Archiv der Kategorie: Politik

Die Saudi-Golf-Liga startet. Wie korrupt sind die Spieler? Und wir Zuschauer?

Pecunia non olet. Das ist bekanntlich eine uralte Weisheit, die die Römer schon formuliert hatten, bevor sie etwas von Öl-Dollars ahnen konnten. Und selbstredend war schon beim römischen Original-Spruch nicht die Rede vom tatsächlichen Stinken, sondern vom moralischen. Und selbstredend war schon bei der Formulierung des Original-Spruchs impliziert: Das gilt halt nur für pragmatische Leute. Oder eben für korrupte.

Moralisches oder unmoralisches Handeln definiert sich ja gerade nicht an Zwängen. Sondern an Möglichkeiten. An der Abwägung zwischen für einen persönlich zwar angenehmen, aber irgendwie doch fragwürdigen Konstellationen und Handlungen. Und den etwaigen Gegenargumenten. Bestechlich oder korrupt zu sein heißt natürlich immer: Für mich und meine Familie ist das die beste, oder sagen wir mal, eine zumindest lukrative Option. Gleichzeitig bin ich aber auch korrupt und bestechlich und gegebenenfalls ein Arschloch. Damit muss man erstmal umgehen und leben können.

Ein wunderschönes Exempel für diese gravierenden Konflikte bietet sich gerade im Golfsport. Da hat sich ein etwas isolierter, vielleicht auch rachsüchtiger Golf-Funktionär mit einem etwas isolierten Regime zusammengetan. Wobei das Regime erstens über weitgehend unbegrenzte, theoretisch nicht-stinkende Kohle verfügt. Und zweitens auch gerne sein Image – koste es was es wolle – etwas aufbürsten und reinwaschen möchte. Es ist halt nicht so ganz ohne, wenn man einen systemkritischen Staatsbürger in einem Nachbarland ins Konsulat zitiert – und den dort von einer vorher eingeflogenen Folter-Truppe abschlachten lässt, während zur Verschleierung ein Double aus dem Haus rausmarschiert.

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War unliebsam, wurde abgeschlachtet – Jamal Khashoggi

Der bestialische Mord an Jamal Khashoggi ist Fakt – und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist auch klar, dass der saudische Machthaber und offenbar etwas verhaltensauffällig veranlagte Kronprinz Mohammed bin Salman die Abschlachtung in Auftrag gegeben hat. Saudi-Arabien ist auch bei anderen Disziplinen – Verhältnis zu Nachbarstaaten, Rechte von Frauen und Meinungsfreiheit insgesamt – ganz top oben mit dabei. Auf der Arschloch-Liste.

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Hat viel stinkende Öl-Kohle, ist aber möglicherweise etwas verhaltensauffällig: Der saudische Kronprinz

Ok, aber jetzt mal zum Golf. Wenn da mindestbezahlte Proetten im Rahmen der LET-Turniere dort spielen, dann ist das glaube ich tolerierbar. Wenn männliche Golf-Pros, alle Multi-Millionäre (wobei sie die Kohle ja teilweise wie der famose Herr Mickelson mit irren Wetten verballert haben…) jetzt an der LIV-Tour teilnehmen – dann ist das natürlich ein Skandal. Wobei ja signifikant ist – die Mehrheit der Teilnehmer sind Typen, die im “Normalbetrieb” ihre beste Zeit hinter sich haben. Lee Westwood zum Beispiel schätze ich eigentlich sehr – gerade aufgrund seines Alters und seiner immer noch guten Performance.

Wenn der nun einen immensen Millionen-Betrag angeboten und garantiert bekommt – sollte; müsste er das ablehnen? Martin Kaymer, die langjährige Nummer Eins bei den deutschen Golfern – seine Performance ist seit langer Zeit mau. Sollte er einen immensen Millionen-Betrag ablehnen oder hier einfach als “Profi” handeln? Die Antwort ist ganz einfach: Es geht hier nicht um “Profi” sein oder um die angebliche Unabhängigkeit von Sport und Politik. Die Leute, die bei der Saudi-Liga teilnehmen, machen das trotz ihres Gelabers nicht um des Sportes willen, sondern um der freigiebigst rausgehauenen Kohle. Da kann man auch mau spielen und wird immer noch zugeschissen mit Geld.

