass der Schrieb dem Kunden tatsächlich zugegangen ist?)

Also, ich hoffe mal, dass das juristisch nicht haltbar sein würde (wobei nur ein Bruchteil von Kunden, die die Erhöhung wie geplant überlesen haben, den Rechtsweg einschreiten wird – auch das gehört natürlich wiederum zur Kalkulation der ganzen Masche dazu…). Ich hoffe das sehr – sonst müsste ich wieder mit dem Herumbrüllen anfangen wie in der ersten Version dieses Textes 🙂

Friedrich Merz will reden. Darf er natürlich auch. Nur mit der Kanzlerschaft wird das definitiv nix.

Die CDU hat’s auch schwer. (“Auch”; weil die SPD es ja nun mal definitiv total schwer hat…) Da ist zwar eine Kanzlerin, die seit zig Jahren im Amt ist und dabei gar nicht mal so eine schlechte Figur abgegeben hat; selbst für nicht-CDU-Wähler… Andererseits klar: Die Partei ist unter Angela Merkel massiv nach links mitte rübergeschwenkt; auf einstige SPD-Positionen. Dazu noch die “Wir-schaffen-das-Flüchtlings-Aktion” – das ist schon harter Tobak für viele Bürgerinnen und Bürger draußen im Lande.

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Allerdings: Wenn nun ein Heuschrecken-Profiteur und Besserverdiener wie Friedrich Merz meint, er könne künftig wieder irgendeine größere Rolle in der ehemaligen Volkspartei spielen, dann ist dies ziemlich grenzwertig. Möglicherweise hat Merz eine gewisse Expertise in wirtschaftlichen Zusammenhängen, möglicherweise hat er auch recht in der Bewertung bestimmter Dinge – von einer übergeordneten, elitären Perspektive aus nämlich. Das finden auch ein paar Leute mit übergeordneter, elitärer, besserverdienender Perspektive toll.

Das Wahlvolk allerdings ganz bestimmt nicht. Ohne über irgendwelche anderen Figuren richten zu wollen, die vielleicht auch nicht so ganz super performen, wie dies (aus CDU-Perspektive…) eigentlich zu hoffen stand: Friedrich Merz ist auf jeden Fall definitiv nicht massen-wählertauglich. Nicht mal bei der CDU. Die Sache ist die: Der programmatische Schwenk unter Angela Merkel ist ja nicht aus Jux und Dollerei passiert, sondern hat gesellschaftliche Veränderungen abgebildet. Die ganz großen konservativen Milieus, die früher mal eine gewisse Stammwählerschaft der CDU abgegeben haben – die gibt es schlicht nicht mehr.

Rechts von der CDU hat sich nun die AfD etabliert. Die wird möglicherweise von Leuten gewählt, denen die CDU mittlerweile “zu links” oder zu progressiv ist. Aber die sind garantiert weder elitär noch besserverdienend und ganz bestimmt keine Merz-Wähler. Ob die ehemaligen Volksparteien aus dieser Klientel tatsächlich nennenswert Wähler zurückgewinnen können, ist sehr fraglich. Ansonsten bleiben halt die übrigen 70% der Bevölkerung, die sich aber in ihren Lebensumständen und Ansichten so weit angenähert haben, dass in Prinzip alle Parteien für ein Kreuzchen in Frage kommen. Im Grunde alles potentielle Wechselwähler.

Und da muss halt eine Kandidatin oder ein Kandidat vor allem eines mitbringen: Eine Ausstrahlung, ein Image, das maximal integrativ wirkt. Winfried Kretschmann hat so eine Ausstrahlung, Friedrich Merz ganz bestimmt nicht. Und so einen Imagewechsel kann man auch nicht glaubwürdig hinbekommen. Das nicht zu erkennen ist eigentlich ein Armutszeugnis für die unbestreitbare Intelligenz des Kandidaten. Also mal meine Diagnose und mein Ratschlag (für etwaige Honorarzahlungen nenne ich gern auf Anfrage meine Kontonummer…): Ein Ministeramt (Wirtschaft/Finanzen) in einer künftigen Regierung wär doch problemlos drin. Die Kanzlerschaft: no way.

Nachklapp 7.11.2019 – angeblich sehen ja 42% der Wähler laut ARD-Deutschlandtrend Friedrich Merz als “guten Kanzlerkandidaten” vorne. Martin Schulz ist ja bekanntlich auch souverän und ungefährdet Kanzler geworden.

