Schwierige Wahlentscheidung… Ein offener Brief an die FDP.

Liebe FDP, Lieber Christian Lindner –

Ich habe gestern euren Wahl-Flyer per Post erhalten.

Das total ulkige ist – ich hatte gerade ganz ernsthaft überlegt, zum ersten Mal in meiner Wähler-Biografie das Kreuz bei der FDP zu machen. Weil ich das bisher so wahrgenommen habe, dass die FDP die einzige ernstzunehmende demokratische Partei ist, die gegen die abartigen Grundrechtseinschränkungen im Zusammenhang mit der „Corona-Pandemie“ Einspruch erhoben hat. Weil nach meinem bisherigen Eindruck die FDP die einzige ernstzunehmende demokratische Partei ist, die darauf hinweist, dass möglicherweise die Kollateralschäden der Corona-Maßnahmen viel signifikanter sind als die durch die Corona-Maßnahmen beabsichtigten Benefits.

Das habe ich wie gesagt bislang so wahrgenommen – aber interessanterweise findet sich in Eurem Flyer nichts mehr davon. Ihr touchiert das Thema noch mal ganz unverfänglich im ersten Satz, aber dann kommt nix mehr dazu. Stattdessen schwafelt ihr von Themenbereichen, in denen – sorry – die anderen Parteien halt besser aufgestellt sind oder zumindest so tun oder zumindest diesen Claim traditionell besetzt haben – wobei wir uns ja eh wohl einig sind, dass die Themenbesetzung und die Claims zu einem großen Teil Bullshit sind 🙂

Thema „Sicherheit“ – das ist nun mal traditionell die Bullshit-Domaine der CDU/CSU – da braucht ihr nicht versuchen dagegen anzustinken…

Thema „Wirtschaft“ – die Agenda für die Besserverdienenden und Wirtschaftsliberalismus ist sowas von out – das habt ihr offenbar gemerkt. (Im Gegensatz zu Herrn Merz 🙂 ) Doppelbesteuerung von Renten – da rennt ihr bei mir offene Türen ein. Gerne auch das Thema Doppelverbeitragung bei betrieblicher Altersversorgung in den Fokus nehmen – ich bin da als Aufsichtsrat der PK Rundfunk, der Altersvorsorgeeinrichtung der freien Mitarbeiter der Rundfunkanstalten involviert.

Apropos Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk – wenn ihr den abschaffen wollt, hab ich natürlich ein Problem mit euch. Überlegt aber noch mal – trotz aller sicherlich gerechtfertigter Kritik (klar, es gibt fragwürdige Ausgaben für Fußball, Unterhaltung, doppelte und dreifache Strukturen…) – ob ihr das tatsächlich wollt, dass die politische Landschaft nur noch von privaten Medien beleuchtet wird. Das wird garantiert super toll für euch – die RTL2-Klientel ist ja exakt eure Klientel 🙂 …

Thema „Nachhaltige Politik“ und Klimaschutz – das ist zwar super-tofte, aber echt kein FDP-Thema. Dafür wählt niemand euch, sondern eben die Grünen. Sofern man nicht (wie ich…) angesichts der Baerbock-Plagiate und vor allem der irrwitzigen Reaktionen auf die Plagiats-Nachweise das Kotzen bekommen hat.

Fazit – ihr habt da einen windelweichen und versuchsweise massenkompatiblen Flyer rausgeschickt, in dem ihr alle möglichen Themen mal ziemlich windelweich ansprecht oder antäuscht 🙂 Das ist aber totaler Bullshit. Die FDP ist niemals eine Massenpartei (ok, bei der SPD und bei der CDU wird das ja auch schon fraglich gerade 🙂 …) – insofern müsst ihr also fokussieren. Und nachdem der Besserverdienenden-Blödsinn durch ist, wäre das fokussierte Thema eben jetzt die Rückbesinnung auf ein genuin liberales Gebiet – den politischen Liberalismus, die Verteidigung der Grundrechte.

Das war und ist niemals Mainstream – das war bei der Volkszählung nicht so, das war bei der Vorratsdatenspeicherung und bei Überwachungsmaßnahmen nicht so, und das ist auch bei Grundrechtseinschränkungen aus Corona-Gründen nicht so. Das ist aber notwendig und ur-demokratisch und aller Ehren wert – und das würde m.E. auch einen gewissen signifikanten Wählerstamm abdecken, der locker über fünf Prozent kommt.

In diesem Sinne – auf der Basis eures Flyers werde ich euch entgegen meiner bisherigen Pläne dann doch nicht wählen. Überzeugt mich doch bitte vom Gegenteil – auf eurer Webseite gibt es ja noch andersklingende Posts https://www.fdp.de/epidemische-lage-von-nationaler-tragweite-muss-beendet-werden – im Flyer findet diese Positionierung aber wie gesagt nicht statt.

Für – gutbezahlte – weitere Strategie-Ratschläge stehe ich gern zur Verfügung 🙂

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Gessat

Journalist, Köln

 

P.S. Über das komische Kerning in der Überschrift sprechen wir jetzt mal nicht 🙂

“Sie haben meine Startzeit zerstört” – über Golf, nette Leute und Soziopathen

Ich spiele ja seit etwa vier Jahren Golf – ein Sport (dem viele Leute, vorwiegend solche ohne Ahnung das sporthafte absprechen…) oder meinetwegen eine Freizeitbeschäftigung, die vielen Leuten als elitär gilt. Das ist selbstredend völlig absurd. Wie schon ein Mitstreiter in meinem Heimatclub sagt: “Wir sind doch völlig normal.” Nämlich Vorstände, Chefärzte, Headhunter, Rechtsanwaltskanzlei-Mitinhaber. Genau. Ganz normal elitär. Ist ja auch wunderschön, wenn man auf der Basis der eigenen katastrophalen Runde auf den Boden zurückkommt – z.B. auf den Boden seines gerade aktuellen Golfspiels und Handicaps. 🙂

Ich habe am Samstag mal eine Startzeit gebucht in einem sehr renommierten Golfclub im Umkreis von Düsseldorf – meine Eltern wohnen direkt daneben; nur sehr spezielle Umstände sprechen dagegen, dass ich diesen Platz nicht viel öfter spiele. Ich habe hier meine ersten Versuche unternommen, ein erstes Handicap zu erspielen, und ein paar Trainerstunden genommen. Wäre womöglich fast mein Heimatplatz geworden…

Am Samstag komme ich also vier, fünf Minuten vor der gebuchten Abschlagszeit zum Tee 1 am West-Platz – mein Bag stand da eh schon; ich habe noch ein paar Puts auf dem Putting-Green ausprobiert. Da steht ein Herr da. Der mich “begrüßt” mit den Worten: “Sind Sie das mit der Startzeit 11 Uhr?” Ich: “Ja.” Er: “”Dann müssen Sie jetzt alleine spielen. Sie haben mir ja meine Startzeit zerstört!” Ich: “Was, wie bitte?” Er: “Sie haben sich ja einfach dazugebucht bei meiner Startzeit um 11 Uhr!”.

Mal zur Erklärung für alle nicht-Golfer: Es gibt einen Online-Dienst namens “PC-Caddie”, mit dem die Mehrheit der deutschen Golfclubs gerade oder bei Turnieren auch immer ihren Spielablauf organisieren. Speziell gerade aber auch die “Startzeiten”, also die Zeit-Slots, in denen “Flights”; also Spieler und Spielerinnen auf die Runde gehen. Bei manchen, sehr elitären Clubs (wie meinem z.B. 🙂 ) gibt es solche Slots gar nicht; bei den allermeisten gibt es sie spätestens seit Corona.

Ansonsten gilt halt bei der corona- oder nicht corona-induzierten Buchung von Startzeiten über das PC-Caddie-System: Ich logge mich ein in den PC-Caddie-Timetable des Clubs, in dem ich spielen will. Da sind freie oder besetzte Slots in einem bestimmten zeitlichen Abstand – 10 Minuten, 12 Minuten; wie dem auch sei. Die Spieleranzahl in den Slots hängt von den aktuellen Corona-Bedingungen ab; momentan sind offenbar Vierer-Flights erlaubt. Die PC-Caddie-Slots sind also Vierer-Slots.

Ich schaue am Donnerstag in PC-Caddie-System bei diesem renommierten Club im Düsseldorfer Umfeld: Da sind um 11 Uhr herum diverse Startzeit-Slots für Samstag noch frei – genau um 11 Uhr – was mir zeitlich sehr gut passt – ist da ein Einzelspieler eingetragen mit einem guten Handicap. Ich spiele, wenn ich als Gast auf fremden Golfplätzen spiele, gerne mit Mitspielern und gerne mit Clubmitgliedern – weil das gemeinsame Spiel viel mehr Spaß macht als alleine zu spielen. Weil ich gerne neue Leute kennenlerne. Weil ich gerne Tipps zu dem Platz bekomme. Weil ich gerne von besseren Spielern etwas lerne.

Ich bin übrigens prinzipiell sehr feinfühlig.  Wenn da ein blauer und ein(e) rote(r) SpielerIn gebucht haben (möglicherweise ein Pärchen…), dann buche ich mich nicht dazu. Bei einem Dreier-Flight auch nicht unbedingt, Aber bei einem Einzel-Spieler: Sehr gern. Vielleicht freut der/die sich ja. (Ich bin nämlich prinzipiell recht nett und einigermaßen gutaussehend 🙂 , und spiele meistens unter oder nicht allzu sehr über meinem Handicap…)

Fortsetzung des Dramas um 11 Uhr: Ich also: “Entschuldigung, aber da sind Sie ja völlig auf dem falschen Dampfer. Woher soll ich denn wissen, dass Sie da alleine spielen wollen oder mit ihrer Familie?” “Sie haben sich da einfach dazugebucht, ich wollte aber mit meiner Familie spielen. Ich werde das mal reklamiereren, dass sich da nicht einfach irgendwelche Leute dazubuchen können, das sollte nur nach telefonischer Anmeldung gehen.” Ich: “Warum haben Sie denn nicht einfach Ihre Familie dazugebucht?” Er: “Weil das noch nicht ganz sicher war, ob die spielen wollen.”

Spätestens ab dem Moment habe ich dem Sportsfreund auch ziemlich klar kommuniziert, dass sein Verhalten völlig indiskutabel und hochgradig unverschämt war. Das hat der Sportsfreund nicht so recht nachvollziehen mögen. “Warum haben Sie denn nicht einen noch freien Slot gebucht?” “Weil ich gerne mit anderen Menschen zusammen spiele – Sie offenbar nicht.”  Ich habe versucht, die golferische Contenance zu wahren – aber das war recht schwierig. Auf jeden Fall hat der Sportsfreund meine Runde – für die ich 75,- Euro Greenfee bezahlt habe – gründlich verdorben. Ich wollte gern mit jemand zusammen spielen, und mich nicht über irgendwelche irrationale, extrem ungastfreundliche und unhöfliche Zeitgenossen aufregen.

Noch mal ein bezeichnendes Statement meines “Sportsfreunds”: “Woher soll ich denn wissen, ob ich mit Ihnen spielen möchte oder nicht – ob Sie ein Idiot sind oder nicht?” Ich gehe allerdings eher davon aus, dass ich einen unbekannten Golfpartner/eine Golfpartnerin erst einmal völlig unvoreingenommen als potentiell nette(n) Mitspieler(in) kennenlerne. Wenn es wider Erwarten schrecklich ist, wird man die dreieinhalb Stunden sicherlich auch noch irgendwie überstehen.

