Aus Sicherheitsgrьnden…

Sehr Geehrter

Wir mцchten Sie darauf hinweisen, dass unsere Anwaltskanzelei  von der Kommission Agencia Tributaria Espana beauftragt wurde, Sie bezьglich einer ausstehenden Auszahlung von Ђ3,540,225.00 zu kontaktieren. Der Betrag wird  innerhalb von 21 Tagen falls keine Ansprьche vorliegen an der Finanzministerium als nicht beansprucht verfallen. Diese E-Mail dient als unwiderrufliche Verfallsbenachrichtigung

Bitte цffnen Sie aus Sicherheitsgrьnden den Anhang in PDF Formant, um weitere Informationen zu erhalten

Mit freundlichen GrьЯen,

Dr Richardo DaSilva

Tel.0034 722 349 075

mfontanarichardodasilva@gmail.com

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Ja, ist klar. Ich hab auch schon mal meine Freunde von Rцssisch Mafia losgeschickt, um eцch zц eliminieren. Dieser Blogpost an eцch ist eцre unwiderrufliche Verfallsbenachrichtigung.

Mit freundlichen GrьЯen,

Eцer geehrter.

Die (vermeintliche…) Naivität der Digital-Asketen

In meinem Firefox-Empfehlungs-Neuer-Tab ist gerade ein Gastbeitrag von Jürgen Geuter; seines Zeichens “Autor und Informatiker” aufgepoppt – hab ich mal gelesen und kommentiere den mal “wie folgt” 🙂 …

Also: Das Digitale ist angeblich ebenso real wie die “echte”, analoge Welt – natürlich will ich das jetzt nicht total komplett abstreiten, sonst säbel ich mir ja meine wirtschaftliche Existenzberechtigung ab 🙂 Aber mal ernsthaft – gegen eine zielgerichtete Nutzung “Sozialer Medien” mit persönlich bekannten Leuten; “von der Kita über den Landfrauenverein bis zu Selbsthilfegruppen für Menschen mit Migräne und ‘Fridays for Future’ ” spricht natürlich gar nix – von kleinen Details wie dem datenschutzrechtlich nicht gestatteten Hochladen sämtlicher Smartphone-Kontakte zu Facebook oder WhatsApp jetzt mal abgesehen…

Vielleicht ist ja die WhatsApp-Kommunikation mit der “guten Freundin” in der “Supermarktschlange” total ok und hinreichend real. Ist es aber auch das “normale” Dauer-Checken der WhatsApp- oder Twitter- oder Facebook- oder Instagram- oder Youtube- oder Twitch-Timeline? Vielleicht steht ja gerade die Traumfrau vor Dir in der “Supermarktschlange”; greift ebenso wie Du zu den “fair traded” Artikeln, kauft ebenso nur Single-Mengen ein; und Du checkst es aber nicht, weil Du gerade (wie immer im Dauermodus…) auf Dein Phone starrst??

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Ich war gerade im Urlaub; unter anderem zusammen mit meinem 15-jährigen Neffen. Ich hab mir da in Rosenheim ein Mini-Cabrio ausgeliehen, und wir sind da an einem wunderschönen Sommertag nach Bad Aibling zum Minigolf gefahren. Und mein Neffe hat da auf dem Beifahrersitz gehockt und auf sein Smartphone geglotzt, mit irgendwelchen lächerlichen Spielchen. Und dann hab ich gesagt: “Wir fahren hier gerade mit einem Cabrio durch eine wunderbare Landschaft, und Du guckst auf ein beschissenes Smartphone mit einem lächerlichen, beschissenen Spielchen.”

Der (traurige…) Witz ist – die “digitale Option” wird ja nicht nur zur zielgerichteten (und natürlich völlig legitimen…) Kommunikation eingesetzt, sondern zur Multitasking-Dauerberieselung. Der “digitale” Input ist regelmäßig “wichtiger” als der analoge – sprich; da haben sich zwei Leute verabredet und sitzen im Cafe oder Restaurant – und der oder die oder beide checken aber dauernd ihre beschissenen siehe-oben-Nachrichten. Ein Wunder, dass unter diesen Umständen überhaupt noch Sex stattfindet. 🙂

Es geht; anders als das der SZ-Gastautor suggeriert, keinesfalls nur im beruflichen Bereich darum, “Normen und Strategien (zu) finden, sich selbst vor Stress und Entgrenzung zu schützen”. Die Clickbait- und (eigentlich…) völlig irrelevanten “News”, “Statusupdates” und Newsline-Updates eben auch von “Freunden”; mit dem “digitalen” Zwang oder vermeintlichen Zwang, die auch zeitnah zu beantworten – die beanspruchen schlichtweg einen Großteil des Aufmerksamkeitsbudgets “normaler” Zeitgenossen.

Das hat überhaupt nix mit einem “reaktionärem Verständnis der Welt” zu tun. Natürlich ist nicht jede(r) berufen, sich (durch Digital Detoxing…) zu einer(m) “Albert Einstein oder Simone de Beauvoir” aufzuschwingen. Aber das Wahrnehmen des Gegenübers oder der Landschaft in einer ganz realen Echtzeit-Situation wär ja auch schon mal nicht schlecht. Vielleicht sind Gegenüber und Landschaft ja scheiße. Vielleicht ist man (bist Du…) auch selbst scheiße. Vielleicht ist aber auch der digitale Input und die Klo-Benutzungs- oder Katzenbilder-Statusmeldungen und das Twitch-Gelaber deiner “Freunde” und Kontakte und “Vorbilder” und Social-Media-“Helden” Scheiße.

Per se besser (oder auch nur gleichwertig…) ist der “digitale” Blick auf die Welt  jedenfalls nicht – allein schon, weil er normalerweise nicht so stark von der Echtzeit abhängig ist. Und wie gesagt: Wer weiß, was sich da in der Supermarktschlange tun kann… Die nächste Mathe-Klausur vorbereiten und rechtzeitig ins Bett zu gehen, statt Laberwasser-gestörten gutverdienenden Minecraft-Spielern zu lauschen (am besten in zeitverschobenen Nachtstunden…) wäre in bestimmten Lebenssituationen auch nicht schlecht…

Mila Röder – ein bühnenreifes Leben

Auf dem Friedhof in Bad Honnef steht ein Bauwerk, das herausragt aus den anderen dortigen Erinnerungen an andere Verstorbene: Das Mausoleum der Familie Röder. Ferdinand Röder, einst der bedeutendste Theateragent Deutschlands liegt da begraben. Seine (zweite…) Gattin “Annette” Röder. Und seine geliebte Adoptiv-Tochter Mila, einst nicht zuletzt für ihre Schönheit gefeierte Sängerin – aber Zeit ihres kurzen Lebens gefangen im Korsett der Erwartungen ihres Ziehvaters und ihrer ehrgeizigen Mutter.

