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Amazon-Rabatt auf Waren von „Third-Party-Anbietern“: Lokalrunde mit Hintergedanken

Die Idee mit den Drittanbietern oder „Third-Party-Verkäufern“ bei Amazon ist ja eigentlich genial: Zum einen weitet der Handelsgigant damit sein Angebot aus – entweder qualitativ (zusätzliche Artikel, evtl. besserer Preis) oder quantitativ (Produkt in höheren Stückzahlen verfügbar). Die Kunden haben mehr Auswahl und genießen die Zahlungsabwicklung über einen vertrauenswürdigen, etablierten Kanal – und die Drittanbieter selbst können ihre Waren über einen etablierten Distributionsapparat lagern und ausliefern (lassen); normalerweise klappt die Abrechnung auch problemlos.

Das ermöglicht z.B. einem findigen Studenten, mal eben ein Millionen-Business hochzuziehen – mit pfiffiger Preis-Arbitrage. Das Nebeneinander von Amazon-eigener Ware und der Ware von Drittanbietern in Amazons Lagerhäusern führt ja zuweilen zu peinlichen Pannen: Amazon macht nämlich bei der Bestell-Bearbeitung gar keinen Unterschied und „pickt“ und versendet einfach das, was gerade am nächsten im Regal liegt – und so kann man selbst bei einem Kauf bei Amazon selbst mit etwas Pech gefälschte, defekte oder retournierte Ware geliefert bekommen. Immerhin ist das Unternehmen bei Reklamationen sehr kundenfreundlich und diskutiert dann nicht groß herum, sondern liefert fehlerfreien Ersatz.

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Auch der Sonder-Rabatt, der gerade für etwas Aufsehen in den Third-Party-Seller-Foren sorgt, sieht ja erst einmal nach einer Win-Win-Win-Situation aus. Aber unter Umständen bekommen Drittanbieter Ärger mit ihren Lieferanten oder den Markenproduzenten – die „Lokalrunde“ von Amazon verfolgt halt ureigenste Interessen und nimmt gegebenenfalls solche Kollateralschäden in Kauf. Hauptsache, der Eindruck bleibt in den Köpfen der Konsumenten: Bei Amazon gibt es die günstigsten Preise. Noch einmal nachchecken empfiehlt sich aber trotzdem.

Amazon-Rabatt auf Waren von „Third-Party-Anbietern“: Lokalrunde mit Hintergedanken · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 07.11.2017 (Moderation: Till Haase)

Twitter-Account von Donald Trump gelöscht – leider nur für 11 Minuten

Der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin von Twitter, der/die den dauerzwitschernden, orangegelockten Singvogel im Weißen Haus mal eben als letzte Amtshandlung den Schnabel verbunden hat, ist ja postwendend für den Friedensnobelpreis nominiert wurden. Aber bereits nach 11 Minuten hatte der Präsidenten-Darsteller sein Sprachrohr wieder – dass therealdonald tatsächlich mal wie seine Steigbügelhalter aus der Altright-Ecke vom Kurznachrichtendienst suspendiert oder rausgekickt wird, ist praktisch undenkbar; Geschäft ist schließlich Geschäft.

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Es gibt ja ein paar Nörgler, die die ganze Aktion gar nicht witzig finden. Klar, wenn ein niederer Support-Mitarbeiter mal eben dem POTUS den Zwitscher-Hahn abklemmen kann, dann kann er vielleicht auch auf eigene Faust den Start sämtlicher US-Atomraketen auf Pjöngjang, Beijing, Teheran und Moskau ankündigen. Und dann kann man gemütlich abwarten, ob es irgendwo noch andere Bekloppte gibt, die die (in diesem Fall dann auch noch gefälschten, aber das wäre ja nun echt schwer zu erkennen…) Tweets eines Bekloppten für bare Münze nehmen. Oder vielleicht wird der Gegenschlag und die Vernichtung der Welt dann ja auch ganz zeitgemäß durch eine KI ausgelöst, die Tweets „verstehen“ kann und automatisch reagiert?