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Wird vermutlich auch hier nix – aber die Kohle ist ja garantiert

Äußerungen wie von Herrn Kaymer sind einfach nur peinlich. Wobei ja die Webseite Golfpost.de auch die kostenlose Abdeckung der Saudi-Golftuniere bewirbt. Damit bin ich mal bei uns Golf-Fans: Wenn wir uns den Scheiß kostenlos angucken, dann kommen wir natürlich auf eine vergleichbare Ebene mit den per Antrittsgeld und “ohne-Cut-garantiertes”-Honorar korrumpierten “haltungsgeschädigten” Golf-Pros. Ich werde mir die Blutgeld-Turniere jedenfalls nicht anschauen, trotz der tollen “Mehr-als-Golf”-Extras. Wenn ich eine zweistellige Millionen-Offerte für das Angucken bekomme, überleg ich mir das noch mal.

Und lehn es ab. Fuck you! Was ich sehr lustig fände – wenn Jeff Bezos, ja quasi Arbeitgeber von Jamal Khashoggi bei der Washington Post, selbst auch Opfer von saudischen Überwachungs-Maßnahmen, mal ein Jamal-Khashoggi-Gedenk-Golfturnier veranstalten würde. Höchstdotiert. Und dafür die “Golf-Elite”, auch die jetzigen Saudi-Mitmacher einladen würde. Das wär ein netter Gag. Leider ein sehr kostspieliger. Aber eigentlich wissen wir auch jetzt schon, wer ein Arschloch ist. Und wer nicht. 🙂

 

P.S. – Ich bin natürlich nicht so naiv, dass ich die PGA für eine Charity-Organisation halten wüde. Natürlich ist auch dort das Sponsoring und die gesamte Struktur diskussionswürdig. Aber dazwischen und “Leute-im-Staatsauftrag-abschlachten” besteht halt noch mal ein kleiner Unterschied.

 

Verarsche oder Kleingedrucktes-Missverständnis? Du bekommst KEINE Gratisaktie von Trade Republic

Was ist eine Gratisaktie? Eine Gratisaktie ist erstens gratis und zweitens eine Aktie. Eine ganze Aktie. Sollte man meinen. Wenn man so einigermaßen normal tickt und zum Beispiel irgendwie bei den Werbeaussagen des hippen Neo-Brokers Trade Republic im Netz landet.

Ich hab da mal Anfang des Jahres ein Depot eröffnen wollen, weil ich gerade wegen der plötzlichen Kostenbelastung meines bisherigen EFT-Sparplans auf den MSCI-World-Index bei meinem bisherigen Online-Broking-Anbieter etwas angepisst war. Das war im Grunde ein Missverständnis, denn es gab dort auch weiterhin kostenfreie Sparplan-Alternativen auf den MSCI World. Aber ich dachte mir damals – warum nicht mal die hippe Trade Republic ausprobieren? (Auch wenn das dortige Null-Transaktions-Kostenmodell gewiss irgendwie gegenfinanziert wird, vermutlich über die Ausführungskurse – aber das muss mal jemand anders verifizieren…)

Aktueller Screenshot der Trade Republic-Website – bei meiner Kontoeröffnung im Januar war explizit von “einer Nike-Aktie” die Rede.

Auf jeden Fall war da bei meiner Kontoeröffung aufgrund der Werbeaussagen auf der Website klar – ich bekomme eine Gratisaktie. Nämlich eine Nike-Aktie. Die ist nach Erfüllung der Bedingung – 100 Ocken auf das Trade Republic-Konto einzahlen – auch gutgeschrieben worden. Könnte man meinen.