Und ich habe eigentlich keine Lust, mich von einem etwas reichlich wunderlichen Zeitgenossen vor der Runde aus völlig irrationalen und völlig unberechtigten Gründen anpflaumen zu lassen, wenn ich 75,- Euro Greenfee für den kleineren West-Platz am Wochenende gezahlt habe. Auch noch mal zur Erläuterung – ich habe ja den Namen des Herren bei der Buchung in PC Caddie nicht sehen können; aus Datenschutzgründen. Möglicherweise buchen sich Club-Mitglieder aus guten Gründen bei diesem Herrn eh nicht dazu 🙂 – aber das konnte ich ja nicht wissen.

Mit freundlichen Grüßen an den Club – ich habe das Vorkommnis ja nach der Runde gemeldet – ich hoffe, das hat auch entsprechende Konsequenzen.

 

Wie antisemitisch ist Sucharit Bhakdi?

Es gibt ja so manche Themen, mit denen kann man eigentlich nur verlieren. Oder seine komplette bürgerliche und berufliche Existenz schrotten. Was über Nazis oder über Juden sagen ist da ein Patentrezept. Ich mach das jetzt mal trotzdem. Spannende Sache. “Autobahn” – das geht bekanntlich gar nicht. Und offenbar gibt es auch noch ein paar andere Verdammungs-Automatismen.

Es gab da einen einstmals sehr renommierten Professor namens Sucharit Bhakdi – der ist allerdings in das Lager der Corona-“Maßnahmenkritiker” abgetaucht. Ulkigerweise muss ich mich selbst auch in das Lager der Corona- “Maßnahmenkritiker” – welch schönes Wort, viel schöner als “Verharmloser”, “Relativierer” oder “Leugner” – einordnen.  Professor Bhakdi hat zur aktuellen Corona-Pandemie und zu deren Bekämpfungsmaßnahmen und zu deren Sinnhaftigkeit oder Legitimität so einiges gesagt – wofür er auf der einen Seite gefeiert, auf der anderen Seite verdammt wird.

 

Ein Interview aus dem April, das jetzt erst breit bekannt wird, hat die Wahrnehmung noch einmal drastisch verschärft – darin hat Bhakdi etwas über Juden oder Israelis gesagt.

Das Volk, das geflüchtet ist aus diesem Land, aus diesem Land, wo das Erzböse war, (…), und haben ihr Land gefunden, haben ihr eigenes Land in etwas verwandelt, was noch schlimmer ist, als Deutschland war. (…) Das ist das Schlimme an den Juden: Sie lernen gut. Es gibt kein Volk, das besser lernt als sie. Aber sie haben das Böse jetzt gelernt – und umgesetzt. Deshalb ist Israel jetzt living hell – die lebende Hölle.

Soweit das Zitat laut Tagesschau.de – die Titelzeile und Überschrift des Artikels lautet:

Antisemitische Aussagen: Bhakdi, die Juden und das “Erzböse”

Das klingt ziemlich durchgeknallt. Wenn man aber mal in das komplette Video des Bhakdi-Interviews reinhört, dann klingt das vielleicht immer noch ziemlich durchgeknallt, aber nicht mehr zwangsläufig antisemitisch. Sucharit Bhakdi erzählt dem etwas perplexen Interviewer nämlich zunächst, warum er “die Juden” eigentlich verehrt:

Und ich wurde mal gefragt von einem Amerikaner, was ich zu Israel zu sagen habe. Ich hatte für mich die Israelen, dieses Volk, das ich mehr bewundert habe als irgendein anderes Volk auf der Welt – ich war ein Juden-Bewunderer. Ja, du weißt, ich bin Musikliebhaber. Kunstliebhaber, die größten Geister waren die Juden. Es tut mir leid, wenn ich das sagen muss, es tut mir leid. Ich bin Buddhist.

(Interviewer: Ja, ich hab da kein Problem mit.) 🙂

Ich verehrte sie. Ich bin, Du hast meine Schallplatten-Sammlung gesehen, ich bin diesen jüdischen Musikern nachgereist, um eine Unterschrift von ihnen zu bekommen. Isaac Stern, David Oistrach. Ja, hunderte von Kilometern bin ich gereist, um sie zu hören, um ein Autogramm zu holen. Ich habe sie verehrt. Und jetzt machen sie das. Das Volk, das geflüchtet ist aus diesem Land. Aus diesem Land, wo das Erzböse war. (Lange Pause.)

Mit “diesem Land” ist übrigens Nazi-Deutschland gemeint.

Und haben ihr Land gefunden. Haben ihr eigenes Land verwandelt in etwas, was noch schlimmer ist als Deutschland war. So unfassbar. Und dann habe ich dem Amerikaner gesagt: Das ist das schlimme an den Juden. Sie lernen … gut, es gibt kein Volk, das besser lernt als sie. Aber sie haben das Böse jetzt gelernt … und umgesetzt. Und deswegen ist Israel jetzt “living hell”, die lebende Hölle.

Das ist vermutlich ziemlich irre. Warum Israel jetzt gerade “living hell” sein soll, das erschließt sich mir nicht. Israel hat eine ziemlich “gute” Impfquote, wobei es auch in der jüngeren Bevölkerung jetzt so etwas stockt – darüber kann man ja als “Maßnahmenkritiker” 🙂 geteilter Meinung sein. Israel hat überdies noch einen gewissen Anteil fundamentalistischer Orthodoxer, die auch nicht so ganz impf-begeistert sind. Wo die “lebende Hölle” in Israel sein soll, bleibt Sucharit Bhakdis Geheimnis. Und natürlich ist die Behauptung “schlimmer als Deutschland war”, totaler Quatsch und eine Verharmlosung des Holocaust.

Andererseits – wenn wir mal konzedieren, dass die Behauptung – “lebende Hölle” – und die suggerierte dramatische Gleichsetzung zur Zwangssituation im dritten Reich eh Quatsch ist – dann bleibt doch möglicherweise auch vom Antisemitismus-Verdacht nicht mehr so viel übrig. Stereotype und Vorurteile gegenüber “Völkern” und Nationen (oder gar “Rassen”…) sind ja generell Quatsch. Und trotzdem völlig normal und geläufig. Die Deutschen: Sind spießig, aber effektiv. (Vor den Bauversuchen zum Berliner Flughafen zumindest.) Die Franzosen: haben guten Wein und kochen gut. Die Italiener: Sind entspannt, kochen auch gut, überfallen als Armee vorzugsweise Wehrlose. Die Engländer: kochen nicht gut, stehen aber diszipliniert Schlange.

Wenn so ein geläufiger Quatsch geläufig ist – dann ist vielleicht auch ein Quatsch nicht wirklich dramatisch wie der von den “gut lernenden Juden”, hinter dem in diesem Fall eher kein Hass, sondern etwas wie Bewunderung steht. “Schlimm” ist ja auch die stereotype Spießigkeit der Deutschen und die Feigheit der Italiener und das Porridge der Engländer 🙂 Aber klar – das alles ist Quatsch – und andererseits vielleicht noch kein Weltuntergang, sondern normaler, geläufiger Quatsch – bei dem jede und jeder einmal kurz innehalten muss und sich fragen – hab ich solche Klischees nicht auch verinnerlicht?

Dass “Judenhass … zentrales Bindeglied der Corona-Proteste” sein soll – das ist wiederum für mich: Quatsch. Klar, da gibt es jede Menge Durchgeknallte, und wie immer versammeln sich Durchgeknallte – und darunter auch Antisemiten – hinter einer Protest-Agenda. Die Protest-Agenda aber mal einfach pauschal zu verteufeln und in eine Schublade zu stecken mit verkürzten Zitaten einzelner, vielleicht auch partiell durchgeknallter Akteure – das ist wiederum unredlich.

Kann man partiellen Quatsch über Juden oder über Israel relativieren? Ja, man kann. Finde ich zumindest. Das ändert nichts daran, dass der Quatsch Quatsch ist. Aber nicht unbedingt antisemitischer Quatsch.

Strg-C verwenden führt regelmäßig zu Plagiaten – da hilft auch kein Medienanwalt

Ich habe ja als letzten Beitrag hier gewisse Bullshit-Vorwürfe in Bezug auf angebliche perfide Täuschungsversuche im CV von Annalena Baerbock behandelt, die nur durch die heldenhaft investigative Recherchearbeit deutscher Journalisten aufgedeckt werden konnten. 🙂 Um nun mal meine Unabhängigkeit und Objektivität zu demonstrieren: Die neuerdings vom österreichischen “Plagiatsjäger” Stefan Weber aufgedeckten abgeschriebenen Stellen in Annalena Baerbocks Buch “Jetzt” sind kein Bullshit.

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Zu einer eventuellen Agenda und Voreingenommenheit von Herrn Weber in Bezug auf Annalena Baerbock muss ich mich hier gar nicht einlassen bzw. habe gerade keine Zeit und Lust, nachzuprüfen, ob seine früheren Anmerkungen zum akademischen Werdegang der Grünen-Kandidatin tatsächlich “falsch” waren, wie nun von Baerbock und den Grünen behauptet. Dass es gewisse Zweifel an der Werthaltigkeit des von Annalena Baerbock absolvierten Studienganges gibt, ist eine Tatsache. Ob das ihre Eignung als Kanzlerkandidatin betrifft, ist eine offene Frage.

Was aber keine offene Frage ist: Wenn längere Textpassagen identisch; eins zu eins in einem früheren Werk erschienen sind und dann später in einem späteren Werk erscheinen – dann ist das entweder ein wunderbarer Zufall. Dessen Wahrscheinlichkeit man statistisch beziffen kann. 🙂 Wenn man Wahrscheinlichkeitstheorie und Heisenbergsche Unschärferelation kombiniert, dann tanzen irgendwo im Universum Atome oder Strings oder Geister herum, die genau den Text von Dantes Göttlicher Komödie abbilden.

In unserer realen, so unendlich profanen und flachen Welt ist so eine Koinzidenz aber schlichtweg das Resultat einer geläufigen Tastensequenz: Strg-C. Strg-V. Copy und Paste. Die Passagen, die Stefan Weber in seinem Blog aufzählt, sind schlichtweg aus anderen, früheren Quellen kopiert. Da helfen auch Vernebelungsaktionen wie die Formulierung bei Tagesschau.de in einem angeblichen Faktencheck nicht weiter, Annalena Baerbock habe “die Länder der EU-Osterweiterung in der gleichen Reihenfolge” aufgezählt, “wie es die Bundeszentrale für Politische Bildung in einem Aufsatz macht.”

Nein, es ist nicht nur eine Aufzählung in der gleichen Reihenfolge; es ist ein Copy und Paste der gesamten Textpassage:

Insgesamt zehn Staaten traten an diesem Tag der Europäischen Union bei: die baltischen Staaten und ehemaligen Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen, außerdem Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, die frühere jugoslawische Teilrepublik Slowenien sowie die beiden Mittelmeerstaaten Malta und Zypern. Die EU wuchs von 15 auf 25 Mitglieder – und begrüßte damit rund 75 Millionen neue Unionsbürgerinnen und –bürger.

