Google schmeißt antisemitische Chrome-Extension aus dem App-Store

Man kann ja den israelischen Premier für einen opportunistischen Unsympathen halten, die irrlichternden Vertreter kleinerer rechter/orthodoxer israelischer Parteien für komplette Vollidioten und Nazi-Wiedergänger mit verdrehtem Vorzeichen – wer aber andererseits der schönen Verschwörungstheorie von den geheimen Plänen des “Weltjudentums” zur Erlangung der Weltherrschaft frönt, ist komplett gehirnamputiert. Betrifft also größere Teile der Weltbevölkerung 🙂 …

Und für diese Klientel ist es natürlich auch schon eine aufklärerische Tat, Juden als Juden zu identifizieren – im Netz zum Beispiel. Weil, wer ein Jude ist, bei dem ist ja alles klar. Ob Investmentbanker, Politikerin oder Chef eines Internet-Unternehmens. Oder so. Und zur Kennzeichnung dieser Juden, bei denen ja dann alles klar ist, da gibt es halt die drei Klammern. Also z.B. (((Michael Gessat))) – da steht jetzt die innerste Klammer für: Juden zerstören die Familie. Die mittlere: Juden zerstören die Nation durch Immigration. Und die äußere steht für das internationale Judentum. So weit, so einleuchtend.

Für die angesprochenen Gehirnamputierten ist da natürlich eine Browser-Extension wie „Coincidence Indicator“ ganz hilfreich – da weiß man eben schon beim Besuch auf irgendwelchen Webseiten: Jude, alles klar. Nach einem Bericht der Website mic letzte Woche hat nun allerdings Google die Extension aus dem App-Store geschmissen. Warum nur – was kann denn daran antisemitisch sein, einen Juden als Juden zu identifizieren? (Krokodiltränen-vergieß, naiver Augenaufschlag…) Genau. Um die Diskussion etwas zu befeuern – und um ein Zeichen gegen den antisemitischen Schwachsinn zu setzen, hat jetzt Brian Teeman von Joomla eine Gegenkampagne gestartet; hat selbst die drei Klammern um seinen Twitter-Usernamen ergänzt – mit der Aufforderung an alle, es ihm da gleich zu tun.

DRadio Wissen – Schaum oder Haase vom 06.06.2016 (Moderation: Thilo Jahn)

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