Hab ich jedenfalls gemeint, nach dem Werbeversprechen und der Bestätigung “Nike-Aktie gutgeschrieben.” Ich hab die im Januar zum Kaufkurs in mein Börsen-Programm eingebucht. Letztens kam dann eine Dividenden-Mitteilung von Trade Republic für die Nike-Aktie, die war ziemlich mickrig. Und erst da ist mir aufgefallen – ich hab ja nach der Kontoeröffnung und der 100-Euro-Einlage gar keine ganze Nike-Aktie bekommen, sondern nur einen lumpigen Aktien-Bruchteil von 0,143. Das steht allerdings nicht in der jubelnden Ankündigung “Erhalte Deine Gratisaktie.” Oder: “Bald ist es soweit. Deine Gratis Nike-Aktie ist auf dem Weg.” Oder der Pseudo-Bestätigung: “Gratis-Aktie gutgeschrieben.”

Als ich die Dividende für die Nike-Aktie gesehen hab, hab ich überhaupt erst mal registriert, dass mir gar keine ganze Aktie eingebucht worden ist, sondern nur ein lächerlicher Bruchteil. Ich hab dann reklamiert, weil ich das für einen Irrtum gehalten hatte – aber hab vom Kundensupport den Hinweis auf das Kleingedruckte erhalten, das ich angeblich hätte lesen können und sollen.

Also: April, April. Die Gratisaktie kann auch ganz nach Belieben und zufällig ein Aktien-Bruchteil sein. Ich nehm mal zugunsten von Trade Republic an, dass diese Klausel auch bei meiner Kontoeröffung online war – das werde ich noch nachprüfen. Auf jeden Fall ist die Klausel total überraschend, nein: im Zusammenhang mit der werblichen und kommunikativen Umsetzung bzw. vielmehr aktiven Verschleierung einfach grob irreführend und unlauter. Der Effekt wird auch ganz klar, wenn man mal ein bisschen googelt – auch zig andere Trade Republic-Neukunden fühlen sich verarscht. Eine Gratisaktie ist eine Gratisaktie, kein Gratisaktien-Bruchteil.

Um das mal ganz klar zu machen: Selbstverständlich hat jedes Unternehmen – auch Trade Republic – das Recht, etwaige Promotion-Aktionen ganz nach eigenem Gutdünken zu gestalten. Wenn es so sein sollte, dass Trade Republic die Wertpapier-Transaktionsgebühren runterfährt und eventuell die eigenen Margen auch – dann wäre es ja total ok, wenn die Prämie für Neukunden unterhalb der Prämie für Neukunden bei anderen Online-Brokern liegt. Liebe Leute bei Trade Republic – ihr könnt gerne eure Neukunden-Prämie auf 20 Euro setzen. Oder auf zehn. Oder auf Null. Ich überleg mir das dann aufgrund der weiteren Konditionen, ob ich bei euch Kunde werden will.

Einem “geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul” – auch nicht einer Werbeaktion. Aber bitte verarscht mich und die anderen KundInnen doch nicht. Schwafelt doch nicht von “Gratis-Aktien” rum, wenn ihr nur mickrige Aktien-Bruchstücke rausrücken wollt. Das ist ja an sich euer gutes Recht, nur Peanuts rauszurücken – wenn ihr das denn auch transparent macht. Auch wenn ihr gar nichts für die Kontoeröffnung ausgelobt hättet, hätte ich das Konto vielleicht trotzdem eröffnet. Wenn ihr aber mit (Nike-) Gratis-Aktien werbt, erwarte ich da auch was. Jetzt bin ich angepisst über eure miese Täuschungsaktion.

Ich werde das mal an die Verbraucherschutz- und Wettbewerbsorganisationen weitergeben – eure “Gratisaktien”-Promotion ist ganz klar irreführend und aus meiner Sicht ein Verstoß gegen werberechtliche und wettbewerbsrechtliche Standards. Und was die frischgebackene Kundenbeziehung angeht – ich hab spontan den Impuls gehabt, das Konto und Depot direkt wieder zu stornieren. Liebe Leute – wie kann man nur so einen kontraproduktiven Scheiß verzapfen?