Nachklapp 11.2.2020 – AKK hat es endgültig vermasselt. Aber dass die Heuschrecke trotz des Rückzugs vom Heuschrecken-Posten endgültig Massen- und Volkspartei-kompatibel geworden ist, das glaube ich immer noch nicht. Wobei ich mit vielen Merz-Positionen durchaus was anfangen kann. Aber ich bin ja auch erstens reaktionär und elitär und zweitens bestimmt kein AfD-Wähler 🙂

Erbärmliche Hunde. Tapfere Hunde. Und der galoppierende (oder hechelnde) Wahnsinn.

Ich war gerade bei Freunden zu Besuch; die haben einen Hund. Beziehungsweise eine Hündin. Eine Französische Bulldogge, also ein mopsartig zu einer kindchen-schematischen Physiognomie herangezüchtetes Wesen. Der kleine Kollateralschaden für die Tiere selbst ist dabei wohl eine ziemlich happig behinderte Atmung, wie man so liest. Aber wie dem auch sei, die kleine Hundedame verhält sich auch ihrem Äußeren entsprechend: Sie kommuniziert fortwährend mit freundlich sorgenvoller, stets bettelnder Miene mit allen anwesenden Zweibeinern, stellt ihre Pfoten auf den Tisch, den Schoß, den Unter- oder Oberkörper der Zweibeiner (je nach dem die sitzen oder stehen…).

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Das kann man mögen oder auch nicht. Fest steht auf jeden Fall: Die Mops-artige Hundedame ist völlig ungefährlich. Trotzdem; so die Beobachtung der Halterin: In der Straßenbahn führt die Anwesenheit der Hundedame zu fluchtartigen Absetzbewegungen bestimmter Personengruppen. Und zwar solcher Personengruppen, die offenbar dem muslimischen Glauben huldigen. Wir haben da mal ein kurzes Brainstorming durchgeführt: Vielleicht gibt es ja in den Herkunftsländern besagter Personengruppen größere Populationen von Straßenkötern, denen man besser ausweicht?

Aber nein. Nach einer kurzen Netz- und Wikipedia-Recherche konnten wir als gesichert erachten: Der Hund ist dem Moslem unrein. (Was ja nicht völlig unnachvollziehbar ist…) Als Jagdgefährte oder Wach-Beauftragter ist der Köter zwar ok, aber nicht als Haus- oder Straßenbahngenosse. Wenn wir diesen kleinen kulturellen Background berücksichtigen, haben natürlich die Anmerkungen des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump anlässlich der Tötung bzw. des Ablebens des Anführers des sogenannten “Islamischen Staates” Abu Bakr al-Bagdadi eine ganz besondere Note:

“Al-Baghadi war krank und verdorben. Er starb wie ein Hund, als Feigling, in totaler Panik vor den amerikanischen Streitkräften.”

Ein richtiger unreiner Drecks-Köter halt, dieser Bagdadi. Obwohl natürlich so eine Wortwahl einem Christen wie Donald Trump eigentlich nicht so ganz super gut ansteht. Wobei Donald Trump ja nicht nur ein einfacher Christ ist, sondern sogar vom christlichen Gott für sein wunderbares Wesen und Wirken speziell auserwählt und gesegnet worden ist: davon sind jedenfalls seine Kumpels am Tisch im Oval Office zutiefst überzeugt. (Für mich wieder mal ein handfestes Indiz für die Nichtexistenz des Allmächtigen, sonst wäre hier doch eindeutig ein himmlischer Blitz angezeigt gewesen.)

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Wir lassen das also einstweilen dahingestellt, ob ein real existierender Gott die Arschkriecher und Schleimscheißer und den nicht-mit-der-Wimper-zuckenden ondulierten Gebenedeiten hätte hinwegfegen müssen. Der Drecks-Sack und -Köter Al-Bagdadi starb auf jeden Fall wie ein räudiger, winselnder Hund. Interessanterweise hat dabei offenbar noch ein tapferer, vermutlich fortwährend die amerikanische Nationalhymne hechelnder US-Spezialeinheiten-Helden-Hund mitgewirkt. Der den Dreckshund Bagdadi in den Schacht gehetzt hat, wo der Islamisten-Hund dann feige und panikartig den Sprengstoffgürtel gezündet und den tapferen Spezialkräfte-Hund verletzt hat. Oder so.