Mit der Ausnahme einer kleinen Gender-Eigenleistung von Frau Baerbock oder ihrem Ghostwriter: “…neue Unionsbürger*innen.”

Eine andere Passage:

Erstmals wurde der Klimawandel 2007 als Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA wahrgenommen und somit als Phänomen, das die Aufmerksamkeit des Pentagons erforderte. Der Bericht „National Security and the ­Threat of Climate Change“ der Denkfabrik CNA beeinflusste die Militärstrategie des Verteidigungsministeriums nachhaltig. … Das Konzept des Klimawandels als „Bedrohungsmultiplikator“, der Rohstoff- und Gesellschaftskonflikte in Entwicklungsländern verschärfen kann, ist seither zu einem Eckpfeiler in der Strategie des Pentagons geworden. Je gespaltener und korrupter ein Staat ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass er besonders stark unter den Folgeerscheinungen der Erderwärmung leiden wird – also unter inneren Konflikten, humanitären Katastrophen und Massenmigration. Das daraus entstehende Chaos könnte wiederum zu neuen Herausforderungen für das US-Militär führen, sei es durch humanitäre Hilfseinsätze oder militärische Interventionen im Ausland.

Im Buch von Annalena Baerbock steht:

“Da ähneln sich die Passagen.” Höhö, lieber Kollege von Tagesschau.de, da ähneln die sich aber sehr. Heisenbergsche Unschärfe wahrscheinlich. Oder Copy&Paste. Oder : “Bei den kritisierten Passagen scheint es eher so, als habe Baerbock Sachinformationen übernommen.” Nö. Da sind nicht nur Sachinformationen übernommen, sondern Einordnungen. Das ist auch, liebe Grüne und lieber Medienanwalt Christian Schertz, keine “Wiedergabe allgemein bekannter Fakten sowie politischer Ansichten.” Das ist eine Passage, die von ihrer Komplexizität her ganz eindeutig urheberrechtlich geschützt sein dürfte. Eine ganze Lobby-Fraktion deutscher Verleger hat ja gerade unter aufopferungsvollstem Einsatz 🙂 durchgepaukt, wo im Netz die Grenzen des zulässigen kostenfreien Zitierens verlaufen sollen. Die dort vorgesehene Bagatell-Zeichenzahl hat Annalena Baerbock bzw. ihr Ghostwriter hier eindeutig gerissen.

Stefan Weber hat gerade noch eine weitere Passage gefunden bzw. dokumentiert. Kommen wir mal zu der Bewertung. Herr Weber hat ja sogar selber gesagt, die fraglichen Stellen im Buch seien “nichts Weltbewegendes”. Das ist korrekt. Annalena Baerbocks Buch ist keine Dissertation, das ist auch korrekt und banal. Plagiate sind aber auch außerhalb von Dissertationen Plagiate. In Artikeln von Journalisten z.B., wo ich die mal als abnehmender Redakteur gefunden habe. Oder sonstwo. Bei der Übernahme von Fotos im Netz, bei der Übernahme von Melodien oder Samples in der Musik. Darüber freuen sich normalerweise; bzw. davon profitieren normalerweise “Medienanwälte”.

Bei der Abgrenzung eines Plagiates zu einer zulässigen Übernahme geht es regelmäßig um die Frage der “Schöpfungshöhe”. Wenn die bei der gerade zitierten Passage nicht erreicht sein sollte, dann fresse ich einen Besen oder spiele wahlweise eine Runde Golf um eine Kiste Wein gegen Herrn Schertz oder die “Rufmord”-Rufer von den Grünen 🙂 (Das können aber auch gerne einfach Gerichte klären…) Liebe Leute – diesmal ist der Bullshit-Joker auf eurer Hand. Gebt doch einfach zu, dass so ein “Sachbuch” halt relativ pragmatisch zusammengezimmert wird, dass das vermutlich überwiegend ein Ghostwriter schreibt, der seinen Job pragmatisch macht.

Über die Qualifikation der Kandidatin sagt die “Affäre” immer noch nix aus. Ich war übrigens schon bei früheren Doktorarbeits-Analysen eher großzügig: Meiner Meinung nach sind Zitierungs-Sünden im Abschnitt des Referierens der vorhandenen Literatur eher lässlich – bei dieser Fleißarbeit behauptet der Autor/die Autorin ja eh nicht, einen eigenen genialen Gedanken zu formulieren.  Bei einem Sachbuch mag die Schwelle noch geringer sein – nur; wenn da so viel von anderen stammt, warum das dann unter eigenem Namen veröffentlichen?

Wie dem auch sei. “Nichts Weltbewegendes.” Stimmt. Aber das allzu selbstgefällige “Rufmord”-Gequake, die plakative Empörung und der Aufruf zur Solidarität von den Grünen gegen das eigentlich nicht wegzudiskutierende sind peinlich. Und die verschwurbelten und einfach nicht zutreffenden “Faktencheck”-Einordnungen von öffentlich-rechtlichen Kollegen, die sind vielleicht noch viel heikler.

P.S. 06.07.2021: Stefan Weber hat wie angekündigt einen ersten größeren Überblick über die bislang gefundenen Plagiatsstellen in Annalena Baerbocks ( 😉 ) Buch online gestellt – nach Lektüre des PDFs erübrigen sich wohl alle weiteren Diskussionen, nach welcher “Methode” das “Werk” angefertigt wurde. Ich empfehle den “Faktenchecker”-Kolleginnen und -Kollegen dringend die Lektüre – es ist dann übrigens auch nicht nötig, noch Dritt-Expertise von Juristen oder Medienwissenschaftlern oder “Plagiatsexperten” einzuholen. Wer nicht glasklar erkennt (und auch benennt!), dass diese Art des systematischen Fremdtext-Ausschlachtens alle Konzepte von “geistigem Eigentum” einerseits und selbstständigem Denken und Texten andererseits verletzt, der/die hat auch als Journalist/Journalistin seinen/ihren Beruf verfehlt, untergräbt die eigene berufliche und gesellschaftliche Existenzberechtigung, und sollte vielleicht auch dringend mal mit dem hauseigenen Justiziar plaudern. 🙂

Und wer die schlichte Dokumentation dieses Desasters als “Rufmord” bejammert, sollte vielleicht mal das Oberstübchen durchlüften.

Über Schaumschlägerei in Politik, Journalismus und Sozialen Medien

Seit Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin der Grünen nominiert worden ist, ist das Interesse an ihrer Person und ihrem Lebenslauf stark angestiegen. Nicht immer unbedingt aus reiner Neugier oder Sympathie. 🙂 Das ist aber auch im Grundsatz völlig ok. PolitikerInnen agieren in der Öffentlichkeit und müssen insofern eben auch einpreisen, dass die Öffentlichkeit auch an ihrer Person Anteil nimmt – und zwar nicht nur an dem offiziellen und kuratierten Image, sondern auch an irgendwelchen vermeintlich privaten, vermeintlich irrelevanten oder tatsächlich oder angeblich “vergessenen” Details der Biographie.

Und das alles gilt proportional zur politischen Exposition bzw. proportional zur Wichtigkeit des bekleideten oder angestrebten Amtes. Umstimmigkeiten im Lebenslauf des Stadtrates in Winsen an der Luhe interessieren fast niemand. Solche im Lebenslauf eines Kanzlerkandidaten oder einer Kanzlerkandidatin fast alle.  Dafür gibt es einen sehr guten Grund – bei einem sehr exponierten und sehr machtvollen Posten möchte man eben sicher gehen, dass der/die Inhaber(in) bzw. der/die Kandidat(in) da auch geeignet ist; mit nachweislichen Qualifikationen.

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Es gibt auch einen zweiten Grund, der jetzt eher nicht gut, sondern eher böse ist – aber in einer legitimen Weise böse: Politische Auseinandersetzung beinhaltet nun einmal auch, die Schwachstellen des politischen Gegners abzuklopfen. Ob die nun sachlich stark relevant sind oder nur weniger stark, ob die nun im Politischen liegen oder im Privaten, ob die vermeintliche oder tatsächliche Schwachstelle oder Verfehlung nun etwas mit dem politischen Wirken der Person zu tun hat oder nicht.

Wenn zum Beispiel rauskommt, dass der verheiratete Vorsitzende einer “christlich sozialen Union” mit traditionellem religiös-moralisch geprägten Wertekanon und auch im Parteiprogramm und in der politischen Agenda ausdrücklich propagandiertem Familienbild eine außereheliche Beziehung geführt und in dieser ein Kind gezeugt hat, dann wirft dies unter Umständen Fragen an der Integrität/Glaubwürdigkeit des Politikers bzw. der Partei auf. Interessanterweise gibt es aber bei uns in Deutschland einen ungeschriebenen Ehrenkodex in der Presse, solche “persönlichen” “Verfehlungen” nicht sonderlich zu thematisieren. Und letztlich ist das auch gut so.

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Bei sonstigen Unstimmigkeiten im Lebenslauf ist das anders, das wird thematisiert – die Anzahl von über geschluderten und gefaketen Dissertationen gestolperten PolitikerInnen ist inzwischen Legion. Insofern muss ich auch sagen, die Diskussionen über den Stand und Wert der Studien und über vorhandene oder nicht vorhandene Abschlüsse an renommierten oder nicht so renommierten Universitäten im Fach “Völkerrecht” bei Annalena Baerbock finde ich völlig nachvollziehbar und legitim. Auch da kann man trefflich darüber nachsinnen, wie relevant die Qualifikation für die aktuelle politische Arbeit ist, und wie da die Expertise von Mitbewerbern ist – aber solange eine Qualifikation in einem offiziellen Lebenslauf drinsteht, darf man die auch einordnen.

Jetzt hat der Kollege Philip Plickert, der für die FAZ schreibt, angebliche neue Unstimmigkeiten im offiziellen Lebenslauf von Annalena Baerbock entdeckt und öffentlich gemacht – zunächst mal auf seinem privaten Twitter-Account.

Die Faz hat sich die Story mittlerweile auch zu eigen gemacht (war das also eine private oder Faz-“Recherche”?…)  – zuvor waren aber bereits Focus, BILD (verlink ich hier mal nicht, das Drecksblatt ist eh nicht satisfaktionsfähig… 🙂 ) und die einschlägigen Blogs und Twitter-Quellen auf den “Skandal” eingestiegen. “Kanzlerkandidatin von Köpenick?” ist da eine sehr schöne Schlagzeile. Und unglaublich lustige Tweet-Headlines wie “Baerbock ändert Biografie öfter als die SPD ihr Grundsatzprogramm.” Har. Har. Was haben wir gelacht.