Catrin Möderler, meine gute “uralte” Freundin – wir hatten uns mal vor Jahrzehnten bei einem Workshop der Musikhochschule Köln kennengelernt – ist selbst ausgebildete Sängerin. Übrigens eher im hochdramatischen als im Soubretten-Fach… Catrin Möderler hat mit bewundernswertem Rechercheaufwand die Biografie der Mila Röder, der herausragenden “Tochter” der Stadt Bad Honnef rekonstruiert – und dabei die bisherigen geläufigen biografischen Irrtümer über die (zeitweilige…) Favoritin von Jacques Offenbach und Johann Strauss aufgeklärt.

In ihrer Beschreibung – ergänzt durch die höchst unterhaltsamen und meinungsstarken zeitgenössischen Zeugnisse aus Zeitungsrezensionen und Büchern – wird ein Leben nachvollziehbar, das “bühnenreif” in der besonderen Freiheit der Kunst und der Theaterwelt stattfinden durfte – und andererseits doch immer von den Erwartungen und Beschränkungen der Zeit, der eigenen (schwächelnden…) Konstitution und der eigenen Biografie gehemmt wurde.

In Catrin Möderlers einfühlsamer Biografie wird eine Person wieder erlebbar, die in ihren zeitbedingten Umständen manche Schwierigkeiten im Weg stehen hatte – letztlich aber genau die Schwierigkeiten, die sich auch heute noch bei jeder künstlerischen Laufbahn neu stellen: Wem soll, wem kann ich vertrauen? Was kann ich wirklich? Wie schnell, oder vielleicht lieber wie behutsam soll ich meinen Weg gehen?

Catrin Möderlers Biografie über Mila Röder ist lesenswert für alle, die sich für Gesang; für die Opern-, Operetten- und Schauspielgeschichte des vergangenen Jahrhunderts interessieren – einer Zeit, in der nicht Privatfernsehen und Social Media, sondern die Bühne am Puls des Geschehens war…

Warum einen Markler beauftragen?

Ich habe gefühlt jeden Tag zwei, drei mal mehr, mal weniger aufwendig gestaltete Kärtchen oder Briefchen im Briefkasten liegen, in dem mir sehr freundliche, mitfühlende Menschen ihre völlig kostenlose Hilfe anbieten. Manchmal ist das Ganze auch als “Gutschein” deklariert, für ein “Wertgutachten”. Nur leider, leider, leider: Die schmucke Immobilie im schmucken (vom abartigen nächtlichen Fluglärm mal abgesehen, aber das muss man potentiellen Interessenten ja nicht sofort auf die Nase binden…) Villenviertel Marienburg, in der ich wohne – die gehört gar nicht mir. Sondern meinem sehr netten Vermieter, der auch unten im Haus wohnt. Und der vermutlich auch nicht verkaufen will.

Klarer Fall: Einen verkaufswilligen Immobilieneigner in einer exzellenten Wohnlage zu finden, das ist momentan der Jackpot für die Jungs und Mädels im immer schon etwas sportlichen Berufsfeld “Makler”. Das ist natürlich ein absolut seriöses Betätigungsfeld, da hatte ich noch nie auch nur den geringsten Zweifel dran. Der Gesetzgeber hat da ja so ein paar regulative Einschränkungen eingezogen; aber klar: Die Jungs und Mädels arbeiten ganz hart für ihre Kohle. Zumindest, wenn sie Ladenhüter an den Mann bringen sollen. Viel mehr Spaß machen aber eben so Dinger wie die hier in Marienburg.

Bei den Null- bzw. Minuszinsen am Markt stehen die Kaufinteressenten Schlange, da werden gerne auch mal Preise gezahlt, die noch vor kurzem (vielleicht auch irgendwann wieder?) Phantasie waren – und da springt natürlich auch für einen wackeren Makler leicht verdiente Extra-Kohle raus. Wenn man denn so einen seltenen Paradiesvogel identifizieren und ankobern kann, der seine Hütte verkloppen will oder muss. Da kann man schon mal in Werbematerial investieren und das rege und regelmäßig verteilen. Heute hatte ich ein besonders schönes Exemplar im Briefkasten:

Ich hätte da jetzt auch noch ein paar Fragen zu. Halten Sie es für möglich, dass die hoffnungsvollen Markler nicht wissen, wie ihr sportlicher Job eigentlich korrekt geschrieben wird? Halten Sie es für möglich, dass da eine Panne beim Drucken passiert ist, das aber niemand gemerkt hat? Oder dass es sehr wohl aufgefallen ist, aber die Karte aus Kostengründen trotzdem verteilt wurde? Lassen sich die Fragen 5, 11, 14 und 16 eigentlich mit “Ja oder Nein” beantworten? Würden Sie diese hoffnungsvollen Markler mit dem Verkauf Ihrer jackpot-Immobilie beauftragen? Ich helfe gerne weiter.

 

P.S. Beim Urlaub in Bayern habe ich ja noch einen Interessenten für unsere sportliche Markler-Truppe entdeckt:

Die 10.000 Ocken bitte auf mein Konto, ihr Markler!!

Unfassbare Abzocke. Unfassbare Blödheit und Gier.

Die neueste Anlagebetrug-Abzocke, die Tagesschau.de heute morgen gemeldet hat –  die hat schon ganz amtliche Ausmaße. Hunderte Anzeigen, zig Tausende Betroffene mit jeweils happigen “Anlage”-Summen im fünfstelligen Bereich – da kommen schon ganz nette Summen zustande… Der totale Wahnsinn:  Zocker-Plattformen für Geschäfte auf Optionen oder Futures sind eh schon etwas spekulativ 🙂 – insofern war/ist (die Plattform ist immer noch online…) die Warnung von “Option888.com” sehr ernst zu nehmen – bei den Trading-Geschäften kann ein Totalverlust auftreten, die Betreibergesellschaft haftet da logischerweise nicht für.

