Schlagwort-Archive: Deutschlandfunk Nova

Die Autos in Google Street View liefern verlässliche demographische Informationen

Eine komplette Volkszählung ist ja speziell bei uns hier in Deutschland immer noch ziemlich unpopulär – aber trotzdem ist klar: Es ist schon sehr wichtig und aufschlussreich zu wissen, wer z.B. in einem bestimmten Stadtviertel so wohnt; wie hoch da das durchschnittliche Einkommen ist, der Bildungsstand, die Arbeitslosenrate. Auch wenn man sich nur auf Stichproben stützt: Verlässliche demographische Daten zu sammeln, ist bislang ziemlich aufwendig und teuer. Es gäbe aber eine einfache und sehr billige Alternative, sagen amerikanische Wissenschaftler: Einfach bei Google Street View nachgucken, was dort, auf den Aufnahmen für Autos herumfahren und herumstehen.

Die Grundidee ist natürlich schon auf den ersten Blick einleuchtend und nachvollziehbar – wenn da in einem Stadtviertel am Straßenrand überwiegend Porsches, Mercedesse und BMWs parken, dann wohnen da wohl eher gutbetuchte Leute. Und in einem Viertel, wo uralte Schrottkarren vor sich hinrosten, da sieht es eher anders herum aus. Jetzt haben Informatiker u.a. von der Stanford University diesen intuitiven Ansatz einmal in großem Maßstab ausprobiert – natürlich automatisiert, mit sogenannter Künstlicher Intelligenz. Die Wissenschaftler haben Google-Street View-Ansichten von 200 Städten in den USA ausgewertet, insgesamt 50 Millionen Einzelbilder.

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Dem KI-Algorithmus haben die Forscher zunächst einmal beigebracht, Automodelle (und deren Baujahre…) aus allen Perspektiven zu erkennen – dann haben sie sich für einen kleinen Teil der untersuchten Städte oder Bezirke demographische Daten aus anderen Quellen besorgt und dann ihr Deep-Learning-Programm von der Leine gelassen: Wie korrelieren denn die demographische Daten zu den auf Street View beobachteten Automodellen? Offenbar sehr gut und sehr aussagekräftig. Wohlgemerkt – das alles ist nur Statistik. Aber ab einer bestimmten größeren Zahl kommt die Statistik der Realität schon ziemlich nah. 🙂

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 29.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Datenschutzaktivist Max Schrems gründet „NOYB“ -„none of your business/geht dich nichts an“

Max Schrems ist mittlerweile kein Unbekannter oder Exot mehr; das ist dieser junge Jurist aus Österreich, der sich seit 2011 mit Facebook angelegt hat. Nicht aus Jux und Dollerei, sondern aus gutem Grund, und das äußerst hartnäckig und erfolgreich – da passt das etwas abgedroschene Bild vom Kampf David gegen Goliath wirklich. Mittlerweile, nach mehreren Verfahren durch alle Instanzen bis hinauf zum Europäischen Gerichtshof haben Facebook und die anderen Big Player im Internet das Anliegen und die Botschaft von Max Schrems verstanden bzw. verstehen müssen: Wenn ein Unternehmen hier in Europa mit europäischen Nutzern Kohle machen will, muss es sich auch an europäische Gesetze und Datenschutzvorschriften halten.

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Bislang hat Max Schrems seinen Streit quasi im Alleingang (wenn auch schon mit finanzieller und personeller Unterstützung und “Sympathien” bis hinauf zur EU-Kommission…) geführt. Jetzt hat er eine Organisation gegründet, die die dabei gesammelten Erfahrungen und personellen Ressourcen bündeln und fortführen will. NOYB heißt die, das steht für „none of your business“ – „geht dich nichts an“. Nach österreichischem Recht ist das erstmal ein gemeinnütziger Verein, und den können und sollten alle an Datenschutzfragen Interessierte in einer Art Crowdfunding-Verfahren fördern. 🙂 Denn die Diagnose von Max Schrems wird ja von den “offiziellen” Datenschutzbeauftragten geteilt: Sie selbst, mit zwei, drei Stellen und einem knappen Budget ausgestattet, können den milliardenschweren IT-Giganten mit Stammsitz USA (oder Steuerparadies…) gar nicht wirksam Paroli bieten.