Donald Trump: Auf Twitter gelöscht für 11 Minuten · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 03.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Jesus contra Satan: Wie die russischen Anzeigen im US-Wahlkampf tatsächlich aussahen

Es ist mittlerweile keine Spekulation mehr, sondern erwiesen: Russland hat versucht, Einfluss auf die US-Präsidentschaftswahlen zu nehmen. Die Anzeigen bei Google,  Facebook und Twitter haben doch sehr viel mehr US-Bürger zu sehen bekommen, als zuerst behauptet – die bewährte Salamitaktik der IT-Firmenchefs verfängt hier nicht mehr so recht; bei der Untersuchung vor dem US-Senat werden gerade die Vertreter der betroffenen Internet-Unternehmen doch recht intensiv befragt bzw. vielmehr „gegrillt“. Wie die von russischen „Agenturen“ geschalteten Anzeigenmotive konkret aussahen, das wussten wir bislang nicht. Jetzt haben Facebook und Co. die Karten auf den Tisch gelegt und die Anzeigen herausgerückt.

 

Und da weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Genau wie schon im Vorfeld angedeutet – die Motive nehmen gar nicht etwa nur Partei für Donald Trump und gegen Hillary Clinton; sie bedienen praktisch das ganze Spektrum der politischen bzw, gesellschaftlichen Auseinandersetzung in den USA – und das auf eine möglichst plakative Weise. Wenn man sich aber klar macht, das einzelne Motive sehr gezielt auf Basis der Social-Media-Geschichte einzelner User individuell präsentiert werden konnten, ist die ganze Aktion sehr viel weniger ein „Schrotschuss“, als einem das beim nachträglichen Durchblättern der Anzeigen vorkommt.

Wer sich von einem kitschigen Jesus-contra-Satan-Armdrück-Bildchen (theologisch ist das auch äußerst problematisch…) in seiner politischen Willensbildung beeinflussen lässt, ist natürlich debil. Aber wer sagt, dass sich Demokratie nur an geistig Gesunde richtet – sowohl was die Wähler als auch was den Gewählten betrifft? Insofern folgte die Aktion also dem Kalkül: Je mehr Polarisierung, desto besser für Trump und desto schlechter für Clinton. Ob man im Kreml (na klar – die Troll-Agentur hat diese Kampagne wie auch das andere Tagesgeschäft natürlich nur auf eigene Initiative hin oder aus Spaß an der Freud durchgeführt 🙂 )  im Nachhinein mit der Einflussnahme glücklich ist, das ist noch mal eine andere, auch wieder sehr lustige Frage.

Manipulation des US-Wahlkampfs: Russische Anzeigen · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 02.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Google Docs verweigert Zugriff auf Texte wegen „missbräuchlichen Inhalten“

So ein guter alter eigener PC zuhause, mit Festplatten oder SSDs darin und da drauf dann teure Software; Microsoft Office oder so, dazu noch mal zusätzliche Festplatten für die Backups – das alles ist ja heutzutage sowas von mega-out. Denn es gibt doch alles im Netz, in der Cloud: Speicherplatz, Programme, und natürlich alles (vermeintlich…) für lau. Und da loggt man sich ein, wo immer man auch gerade ist. Mal mit dem Tablet, mal im Internetcafe, bei Freunden, in der Uni. Alles supersmart. Aber was macht man, wenn dieser Clouddienst einen plötzlich nicht mehr an den Text lässt, den man gerade bearbeitet? Genau das ist gerade einer Reihe von Usern bei Google Docs passiert„Zugang verweigert“.

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Und zwar wegen „abusive content“, wegen „missbräuchlichen Inhalten“ in den Texten; die User bekamen da nur noch eine Fehler- bzw. Sperrmeldung zu sehen: „Es tut uns leid. Du kannst nicht auf dieses Dokument zugreifen, weil es gegen unsere Nutzungsbedingungen verstößt.“ Das alles nicht etwa wegen wirklich „bedenklicher“ Inhalte, in den Dokumenten der betroffenen Anwender ging es weder um Anleitungen zum Bombenbau noch um Pläne zur Ermordung des amerikanischen Präsidenten Präsidenten-Darstellers, noch um Pornografie oder Aufrufe zum Raubkopieren. Betroffen waren stattdessen Journalisten und Wissenschaftler – und das Ganze war: Eine Panne. Eine Panne allerdings, die noch einmal eines verdeutlicht: Google bzw. Google-Algorithmen schauen in die Dokumente hinein.