Natürlich operiert der Helden-Hund (mit deutschen Wurzeln, das darf ich mal kurz anmerken!!) normalerweise inkognito, weil die gottverfluchten Moslems ihn sonst propheten-gegebenerweise vielleicht killen und zu Chop-Soey verarbeiten würden. Und das wär ja schade, weil der Helden-Köter vielleicht noch andere Drecksschweine; ach nein, islamistische Drecks-Köter aufstöbern und in den gottverdammten panikhaften Tod treiben könnte. Der Helden-Hund hat also an sich eine große nachvollziehbare Motivation, seine Identität nachhaltig geheim zu halten. Aber ok, bei so einem Erfolg kann man das Geheimnis auch mal lüften. Zumal wenn das irgendwie dem Image des POTUS frommen könnte. Außerdem hat der schon zig andere Militärgeheimnisse ausgetwittert…

Es gibt natürlich ein paar Leute, die halten auch Donald Trump für einen dreckigen Hund oder ein dreckiges Schwein. Man kann auch bestimmt lange und trefflich darüber nachsinnen, wie jetzt die Unterhose des Arschlochs al-Bagdadi ausgesehen hat, damit ein kurdischer Unterhosen-Spezialagent (kurze Zeit später per US-Präsidenten-Anordnung von in-die-Hose-machen-müssenden ehemaligen Kampfgenossen verraten…); die CIA oder wer auch immer daraus die tödlich identifizierenden DNA-Spuren gewinnen konnte.

Hätte er sich mal den Popo besser abgewischt, dann wäre der feige Islamisten-Hund vielleicht vom tapferen Spezial-Hund nicht zur Strecke gebracht worden. Wobei das im syrisch-irakischen Feld auch etwas schwieriger ist als im kuschelig warmen Weißen Haus. So. Jetzt kommen wir mal allmählich, nach diesen ganzen Erwägungen und Erörterungen zum Fazit: Es gibt vielleicht einige Leute, die dies alles für Wahnsinn halten. Dass sowas passiert und dann von (irgendwann in ferner Vergangenheit mal…) staatstragenden Akteuren in die Welt rausgepustet und rausgetwittert wird. Ich denke das übrigens auch. Trotzdem musste das mal erörtert werden.

Ich bin auch noch nicht ganz sicher, welche Figur Donald Trump machen wird, wenn er mal eine geladene Wumme an den Kopf gehalten bekommen sollte und es nur noch ein paar Sekunden dauert, bis herauskommt, ob da ein Gehirn in seinem Schädel ist oder ein Vakuum oder ein unappetitlich unreiner brauner Haufen (natürlich, der Secret Service und der Allmächtige möge dieses theoretische Szenario verhüten…): Die eines feigen Drecksack- oder die eines tapferen Präsidenten-Spezial-Hundes? Wuff. wuff. Wahnsinn. Tschuldigung für diesen Text.

Unfassbare Abzocke. Unfassbare Blödheit und Gier.

Die neueste Anlagebetrug-Abzocke, die Tagesschau.de heute morgen gemeldet hat –  die hat schon ganz amtliche Ausmaße. Hunderte Anzeigen, zig Tausende Betroffene mit jeweils happigen “Anlage”-Summen im fünfstelligen Bereich – da kommen schon ganz nette Summen zustande… Der totale Wahnsinn:  Zocker-Plattformen für Geschäfte auf Optionen oder Futures sind eh schon etwas spekulativ 🙂 – insofern war/ist (die Plattform ist immer noch online…) die Warnung von “Option888.com” sehr ernst zu nehmen – bei den Trading-Geschäften kann ein Totalverlust auftreten, die Betreibergesellschaft haftet da logischerweise nicht für.

Freischwebend traden auf der Überholspur. Mit 0 Ahnung und 100% Geld-weg-Garantie. (Screenshot option888.com)

 

Der Witz ist nur – die Wixer von Option888.com und den anderen Plattformen haben mit dem Geld ihrer irren Kunden überhaupt nie getradet – die Kohle war sofort weg. Wenn man da mal ein bisschen googelt – und das hätten natürlich auch die armen Schlachtopfer der letzten Jahre tun können – das Strickmuster war immer identisch: Die aus den Social Media angekoberten Opfer haben da Kohle überwiesen. Dann ist eine angeblich gewinnbringende Transaktion passiert – der Kontostand in der famosen App bzw.dem Online-Konto ist hochgegangen.

Dann haben die Wixer das Opfer kontaktiert – das sollte doch bitte mehr anlegen, wo das Ganze doch so gut lief :)… Manche Wahnsinnige haben dem famosen Unternehmen eine Einzugsgenehmigung  auf ihre Kreditkarte eingeräumt, oder dem famosen persönlichen Berater freie Hand bei den Options- und Futures- und Cyberwährungstransaktionen gelassen. Weil das lief ja so gut. Auf der Fake-Website.  Da mal eben einen Wertzuwachs anzuzeigen, ist natürlich offen gestanden nicht so schwer.