NOYB will mit Öffentlichkeitsarbeit, aber auch vor allem auch mit der konkreten Unterstützung von musterhaften Datenschutzklagen dazu beitragen, dass das EU-Datenschutzrecht zukünftig nicht nur auf dem Papier steht. Das soll aber nicht ideologisch und einseitig werden; NOYB will auch umgekehrt Unternehmen dabei helfen, datenschutzkonform im Netz zu agieren. Und dann wiederum auch eine Anlaufstelle für Whistleblower werden, die Verstöße aufdecken wollen. Auf jeden Fall bietet die neue Organisationsform eine bessere Chance, die formaljuristische Pseudo-Verteidigungsstrategie von Facebook und Konsorten auszuhebeln: Max Schrems sei ja gar nicht als Privatperson klagebefugt – und andererseits: Sammelklagen seien aber auch nicht zulässig 🙂 …

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 29.11. 2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Bitcoin und Co: Cyberwährungen sind ein Öko-Desaster

Dass herkömmliche Cyber-Währungen ein Öko-Desaster sind, das wusste ich ja schon und habe das auch immer bei meinen bisherigen Berichten über Bitcoin und Konsorten so nebenbei erwähnt. Dass aber – wenn auch auf der Basis von vielen Hochrechnungen und Schätzungen – bei jeder Bitcoin-Transaktion (Latte-Macchiato-Kaufen im Hipster-Coffeeshop…) der Wochen- oder sogar Monats-Stromverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts fällig bzw. verbraten wird, das fegt auch mich aus den Latschen. Entweder die Leute von digiconomist und vom Bitcom haben sich da grandios verrechnet – oder die Sache stimmt einfach. Davon gehe ich momentan aus – ich  werde die Annahmen und Zahlen aber auch noch mal bei Gelegenheit zusammen mit einem Experten überprüfen. Versprochen.

Bei aller “prinzipiellen” Genialität des Konzeptes – an sich ist die Cyberwährung Nr. 1, der Bitcoin, mit Volldampf in die Sackgasse gelaufen. Der Effizienz-Wettlauf “mit welcher Hardware und welchen Stromkosten kann ich noch gewinnbringend neue Coins schürfen?” kontra “das Blockchain-Hashwert-finden wird immer aufwendiger” hat dazu geführt, dass Mining und damit auch die Aufrechterhaltung der Bitcoin-Transaktionsfunktionalität praktisch nur noch dort stattfindet, wo die Stromkosten und die Umwelt-Auflagen am niedrigsten sind: In China. Und die dortigen Miner haben natürlich auch gar kein Interesse daran, an sich sinnvolle Neuerungen im Bitcoin-Konzept zu unterstützen, wenn dadurch ihre Gebühren-Einnahmen oder ihre Macht in der “Bitcoin-Community” leiden könnten.

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Ob Cyberwährungen, speziell Bitcoin, aktuell wirklich eine Währung oder aber ein pures Spekulationsvehikel sind, darüber kann man trefflich streiten. Am ehesten lassen sich die Cyber-Coins vielleicht mit Gold vergleichen – auch das eine “Wertanlage”, die auf einer zwar verbreiteten, aber eigentlich ebenfalls nur irrationalen oder emotionalen Wertzuschreibung beruht (von dem technischen Bedarf an Gold einmal abgesehen…). Und auch beim Goldschürfen gibt es gewaltige Kollateralschäden – durch Quecksilbereinsatz etwa an der Umwelt oder an der Gesundheit der Minenarbeiter oder Schürfer.

Letztlich ist das bislang vorherrschende Cyberwährungskonzept zwar von der “diktatorischen” Macht von Zentralbanken oder Regierungen unabhängig – demokratisch oder gar ökologisch ist es aber aber auch nicht. Statt eines theoretisch denkbaren “allgemeinnützlichen”, “sozialistischen” oder “idealistischen” Konzeptes herrscht vielmehr: die pure, nackte, brutale Marktwirtschaft. Genau wie beim Gold die Sauerei mit vergifteten Flüssen – beim Bitcoin wird halt billigster Strom verbraten. Nachhaltigkeit und Klimaschutz? Nie gehört; uns doch egal.

Nun muss eine konzeptionelle Sackgasse wie beim Bitcoin aber trotzdem noch nicht das zwangsläufige und direkte Ende der Cyberwährung und/oder des Kurswertes bedeuten: Ganz offenbar wirkt sich beim Bitcoin der spekulative Aspekt für den Besitz einer Cyberwährung – die Hoffnung auf Wertsteigerung – nicht negativ, sondern stabilisierend aus. Bis jetzt jedenfalls – die mahnenden Auguren wissen schon mit genauer Prozent-Wahrscheinlichkeit, dass der Crash unausweichlich kommt. Wie bei den Tulpen. Dann würde ich doch einfach mal Bitcoin in ganz großem Stil leer verkaufen und mich später, nach dem Absturz, wieder billigst eindecken. Reich werden ist doch total einfach. Also – nur Mut! Die Kugel rollt. Ihre Einsätze, bitte!