Wobei die Algorithmen laut Google nicht versuchen, die Dokumente inhaltlich zu verstehen – ganz großes Indianer-Ehrenwort. Könnten sie aber – das wäre nur eine klitzekleine Einstellungs-Änderung. Von daher – wer sensible Dokumente erstellt oder bearbeitet, und die in der Google-Cloud speichert und bearbeitet, dem ist nicht mehr zu helfen.

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 02.11.2017 (Moderation: Diane Hielscher)

Lakeballs? Wieso?

Ich möchte das an dieser Stelle einmal klar und deutlich mitteilen und mich outen – die Golf-Leidenschaft hat mich gepackt. So ungefähr seit Juni, wo ich mal mit Kollegen bei einer Platzrunde mitgelaufen bin – natürlich nicht ohne vorher schon mal als alter Streber zwei Pro-Stunden beim Golfclub in meiner unmittelbaren Nähe zu absolvieren und dann bei den Kollegen als wundersames Natur-Talent zu reüssieren. 🙂

In der Zwischenzeit habe ich festgestellt: Die Hochs und Tiefs sind eng getaktet. Am Anfang funktionierte der Schwung einigermaßen gut, mit Anfänger-Enthusiasmus. Kurze Zeit später sorgte genau dieser Enthusiasmus für eine äußerst schmerzhafte Zerrung unter der linken Schulter, so dass ich gar nicht mehr zuschlagen konnte bzw. mochte. Nach zwei Wochen funktionierte das wieder – und kurz danach traf ich dann wieder keinen Ball mehr, sondern „toppte“ alles, traf die Bälle also nur noch an der Oberkante. Weil ich irgendwelche Aktionen in meinen Knien durchführte, die kontraproduktiv/überflüssig/f.d.A. waren…

Anfang Oktober habe ich dann meinen „Platzreifekurs“ für einigermaßen viel Geld absolviert, bei „WinstonGolf“ in der Nähe von Schwerin. Kann ich sehr empfehlen – Unterbringung top. der Par-3-Platz und die Übungsmöglichkeiten top, der Unterricht top. Am ersten Tag haben wir mein Schwungproblem gelöst, am zweiten die Handgelenksrotation dazu gelernt – und am dritten Tag kam dann noch der Hüft-Steinschleudereffekt, der Zeigefingerdruck und die Drehung im linken Handgelenk (um den Schlägerkopf offen zu lassen und den Slice zu vermeiden…) hinzu. Das war allerdings zuviel für mein Koordinaten-System – der Mittwoch nachmittag  war schon ziemlich katastrophal auf dem Winston-Kranich-Kurzplatz – und das nach den Pars und Birdies am Dienstag. 🙁

Die Platzrunde auf dem Winston Open am Donnerstag war dann völlig katastrophal – der erste Schlag direkt seitwärts in die Dünen – und so ging es dann munter weiter. Die Erkenntnisse der ersten beiden Tage funktionierten nicht mehr. Am Nachmittag durfte ich noch mal eine Solo-Runde auf dem Platz allein spielen – etwa zwei Drittel der Schläge waren o.k. – der Rest ging in die Dünen, die Bunker oder ins Wasser. Am Abend war ich ziemlich verzweifelt: Wieso gebe ich hier einen Tausender aus für einen Platzreifekurs, wenn ich bei diesen Distanzen (zumindest mit den von mir bislang praktisch ausschließlich gespielten Eisen…) und den Grün-Schwierigkeiten eigentlich keine Chance habe, die Vorgabe 54 zu erreichen?

Noch später kam mir dann die Erkenntnis und Beruhigung – die Platzreife konnte ich ja auch ohne die 54 erreichen. Und so war es dann auch am Freitag, dem 13.10. : das Wunder blieb aus, trotz mehrerer vielversprechender Ansätze…Platzreife ja, Minimal-Vorgabe nein.

Golfbälle

Etwas suboptimal, weil ich die für die Wochentags-Spielberechtigung bei meinem Heimat-Club brauche. Aber das schaffe ich schon noch, auf einem etwas leichteren/kürzeren Platz. Ich bin nämlich äußerst begabt.  🙂 Anfänger flennen ja bekanntlich oft herum wegen der Bälle, die sie in die Prärie verschlagen. Und kaufen sich Lake Balls oder ähnliche Gebraucht-Angebote.