Corona-Wahnsinn, Folge #578

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 1127,7!!! Und liegt damit erstmals über 1100!!! Oh, ach ja, Entschuldigung. Das unverdrossene tägliche, völlig sinnfreie Posten und Vermelden von irgendwelchen Zahlen, die aufgrund irgendeiner völlig fraglichen, sich ständig verändernden oder auch einfach nur falschen Datenbasis entstanden sind – das ist ja nicht meine Aufgabe. Sondern die der geschätzten öffentlich-rechtlichen KollegInnen. Die auch offenbar den totalen Durchblick haben und mal eben kaltlächelnd aus der Hüfte eine jetzt aber mal wirklich alles bilanzierende und richtigstellende Bilanz losjagen wie die hier: “Sechs Lehren aus zwei Jahren Pandemie“.

Das ist wirklich großartig. Sechs Lehren reichen schon. (Wobei bei den Lehren Nummer 2-6 offene Türen eingerannt werden…) Andere Leute hätten vielleicht sieben, acht oder noch mehr Lehren gezogen, vielleicht noch mal nach der Verhältnismäßigkeit der Corona-Maßnahmen in Relation zu ihren Benefits gefragt oder das analysiert. Vielleicht das postulierte, aber möglicherweise völlig fiktionale Narrativ der angeblich mal irgendwann vorhanden gewesenen gesellschaftlichen Solidarität etwas in Frage gestellt. Aber was zum Beispiel (Lehre eins) eine etwaige Spaltung der Gesellschaft angeht – wenn da eine einzige Politologin behauptet, es gäbe momentan keine “wissenschaftliche Belege für eine echte Teilung”, dann ist das natürlich der Beweis und ausreichend für eine “Analyse.”

Ich mag da gar nicht drüber spekulieren, wie so eine das eigene bzw. das Regierungs-Narrativ bestätigende “Analyse” bei den Kritikern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks oder bei “Corona-Leugnern” oder Anhängern des “Diktatur-” und “Zensur-” und “Verschwörungs-Narrativs” ankommt. Oder einfach bei Leuten (wir mir selbst zum Beispiel…), die die ganze Situation völlig anders wahrnehmen als der Medien- und Politik-Mainstream. Der angebliche Mainstream übrigens, weil die Wahrnehmung vielleicht doch so allmählich kippt…

Wie dem auch alles sei. Ich kann ja hier nur so kleine, subjektive Erfahrungen zum Besten geben. Ich hab am letzten Montag wieder mal wieder einen Corona-Test machen müssen. Weil da hatte ich nämlich mein Opern-Ensemble in Düsseldorf. Wir stoßen da ganz super-gefährliche Aerosole aus, und danach gehen wir auch noch in einem Restaurant essen. Völlig irre, völlig gefährlich. Tief empfundenes “Sorry” an alle “Kunst & Kultur ist verzichtbar”- Apologeten/Idioten. Einziges Corona-Expositions-Risiko bei mir war übrigens ein Dienst im DLF am vorangegangenen Freitag, bei dem ja auch alle weiteren Akteure geimpft und negativ getestet sind und wir unsere bescheuerten Masken aufhaben – ansonsten hatte ich als einsamer Single die ganze Woche wie immer überhaupt keine Kontakte.

Ich komm also am Montag zu meinem Corona-Testzentrum in Marienburg, leg meine ausgefüllte Datenschutz-Einverständnis-Erklärung vor und mein Smartphone mit der CWA und dem Test-Barcode. Die Dame scannt den Barcode – geht nicht. Noch mal – geht nicht. Ich leg das anders hin – geht nicht. Die Dame sagt: “Vielleicht stimmt da was mit Ihrer App nicht.” Ich raste aus. Das geht leider bei mir nach zwei Jahren Corona-Wahnsinn sehr schnell. Sorry. Aber ich bin doch auch nur ein sooo empfindsamer, sensibler Mensch!! Ich äffe die Dame nach: “Ach ja?? Was stiimmmt denn daa nicht mit meiner App??? Das ist die offizielle CWA, gerade aktualisiert?”

