Bellingcat.com legt Bericht zu möglichem MH17-Abschuss vor

Liegt die Wahrheit offen im Netz? Das ist jedenfalls der Ansatzpunkt der Investigativplattform Bellingcat.com – und in der Tat protokollieren ja in jeder Minute abertausende Menschen, was in ihrer Umgebung passiert, mit Fotos, Videos und Tweets. Mal ganz nebenbei, mal sehr gezielt. Dazu kommen die „professionellen“ Nachrichtenquellen, die ihr Material auch praktisch alle ins Netz stellen, dazu kommen Geo-Informationsdienste wie Google Maps – und aus all dem kann dann ein sehr detailliertes, aussagekräftiges Bild entstehen. Mit frei verfügbaren Netzquellen und dem passenden Know-How bei der Auswertung lassen sich Indizien zu hinreichend beweiskräftigen Schlussfolgerungen verdichten – oder aber Fälschungen und Desinformation entlarven.

Die offizielle internationale Untersuchungskommission zum Absturz von MH17 hat gerade mitgeteilt, sie wolle ihre Ermittlungen bis August 2015 verlängern. Aber seit dem Tag der Katastrophe kursieren zwei Erklärungen – prorussische Separatisten haben die Maschine mit einer von einem Buk-Flugabwehrsystem abgeschossenen Rakete vom Himmel geholt; und zwar wahrscheinlich „versehentlich“. Oder – so die russische Version – ein ukrainisches Kampfflugzeug ist für den Abschuss verantwortlich. Auch versehentlich, oder absichtlich, um den Abschuss den Separatisten in die Schuhe zu schieben, oder (die tollkühnste Variante…) im Glauben, die Präsidentenmaschine von Vladimir Putin zu treffen…

Bellingcat.com liefert jetzt starke Belege dafür, dass den Separatisten zum Zeitpunkt des Abschusses definitiv ein Buk-System zur Verfügung stand – und dass dieses System definitiv aus russischen Beständen stammt. Nach dem MH17-Abschuss fehlte zudem mindestens eine Rakete auf diesem System. Ein endgültige Klärung der Schuldfrage ist das allerdings immer noch nicht.

Nach der Veröffentlichung des Berichts begannen wieder die altbekannten, zum größten Teil völlig unqualifizierten Sockenpuppen-Kommentare im Netz heißzulaufen. Das ändert aber nichts daran, dass die Methoden von Bellingcat.com transparent dokumentiert und rational nachvollziehbar sind – und übrigens auch ausreichen, um Propaganda-Fälschungen in russischen Medien im Handumdrehen als solche zu entlarven.

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DRadio Wissen – Schaum oder Haase vom 14.11.2014

2 Gedanken zu „Bellingcat.com legt Bericht zu möglichem MH17-Abschuss vor

  1. Blankenstein Husar

    Diese investigativen Journalisten und selbsternannten Spezialisten wissen überhaupt nichts, ausser Vermutungen und Verschwörungstheorien.

    1.Das Schadensbild von MH17 (keine Beschädigungen des Rumpfteiles und der Flügel durch Schrapnelle, keine Schrapnellverletzungen von Passagieren) schliessen einen BUK-Abschuss FAST hundertprozenig aus.

    2. Kein einziger Augenzeuge hat Kondensstreifen einer vermeintlichen BUK Raketenabschusses beobachten können, Kampfjets aber sehr wohl.

    3. Ein Soldat der ukrainischen BUK Bedienungsmannschaft hat, die in der Presse als separatistisches BUK System dargestellte, EINDEUTIG als seine, also ukrainische identifiziert!

    3. Die gefundenen Cockpitteile weisen exakt die selbe Art von Einschußlöchern auf, wie in einem Feldversuch mit einer 3cm Maschinenkanone bewiesen.

    4. Die Flügel weisen EINDEUTIG Spuren von Streifschüssen auf.

    5. Die Radardaten der russischen Luftraumüberwachung decken sich EXAKT mit den Zeugenaussagen und der Theorie des Abschusses durch einen Kampfjet.

    6. Die ukrainische Geheimpolizei hat schon wenige Minunten nach dem Abschuss sämtliche Aufzeichnungen und Unterlagen des Kiewer Towers beschlagnahmt!
    Wer hat sie so schnell informiert? Warum wussten sie sofort, was zu tun ist?
    Ausser jemand hat sie darauf vorbereitet!

    7. MH 17 wurde von einem oder mehreren ukrainischen Kampfjets vom Himmel geschossen.
    Daran gibt es überhaupt nichts zu deuteln!