Ich habe mir am Anfang 24 fabrikneue Bälle „Wilson Ultra“ („The longest Ultra ever“) zugelegt, Für 18,95 €. Davon sind jetzt noch vier Bälle da. Im Gegenzug habe ich allerdings 23 andere Bälle gefunden. Von Callaway, Tiltleist, Nike, Bridgestone, Top-Flite, Wilson, Pinnacle. Ist wirklich sehr interaktiv und kommunikativ, diese Sportart.

P.S. Das ändert natürlich nichts an individuellen Katastrophen – zwischenzeitlich hatte ich heute schon vier Bälle – von einem nachfolgenden Flight verfolgt, im tiefen Herbstlicht und bei unfassbarem Laub-Ärgernis – verloren, Drei davon habe ich dann bei der nächsten Runde wiedergefunden. Und noch drei fremde…

P.S. 2 Irritans et revocans: Kurz nach diesem allzu optimistischen Blogpost habe ich dann bei einer weiteren Kurzplatzrunde sechs Bälle netto nach links in die Landschaft verhookt. Das mit dem Ausgleich-Finden ist offenbar doch keine Gesetzmäßigkeit. Und so habe ich mir in Demut dann doch mal 100 Fund-Bälle für 28,- Euro bestellt. 🙂 Was kümmert mich mein Geschwätz von Gestern.

Algorithmus knackt Captchas nach menschlichem Vorbild

Das Wort „Captcha“ ist ein Akronym – ins Deutsche übersetzt steht es für „vollautomatischer öffentlicher Turing-Test zur Unterscheidung von Computern und Menschen“. Die Idee, so einen Mensch-Maschine-Test als Zugangskontrolle für Webseiten zu verwenden, stammt aus dem Jahr 2000; der Informatik-Professor Luis von Ahn gilt als der Erfinder. Und seit dem Jahr 2000 läuft ein sehr interessantes Wettrennen: Auf der einen Seite gibt es immer wieder neue Ansätze, Captchas automatisch zu knacken – und ebenso findige Experten sorgen anschließend im Gegenzug dafür, die gefundenen Schwachstellen auszubügeln.

Textbasierte Captchas, also die mit krakeliger, verzerrter Schrift sind nach wie vor die häufigsten – und bei einem Teil von ihnen erfüllt man als menschlicher Entzifferer ja sogar eine sinnvolle Aufgabe und hilft OCR-Algorithmen bei der Digitalisierung von Büchern oder der Erschließung von StreetMap-Bildern auf die Sprünge. Als besonders verlässlicher Mensch-Maschine-Test gelten die Text-Captchas aber schon seit Jahren nicht mehr – da automatische Bot-Scripte die Zugangshürden von Webseiten ja in einem massiven Dauerfeuer attackieren, reicht den Algorithmen schon eine niedrige Erkennungsrate aus, um genügend oft „durchzukommen“.

Die KI-Experten beim Venturekapital-Unternehmen „Vicarious“ hatten übrigens selbst schon 2013 den Erfolg ihres „Recursive Cortical Networks“ (RCN) beim Knacken von textbasierten Captchas vermeldet – damals aber noch ohne nähere Details zu nennen, wie das Ganze im Detail funktioniert. Das hatte verschiedene Motive, wie der Gründer von Vicarious, Dileep George, auf Anfrage erläutert: Zum einen habe man damals die Einzelheiten in Hinsicht auf die Sicherheitsauswirkungen im Netz zurückgehalten, zum anderen sei man seinerzeit noch ein sehr kleines Team gewesen und habe sich mehr Zeit bei der Entwicklung des Algorithmus und der Firma nehmen wollen.

A representation of the letter A. [Credit: Vicarious AI]

Nicht ganz unwichtig dürfte dabei auch gewesen sein, dass das „Recursive Cortical Network“-Konzept praktisch das algorithmische „Kronjuwel“ von Vicarious ist, das die Firma in den kommenden Jahren in einer Vielzahl von Bereichen, vor allem auf dem Feld der „Robotics“ einsetzen und vermarkten will. Das wissenschaftliche Paper in „Science“ mit den technischen Details reichte das Team also aus nachvollziehbaren Gründen erst ein, nachdem eine Reihe von Patenten auf RCN erteilt und veröffentlicht worden waren.