Interessant wurde es ja jeweils, wenn irgendwelche “Anleger” mal versuchten, einen Teil ihrer Kohle wieder abzuziehen. Erfolgsrate: Null. Und das schon seit zig Jahren. Klar- bei einem (angeblichen…) Guthaben von 50.000 Euro musste eine Auszahlung ja erst “genehmigt” werden; das konnte dauern. Oder die eigentlich befasste Mitarbeiterin stellte sich als zugegebenerweise unfähig heraus; ein anderer Mitarbeiter übernahm und forderte aber erst mal eine neue Geldeinlage. Danach war dann wieder die unfähige Mitarbeiterin dran, die nun eine Klärung der Unstimmigkeiten  versprach.

Oder der mit “freier Hand” bei Transaktionen beauftragte Mitarbeiter tradete mal eben eine gewaltigen Verlust herbei – das könnte bei “freier Hand lassen” ja tatsächlich auch ohne bösen Willen passieren. Hier bei den famosen Betrügern rund um den famosen “Karsten L.” waren das aber einfach dreckige Abzock-Wixer, die überhaupt nie irgendwelche realen Transaktionen durchgeführt haben – das Konto und der Kontostand der Opfer war von vonherein einfach nur virtuell. Noch mal ganz klar – die Abzocke war eigentlich schon seit zig Jahren offensichtlich, es gab eine Bafin-Warnung bzw. ein Bafin-Verbot.

Bei so schönen Apps muss der Laden doch seriös sein. (Screenshot: option888.com)

Und was passierte von Seiten der Behörden bzw. der Polizei? Offenbar nix, über zig Jahre, in denen die Sachlage auch schon klar war. Ich weiß jetzt momentan noch nicht, wer eigentlich den heftigeren Schlag in die Fresse braucht. Die “Opfer”, die allen Ernstes bei einem risikolosen ZIns von 0% ihre Kohle in irgendwelche tollen Deals reinstecken, die 4, 5, 6; oder fantastilliarden % Rendite versprechen. Pro Monat bzw. Tag bzw. Trade; versteht sich. DIE RENDITE GIBT ES NICHT, IHR SCHWACHMATEN!!!  Oder die Betrüger, die ja “nur” gutgläubige, gierige Leute ausgenommen haben, die offenbar zuviel Geld hatten.

Aber nein – die Schuldigen in dieser Geschichte sind natürlich ganz eindeutig nicht die Opfer, sondern die unverschämten Betrüger; mit ihrer schillernden Vorgeschichte, dem unerhörten (aber natürlich in Relation zur abgezockten Kohle ausgesprochen angemessenen…) Aufwand  zur Täuschung, der unverschämten Dreistigkeit, bereits angekoberte und dann Verdacht schöpfende Opfer noch weiter auszumelken. Für so eine unverschämte Dreistigkeit kann ich eigentlich nur sagen: Arbeitslager und jeden Morgen Schläge auf die Fußsohlen und den Arsch. Ach so, ist nicht vorgesehen in unserem Rechtsstaat? Schade.

Warum der Journalismus Probleme hat. Angeblich. Tatsächlich. Oder auch nicht.

Immer weniger Leute sind bereit, für Journalismus bzw. Online-Nachrichten Kohle rauszurücken. Das ist (so ungefähr…) die Erkenntnis aus einer Studie des “Reuters Institute for the Study of Journalism”, die bei Telepolis referiert wird. Jetzt muss man ganz kurz erst mal festhalten: Zwischen Online-Nachrichten und Journalismus besteht noch ein ganz kleiner Unterschied. Für pure Nachrichten Kohle rauszurücken, da bin ich (als Privatperson…) auch ganz ehrlich gesagt nicht bereit. Also für reine Agentur-Meldungen a la “Kanzlerin Merkel hat sich heute mit dem Präsidenten von West-Belutschistan getroffen. Die Unterredung dauerte eine Minute länger als geplant.”

Selbst das ist eigentlich schon Quatsch, denn eine nüchterne Agentur-Meldung ist insofern schon durchaus werthaltig, als sie eben unter Einhaltung von gewissen Qualitätskriterien von professionellen Agentur-Journalisten erstellt wird. Soll heißen: der Typ oder die Typin, die diese kurze Notiz verbrochen hat, war tatsächlich vor Ort oder hat die Message aus definitiv vertrauenswürdigen Quellen erhalten. Und in der Nachrichtenagentur hat noch mal jemand professionell drüber geschaut, ob die Meldung plausibel ist und plausibel formuliert ist. Mit anderen Worten: Sie können als Leser(in) ziemlich sicher sein, dass Angela Merkel tatsächlich den Präsidenten von West-Belutschistan getroffen hat.

