New York Times wirft Facebook Meinungsmanipulation vor

„Delay, Deny and Deflect“ –  „Verzögern, abstreiten, ablenken“, hat die NYT am Mittwoch auf Seite eins einen Artikel über Facebook überschrieben; „Verzögern, abstreiten und ablenken“, das sei nämlich die Unternehmens- und Kommunikationsstrategie des Social Networks. Der Artikel ist ein richtiger Riemen. Wenn man ihn ausdruckt, sind das 20 Seiten Text. Mit über 50 Informanten hat die Zeitung gesprochen, die meisten davon sind ehemalige oder aktuelle hochrangige Facebook-Mitarbeiter, die wohlweislich anonym bleiben. Und das Bild, das in dem Artikel entsteht, ist äußerst kritisch: Facebook gehe nicht offen und ehrlich mit seinen vielen Problemen um, sondern versuche mit anrüchigen PR-Kampagnen die öffentliche Meinung zu manipulieren, so das NT-Fazit.

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Inzwischen hat Facebook, hat Mark Zuckerberg auf den Artikel reagiert. Und hat zumindest versucht, sich selbst und seine Geschäftsführerin Sheryl Sandberg aus der Schusslinie zu nehmen. Der vielleicht heikelste Punkt in dem NYT-Dossier war ja, dass Facebook eine PR-Agentur namens „Definers Public Affairs“ damit beauftragt haben soll, nicht nur das eigene Image möglichst reinzuwaschen, sondern quasi auch noch einen Gegen- oder Entlastungsangriff zu fahren: Facebook-Kritiker schlecht zu machen, und negative Stories über Konkurrenten zu lancieren.

Mark Zuckerberg hat in einer eiligst einberufenen Pressekonferenz gesagt, er selbst und auch Sheryl Sandberg hätten von solchen Aufträgen an die PR-Agentur nichts gewusst. Den Vertrag mit „Definers Public Affairs“ hatte Zuckerberg ja praktisch unmittelbar nach Veröffentlichung des NYT-Artikels gecancelt. Halten wir einmal fest – das Schlechtmachen von Konkurrenten (oder zumindest mal Ablenkungsmanöver a la “die haben aber auch Dreck am Stecken”…) sind völlig normal in der Welt der PR. Sie passen nur halt relativ schlecht in die Demuts-Message von Facebook “wir haben verstanden”.

Aber auch das nochmal: Die Vorstellung, Facebook würde und könne vorwiegend nach hehren moralischen Kriterien agieren, ist halt ziemlich naiv. (Keine Ahnung, ob Mark Zuckerberg das selbst glaubt, zuviel Gras geraucht hat oder ein totaler Zyniker ist… 🙂 ) Das versuchen vielleicht kirchliche Organisationen. Und selbst da klappt das ja nicht immer.

New York Times wirft Facebook Meinungsmanipulation vor

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 16.11.2018 – Moderation: Diane Hielscher

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