Freischwebend traden auf der Überholspur. Mit 0 Ahnung und 100% Geld-weg-Garantie. (Screenshot option888.com)

 

Der Witz ist nur – die Wixer von Option888.com und den anderen Plattformen haben mit dem Geld ihrer irren Kunden überhaupt nie getradet – die Kohle war sofort weg. Wenn man da mal ein bisschen googelt – und das hätten natürlich auch die armen Schlachtopfer der letzten Jahre tun können – das Strickmuster war immer identisch: Die aus den Social Media angekoberten Opfer haben da Kohle überwiesen. Dann ist eine angeblich gewinnbringende Transaktion passiert – der Kontostand in der famosen App bzw.dem Online-Konto ist hochgegangen.

Dann haben die Wixer das Opfer kontaktiert – das sollte doch bitte mehr anlegen, wo das Ganze doch so gut lief :)… Manche Wahnsinnige haben dem famosen Unternehmen eine Einzugsgenehmigung  auf ihre Kreditkarte eingeräumt, oder dem famosen persönlichen Berater freie Hand bei den Options- und Futures- und Cyberwährungstransaktionen gelassen. Weil das lief ja so gut. Auf der Fake-Website.  Da mal eben einen Wertzuwachs anzuzeigen, ist natürlich offen gestanden nicht so schwer.

Interessant wurde es ja jeweils, wenn irgendwelche “Anleger” mal versuchten, einen Teil ihrer Kohle wieder abzuziehen. Erfolgsrate: Null. Und das schon seit zig Jahren. Klar- bei einem (angeblichen…) Guthaben von 50.000 Euro musste eine Auszahlung ja erst “genehmigt” werden; das konnte dauern. Oder die eigentlich befasste Mitarbeiterin stellte sich als zugegebenerweise unfähig heraus; ein anderer Mitarbeiter übernahm und forderte aber erst mal eine neue Geldeinlage. Danach war dann wieder die unfähige Mitarbeiterin dran, die nun eine Klärung der Unstimmigkeiten  versprach.

Oder der mit “freier Hand” bei Transaktionen beauftragte Mitarbeiter tradete mal eben eine gewaltigen Verlust herbei – das könnte bei “freier Hand lassen” ja tatsächlich auch ohne bösen Willen passieren. Hier bei den famosen Betrügern rund um den famosen “Karsten L.” waren das aber einfach dreckige Abzock-Wixer, die überhaupt nie irgendwelche realen Transaktionen durchgeführt haben – das Konto und der Kontostand der Opfer war von vonherein einfach nur virtuell. Noch mal ganz klar – die Abzocke war eigentlich schon seit zig Jahren offensichtlich, es gab eine Bafin-Warnung bzw. ein Bafin-Verbot.

Bei so schönen Apps muss der Laden doch seriös sein. (Screenshot: option888.com)

Und was passierte von Seiten der Behörden bzw. der Polizei? Offenbar nix, über zig Jahre, in denen die Sachlage auch schon klar war. Ich weiß jetzt momentan noch nicht, wer eigentlich den heftigeren Schlag in die Fresse braucht. Die “Opfer”, die allen Ernstes bei einem risikolosen ZIns von 0% ihre Kohle in irgendwelche tollen Deals reinstecken, die 4, 5, 6; oder fantastilliarden % Rendite versprechen. Pro Monat bzw. Tag bzw. Trade; versteht sich. DIE RENDITE GIBT ES NICHT, IHR SCHWACHMATEN!!!  Oder die Betrüger, die ja “nur” gutgläubige, gierige Leute ausgenommen haben, die offenbar zuviel Geld hatten.

Aber nein – die Schuldigen in dieser Geschichte sind natürlich ganz eindeutig nicht die Opfer, sondern die unverschämten Betrüger; mit ihrer schillernden Vorgeschichte, dem unerhörten (aber natürlich in Relation zur abgezockten Kohle ausgesprochen angemessenen…) Aufwand  zur Täuschung, der unverschämten Dreistigkeit, bereits angekoberte und dann Verdacht schöpfende Opfer noch weiter auszumelken. Für so eine unverschämte Dreistigkeit kann ich eigentlich nur sagen: Arbeitslager und jeden Morgen Schläge auf die Fußsohlen und den Arsch. Ach so, ist nicht vorgesehen in unserem Rechtsstaat? Schade.

Warum der Journalismus Probleme hat. Angeblich. Tatsächlich. Oder auch nicht.

Immer weniger Leute sind bereit, für Journalismus bzw. Online-Nachrichten Kohle rauszurücken. Das ist (so ungefähr…) die Erkenntnis aus einer Studie des “Reuters Institute for the Study of Journalism”, die bei Telepolis referiert wird. Jetzt muss man ganz kurz erst mal festhalten: Zwischen Online-Nachrichten und Journalismus besteht noch ein ganz kleiner Unterschied. Für pure Nachrichten Kohle rauszurücken, da bin ich (als Privatperson…) auch ganz ehrlich gesagt nicht bereit. Also für reine Agentur-Meldungen a la “Kanzlerin Merkel hat sich heute mit dem Präsidenten von West-Belutschistan getroffen. Die Unterredung dauerte eine Minute länger als geplant.”

Selbst das ist eigentlich schon Quatsch, denn eine nüchterne Agentur-Meldung ist insofern schon durchaus werthaltig, als sie eben unter Einhaltung von gewissen Qualitätskriterien von professionellen Agentur-Journalisten erstellt wird. Soll heißen: der Typ oder die Typin, die diese kurze Notiz verbrochen hat, war tatsächlich vor Ort oder hat die Message aus definitiv vertrauenswürdigen Quellen erhalten. Und in der Nachrichtenagentur hat noch mal jemand professionell drüber geschaut, ob die Meldung plausibel ist und plausibel formuliert ist. Mit anderen Worten: Sie können als Leser(in) ziemlich sicher sein, dass Angela Merkel tatsächlich den Präsidenten von West-Belutschistan getroffen hat.