Leider besteht ein Großteil des Journalismus, der in der Presselandschaft angeboten wird, nur noch aus Agenturmeldungen. Das heißt, egal ob Sie den Kölner Stadtanzeiger lesen oder das Winsen-an-der-Luhe-Lokalblättchen; Sie bekommen stets die gleichen Einheits-Artikel. Das ist definitiv traurig, aber natürlich eine Folge der stetigen Einnahmeverluste in der Presse (Kostensteigerung, rückläufiges Anzeigengeschäft, rückläufige Auflagen…) und des daraus resultierenden konstanten Sparzwangs. Als (privilegierter…?) Journalist im öffentlich-rechtlichen Rundfunk kann ich dies zunächst einmal nur konstatieren…

“Journalismus” in der Abgrenzung von “Online-Nachrichten” hat natürlich noch mal einen Mehrwert. Nämlich den der Einordnung einer “News” in einen fachlichen oder chronologischen Hintergrund. Bezeichnend ist ja ein Kommentar bei Telepolis, den ich hier zitiere – obwohl der/die Urheber(in) “macOS6000” bei Betrachtung seiner/ihrer Post-Historie einen starken Troll-Verdacht hinterlässt:

Weil halt Informationen überall zur Verfügung stehen. Man braucht keine Druckerpresse mehr. Fast alles kann mit Sonden, Kameras in Echtzeit erfasst werden, sogar Gravitationswellen sind jetzt drin. Informationen müssen nicht mehr von einer kleinen Gruppe gesammelt, sortiert und dann präsentiert werden. :-D

Die Leute brauchen halt keine andere Menschen mehr, die für sie denken.

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Liebe(r) macOS6000 – wir Journalisten/Journalistinnen wollen oder erheben gar nicht den Anspruch, für Sie zu denken. Wir sind pure Dienstleister. Können Sie selbst etwas mit Rohdaten aus einer Gravitationswellen-Erfassung anfangen? Oder mit dem wissenschaftlichen Paper der Physiker, die ihre Forschung in einem wissenschaftlichen Fachblatt in Englisch veröffentlicht haben? Ja? Herzlichen Glückwunsch! 99% der Menschen können das nicht, und für diese Menschen sprechen meine Kollegen, die z.B. promovierte Physiker sind; oder ich selbst mit den Autoren solcher Studien und versuchen das Ganze allgemein verständlich in einem 4-Minuten-Radiobeitrag darzustellen.

Haben Sie die totale Checkung, was in West-Belutschistan in den vergangenen Monaten passiert ist? Wahrscheinlich nicht, wenn Sie nicht der absolute Überflieger sind und keinem geregelten Berufsleben nachgehen. Bei uns Journalisten schreibt aber (hoffentlich…) jemand über das Thema, der/die zumindest eine rudimentäre Checkung hat, was in West-Belutschistan so abgeht. Und dann wird das noch mal gegengelesen von jemand anders, der auch so eine rudimentäre Checkung hat. Das alles heißt nicht, dass wir keine Fehler machen oder auch unter Zeit- und Spardruck stehen.

Aber Sie selbst kaufen Ihre Brötchen doch wahrscheinlich auch beim Bäcker. Und kochen wahrscheinlich nicht so gut wie ein professioneller Koch in einem Restaurant, von der Eckkneipe zum Gourmet-Tempel aufsteigend… Wir professionellen Journalisten bieten Ihnen einfach eine Dienstleistung, genau wie der Bäcker oder der Koch. Sie können davon ausgehen, dass das, was wir abliefern, so einigermaßen genießbar und korrekt ist. Das spart Ihnen einfach eine Menge Zeit – alle Informationen selbst nachzuchecken und zu bewerten, ist genauso unrealistisch, wie alle seine Brötchen selbst zu backen.

Definitiv gibt es im Journalismus Leute mit “ich-erklär-euch-die-Welt-Gestus”. Definitiv gibt es Leute mit Parteibuch und ideologischen Scheuklappen. Aber das kann man ja individuell kritisieren und belegen. Zu den Typen aber, die alle journalistischen, mehr oder weniger qualitativen Brötchen/Beiträge von vornherein als “Fake-News” abtun – da kann ich nur sagen:  Vielleicht ist da in Ihrer Biografie und Ihrem Weltbild etwas schiefgelaufen. Sie haben nicht mehr alle Tassen im Schrank. Oder sind ein (wenn bezahlter; dann herzlichen Glückwunsch…) Troll.

