Panama Papers: Crowd-Recherche erwünscht, aber mit mauen Chancen…

Ich will nicht sagen, dass es völlig chancenlos ist, ein Jahr Recherchevorsprung von professionellen Journalisten aufholen zu wollen. Weil natürlich die Ressourcen von Profis auch wiederum sehr klar begrenzt sind: Wir arbeiten halt, von ein bisschen gelegentlicher Selbstausbeutung abgesehen, für Geld. Und welches Budget da für die Aufarbeitung der Panama Papers vorhanden war, kann man von außen nicht beurteilen. Aber wahrscheinlich haben sich die Kollegen die „interessanten“ Einträge im Mossack-Fonseca-Material schon ziemlich genau angeschaut.

Die Crowd im Netz könnte nun theoretisch noch einmal mit einer verteilten, aber um Größenordnungen höheren „Manpower“ ans Werk gehen. Die Einstiegshürden sind gering, der Datenbestand beim „International Consortium of Investigative Journalists“ (ICIJ) ist sortiert, verknüpft und grafisch aufbereitet. (Nachklapp: Dabei bleibt der Zugriff auf Namen, Adressen und deren Querverbindungen beschränkt – anders als ich das am Montag morgen zunächst angenommen hatte, betrifft auch die Downloadoption nur diese „Metadaten“ und nicht etwa die detaillierten Dokumente aus den „Kundenordnern“ selbst. Das soll auch so bleiben; laut Süddeutscher Zeitung wolle man nicht zum „verlängerten Arm der Staatsanwaltschaft“ werden.) Nur für sich allein genommen sind die geleakten Mossack-Fonseca-Einträge ja bestenfalls „interessant“, aber – so steht es auch immer auf der ICIJ-Website – noch kein Hinweis auf eine illegale Aktivität. Und ich wage zu bezweifeln, ob sich allzuviele dieser Einträge dann vielleicht in Kombination mit frei durchsuchbaren Web-Inhalten zu einem belastbaren Beweis für eine solche illegale Handlung ergänzen lassen.

Jedenfalls für Gelegenheits-Detektive dürften die Chancen eher schlecht stehen. Wer natürlich nach bestimmten Namen sucht und über diese Personen oder Firmen auch weitergehende Informationen aus anderen Quellen hat, für den ist die Recherche in der ICIJ-Datenbank möglicherweise doch lohnend. Vielleicht packt ja noch der eine oder andere Bankmitarbeiter, Buchhalter oder Steuerberater aus: Whistleblower sind auf der Website ausdrücklich willkommen. Eine Zielgruppe sitzt allerdings wahrscheinlich seit Montag früh mit leuchtenden Augen am Rechner: Die Finanzbeamten in aller Herren Länder. Könnte ja sein, dass der ganze Offshore-Zauber doch am Ende etwas mit Steuerhinterziehung zu tun hat 🙂 …

DRadio Wissen · Panama Papers: Der größte Leak der Geschichte

DRadio WIssen – Schaum oder Haase vom 04.04.2016 (Moderation: Till Haase)

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