Wochenrückblick: Bitcoin ist in der “ganz normalen” Finanzwelt angekommen – und steckt weiter in der Sackgasse

Seit letztem Sonntag ist die Cyberwährung Bitcoin “endgültig” in der “ganz normalen” Finanzwelt angekommen (was natürlich nicht heißt, dass nicht auch dort Irrationalität, Spekulation, Abzockerei oder sogar Betrug völlig gang und gäbe sind 🙂 …) – seit Sonntag gibt es an der Optionsbörse Cboe in Chigaco ein “offizielles”, zugelassenes Derivat, einen “Future” oder auf gut Deutsch, einen “Terminkontrakt” auf den Bitcoin.

Ganz vereinfacht gesagt: Damit können nun auch alle Leute auf den Kurs der Cyberwährung wetten, die sich mit den technischen Feinheiten und potentiellen Gefahren nicht beschäftigen wollen, die bei einem direkten Einstieg in Bitcoin drohen. Der Future erlaubt natürlich auch, auf einen Crash zu setzen – aber bislang sieht es nicht so aus, als ob dies die allgemein vorherrschende Kursprognose der Anleger oder Spekulanten ist. Natürlich ist der Bitcoin-Future – (ähnliche Konstruktionen an anderen Börsen werden folgen…) ein super-super-spekulatives Anlagevehikel, da ja schon der Basiswert  super-super-spekulativ und volatil ist.

Aber letztlich sorgt das Derivat nach meiner Einschätzung eigentlich für eine weitere Konsolidierung des Bitcoin-Kurses und der Bitcoin-Werthaltigkeit. (Ich erinnere immer wieder gern daran, dass die Wertzumessung für eine Währung oder für einen anderen Vermögensgegenstand (Gold, Diamanten oder Immobilien…) auch immer nur eine Frage des Vertrauens und einer impliziten Vereinbarung ist. Würden Sie zur Zeit Vertrauen in die von den Zentralbanken Venezuelas oder Simbabwes herausgegebenen Währungen setzen? Nein. Die Bewohner der hyper-inflationären Staaten auch nicht, für die ist momentan der Bitcoin die “solidere” Alternative 🙂 …)

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Das alles ändert natürlich nichts daran, dass sich ohne eine Änderung im Algorithmus (der allerdings alle Beteiligten – Bitcoin-Besitzer, Cyberwährungsbörsen und vor allem die mächtigen “Transaktions-Notare”, die “Miner” zustimmen müssten…) Bitcoin in einer ökologischen (und eigentlich, wenn wir uns die Transaktionskosten und die Transaktionsgeschwindigkeit ansehen…) auch ökonomischen Sackgasse befindet.

Ich habe mich bei der Vorbereitung des Gesprächs heute im DLF “Umwelt und Verbraucher” gefragt, was eigentlich passieren würde, wenn staatliche Akteure; China und vielleicht auch noch weitere Länder, in denen Bitcoins mit billigem Strom “geschürft” werden, den Betrieb dieser Rechen-Farmen verbieten würden. Ein sofortiger Crash? Unwahrscheinlich, weil man ja aufgrund plötzlich fehlender Transaktions-Beglaubigungen gar nicht mehr in normalem Umfang handeln könnte. Zweitens – nach dem schlagartigen Wegfall eines Großteils der Hash- und Bitcoin-Generierungs-Kapazität würde die Schwierigkeit der “Rechenaufgabe” zur Beglaubigung der Blockchain-Blöcke bzw. der Generierung neuer Bitcoins wieder nach unten angepasst. Und die Bitcoin-Welt wäre von daher ziemlich schnell wieder “in Ordnung”.

Das sind wirklich sehr interessante Fragen bei einer wirklich sehr neuen und “prinzipiell” sehr genialen Konzeption, die alle möglichen althergebrachten “Weisheiten” in Frage stellt. Wer etwas “Spielgeld” hat, macht einfach mit. Wer auf keinen Fall einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals verkraften kann oder mit den ökologischen Kollateralschäden nicht zurecht kommt (dann bitte aber auch bei Facebook und Instagram abmelden 🙂 …), lässt es besser bleiben. 🙂

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 11.12.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Deutschlandfunk – Umwelt und Verbraucher vom 15.12.2017 (Moderation: Jule Reimer)

 

Disclaimer: Ich selbst bin übrigens auch seit September mit einem relativ kleinen Betrag in Bitcoin investiert (nachdem ich zuvor schon jahrelang über die Cyberwährung berichtet, mich aber als notorischer und warnender “Bedenkenträger” immer zurückgehalten hatte… .) Allerdings noch nicht einmal direkt, sondern über ein Zertifikat, eine “Abbildung” des Bitcoin-Kurses. Ich gehe einmal davon aus, dass meine publizistische Reichweite nicht marktbeeinflussend ist 🙂 . Ansonsten noch einmal die Warnung: Ein Investment in Bitcoin ist hochspekulativ. 🙂

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