Leider besteht ein Großteil des Journalismus, der in der Presselandschaft angeboten wird, nur noch aus Agenturmeldungen. Das heißt, egal ob Sie den Kölner Stadtanzeiger lesen oder das Winsen-an-der-Luhe-Lokalblättchen; Sie bekommen stets die gleichen Einheits-Artikel. Das ist definitiv traurig, aber natürlich eine Folge der stetigen Einnahmeverluste in der Presse (Kostensteigerung, rückläufiges Anzeigengeschäft, rückläufige Auflagen…) und des daraus resultierenden konstanten Sparzwangs. Als (privilegierter…?) Journalist im öffentlich-rechtlichen Rundfunk kann ich dies zunächst einmal nur konstatieren…

“Journalismus” in der Abgrenzung von “Online-Nachrichten” hat natürlich noch mal einen Mehrwert. Nämlich den der Einordnung einer “News” in einen fachlichen oder chronologischen Hintergrund. Bezeichnend ist ja ein Kommentar bei Telepolis, den ich hier zitiere – obwohl der/die Urheber(in) “macOS6000” bei Betrachtung seiner/ihrer Post-Historie einen starken Troll-Verdacht hinterlässt:

Weil halt Informationen überall zur Verfügung stehen. Man braucht keine Druckerpresse mehr. Fast alles kann mit Sonden, Kameras in Echtzeit erfasst werden, sogar Gravitationswellen sind jetzt drin. Informationen müssen nicht mehr von einer kleinen Gruppe gesammelt, sortiert und dann präsentiert werden. :-D

Die Leute brauchen halt keine andere Menschen mehr, die für sie denken.

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Liebe(r) macOS6000 – wir Journalisten/Journalistinnen wollen oder erheben gar nicht den Anspruch, für Sie zu denken. Wir sind pure Dienstleister. Können Sie selbst etwas mit Rohdaten aus einer Gravitationswellen-Erfassung anfangen? Oder mit dem wissenschaftlichen Paper der Physiker, die ihre Forschung in einem wissenschaftlichen Fachblatt in Englisch veröffentlicht haben? Ja? Herzlichen Glückwunsch! 99% der Menschen können das nicht, und für diese Menschen sprechen meine Kollegen, die z.B. promovierte Physiker sind; oder ich selbst mit den Autoren solcher Studien und versuchen das Ganze allgemein verständlich in einem 4-Minuten-Radiobeitrag darzustellen.

Haben Sie die totale Checkung, was in West-Belutschistan in den vergangenen Monaten passiert ist? Wahrscheinlich nicht, wenn Sie nicht der absolute Überflieger sind und keinem geregelten Berufsleben nachgehen. Bei uns Journalisten schreibt aber (hoffentlich…) jemand über das Thema, der/die zumindest eine rudimentäre Checkung hat, was in West-Belutschistan so abgeht. Und dann wird das noch mal gegengelesen von jemand anders, der auch so eine rudimentäre Checkung hat. Das alles heißt nicht, dass wir keine Fehler machen oder auch unter Zeit- und Spardruck stehen.

Aber Sie selbst kaufen Ihre Brötchen doch wahrscheinlich auch beim Bäcker. Und kochen wahrscheinlich nicht so gut wie ein professioneller Koch in einem Restaurant, von der Eckkneipe zum Gourmet-Tempel aufsteigend… Wir professionellen Journalisten bieten Ihnen einfach eine Dienstleistung, genau wie der Bäcker oder der Koch. Sie können davon ausgehen, dass das, was wir abliefern, so einigermaßen genießbar und korrekt ist. Das spart Ihnen einfach eine Menge Zeit – alle Informationen selbst nachzuchecken und zu bewerten, ist genauso unrealistisch, wie alle seine Brötchen selbst zu backen.

Definitiv gibt es im Journalismus Leute mit “ich-erklär-euch-die-Welt-Gestus”. Definitiv gibt es Leute mit Parteibuch und ideologischen Scheuklappen. Aber das kann man ja individuell kritisieren und belegen. Zu den Typen aber, die alle journalistischen, mehr oder weniger qualitativen Brötchen/Beiträge von vornherein als “Fake-News” abtun – da kann ich nur sagen:  Vielleicht ist da in Ihrer Biografie und Ihrem Weltbild etwas schiefgelaufen. Sie haben nicht mehr alle Tassen im Schrank. Oder sind ein (wenn bezahlter; dann herzlichen Glückwunsch…) Troll.

Die grundsätzlichen Fragen der Reuters-Studie sind natürlich auch noch mal bedenkenswert: Will ich das wirklich wissen, dass gestern in Thailand 199 Menschen bei einem Flugzeug-Absturz ums Leben gekommen sind? Früher, sagen wir mal im Mittelalter, hätte ich nie davon gehört. Die Nachricht belastet mich irgendwie; und andererseits kann ich sie emotional nicht einordnen oder verarbeiten, weil ich eigentlich nicht die geringste Beziehung zu den Opfern habe. “Zu einem besseren Ort” bringt mich eine Nachricht darüber garantiert nicht.

Nur leider sind halt Nachrichten tendenziell negativ: Wenn hundert Leute einen schönen Tag beim Apfelsaft-Festival in Winsen an der Luhe hatten, dann ist das eher keine Nachricht. Wenn hundert Leute über Winsen an der Luhe mit einer Boeing 737 Max abstürzen, dann eher ja. Wie stark Sie sich diesen tendenziell negativen Nachrichten aussetzen wollen, das bleibt natürlich Ihnen überlassen. Aber total den Kopf in den Sand stecken bringt auch nichts – wenn Donald Trump dafür sorgt, dass Huawei gebannt wird, dann bekommt im Zweifelsfall auch Ihr Handy kein Android-Update mehr…

Also mal das Fazit: Wir Journalisten sind Dienstleister wie Bäcker und Köche. Wir bieten Ihnen Leistungen, die Sie im Ideal- oder Ausnahmefall auch selbst hinbekommen könnten. Aber Sie haben ja möglicherweise auch selbst einen Beruf und von daher nur noch begrenzte Zeit bzw. Ressourcen. Wenn Sie Bauingenieur sind, dann versuche ich ja auch Ihre Expertise nicht selbst zu errechnen. Wenn Sie Bäcker sind, kaufe ich meine Brötchen bei Ihnen, Wenn Sie Koch sind, esse ich bei Ihnen. Das alles hat seinen Preis, vollkommen legitimerweise. Und das gleicht sich ja insgesamt einigermaßen aus.

Außer, Sie sind der totale Voll-Checker. Können Gravitations-Physik-Meldungen einordnen, kennen sich in West-Belutschistan aus, können backen und kochen. Herzlichen Glückwunsch!

Ich glaub Ihnen nur kein Wort. Oder sagen wir mal: Sie sind nicht repräsentativ. Oder ein Troll.

