Knast-Kommunikation: Kontrollierter Internetzugang in Berlin, Telefonkosten-Abzocke in den USA

Tiefenpsychologisch gesehen müsste eigentlich heutzutage der Schock, hinter Gittern zu landen und der Freiheit einstweilen Lebewohl sagen zu müssen, noch viel schlimmer sein als anno dazumal. Denn im Gefängnis kommt einem ja schlagartig auch jene virtuelle Welt abhanden, die für die allermeisten Menschen mittlerweile zu einem normalen Leben existenziell dazugehört.

Der Verlust betrifft natürlich nicht nur die (gerne auch erotisch angehauchte 🙂 …) Freizeitgestaltung, sondern auch grundlegende Informations- und Kommunikationsbedürfnisse; nicht zuletzt gehört ja ein Netzzugang auch für Sozialhilfeempfänger zum Basisanspruch. Andererseits werden gerade die Kommunikationsbedürfnisse bzw. die daraus erwachsenden Gefahren bei Knastinsassen mit gutem Grund kritisch gesehen – insofern haben nicht nur einige CDU-Abgeordnete, sondern auch der Bund der Strafvollzugsbediensteten (BSBD) Bauchschmerzen mit dem Berliner Pilotprokt „Kontrollierter Internetzugang für Gefangene“.

Ein ganz anderes Kapitel sind natürlich eingeschmuggelte Mobilgeräte, wer ein schickes Smartphone mit LTE unter der Matratze liegen hat, kann auf den „kontrollierten Zugang“ dankend verzichten. Warum Vollzugsanstalten allen Ernstes Millionenbeträge für Störsender, mobile Handy-Detektoren oder funkwellenabschirmende Wandanstriche ausgeben, anstatt die Gefangenen, die Zellen und ggf. Besucher gründlich zu kontrollieren, das erschließt sich dem Laien nicht – aber irgendwelche sehr guten Gründe muss es ja wohl geben.

In jedem Fall geht natürlich ein Schmuggler auch wieder das Risiko einer zusätzlichen Strafe ein – besser ist es da natürlich, mit Genehmigung ein (Mobil-)Telefon benutzen zu dürfen. In den USA haben sich ein paar Telefongesellschaften auf die Versorgung der Haftanstalten spezialisiert. Offenbar handeln sie aber nach der biblischen Maxime „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ – und fordern ihren Zwangskunden geradezu kriminell hohe Gebühren ab. So sieht das jedenfalls die Aufsichtsbehörde FCC. Aber so einfach lassen sich die Betreiber nicht „deckeln“ – sie haben gerade erfolgreich Einspruch gegen das Verbraucher- bzw. Knastbrüder-freundliche Preisdiktat der Behörde eingelegt. Angeblich gibt es für die hohen Preise irgendwelche sehr guten Gründe. 🙂

DRadio Wissen · Gefängnis: Kontrollierter Internet-Zugang für Insassen

DRadio Wissen – Schaum oder Haase vom 08.03.2016 (Moderation: Till Haase)

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