Die grundsätzlichen Fragen der Reuters-Studie sind natürlich auch noch mal bedenkenswert: Will ich das wirklich wissen, dass gestern in Thailand 199 Menschen bei einem Flugzeug-Absturz ums Leben gekommen sind? Früher, sagen wir mal im Mittelalter, hätte ich nie davon gehört. Die Nachricht belastet mich irgendwie; und andererseits kann ich sie emotional nicht einordnen oder verarbeiten, weil ich eigentlich nicht die geringste Beziehung zu den Opfern habe. “Zu einem besseren Ort” bringt mich eine Nachricht darüber garantiert nicht.

Nur leider sind halt Nachrichten tendenziell negativ: Wenn hundert Leute einen schönen Tag beim Apfelsaft-Festival in Winsen an der Luhe hatten, dann ist das eher keine Nachricht. Wenn hundert Leute über Winsen an der Luhe mit einer Boeing 737 Max abstürzen, dann eher ja. Wie stark Sie sich diesen tendenziell negativen Nachrichten aussetzen wollen, das bleibt natürlich Ihnen überlassen. Aber total den Kopf in den Sand stecken bringt auch nichts – wenn Donald Trump dafür sorgt, dass Huawei gebannt wird, dann bekommt im Zweifelsfall auch Ihr Handy kein Android-Update mehr…

Also mal das Fazit: Wir Journalisten sind Dienstleister wie Bäcker und Köche. Wir bieten Ihnen Leistungen, die Sie im Ideal- oder Ausnahmefall auch selbst hinbekommen könnten. Aber Sie haben ja möglicherweise auch selbst einen Beruf und von daher nur noch begrenzte Zeit bzw. Ressourcen. Wenn Sie Bauingenieur sind, dann versuche ich ja auch Ihre Expertise nicht selbst zu errechnen. Wenn Sie Bäcker sind, kaufe ich meine Brötchen bei Ihnen, Wenn Sie Koch sind, esse ich bei Ihnen. Das alles hat seinen Preis, vollkommen legitimerweise. Und das gleicht sich ja insgesamt einigermaßen aus.

Außer, Sie sind der totale Voll-Checker. Können Gravitations-Physik-Meldungen einordnen, kennen sich in West-Belutschistan aus, können backen und kochen. Herzlichen Glückwunsch!

Ich glaub Ihnen nur kein Wort. Oder sagen wir mal: Sie sind nicht repräsentativ. Oder ein Troll.

Das Glyphosat-Gutachten und das Informationsfreiheitsgesetz

Heute gab es ja so ein ziemlich irritierendes Urteil bzw. eine “einstweilige Verfügung” vom Landgericht Köln (das für seine konservative, um das mal vorsichtig auszudrücken…)Tendenz bekannt ist und deshalb auch von den Anwälten des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) bzw. der übergeordneten Behörde, des Bundeslandwirtschaftsministeriums gerne als Gerichtsstand ausgewählt wird…) Meiner Meinung nach ist der Spruch völlig irre; ebensowie die Idee des Ministeriums, von Beamten oder anderen öffentlich besoldeten Mitarbeitern erstellte Gutachten der interessierten Öffentlichkeit mit dem Argument “Urheberrechtsschutz” vorzuenthalten…

Ich würde jetzt allzugern auf den Link klicken, den die in dieser Sache aktive Gruppe “Frag den Staat” propagiert und das Glyphosat-Gutachten selbst anfordern und die bescheuerten Paragrafen-Reiter etwas lahmlegen – leider bin ich nicht so ganz sicher, ob das dann tatsächlich kostenfrei ist oder ob die Ministeriums-Vollhorste mir dann 500 Ocken abzuzocken versuchen… Nach heldenhafter Vernachlässigung ihrer sonstigen Aufgaben und erzwungener Hingabe an die Anforderungen einer sicherlich missbräuchlich aufgehetzten Internet-Renegaten-Crowd.

Aber ich bin da feige; das Gebühren-Risiko der Behörden-Horste ist mir etwas zu teuer; das politische Leben ist eh gerade ziemlich pittoresk (Brexit….) Deswegen postuliere ich das mal hier gratis: Das Landwirtschaftsministerium geriert sich meiner Meinung nach (mit der teuren Beauftragung privater, externer Anwaltskanzleien) als Informationsfreiheits-Arschloch -Verhinderer/Abschrecker; die einstweilige Verfügung des Landgerichts Köln ist rechtsfehlerhaft.

