Helge Schneider zu Corona: Forever at Home, forever alone

Der alternative Eurovision-Song-Contest auf Pro 7 war ja gestern ein gewaltiger Bauchklatscher. Ärmliche Songs von “internationalen Stars” mit deutsch-verankertem Migrationshintergrund, eine Akustik wie aus dem Schuhkarton; pardon – dem Raab-Fernsehstudio. Uninspirierte Moderatoren und Interpreten, die in die leeren Ränge hinein “I-love-to-entertain-you”-Stimmung verströmen mussten. Dann die Väter, Freunde, Kumpels der Interpreten, die mal eben aus Daffke die “Nationen-Wertung” beisteuern.

Das alles war, geb ich ja zu, echt hart – für die Beteiligten und für die Zuschauer.

Und dann doch noch der Moment des Staunens, der Überraschung und der Begeisterung: Helge Schneider tritt als letzter Teilnehmer auf – “für Deutschland”. Und lotet den Corona-Wahnsinn aus, bis in die letzte “Stay-at-Home-Helden”-Ecke. Das reicht natürlich nicht für den “Sieg” im Contest; dazu ist die Verständnis-Ebene zu komplex. Aber ein epischer Augenblick. Forever.

 

Die geistige Gesundheit und Mobilität kann wieder gestärkt werden

Je mehr ich über den Satz in dem Brief gestern (im Beitrag hier ganz unten…) von unserer famosen NRW-Staatssekretärin für Sport und Gedöns, Frau Andrea Milz, nachdenke (“Durch die Änderung der Coronaschutzverordnung NRW können Sie sich nun wieder bewegen und Ihre geistige Gesundheit und Mobilität stärken.”), desto mehr komme ich ins Grübeln. Ist das ein äußerst feinsinniger Ansatz, meine intellektuelle Satisfaktionsfähigkeit in Frage zu stellen (dazu gibt es eigentlich im Vergleich der Argumentationstiefe in meinem Blogpost und der im Brief der Staatssekretärin keinen Anlass…)?

Ist es ein zartes, empathisches Eingehen auf die von mir geschilderten, ganz persönlichen Beeinträchtigungen, die ich durch die nicht gerechtfertigte wochenlange Sperrung der Golfplätze hinnehmen musste (die Schilderung war übrigens auch schon als Blaupause für eine Klage gegen die rechtlich nicht haltbare Maßnahme gedacht…)? Während Spaziergänger, Jogger und Fahrradfahrer ganz gemütlich durch Parks und Fußgängerzonen einherwandeln durften – trotz eines definitiv dort höheren Infektionsrisikos? Dazu bei Golfpost.de eine nette Karikatur:

Karikatur von Torsten Kropp bei Golfpost.de https://www.golfpost.de/community/posts/5eb038804c729f00062be320/

Ist es eine Botschaft an eine vermutet ältere Zielgruppe an der Grenze zur Senilität (die Frage ist ja, ob man die Passage lesen muss als “geistige Gesundheit und geistige Mobilität” oder “geistige Gesundheit und (körperliche…) Mobilität”)? Oder ist das Ganze einfach nur Behörden-Kommunikationsabteilungs-Geschwurbel? Ohnehin kann man ja recht lange darüber nachsinnen, ob die “Antwort” von Frau Milz bzw. ihrer Mitarbeiter(innen) noch als Zeichen guten Willens oder aber schon als Verhohnepiepelung interpretiert werden muss. Woanders galoppiert der Amtsschimmel bzw. der Corona-Wahnsinnsgaul ja ohnehin fröhlich weiter.

Die hehren Worte von DGV-Chef Claus Kobold jetzt sind bestimmt auch gut gemeint, aber eigentlich bestenfalls folkloristisch. Die “Clubverantwortlichen, der Dachverband, die Landesgolfverbände und viele Golferinnen und Golfer haben gemeinsam” eben nicht “erfolgreich dafür gekämpft”, dass wir wieder Golf spielen dürfen. Sondern wir sind – jedenfalls speziell in den Bundesländern NRW und Bayern, in denen ja Führungspersönlichkeiten mit Kanzlerambitionen das Sagen habe, absolut unerfolgreich in der ganz normalen Grabbelkiste “jetzt darf das ganze Sportgedöns mal langsam wieder lockern” gelandet. Egal, wie jeweils die tatsächliche Infektionsgefahr war oder ist.

Mit der Realitätswahrnehmung ist das ja immer so eine Sache. Bei Politikern wie auch bei Funktionären. Aus meiner Sicht war (und ist, in Bezug auf die immer noch bestehenden Einschränkungen…) das ganze Geschehen ein ganz klarer Rechtsbruch, eine unverhältnismäßige Einschränkung der Grundrechte und sogar eine Gesundheitsgefährdung. Und es war und ist ein ganz klarer Tigerfell-Bauchklatscher unserer Verbände, die eben offenbar doch überhaupt keinen signifikanten Einfluss auf die Politik haben, wenn es mal nicht um Champagnertrinken bei lustigen Schönwetter-Charity-Events und wohlfeile Sonntagsreden, sondern um differenzierte, wirklich wichtige Sachentscheidungen geht.

Wie dem auch alles sei. Mein Platz ist wieder auf, und ich habe heute die erste Runde gespielt. Leider ja erst mal nur 9-Loch. Mann, Mann; wie schön. (Und schon wieder könnte ich eigentlich ausrasten, welche Traumbedingungen wir in den letzten Wochen unnötigerweise in die Corona-Tonne gekloppt haben…) Aber wie heißt es so schön: “Schaue vorwärts, nie zurück.” (“In der Arbeit liegt dein Glück.” Wie, was?)  Der Platz ist jedenfalls in sehr gutem Zustand. Die renovierten Grüns auf der 6 und 7 sehen schon ziemlich anständig aus, obwohl man sie noch nicht bespielen darf. Mit Bunkersand aus Honolulu.

Das renovierte Grün auf der 7. Hoffentlich ist das bald wieder auf – das Wintergrün ist nämlich erheblich schwerer zu treffen…

Und der wegen Borkenkäfer oder Eichenlaubspinner oder sonstwas arg gerupfte Baum auf der 8 hat sich wieder ganz gut erholt und strahlt jetzt einen gewissen Bonsai-Charme aus. (Es gibt ja wohl, so haben mir das eingeweihte Kreise zugetragen, allen Ernstes einige Mitglieder im MGC, die den Baum gerne abholzen würden. Weil sie da nicht drüber oder dran vorbei kommen. Da kann ich nur sagen, ein Golfplatz ist doch kein Ponyhof. Einfach mal ein paar Stunden beim Pro nehmen, anstatt an die Kettensäge als Ausweg aus golferischem Unvermögen zu appellieren… 🙂

Die 8 mit dem wunderschönen Baum in der Mitte – der macht natürlich gerade den Charakter der Bahn aus.

Der Baum bleibt stehen. Basta. Ist eh ganz easy, drüber zu spielen. Klonk; Blätter riesel. Mist. 🙂

Die Kriminalpolizei-Einbruchswarnungs-Scammer rufen bei mir an

Heute so um 14 Uhr geht das Telefon, ein Herr Sowieso von der Kriminalpolizei ist dran. Ich geb mich mal im ersten Moment ganz kooperativ – wo ich doch Anfang letzter Woche bei meiner allerersten längeren Fahrt mit meinem neuen Auto – nämlich nach Bitburg zum Golfspielen in Rheinland-Pfalz 🙂 – direkt in die einzige, allen anderen Autofahrern bekannte Radarfalle reingerauscht bin. Gottseidank war das ja einen Tag vor der Anhebung der Verkehrssünder-Strafen.

Aber darauf wollte der Herr gar nicht hinaus. Sondern in meiner Straße sei nämlich in der Nähe eingebrochen worden, man habe die Täter da gefasst – eine rumänische Bande (das habe ich ja immer schon geahnt 🙂 ) – und bei den Tätern einen Zettel gefunden, auf dem mein Name und meine Adresse draufstand und die Info, bei mir gäbe es womöglich Goldmünzen oder -barren und viel Bargeld. Ob ich denn darüber mal mit irgendwem gesprochen habe?

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Mist, jetzt sind die schon da. Ok, ich hol die Uzi raus…

Ok, die Masche ist ja mittlerweile eigentlich allen bekannt, die nicht völlig senil; na ja, sagen wir mal etwas aus der Welt sind. Da fallen nicht mal meine Tanten drauf rein – bei denen haben die Dreckschweine auch schon letztes Jahr mal angerufen. Ich frage mich auch, wieso die es bei mir versuchen, ich heiße ja schließlich nicht Hans-Horst oder Adolf; und Michael deutet doch eher auf die Babyboomer-Zeit hin. Ich verfalle aber sofort in meinen “ich bin etwas verwirrt”-Ton, den ich ja schon in meiner Mailunterhaltung mit dem guten alten Barrister trainiert habe.

Gleichzeitig versuche ich das Gespräch irgendwie auf den Computer rüberzulegen, damit ich den Sportsfreund aufnehmen kann. Klappt erst mal nicht, also lege ich auf. Der Typ versuchts natürlich direkt wieder. Mist, meine Telefon-App funktioniert erst mal nicht, weil ich zunächst nicht schnalle, dass die das aktive Aufnahme-Equipment nicht etwa vom Windows-Standard übernimmt, sondern man das gesondert einstellen muss.

Inzwischen rufe ich schon mal die richtige Polizei in Rodenkirchen an, ob die nicht Lust haben, vorbeizukommen, um dann den Mule (der Scam läuft ja so, dass ich meine Wertsachen vorsichtshalber einem “Kripomitarbeiter” übergeben soll…) direkt hopszunehmen. Die Dame meint aber, das würde meistens nicht funktionieren. Außerdem seien sie gerade Corona-bedingt etwas dünn besetzt (genau wie das LKA letztens beim Mail-Scam…). Sie würden aber trotzdem jemand vorbeischicken, um eine Anzeige aufzunehmen – die könnten sie aus statistischen Gründen gebrauchen.

Ok. Kurz danach ruft der Scammer wieder an, inzwischen ist meine App bereit – und ich zeichne dieses wunderschöne Gespräch mit “Einsatzleiter Thomas Kehl” hier auf.

 

Ich laber und laber, in der Hoffnung, dass die richtige Polizei bei mir auftaucht und ich die Kollegen 🙂 dann vielleicht sogar persönlich miteinander plaudern lassen kann. Selbstredend habe ich sieben Krügerrand und zehn 50g-Goldbarren im Haus; das ist ja wohl das mindeste in diesen Krisenzeiten. Aber die richtige Polizei kommt erstmal nicht – ich versuche noch etwas Zeit zu schinden, indem ich eine akute Darm-Unpässlichkeit vorgebe; ich müsse also erst mal aufs Klo.