Offenbarungen zur rechten Zeit

Manchmal können ja kleine Zufälle, kleine Launen des Schicksals über alles oder nichts entscheiden. Sie alle kennen das. Wer von Ihnen hätte nicht schon mal den Check-In für einen Flieger verpasst, der danach (wegen vermurkster Software…) abstürzte? Die Straßenseite aus purem Daffke gewechselt, bevor drüben dann ein paar Dachziegel runtergingen und Ihren eben noch frohgemuten Mit-Passanten die Schädel zertrümmerten? Den dritten Fahrstuhl von links nicht genommen, bevor dann im 9. Stock der Kollege mit dem furchtbaren Mundgeruch zustieg?

Sie können sich also vorstellen, welch tiefe Empfindungen die Email in mir ausgelöst hat, die ich heute um 13.28 Uhr von “Blanche aus Saint André” erhalten habe. (…zugestellt über die immer sehr vertrauenswürdigen Instanzen “go-nl-sending-71.de” bzw. ABCNEWSLETTER CONSULTING LTD; bei denen ich mich selbstverständlich für den Erhalt von Newslettern jeglicher Art angemeldet habe, sonst wäre die Zustellung dieser Mails ja ungesetzlich…)  Leider funktioniert aufgrund irgendeines Bugs in Outlook die “sofort-endgültig-löschen-Regel” nicht automatisch, die ich für die Drecks-Spammer eingerichtet habe. Aber zurück zu Blanche und ihrer Botschaft:

Hallo Michael,

Deine Zweifel und Sorgen ruinieren dein Leben.

Bingo. Das kann man wohl sagen nach meiner Teilnahme am “Monatspreis-Turnier” gestern im Golfclub Leverkusen. Ich hatte da schon mal Ende letzten Jahres eine ziemlich katastrophale Runde gespielt; aber das gestern war nicht nur katastrophal, sondern Armargeddon. Ich hab das schon beim Einschlagen auf der Range gemerkt, dass der Driver nicht “funktionierte”; aber da funktionierte nicht nur der Driver nicht mehr, da funktionierte gar nichts mehr. Erste Bahn, erster Strich. Zweite Bahn, Abschlag mit dem Eisen gehoppelt, zweiter Strich. Danach war ich schon im Schock&Verzweiflungs-Modus.

Während ein gutaussehender Jungspund mit HCP 47 in meinem Flight, begleitet von seiner Freundin (er hatte wohl mal als Kind irgendwo Golf gelernt, aber zwischendurch lange nicht gespielt; das war jetzt sein erstes Turnier seit zig Jahren…) die Abschläge mit satt über 220m geradeaus in die Prärie donnerte, war bei mir wieder mal völlig abartiger Slice angesagt. Erster Abschlag rechts in die Binsen, provisorischer Ball genau hinterher. Hinter uns der erste 9-Loch-Flight; die Flight-Partner kümmern sich nur um ihren eigenen Ball (“Ready-Golf”) – heißt: Abschlagen, Abschlagen, Ball ist weg, Strich.

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(auch mit Wampe kann man theoretisch gut spielen…)

In den seltenen Fällen, wo ich mal einen ersten Abschlag geradeaus bekommen habe, habe ich dann bei der Annäherung völlig abartig verkackt. (So Slapstick-artige Sachen wie “aus dem Bunker in den Bunker gegenüber. Und dann von dort wieder zurück…”) Oder noch schlimmer: Abschlag ok; der Ball war eigentlich schon eindeutig geradeaus auf dem Fairway, nur leider haben wir den dort nicht mehr gefunden. Ich hab eigentlich nur aus Fairnessgründen weitergespielt, um meinen hoffnungsvollen Flightpartner weiter zählen zu können.

Ich werde dir helfen, mit Gelassenheit wieder in Kontakt zu treten, indem ich dir deine Zukunft enthülle, indem ich dir präzise Antworten auf alle Fragen gebe, die sich dir stellen.

Bingo, Bingo. Ich hätte da zig Fragen. Wieso kann ich von einem auf den anderen Tag nicht mehr Golf spielen? (Auf dem bescheidenen bisher erreichten Niveau, versteht sich…) Wieso habe ich noch bei den letzten beiden Turnieren den dritten/zweiten Netto-Preis gemacht, und jetzt geht gar nichts mehr?

Gib mir dein Vertrauen und dein Leben wird sich verändern, denn der Frieden, das Glück und der Wohlstand, den du verdienst, stehen dir zur Verfügung.

Ein neues Leben wird dir angeboten!

Ja klar – ich verdien das doch echt. Was hab ich nicht alles gemacht: tausend mal trainiert, tausend mal Kohle für die Pros rausgerückt… Teure, meinem Können nicht angemessene Blades gekauft…

Klicke auf den untenstehenden Link und ich kümmere mich vorrangig um dich: Klicke auf den untenstehenden Link und ich kümmere mich vorrangig um dich:

Super, danke. Was mich ein ganz kleines bisschen irritiert: Die hellsichtige Blanche…

…arbeitet offenbar auch als Model für Stock-Foto-Anbieter. Das ist natürlich ihr gutes Recht, schließlich sieht sie ja für ihr Alter noch ziemlich extrem gut aus, und vielleicht ist ja das beherbergen der kleinen possierlichen Tiere auf ihrer Farm noch letztlich nicht abendfüllend … Aber; oder: Wollen mich da “go-nl-sending-71.de” bzw. “ABCNEWSLETTER CONSULTING LTD” mit einer gefaketen Blanche etwa betrügen??? Dann müsste ich mal wieder meine Voodoo-Zeremonie vorbereiten, mit den bekannt schrecklichen Folgen.

Mein eigenes Golf-Problem habe ich heute (hoffentlich…) einigermaßen gelöst: Ich hatte am Samstag vor dem Turnier beim Üben offenbar eine großartige neue (falsche…) “Schwung-Idee”, die mich am Sonntag total gekillt hat. Nach zwei Stunden auf der Range heute bin ich drauf gekommen, was ich da für einen Bullshit mache. Das ist echt ziemlich diffizil mit diesem komischen Golfen, Blanche. Kennst Du dich da wirklich aus?