Wie gravierend die direkten Auswirkungen auf die noch vorhandene oder ohnehin schon nicht mehr vorhandene Sicherheit von Text-Captchas in der Praxis sind, darüber kann man streiten. Das Vicarious-Team betont die wesentlich höhere Effizienz seines RCN-Ansatzes im Vergleich zu herkömmlichen „Brute-Force-Deep-Learning“-Angriffen. Ein Gegenargument lautet: Die wesentlich höheren Ressourcen-Anforderungen beim „Deep Learning“ sind kein großes Problem, sie stehen allseits zur Verfügung – und wenn nötig, lässt sich menschliche Hilfe beim Annotieren von Trainingsmaterial sehr billig einkaufen; bei Crowdworking-Diensten wie „Amazon Mechanical Turk“. (Dass sich Menschen ja ohnehin im Zweifelsfall auch gratis für das Lösen der Zugangs-Rätsel einspannen lassen, das haben wir schon einmal vor sehr langer Zeit beleuchtet 🙂 )

In comparison to RCNs, a deep neural network required a 50,000-fold larger training set to recognize a style of CAPTCHAs, and its accuracy deteriorated rapidly with even minor perturbations to the spacing of characters. [Credit: Vicarious AI]

Wie sowohl Prof. Marc Fischlin von der TU Darmstadt, Google und ja auch die Studienautoren bei Vicarious selbst betonen – für die Zugangskontrolle auf Webseiten stehen mittlerweile Alternativen wie bildbasierte oder verhaltensbasierte Captchas zur Verfügung, die auch noch ein Weilchen der KI-Weiterentwicklung trotzen dürften.

Aber letztlich geht es natürlich bei RCN überhaupt nicht konkret um das Knacken von Captchas. Der Algorithmus setzt ähnlich wie die Handschrift-Erkennung aus einem früheren Science-Paper auf Generalisierung, auf ein Konzept, das sich in Jahrmillionen bei der Evolution biologischer neuronaler Strukturen bis hin zum menschlichen Gehirn herausgebildet und bewährt hat. Und insofern ist es ja schon eine philosophische Frage von allerhöchstem Interesse, welche Methode sich in künftigen KI- und Roboter-Entwicklungen durchsetzen wird. Wahrscheinlich wird die Antwort aber ganz pragmatisch sein: Wie die „Intelligenz“ zustande kommt, ist sekundär. Haupsache, sie funktioniert in der konkreten Aufgabensituation.

Deutschlandfunk – Computer und Kommunikation vom 28.10.2017 (Moderation: Manfred Kloiber)

Bayerischer Rundfunk – BR5 Computermagazin vom 5.11.2017 (Moderation: Christian Sachsinger)

 

Amazon Key öffnet die Wohnungstür für den Paketboten – und die Kamera schaut zu

Einkaufen, also jetzt so richtig analog mit in-den-Laden gehen und die-Ware-in-die-Hand-nehmen – das  macht ja nach wie vor Spaß. Manchmal, wenn man Zeit und Lust hat. Aber ansonsten, da bestellt man halt online und lässt sich die Sachen schicken. Der kleine, große Haken: wie kommen wir an das Paket, wenn wir zum Zeitpunkt der Zustellung  nicht zuhause sind? Klar, da gibt’s die Paketboxen, neuerdings auch an Bahnhöfen, da muss man aber auch erstmal vorbeikommen oder hinfahren.  Oder als Variante die Privat-Paketbox, die man sich neben die Haustür montiert und wo der Bote dann einen Code hat, um da etwas hineinzulegen. Ein neues Konzept von Amazon funktioniert ähnlich – auch da soll der Bote etwas öffnen mit einem Code – diesmal aber direkt die Wohnungstür.

Warum der Onlinehändler Nr. 1 die „smarte“ Wohnungstür-Öffnung promotet, ist klar – je niedriger die Hemmschwelle zur Auftragserteilung, umso höher der Profit. Die Aussicht, ein Paket mit 20 Minuten Anfahrt, 10 Minuten Warteschlange und 20 Minuten Heimfahrt selbst abzuholen, ist klar ein Bestell-Abtörner. Zumal es ja bekanntlich Zusteller gibt, die diese Abtörn-Variante mutwillig (bzw. als arme, ausgebeutete und gehetzte Arbeitnehmer…) öfter als verhofft herbeiführen.

