Ich hab da eigentlich keine Lust drauf, meine öffentlich-rechtlichen KollegInnen zu kritisieren und dazu beizutragen, die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Frage zu stellen oder zu untergraben. (Im Gegensatz zu manchen anderen Akteuren und/oder auch noch- oder Ex-Kollegen…) Ich zweifle als Wissenschafts-Journalist den (menschengemachten…) Klimawandel als Tendenz nicht an, und ich bin auch definitiv kein AfD-Fan. Wobei ja leider erstens ein paar der AfD-USPs 🙂 zutreffen, und das denn auch dazu beiträgt, dass die Typen auf die 35/40% zusteuern. Zumindest in den entrechteten oder irgendwie nach wie vor sehr speziell tickenden Ost-Bundesländern. (NATÜRLICH gibt es diese Teilung Deutschlands nicht mehr nach all den Jahren blühender Landschaften; wobei einen eben – uups – jede Wahlverteilungs-Karte nach jeder Wahl eines Besseren/Schlechteren belehrt…)
Aber ok – sich mit den Äußerungen der Politiker und Politikerinnen nach den wunderschönen „Sommer-Interviews“ jeweils faktencheckerisch auseinanderzusetzen, ist ja völlig in Ordnung und auch im aufklärerischen Gestus hilfreich. Da sollte man/frau dann aber auch als aufklärerische(r)/faktencheckende(r) Journalist/Journalistin (au Mann/ au Frau, ist dieses Gendern mühsam… 🙂 ) die anerkannten Basics beherzigen. Und die lauten eben in Bezug auf Klimawandel/Wetter: Kurzfristige, akute Feststellungen sind total Pille-Palle. Insofern ist das völlig irre, dass das versammelte Heer an Faktencheckern (darunter auch Pipeline-Sprengstoff-Plant-Experten… 🙂 ) Herrn Chrupalla bei der (mangels Masse eh schon vorsichtigen…) Kritik mit dem „bislang deutlich wärmeren“ diesjährigen Sommer eines „Danebenliegens“ überführen wollen.
Was im Juni oder Juli dieses Jahr passiert ist, ist im Zweifelsfall Zufall oder anekdotisch – Klimaveränderungen lassen sich nur durch langfristige Trends belegen. Und da gibt es ja die entsprechenden Zahlen. Die aber nicht direkt die gefühlte Aussage von Herrn Chrupalla widerlegen, für ihn sei das wieder ein „ganz normaler Sommer“ gewesen. Das ist halt Pech – die Aussage hat natürlich eine Tendenz – aber die kann man nicht mit Juni/Juli-Werten widerlegen. Oder mit so Krachern wie „Todesfällen im Zusammenhang mit Hitze“ – die eben genauso – ich kann es leider nicht verschweigen – wie die unseligen „Todesfälle im Zusammenhang mit Corona“ vor einiger Zeit Bullshit bzw. nicht klar definiert sind und einfach unwissenschaftlich vage ins Spiel gebracht werden.
Auch der vermeintliche Beleg, Herrn Chrupalla bei seinem Statement zur wissenschaftlichen Diskussion zum Anteil des menschengemachten Klimawandels einer Falschaussage zu überführen, ist mehr als mau.
„Personen, die den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel bezweifelten, hatten im Durchschnitt nur rund halb so viele Veröffentlichungen vorzuweisen wie Personen, die den Konsens stützten.“
Na ja – das ist aber viel mehr als eine völlig exotische und abzucancelnde Minderheits-Meinung. (Wohlgemerkt – ich stimme dieser Meinung inhaltlich nicht zu, mir geht es nur um eine journalistisch/wissenschaftliche Korrektheit…) Die vermeintlichen Argumente hinten im Artikel zu den Migranten und eventuell „ausreisepflichtigen“ sind auch – zumindest mal auf der Basis des Tagesschau-Artikels – mau oder Schrott. Wenn Herr Chrupalla gesagt hat (ich habe da jetzt keine Lust, in das Interview wirklich reinzuhören…), es gäbe 280.000 Menschen ohne Aufenthaltstitel, dann ist es kein sehr valides Gegenargument zu sagen, davon hätten rund 200.000 aber eine vorübergehende Aussetzung der eigentlich ausstehenden Abschiebung, eben eine „Duldung“. Und „abgeschoben gehören“ würde ich jetzt mal im liberalen Demokratie-Sinne als Meinungsäußerung interpretieren und nicht als Tatsachenbehauptung.
Vielleicht hat Herr Chrupalla das auch als Tatsachenbehauptung gemeint 🙂 🙂 – aber de facto bleibt es dennoch – auch juristisch – eine Meinungsäußerung. Das sind so Feinheiten, die sollte man/frau auch als öffentlich-rechtlicher Journalist oder Journalistin oder (selbsternannter/selbsternannte) FaktencheckerIn auf dem Schirm haben. Das ist hier leider nicht der Fall. Und insofern ist dieser wunderbare, selbstgewisse (oder nur vermeintlich selbstgewisse…) „Faktencheck“ wieder mal eine neue, weitere Schippe auf unserem, dem öffentlich-rechtlichen Untergang. Au weia.