DeepMind-KI spielt erfolgreich Multiplayer-Shooter

“Quake 3” war einer der letzten “Ego-Shooter” (zurecht oder zu unrecht 🙂 besorgte Zeitgenossen sprechen ja auch von “Killer-Spielen”…), die ich sehr ausgiebig und auch einigermaßen gut gespielt habe. Das ging damals (1999…) eben noch mit meinem heiß geliebten und sehr soliden Joystick, bei dem eine der Funktionstasten für das “strafen”; das seitliche Ausweichen bei feindlichem Beschuss zuständig war. Danach kam dann die kombinierte Steuerung durch Maus (für das Rumgucken…) und Tastatur (für das Laufen, Schleichen, Hüpfen oder Ducken) in Mode, und das hat meine koordinativen Fähigkeiten dann schnell überfordert. Tja, man wird älter 🙂 …

“Capture the Flag”, also das bis auf den heutigen Tag beliebte Multiplayer-Game hab ich auch nicht versucht; ich hab mir höchstens mit meiner damaligen Freundin im 2-PC-Netzwerk Kettensägen-Duelle geliefert, oder wir sind gemeinsam gegen die im Spiel eingebaute Monsterhorde angetreten. Aber natürlich ist das “Capture the Flag”-Multiplayer-Game die wesentlich anspruchsvollere Variante bei Ego-Shootern – zumindest wenn man über den ganz primitiven Impuls “auf alles ballern, was sich bewegt” hinausgeht. Das Multiplayer-Game erfordert Kooperation und Koordination und irgendwelche Strategien.

Ist es z.B. eine gute Idee, hinter einem Team-Kollegen hinterher zu laufen, den ggf. gegen Feinde zu unterstützen und im Falle seines Ablebens die vakante Fahne zu ergreifen? Sollte man die eigene Basis gegen feindliche Angriffe verteidigen, oder vielleicht im verlassenen gegnerischen Camp ausharren, bis dort die Fahne eines hingemetzelten Fahnenträgers wieder auftaucht? Die Deep-Mind-Programmierer haben ihre “Agents”, ihre auf neuronalen Netzen basierenden Algorithmen genauso wie bei Schach, Go oder StarCraft nach dem “Reinforcement Learning”-Prinzip trainiert.

Der Algorithmus/das neuronale Netzwerk weiß erst einmal nichts. Es spielt drauflos und lernt durch Erfolg oder Misserfolg. Beim aktuellen Quake-Experiment hatten die “Agents” auch nur exakt die Teil-Information über die Spielsituation, wie sie auch ein menschlicher Spieler hat: Das “Sichtfeld”, also die in der Ego-Perspektive sichtbaren Pixel. Und den Punktestand, also den eigenen “Gesundheits”- und “Erfolgs”-Status und den des Teams. Wie die verschiedenen Iterationen der neuronalen Netzwerks “trainiert werden” bzw. “lernen”, ist sehr komplex – professionell Interessierten empfehle ich da dringend einen Blick ins Original-Paper und in das Supplement. 🙂

(Quelle: DeepMind)

Aber das Resultat ist klar: Die besten der trainierten “Agenten”/neuronalen Netzwerke spielen Quake 3 CTF mit einer übermenschlichen “superhuman Performance”. Tröstlicherweise können versierte menschliche Spieler die Agents immer noch “exploiten”, also ihre Strategien durchschauen und ausnutzen, wenn ein gegebenes Spiel-Szenario gleich bleibt. Und für die Experten: Der Vorsprung der KI bleibt auch erhalten, wenn die etwas schnellere Reaktionszeit der KI-Bots auf das Erscheinen eines Feindes durch eine menschen-ähnlich verzögerte Reaktionszeit angeglichen wird.

Über die Übertragbarkeit des DeepMind-Quake 3-CTF-Algorithmus auf realistischere Szenarien kann man nur spekulieren. Aber der Ansatz “Reinforcement Learning” und neuronales Generalisieren von unbekannten Szenarien scheint sehr erfolgversprechend zu sein. Darüber kann man sich perspektivisch freuen (etwa irgendwann einmal bei Rettungs-Einsätzen von Robotern; oder bei echtzeit-kritischen Weltraum-Missionen…) oder ärgern (etwa beim autonomen Agieren von Killer-Drohnen oder -Robotern bei kriegerischen Auseinandersetzungen…

Reinforcement Learning – KI kann auch „Killer-Spiele“

Deutschlandfunk – Forschung aktuell vom 31.05.2019 (Moderation: Arndt Reuning)

Ein mimimi für Annegret Kramp-Karrenbauer

Ganz offen gesagt stand die CDU in meiner bisherigen Wähler-Laufbahn noch nie im Zentrum meiner Überlegungen. Wobei ich ja die unaufgeregte und uneitle Art von Bundeskanzlerin Angela Merkel immer schon geschätzt habe. Ich würde mich sogar fast zu der These hinreißen lassen, dass Frauen als Spitzenpolitiker(innen) tendenziell weniger bescheuert sind als Männer. Obwohl da gerade Theresa May ein eindrucksvolles Gegenbeispiel gibt; Margaret Thatcher war ja auch irgendwie nicht so ganz besonders sympathieauslösend; dann gibt’s natürlich auch noch zig korrupte und eitle Damen in diversen Ländern, die genauso in die eigene Tasche wirtschaften und genauso penetrant am Amts-Stuhl kleben wie die Herren der Schöpfung.

Annegret Kamp-Karrenbauer fand ich eigentlich auch relativ sympathisch; jetzt mal so im Vergleich zu dem aus Blackrock-Aufsichtsrats-Höhen herab- (und nach seiner Pleite wieder herauf-…) geheuschreckten Friedrich Merz. 🙂 Aber nach ihrem beleidigten Statement als Reaktion auf die Europawahl und das natürlich völlig unverschämte, total unfair (oder sogar terroristische..) asymmetrische YouTube-Video von Rezo und den anderen natürlich völlig minderbemittelten YouTubern muss ich sagen: Mimimi, liebe AKK!