Tatsächlich hat Annalena Baerbock bzw. ihr Web-/Social-Media-Team ja nun die Angaben auf der Website geändert. Die ganze Kategorie heißt jetzt “Beiräte, (Förder-)Mitgliedschaften, regelmäßige Unterstützung”. Schauen wir uns mal die Korrekturen an; vier von zehn skandalöse Unstimmigkeiten hatte der Kollege Plickert ja investigativ “gefunden”. Die angeblich nicht nachvollziehbare Mitgliedschaft im “Potsdamer Solarverein” – uups, die gab es doch – kleiner Recherche-Irrtum. (Ob der Verein eine Homepage besitzt, ist doch piepegal – wenn der Verein nicht wichtig ist, dann ist doch bestimmt die Mitgliedschaft oder Nicht-Mitgliedschaft von Frau Baerbock auch nicht wichtig, gell? 🙂 )

Die behauptete Mitgliedschaft im UNHCR – Riesen-Skandal!!! Da kann man ja als Privatperson gar kein Mitglied sein!!! Wie völlig vernagelt muss Frau Baerbock sein, uns dies fälschlicherweise glaubhaft machen zu wollen. Sonst nur Staaten als Mitglied – und dann noch Annalena Baerbock? Welche Hybris, die durch die fantastische Recherchearbeit eines deutschen Journalisten aufgedeckt worden ist und jetzt auch zurecht im einschlägigen internet gegeißelt wird!! Oder: Ist das einfach nur ein ganz banales Versehen? Frau Baerbock ist Fördermitglied – also einfach Spenderin beim UNO-Flüchtlingshilfswerk. Das ist deutscher Partner des UNHCR – und das UNHCR wird in deutschen Internetquellen meist als “Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen” bezeichnet.

Punkt drei: Annalena Baerbock ist offenbar nicht mehr im „Europa/Transatlantik-Beirat der Heinrich-Böll-Stiftung“, sondern war da mal drin. Und ist inzwischen ausgeschieden. Punkt vier: Frau Baerbock ist gar kein Mitglied des German Marshall Fund (GMF), sondern hatte nur mal eine “Marshall Memorial Fellowship vom German Marshall Fund” inne.

Kommen wir doch mal zum Narrativ vom Kollegen Plickert – die falschen Angaben und Mitgliedschaften seien “hochstaplerisch” und “prestigeheischend”. Das mit dem Solarverein war ja eh: Bullshit. Die angeblich behauptete Mitgliedschaft im UNHCR: Bullshit – bzw. ganz offenbar nur ein Versehen. (Nur mal als Analogie: Wenn ich jetzt schreibe: “ich bin Mitglied der UN” – kann man das dann als relevanten Täuschungsversuch werten?)

Die Sache mit dem Beirat der Heinrich-Böll-Stiftung – da war sie mal drin, und ist jetzt nicht mehr drin – aber wie “prestigeheischend” kann das denn sein?? Ist doch völlig logisch, dass irgendwelche grüne Hanseln und Greteln in der Heinrich-Böll-Stiftung irgendwas bekleiden oder nicht bekleiden – das wird jetzt niemand irgendwie interessieren oder nicht interessieren.

Zum German Marshall Fund – dem kann man/frau offensichtlich völlig problemlos Kohle rüberschieben – ob ich daraus einen “prestigeheischenden” Distinktionsgewinn in der Öffentlichkeit ableiten kann, ist noch eine andere Frage. Offenbar war Frau Baerbock aber immerhin im Fellowship-Programm, und wie ja auch aus ihrer Mitgliedschaft bei der “Atlantik-Brücke” hervorgeht, ist sie offenbar “Transatlantikerin” und Freundin eines vertrauensvollen Dialogs mit den USA und – Riesen-Überraschung!!!- offenbar Angehörige des “Realo-Flügels” bei den Grünen.

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Ein Soufflé – zum Glück mit Substanz.

So. Was bleibt denn eigentlich noch vom “Skandal” und der “Köpenickiade”? Wo ist denn eigentlich das “Soufflé”, das zusammenfällt? Ist die heiße Luft vielleicht doch eher bei gewissen Kollegen und gewissen PolitikerInnen und deren FollowerInnen mit etwas ideologischem Schaum vor dem Mund?

Mal so als kleine medienkritische Einordnung – dass da Focus, BILD und einschlägige Netz-Quellen losprusten – das überrascht mich nicht. Dass die (von mir bislang abonnierte…) FAZ unkritisch drauf einsteigt, schon eher. Zum Glück bin ich ja öffentlich-rechtlicher Journalist. Und wir dürfen noch unserem eigenen Narrativ folgen, weil wir ja die Kohle zwangseingetrieben bekommen und keinem “Wes Brot ich ess, des Lied ich sing” folgen müssen. 🙂 Kleiner Scherz. Klar – wir bekommen natürlich immer jeden Morgen einen Anruf aus dem Kanzleramt. Übrigens mal als Disclaimer in der ganzen Sache – dass ich Grün wähle, ist nicht ausgeschlossen, aber ziemlich unwahrscheinlich. Aber ich hab was gegen Bullshit.

Sensation: Die deutsche Fußballnationalmannschaft trainiert gar nicht Fußball. Sondern Golf.


Zweiter von links ist nicht BDC. Embedded von meinem Lieblings-Newsportal. Foto: Dennis Brosda

Das ist aber gar nicht so verkehrt. Erstens ist Golf natürlich der etwas subtilere Sport, da entscheidet nicht die brutale Kraft und die gnadenlose Blutgrätsche über den Ausgang, sondern Technik und Nervenstärke bzw. die Fähigkeit, das eigene Potential eben auch unter Druck “abrufen” zu können. Das ist wiederum auch beim Fußballmatch eine nützliche Tugend. Jetzt muss man auch noch ganz nüchtern sagen – Fußball gilt ja im Gegensatz zu Golf eher als ein “proletarischer” Sport. Wobei ja die Zeit der gerade noch aus dem Pütt rausgekletterten “Knappen”, die dann anschließend auf dem Rasen Wunderwerke verrichten, vorbei ist.

Allerspätestens mit dem Abstieg von Schalke 04. “Glückauf, Glückauf, der Steiger kommt.” Schwamm drüber. Auch heute noch ist Fußball eine exorbitante Aufstiegsmöglichkeit für junge Männer aus sozial benachteiligten Schichten – aber wenn die dann erstmal aufgestiegen sind, dann adaptieren die natürlich auch Insignien der erreichten Schicht. Wie Ferrari-Fuhrparks (wohin mit der Kohle?) und eben distinguierte Freizeitbeschäftigungen. Wie Golf. Klaus Fischer und Konsorten sind wohl auch sehr in Gelsenkirchen-Horst aktiv.

Aber Quatsch. Golf macht einfach total Spaß und konfrontiert eben auch jedermann/jederfrau mit dieser existenziellen Herausforderung: Bringst Du das jetzt beim nächsten Schlag oder verkackst Du? Und für den Unterschied zwischen Bringen und Verkacken gibt es eben überhaupt keine Ausrede, da ist man nur selbst für verantwortlich. Ziemlich logisch, dass Leute wie Profisportler, die sich dieser Herausforderung eben standardmäßig und überprüfbar beruflich stellen, das auch beim Golfen attraktiv finden. Ziemlich logisch übrigens auch, dass Leute, die ohnehin körperlich ziemlich fit sind und die auch gewohnt sind, fokussiert bestimmte Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge abzuarbeiten, da direkt sehr gut performen.


“Die Pille muss doch irgendwie rein. Hilft pusten?” Embedded von meinem Lieblings-Newsportal. Foto: Dennis Brosda

Insofern – ich kann der Trainings-Strategie des DFB da nur vollumfänglich zustimmen. Beim Fussball muss der Ball ins Eckige. Beim Golf ins Runde. Beides entpuppt sich oft als verflucht schwierige und manchmal völlig vernagelte Angelegenheit. Die Pille geht ums Verrecken nicht rein. Und jeder totsichere Putt wird daneben geschoben oder lippt noch aus. (Wie gestern bei mir in Bad Münstereifel…) Das hat auch unglaublich charakterstärkende Aspekte. Nicht fluchen! Nicht spucken! Nicht ausrasten! Nicht den Schläger zertrümmern oder den Ball ins (nicht vorhandene…) Publikum dreschen!

Vielleicht lassen sich ja auch irgendwann die Hooligans von dieser Subtilität anstecken. Merke: Es ist viel männlicher, bei einer öffentlichen Demontage der eigenen Person gute Miene zu bewahren, als in Pseudo-Wikinger-Attüde auf “Gegner” oder “Bullen” loszustürmen – wohlgemerkt ja in der wohlfeilen Sicherheit, dass einem selbst nicht wirklich etwas passieren kann. Aber ok, das ist jetzt vielleicht doch etwas zu anspruchsvoll.

Der Corona-Crash 2.0 steht kurz bevor!

Ok, das muss einen ja jetzt nicht so wahnsinnig beunruhigen. Denn wie sich rausgestellt hat, war der Corona-Crash 1.0 ja nur eine ganz spitzenmäßige Bärenfalle. Wer da im letzten Jahr in Panik rausgegangen ist oder teure derivative Absicherungen gegen weitere Verluste eingezogen hat – der hat einfach nur Geld verbrannt. Kurze Zeit nach dem Absturz sind die Kurse wieder angestiegen, inzwischen haben wir neue Höchststände allerorten – gab es da, gibt es da irgendeine Krise? Irgendeine Pandemie? Irgendwelche geschrottete Branchen?

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Aaargh!! Panik! Sofort aus dem Fenster springen!!

Aber das kann ja völlig logischerweise überhaupt nicht sein. Und natürlich ist das nur eine gewaltige Täuschung, eine kurzzeitige – sicherlich von den üblichen interessierten Kreisen gesteuerte – Vernebelungsaktion. Eine furchtbare Bullenfalle mit verheerenden Konsequenzen – aber was rede ich denn da, es ist noch viel schlimmer. Zum Glück hat mir da heute eine Email die Augen geöffnet, sie hat mich erreicht aus dem Imperium der von vor sehr geschätzten Drecks-Spammer-Bude “Tricolux Limited”.

Von: Bankeninsider warnt: <mail@news.mysuitcases.de>
Gesendet: Donnerstag, 27. Mai 2021 14:12
An: mgessat@mgessat.com
Betreff: Corona-Crash 2.0 steht kurz bevor!

Sollte diese E-Mail nicht richtig angezeigt werden, klicken Sie bitte hier (zensiert)
+++ Exklusiv-Informationen – Sonder-Report – Mit Schock-Nachrichten +++
Hier sind die Informationen, die ARD und ZDF nicht zu senden wagten

Das ist aber völlig normal. Wir bei ARD und ZDF senden bekanntlich immer nur Informationen, die direkt aus dem BundeskanzlerInnenamt genehmigt bzw. angeordnet werden. Wenn wir die WAHRHEIT senden würden, würden wir ja unsere ganze bürgerliche Existenz aufs Spiel setzen. Wir haben aber auch eine Verantwortung für unsere Familien, Kinder und Enkelkinder. Nicht alle von uns sind Helden. Ich hoffe, Sie haben für diese Zwangslage zumindest etwas Verständnis.

Der Untergang Europas.

Aaaargh!! Und glückliche Nicht-Europäer! Kein Grund mehr, hier unter Lebensgefahr rüber zu schippern.

Finanz-Insider packt aus: „Euro-Tod noch in 2020?“

Moment mal, haben wir nicht schon 2021? Das ist bestimmt keine recycelte Spammail aus dem letzten Jahr, das ist bestimmt nur ein verzeihlicher Schreibfehler – gemeint ist: “Euro-Tod noch in 2021?”