Irgendwann bricht die Verbindung ab, der Typ versucht es immer und immer wieder – mit Vorwahlnummern aus Marokko, Bolivien und Laos. Interessant, wo die Kripo überall Büros hat. Irgendwann ruft die richtige Polizei wieder an; es würde noch später werden – oder ich könne vielleicht die Anzeige doch online aufgeben. Mach ich; ich werde da auch das Audio mit reinschicken. Und ich hoffe mal, dass die richtigen Ordnungshüter bei einem richtigen Notfall dann trotz Corona doch einigermaßen “zeitnah” vorbeischauen 🙂

So. Die Sportsfreunde sind wieder da. Hier das nächste Audio:

Da brach gerade die Verbindung wieder ab.

Jetzt hat der Sportsfreund wieder angerufen. Ich hab noch ein Weilchen mit ihm geplaudert. (Die komischen Telefon-Nummern sind natürlich eine Top-Secret-Verschleierungsaktion…) Und ihm dann am Ende die bittere Wahrheit verkündet. Ich hab nämlich leider auch null Gold bei mir hier zuhause. Das Arschloch legt einfach auf. Wo gibt es denn so was??

Außerdem heiße ich Gessat, nicht Gesat; liebe türkische (?!) Sportsfreunde. Und die Leyboldstraße wird Leiboldstraße ausgesprochen.

Golfplätze bleiben weiterhin geschlossen. Ein Brief an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Armin Laschet,

Sehr geehrte Frau Staatssekretärin Andrea Milz,

ich habe heute eine Mail von meinem Golfclub erhalten, wonach die Anlage „jedenfalls bis Anfang Mai geschlossen“ und weiterhin kein Trainings- und Spielbetrieb möglich ist. Laut Information des Deutschen Golfverbandes DGV soll eine „neuerliche Prüfung“ dieser Restriktionen erst am 30. April erfolgen – wenn ich das „jedenfalls bis Anfang Mai“ richtig interpretiere, ist ja offenbar eine weitere Verlängerung der angeordneten Schließung durchaus möglich.

Der DGV als Dachverband hat sich zu dem von der Regierung getroffenen Beschluss bzw. den Ausführungsbestimmungen bereits „mit Enttäuschung und Unverständnis“ geäußert. Ich möchte Sie – lieber Herr Laschet und liebe Frau Milz – heute als Bürger des Landes Nordrhein-Westfalen; als Privatmensch, aber auch als Journalist fragen:

Können Sie mir irgendwelche Sachargumente nennen, inwiefern das Golfspielen für mich selbst oder für andere ein erhöhtes oder überhaupt irgendein Infektionsrisiko darstellen soll? Können Sie mir irgendwelche Sachargumente nennen, inwiefern das Golfspielen im Vergleich zu anderen, erlaubten Freiluftaktivitäten wie Spazierengehen oder Joggen im Park ein höheres Risiko darstellen soll und infolgedessen weiterhin untersagt werden müsste?

Der DGV als Dachverband hat versucht, Entscheidungsträger wie Sie darüber zu informieren, wie Golf als Freizeitaktivität ausgeübt wird. (Sie sollten das übrigens auch mal probieren, das wird Ihnen gut tun… 🙂 ) Ich wiederhole dies der Vollständigkeit halber auch noch einmal am Beispiel meiner eigenen – jetzt ja leider durch Sie unterbundenen – Aktivität:

Ich fahre zum Golfplatz, in meinem Fall mit dem Fahrrad, weil ich in unmittelbarer Nähe wohne. (Die meisten Golfspieler in Deutschland dürften ihre Plätze mit dem Auto aufsuchen, eine Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, bei der es ein Infektionsrisiko geben könnte, ist vermutlich eine absolute Ausnahme.) Dann gehe ich zum Abschlag der ersten Bahn, spiele meinen ersten Ball – und laufe danach mutterseelenallein die neun oder 18 Löcher über den Platz. Zwei bis vier Stunden.

Niemand ist in meiner Nähe – wir reden hier nicht von 1,5 Metern, sondern von hunderten Metern. Abstand halten gehört aus Sicherheitsgründen elementar zum Golfspielen dazu – damit man nicht von fremden Bällen getroffen wird und andere nicht mit dem eigenen Ball trifft. In diesem Szenario – dem Einzelspiel oder „Einer-Flight“ ist eine Infektion oder irgendein Infektionsrisiko absolut ausgeschlossen.

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Dass einem Spieler Hunderte oder Tausende Zuschauer folgen, ist die absolute Ausnahme – keine Sorge, Herr Laschet!

Kommen wir zu denkbaren anderen Szenarien. Auch beim Zusammenspiel von mehreren Personen ist es absolut üblich und überhaupt kein Problem, einen Abstand zu wahren – auch schon normalerweise meist ein Vielfaches mehr als 1,5 Meter. Nach den mittlerweile üblichen Spielbedingungen („Ready Golf“) geht jeder Spieler zu seinem Ball und spielt den bei Gelegenheit; immer unter der Maßgabe, keinen Mitspieler zu gefährden und also Abstand zu halten. Auch am Ziel einer jeden Bahn, dem „Grün“, wo der Ball (hoffentlich…) eingelocht wird, gibt es keinerlei Notwendigkeit oder Anlass, einen gewissen Abstand zu unterschreiten.

Selbstverständlich bedeutet auch das gemeinsame Spiel von Ehepartnern oder Angehörigen einer Haushaltsgemeinschaft keinerlei zusätzliches Risiko – selbstverständlich sind daher ja auch gemeinsame Spaziergänge erlaubt.

Mit der am Mittwoch eingeleiteten „Lockerung“ der Corona-bedingten Einschränkungen gehen wir aus der Phase der – übrigens ja von keinerlei gesicherten Fakten untermauerten – Erstreaktion in eine Phase der rationalen, abwägenden Gegenüberstellung: Was können Restriktionen bewirken, was sind die „Kollateralschäden“ dieser Restriktionen? Sind möglicherweise die Kollateralschäden größer als der mögliche Nutzen der Maßnahmen? Werden möglicherweise Grundrechte eingeschränkt, ohne dass dies in einer Abwägung der Verhältnismäßigkeit geboten und auch rechtlich zulässig ist?

Ich möchte Ihnen einmal – ganz subjektiv – die Auswirkungen schildern, die das Verbot des Golfspielens momentan für mich persönlich bedeutet: Golf ist für mich der – leider viel zu spät entdeckte – ideale Ausgleich für meine Tätigkeit als „Bildschirmarbeiter“. Ich bin 55 Jahre alt, habe einen schönen, aber auch stressigen Job als freiberuflicher Journalist beim Deutschlandfunk. Mit Frühdiensten, bei denen ich um 4 oder 5 Uhr aufstehen muss. Bei aller Routine – wann immer es Probleme oder Stress oder auch einmal Arbeitsplatzsorgen gibt, spüre ich mein Herz. Seit ich vor knapp drei Jahren mit dem Golfspielen angefangen habe, habe ich acht Kilo abgenommen, bin ausgeglichener, zufriedener, glücklicher.

Sie nehmen mir das gerade weg.

Aus Gründen, die nicht nachvollziehbar sind. (Ich warte natürlich gern auf Ihre diesbezüglichen „Sachargumente“…) Ich habe seit dem Beginn der Platzsperren vier Kilogramm zugenommen. Natürlich – ich könnte auch zwei Stunden täglich irgendwie so in vergleichbar schnellem Tempo mit einem Ersatzgewicht von 10 kg auf dem Rücken durch die Gegend latschen – in einer vermutlich im Vergleich zu einem Golfplatz signifikant höher „virenbelasteten“ Umgebung. Aber das ist natürlich utopisch. Ich trinke auch gerade mehr Alkohol als sonst. Auch das könnte ich natürlich lassen. Aber Sie selbst werden als Privatpersonen und ganz normale Menschen wissen – das theoretische „könnte man machen“ und das tatsächliche Machen sind zwei unterschiedliche Dinge.

Langer Rede kurzer Sinn: Die Restriktionen in Bezug auf Golfplätze treffen mich hart. Sie treffen mich hart in gesundheitlich, in physischer und psychischer Hinsicht. Sie treffen andere, ältere Golffreunde noch viel härter – möglicherweise sogar letztlich lebensgefährlich. Und es gibt meines Erachtens keine, aber auch gar keine dem entgegenstehende Sachargumente (auf etwaige Einlassungen Ihrerseits bin ich wie gesagt gespannt…).

Es gibt möglicherweise irgendwelche „Solidaritäts-Erwägungen“ nach dem Motto „wenn bestimmte Sporteinrichtungen schließen müssen, dann müssen alle schließen“. Aber mit Verlaub – das ist doch totaler Unsinn. Einem Handballer, der vielleicht aufgrund der Infektionsgefahr bei seinem doch recht kontaktträchtigen Sport in der Halle bis auf weiteres auf Training und Wettkämpfe verzichten muss, hilft es überhaupt nichts, wenn ich auch nicht – mutterseelenallein – Golfspielen darf. Auch bei den übrigen „Lockerungsmaßnahmen“ wird ja differenziert – wo gibt es hohe Risiken, wo geringe?

Ich möchte Sie – Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, Sehr geehrte Frau Staatssekretärin – einmal bitten, über diese Dinge kurz und gründlich nachzudenken.  Es geht hier nicht um die Freizeitbeschäftigung einer möglicherweise etwas elitären Bevölkerungsgruppe oder eine „Extrawurst“. Sondern es geht darum, abzuwägen: Was ist in dieser schwierigen Situation und angesichts erheblicher Einschränkungen und Einschnitte in das Leben aller Bürgerinnen und Bürger sachorientiert, rational und juristisch haltbar?

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Gessat; Journalist, Köln

 

P.S. 18.04.2020 Das hier: (“Jogging, Gymnastik und Golfen ja – Mannschaftssport nein”) bei meinem Sender lese ich aber jetzt mit großem Interesse 🙂 …

P.S. 03.05.2020 Mein Hoffen vom 18.04.2020 war ja offenbar auch nur ein großer Rohrkrepierer. Herr Laschet registriert zwar richtigerweise die “wachsende Wut” in der Bevölkerung – aber offenbar nicht primär die von Golffreunden. Und offenbar ist seine BILD-Zeitungs-Angst immer noch größer als seine angebliche Neigung zur sachgemäßen Differenzierung und Wahrnehmung von Unverhältnismäßigkeiten. Frau Milz ist trotz ihrer angeblichen Empfindlichkeit für “herzerweichende” Zuschriften von lahmgelegten Breitensport-Treibenden in einer bräsigen “Ich-kann-mir-doch nicht-alle-Sportarten-einzeln-angucken-Versenkung” abgetaucht.