“Geliefert wie bestellt” – der Fall Relotius

In unserer schönen neuen Welt der allseits erwarteten Perfektheit, des ständigen Abgleichs des eigenen Selbst, des eigenen Äußeren oder des eigenen Schaffens mit dem vermeintlich perfekten Selbst oder Äußeren oder Schaffen von anderen, des “Mitbewerbs” also im Leben oder im Beruf; in den Zeiten der ständigen Selbstvergewisserung anhand von “Likes”, Followern oder Abonnenten ist das Aufhübschen der Realität zum völlig normalen Verhalten geworden. Und irgendwie (wobei bei allen Beteiligten das Ausmaß der Einsicht gerne situationsabhängig schwankt…), irgendwie weiß ja jeder: Das ist nicht die Realität, das ist eigentlich gar nicht so glamourös. Das ist eigentlich gar nicht so schön. Das ist gar nicht so eindeutig. Das ist eigentlich gar nicht so spannend.

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Es gibt ja bei Instagram oder auf anderen Plattformen etwas, das man “Food Porn” nennt, und der Gedanke hinter dieser semantischen Schöpfung passt natürlich auch auf andere Diszipline; auch “Beauty Porn”, “Fashion Porn”, “(Extreme-) Sport Porn” oder “Travel Porn” (ich erhebe mal sofort Leistungsschutzanspruch auf all diese Neuschöpfungen…) sind also völlig normale, völlig gebräuchliche Realitäts-Aufhübschungen. Und, das jetzt mal meine These aus gegebenem Anlass, es gibt auch “Journalismus- oder Reportage-Porn”.

Claas Relotius’ Reportagen sind unglaublich detailliert ausrecherchiert und eindringlich geschildert und fast schon als Literatur zu bezeichnen. (Aus der Laudatio des Jurors Gero von Boehm bei der Verleihung des Reemtsma Liberty Award 2017)

Eben. Fast schon Literatur. Die Subjektivität ist ja eh eingepreist, ist ja eh konstituierendes Stilmittel bei der “Königsdisziplin” Reportage.

Die Reportage stellt ein spezielles Ereignis oder ein Geschehen so dar, wie es die Autorin/der Autor miterlebt hat und wahrnimmt, um es den Leserinnen und Lesern auch emotional nahezubringen. (Bayerischer Rundfunk: Journalistische Textsorten)

Und natürlich lernt man als junge(r), aufstrebende(r) Journalist(in) auf den entsprechenden Journalistenschulen, bei den Voluntariaten der Zeitungen und Sender, wie das handwerklich gemacht wird.

Generell gibt es keine Standardstruktur oder Musterlösungen für eine gute Reportage, doch lässt sie sich grob in drei Bereiche gliedern: Einstieg, Hauptteil und Ausstieg. Für den Einstieg eignen sich besondere Szenen. Sie sollten den Leser neugierig machen und möglichst Ort, Zeit und handelnde Personen einzuführen. (Journalist-werden.de: Schreibwerkstatt, Teil 3)

So zum Beispiel:

An einem Dienstagmorgen im Januar, vier Tage nachdem Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt worden ist, steht neben dem Willkommensschild am Ortseingang noch ein zweites Schild, halb so hoch, aber kaum zu übersehen. Jemand muss es in der Dunkelheit aufgestellt haben. Auf diesem Schild, aus dickem Holz in den gefrorenen Boden getrieben, steht in großen, aufgemalten Buchstaben: “Mexicans Keep Out” – Mexikaner, bleibt weg. (Claas Relotius, “Wo sie sonntags für Trump beten“)

Super; nur, dass der Reporter sich das Schild ausgedacht (wieso gab es eigentlich kein Foto davon, und wieso hat die Spiegel-Doku-Abteilung danach eigentlich nicht gefragt oder nachgeforscht?) und noch so ein paar andere Sachen erfunden hat. In den Reportagen von Claas Relotius gibt es offenbar auch als immer wiederkehrendes Stilmittel Musik: Lieder, Songs, die die Protagonisten vielsagend oder rührend selbst anstimmen oder – natürlich, darunter geht’s nicht – in einer Endlosschleife hören. Anscheinend momentan ein regelrechter Fake-Marker bei seinen Stücken. Ansonsten natürlich: Handwerkszeug.