Deutschlandfunk Nova · Bitcoin und Co – Ökosünder

Deutschlandfunk Nova – Grünstreifen vom 28.11.2017 (Moderation: Tina Kiessling)

Nachklapp 29.11.2017: Gestern haben wir noch über 10.000 Dollar Kurswert gesprochen, heute über 11.000. Aber ganz klar, der Crash kommt. Unausweichlich. Das ist jetzt wirklich, wirklich, wirklich die aller, aller, allerletzte Phase des Wahnsinns. Wie gesagt: Auf den Absturz setzen! Alles Geld in Put-Derivate auf Bitcoin! Leer-Verkäufe! Alles einsetzen, die Rücklagen, die Altersvorsorge (Lebensversicherungen auflösen!!!), das erwartete Geld von der Erbtante schon mal per Kreditaufnahme vorwegnehmen!!! Es gibt auch Buchmacher, bei denen man wetten kann! Das ist DIE Chance, reich zu werden!!! Oder auf jeden Fall: hinterher schlauer.

Sicherheitslücke bei Amazon Key: Der Paketbote kann doch unbemerkt in die Wohnung

Amazon Key ist an sich eine nette Idee, aber doch insgesamt eher etwas für Leute mit großem Vertrauen in Technik und Mitmenschen – so ungefähr hatte ich das “der Paketbote macht sich die Wohnungstür selbst auf und wird dabei sicherheitshalber gefilmt”-Konzept ja bei der Vorstellung eingeordnet. Und nun, drei Wochen später haben IT-Experten einen sehr simplen Weg gefunden, wie sich das Ganze aushebeln lässt. Die Schwachstelle ist die Webcam, die als Dreh- und Angelpunkt von Amazon Key nämlich auch die Schließkommandos an das “smarte” Türschloss sendet.

Dummerweise lässt sich die “Cloud Cam” per simpler WLAN-Paketüberflutung in ein zeitweiliges Standbild-Koma versetzen, und noch dümmererweise bekommt sie bzw. der Amazon Key-Nutzer den Blackout gar nicht mit. Der Hotfix von Amazon – nun schlägt das System Alarm, wenn die Kamera die Netzverbindung verliert – dürfte die Anwender auch nicht so richtig glücklich machen.  “Möglicherweise wird gerade deine Bude ausgeräumt. Vielleicht muss sich aber auch nur deine DSL-Verbindung kurz neu synchronisieren.”  🙂

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 17.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Bizarre Kontakte zu Donald Trump jr.: Wikileaks auf Abwegen

Donald Trump jr. ein Jahr lang in Kontakt zur Enthüllungsplattform Wikileaks, und das seit September 2016, also in der ganz heißen Phase des Wahlkampfs um den Einzug ins Weiße Haus – das hört sich nach einem weiteren Beleg für unsaubere Machenschaften des Trump-Teams an; schließlich dürfte die Veröffentlichung der internen Emails der Demokraten-Partei ein entscheidender Faktor für Hillary Clintons Wahlniederlage gewesen sein. Aber trotz aller Antipathie zum Lager des POTUS-Darstellers: Ich weiß nicht, was man Donald Trump jr. in dieser Sache ernsthaft vorwerfen will – er hat ja so gut wie gar nicht auf die Twitter-Avancen reagiert; möglicherweise war ihm oder seinem Team die Sache auch nicht geheuer – da hätte er dann deutlich mehr politische Klugheit gezeigt als die Prankster-Opfer aus der Entourage seines Vaters.

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Skandalös ist vielmehr das Verhalten von Wikileaks bzw. von Julian Assange – das Ganze als listigen Versuch darzustellen, Trump jr. zu einem Selbstleak zu verführen, das nimmt man der Plattform und ihrem Anführer nicht mehr ab. Wikileaks ist mittlerweile “Assange.org” und verfolgt eine eigene, unseriöse und anrüchige Agenda. Für verantwortungsvolle Whistleblower, die Missstände aufdecken wollen, gibt es inzwischen andere Ansprechpartner.