Als Kunde sollte man einigermaßen entspannt im Leben stehen, um „Amazon Key“ zu nutzen – und im Zweifelsfall halt auf die Versicherung oder die theoretische Möglichkeit einer Strafverfolgung bauen – immerhin bekommt man dafür ein paar nette Kamera-Aufnahmen eines „Bad Guys“ – das ist schon mehr als bei einer Verwüstung der eigenen Wohnung durch einen AirBnB-Horror-Gast. Ins Netz stellen darf man das belastende Material dann leider trotzdem noch nicht – auch ein Dreckschwein hat schließlich Persönlichkeitsrechte 🙂

Aber Spaß und Bedenken beiseite – grundsätzlich ist das „Amazon Key“-Konzept gar nicht so abwegig – wer seinen Kindern einen Hausschlüssel in den Ranzen packt, geht ja schließlich auch ein Risiko ein.

Amazon Key: Wenn der Paketbote eure Tür öffnet · Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 26.10.2017 (Moderation: Till Haase)

Kohlmeisen-Evolution: Füttern macht die Schnäbel länger

Die zufällig auftretenden „Webfehler“ im Erbgut, die Mutationen, sind sozusagen die Lose in der Lotterie des Lebens. Sie machen es überhaupt erst möglich, dass sich Arten auf bestimmte ökologische Nischen spezialisieren oder an Veränderungen ihrer Umwelt anpassen können. Wie Evolution und Selektion auf biochemischer Ebene funktionieren, darüber wissen wir heute natürlich sehr viel mehr als seinerzeit Charles Darwin. Aber den direkten Zusammenhang zwischen einer Modifikation im Genotyp und seinen Auswirkungen im Phänotyp, also im äußeren Erscheinungsbild des betroffenen Lebewesens oder in seinem Verhalten herstellen zu können, das bleibt auch im Zeitalter von DNA-Sequenzierung und Snip-Markern eine Herausforderung.

Bei den meisten phänotypischen Veränderungen sind nämlich gleich eine ganze Reihe von Genen beteiligt, und auch der Selektionsauslöser, der Umweltfaktor also, für den sich die phänotypische Veränderung im Glücksfall als vorteilhaft erweist, kann in Wirklichkeit ein Bündel von Einzelfaktoren sein. Die Forscher aus England und den Niederlanden sind sich bei ihrer in Science veröffentlichten Studie trotzdem sehr sicher: Sie haben der Evolution „in Echtzeit“ über die Schulter schauen können, haben eine genotypische und phänotypische Modifikation im Erbgut einer Kohlmeisenpopulation beobachten und den dazu gehörigen Auslöser identifizieren können – den Menschen nämlich, genauer gesagt: Den britischen Vogelfreund.

Kohlmeise (Parus major) auf einem Zweig. Bild: Dennis van de Water, dvdwphotography.com

 

Nun wäre es natürlich sehr schön, auch gleich eine „passende“ Erklärung zu haben, analog zu den von Darwin beschriebenen Beispielen für die Spezialisierung von Vogelschnäbeln – nach dem Motto: eine bestimmte Form ist optimal dafür, die Kerne aus Pinienzapfen herauszubekommen. Aber leider: So eine schöne, naheliegende Erklärung gibt es im Falle der britischen Futterhäuschen und der längeren Schnäbel der Kohlmeisen-Stammgäste eben nicht. Dass die paar Millimeter Längenzuwachs es einfacher machen, an das Futter heranzukommen, könnte zwar sein, ist aber absolut nicht zwingend. Der bessere Fortpfanzungserfolg der britischen Meisen mit längerem Schnabel bzw. der charakteristischen Genveränderung beruht auch keineswegs darauf, dass sie ihrem Nachwuchs direkt mehr Vogelfutter in die hungrigen Mäuler stopfen können als ihre Artgenossen in Holland – die Meisen suchen nämlich die Futterstellen im Winter auf, die Brutaufzucht findet im Frühjahr statt.

Letztlich könnte es sogar sein, dass die phänotypisch sichtbare Schnabelverlängerung ein „Fehlsignal“ ist und der offenbar vorhandene Selektionsvorteil und „Fitness-Faktor“ irgendwo anders liegt – da steht den Biologen noch eine Menge Arbeit bevor, geeignete Kontrollexperimente zu konzipieren und durchzuführen.