Wir haben uns dann alle einigermaßen schnell wieder eingekriegt. Das war offenbar schon bei vielen anderen Probanden an dem Vormittag passiert, dass der Barcode nicht eingelesen werden konnte. Und offenbar lag das natürlich nicht an meiner (oder der andern Delinquenten…) CWA, sondern an dem Lesegerät bzw. an dessen Anbindung bzw. an einer Überlastung der CWA-Infrastruktur. Die Dame also wieder: Es funktioniert nicht – macht es Ihnen was aus, das Ergebnis als Ausdruck später abzuholen? Ich: Das macht mir definitiv was aus, weil ich ja wegfahren wollte und das natürlich noch mal einen Zusatz-Aufwand bedeutet.

Aber es ging ja nicht anders. Ich füll also noch mal per Hand ein neues Datenschutz-Einverständnis-Formular aus – weil das Datenschutz-Einverständnis-Formular für den Test mit CWA-App selbstverständlich ein anderes ist als das Datenschutz-Einverständnis-Formular für einen Test ohne App – bekomm den Lolli in die Nase – (das muss man sich auch noch mal klar machen – das ist mittlerweile die häufigste Aktion/Geste in der Geschichte der Menschheit…) – und auf dem Weg zum Ensemble fahr ich da an der Apotheke noch mal vorbei und hol mein Testergebnis.

“Hallo – das Testergebnis für Michael Gessat, bitte.” Die Dame guckt nach und gibt mir ein Blatt Papier. Ich falte das zusammen und steck das in mein Portemonnaie und fahr nach Düsseldorf zu meinem Opern-Ensemble. Abends gehn wir in unser Stammlokal – welches das ist, verrat ich jetzt mal hier aus Datenschutzgründen nicht 🙂 – und da werden unsere Corona-Nachweise eh nicht mehr geprüft, weil die uns kennen und einmal unsere Impfnachweise gesehen haben und auch wissen, dass wir den übrigen zusätzlichen Bullshit einhalten. Ich geh da also einfach durch.

Am nächsten Morgen geh ich mit meiner besten Freundin in eine Bäckerei/ein Cafe zum Frühstücken. Wir wollen uns da drinnen hinsetzen – also 2G+-Vorschrift. Wir zeigen die Handies mit der CWA vor; ich geb der Dame da zusätzlich mein Papier mit dem Test vom Vortag – ist ja noch gültig, gottlob. Die guckt da drauf – alles paletti. Wir frühstücken da und setzen völlig fahrlässigerweise die Masken ab, während wir den Kaffee und die Brötchen verzehren. Sorry dafür!!!

Gestern hab ich hier das zusammengefaltete Test-Papier auf dem Schreibtisch liegen. Definitiv abgelaufen. Ich falte das irgendwie noch mal auf. Uups. Das ist gar nicht mein Testergebnis.

Namen aus datenschutzrechtlichen Gründen verpixelt.

Das ist offenbar das Testergebnis von einem anderen Mann, der auch Michael heißt. Da haben die Damen vom Testzentrum Marienburg bzw. der Apotheke offenbar einen sehr peinlichen Fehler gemacht – der ja auch potentiell datenschutzrechtliche Relevanz hat. Aber was ja noch viel schöner ist: Beim Geburtsdatum des Getesteten (in der Einverständniserklärung steht übrigens nach wie vor “Patient”, obwohl man natürlich als Zwangs-Test-Absolvent kein Patient ist – interessiert die Apotheken-Betreiberin aber trotz entsprechender Information nicht…) steht allen Ernstes “21.7.1857”. Das ist cool. Dass man statt 2022 immer noch 2021 schreibt – geschenkt, schließlich ist das neue Jahr immer noch genauso Scheiße wie das vorherige und da kommt halt der Murmeltier-Effekt ins Spiel.