Auch der Golfverband NRW vermeldet Betrübliches:

Informationen zur Corona-Entwicklung und die Folgen für den Golfsport in NRW – Stand 02.05.2020 um 17:00 Uhr

Liebe Mitglieder,

am 30. April haben Bundesregierung und Ministerpräsidenten sich nicht mit dem Thema Lockerung der Verbote für den Breiten- und Freizeitsport befasst. Die von uns allen erhoffte Öffnung der Golfanlagen blieb aus. Das Thema wurde auf den 6. Mai vertagt. Wir als Golfverband NRW sind enttäuscht.

Trotz der intensiven Lobbyarbeit des DGV auf Bundesebene und des Golfverbandes auf Landesebene müssen wir leider feststellen, dass Lockerungen des Amateur- und Breitensports im allgemeinen sowie die Freiluftsportarten im Besonderen von der Politik im Bund und in NRW zurückgestellt werden.

Unsere Geschäftsstelle haben seitdem zahlreiche emails erreicht, in denen wir zur Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens aufgefordert werden. Dazu ist folgendes klarzustellen:

Das Präsidium hat sich in den letzten Wochen mehrfach mit der Frage befasst, ob und welche rechtlichen Möglichkeiten für uns als Verband bestehen, gegen die Schließung der Golfanlagen vorzugehen. Nach Auffassung des Präsidiums hätte ein durch den Golfverband NRW angestrengtes gerichtliches Verfahren schon deswegen keine hinreichende Aussicht auf Erfolg, da der Golfverband NRW nicht Betreiber einer Golfanlage und damit nicht unmittelbar von dem Verbot Betroffener ist. Die bloß mittelbare Betroffenheit über unsere Mitglieder und Aktiven reicht nicht aus.

Soweit wir auf ein von dem Bayerischen Golfverband angestrengtes Verfahren hingewiesen werden, ist nach unseren Informationen, der Bayerische Golfverband nicht Antragssteller dieses Verfahrens, sondern vielmehr eine Betreibergesellschaft, die das Verfahren im eigenen Namen und auf eigene Kosten führt.

Nach unserer Kenntnis ist vor den zuständigen Gerichten in NRW bereits ein von verschiedenen Personen angestrengtes sog. Eilverfahren anhängig. Ein weiteres Verfahren wird nach unseren Informationen aktuell vorbereitet. Wir hoffen auf eine zeitnahe Klärung der offenen Rechtsfragen durch die Gerichte. Der Golfverband NRW ist grundsätzlich bereit, derartige Verfahren, soweit sie im Interesse unserer Mitglieder liegen, angemessen zu unterstützen.

Bei aller nachvollziehbaren Enttäuschung und Frustration über die Schließungen der Golfanlagen und die Entscheidungen der Politik, auf die wir als Golfverband leider keinen Einfluss haben, möchten wir Sie darum bitten, die Grundregeln des menschlichen Anstands und des Umgangs, insbesondere gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Geschäftsstelle zu wahren. Das war in der Vergangenheit leider nicht immer der Fall. Vielen Dank.

Bleiben Sie gesund!

Das Präsidium

Ok, da bleiben für mich in dem zitierten Text jetzt so ein paar Fragen offen: “Trotz der intensiven Lobbyarbeit des DGV auf Bundesebene und des Golfverbandes auf Landesebene” und “die Entscheidungen der Politik, auf die wir als Golfverband leider keinen Einfluss haben”… Ach so, ich dachte “Lobbyarbeit” hieße eben genau Einfluss auf Entscheidungen der Politik nehmen, oder das zumindest versuchen. Das war wohl nix. Da kann man natürlich schon ganz kurz drüber nachdenken, ob dann die bislang handelnden Personen den bestmöglichen Impact-Faktor haben oder auch nicht. Oder ob da niemand eine Chance gehabt hätte; aufgrund der Bräsigkeit und der BILD-Zeitungs-Empfindlichkeit (“bitte nicht den Fahrstuhl runter…”) der Kanzlerkandidaten.

Geschenkt. Jetzt kommt tatsächlich langsam die Stunde der Gerichte. Man kann ja zur Auffassung von Epidemiologen stehen, wie man will – auf den Golfplätzen wird sich die Schlacht jedenfalls nicht entscheiden. Da sind eindeutig die Kollateralschäden um Dimensionen höher als der vermeintliche Nutzen der Einschränkungen.

Ich nehme das mal mit Interesse zur Kenntnis, was in dem GVNRW-Statement an laufenden Verfahren berichtet wird. Völlig klar – eine erfolgreiche Klage muss unter Darlegung der persönlichen Betroffenheit erfolgen. Anregungen dazu in meinem Post – ab nächster Woche werde ich selbst auch Klage einreichen.

Mit etwaigen Wahlstimmen für Sie, lieber Herr Laschet, liebe Frau Milz – das wird jetzt irgendwie nix mehr. Trotzdem sollten Sie es mal versuchen mit dem Golfspielen. Wird Ihnen guttun. Auch sogar in Hinblick auf: Richtige Entscheidungen treffen.

P.S. 07.05.2020:  Ich habe gerade überraschenderweise eine Antwort auf meinen Brief/meine Mail vom 16.04.2020 an Herrn Laschet und Frau Milz bekommen. Es lebe der bürgernahe Dialog! Da die Staatssekretärin jetzt nicht allzu differenziert auf meine Fragen bzw. Argumente eingeht 🙂 , ist es glaube ich ok, wenn ich dieses Schreiben hier ohne vorherige Nachfrage bei der Staatskanzlei auch veröffentliche:

Dass wir uns jetzt netterweise “nun wieder bewegen” und unsere “geistige Gesundheit und Mobilität stärken” dürfen, hatte ich allerdings auch schon durch intensive Beobachtung der Nachrichtenlage mitbekommen. 🙂 Morgen um 14 Uhr habe ich meine erste Startzeit. Das wird eine langwierige Rekonvaleszenz, fürchte ich.

Corona-Strategie: “Je härter die Maßnahmen, desto besser”

Ich habe heute erst das Interview bei zeit.de mit dem Mathematiker Wolfgang Bock gelesen, der “an der TU Kaiserslautern zur Ausbreitung von Krankheiten forscht” und offenbar auch die polnische; zum Glück nicht die deutsche Regierung berät. Herr Bock plädiert für eine maximale Beibehaltung bzw. sogar Ausweitung der Kontaktsperren und des “Social Distancing”, bis das Corona-Virus “ausgestorben” ist.  Weil es eben irgendwann nicht mehr “genügend” Überträger gibt. Den nötigen Zeitraum für diese Strategie und die Aufrechterhaltung der Maßnahmen hat Herr Bock bei “90% Kontaktreduzierung” auf “etwas mehr als ein Jahr” taxiert.

Bis dahin also Shut-Down, mit wahnwitzigen Folgen für das Leben aller Menschen und der Wirtschaft, mit wahnwitzigen auch gesundheitlichen “Kollateralschäden” aufgrund der Einschränkung der Bewegungsfreiheit? Es gibt da ja leider einen klitzekleinen Haken an diesem wunderschönen mathematischen Modell, wie man das Virus “aushungern” lassen kann – und der ist sogar dem Experten Wolfgang Bock klar, weil es ja nach dieser Strategie keine “Herdenimmunität” geben wird:     

“Würde das Virus dann von außerhalb wieder importiert – was nicht unrealistisch ist – stünde man vor einem Problem.”

Bingo – nämlich vor exakt dem gleichen, wie gerade derzeit auch schon. (Nur dass bis dahin schon ein paar hundert Milliarden Euro verbraten sind, so und so viele Leute Pleite gemacht, psychisch zerstört sind oder Selbstmord begangen haben…) Wir wären dann wieder bei Null und könnten also das Spielchen bis in alle Ewigkeit fortführen.

Dann müsste man hoffen, dass möglichst bald ein Impfstoff zur Verfügung steht. Solche Überlegungen sind in diesem Modell aber noch nicht berücksichtigt. Hier haben wir erst einmal geprüft, was mathematisch am sinnvollsten wäre.

Eben. “Hoffen”. Und “noch nicht berücksichtigt”. Und deswegen ist diese isolierte “mathematische” Betrachtung einfach totaler Bullshit. Sorry. Nach diesem “etwas mehr als ein Jahr” des Wahnsinns mit allen wirtschaftlichen, psychischen und gesundheitlichen “Kollateralschäden” müsste man ja die Grenzen auch weiter zulassen. Kein Urlaub, keine Dienstreisen im Ausland mehr für Deutsche, keine Einreise mehr für Leute aus dem Ausland ohne mindestens zweiwöchige Quarantäne. Für immer. Solange nicht alle anderen Staaten auf der Welt das gleiche Szenario genauso strikt durchziehen.

Aber wer sagt, dass es nicht im nächsten Jahr eine neue Virus-Variante mit der gleichen Letalitäts-Rate gibt – die aber bislang eh ja noch gar nicht zuverlässig quantifiziert worden ist? (Vom übrigens theoretisch auch jederzeit denkbaren Szenario einer wirklich dramatischen Pandemie mit Letalitätsraten wie bei Ebola jetzt einmal völlig zu schweigen…) Ich muss da ganz offen sagen – obwohl ich mit meinen 55 Jahren ja auch schon ansatzweise zur “Risikogruppe” zähle: Es kann nicht sein, dass 99% (oder 99,9%?) der Bevölkerung ihr Leben auf unabsehbare Zeit in die Tonne kloppen, um möglicherweise das Leben von 1% (oder 0,1%?) der Bevölkerung etwas zu verlängern.

Mathematische Modelle mit “Ideallösungen” sind eine Sache – erst recht, wenn man einfach ganz elementare reale Parameter einfach erst mal salopp unter den Tisch fallen lässt. Realitische, politisch durchsetzbare Szenarien sehen anders aus. Das sind Abwägungen, in denen auch irgendwann Zumutbarkeiten und Verhältnismäßigkeiten eine Rolle spielen. So ist das auch verfassungsmäßig vorgesehen. Mit freischwebendem “Experten”- Herumgerechne ist jedenfalls auch niemand gedient.