<https://zensiert>

REPORT JETZT ANFORDERN <https://zensiert>

Lieber Anleger,

Muss man das nicht gendern mittlerweile? Aber ok, rumzocken und auf das Narrativ reinfallen “zuhause mit dem fetten Arsch im Gamer-Sessel hocken und mit null Wissen und null Arbeit unermesslich reich werden” – das ist eher so eine Jungens-Sache. Wie das in der Diversen- und Trans-Szene aussieht, dazu fehlen noch die statistisch validen Daten.

die Schlinge zieht sich zu. Die Situation Europas wird haarsträubend. Der Zustand des Finanz-Systems ist ein Desaster. Ich bin sicher: Hinter den Kulissen in Berlin und Brüssel herrschen Chaos und Verzweiflung…

Da bin ich auch total sicher. Man hört ja aus gut informierten Kreisen immer wieder, dass selbst bestens versorgte Politikerinnen und Politiker in völliger Verzweiflung auf alternative Einnahmequellen wie nicht angemeldete Nebenbeschäftigungen, auf Maskendeals oder auf Bestechungsgelder aus autoritären Regimen in Osteuropa setzen. Dahinter steckt natürlich blanke Existenzangst. Diese Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger wissen bereits – das Armageddon steht bevor. Und nur wer seine Vorratsspeicher genügend angefüllt hat, wer seinen Bunker oder Panik-Raum gebaut, seine Waffenvorräte aufgestockt hat – nur der oder die oder das hat überhaupt eine klitzekleine Überlebenschance.

Wenn jetzt bald in Italien die ersten Euro-Banken zusammenbrechen, wird ein vernichtender Sturm losbrechen. Der Finanz-Tsunami. Dagegen war die Krise von 2008 mit der großen „Lehman Brothers“-Pleite ein Ponyhof.

Italien also. Ich habe es geahnt. Die Unterschrift des windigen Herrn Draghi befindet sich ja perfiderweise auf so vielen Euro-Banknoten – die kann man direkt verbrennen. (Alternativ senden Sie mir die Exemplare zur zuverlässigen Entsorgung bitte zu.)

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Wertloses Papier. Hätten Sie mal auf Gold, Schweinehälften oder Bitcoins gesetzt!

Damals, bei der Lehman Brothers-Krise, habe ich tatsächlich ein Ende des Euro, einen Währungsschnitt nicht für völlig ausgeschlossen gehalten. Und das war also damals ein Ponyhof im Vergleich zum bevorstehenden Armageddon?

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Immer wieder wird ein Ponyhof mit dem richtigen Leben verwechselt – damit muss nun endlich Schluss sein!!!

Es gibt jetzt nur eine einzige gute Nachricht:

Puh!

Es ist uns gelungen, einen der am besten informierten Finanzexperten dazu zu bringen,

Wie nur? Mit Erpressung, Folter, Geld oder mit Sex-Verlockungen???

sein Wissen in einem exklusiven Report zusammenzufassen. Für schockierende Enthüllungen und Warnungen. Für die Vorstellung eines explosiven Sicherheits-Berichts. Sie bekommen in diesen Schock-Bericht schon gleich einen ersten Einblick. Als einer von ganz wenigen Menschen, die die Chance haben, diesen Report zu lesen.

Sind Sie es, Herr Otte? 🙂 Aber ich bin so super-froh, dass ich “als einer von ganz wenigen Menschen” wenigstens die Chance habe, den Bericht zu lesen. Das hat sich eben doch ausgezahlt, dass meine Email-Adresse nur von Qualitäts-Spammern angeschrieben wird, die ihren Bullshit völlig restriktiv rauspusten ins Netz. Danke, Tricolux!!

Niemand sonst hat es gewagt, diesen Schock-Bericht zu veröffentlichen. Sichern Sie sich hier diesen exklusiven Report – bevor es zu spät ist!

Aaarrgh!!

Bitte lassen Sie alles andere stehen und liegen.

Klaro. Arbeit – egal. Golfrunde – egal. Es geht um die Existenz!!!

Laden Sie jetzt den exklusiven Schock-Bericht GRATIS herunter. Die Informationen, die Sie darin erhalten, können darüber entscheiden, ob Sie den kommenden Untergang Europas und den Tod des Euro überstehen.

Aaargh! Muss ich sterben?? Bitte nicht, ich bin doch noch sooo jung!! Jetzt hab ich bislang dem grimmen Virus getrotzt, und nun soll doch wieder alles vergebens sein? Oh my God!

Sie erfahren darin genau, was Sie jetzt noch tun können, um Ihr Geld vor dem sicheren Tod des Euro noch in Sicherheit zu bringen.

Ach so, es geht nur um mein Geld. Puh!

Bitte beachten Sie: Bei diesem Schock-Bericht handelt es sich um exklusives Material mit hochbrisanten und vertraulichen Informationen.

Klar. Klar. Das werde ich total vertraulich behandeln. Das geht ja auch niemand was an, der/die nicht genauso Zugang zu so exklusiven Informationen hat wie ich. Sollen die anderen doch abkratzen oder zumindest ihre Kohle verlieren und winselnd und wimmernd rumflennen nach dem Corona-Crash 2.0. Andererseits – ich hab natürlich auch eine gewisse Verantwortung gegenüber der Volksgemeinschaft. Und wenn die verzweifelten Horden meine geschmackvoll eingerichtete Villa zu stürmen versuchen, dann weiß ich nicht, wie lang mein Munitionsvorrat reicht. Deswegen veröffentliche ich das mal hier!

Ob wir den Report zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal zeigen können, ist nach jetzigem Stand der Dinge fraglich.

Klar. Das SYSTEM wird hier schnell, humorlos und gnadenlos reagieren. Wenn jeder Popel, jede Popelin und jedes PopelX auf diese super-geheimen Warnungen reagieren könnte und sein Vermögen bzw. seinen/ihren/seinX Hartz-4-Freibetrag einfach so in Sicherheit bringen könnte, dann würde das Hierarchie-System unserer Welt auseinanderbrechen.

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Mist! Fuck! Das hätte ich ahnen sollen! Wissen sollen! Oh Mann!! Fuck, Fuck!!

P.S. Dieser Blogpost erfolgt nur zu Ihrer Warnung. Ich habe Sie gewarnt, das war meine Verantwortung. Bitte sagen Sie hinterher nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt. Die Original-Links zu den sensationellen Original-Informationen leite ich Ihnen gern weiter, gegen eine kleine Informationsgebühr von 400 Euro. Bei Insider-Informationen ist es ganz wichtig, dass die auch wirklich exklusiv bleiben, sonst wären sie ja inklusiv und wertlos. Ich hoffe, Sie haben dafür Verständnis.

Die Aktion #allesdichtmachen stößt auf massive Kritik – kein Wunder

Jetzt ist nur noch die Frage, warum das kein Wunder ist. Weil die Statements in den Videoclips oder der ganze Tenor der Aktion “daneben” sind? Oder weil es eben doch eine Mainstream-Meinungsregelung zur Corona-Pandemie gibt, gegen die man/frau besser nicht verstoßen sollte? Ulkigerweise bin ich ja auch Akteur in diesem Szenario – auf mehrfache Weise – und ulkigerweise oder traurigerweise muss ich mir sehr genau Gedanken machen, ob ich hier überhaupt öffentlich Stellung beziehen darf/sollte. Ich mach das aber mal trotzdem.

Das extrem verstörende an der Corona-Pandemie und all ihren Aspekten ist – die Wahrnehmung der Situation ist von Mensch zu Mensch völlig verschieden. Und das geht bis in den ganz intimen Bereich hinein, hin zu den besten Freundinnen und Freunden – da öffnen sich plötzlich Gräben einer völlig verschiedenen Priorisierung von ethischen Basics. Für die einen hat der “Schutz des Lebens” die absolute und nicht zu diskutierende Priorität. Für die anderen – und dazu zähle ich mich selbst auch – stellt sich die Frage: Sind die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des “neuartigen Corona-Virus” im Hinblick auf die dadurch ausgelösten Kollateralschäden verhältnismäßig?

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Es gibt ja so herrliche Schlagwörter seit Beginn der Pandemie: “Corona-Verharmloser”, “Covidiot” und “Corona-Relativierer”. Ich bekenne mich mal hier zu letzterem. Verharmlosen muss man das Virus nicht – es ist offensichtlich deutlich gefährlicher und letaler als die altbekannten Grippe-Erreger. Relativieren – im Sinne von “vergleichsweise einordnen” kann man es aber schon. Und da zeigt sich nach allen bislang bekannten Daten: Der Erreger und die von ihm ausgelösten Erkrankungen betreffen nur einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung. Die anekdotischen Berichte über Ausnahmen und – im Vergleich zu anderen Viruserkrankungs-Langzeitschäden – wissenschaftlich nicht quantifizierten oder belegten “Long-Covid”-Folgen jetzt mal eingepreist.

Jetzt geht es natürlich sofort wieder los. Was heißt: Ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung? Ist eine Risiko-Exposition im 0,xx-Bereich relevant oder nicht? Kann man mit Prozent-Angaben argumentieren, oder mit absoluten Zahlen? Sind “zehntausende” Tote “wegen oder im Zusammenhang mit Corona” ein hinreichender Grund, die Lebensentwürfe von Millionen einzuschränken – oder von den wirtschaftlichen und emotionalen Parametern her völlig zu schrotten?

Wie ich ja schon hier im Blog geschrieben habe – die angebliche “Solidarität” der Gesellschaft ist meines Erachtens völlig Fiktion. In Wirklichkeit haben wir in Deutschland erstens ein Übergewicht der “Alten” – die einerseits besonders gefährdet sind von Covid-19 – und andererseits die Einschränkungen sehr komfortabel aussitzen können; im eigenen Häuschen mit Garten. Die gesellschaftlichen Gruppen, die die Corona-Zeche zahlen – die sind nie gefragt worden, ob sie bei der tollen Solidaritäts-Aktion überhaupt mitmachen oder die Zeche eben zahlen wollen.

Das sind die Jugendlichen, für die die ganze Corona-Scheiße eben nach allen Daten vollkommen irrelevant ist. Leider eine politisch und demografisch unterrepräsentierte Fraktion. Für Schüler und Studenten werden gerade Lebensentwürfe geschrottet – von den Schwierigkeiten einer Schulteilnahme angesichts der miserablen Online-Konzepte über Kollateralschäden bei Online-Vorlesungen bis hin zu kompletten Ausfällen von Auslands-Semestern. Diese Schäden werden nicht quantifiziert. Die sind aber da – und werden das Leben der Betroffenen für immer prägen.

Das sind auch Solo-Selbstständige und Künstler – ob da die jetzt aufmupfenden die besonders Betroffenen sind oder nicht, darüber kann man noch diskutieren, am besten als Rentner, Festangestellter oder Kulturferner. Es ist ja total egal, ob irgendwelche Typen mit exotischer Beschäftigung – Opernsänger, Schauspieler oder die ganze Veranstaltungsbranche vom Agenten bis zum Beleuchter plötzlich arbeits- und mittellos werden – aus Zwangssolidarität mit irgendwelchen andern gutversorgten Bürgerinnen und Bürgern.