Wenn ich einen Satz sehe wie “draußen beginnen die Hunde zu bellen”, höre ich sofort auf zu lesen. (Ein hellsichtiger Kommentator im SPON-Forum)

Es gibt offenbar auch Leser/Hörer, die unsere journalistischen Handwerks-Stereotype durchschauen; wir Journalisten selbst tun dies natürlich auch – aber in der Rolle als abnehmende Redakteure fordern wir die paradoxerweise, und ohne übermäßige Anforderungen an deren Plausibilität oder Belegbarkeit zu stellen ein. Die Geschichte, das “Storytelling” muss halt natürlich “rund” sein, und anschaulich. Einstieg-Hauptteil-Austieg, der Bogen muss da sein. Oder notfalls zusammengedrechselt werden.

Er steigt mit ihr hinab in den Keller, der nach Schweiß stinkt, über eine Treppe mit 15 Stufen, so steht es da: 15 Stufen, weil Relotius gelernt hat, dass exakte Zahlen die Glaubwürdigkeit des Geschriebenen erhöhen. (SPIEGEL legt Betrugsfall im eigenen Haus offen – Eine Rekonstruktion in eigener Sache von Ullrich Fichtner)

Und, weil der/die abnehmende Redakteur(in) das geil findet und das natürlich genauso wie sein/ihr Autor, womöglich sogar auf der gleichen Journalistenschule gelernt hat; klar, die Zahl der Treppenstufen ist unerlässlich – obwohl eigentlich niemand, kein normaler Mensch in der normalen Situation in Syrien oder sonstwo auch nur im entferntesten auf die Idee kommen würde, die bescheuerten Treppenstufen mitzuzählen. Ist selbstverständlich auch fuckegal, ob das 15 oder 14 oder 16 sind. Bullshit; Reporter-Porn halt.

Natürlich ist der Fall – leider – Wasser auf die Mühlen der Fake-News-Apologeten.

Damit die Szenen nicht beliebig wirken, ist es wichtig sich vor dem Schreiben eine These zu überlegen. Diese These ist das Ergebnis der vorherigen Recherche, also die Quintessenz aller Interviews und Beobachtungen, die man im Vorfeld geführt bzeziehungsweise gemacht hat. Anhand dieser These wählt man die Szenen für die Reportage aus. Passt eine Szene nicht zur These, sollte man sie weglassen. (Journalist-werden.de: Schreibwerkstatt, Teil 3 – für die Schreibfehler der Schreibwerkstatt kann ich übrigens nix 🙂  )

Oder eine passende hinzuerfinden 🙂 Ganz ohne Zweifel hat der Spiegel eine These, eine vorgefasste Agenda. Möglicherweise ist das gerechtfertigt, möglicherweise passt die Agenda auch zum angepeilten Zielpublikum; oder möglicherweise ist die Agenda und die Erwartungshaltung an die Autoren in Wirklichkeit aber auch kontraproduktiv und führt zum Mechanismus “geliefert wie bestellt”. “Sagen, was ist.” Nicht, sagen, wie wir gerne hätten, dass es sei. Das gilt natürlich auch für mich und meine Kolleg(inn)en beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Die Erklärungen von Claas Relotius selbst, er habe da unter Erfolgsdruck gehandelt, die kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Er hat halt in der “Königsklasse” mitspielen wollen und auch bei den entsprechenden gutdotierten Preisen, die systemimmanent “Porn-verdächtig” sind (ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn man jetzt alle preisgekrönten Reportagen der letzten Jahre auf die wirklich minutiös nachprüfbaren Fakten bis zum “ihre zusammengepressten Knöchel werden weiß” nachprüft…). Die Verlockung und das Problem sind systemimmanent, und ich sehe es genauso wie die “Salonkolumnisten” – selbst die an sich lobenswerte Aufarbeitung des Falls beim Spiegel bedient sich wiederum der Stilmittel, die den Fall erst miterzeugt haben.

Und mal an Claas Relotius selbst gerichtet – ich kenne Sie nicht, aber laut allen Einschätzungen ihrer Kollegen sollen Sie ein äußerst angenehmer, bescheiden auftretender, sympathischer Zeitgenosse sein. Tun Sie sich nichts an, verzweifeln Sie nicht; auch wenn Ihre Karriere als Journalist mit der Angelegenheit höchstwahrscheinlich beendet sein sollte. Holen Sie sich Hilfe – und dann wechseln Sie; vielleicht ja zunächst unter Pseudonym, ins literarische Fach. Denn Sie schreiben ja einfach richtig gut, nur bislang im falschen Genre.