Die Saudi-Golf-Liga startet. Wie korrupt sind die Spieler? Und wir Zuschauer?

Pecunia non olet. Das ist bekanntlich eine uralte Weisheit, die die Römer schon formuliert hatten, bevor sie etwas von Öl-Dollars ahnen konnten. Und selbstredend war schon beim römischen Original-Spruch nicht die Rede vom tatsächlichen Stinken, sondern vom moralischen. Und selbstredend war schon bei der Formulierung des Original-Spruchs impliziert: Das gilt halt nur für pragmatische Leute. Oder eben für korrupte.

Moralisches oder unmoralisches Handeln definiert sich ja gerade nicht an Zwängen. Sondern an Möglichkeiten. An der Abwägung zwischen für einen persönlich zwar angenehmen, aber irgendwie doch fragwürdigen Konstellationen und Handlungen. Und den etwaigen Gegenargumenten. Bestechlich oder korrupt zu sein heißt natürlich immer: Für mich und meine Familie ist das die beste, oder sagen wir mal, eine zumindest lukrative Option. Gleichzeitig bin ich aber auch korrupt und bestechlich und gegebenenfalls ein Arschloch. Damit muss man erstmal umgehen und leben können.

Ein wunderschönes Exempel für diese gravierenden Konflikte bietet sich gerade im Golfsport. Da hat sich ein etwas isolierter, vielleicht auch rachsüchtiger Golf-Funktionär mit einem etwas isolierten Regime zusammengetan. Wobei das Regime erstens über weitgehend unbegrenzte, theoretisch nicht-stinkende Kohle verfügt. Und zweitens auch gerne sein Image – koste es was es wolle – etwas aufbürsten und reinwaschen möchte. Es ist halt nicht so ganz ohne, wenn man einen systemkritischen Staatsbürger in einem Nachbarland ins Konsulat zitiert – und den dort von einer vorher eingeflogenen Folter-Truppe abschlachten lässt, während zur Verschleierung ein Double aus dem Haus rausmarschiert.

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War unliebsam, wurde abgeschlachtet – Jamal Khashoggi

Der bestialische Mord an Jamal Khashoggi ist Fakt – und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist auch klar, dass der saudische Machthaber und offenbar etwas verhaltensauffällig veranlagte Kronprinz Mohammed bin Salman die Abschlachtung in Auftrag gegeben hat. Saudi-Arabien ist auch bei anderen Disziplinen – Verhältnis zu Nachbarstaaten, Rechte von Frauen und Meinungsfreiheit insgesamt – ganz top oben mit dabei. Auf der Arschloch-Liste.

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Hat viel stinkende Öl-Kohle, ist aber möglicherweise etwas verhaltensauffällig: Der saudische Kronprinz

Ok, aber jetzt mal zum Golf. Wenn da mindestbezahlte Proetten im Rahmen der LET-Turniere dort spielen, dann ist das glaube ich tolerierbar. Wenn männliche Golf-Pros, alle Multi-Millionäre (wobei sie die Kohle ja teilweise wie der famose Herr Mickelson mit irren Wetten verballert haben…) jetzt an der LIV-Tour teilnehmen – dann ist das natürlich ein Skandal. Wobei ja signifikant ist – die Mehrheit der Teilnehmer sind Typen, die im “Normalbetrieb” ihre beste Zeit hinter sich haben. Lee Westwood zum Beispiel schätze ich eigentlich sehr – gerade aufgrund seines Alters und seiner immer noch guten Performance.

Wenn der nun einen immensen Millionen-Betrag angeboten und garantiert bekommt – sollte; müsste er das ablehnen? Martin Kaymer, die langjährige Nummer Eins bei den deutschen Golfern – seine Performance ist seit langer Zeit mau. Sollte er einen immensen Millionen-Betrag ablehnen oder hier einfach als “Profi” handeln? Die Antwort ist ganz einfach: Es geht hier nicht um “Profi” sein oder um die angebliche Unabhängigkeit von Sport und Politik. Die Leute, die bei der Saudi-Liga teilnehmen, machen das trotz ihres Gelabers nicht um des Sportes willen, sondern um der freigiebigst rausgehauenen Kohle. Da kann man auch mau spielen und wird immer noch zugeschissen mit Geld.

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Wird vermutlich auch hier nix – aber die Kohle ist ja garantiert

Äußerungen wie von Herrn Kaymer sind einfach nur peinlich. Wobei ja die Webseite Golfpost.de auch die kostenlose Abdeckung der Saudi-Golftuniere bewirbt. Damit bin ich mal bei uns Golf-Fans: Wenn wir uns den Scheiß kostenlos angucken, dann kommen wir natürlich auf eine vergleichbare Ebene mit den per Antrittsgeld und “ohne-Cut-garantiertes”-Honorar korrumpierten “haltungsgeschädigten” Golf-Pros. Ich werde mir die Blutgeld-Turniere jedenfalls nicht anschauen, trotz der tollen “Mehr-als-Golf”-Extras. Wenn ich eine zweistellige Millionen-Offerte für das Angucken bekomme, überleg ich mir das noch mal.

Und lehn es ab. Fuck you! Was ich sehr lustig fände – wenn Jeff Bezos, ja quasi Arbeitgeber von Jamal Khashoggi bei der Washington Post, selbst auch Opfer von saudischen Überwachungs-Maßnahmen, mal ein Jamal-Khashoggi-Gedenk-Golfturnier veranstalten würde. Höchstdotiert. Und dafür die “Golf-Elite”, auch die jetzigen Saudi-Mitmacher einladen würde. Das wär ein netter Gag. Leider ein sehr kostspieliger. Aber eigentlich wissen wir auch jetzt schon, wer ein Arschloch ist. Und wer nicht. 🙂

 

P.S. – Ich bin natürlich nicht so naiv, dass ich die PGA für eine Charity-Organisation halten wüde. Natürlich ist auch dort das Sponsoring und die gesamte Struktur diskussionswürdig. Aber dazwischen und “Leute-im-Staatsauftrag-abschlachten” besteht halt noch mal ein kleiner Unterschied.

 

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