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Kann man Kollateralschäden, darf man Kollateralschäden – und sei es auch “nur” das plötzlich verbotene Bedürfnis an Party, Begegnung, Sex bei jungen Menschen – aufrechnen gegen die eventuelle Verlängerung des Lebens einer/eines Pflegeheim-Bewohner(in)s? Oder gegen das Leben eines/einer aus anderen Gründen überproportional von Covid-19 Betroffenen? Ich finde, da kann man zumindest mal drüber diskutieren. Die einen sind unschuldig betroffen – die andern aber auch. Und dann gibt es ja auch noch – politisch super-heikel – Risikofaktoren, die nicht zufällig sind: Bildung, Bewegung, Ernährung, kulturelle Verhaltensweisen.

Gibt es dafür tatsächlich eine gesellschaftsbreite Solidarität, oder wird die nur behauptet und angeordnet? Das könnte man mal ergründen, tut es aber wohlweislich nicht. Die Intensivbetten-Belegung ist ein gewichtiges Kriterium, um Grundrechts-Einschränkungen zu legitimieren. Man hört allerdings aus Mediziner-Kreisen auch verstörende Details: Krankenhäuser verdienen nun einmal an Intensiv-Patienten besser als an normalen Fällen. Und die Kriterien einer Intensiv-Einordnung sind fließend.

Was für die beteiligten, ihrer ökonomischen Vorgabe folgenden Mediziner – wiederum laut der Quellen – noch nicht mal ethisch problematisch ist. Im Zweifelsfall können ja die doch nicht so extrem problematischen Fälle wieder ihre Intensiv-Betten räumen für wirkliche Akut-Patienten. Ähnliches hört man leider auch zu den Beatmungs-Fällen – die Kriterien sind für die eine Mediziner-Fraktion unzweifelhaft, für die andere ganz und gar nicht. Fest steht allerdings: Beatmung ist lukrativ für das Krankenhaus – und die betroffenen Patienten haben eine hohe Sterbewahrscheinlichkeit.

Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens ist ja ganz offenbar ein Kernpunkt der ganzen Situation. Ich erinnere mich an zig Beiträge, Interviews oder Statements (die sind natürlich auch nachweisbar…) von Politiker(inne)n und Mediziner(inne)n in den letzten Jahren, warum wir zuviel Krankenhäuser haben und diese ganze Ineffizienz bereinigt werden muss. Dann kommt ein – sorry, im Vergleich zu wirklichen Killer-Erregern wie Ebola und Konsorten – Pussy-Virus wie Sars-CoV-2, das eben nur für einen sehr geringen Teil der Bevölkerung relevant ist – und wir verfallen in den totalen Ausnahmezustand; inklusive elementarster Grundrechtseinschränkungen.

Das ist – sorry – leider ein totales Politik-Versagen. Und ein totales gesellschaftliches Versagen. Das Ökonomie-Primat war ja angeblich ganz toll, wir möchten ja auch gern niedrige KV-Beiträge zahlen. Impfstoff- und Medikamenten-Vorprodukte werden ökonomisch outgesourct nach China, die Masken-Herstellung auch. Pflegerinnen und Pfleger werden mau bezahlt, ist ja nur Gedöns.

Und sobald das – jetzt mal relativiert 🙂 eingeordnet – Pussy-Virus loslegt: totales Armageddon, Panik, Zusammenbruch. Fest steht – und damit sind wir jetzt wieder bei der #allesdichtmachen-Aktion: Wenn wir alles dichtmachen, dann haben wir ja famoserweise jegliches Risiko minimert. (Mit gewissen nicht quantifizierten Kollateralschäden halt.)

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Das ist toll für diejenigen, die darunter auch ökonomisch nicht leiden. Öffentlich-rechtliche Journalisten z.B. wie ich selbst. Das war ganz am Anfang noch nicht so klar – aber doch relativ schnell. Toll. Bei Künstlern, und ich hab ja mal Gesang studiert und fühl mich der Branche immer noch zugehörig: Da ist das nicht so toll – die Leute sind seit Anfang 2020 plötzlich auf Hartz-4 zurückgeworfen. Haben natürlich alle Riesen-Rücklagen und Tantiemen und hätten eben mal bei ihren Super-Verdiensten in Normal-Zeiten besser zurücklegen sollen.

Nein – lieber überalteter “Normalbürger” unserer Gesellschaft 🙂 – hätten sie nicht. Die haben einfach Berufsverbot bekommen, aus Zwangssolidarität für andere. Und dass jetzt alle aus Solidarität auf Hartz-4 runtergehen, davon hab ich noch nix gehört. Ob jetzt ausgerechnet die überwiegend “gutsituierten” Akteure der #allesdichtmachen-Aktion “berechtigt” sind, die Kritik zu äußern, ist die Frage. Ob noch viel besser situierte ÖR-Journalisten-Kollegen/ginnen berechtigt sind, die wohlfeile Gegenkritik zu äußern, ist auch die Frage. So viele Fragen.

Sind Ausgangsbeschränkungen tatsächlich zielführend? Sind Inzidenz-Zahlen ein geeignetes Mitel zur Einschätzung der Lage? Sind PCR-Tests an symptomfreien Menschen überhaupt aussagekräftig und was hat Herr Drosten dazu noch vor ein paar Jahren gesagt? Sind Masken-Vorschriften oder maskiert herumlaufende Zeitgenossen auch an der freien Luft plausibel oder Irrsinn? Sind bzw. waren Schließungen von Golfplätzen geboten oder Irrsinn? (Sogar Oberverwaltungsgerichtsmäßig-bestätigter Irrsinn?)

Und die Fragen gehen ja immer weiter. Die Grippe-Epidemie ist dieses Mal ganz überraschenderweise “ausgeblieben”. Sollten wir nicht – um Leben zu retten – von nun an immer von Oktober bis Mai Lockdown machen? #allesdichtmachen? Wie ist denn die Balance zwischen “Risiko” und Freiheit? Wie wichtig ist denn den “Normalbürgern” Kunst, Kultur, Freiheit und die Lebensentwürfe von “Minderheiten”? Der Theater- oder der Restaurantbesuch? So blöd ist die Aktion; sind die Fragen gar nicht.

Es ist wirklich total verstörend. Ich fühle mich vielen Akteuren der Aktion sehr nahe. Und vielen Kritiker(inne)n “eigentlich” auch. Es wäre aus meiner Sicht extrem wichtig für alle Beteiligten, das mal zu realisieren mit der völlig unterschiedlichen Perspektive – und die eigene höchstwahrscheinlich sehr subjektive Sichtweise mal zu reflektieren. Ich versuch das auch, obwohl ich mittlerweile extrem angepisst und ermüdet bin von den angeblich alternativlosen Einschränkungen und der totalen Fokussierung auf Corona – als ob sämtliche andere Probleme der Menschheit – von Klimawandel bis zu anderen Seuchen – plötzlich keine Rolle mehr spielen.

Wir hatten ja heute das werweißwievielte Interview im DLF zu Corona – trotzdem mal das optimistische Statement von Mathias Pletz vom Universitätsklinikum Jena:

Durch diese Pandemie haben wir eine neue Impfstoffplattform bekommen, nämlich die RNA-Impfstoffe, die man extrem schnell anpassen kann. Wir können also in kurzer Zeit hohe Dosen an Impfstoffen produzieren, Sie brauchen quasi die Sequenz, die RNA-Sequenz, eigentlich nur am Rechner ändern, und damit sind wir eigentlich für zukünftige Pandemien auch extrem gut gerüstet.

Das sehe ich genauso – vorausgesetzt, es kristallisieren sich nicht noch irgendwelche Risikofaktoren heraus.

 

P.S. 27.04.2021 Ich bin heute wieder mal von einer mir nahestehenden Person 🙂 mit einer erschreckenderweise 🙂 ganz anderen Risikowahrnehmung und ethischen Bewertung darauf aufmerksam gemacht worden, dass mein Argument “Corona betrifft jüngere Leute praktisch nicht” auch nicht so richtig tragfähig ist. Weil – was nützt es z.B. 17- oder 18jährigen Kiddies – die eben tatsächlich nach allen vorliegenden Erkenntnissen für sich persönlich keine Angst vor einer Corona-Infektion haben müssen, wenn sie ihrem Kommunikations-, Feten- oder Sex-Bedürfnis frönen – und danach ihre Eltern, oder – mit etwas geringerem Impact-Faktor, ihre Großeltern abkratzen? Insofern geht die Risiko-Relevanz natürlich über die individuelle Risikowahrnehmung oder -einschätzung für einen selbst hinaus.

Perspektivisch bleibt für mich die Kernfrage – hat die Corona-Pandemie die gesamtgesellschaftliche Einschätzung im Umgang mit einem lebensbedrohlichen “Risiko” paradigmatisch verändert, droht nun nach der Gewöhnung an offenbar untaugliche Risiko-Parameter wie “Inzidenz” eine unendliche Einschränkung von Grundrechten und von “verzichtbaren” Bestandteilen des Lebens wie Kultur, Gastronomie, Begegnung, direkter Kommunikation, Sex (außerhalb von bereits etablierten, corona-erlaubten Kontexten wie Ehe oder fester Partnerschaft…)?

Wenn z.B. nach der für alle zur Verfügung stehenden Impfmöglichkeit neue Mutanten auftauchen, die vielleicht auf die bis dato zur Verfügung stehenden Impfstoffe nicht so gut oder gar nicht ansprechen – dann könnte man ja nach der bisherigen Logik wieder alles zu machen. Und nach der eventuell erfolgreichen Anpassung der mRNA-Impfstoffe wieder auf. Und bei der nächsten Mutante (wobei sich ja famoserweise wie auch gerade schon die Zeiträume überschneiden…) wieder alles zu. Und so weiter bis in alle Ewigkeit.

Die optimistischen Akteure in meinem sozialen Umfeld sagen “nein” – der Endlos-Lockdown droht nicht – und sind auch bereit, notfalls mir mir zusammen die Kalaschnikoff zu ergreifen, sollte das doch so sein. Ich hoffe mal, diese Optimisten haben recht. Ich bin selbst auch normalerweise optimistisch – und das beeinflusst auch meine total subjektive Wahrnehmung von Corona. Wo ich mir einfach sage – das ist halt nur ein stinknormales Corona-Virus, das epidemiologisch ein paar ungünstige Eigenschaften hat; aber das ist relativ unwahrscheinlicherweise der Super-Killer, der die Menschheit ausrottet; entweder sofort oder per grausamem Long-Effekt.

Möglicherweise verharmlose ich damit schon mein eigenes Risiko. Aber damit habe ich wirklich kein Problem. Wenn ich jetzt überrraschenderweise abkratzen sollte nach einer – in meinem Fall extrem unwahrscheinlichen Konstellation bzw. Infektion – dann werde ich nicht die Gesellschaft verantwortlich machen, sondern denken – extrem Pech gehabt. Und aus der gleichen Idee heraus würde ich auch nie denken – wir müssen jetzt alles total dicht machen, damit meine geliebte beste Freundin überleben kann – weil ich ja ihr Risiko ähnlich akzeptabel einschätze wie mein eigenes – und das Kind ist ja noch deutlich jünger als ich…

Wenn ich Social Media und Kommentare lese, dann bin ich wieder pessimistisch. Klar, Kultur ist verzichtbar, Gastronomie ist verzichtbar. Begegnung ist verzichtbar. Die sollen sich mal nicht so anstellen! Hätten ja mal vorsorgen können! Ist ja nur für eine kurze Zeit. Oder halt ein bisschen länger… Da kann ich ausflippen und bin eben sehr pessimistisch, ob das Drecks- und letztlich Pussy-Virus  nicht unsere Gesellschaft geschrottet hat –  von der sehr interessanten Frage mal ganz abgesehen, wie die ganzen Corona-Einschränkungen eigentlich in Ländern mit ganz anderer Bevölkerungs-Zusammensetzung, anderem Gesundheitsssystem und ganz anderen oder eben gar nicht vohandenen Konpensations-Maßnahmen funktioniert (oder nicht funktioniert..) haben.