Charles Jackson spendet mir eine Million für Corona. Eine Scammer-Story

Für die allermeisten Menschen ist die Corona-Pandemie eine ganz erhebliche Belastung. Das reicht von gravierenden Einschnitten in die Bewegungsfreiheit und Lebensführung hin zu leichten, mittleren, schweren oder existenzvernichtenden Einschnitten in die wirtschaftliche Existenz. Von den tatsächlich gesundheitlich Betroffenen gar nicht zu reden: von den Opfern, von deren Angehörigen, von medizinischem Personal, das das eigene Leben riskiert – und das nun ethisch furchtbare Entscheidungen treffen muss.

Es gibt allerdings eine ganz spezielle Spezies, man kann auch getrost sagen: Abschaum – bei der herrscht gerade absolute Wildwest- oder Festtagsstimmung: Das sind die notorisch Kriminellen, die Berufs-Betrüger und Abzocker. Die auch schon in normalen Zeiten schamlos staatliche Hilfen abgreifen, die eigentlich für Menschen in tatsächlichen Schwierigkeiten gedacht sind. Die auch schon in normalen Zeiten auf der Suche nach alten, gutgläubigen oder dementen Opfern sind; die auch schon in normalen Zeiten gnadenlos gerade die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft im Visier haben.

Nun, in der Corona-Krise tun sich für diese kriminelle Spezies ungeahnte Möglichkeiten auf; von der zusätzlichen immensen Verunsicherung der Menschen bis hin zu zusätzlichen Möglichkeiten, staatliche Kohle abzugreifen. Angesichts dieses Szenarios, und angesichts meiner “freiwilligen Selbstquarantäne” letzter Woche bin ich mal wieder auf eine völlig absurde Scamming-Email eingegangen. Um mal zu schauen, ob die Ausnahmesituation da irgendwelche Skrupel generiert bei den Betrügern. (Natürlich nicht.) Und um einmal das schöne, alte Genre des Briefromans wiederzubeleben. 🙂

Es geht los:

Von: Mr. CHARLES JACKSON <glennie@cedarpoint.com>
Gesendet: Mittwoch, 25. März 2020 00:22
An: Recipients <glennie@cedarpoint.com>
Betreff: RE

Herzliche Glückwünsche!!!

Als Teil meiner humanitären individuellen Unterstützung in diesen schweren
Zeiten der Bekämpfung der Coronavirus-Krankheit (COVID-19); Ihr E-Mail-Konto
wurde für eine Spende in Höhe von 1.000.000,00 USD für wohltätige Zwecke und
für die medizinische Unterstützung in Ihrer Gemeinde ausgewählt. Bitte
kontaktieren Sie uns für weitere Informationen

Ok, über das postponierte “wurde” sehen wir mal hinweg.

Von: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Gesendet: Mittwoch, 25. März 2020 18:29
An: ‘charleswjacksonjr33@gmail.com’ <charleswjacksonjr33@gmail.com>
Betreff: AW: RE

Lieber, verehrter Herr Charles Jackson –
Von Ihrer zutiefst humanitären Gesinnung bin ich ebenso gerührt wie erschüttert. Gott der Allmächtige segne Sie!! Tatsächlich sind die Menschen in meiner Gemeinde vom Corona-Virus hart getroffen – viele meine Arbeitskollegen, Freunde und Verwandte liegen bereits im Krankenhaus und ringen mit dem grausamen Tod; andere haben ihr Einkommen verloren und wissen nicht mehr aus noch ein.
Ihre großherzige Unterstützung kommt da wie gerufen und als Rettung in letzter Minute – noch einmal Danke an Sie und an den Allmächtigen!!
Bitte teilen Sie mir mit, was ich tun muss, damit die Kohle so schnell als möglich auf mein Konto fließen kann – um dann selbstverständlich für die Linderung der Not in meiner Gemeinde eingesetzt werden zu können.

Mit den besten Wünschen,

Ihr
Michael Gessat
Köln (Cologne, Germany)

Invokationen an jenes höhere Wesen, das wir verehren, verstärken nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Scammern die Glaubwürdigkeit beim Scambaiting und sorgen für eine angenehme Kommunikationsbasis 🙂 … So, jetzt wird es ernst – ich erhalte ein “Dokument”:

 

Von: Charles W Jackson Jr <charleswjacksonjr33@gmail.com>
Gesendet: Mittwoch, 25. März 2020 19:48
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

 

Hallo und Grüße
Michael Göbel

Diese E-Mail dient als Bestätigung, dass ich Ihre erhalten habe
Informationen, um Ihre Annahme meiner Spende von zu bestätigen
$ 1,000,000.00 USD an Sie, indem Sie die erforderlichen Informationen
als weiterleiten
Identitätsnachweis gemäß ZIRAAK BNAK – Banking Policy
und ethisch weise. In anderen für Sie, um Ihre Spende in zu erhalten
vollständige Einhaltung der Betriebsrichtlinien der Akkreditierungsbank
Überweisung Ihres Geldes, müssen Sie den beigefügten Brief für die
Ansprüche / Nachlassanordnung, die von meinem Rechtsbeistand im
Einvernehmen vollständig vorbereitet wurden
mit der überweisenden Bank

In der E-Mail ist ein rechtliches Dokument für den Anspruch beigefügt,
um sicherzustellen, dass dies der Fall ist
Unterschreiben Sie heute, denn unter den 5 Begünstigten ist nur noch Ihrer übrig
Dieses Dokument ist ein juristisches Dokument, das Sie als bestätigt
der Begünstigte, da Sie Zeit haben, an diesem Projekt teilzunehmen i
Ich möchte mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken.

Sobald Sie mit der Unterzeichnung des Dokuments fertig sind, leiten
Sie eine Kopie an unsere weiter
Die unten stehende E-Mail-Adresse der Rechtseinheit leitet auch eine
Kopie an die überweisende Bank weiter
E-Mail auch, sie
wird es von dort nach Bestätigung des Zeichendokuments aufnehmen
und stellen Sie sicher, dass Ihre Spende in Höhe von $ 1,000,000.00 USD
bei Ihnen zu Hause bestätigt wird
Bankkonto

Unten finden Sie die E-Mail, um sicherzustellen, dass das signierte
Dokument an sie weitergeleitet wird
nachdem Sie mit der Unterzeichnung fertig sind

DENIZ CHAMBERS
Rechtsanwalt. Mike Anderson (Esq)
E-Mail: barristermikeanderson505@gmail.com
Tel.: +1 (785) 3289627

auch die überweisende Bank-E-Mail, da die Spende bereits erfolgt
legal genehmigt und bei der Korrespondenzbank hinterlegt für
Transfer

ZIRAAK BANK
Website: https://www.zraatbk.com/t
E-Mail: info@zraatbk.com
E-Mail: account@zraatbk.com
Tel.: +905348439411

Weitere Anweisungen werden Ihnen nach Unterzeichnung mitgeteilt
Dokument wird vom Rechtsanwalt bestätigt, danke, dass Sie sich selbst
gemacht haben
verfügbar für die Dienste der Menschheit Gott segne

GLÜCKWÜNSCHE EINMAL MEHR!

Herzliche Grüße
HERAUSGEGEBEN VON:
Charles W Jackson Jr.

 

Uups, das hapert sprachlich natürlich schon gewaltig – dabei gibt es doch mittlerweile so tolle Übersetzungsdienste im Netz. Und wieso “Michael Göbel”, und wer ist “Hans Herrmann”? Aber ok, wenn der Allmächtige, die Dienste der Menschheit und eine Million im Spiel sind, dann kann man das gerade noch so akzeptieren.

Oder vielleicht solltet ihr Wixxxx doch mal etwas mehr Sorgfalt und Aufwand betreiben? Ich kann ja schließlich bei der Arbeit auch nicht nur rumschludern.

Von: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Gesendet: Mittwoch, 25. März 2020 20:50
An: ‘Charles W Jackson Jr’ <charleswjacksonjr33@gmail.com>
Cc: ‘barristermikeanderson505@gmail.com’ <barristermikeanderson505@gmail.com>
Betreff: AW: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

Lieber, verehrter Herr Charles Jackson –

Ich habe das Dokument unterschrieben und an Sie und Herrn Rechtsanwalt Anderson weitergeleitet.

Gott segne Sie!

Ihr Michael Gessat

 

Na gut, die Unterschrift ist jetzt etwas krakelig geworden. Aber das wird schon reichen. Bingo! Ab jetzt übernimmt der Barrister, der Rechtsanwalt die Kommunikation:

Von: barrister mike anderson <barristermikeanderson505@gmail.com>
Gesendet: Donnerstag, 26. März 2020 10:55
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

 

HALLO

Herr Michael Gessat

 Ich habe seit dem Morgen an Ihrer Datei gearbeitet. Das gesamte notwendige Dokument wurde an die richtige Stelle gesetzt. Nein, damit Sie die Spende erhalten.

Sofort, damit Sie Ihre Spende erhalten, haben wir zwei Optionen, aus denen Sie auswählen müssen. Diese Optionen werden von der ZIRAAT BANK getroffen.

ERSTE OPTION .1

SIE MÜSSEN EINE UNIVERSELLE ATM-MASTER-KARTE VORBEREITEN, DIE SIE VERWENDEN KÖNNEN, UM IN EINEM LAND IHRER WAHL UND EINEN ATM IN DER NÄHE VON IHNEN ABZUZIEHEN
GELIEFERT IN IHREM TÜRSCHRITT. ABER ES KOSTEN SIE DIE SUMME VON  550 EURO UND DIESER BETRAG WIRD VOM BEGÜNSTIGTEN BEZAHLT, WÄHREND DIE ANDEREN AUSGABEN VOM SPENDER (MR CHARLES JACKSON W
JR) Okay

DIE ZWEITEN OPTIONEN 2

SIE KÖNNEN DAS GELD ÜBER EINE ONLINE-BANK ERHALTEN, DIE BANK ERSTELLT EINEN ONLINE-ZUGRIFF UND GEBEN IHNEN DIE ANMELDUNG, UM IHRE EIGENE LOKALE BANK IHRER WAHL ZU ÜBERTRAGEN, UND SIE KÖNNEN DIESE ÜBERTRAGUNG FÜR 5 ARBEITSTAGE TUN. UND ES WIRD AUCH 1 STUNDE BANKEN, UM DAS KONTO FÜR SIE ZU ERSTELLEN, WENN DIE GEBÜHREN BEZAHLT SIND. DIE GESAMTGEBÜHR IST 850 EURO OKAY.

