Dietrich Fischer-Dieskau wird 85

Morgen geht es ja in Oslo zur Sache, “unsere Lena” Meyer-Landrut singt “für Deutschland” – sie geht sogar als Favoritin ins Rennen. Wie auch immer die Sache in Oslo ausgeht, eines hat Lena Meyer-Landrut ja mit ihrer erfrischenden Art direkt zugegeben: Sie hat nicht nur eine etwas “abenteuerliche” Atemtechnik beim Singen, sondern gleich gar keine.

Beim klassischen Gesang geht das nicht so einfach; ohne Atemtechnik, ohne Gesangstechnik – weil man da eben keine Tontechnik hat, kein Mikrofon vor der Nase und keine
Soundanlage, von dazugemischtem Hall und sonstigen “Klang-Verschönerungen” jetzt einmal ganz zu schweigen. Das ist also ehrliche Muskelarbeit, für die man auch ein
Weilchen lernen muss, von künstlerischen Aspekten jetzt einmal ganz abgesehen.

Ein Sänger mit ausgezeichneter Atem- und Gesangstechnik und einer wunderbaren Stimme wird heute 85 Jahre alt: Dietrich Fischer-Dieskau, ein Gigant oder wie man heute sagt, “Superstar” der klassischen Musik, auch wenn er sich diesem Begriff verweigert.

In gewisser Weise hat Fischer-Dieskau in der Nachkriegszeit auch “für Deutschland” gesungen, nämlich als eine Art Kulturbotschafter – er ist sehr schnell international
bekannt geworden und international aufgetreten, in England, in den USA – und hat da vielleicht bei vielen Hörern dafür gesorgt, das äußerst gründlich lädierte Bild von
Deutschland als Kulturnation wieder etwas in Erinnerung zu bringen – wobei die Formulierung, ein Künstler sänge “für ein Land” natürlich letztlich ohnehin Unsinn ist…

Im Netz, speziell natürlich bei Youtube finden sich jede Menge Ton- und Videoaufnahmen von Fischer-Dieskau, auch vieles aus den frühen Jahren; in Schwarz-Weiss und aus
irgendwelchen Archiven herausgezaubert. Über den Sänger gefachsimpelt wird auf Diskussions- und Fanseiten.

In letzter Zeit hat Fischer-Dieskau in Interviews einen ziemlich melancholischen Eindruck gemacht, er fragt sich, ob er irgendetwas erreicht hat oder etwas von ihm bleiben
wird – ich sage einmal auch von hier: Eindeutig ja. Liebe und Bewunderung nämlich. Und noch mal herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

DRadio Wissen – Webschau vom 28.5.2010

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