Aber noch mal ein weiteres Feedback aus meinem engen (realen…) sozialen Umfeld: Vielleicht sollte man die ganzen Social-Media-Aufgeregtheiten und Polarisierungen einfach nicht mehr lesen? Keine Warnungen mehr von Herrn Lauterbach, keine Antworten mehr von Herrn Reitschuster? Das ist schwer, weil das ja eigentlich mein Job ist. Mit den permanenten Aufregern, Bedrohungen oder Aufforderungen zur Replik bekomm ich jedenfalls mein Zwerchfell nicht runter. 🙂 Schlecht für mein Singen und mein Golfen.

Reich werden mit Non-fungible Tokens (NFT)

Irrsinnig viel Kohle machen, in kürzester Zeit und ohne jegliche Anstrengung oder Aufwand – wer möchte das nicht? Kein Problem, da gibt es jetzt auch ein Vehikel für, eine regelrechte Gelddruckmaschine mit dem etwas sperrigen Namen “Non-fungible Tokens”, kurz NFT. Und damit werden Sie reich, blitzschnell. Vorausgesetzt, Sie sind jetzt schon berühmt und beliebt. Was ja in den Zeiten von Social Media schon eine Definitions- oder Skalierungsfrage ist; einigermaßen berühmt und beliebt reicht.

Künstlerin oder Künstler ist optimal, die Sparte ist relativ egal – Musik, Malerei oder Fotografie; das passt alles. Sportlerin oder Sportler passt auch gut, einfach irgendwie prominent sein geht aber auch. Es muss nur Leute geben, die etwas von Ihnen exklusiv besitzen wollen. Und wie das dann funktioniert mit dem easy Kohle machen, das lässt sich bei der Versteigerung eines digitalen Kunstwerks noch am leichtesten nachvollziehen:

DLF Nova – Hielscher oder Haase vom 03.03.2021 (Moderation: Thilo Jahn)

Der Zusammenhang zwischen Unikat oder limitierter Auflage und einem zugeschriebenen oder akzeptierten Wert ist bei Kunst geläufig oder sogar konstituiv – natürlich ist es jederzeit möglich, sich ein hochaufgelöstes Digitalisat der Mona Lisa runterzuladen und ggf. auch auszudrucken oder eventuell sogar als strukturiertes Gemälde-Remake in 3D zu rekonstruieren. Obwohl das eventuell eher oder weniger einen ähnlichen optischen Eindruck erzeugen wird – das Remake, die Kopie ist praktisch wertlos. Denn das Original hängt nun mal im Louvre.

Auch von Beeple’s alias Mike Winkelmanns Kunstwerk “Everydays: The First 5000 days” können wir problemlos eine Abbildung herunterladen und uns die ausdrucken oder auch nicht – das “Original”; genauer gesagt das NFT, welches den Besitz des “Originals” dokumentiert – das hat bei der Versteigerung beim renommierten Auktionshaus Christie’s glatte 69 Millionen Dollar erzielt.

Die erzielte Summe hat den Künstler selbst ein bisschen erschreckt – der Käufer soll ein “Krypto-Fondsmanager” sein. Möglicherweise hat der eh ein bisschen zu viel leicht verdiente Kohle, oder auch seine Ether eben in alten, billigen Zeiten generiert/verdient. Für die Bitcoins, für die man am Anfang des Hypes eine Pizza bekam, bekommt man jetzt ein Einfamilienhaus. So weit, so schön und nachvollziehbar im Bereich “Kunst” – wo eben auch nicht für alle Laien nachvollziehbar ist, warum ein Gemälde von Gerhard Richter Millionen-Beträge erzielt. Und ein Werk eines jungen Nachwuchs-Künstlers eben nicht unbedingt. 🙂

Copyright: Lewin Gessat

Was vielleicht für Laien noch mal wieder ein Stück schwerer nachvollziehbar ist – nicht nur für Kunst, sondern auch für die digitalen Pendents von schnöden Sport-Sammelbildchen können Unsummen über den Tresen gehen. Stichwort “NBA Top Shots”: Da kann der geneigte (mit 99%er Wahrscheinlichkeit männliche Kunde…) eine digitale Wundertüte mit sogenannten “Moments” erwerben. Das sind kurze, speziell konfektionierte Videoclips. An sich völlig wertlos, weil ja die Videos der Basketball-Partien eh frei oder “raubkopiert” im Netz stehen. Aber ein “digitales Echtheitszertifikat” für die speziell konfektionierten Clips, ein NFT, macht die wertlosen Clips plötzlich wertvoll. Wenn man dran glaubt.

Genau wie bei analogen Sammelbildchen: Die sind natürlich “an sich” wertlos, von den Druck- und Marketingkosten einmal abgesehen – aber wenn es den Herausgebern gelingt, die vollkommen willkürliche “künstliche Verknappung” bei der Kundschaft zu etablieren, dann ist das eine wunderbare Gelddruck-Maschine. Ein Panini-Bild von Beckenbauer war eben mehr wert als eines vom Verteidiger vom FC Castrop-Rauxel, weil die Auflage – ganz frei aus Daffke – geringer war.

So ist das auch bei den “Yu-Gi-Oh!”-Karten, wo ja auch eine Werthaltigkeit der künstlich verknappten seltenen Karten einfach behauptet/erzeugt wird – aus meiner Sicht eine völlige Perversion und eine abartige Indoktrinierung von Minderjährigen in ein “marktwirtschaftliches” Schema, hinter dem eben nur völlige Willkür und (irrationalerweise akzeptierte…) Selbstdefinition steckt. Genauso, wie die Gesellschaft merkwürdigerweise mitmacht, dass Typen in der Finanzbranche völlig überdimensionierte Gehälter und Boni kassieren…

Irgendwie scheint mir das ganze Phänomen so ein bisschen mit dem (ich bin jetzt hier mal sexistisch 🙂 ) typisch männlich infantilen Motivations-Topos “unfassbar viel Kohle machen mit null Aufwand” oder “high risk, high reward” zusammenzuhängen. Klar, wer ganz am Anfang in Bitcoin eingestiegen ist und das Investment auch gehalten hat, trotz so kleiner Verlockungen zwischendurch wie 100% Gewinn oder 500, oder 1000 Prozent Gewinn – der ist jetzt reich. Wer am Anfang in NBA-Sammelkarten eingestiegen ist und die jetzt wieder verkauft hat, hat auch einen sehr netten Gewinn gemacht. (Versteuern nicht vergessen, das Finanzamt ist auch nicht von gestern… 🙂 )

Bei den NBA-Sammelkarten bin ich auf lange Sicht skeptisch:

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/non-fungible-tokens-bei-nba-top-shot-der-hype-um-digitale-sammelbilder

DLF Nova vom 11.03.2021 – Grünstreifen (Moderation: Steffi Orbach)

Aber auch für die digitalen Sammelkarten gilt natürlich: Solange Leute denen einen Wert zumessen und bereit sind, den auch zu bezahlen, haben die einen Wert.

Ich habe darüber mit Prof. Alfred Taudes, dem Leiter des Forschungsinstitutes für Kryptoökonomie in Wien gesprochen. Und er erklärt das so:

„Ein ganz wichtiger Punkt, um Eigentum und Wert zu erzeugen in einer digitalen Welt, ist Beschränkung und Eigentum, das durch den Besitz des Schlüssels symbolisiert wird. Und beides gilt auch für Non Fungible Tokens. Das heißt, wenn man das einmal akzeptiert hat und den Glauben hat an das Protokoll, das das wirklich einzigartig ist, dass das Eigentum repräsentiert, dann wird es ein Repräsentant von Wert. Und der Wert bestimmt sich durch Angebot und Nachfrage, so wie bei realen Kunstwerken oder realen anderen Audios und Sammelkarten.“

Ein ganz wichtiger Aspekt, so Prof. Taudes ist natürlich die völlig neue Unabhängigkeit von Kreativen, ihre Produkte ohne die kostentreibenden Dienste von “Intermediären” zu vermarkten:

Sehr viel vom Preis, von z.B. Kunst, von klassischer Kunst wird von Galerien und von Versteigerungshäusern gemacht, die klassische Intermediäre sind. Und die Blockchain generell hat ja die Eigenschaft, dass man die Intermediäre eigentlich nicht mehr braucht. Und es ist jetzt sehr interessant zu sehen, welche neue Arten von Wertbestimmungsmechanismen, also besondere Auktionen und ähnliche sich hier bilden. Und das ist natürlich insbesondere für die Wirtschaftswissenschaften auch hochinteressant.

Für Künstlerinnen und Künstler kann das großartig sein und vollkommen neue Vermarktungschancen bringen – ein personalisierter Song eines “Stars” wird einem wahren Fan locker vier- bis fünfstellige Summen wert sein; zumal da ja per NFT jederzeit ein profitabler Verkauf möglich ist. Aber wenn ich jetzt versuchen würde, eine am Klavier eingespielte Version von “Alle meine Entchen” per NFT zu vermarkten, wäre das wahrscheinlich nicht so der Burner. Die ganze Story hängt halt am Popularitäts-Maßstab.

Von daher: “Intermediäre” können wiederum höchst interessant sein, um Vertrauen und Information über “Krypto”- oder NFT-Assets sicher zu stellen. Eine Versteigerung bei “Christie’s” ist halt ein Gütesiegel in Richtung auf den etablierten Kunstmarkt, und ein Zertifikat eines klassischen Finanzmarkt-Emittenten auf den Bitcoinkurs ist möglicherweise als Investment sinnvoller als ein Direkteinstieg mit den diversen Risikofaktoren. Aber noch mal als Fazit: Jegliche Investments in Cyberwährungen, NFTs oder ähnliche Assets sind hoch spekulativ. Eine größere Investition verbietet sich “eigentlich” von selbst; und damit sind “eigentlich” auch wirklich signifikante Gewinne nicht in Sicht.

Oh, sorry – wir hatten ja eigentlich am Anfang von “easy unermesslich reich werden” gesprochen. Das funktioniert natürlich weiterhin. Wenn Sie berühmt sind wie Elon Musk (der eh den ganzen Krypto-Markt mit seinen Tweets und seiner Kohle manipuliert…), oder wenn Sie so eine tolle Idee haben wie die Transformation eines analog knappen Gutes in ein digital knappes Gut; mit zusätzlichem Grusel-Faktor 🙂

Vielleicht sollten Sie (männlich, vermute ich…) sich auch nur mal auf die Basics des Lebens fokussieren. Es geht nicht nur um billige Kohle. 🙂

Es gibt keine Infektionsgefahr auf Golfanlagen – auch nicht mit den neuen “gefährlichen Mutanten”

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Armin Laschet,

Sehr geehrte Frau Staatssekretärin Andrea Milz,

ich habe heute eine Mitteilung meines Golfclubs hier in Köln bekommen, dass die Schließung der Anlage laut aktualisierter Coronaschutzverordnung NRW bis einschließlich 21.2.2021 fortgesetzt wird und dass daher “nach aktuellem Kenntnisstand” ab dem 23.2. eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs wieder möglich sein könnte. Tatsächlich tritt die am 14.2. aktualisierte Coronaschutzverordnung ja mit Ablauf des 21.2.2021 “außer Kraft” – nur leider sind wir Bürgerinnen und Bürger ja mittlerweile gewohnt, dass die Lockdown-Fristen immer und immer wieder verlängert werden. Und dennoch schöpfe ich angesichts des genannten Datums einen Funken Hoffnung – vielleicht haben Sie ja vor, davor die Lage und die Maßnahmen noch einmal neu zu bewerten.