Julian Assanges Taktik: Bizarre Strategien bei Wikileaks · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 15.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Rescam: KI-Bot verwickelt Scam-Betrüger in Email-Konversation

So richtig neu ist die Idee natürlich nicht, aber immer noch gut: Scamming, das Email-Verschicken mit irgendwelchen Fantasie-Stories über sagenhafte Vermächtnisse, Bankschließfächer oder Beziehungs-Avancen – das funktioniert immer noch mit viel Manpower und Handarbeit. Zuerst braucht man natürlich einen Idioten oder eine Idiotin, die auf den Scheiß reinfallen – aber danach müssen ja ehrliche Hand-Arbeiter in Nigeria oder Moldawien die Kommunikation fortführen, die ja letztlich in eines münden soll: In einen Geldtransfer des Idioten zum Scammer.

Der Ki-Bot “Rescam” von der neuseeländischen NGO-Netzsicherheits-Agentur zielt schlicht auf diesen menschlichen Faktor – wenn die Scam-Arschlöcher mit der Beantwortung der Bot-Fragen, Anekdoten und schlechten Witzen beschäftigt sind, dann können sie in der Zeit keine neuen Idioten Opfer abzocken. Ich habe so etwas ja mal per Hand gemacht. (Fortsetzung in den Folgeposts…) – das ist einigermaßen lustig. Har, Har.

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 13.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Der US-Wahlkampf hat 2016 das Familienfest Thanksgiving verdorben

Es ist schon erstaunlich – oder auch gruselig, was man mit den Daten herausfinden kann, die wir alle produzieren und die über uns erhältlich sind. Zum Beispiel, dass letztes Jahr in US-amerikanischen Familien mit gemischter politischer Präferenz – dort, wo es also sowohl Anhänger von Donald Trump als auch von Hillary Clinton gab, tendenziell der Haussegen schief hing: Das Dinner mit dem traditionellen “Turkey” fiel kürzer aus als sonst, und viele Leute blieben anscheinend lieber gleich zuhause – ulkigerweise war dieses “ohne mich”-Phänomen nur bei Republikaner-Wählern zu verzeichnen, die Demokraten-Anhänger machten sich immerhin auf den Weg zu ihren Lieben.

Woher Keith Chen von der University of California und Ryne Rohla von der Washington State University das so genau wissen wollen? Die beiden Wirtschaftswissenschaftler mit Faible für psychologische und soziologische Phänomene haben Smartphone-Daten ausgewertet, haben die Bewegungsmuster der Handies (bzw. deren Besitzer…) am Thanksgiving-Day 2016 nachverfolgt und mit den Daten aus 2015 verglichen. Wenn da 12 Smartphones für 3 Stunden am Abend beisammen saßen, dann war das wohl eine Familie beim Truthahn-Schmausen. Und wenn ein Teil der Handies (bzw. deren Besitzer…) in Bezirken zuhause war, in denen 75% der Stimmen für Donald Trump abgegeben worden war, und ein anderer Teil in Orten, die für Hillary Clinton gestimmt hatten – dann saßen da offenbar Verwandte mit unterschiedlicher politischer Präferenz am Tisch. Zumindest mit einer entsprechenden statistischen Wahrscheinlichkeit.

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Außerdem haben die Forscher noch die (ebenfalls öffentlich verfügbaren…) Informationen über die geschalteten bzw. gesendeten TV-Wahlwerbespots hinzugezogen – das Ergebnis: In den Regionen mit intensiver Wahlwerbung (also insbesondere in den “Swing States”, den Bundesstaaten mit “unentschlossener” Wählerschaft war der Effekt “kürzere Thanksgiving-Dinner, weniger Anreisen” deutlich – in anderen Regionen nicht. Das spricht für eine Kausalität (und damit für einen “Erfolg” der Wahlwerbung…) – der US-Wahlkampf 2016 hat auf Polarisierung gesetzt – anscheinend haben die Russen da auch noch mal einen draufgesetzt – und der Polarisierungs-Effekt ist in den amerikanischen Familien angekommen.

Natürlich gehen bei solchen Studien immer die Alarm-Leuchten an: Ist die vermeintliche Kausalität tatsächlich haltbar? Ganz spontan fallen einem da natürlich sofort zwei andere Faktoren ein, die ebensogut wie die politischen Meinungsverschiedenheiten die Anreise-Freude oder die Verweildauer beim Truthahn-Essen hätten beeinflussen können: Das Wetter. Und eventuelle Grippe-Epidemien – theoretisch könnten solche Einflüsse zufällig exakt parallel zu der Werbespot-Intensität aufgetreten sein, und damit eine Kausalität nur vorgegaukelt haben.

