Bitcoin und Co: Cyberwährungen sind ein Öko-Desaster

Dass herkömmliche Cyber-Währungen ein Öko-Desaster sind, das wusste ich ja schon und habe das auch immer bei meinen bisherigen Berichten über Bitcoin und Konsorten so nebenbei erwähnt. Dass aber – wenn auch auf der Basis von vielen Hochrechnungen und Schätzungen – bei jeder Bitcoin-Transaktion (Latte-Macchiato-Kaufen im Hipster-Coffeeshop…) der Wochen- oder sogar Monats-Stromverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts fällig bzw. verbraten wird, das fegt auch mich aus den Latschen. Entweder die Leute von digiconomist und vom Bitcom haben sich da grandios verrechnet – oder die Sache stimmt einfach. Davon gehe ich momentan aus – ich  werde die Annahmen und Zahlen aber auch noch mal bei Gelegenheit zusammen mit einem Experten überprüfen. Versprochen.

Bei aller “prinzipiellen” Genialität des Konzeptes – an sich ist die Cyberwährung Nr. 1, der Bitcoin, mit Volldampf in die Sackgasse gelaufen. Der Effizienz-Wettlauf “mit welcher Hardware und welchen Stromkosten kann ich noch gewinnbringend neue Coins schürfen?” kontra “das Blockchain-Hashwert-finden wird immer aufwendiger” hat dazu geführt, dass Mining und damit auch die Aufrechterhaltung der Bitcoin-Transaktionsfunktionalität praktisch nur noch dort stattfindet, wo die Stromkosten und die Umwelt-Auflagen am niedrigsten sind: In China. Und die dortigen Miner haben natürlich auch gar kein Interesse daran, an sich sinnvolle Neuerungen im Bitcoin-Konzept zu unterstützen, wenn dadurch ihre Gebühren-Einnahmen oder ihre Macht in der “Bitcoin-Community” leiden könnten.

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Ob Cyberwährungen, speziell Bitcoin, aktuell wirklich eine Währung oder aber ein pures Spekulationsvehikel sind, darüber kann man trefflich streiten. Am ehesten lassen sich die Cyber-Coins vielleicht mit Gold vergleichen – auch das eine “Wertanlage”, die auf einer zwar verbreiteten, aber eigentlich ebenfalls nur irrationalen oder emotionalen Wertzuschreibung beruht (von dem technischen Bedarf an Gold einmal abgesehen…). Und auch beim Goldschürfen gibt es gewaltige Kollateralschäden – durch Quecksilbereinsatz etwa an der Umwelt oder an der Gesundheit der Minenarbeiter oder Schürfer.

Letztlich ist das bislang vorherrschende Cyberwährungskonzept zwar von der “diktatorischen” Macht von Zentralbanken oder Regierungen unabhängig – demokratisch oder gar ökologisch ist es aber aber auch nicht. Statt eines theoretisch denkbaren “allgemeinnützlichen”, “sozialistischen” oder “idealistischen” Konzeptes herrscht vielmehr: die pure, nackte, brutale Marktwirtschaft. Genau wie beim Gold die Sauerei mit vergifteten Flüssen – beim Bitcoin wird halt billigster Strom verbraten. Nachhaltigkeit und Klimaschutz? Nie gehört; uns doch egal.

Nun muss eine konzeptionelle Sackgasse wie beim Bitcoin aber trotzdem noch nicht das zwangsläufige und direkte Ende der Cyberwährung und/oder des Kurswertes bedeuten: Ganz offenbar wirkt sich beim Bitcoin der spekulative Aspekt für den Besitz einer Cyberwährung – die Hoffnung auf Wertsteigerung – nicht negativ, sondern stabilisierend aus. Bis jetzt jedenfalls – die mahnenden Auguren wissen schon mit genauer Prozent-Wahrscheinlichkeit, dass der Crash unausweichlich kommt. Wie bei den Tulpen. Dann würde ich doch einfach mal Bitcoin in ganz großem Stil leer verkaufen und mich später, nach dem Absturz, wieder billigst eindecken. Reich werden ist doch total einfach. Also – nur Mut! Die Kugel rollt. Ihre Einsätze, bitte!

Deutschlandfunk Nova · Bitcoin und Co – Ökosünder

Deutschlandfunk Nova – Grünstreifen vom 28.11.2017 (Moderation: Tina Kiessling)

Nachklapp 29.11.2017: Gestern haben wir noch über 10.000 Dollar Kurswert gesprochen, heute über 11.000. Aber ganz klar, der Crash kommt. Unausweichlich. Das ist jetzt wirklich, wirklich, wirklich die aller, aller, allerletzte Phase des Wahnsinns. Wie gesagt: Auf den Absturz setzen! Alles Geld in Put-Derivate auf Bitcoin! Leer-Verkäufe! Alles einsetzen, die Rücklagen, die Altersvorsorge (Lebensversicherungen auflösen!!!), das erwartete Geld von der Erbtante schon mal per Kreditaufnahme vorwegnehmen!!! Es gibt auch Buchmacher, bei denen man wetten kann! Das ist DIE Chance, reich zu werden!!! Oder auf jeden Fall: hinterher schlauer.

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