Das kann ja wohl nicht wahr sein. Die Dame will Bundeskanzlerin werden. Da wäre es vielleicht keine schlechte Idee, verinnerlicht zu haben, wie Demokratie funktioniert und was in unserem Grundgesetz steht. Damit ich hier nicht alle Kontra-Argumente aufzählen muss, verweise ich mal auf die Kommentare von Stefan Kuzmany bei SPON und Marvin Strathmann bei Heise. Noch ein paar Aspekte:

Ist eigentlich Wahlkampf keine “Meinungsmache”? Ist es vor einer Wahl legitim zu sagen: “Wählt CDU!” Und nicht legitim zu sagen: “Wählt nicht CDU!”? (Und nicht SPD. Und nicht AfD.)  Soll es einen Stimmen-Bonus geben für “Parteien der Mitte”? Oder einen Gedenk-Bonus für ehemalige “Volksparteien” und Kanzler-oder Kanzlerin-Steller-Parteien? Ist die AfD eigentlich keine “demokratisch legitimierte Partei” mit “unzähligen ehrenamtlichen Helfern”? (Auch wenn mir persönlich das vielleicht keine besondere Freude bereitet – ist sie aber.)

Ich habe das Rezo-Video übrigens erst am Samstag vor der Wahl angeschaut. Ist eben ein bisschen lang 🙂 . Aber, obwohl mir als Profi die Fakten natürlich bekannt waren – das hat mich tatsächlich beeinflusst. Ich hab mich immer schon gefragt: Warum machen wir öffentlich-rechtlichen Journalisten den Scheiß eigentlich mit? Warum machen wir bei diesem Spielchen mit, die Bullshit-Antworten von Politikern zu akzeptieren; vielleicht als Ritual noch einmal nachzufragen und dann auf den – in der Ausbildung so vermittelten Effekt zu vertrauen – “der demaskiert sich mit der Nichtbeantwortung der Frage selbst.”

Nein. Das stimmt eben leider nicht. Wir Journalisten machen bei diesem abgeschmackten Bullshit-Spielchen mit. Wir fühlen uns gebauchpinselt, wenn wir vom “ach-so-mächtigen” Außenminister ein paar vermeintlich vertrauliche und exklusive Infos bekommen; und für den vielleicht etwas karrierefördernden ersten Zugriff auf irgendwelchen harmlosen Bullshit opfern wir die Gelegenheit, nein, die Verpflichtung zu sagen: Das, was Sie da gerade gesagt haben, ist doch Bullshit/ein Ausweichmanöver/Sie haben da offenbar keine Ahnung.

Ich war letzte Woche mit ein paar Leuten aus gehobenen Etagen der ARD und des ZDF zusammen, und eigentlich war die Wahrnehmung des Rezo-Videos die: Warum machen wir eigentlich sowas nicht, ist das nicht eigentlich die Zukunft oder die Bringschuld des öffentlich-rechtlichen Journalismus? Ja, ist es. Auch wenn es Annegret Kramp-Karrenbauer, der SPD und natürlich auch der AfD nicht gefallen wird: Wenn man mal einen Realitätscheck macht, dann seid ihr alle Scheiße. In unterschiedlichen Ausmaßen vielleicht. Und bei den Grünen ist logischerweise auch nicht alles ok.

Aber darüber müssen wir doch diskutieren. Symmetrisch, asymmetrisch und vor allem demokratisch. Auch wenn das Neuland ist. Die (jetzt noch so einflussreiche…) Kohorte der alten Säcke und Säckinnen 🙂 stirbt nämlich aus. Und, wie Rezo ja schon gesagt hat, so konservativ oder zukunftsblind sind die “Alten” gar nicht: Auch Oma und Opa wollen eigentlich das Beste für ihre Enkel(innen)… Fazit: Wenn AKK und die CDU nicht total abkacken wollen, empfehle ich mal einen Realitäts-Check. Bei der SPD fällt mir gerade nix zwingendes ein. Auf jeden Fall: Willkommen im Neuland!

Spammer droht, mich als Spammer dastehen zu lassen

Ich wundere mich ja immer wieder, wie dreist irgendwelche Arschlöcher versuchen, ihre Mitmenschen übers Ohr zu hauen. Ob jetzt in der analogen Welt mit Enkeltrick oder einem Telefonanruf:

“Hier die Kriminalpolizei, in Ihrer Nachbarschaft hat es Einbrüche gegeben. Auch Sie sind offenbar Ziel der Ganoven. Wir kommen jetzt gleich mal bei Ihnen vorbei, um Ihren Schmuck oder Ihre Bargeldbestände in Sicherheit zu bringen.”

(Ist allen Ernstes bei meinen Tanten so passiert – schade, dass ich nicht da war, sonst hätten wir ja mal drauf eingehen können und ich hätte dem Abholer mein Eisen 6 über die Rübe gezogen…) Aber damit hätte ich mich ja wiederum strafbar gemacht, klar.

Oder in der digitalen Welt mit irgendwelchen Quatsch-Mails: “Reklamieren Sie jetzt sofort ihren bislang nicht abgerufenen Lotto-Gewinn; oder den Nachlass des unglücklicherweise verstorbenen Ministers Wuggo Waggabuggo aus Nigeria…” Die ganzen Analog- und Cyber-Verarscher spekulieren ja auch “nur” auf die Dummheit der Menschen; am liebsten auf die von älteren oder aus anderen Gründen etwas argloseren. Teilweise kommen die Verarscher selbst aus benachteiligten gesellschaftlichen Gruppen (um das mal total “political correct” zu formulieren 🙂 ) oder aus Ländern mit Armut und gesellschaftlichen Problemen. Wahrscheinlich hatten auch viele von den Verarschern eine schwierige Kindheit.

Mein spontaner Impuls ist trotzdem, den Drecksäcken einfach mal so richtig die Fresse zu polieren. Kommen wir mal zu konkreten Beispielen. Die Masche mit dem Erpressungs-Spam:

“Ich habe Ihren Computer gehackt. Und Sie mit Ihrer eigenen Webcam dabei gefilmt, wie Sie beim Besuchen von Porno-Websites vor dem PC onanieren. Herzlichen Glückwunsch, Sie haben einen guten Geschmack! Wenn Sie nicht wollen, dass ich das Splitcam-Video an alle Ihre Kontakte maile, zahlen Sie soundsoviel Bitcoins an die Adresse soundso…”

– die ist ja nun mittlerweile schon etwas älter. So richtig überzeugend ist die Drohung ja auch nicht, wenn man wie ich gar keine Webcam hat. „Isch ‘abe gar keine Auto“ 🙂

Gestern habe ich aber mal einen originellen neuen Erpressungsversuch  bekommen, und zwar als Kommentareintrag auf einem WordPress-Blog:

Autor: Joshuaepimb (IP: 141.98.103.30, 141.98.103.30)
E-Mail: fgedufd@yfgeufds.com
URL:
Kommentar:
Hey. Soon your hosting account and your domain forsttierarzt.de will be blocked forever, and you will receive tens of thousands of negative feedback from angry people.