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Die Forscher haben allerdings diese Fehlerquelle sehr wohl im Auge gehabt und nach Kräften auszuschließen gesucht: Sie haben nur Familien ausgewertet, die räumlich relativ nahe beieinander gewohnt haben und keine großen Reisestrecken zurücklegen mussten – wenn es also Faktoren wie Wetter oder Grippe gegeben haben sollte, dann hätte dies Familien mit “einheitlicher” und Familien mit “gemischter” politischer Präferenz gleichermaßen betroffen. Das alles sieht also ziemlich plausibel aus. 🙂

Weniger Familientreffen: US-Wahlkampf hat Thanksgiving verdorben · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 13.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Apple bot FBI Hilfe beim Zugriff auf das iPhone des Texas-Attentäters an

Das hört sich nach einer Sensation oder einem völligen Paradigmenwechsel an, oder auch nach einer Hiobsbotschaft für alle Besitzer eines iPhones oder iPads – aber obwohl die Überschrift, die ja so in vielen Medien zu lesen war, tatsächlich stimmt: An Apples Position in der Zusammenarbeit oder eben auch Nicht-Zusammenarbeit mit Ermittlungsbehörden und Geheimdiensten ändert sich überhaupt nichts. Wie schon bislang ist Apple kooperativ, solange die Kooperation nicht das Vertrauen der User in die Sicherheit der Verschlüsselung in den iOS-Geräten zerstört – was natürlich Selbstmord für das eigene Geschäftsmodell wäre. Aber auch ohne dieses eigene Geschäftsinteresse hat Apple in der grundsätzlichen, politischen Frage natürlich vollkommen recht:

Jede absichtliche Schwächung eines Sicherheitskonzepts, jede “Behörden-Hinter- oder Vordertür” würde sehr schnell auch von Kriminellen oder “gegnerischen” Geheimdiensten ausgenutzt – das Verhältnis von ein paar vielleicht schneller aufzuklärenden Terror-Anschlägen gegenüber den dann in Kauf genommenen “Kollateralschäden” von Industriespionage über politische Sabotage, über Banking-Betrug bis hin zu Privacy-Verletzung ist einfach grotesk. Ein iOS-Gerät, das gesperrt ist, wird Apple also weiterhin nicht aufsperren – und kann dies auch (jedenfalls ohne grundlegende Eingriffe in das Betriebssystem…) wohlweislich gar nicht mehr.

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Was Apple aber – wenn ein Durchsuchungsbefehl oder eine richterliche Anordnung vorliegt – sofort herausrückt, das ist der Inhalt der iCloud, in der sich ja ggf. auch Backups der Geräte befinden – hierfür kennt der Hersteller auch den Schlüssel; das Sicherheitskonzept der iCloud bezieht sich also nur auf unbefugte Fremd-Zugriffe. Was natürlich wiederum für sicherheits-sensible Anwender heisst: iCloud-Backups nicht aktivieren, sondern die Gerätedaten nur lokal verschlüsselt sichern.

Wie sicherheits-sensibel der Attentäter von Sutherland Springs war, wissen wir noch nicht – wir wissen auch nicht, ob er überhaupt ein neueres iPhone mit Fingersensor besaß, und wenn ja, ob “TouchID” überhaupt aktiviert war. Im Gegensatz zu Reuters und der Washington Post gehe ich eigentlich davon aus, dass den Forensik-Spezialisten vom FBI durchaus bekannt ist, dass sich ein iPhone eines Attentäters mit dessen Fingerabdrücken innerhalb von 48 Stunden eventuell entsperren lässt – auch wenn der Attentäter schon tot ist.

Für mich klingt das Statement von Special Agent Christopher Combs am Dienstag (7.11.) eher nach einer politischen Duftmarke: “Ceterum censeo: Die böse, wirksame Verschlüsselung muss abgeschafft werden.” Und Apple hat dann; einerseits ernst gemeint, aber auch ebenso medienwirksam zurückgeflötet „wir kooperieren ja, aber…“ Was ich persönlich noch spannend fände: ob die neue Gesichtserkennung beim iPhone X auch bei einem Toten funktioniert. Die Augen müssen ja in die Kamera schauen, da muss man vielleicht noch irgendwie die Lider aufspannen – makaber.