Kohlmeisen-Evolution – Füttern macht die Schnäbel länger

Deutschlandfunk – Forschung aktuell vom 20.10.2017 (Moderation: Ralf Krauter)

Alpha Go Zero: Das menschliche Know-How ist suboptimal

Bislang war es eigentlich ein Standard-Ansatz beim Einsatz von KI, von „Künstlicher Intelligenz“ – ob mit oder ohne neuronale Netze: Auf die Spur gebracht wurde der Algorithmus erst einmal mit Trainingsdaten, die auf menschlicher Expertise beruhten. Und das war ja immerhin ein kleiner Trost für „homo sapiens“ selbst dann noch, wenn das Resultat; ein Poker– oder Go-spielendes Programm  anschließend eine „superhuman performance“ zeigte, den menschlichen Experten anschließend gnadenlos „plattmachen“ konnte. Beim jüngsten Produkt aus der Kaderschmiede des Google-Tochterunternehmens „DeepMind“ fällt selbst dieser kleine Trost weg.

Alpha Go Zero fängt bei Null an, kennt nur die Go-Regeln – und bringt sich das Spiel (im Spiel gegen sich selbst…) selbst bei. Bis es vom „Affen“ zum unschlagbaren Experten wird, dauert es ein paar Stündchen länger als bei den Vorversionen. Menschliche Züge kann es auch nicht mehr so gut vorhersagen wie seine Vorläufer – aber die in Jahrtausenden herauskristallisierten Go-Strategien sind ja offenbar eh: suboptimal. Immerhin: die Expertise von Alpha Go Zero ist eng begrenzt, auch der Ansatz „von Null an beginnen“ liefert noch keine universelle Welterklärungs-Maschine.

Im Gegenteil – die Experten bei DeepMind sind sich des Problems wohl bewusst, dass sie momentan noch nicht erklären können, wie ihr Algorithmus genau zu seinen Ergebnissen kommt. Und wenn es nicht „nur“ um ein Spiel, sondern um das richtige Leben geht – dann würde man diese Entscheidungskriterien doch ganz gern etwas genauer nachvollziehen können.

Deutschlandfunk – Forschung aktuell vom 19.10.2017 (Moderation: Monika Seynsche)

Google „Advanced Protection“: Schutz für VIPs und ganz normale Leute

Es stimmt schon: Otto und Emma Normalverbraucher(in) stehen glücklicherweise nicht im Fokus von Hackern. Und Otto und Emma werden also bestenfalls (immer noch unangenehmerweise…) Zufallsopfer irgendwelcher Pannen, Lücken und Fahrlässigkeiten bei den Betreibern ihrer Email-Accounts, Internet-Shops oder Dating-Plattformen. Richtig gefährlich wird es dann, wenn einen Cyber-„Miscreants“ gezielt ins Visier nehmen. Als Promi, weil sich dann heikle Fotos versilbern lassen oder halt einen sehr netten „Impact-Faktor“ ergeben. Als investigativer Journalist, Wirtschafts-Akteur oder Politiker – da kommen wir schon in den Profi-Bereich von Geheimdiensten und „staatlichen Akteuren“. Oder als bekennender Cyberwährungs-Nutzer – da interessieren sich eben Cyber-Beutelschneider sehr für gut gefüllte Cyber-Wallets auf dem PC.

Die „Advanced Protection“ bringt manche Restriktionen mit sich, der geschützte Google-Account ist deutlich weniger „smart“ als der normale. Aber für alle User mit erhöhtem Schutzbedürfnis ist das ein fairer „Deal“ – die zusätzlichen Kosten beschränken sich auf die Anschaffung der kompatiblen USB- oder Bluetooth-Hardware-Dongles. Für Google selbst ist das Ganze natürlich auch eine gute Idee: So wird die Cloud-Infrastruktur überhaupt erst akzeptabel für „besonders gefährdete Personen“.

Deutschlandfunk Nova · Besonderer Google-Schutz für gefährdete Personen

Deutschlandfunk Nova – Hielscher oder Haase vom 18.10.2017 (Moderation: Diane Hielscher)