In dieser Hoffnung und in diesem Sinne möchte ich Ihnen hier einmal eine kleine Entscheidungshilfe geben. Rekapitulieren wir noch einmal die Ereignisse: Die Ausübung von Individualsportarten an der freien Luft – unter Einhaltung strenger Vorsichtsmaßnahmen, im Falle des Golf-Freizeitsports eben durch die Begrenzung auf Zweier-Flights (also zwei Personen, die zusammen spielen – dabei aber typischerweise meterweite Abstände zueinander einhalten…) – war auch in NRW im “Lockdown light”, also bis zum 14.12. erlaubt – wie übrigens danach und bis jetzt weiterhin auch in den allermeisten Bundesländern.

Mit der neuen Coronaschutzverordnung vom 14.12. wurde diese sachlich sehr wohl begründete Ausnahme von sonstiger organisierter sportlicher Betätigung, die eben überwiegend mit sehr viel höherem Kontaktrisiko oder in geschlossenen Räumen abläuft, in NRW gekippt. Ich kann nach wie vor nicht nachvollziehen, wie es zu dieser Entscheidung kommen konnte. Die Begründung der Änderung findet sich ja in einer Passage in der damaligen Ergänzung der Coronaschutzverordnung, ich zitiere diese hier noch einmal:

Während nach der Verordnung vom 30.11.2020 Individualsport auch auf Sportanlagen noch möglich war, muss es mit der Änderung vom 14.12.2020 auch hier angesichts des diffusen Infektionsgeschehens mit erheblichem Fallzahlenanstieg weitere Einschränkungen geben. Auch wenn die Sportausübung selbst alleine erfolgt, birgt die zeitgleiche Nutzung von Sportanlagen in vielfältiger Weise Kontaktmöglichkeiten (in Zugangsbereichen, an Hindernissen, an Sportgeräten, Wegkreuzungen) die auch mit Blick auf eine erhöhte Aerosolproduktion bei sportlicher Betätigung im Rahmen eines strikten Lockdowns für eine eng begrenzte Zeit nicht mehr hinzunehmen sind. Diese Kontaktmöglichkeiten können nur durch ein Nutzungsverbot kontrollierbar gestaltet werden, weil eine Verhaltenskontrolle –auch auf einem Golfplatz z.B. bei einem Stau an bestimmten „Greens“ etc. im Einzelnen nicht möglich ist.

Ich – und viele andere Golferinnen und Golfer in NRW auch – haben darauf hingewiesen, dass diese angebliche Erklärung bar jeder Sachkenntnis verfasst worden ist. Oder mal im Klartext: das ist einfach nur Unfug bzw. sogar eine Unverschämtheit gegenüber mündigen Bürgerinnen und Bürgern in NRW. Leider haben die Richterinnen und Richter des OVG Münster den von Ihrem Hause vorformulierten Unsinn wiederum bar eigener Sachkenntnis abgenickt und entsprechende Anträge auf einstweilige Verfügung abgeschmettert.

Ok, ich rede hier von “Unfug” und “fehlender Sachkenntnis” – vielleicht liege ich ja auch völlig falsch und das von Ihrer(m) “Änderungs-Begründer(in) skizzierte Begegnungs-Risiko ist doch existent – die Richterinnen und Richter des OVG Münster haben ja z.B. zur Begründung ihres Urteils die Möglichkeit einer Begegnung bzw. eines Gesprächs auf dem Parkplatz der Golfanlage herbeigefaselt als Risiko identifiziert. Nehmen wir also mal an, diese Bedenken und Szenarien wären real.

Da ist nun halt die Frage – wie relevant ist denn dieses Risiko? Und wie relevant ist es im Vergleich zu weiterhin erlaubten Szenarien, wie dem Spazierengehen und Joggen auf den Straßen oder im Park? Ich kann nur sagen, bei meinen gelegentlichen Spaziergängen zum Rhein herunter und durch mein Viertel hier begegne ich hundertfach mehr Leuten, als ich auf dem Golfplatz begegnen würde. Aber schauen wir uns konkret das angebliche fokussierte Begegnungsrisiko “auf dem Parkplatz” an.

Wir alle wissen – der relevanteste mögliche Übertragungsweg für eine Corona-Infektion verläuft über Aerosole. Eine Tröpfchen-Infektion, also eine direktes Anhusten oder Anspeien setzt einen unmittelbaren Kontakt voraus – und das ist ein Szenario, das im Freien quasi keine Rolle spielt: Die verhältnismäßig großen Tröpfchen fallen zu Boden und haben keine sehr große Reichweite. Dann also die Aerosole. Mit gutem Grund gibt es – soweit ich das als Wissenschaftsjournalist bislang registriert habe – überhaupt keine Studie oder Einschätzung der Verbreitung von Corona-riskanten Aerosolen an der frischen Luft.

Da gibt es nämlich auch wissenschaftlich betrachtet noch nicht einmal die Idee, dass das relevant sein könnte – nach allen Vermutungen geht man davon aus, dass für eine Infektion eine gewisse Virenanzahl bzw. -Konzentration erforderlich ist. Das ist das allgemein wissenschaftlich anerkannte Konzept, das ja nicht zuletzt auch in die Risikoberechnung der Corona-Warn-App einfließt. Es geht also um eine Exposition gegenüber den Viren/Aerosolen eines Infizierten, die durch verschiedene Faktoren bestimmt wird: Zeit, Abstand, Aerosolfluktuation und -freisetzung. Mittlerweile gibt es ja diverse Berechnungen und Risiko-Einschätzungen – die sich aber wie schon gesagt alle auf Innenräume beziehen. Weil eben das Risiko an der frischen Luft überhaupt nicht der Quantifizierung lohnt.

Lieber Herr Laschet, Liebe Frau Milz – lieber oder liebe “Entscheider(in)” im NRW-Ministerium . ich füge Ihnen mal wie gesagt eine kleine Orientierungshilfe bei. Auf der Webseite der ZEIT – sicherlich kein Organ der Corona-Verharmlosung – findet sich ein kleiner Simulationsrechner. Erstellt mit Daten vom Max-Planck-Institut für Chemie – sicherlich kein Hort der Wissenschaftsleugner. Die Simulationsrechnung und -darstellung ist bereits aktuell ergänzt um den zusätzlichen Risiko-Faktor für die infektiösere Corona-Mutante B.1.1.7; ich habe diese Variante selbstredend einmal aktiviert. Die Simulationsrechnung bezieht sich auf Innenräume. Hier mal ein Screenshot – Sie dürfen gerne selbst die Parameter etwas variieren.

Wenn es bei diesem Szenario in einem Innenraum mit fünf Personen und 30 Minuten Aufenthaltsdauer und Belüftungsanlage praktisch kein Infektionsrisiko gibt – wie groß ist dann wohl das Infektionsrisiko an der freien Luft mit einem – von ihrem “Entscheider” skizzierten und vom OVG nachgebeteten fiktiven kurzen Plausch-Szenario auf dem Golfplatz-Parkplatz? Ich verrate Ihnen das einmal: NULL!!! Ich erwähne hier auch noch mal ganz kurz, dass Golfspieler(innen) typischerweise nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Golfplatz anrücken – Fazit: Das Infektionsrisiko ist NULL.

Die “Kollateralschäden” durch das von Ihnen verhängte Verbot sind allerdings sehr real. Das Bewegungsverbot für Golf mit seinem sehr hohen Motivationsfaktor lässt sich realistischerweise nicht durch die gnädigerweise erlaubten Spaziergänge kompensieren – bei denen das Infektionsrisiko immer noch minimal, aber im Vergleich sehr viel höher ist. Mein Fazit: Lieber Herr Laschet, liebe Frau Milz – Sie schützen mich nicht (und auch nicht andere…), Sie gefährden mich. Körperlich und psychisch. Mich und zehntausende andere Golferinnen und Golfer in NRW. Es gibt dafür keine auch nur ansatzweise begründbare wissenschaftliche Evidenz.

Lieber Herr Laschet, Liebe Frau Milz – ich habe wie gesagt die kleine Hoffnung, dass Sie demnächst noch einmal die Maßnahmen neu bewerten. Wägen Sie neu ab – was wird durch die Coronaschutzmaßnahmen zumindest perspektivisch im positiven Sinne bewirkt oder beabsichtigt, was wird an sogenannten “Kollateralschäden” erst ausgelöst? Wie stehen diese Pole im Verhältnis? Meines Erachtens ist dieses Verhältnis schon seit Beginn der Pandemie und in vielerlei Hinsicht aus dem Lot. Beim Golfspielen und dem momentan wissenschaftlich in keinster Weise begründbaren Verbot kann es da zumindest keinen Zweifel geben. Schleswig-Holstein hat eine entsprechende Öffnung signalisiert – erlauben also auch Sie wieder die Öffnung für Individualsport an der frischen Luft, unter Einhaltung der gebotenen Vorsichtsmaßnahmen.

Entscheiden Sie sich für wissenschaftliche Evidenz, für die Verantwortung gegenüber den von Ihnen regierten Mitbürgerinnen und Mitbürgern – und zwar auch gegenüber den nicht primär vom Coronavirus, sondern von den Coronaschutzmaßnahmen bedrohten und geschädigten Mitbürgerinnen und Mitbürgern.

Mit freundlichen Grüßen,

 

Michael Gessat,

Journalist, Köln

 

Nachklapp 17.2.: Der Golfverband NRW hat nun ebenfalls einen offenen Brief an Ministerpräsident Laschet geschickt und fordert die Öffnung der Plätze. Die in diesem Schreiben angeführten Argumente sind aus naheliegenden Gründen sehr ähnlich wie in meinem 🙂 – ich stimme den Ausführungen also vollumfänglich zu. Besonders hübsch finde ich übrigens den Verweis auf die golferischen Aktivitäten des RKI-Chefs Prof. Wieler.

 

Nachklapp 19.2.: Mein offener Brief (oder war es der vom Landesverband NRW? Oder war es ein Denkprozess aus Eigeninitiative?) war erfolgreich!!! 🙂 Am Montag sind die Plätze in NRW wieder auf – die geforderten fünf Meter Abstand halten wir locker ein! (Jedenfalls solange die Kontroll-Drohnen über uns kreisen.) Bei einem Meter Abstand in freier Luft ist das Infektionsrisiko übrigens auch noch NULL. Aber ok, wir machen ja untertänigst jeden formalen und bürokratischen Scheiß mit, wenn wir nur wieder etwas leben dürfen… 🙂 Danke dafür!