Foto-Fake: Surfender Kriegsreporter hält Medien zum Narren

Es ist alles nur geklaut. Eduardo Martins, der blendend aussehende Fotograf aus Brasilien mit der tragisch-bewundernswerten Lebensgeschichte hat sich im Netz ein attraktives Alter Ego besorgt – aus den Instagram- und sonstigen Social Media-Accounts des Surflehrers (und Fotografen…) Max Hepworth-Povey. Und das Material, das er bei renommiertesten Auftraggebern wie BBC Brasilien, Wall Street Journal und Getty Images unterbringen konnte – das stammt ebenfalls aus dem Netz, von anderen, richtigen Kriegsfotografen.

Bild: BBC

Mit Photoshop umgehen kann Martins – wer immer sich hinter diesem Namen wirklich verbirgt – auf jeden Fall. Denn die Fotos, die ihn selbst in den Krisengebieten zeigen, mitten im gefährlichen Einsatz, die sehen ja sehr überzeugend aus. Aber sie zeigen immer Hepworth-Povey; mal das Gesicht, mal der Oberkörper hineinmontiert in wiederum geklaute Bilder. Dass sich eine spektakuläre, attraktive Biografie mit großer Resonanz im Netz später als zusammenfantasiert und erlogen herausgestellt hat, ist nicht neu – und Hochstapler gab es auch schon in analogen Zeiten.

Aber dass sich angebliche Qualitätsmedien – nach all den vorangegangenen Erfahrungen um gefakte Fotos aus Kriegsgebieten, nach allen penibel dokumentierten neuen Vorschriften und Richtlinien zur Verifikation von Bildmaterial – durch ein schlichtes horizontales Spiegeln geklauter Bilder zum Narren halten lassen können (und dass auch die Google-Bildersuche in diesem Punkt blind ist…), das ist schon ein richtiger Kracher. Und so dürfte es wohl zutreffen, was einige der „Kollegen“, die den Fake nun entlarvt haben, vermuten: Es sind noch zig andere „Eduardo Martins“ unterwegs im Geschäft mit den spektakulären, emotionsträchtigen Fotos – auf dem Jahrmarkt der Social-Media-Eitelkeit sowieso.

Deutschlandfunk Nova · Foto-Fake: Der surfende Kriegsreporter

..Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 07.09.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

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