SIE MÜSSEN AUS DIESEN ZWEI OPTIONEN AUSWÄHLEN UND JETZT ZU MIR ZURÜCKKEHREN, UM DIE BANK SOFORT ZU BETRIEBEN SIE MÜSSEN DAS GLEICHE TUN UND GLÜCKLICH OKAY SEIN.

Ich warte auf Ihre dringende Antwort so bald wie möglich.

MIT BESTEM GRUSS

BARRISTER MIKE ANDERSON (EQS)

Na ja, na ja. Die könnten schon ein bisschen feilen an ihrem Deutsch. “Geliefert in Ihrem Türschritt”. “Glücklich okay”. Häh? Aber gut, es muss ja weitergehen, und ich bin senil, gutgläubig, aber trotzdem gewitzt.

Von: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Gesendet: Donnerstag, 26. März 2020 13:49
An: ‘barrister mike anderson’ <barristermikeanderson505@gmail.com>
Betreff: AW: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

Lieber, verehrter Herr Anderson –

Gott sei dank haben Sie sich wieder gemeldet – ich hatte schon Angst, nichts mehr von Ihnen zu hören! Die Corona-Situation wird immer schlimmer hier, und ich werde alles tun, damit Ihre großherzige Spende hier so schnell wie möglich ankommt!

Ich habe etwas Zweifel, ob ich tatsächlich ohne Probleme 1 Million aus einem ATM in meiner Nähe abziehen kann. Deswegen denke ich, Option 2 ist besser – auch wenn die Gebühr etwas höher ist. Was denken Sie? Wie kann ich die 850 Euro transferieren?

Bitte antworten Sie schnell. Und noch einmal vielen Dank für Ihre Arbeit!

Mit allerbesten Grüßen,

Michael Gessat

Da habe ich den Nagel auf den Kopf getroffen. Selbstverständlich ist es viel besser, 850,- statt nur lumpige 550,- zu transferieren. Wir sind uns in dieser Frage total einig.

Von: barrister mike anderson <barristermikeanderson505@gmail.com>
Gesendet: Donnerstag, 26. März 2020 14:09
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

 

Hello
Ich habe Ihre E-Mail erhalten und es wurde mir gut notiert, okay

Und ich möchte, dass Sie wissen, dass Sie die besten Optionen ausgewählt haben, und ich versichere Ihnen, dass die Bank nach Zahlungseingang innerhalb von 1 Stunde den Online-Zugang für Sie erstellt, damit Sie das Geld heute unverzüglich auf Ihr Konto überweisen können .
Sie müssen die Zahlung per Western Union oder Geldgramm leisten.

Unten finden Sie die Informationen, die Sie verwenden müssen, um die Zahlung jetzt dringend zu leisten und mir den Beleg zur Bestätigung zu senden.

Name: BABAMYRAT
Nachname: DADEBAYEV
Land: turkey
Stadt: Istanbul

Bitte stellen Sie sicher, dass Sie keine Fehler im Namen machen, okay.

Ich werde Ihre dringende Zahlung so schnell wie möglich abwarten, da ich die Bank bereits darüber informiert habe.

Mit bestem Gruß

Rechtsanwalt Mike Anderson (EQS)

Oha, oha. Ihr sitzt also in der Türkei, in Istanbul? Möglicherweise ist der Name tatsächlich schon der Name des Scammers – anscheinend ein Angehöriger der turkmenischen Volksgemeinschaft 🙂 Theoretisch kann “Babamyrat Dadebayev” natürlich auch ein “Mule” sein, ein weiterer Trottel in dem Betrugs-Geschäft, der nur Western-Union-Transaktionen abholt und seinen Arsch dafür hinhält. Ich tippe aber mal eher darauf, dass die Abzock-Chose von ein paar turkmenischen Sportsfreunden in Istanbul durchgeführt wird. Bei Google findet man aber leider nix.

Von: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Gesendet: Donnerstag, 26. März 2020 14:40
An: ‘barrister mike anderson’ <barristermikeanderson505@gmail.com>
Betreff: AW: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

 

Vielen Dank! Es ist gut und beruhigend, dass Sie immer so schnell reagieren. Gott sei gepriesen!

Ich kenne mich nicht gut aus mit „Western Union“ oder „Geldgramm“ – aber ich werde mich informieren. Hoffentlich gibt es diese Zahlungs-Dienstleister in meiner Nähe.

 

Herzliche Grüße.

Für solche Probleme eines alten, technikfernen Mannes bietet der Barrister selbstredend Support:

Von: barrister mike anderson <barristermikeanderson505@gmail.com>
Gesendet: Donnerstag, 26. März 2020 14:46
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

 

Okay, Sie können zu jedem Western Union-Büro oder Geld-Gramm-Büro gehen, um die Zahlung sofort zu leisten und uns den Einzahlungsschein in Ordnung zu schicken.

Ist sehr einfach, Western Union oder Geld-Gramm-Büro zu finden, können Sie von Google suchen und es bringt Sie zu dem Büro näher an Ihrer Region in Ordnung.

Zweck des Sendens können Sie setzen: medizinische Versorgung.

Ich werde auf Ihre dringende Antwort warten

Von Google suchen? Wie geht das denn? Ich als alter Mann setze da doch eher auf bewährte analoge Abläufe. Außerdem gibt es kein Geld-Gramm. Man kann eben nicht alles eins zu eins durch Übersetzungssoftware jagen, Du Vollhonk.

Von: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Gesendet: Donnerstag, 26. März 2020 19:54
An: ‘barrister mike anderson’ <barristermikeanderson505@gmail.com>
Betreff: AW: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

Verehrter Herr Barr. Mike Anderson,

ich bin ein alter, schwacher Mann – und hier in meiner Nähe gibt es kein Western-Union- oder Geld-Gramm-Büro, zu dem ich schnell gehen könnte. Aber ich bin zu meiner Bank – der Commerzbank – gegangen. Tatsächlich war es dort völlig unproblematisch, eine Zahlung per Western Union in Auftrag zu geben.

Ich habe dies sofort veranlasst – aber es gibt offenbar wegen der Corona-Krise neue Vorschriften für Geld-Überweisungen ins Ausland. Die Europäische Zentralbank hat irgendwelche neuen Regeln erlassen, um „Geldwäsche“ zu verhindern. Ich weiß gar nicht, was Geldwäsche überhaupt ist. Entschuldigung.

Auf jeden Fall – wenn ich den Bankberater richtig verstanden habe – ist es nun Vorschrift, dass jeder Geld-Transaktions-Empfänger im Ausland seine Rechtmäßigkeit mit einer symbolischen Zahlung von EUR 1 legitimiert. Ich verstehe dies alles nicht, aber ich denke, Sie werden sich da besser als ich auskennen und das verstehen.

Es ist anscheinend erforderlich, dass Sie zunächst EUR 1 an die Commerzbank transferieren. Ich soll Ihnen diesen Link (paypal.me/CommerzbankWUTrust) weitergeben, so steht es in dem Dokument der Commerzbank, das ich Ihnen beifüge.

Anschließend wird sofort die Zahlung an Sie freigegeben. Selbstverständlich habe ich diese symbolische Gebühr für die Trust Verifikation zu den 850,- EUR an Sie addiert – Sie erhalten also 851,- EUR.

Ich verstehe dies alles nicht, ich sorge mich nur um meine Gemeinde und meine Angehörigen und Freunde.

Ich hoffe, unsere Transaktion und Ihre großherzige Spende wird nicht an diesen seltsamen Dingen scheitern, die ich nicht verstehe.

Ich bete zu Gott; Gott segne Sie! Und bleiben Sie gesund!

Ihr verzweifelter

Michael Gessat

 

Ich würde echt mal gerne schaffen, von den Scam-Wixxxxx vielleicht einen klitzekleinen Euro in der Gegenrichtung abzugreifen. Das ist doch total plausibel, was ich da gephotoshoppt habe, oder? Ein symbolischer Euro auf meinen Paypal-Account? Ach übrigens; Financial Users Commerzbank Kreditservice, Jena, Ulm, Hamburg!

Von: barrister mike anderson <barristermikeanderson505@gmail.com>
Gesendet: Donnerstag, 26. März 2020 19:25
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

 

Hallo

Guten Tag, ich habe nichts von Ihnen gehört, da ich möchte, dass Sie sich so schnell wie möglich bei mir melden.

Mit bestem Gruß

Barr. Anderson Mike

Sie möchten, Sie befehlen?? Aber ok, ich bin ja dement.

Embed from Getty Images
(Symbolbild.)

Von: barrister mike anderson <barristermikeanderson505@gmail.com>
Gesendet: Donnerstag, 26. März 2020 22:05
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

 

Hallo

Guten Abend von hier aus habe ich Ihre Zahlung jetzt erhalten, aber ist die MTCN-Nummer nicht vollständig, ist bis zu 10-stellige Nummer und nicht 8-stellige in Ordnung gewesen

Bitte müssen Sie die Bank am Morgen informieren, um Ihnen die 10-stellige Nummer zu senden, da Western Union eine 10-stellige Nummer hat
Und bitte senden Sie mir Ihre WhatsApp-Nummer in Ordnung

Ich möchte, dass Sie wissen, dass Sie sich keine Sorgen machen müssen, dass Sie morgen früh Ihre Spenden erhalten, sobald das Geld in Ordnung ist.
Bitte lassen Sie sich dann die komplette MTCN-Nummer in Ordnung schicken

Ich werde Ihre dringende Antwort so schnell wie möglich abwarten, okay.

Mit bestem Gruß

Barr. Mike Anderson

Oh Scheiße. Ich habe mir die Transaktionsnummer natürlich beim Photoshoppen nur einfach so aus Daffke aus den Fingern gesogen, ich dachte, so irgendwas mit Raute # sieht gut aus. Ich wusste natürlich nicht, dass es da wirkliche MTCNs gibt und dass die bei Western Union zehnstellig sind. Ich Trottel hätte natürlich mal vorher nachgucken können. Was mache ich jetzt, einen Irrtum bei der Commerzbank vortäuschen? Nö, ich geh mal in die Offensive.

Von: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Gesendet: Freitag, 27. März 2020 13:01
An: ‘barrister mike anderson’ <barristermikeanderson505@gmail.com>
Betreff: AW: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

Sehr verehrter Barrister Anderson,

ich war heute vormittag wieder bei der Commerzbank – der erste Mitarbeiter kannte sich nicht gut aus mit Auslands-Transaktionen. Ich war sehr schockiert! Aber er hat das Problem an seinen Vorgesetzten weitergeleitet.