Für alle Lebenden hat Apple ja jedenfalls noch ein Notfall-Feature in iOS11 eingebaut: Fünfmal den Aus-Knopf drücken, dann wird das Entsperren via Finger- und Gesichtserkennung abgeschaltet, danach geht’s nur noch mit dm Zugangscode.

Amazon-Rabatt auf Waren von “Third-Party-Anbietern”: Lokalrunde mit Hintergedanken

Die Idee mit den Drittanbietern oder “Third-Party-Verkäufern” bei Amazon ist ja eigentlich genial: Zum einen weitet der Handelsgigant damit sein Angebot aus – entweder qualitativ (zusätzliche Artikel, evtl. besserer Preis) oder quantitativ (Produkt in höheren Stückzahlen verfügbar). Die Kunden haben mehr Auswahl und genießen die Zahlungsabwicklung über einen vertrauenswürdigen, etablierten Kanal – und die Drittanbieter selbst können ihre Waren über einen etablierten Distributionsapparat lagern und ausliefern (lassen); normalerweise klappt die Abrechnung auch problemlos.

Das ermöglicht z.B. einem findigen Studenten, mal eben ein Millionen-Business hochzuziehen – mit pfiffiger Preis-Arbitrage. Das Nebeneinander von Amazon-eigener Ware und der Ware von Drittanbietern in Amazons Lagerhäusern führt ja zuweilen zu peinlichen Pannen: Amazon macht nämlich bei der Bestell-Bearbeitung gar keinen Unterschied und “pickt” und versendet einfach das, was gerade am nächsten im Regal liegt – und so kann man selbst bei einem Kauf bei Amazon selbst mit etwas Pech gefälschte, defekte oder retournierte Ware geliefert bekommen. Immerhin ist das Unternehmen bei Reklamationen sehr kundenfreundlich und diskutiert dann nicht groß herum, sondern liefert fehlerfreien Ersatz.

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Auch der Sonder-Rabatt, der gerade für etwas Aufsehen in den Third-Party-Seller-Foren sorgt, sieht ja erst einmal nach einer Win-Win-Win-Situation aus. Aber unter Umständen bekommen Drittanbieter Ärger mit ihren Lieferanten oder den Markenproduzenten – die “Lokalrunde” von Amazon verfolgt halt ureigenste Interessen und nimmt gegebenenfalls solche Kollateralschäden in Kauf. Hauptsache, der Eindruck bleibt in den Köpfen der Konsumenten: Bei Amazon gibt es die günstigsten Preise. Noch einmal nachchecken empfiehlt sich aber trotzdem.

Amazon-Rabatt auf Waren von “Third-Party-Anbietern”: Lokalrunde mit Hintergedanken · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 07.11.2017 (Moderation: Till Haase)

Twitter-Account von Donald Trump gelöscht – leider nur für 11 Minuten

Der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin von Twitter, der/die den dauerzwitschernden, orangegelockten Singvogel im Weißen Haus mal eben als letzte Amtshandlung den Schnabel verbunden hat, ist ja postwendend für den Friedensnobelpreis nominiert wurden. Aber bereits nach 11 Minuten hatte der Präsidenten-Darsteller sein Sprachrohr wieder – dass therealdonald tatsächlich mal wie seine Steigbügelhalter aus der Altright-Ecke vom Kurznachrichtendienst suspendiert oder rausgekickt wird, ist praktisch undenkbar; Geschäft ist schließlich Geschäft.

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Es gibt ja ein paar Nörgler, die die ganze Aktion gar nicht witzig finden. Klar, wenn ein niederer Support-Mitarbeiter mal eben dem POTUS den Zwitscher-Hahn abklemmen kann, dann kann er vielleicht auch auf eigene Faust den Start sämtlicher US-Atomraketen auf Pjöngjang, Beijing, Teheran und Moskau ankündigen. Und dann kann man gemütlich abwarten, ob es irgendwo noch andere Bekloppte gibt, die die (in diesem Fall dann auch noch gefälschten, aber das wäre ja nun echt schwer zu erkennen…) Tweets eines Bekloppten für bare Münze nehmen. Oder vielleicht wird der Gegenschlag und die Vernichtung der Welt dann ja auch ganz zeitgemäß durch eine KI ausgelöst, die Tweets “verstehen” kann und automatisch reagiert?

Donald Trump: Auf Twitter gelöscht für 11 Minuten · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 03.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)