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    1. mgessat Beitragsautor

      Oh, ein Kommentar zwei Monate nach der Sendung bzw. der Artikelveröffentlichung – das deutet auf eine sehr engagierte, systematische oder vielleicht sogar professionelle Beschäftigung mit dem Thema hin. Interessanter Nickname auch… („Tokajer, du bist mild und gut, Du bist das reinste Türkenblut. Für’n Blankensteinhusar. “ 🙂 )

      Aber mal inhaltlich – in der Tat haben die Leute von Bellingcat (wie ja auch in Sendung und Text betont…) keine Beweise für eines der denkbaren Szenarien, sondern nur Indizien, die aber genau belegt werden. Von daher handelt es sich nicht um Vermutungen und Verschwörungstheorien; im Bellingcat-Bericht vom November findet eben gar keine Interpretation im Sinne einer „Schuldfrage“ statt.

      Inzwischen hat ja gerade ein Team von Journalisten eine recht aufwendige Recherche vorgelegt, die auch die Bellingcat-Erkenntnisse einbezieht ( http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mh17-wer-hat-die-boeing-ueber-der-ukraine-abgeschossen-a-1011983.html ) – hier wird nahegelegt, dass nicht Russland-freundliche Separatisten, sondern auf dem Gebiet der Ukraine operierende russische Truppen für den Abschuss verantwortlich sind. Das Ganze sei insofern „irrtümlich“ passiert, da zum Zeitpunkt des MH-17-Überflugs auch ukrainische Kampfflugzeuge in der Nähe gewesen seien – insofern habe die Ukraine ohnehin eine Mitverantwortung, da sie nicht darauf hingewirkt habe, die zivilen Flugrouten über dem Krisengebiet zu sperren.

      Auch diese Recherche ist natürlich noch kein „Beweis“ – ich habe in dem Zusammenhang einen Kommentar bei SPON gelesen, der möglicherweise auch wieder „professionell“ ist, aber von seiner Argumentation u.U. plausibel – die russischen BUK-Teams würden über ein detailliertes Radar-Lagebild verfügen und also nicht zu „Panik-Abschussaktionen“ gezwungen sein, zudem würden die BUK-Systeme die Transpondersignale etwaiger Ziele auswerten und also ein ziviles Flugzeug als solches erkennen…

      Fazit – für mich bleibt die Frage der Verantwortlichkeit offen. Was ich ehrlich gesagt gar nicht fassen kann: Dass die angeblich so feinmaschige Überwachung durch Radar und Satelliten hier keine beweiskräftigen Hinweise geben können soll – das gilt ja auch für das ebenso unglaubliche „Verschwinden“ von MH 370.

      Jetzt aber mal nach den Regeln des gesunden Menschenverstandes: Ein Abschuss durch ukrainische Kampfflugzeuge macht nur dann Sinn, wenn tatsächlich ein paar durchgedrehte Personen (Piloten oder die Leitstelle…) die MH-Maschine mit der Präsidentenmaschine von Putin verwechselt haben – das wäre natürlich ein Skandal.

      Dass ukrainische Kampfflugzeuge MH 17 bewusst vom Himmel geholt haben, um das den ukrainischen Separatisten oder der russischen Armee in die Schuhe zu schieben, ist ziemlich absurd. Denn natürlich wäre das Risiko viel zu groß, dass irgendwann einer der notwendigerweise zahlreichen Beteiligten auspackt. Und natürlich hat die ukrainische Regierung im Vorfeld keine Hinweise darauf, wie genau das Szenario durch NATO- und russische Beobachtungen abgebildet wird, dass also der Abschuss nachgewiesen werden kann. Das Verhältnis von notwendigerweise eingeweihten Personen, dem Entdeckungsrisiko, der Zahl der Opfer und vom zu erhoffenden „Gewinn“ in der öffentlichen Meinung stimmt einfach nicht.

      Die Version vom versehentlichen Abschuss durch Separatisten (unterstützt durch russische BUK-Teams…) ist demgegenüber zumindest plausibler. Dass die direkt nach dem Abschuss in Social Networks geposteten „Erfolgsmeldungen“ russischer Separatisten (und deren Rückzieher bzw. Löschungen kurze Zeit später…), ebenso wie die Telefon-Aufzeichnungen der „Kosaken“-Befehlshaber mit den Beobachtern vom Absturzort von ukrainischer Seite gefaked worden seien sollen, ist ziemlich unwahrscheinlich.

      Die Sache ist nach wie ungeklärt (wie gesagt kaum zu fassen…) – ich wünsche mir nur angesichts der Opfer, dass das nicht so bleibt.

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