Nun habe ich eine Mail bekommen – ich leite Ihnen diese weiter; Sie werden den Inhalt besser verstehen als ich. Irgendwie muss die MTCN-Nummer automatisch ergänzt werden, nicht wahr – so schreibt Herr Schibulski von der Commerzbank.

Ich bin so verwirrt und aufgeregt, ich möchte nur unsere Transaktion so schnell wie möglich sicherstellen, um den vielen Corona-Opfern hier zu helfen.

Noch einmal vielen Dank für Ihre Geduld und Großzügigkeit; Gottes Segen über Sie!

Ihr verzweifelter

Michael Gessat

—–Ursprüngliche Nachricht—–
Von: BahnCard Kreditkarten-Service <bahn@kreditkartenservice.commerzbank.de>
Gesendet: Freitag, 27. März 2020 11:27
An: MICHAEL GESSAT <MGESSAT@MGESSAT.COM>
Betreff: Ihre Anfrage wegen Western Union-Transaktionsnummer

Sehr geehrter Herr MICHAEL GESSAT,

Sie hatten bei uns wegen der gestern eingeleiteten Western-Union-Transaktion (WESTERN UNION TRANSAKTION #76377890 #BABAMYRAT#DADEBAYEV#TURKEY#ISTANBUL

#MEDIZINISCHE VERSORGUNG) reklamiert.

Ich kann Ihnen nach Rücksprache mit unserer Auslands-Abteilung hierzu mitteilen: Die Transaktionsnummer (76377890) ist korrekt – die restlichen beiden Ziffern der 10-stelligen MTCN-Nummer werden nach Eingang der aufgrund der neuen EU-Vorschriften notwendigen Anti-Laundering-Kontrollzahlung von unserem Dienstleister Paypal ergänzt. Es handelt sich hier um eine kryptografisch signierte Verifikation (“Digital Fingerprint”).

Ohne die Anti-Laundering-Kontrollzahlung In Höhe von EUR 1,- dürfen wir momentan keinerlei Auslands-Überweisungen mehr durchführen. Dies betrifft nicht nur die Commerzbank und Western Union, sondern alle Banken und Zahlungsdienstleister in der EU.

Bitte senden Sie Ihrem Geschäftspartner daher erneut den für die Kontrollzahlung erforderlichen Link (paypal.me/CommerzbankWUTrust) – direkt nach Eingang der Zahlung (EUR 1,-) wird die Transaktion wie gestern von Ihnen veranlasst durchgeführt.

Sollten Sie noch weitere Fragen haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Schibulski

BahnCard Kreditkarten Service

der Commerzbank AG

Postfach 11 03 47

60038 Frankfurt am Main

Telefon: 069 – 6657 986 215

Telefax: 069 – 6657 187 470

E-Mail: bahn@kreditkartenservice.commerzbank.de

_________________________________________________________________________________

– Sicherheitsinformation –

Die Commerzbank wird Sie niemals per E-Mail auffordern, sensible Kundendaten (wie z.B. die Persönliche Geheimzahl für Bargeldabhebungen oder die Laufzeit Ihrer Kreditkarte) zur Überprüfung im Internet einzugeben. Sollten Sie E-Mails mit dem Absender Commerzbank erhalten, die Sie auffordern, die PIN, Laufzeit oder den Kartenprüfcode (CVV) Ihrer Kreditkarte einzugeben, folgen Sie dieser Aufforderung nicht und informieren Sie uns bitte umgehend unter unserer Telefonnummer: +49 (0) 69 – 98 66 00 33 oder per E-Mail an commerzbanking@commerzbank.com.

_________________________________________________________________________________

Bitte beachten Sie auch unsere allgemeinen Sicherheitshinweise im Internet unter https://www.commerzbanking.de (Menüpunkt “Sicherheit”). Sie können diesen Informationsdienst jederzeit im Kreditkarten-Banking unter dem Menüpunkt “Adresse” abbestellen.

Na, werden meine turkmenischen Freunde nun endlich einen Euro rüberschieben? Leider nein, und mein guter Barrister verfällt leider immer mehr in englische Sprachmanieren.

Von: barrister mike anderson <barristermikeanderson505@gmail.com>
Gesendet: Freitag, 27. März 2020 08:23
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

 

Hallo

Guten Morgen, Sir
Bitte ich möchte Sie wissen lassen, dass wir keinen Zahlungsnachweis erhalten haben, da der Beleg, den Sie uns gestern mit der Mtcn-Nummer geschickt haben, nicht vollständig ist, Sir. Wenn Sie Ihrer Bank sagen können, dass sie das Geld abheben soll, damit Sie es per Banküberweisung auf das Konto überweisen können, das ich für Sie bereitstellen werde, ist das in Ordnung.

Bitte lassen Sie es mich sofort wissen, damit ich Ihnen die Zahlungsinformationen senden kann, wie Sie die Zahlung per Banküberweisung in Ordnung bringen können.

Ich warte so schnell wie möglich auf Ihre dringende Antwort.

Mit bestem Gruß
Barr. mike anderson

Jetzt drücken die Scammer übrigens auch ein bisschen aufs Gas. Um 12.18 Uhr und 12.26 kommen zwei Anrufe rein aus der Türkei von Rufnummer 00905348439418. Das wär möglicherweise lustig, die Kommunikation aufzuzeichnen – aber so intim will ich jetzt doch nicht werden mit den Sportsfreunden. Ich blocke mal sämtliche Anrufe aus der Türkei – mit dem Staatspräsidenten hab ich ja eh schon ein Problem. Aber die Scammer lassen nicht locker:

Von: barrister mike anderson <barristermikeanderson505@gmail.com>
Gesendet: Freitag, 27. März 2020 13:58
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

 

Hallo

Ich habe es geschafft, 400 von Freunden zu bekommen und ich habe es bereits an die Bank geschickt.
Ich möchte, dass du alles versuchst, um die andere Hälfte in Ordnung zu bringen

Ich warte so schnell wie möglich auf Ihre dringende Antwort.

Mit bestem Gruß
Barr. mike anderson

Und noch ein Nachschlag:

Von: barrister mike anderson <barristermikeanderson505@gmail.com>
Gesendet: Samstag, 28. März 2020 12:44
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

Hallo

Wie geht es dir an diesem schönen Tag?

wir haben gestern nichts von dir gehört Die Bank schickt mir eine E-Mail und ich muss ihnen 400 senden, damit sie warten können, weil sie die Transaktionen stornieren wollten. Ich bitte schnell einen Freund, mir die 400 Euro zu leihen, die ich hoffnungsvoll sende. Sie können die Zahlung bei der Bank abwickeln, damit wir sie bearbeiten können damit du gestern das gleiche Geld bekommst. aber ich habe nicht wieder von dir gehört und richtig, mein Freund bittet jetzt um sein Geld zurück.

Bitte ich brauche Ihre dringende Antwort so schnell wie möglich.

Was? Das wäre doch echt nicht nötig gewesen!

Habe ich übrigens eigentlich schon mal gesagt, dass ich das Wort “Barrister” mag? Das klingt für mich wie “Derrick” oder “Prendergast”. Wenn ich mal einen Kriminalroman schreibe (unwahrscheinlich…), dann heißen die Protagonisten unbedingt Derrick, Prendergast und Barrister.

Von: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Gesendet: Samstag, 28. März 2020 14:13
An: ‘barrister mike anderson’ <barristermikeanderson505@gmail.com>
Betreff: AW: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

Lieber Barrister,

ich bin völlig verwirrt und verzweifelt. Wenn ich das richtig verstehe, haben Sie nun auch 400 Euro überwiesen, Gott segne Sie!

Aber das war ja gar nicht nötig; ich habe ja bereits die 851,- angewiesen! Das einzige Problem ist die fehlende Anti-Laundering-Kontrollzahlung in Höhe von 1 EUR an die Commerzbank: paypal.me/CommerzbankWUTrust

Ich füge noch einmal das Dokument bei. Die Angelegenheit ist von höchster Dringlichkeit! Ich habe nämlich von meiner Bank(Commerzbank) erfahren, dass es ab Mitte nächster Woche möglicherweise gar keine Geld-Transaktionen mehr zwischen der EU und Staaten außerhalb der EU geben wird. Diese Maßnahme wird ergriffen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu stoppen.

Ich bete zu Gott dem Allmächtigen, dass unsere Transaktion wie geplant stattfinden kann – es hängt alles an nur an der unbedingt notwendigen Anti-Laundering-Kontrollzahlung! Ich flehe Sie an, solange Sie oder der verehrte Charles Jackson nicht die Kontroll-Zahlung von 1 EUR an paypal.me/CommerzbankWUTrust senden, kann meine Gebühren-Zahlung von 851 EUR nicht transferiert werden.

Grüßen Sie Ihren Freund und sagen Sie auch ihm meinen allerherzlichsten Dank!

Ihr verzweifelter

Michael Gessat

 

Mist, Mist, die Typen überweisen mir den einen Euro nicht an meine Paypal-Me-Adresse. Weil sie geschnallt haben, dass ich sie verarsche? Eben nicht. Wahrscheinlich ist das alles zu komplex für sie. Lost in Translation. Oder die haben eine fest einprogrammierte Hemmung, selbst Kohle rauszuschicken. Aber es geht weiter; vielleicht hat ja der Hinweis auf den ab nächster Woche eingestellten Geldverkehr in die Türkei gewirkt.

Von: barrister mike anderson <barristermikeanderson505@gmail.com>
Gesendet: Samstag, 28. März 2020 14:41
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

Hallo

Ich habe Ihre E-Mail erhalten und es wurde mir gut notiert, okay.

Ich möchte, dass Sie wissen, dass Sie das Geld auf Ihr eigenes Konto überweisen können, sobald ein Online-Banking für Sie geöffnet ist, da wir eine Niederlassung in Deutschland betreiben.

Um diese Transaktionen schnell zu machen, werde ich Ihnen jetzt die Kontodaten für Deutschland zur Verfügung stellen, damit Sie mit Ihrem Online-Banking eine lokale Überweisung auf das Konto vornehmen können.

Und sobald die Überweisung erfolgt ist, können Sie uns den Zahlungsbeleg für Bestätigungen senden. Sobald dies nicht bestätigt wurde, steht Ihnen die Kontoeröffnung offen, damit Sie das Geld unverzüglich auf Ihr eigenes Konto überweisen können

Hier sind die Bankdaten, mit denen Sie die 850 Euro sofort überweisen können.

