Schweizer Polizei warnt per App vor bevorstehenden Straftaten

Wenn beim morgendlichen Blick auf das Smartphone eine Warnung aufklappt – „Vorsicht Blitzeis“ oder wenn Wolkenbrüche für den Nachmittag angekündigt werden, dann ist klar, wie man reagiert: Vorsichtig fahren oder einen Regenschirm mitnehmen. Was aber tun bei der Push-Mitteilung „Achtung – heute erhöhte Einbruchsgefahr in Ihrem Wohnviertel“? Zuhause bleiben? Oder flüchten? Die Schmuckschatulle im Klavier verstecken? Den Rottweiler von der Leine lassen?

Vor dem schwierigen Problem stehen ab sofort die Bürger im Schweizer Kanton Aargau, wenn sie die App der dortigen Polizei nutzen. Die Ordnungshüter dort setzen nämlich auf „Predictive Policing“ und die Software „Precobs“ – und hinter der Verbrechens-Vorhersage steckt natürlich keine Wahrsagerei, sondern Statistik. Gerade was Delikte wie Autodiebstahl oder Wohnungseinbrüche angeht, ist der Ansatz offenbar sehr vielversprechend. Und prinzipiell lassen sich auch Datenquellen in die Analyse einbeziehen, die nicht nur auf bereits verübten Straftaten beruhen – wenn z.B. in einer ländlichen Wohngegend auffällig viele Handies mit rumänischen Nummern in die Mobilfunknetze eingebucht sind, könnte dies auf Einbrecherbanden „bei der Arbeit“ hinweisen. Oder auf harmlose Touristen 🙂 .

Das grundsätzliche Dilemma ist auch der Schweizer Polizei bewusst – sie hält trotzdem die positiven Aspekte für stärker. Und wer sich nicht verrückt machen lassen will, nutzt halt die App nicht – oder schaltet zumindest die Push-Warnungen aus.

Quelle: DRadio Wissen · Liveblog: Protest gegen G7-Gipfel

DRadio Wissen – Schaum oder Haase vom 2.6.2015

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