World Socialist Web Site beklagt Besucherrückgang und „Zensur“ durch Google

Wir reden ja ab und zu über das legendäre „Darknet“, also jene geheimnisvollen Bereiche des Internets, die nur Eingeweihten bekannt und zugänglich sind. In Wirklichkeit beginnt das Darknet schon auf der dritten Trefferseite von Google. Denn – wer schaut sich schon die Suchergebnisse 30 bis 50 an, wenn er schon bei den Top Ten „fündig“ geworden ist? Soll heißen – wenn eine Webseite bei Google nur unter „ferner liefen“ gelistet wird, bekommt sie eben ziemlich wenig Besuch. Nach welchen Kriterien die Suchmaschine entscheidet, was top und was flop ist – darüber gibt es immer wieder Streit und Aufregung.

Aktuelles Beispiel: die „World Socialist Web Site“ klagt über einen heftigen Besucherrückgang und wirft Google Zensur vor. Zumindest die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache – ganz offenbar hat der zurückgegangene Traffic etwas mit der Algorithmus-Nachjustierung zu tun, mit der Google – wie YouTube und Facebook auch – auf den Unmut der Werbekunden reagieren musste, die ihre Anzeigen nicht länger im Umfeld von Hatespeech, Verschwörungstheorien und Fake News platziert sehen wollten.

Ob Google aber – wie von der WSWS beklagt – wirklich eine eigene politische Agenda gegen „linke und progressive Websites“ von WikiLeaks bis hin zur „American Civil Liberties Union“ oder  „Amnesty International“ fährt, das wage ich einmal stark zu bezweifeln. Ich tippe eher – genau wie bei YouTube – auf eine blöde bzw. übereifrige KI. Denn nach wie vor liegt die im wesentlichen auf bestimmte Stichworte anschlagende „intelligente“ semantische Analyse gerne noch ziemlich daneben in der Einschätzung, um was es in einem Artikel oder auf einer Website tatsächlich geht.

Google dürfte Vorwürfe wie von der WSWS in eigenem Interesse durchaus ernst nehmen – letztlich beruhen alle mittlerweile mit (auch nicht mehr aus der Portokasse zu zahlenden…) Strafandrohungen bewehrte Vorwürfe auf der gleichen juristischen Position: Ein Monopolist muss allen Akteuren Chancengleichheit bieten und darf nicht das eigene Geschäft oder die eigene Position bevorteilen. Dass mittlerweile sogar die Psycho-Truppe aus dem IrrenWeißen Haus regulierend in das Geschäft der Netz-Giganten eingreifen möchte, das sollte doch als Anreiz zu strengster Neutralität ausreichen 🙂 …

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 28.07.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Nachklapp 31.07.2017 – Jens Berger von den Nachdenkseiten hat sich einmal die Mühe gemacht und nachgeprüft, ob die von der WSWS aufgestellten Vorwürfe nachvollziehbar sind – sein (von der politischen Richtung her ja sehr unverdächtiges 🙂 …) Fazit: Eigentlich nicht.

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