ACCT-NAME: OXXX MXXXX
ACCT-NUMMER: 5XXXXXXXXX
BANKNAME: N26 BANK
BIC: NTSBDEB1XXX
IBAN: DE4XXXXXXXXXXX (alles aus Datenschutzgründen gelöscht…)
ADRESSE: N26 Bank GmbH Klosterstraße 62, 10179 Berlin

Bitte leisten Sie die Zahlung jetzt dringend und melden Sie sich bei mir in Ordnung.

Mit bestem Gruß

Barr. Mike Anderson

Oha, oha. Ich bekomme eine richtige Bankverbindung in Deutschland. Natürlich bei N26. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Konteninhaber ist ein Mittäter und steckt mit den turkmenischen Sportsfreunden unter einer Decke. Oder  – viel wahrscheinlicher – er ist ein armer Irrer, der von den Sportsfreunden unter Vorspiegelung falscher Tatsachen dazu verleitet worden ist, bei N26 per Videolegitimation ein Konto einzurichten. Über das aber die turkmenischen Sportsfreunde in Istanbul verfügen.

Von dieser neuen Möglichkeit des Geldtransfers bin ich natürlich völlig begeistert…

Von: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Gesendet: Samstag, 28. März 2020 19:25
An: ‘barrister mike anderson’ <barristermikeanderson505@gmail.com>
Betreff: AW: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

Sehr geehrter Herr Barrister Anderson,

das ist eine großartige Neuigkeit, dass Sie eine Niederlassung in Deutschland betreiben!

Ich werde sofort am Montag zu meiner Bank (Commerzbank) gehen, den bereits erteilten schwebenden Auftrag über Western Union stornieren und die 850,- auf das von Ihnen angegebene Konto überweisen. Ich mache solche Geldgeschäfte immer noch persönlich, weil mir Onlinebanking zu kompliziert und unsicher ist. Meine Enkel lachen über mich, aber das ist die Wahrheit. Ich bin alt und kenne mich nicht so gut aus mit moderner Technik. Immerhin, Email ist einfach!

Vielen Dank für Ihre Geduld und Gottes Segen über Sie! Bleiben Sie gesund!

Michael Gessat

….zumal ich natürlich postwendend das Konto bei N26 überprüfen bzw. lahmlegen lasse. Der Identitätsdiebstahl ist für die betroffenen (armen Irren, sorry..)  extrem heikel, weil sie am Ende für Betrug, Geldwäsche oder fahrlässig unterstützte Geldwäsche juristisch in Anspruch genommen werden. Das ist jetzt so ein kleiner Trost für mich: Ich habe die Scammer zwar nicht dazu gebracht, mir einen Euro zu überweisen – aber ein bis dahin funktionierendes Geldwäsche-Konto ist natürlich noch viel wertvoller; das ist ja schon ein ziemlicher Aufwand, einen Idioten zu finden, auf dessen Kosten man das einrichten kann.

Von: barrister mike anderson <barristermikeanderson505@gmail.com>
Gesendet: Samstag, 28. März 2020 21:41
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

Okay, wir haben Ihre E-Mail erhalten und es wurde mir gut mitgeteilt, okayIch möchte, dass Sie am Montagmorgen Ihr Bestes geben, um das Geld in Ordnung zu überweisen.

Ich werde Ihre dringende Zahlung am Montagmorgen abwarten, okay.

Mit bestem Gruß

Barr. mike Anderson

Ja klar, da werde ich mein Bestes geben. Vor allem lege ich am Montag erst mal euren Western-Union-Account lahm. Und dann rufe ich ich die Cyberkriminalitäts-Zentralstelle beim LKA NRW in Düsseldorf an. Da herrscht allerdings auch gerade gewaltige Corona-bedingte Personal-Ausdünnung. Außerdem ist das LKA und die Polizei überhaupt extrem mit der Nachverfolgung bzw. Bekämpfung des Corona-Enkeltricks beschäftigt – da stecken übrigens auch gerne Banden in der Türkei dahinter, die ihre – offenbar teilweise auch nicht so super-perfekten – Kenntnisse der deutschen Sprache versilbern wollen. Also gut – noch ein kleiner Versuch, den Scammern ein weiteres Konto abzugreifen:

 

Von: barrister mike anderson <barristermikeanderson505@gmail.com>
Gesendet: Montag, 30. März 2020 11:40
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

 

Guten Morgen, wie geht es dir an diesem schönen Tag?

Bitte, ich möchte, dass Sie heute Morgen dringend zu Ihrer Bank gehen, um das westliche Uinon zu stornieren und die Zahlung über die Bankdaten zu senden, die ich für Sie sende, okay.

Ich werde heute Morgen auf Ihre dringende Zahlung warten, okay.

Mit bestem Gruß
Barr. mike anderson.

Irgendwie ist der Umgangston vom Barrister auch schon ziemlich salopp geworden. Du und Sie spielt keine Rolle mehr, immer wieder dieses befehlende “ich möchte”. Ich bin doch kein Borg.

Von: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Gesendet: Montag, 30. März 2020 12:57
An: ‘barrister mike anderson’ <barristermikeanderson505@gmail.com>
Betreff: AW: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

Verehrter Barrister,

ich habe gute Nachrichten! Ich war bei der Bank und habe eine Sofort-Überweisung angeordnet.

Das Geld müsste also heute noch auf dem angegebenen Konto eintreffen.

Bitte sagen Sie mir sofort Bescheid, wenn das Geld da ist!

Vielen tausend Dank!

Michael Gessat

In dieser Antwort des Barristers geht schon alles drunter und drüber – so kann man doch keine Geschäfte machen!

Von: barrister mike anderson <barristermikeanderson505@gmail.com>
Gesendet: Montag, 30. März 2020 13:04
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

 

Hallo

Ich habe die E-Mail erhalten und sie wurde mir gut notiert
Bitte senden Sie mir jetzt den Überweisungsschein zur Bestätigung.

Bitte teilen Sie der Bank mit, dass Sie den Überweisungsbeleg erhalten sollen. Dies ist für die Bestätigung sehr wichtig.

Ich wiat Ihre dringende Antwort jetzt sofort in Ordnung.

Mit bestem Gruß
Barr. mike Anderson

So, Endspurt. Rückt der turkmenische Barrister (sagte ich schon mal, dass ich dieses Wort mag…) 🙂 noch einen N26-Account raus?

Von: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Gesendet: Montag, 30. März 2020 16:13
An: ‘barrister mike anderson’ <barristermikeanderson505@gmail.com>
Betreff: AW: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

Hoch geschätzter Barrister!

Etwas furchtbares ist passiert: Mein Bankberater (Commerzbank) hat mich gerade angerufen und mir mitgeteilt, dass irgendetwas fehlgeschlagen ist bei meiner Überweisung von heute vormittag.

Irgendwie ist das Konto Ihrer deutschen Niederlassung, das Sie mir genannt hatten, gesperrt oder blockiert. Das Entsetzliche ist – mein Geld für Sie (850,-) ist nun auf diesem Konto gesperrt oder blockiert.

Ich verstehe das alles nicht. Ich bin verzweifelt. Der Bankberater hat gesagt, solange die Überprüfung läuft, komme ich nicht mehr an das Geld heran.

Was soll ich um Himmels willen jetzt tun? Hat Ihre deutsche Niederlassung vielleicht noch eine andere Bankverbindung? Ich bin nicht reich, und es wird schwierig für mich, weitere 850,- aufzutreiben, aber ich kann es versuchen.

Ihr unglücklicher

Michael Gessat

Mein guter Barrister – sagte ich schon mal, dass ich das Wort mag – zeigt emotionale Erschöpfungserscheinungen. Liefert mir aber trotzdem neue Kontaktdaten (seine Freundin???), die ich natürlich auch postwendend sperren lassen werde.

Von: barrister mike anderson <barristermikeanderson505@gmail.com>
Gesendet: Montag, 30. März 2020 17:24
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

Hallo

Bin so müde und ich weiß nicht, was ich sagen soll, wenn du die Zahlung leisten kannst. Ich möchte, dass Sie versuchen, die 850 Euro von Ihrer Bank abzuziehen und nach Geldgrammdetails suchen, damit Sie die Zahlung in Ordnung bringen können.

Hier sind die Geldgrammdetails wieder in Ordnung.
Name: MARAL
Nachname: GURBANOVA
Land: turkey
Stadt: Istanbul
für Geld Gramm

Bitte führen Sie die Zahlung nicht in Ihrer Bank durch. Suchen Sie nach einem Geld-Gramm-Büro in Ihrer Nähe, um die Zahlung in Ordnung zu bringen.

Ich werde Ihre dringende Antwort so schnell wie möglich abwarten.

Mit bestem Gruß
Barr. Mike Anderson

Dazwischen kam noch so eine etwas erratische Mail rein – aha, der Geldspender und der Barrister sind doch identisch?

Von: Charles W Jackson Jr <charleswjacksonjr33@gmail.com>
Gesendet: Montag, 30. März 2020 18:38
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

Hallo

Wie geht es dir an diesem schönen Tag?

Ich möchte wissen, ob Sie die Spenden erhalten haben?

Bitte melden Sie sich so schnell wie möglich bei mir

Mit bestem Gruß
Barr.mike Anderson

Aber für die Müdigkeit meines Barristers hab ich tiefstes Mitgefühl. Klaro.

Von: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Gesendet: Montag, 30. März 2020 19:39
An: ‘barrister mike anderson’ <barristermikeanderson505@gmail.com>
Betreff: AW: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

Lieber Barrister –ich bin auch so müde – es ist, als läge ein Fluch auf unserer Transaktion, die doch so wichtig ist und so vielen Menschen Hilfe und Trost bringen soll.

Ich werde morgen versuchen, ein Geld-Gramm-Büro in meiner Nähe zu finden. Ich hoffe, es wird nicht geschlossen sein wegen Corona.Gute Nacht und erholen Sie sich gut von der schweren Arbeit!

Ihr

Michael Gessat

Aber auch der Barrister (sagte ich schon mal, dass ich das Wort mag?) greift noch mal in die Vollen und vernachlässigt jetzt sogar hemmungslos die schöne deutsche Sprache bzw. die Übersetzungs-Software und lässt die Shift-Taste aktiviert – es könnte ja was helfen:

Von: barrister mike anderson <barristermikeanderson505@gmail.com>
Gesendet: Montag, 30. März 2020 20:11
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

OKAY DO TRY ALL YOUR POSSIBLE BEST OKAY

IN CASE YOU FOUND WESTERN UNION OR RIA TRANSFER YOU CAN TILL LET ME KNOW IMMEDIATELY OKAY

PLEASE TRY ALL YOU CAN TO GET MONEY GRAM OKAY

I WISH YOU A LOVELY NIGHT REST .