Pay me 0.5 BTC until June 1, 2019.
Otherwise, you will get the reputation of a malicious spammer, your site forsttierarzt.de will be blocked for life and you will be sued for insulting believers. I guarantee this to you.

My bitcoin wallet:19ckouUP2E22aJR5BPFdf7jP2oNXR3bezL

Here is a list of what you get if you don’t follow my requirements:
+ abuse spamhouse for aggressive web spam tens of thousands of negative
+ reviews about you and your website from angry people for aggressive
+ web and email spam lifetime blocking of your hosting account for
+ aggressive web and email spam lifetime blocking of your domain for
+ aggressive web and email spam Thousands of angry complaints from angry
+ people will come to your mail and messengers for sending you a lot of
+ spam complete destruction of your reputation and loss of clients
+ forever for a full recovery from the damage you need tens of thousands
+ of dollars
All of the above will result in blocking your domain and hosting account for life. The price of your peace of mind is 0.5 BTC.
Do you want this?
If you do not want the above problems, then before June 1, 2019, you need to send me 0.5 BTC to my Bitcoin wallet: 19ckouUP2E22aJR5BPFdf7jP2oNXR3bezL
How do I do all this to get this result:

  1. I will send messages to 33 000 000 sites with contact forms with offensive messages with the address of your site, that is, in this situation, you and the spammer and insult people.

And everyone will not care that it is not you.

  1. I’ll send messages to 19,000,000 email addresses and very intrusive advertisements for making money and offer a free iPhone with your website address forsttierarzt.de and your contact details.

And then send out abusive messages with the address of your site.

  1. I will do aggressive spam on blogs, forums and other sites (in my database there are 35 978 370 sites and 315 900 sites from which you will definitely get a huge amount of abuse) of your site forsttierarzt.de.

After such spam, the spamhouse will turn its attention on you and after several abuses your host will be forced to block your account for life.
Your domain registrar will also block your domain permanently.
All of the above will result in blocking your domain and hosting account for life.
If you do not want to receive thousands of complaints from users and your hosting provider, then pay before June 1, 2019.
The price of your peace of mind is 0.5 BTC.
Otherwise, I will send your site through tens of millions of sites that will lead to the blocking of your site for life and you will lose everything and your reputation as well.
But get a reputation as a malicious spammer.
My bitcoin wallet:19ckouUP2E22aJR5BPFdf7jP2oNXR3bezL

Mal zusammengefasst – das Erpresser-Arschloch droht, wenn ich ihm nicht etwas 🙂 Kohle per Bitcoin-Überweisung rüberschicke, in meinem Namen Millionen andere Webseiten zuzuspammen. Das hätte dann zur Folge, dass meine eigene Website entweder durch Anti-Spam-Blacklists oder sogar durch meinen eigenen Provider abgeschaltet und ich meine Netz-Reputation und meine “Kunden” verlieren würde. Abwenden kann ich das nur, wenn ich dem Erpresser schlappe 3.569,41 Euro (nach aktuellem Bitcoin-Kurs…) zahle. Natürlich hat sich das Erpresser-Arschloch nicht die Mühe gemacht, abzuchecken, ob die Drohung mit dem Reputations- und “Kunden”-Verlust bei einer Website wie “Forsttierarzt”  🙂 plausibel ist. Das Ganze ist genauso ein wohlfeiler Schuss ins Blaue wie die Porno-Webcam-Erpressungsmasche.

Das Erpresser-Arschloch ist sogar saublöd genug, um den Erpressungs-Blogkommentar auch noch wieder zu spammen. Da kam nämlich um 19.32 Uhr der erste Eintrag von:

Joshuaepimb (IP: 141.98.103.30, 141.98.103.30)

E-Mail: fgedufd@yfgeufds.com

Dann um 20.24 Uhr von:

WilliamFex (IP: 137.59.253.16, 137.59.253.16)

E-Mail: geugf@fgeuhfe.com

Dann um 21.40 Uhr von:

PatrickLip (IP: 137.59.253.16, 137.59.253.16)

E-Mail: gudfe@ufguef.com

Und um 22.24 Uhr von:

RichieTew (IP: 137.59.253.16, 137.59.253.16)

E-Mail: guhfue@fygsuf.com

Das heißt, auch wenn ich jetzt vielleicht als etwas minderbemittelter nicht-so-ganz-Checker angesichts des ersten Erpresser-Kommentareintrags verunsichert bin und eventuell sogar mit dem Gedanken spiele, die Kohle rauszurücken – spätestens hier wird mir klar, dass das Erpresser-Arschloch ja ewig weitermachen kann und mich morgen als RäuberHotzenplotz@Hotzenplotz.com und übermorgen als GottDerAllmächtige@GottDerAllmächtige.de weiter erpressen kann. Man kann einen netten, kleinen abgefuckten Erpressungs-Versuch eben auch übertreiben und vermasseln.

Das alles ist natürlich an sich lächerlich. Da hier das Erpresser-Arschloch aber nicht mit einer direkt als Fake durchschaubaren Drohung (wie bei der Onanier-Porno-Variante bei nicht vorhandener Webcam…) droht, sondern mit einer theoretisch tatsächlich beeinträchtigenden Handlung (ich hoffe mal, dass wenigstens Spam-Blacklists nicht auf gefälschte Mail-Header reinfallen…), werde ich jetzt mal Anzeige erstatten. Interessanterweise sind ja Bitcoin-Wallets längst nicht so anonym, wie sich das manche Arschlöcher vorstellen.

Ich werde hier über die Weiterentwicklung berichten; vielleicht landet ja am Ende ein Arschloch (vermutlich mit schwieriger Kindheit…) im Knast. Da glaube ich allerdings selbst nicht so ganz dran. Von daher mal – als Alternative zum Schlag in die Fresse folgendes:

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Ich habe gerade eine Voodoo-Zeremonie durchgeführt. Har, har!!! Du Erpresser-Arschloch und alle deine Verwandten werden nun auf grausamste Weise sterben. Hilfsweise sind auch meine Russische-Mafia-Killer bereits ausgeschwärmt. Erwarte Dein bitteres Ende ab sofort in jeder Sekunde! Har, har, har!!!