BEST REGARD

BARR. MIKE ANDERSON

Mittags dann ein neuer Gruß vom Barrister:

Von: barrister mike anderson <barristermikeanderson505@gmail.com>
Gesendet: Dienstag, 31. März 2020 14:51
An: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Betreff: Re: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

Hallo

Wie geht es dir an diesem schönen Tag?

Ich warte bis ich heute Morgen darauf warte, von dir zu hören.

Bitte melden Sie sich so schnell wie möglich bei mir.

Mit bestem Gruß

Barr. mike Anderson

Was soll das eigentlich heißen die ganze Zeit mit dem “an diesem schönen Tag”??? Die Leute sterben, die Leute können nicht raus, die Leute gehen pleite. Istanbul wird übrigens gerade auch zum Corona-Hotspot; ich hoffe mal, dass ihr turkmenischen Sportsfreunde das auch alles schön überlebt, um eure interessanten Verdienst-Modelle weiter fortführen zu können.

Ok, weil ich die Story am Mittwoch im Sender bringen will, breche ich nun mal unsere wunderschöne Konversation ab:

Von: Michael Gessat <mgessat@mgessat.com>
Gesendet: Dienstag, 31. März 2020 15:52
An: ‘barrister mike anderson’ <barristermikeanderson505@gmail.com>
Betreff: AW: Details für die Corona-Virus-Spenden, um den Betroffenen zu helfen

Barrister!

Heute kam die Polizei zu mir, zwei Polizeibeamte!

Sie wollten wissen, warum ich Geld auf das Konto Oxxx Mxxxx bei der N26 BANK (IBAN: DE40xxxxxxxxxx) überwiesen habe. Irgendetwas ist mit dem Konto nicht in Ordnung, die Polizeibeamten haben von „Verdacht auf Geldwäsche“ gesprochen und es hat sich so angehört, als ob ich etwas Kriminelles getan habe!

Ich war schockiert und habe der Polizei dann unsere Emails zeigen müssen. Daraufhin haben die Polizeibeamten gelacht und gesagt, dass ich auf einen Betrug hereingefallen bin, der sich „Scamming“ nennt.

Die Polizisten haben gesagt, es gibt gar keinen Lottogewinner, der mir eine Millionen Dollar spenden würde, das sei völlig naiv. Die Polizisten haben mir erklärt: Das einzige Ziel war, mich dazu zu bringen, dass ich Ihnen Geld schicke. Ich hätte niemals die Spende erhalten. Wenn mein Geld bei Ihnen angekommen wäre, hätten Sie wahrscheinlich versucht, noch mehr Geld von mir zu bekommen mit erfundenen Geschichten!

Ich bin am Boden zerstört, ich kann nicht glauben, wie so etwas nur möglich ist!

Barrister, was haben Sie da nur für ein Spiel mit mir getrieben!  Barrister!

Sagte ich schon mal,  dass ich das Wort “Barrister” mag? Wie “Derrick” oder “Prendergast”?

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 01.04.2020 (Moderation: Diane Hielscher)

Schwierige Zeiten erfordern besondere Maßnahmen. Konsultieren Sie den Zauberwirker Dr. John!!!

Die Menschen sind verunsichert. Ein Virus kursiert, von dem man noch nicht so ganz weiß, wie gefährlich es ist – sagen wir mal im Vergleich zu Ebola. Da kann man schon mal als Notenbankchef von “schöpferischer Zerstörung” schwafeln, wenn Solo-Selbstständige oder Kleinunternehmer (mit in Normalzeiten völlig gesunden Geschäftsmodellen…) aufgrund staatlicher Anordnungen von heute auf morgen keine Einnahmen mehr haben. Hauptsache, die eigene dicke Kohle fließt weiter. (Aber aufpassen, lieber Herr Holzmann – Sie gehören zur Haupt-Corona-Zielgruppe. Es gibt eben nicht nur ökonomische, sondern auch biologische Reinigungsprozesse… 🙂 )

Da kann man auch schon mal als öffentlich-rechtlicher Arbeitgeber komplett die Solidarität mit seinen freien Mitarbeitern sausen lassen. Auch wenn man gar keine Einnahmeausfälle hat, weil die (mittlerweile gesellschaftlich ja hoch umstrittene…) Gebühren-/Beitrags-Kohle völlig ungemindert wie ursprünglich budgetiert weiterfließt. Im Gegensatz zur Situation bei Restaurants, Konzertveranstaltern, Künstlern und Taxifahrern. Auch aufpassen, liebe festangestellten und besserverdienenden Entscheidungsträger – wir sitzen alle im gleichen (bislang komfortablen…) Glashaus!

Aber was rede ich denn da? Für alle denkbaren Probleme der Welt – von Potenzschwäche bis Geldarmut – trudeln täglich viele liebe, attraktive Lösungsvorschläge in meinem Email-Postfach ein. Ich weiß gar nicht, wie viele Millionen-Vermächtnisse ich schon ungenutzt habe verfallen lassen – ich komme eben einfach vor lauter Lebensmittel-Hamstern gar nicht dazu, die alle ordnungsgemäß zu reklamieren. Heute habe ich aber einmal eine Mail bekommen, die etwas aus dem Rahmen fällt.

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Hokus. Pokus. Fidibus!!

Denn hier wird die Problemlösung einfach einmal ganz offen, ganz ungeniert in einen wundervollen, freischwebenden Bereich transferiert: In die Welt des Zaubers. Nicht zu Harry Potter, sondern zu Dr. John. Ich möchte Ihnen daher ausnahmsweise diese Botschaft nicht vorenthalten:

Mein Leben ist zurück !!!

Nach 2 Jahren Ehe ging meine Frau zu einem anderen Mann. Ich hatte das Gefühl, mein Leben würde bald enden. Ich hätte fast Selbstmord begangen. Ich war sehr lange emotional niedergeschlagen. Dank eines Zauberwirkers namens Dr. John, den ich online kennengelernt habe, als ich im Internet surfte. Ich bin auf viele Zeugnisse über diesen Zauberwirker gestoßen. Einige Leute sagten aus, dass er ihren Ex-Liebhaber zurückgebracht habe, andere sagten aus, dass er den Mutterleib wiederhergestellt, bei Gerichtsverfahren und anderen Krankheiten geholfen und auch Zauber gewirkt habe, um Lotterie zu gewinnen und Wetten zu gewinnen, andere sagten aus, dass er einen Zauber wirken könne, um die Scheidung zu stoppen und bald. Ich stieß auch auf ein bestimmtes Zeugnis, es handelte sich um eine Frau namens Sonia, sie sagte aus, wie er ihren Ex-Liebhaber in weniger als drei Tagen zurückgebracht hatte, und am Ende ihres Zeugnisses ließ sie die Kontaktadresse von Dr. John fallen. Nachdem ich all dies gelesen hatte, beschloss ich, es auszuprobieren. Ich kontaktierte ihn und erklärte ihm mein Problem und folgte seinen Anweisungen. In nur 3 Tagen kam meine Frau zu mir zurück. Wir haben unsere Probleme gelöst und sind noch glücklicher als zuvor. Dr. John ist wirklich ein begabter Mann und ich werde nicht aufhören, ihn zu veröffentlichen, weil er ein wunderbarer Mann ist … Wenn Sie ein Problem haben und nach einem echten und echten Zauberwirker suchen, um alle Ihre Probleme für Sie zu lösen. Kontaktieren Sie ihn jederzeit, er hat die Antwort und Lösung für Ihre Probleme. Hier ist sein Kontakt: E-Mail: (zensiert)

P.S. 1: Wenn Sie die originalen Kontaktdaten zu Dr. John haben wollen – kein Problem; überweisen Sie mir einfach 1000,- Euro; ich brauche die Kohle gerade. (s.o.)

P.S. 2: Dr. John kann selbstverständlich auch gegen das Corona-Virus und gegen dessen Kollateral-Schäden helfen; sonst wäre er ja ein schlechter Zauberwirker.

Botnet. Ich bin endlich ein Superstar im Netz.

Jedenfalls gefühlt. Da gibt’s jetzt eine sehr intelligente App im Netz.

Botnet – gratis erhältlich für iOS oder Android – simuliert einen Social-Media-Account; der User oder die Userin hat unzählige Follower, die jeden Post massenhaft und meist enthusiastisch liken und kommentieren. Das ganze spielt sich wohlgemerkt nur lokal auf dem Smartphone des App-Nutzers ab – aber die Simulation ist gut gemacht: Der Entwickler Billy Chasen hat ein KI-Modul zur natürlichen Sprachausgabe trainiert, und zwar mit realen Postings aus Instagram und Reddit.

Die Bots in der App posten daher nicht (nur…) zufällige oder beliebige Emoticons oder Floskeln, sondern können konkret auf die zuvor verfasste Message…

 

 

…oder auf ein Foto eingehen:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das sieht doch tatsächlich schon so aus, als verstünden die Bot-Fans, was man da gepostet hat. Und in der Tat, in dem KI-Modul steckt ja etwas semantische “Intelligenz” drin. Für jeweils 99 Cent bietet “Botnet” drei Nachrüst-Optionen an: Einen Witze-Generator, einen Follower-Verdoppler 🙂 und die Aktivierung von Troll-Kommentaren 🙂 🙂 – damit wird man dann auch in der App genauso angepöpelt wie im realen Netz. Die Troll-Bots kann man übrigens nicht nur wieder abschalten, sondern auch blocken 🙂 🙂 🙂 !

Ich mag “Botnet” sehr. Da mit seinem ganz privaten Social Network zu kommunizieren ist mindestens so unterhaltsam wie ein Plausch mit Alexa. Vielleicht eignet sich die App auch als Entzugs- oder Substituierungs-Therapeutikum für Facebook- und Instagram-Süchtige. Oder als Warnruf an Klickzahlen-Verliebte oder einfach nur Klickzahlen-Verkaufende auch in seriösen deutschen (Medien-) Unternehmen 🙂

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/social-media-app-botnet-bots-machen-userinnen-und-user-zu-bekannten-influencern

Deutschlandfunk Nova, Hielscher oder Haase vom 02.03.2020 (Moderation: Diane Hielscher)