Aber 1857? Cool, echt cool. Hat aber überhaupt nix ausgemacht. Die Dame in der Bäckerei hat sich das angeguckt und durchgewinkt. Perso-Kontrolle? Nö. (Da wäre es jetzt echt etwas schwierig geworden, wo ja gar nix stimmte… 🙂 ) Fazit: Aushilfspersonal in Bäckereien als Sachwalterinnen der öffentlichen Gesundheitsfürsorge zu rekrutieren, ist etwas zweifelhaft. Das lustige ist auch – ich bin nach diesem nach meiner Wahrnehmung ja offenkundig negativen Test in allerbester Überzeugung zum Ensemble nach Düsseldorf gefahren – obwohl ich ja mit einem theoretischen Risiko hätte positiv sein können 🙂

Fazit zwei: Können wir diesen kompletten Irrsinn, die komplette Karikatur einer Demokratie mit Grundrechten und der Würdigung von Verhältnismäßigkeiten, können wir dieses unsubstantiierte Panik-Narrativ mit der offenkundig vollständigen Überforderung und Ermüdung aller Beteiligten mal endlich in die Tonne kloppen? Obwohl – die BedenkenträgerInnen sind ja immer noch in der Mehrheit. Ganz gewiß zumindest auf Twitter, und vermutlich auch in meinem beruflichen Umfeld. Aber wir reden ja immer so schön über Filterblasen – das gilt auch hier. 🙂

Ich hab ja schon erwähnt, meine Nerven liegen mittlerweile sehr blank. Wenn ich jetzt zum Beispiel die völlig sinnfreie und idiotische Aufforderung lese oder höre: “Pass auf Dich auf!” Oder: “Bitte bleib gesund!” Dann kann ich nur die Erwiderung eines Golfkumpels zitieren: “Du mich auch!” 🙂

 

Über die Impf-Bedenken von Joshua Kimmich, missverstandene Langzeitfolgen und die ganz sicheren Faktenchecker und Experten

Fußball-Nationalspieler Joshua Kimmich hat sich bislang nicht impfen lassen, er hat “persönlich noch ein paar Bedenken, gerade, was fehlende Langzeitstudien angeht”. Er ist kein ideologischer Impfgegner und kein apodiktischer “Corona-Leugner” :), sondern hat einfach das getan, was jeder vernünftige Mensch machen sollte und machen dürfen sollte: Selbst, für sich ganz persönlich das Kosten-Nutzen-Risikoprofil eines Eingriffs in die körperliche Unversehrtheit abwägen und einschätzen.

Dazu muss man erst einmal feststellen – Herr Kimmich ist jung und extrem fit. Er hat also ein statistisch nachweislich extrem geringes Risiko, dass ihn persönlich eine Corona-Infektion signifikant in Gefahr bringen könnte. Es gibt da als breit diskutierten Risikofaktor die “Long-Covid-Theorie” – und ich nenne das mal ganz bewusst “Theorie”, weil hier wirklich noch keine wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisse vorliegen, ob hier tatsächlich ein neues, genuin vom “neuartigen” Coronavirus verursachtes Krankheitsbild vorliegt.

Oder ob die geschilderten Symptome – die ja aufgrund ihrer unspezifischer Einzelbestandteile das ganze Spektrum von Psychosomatik über auch bislang schon bekannte mittelfristige Reaktionen auf Viruserkrankungen bis hin zur einer möglichen Aktivierung des endemischen Epstein-Barr-Virus reichen – tatsächlich signifikant über den – bislang eben nie quantifizierten Mittel- oder Langzeitfolgen von anderen Viruserkrankungen – Grippe z.B. liegen, das alles ist meines Wissens bislang nicht erforscht.

Das “Long-Covid-Risiko” kann man also in seine persönliche Risikobewertung mit einbeziehen – aber das als dramatischen Faktor zu bewerten, werden eher ängstliche Naturen tun – die anderen werden sich sagen “Sars-Cov-2 ist halt eine neue Variante im Spektrum von Coronaviren – die Wahrscheinlichkeit, dass hier eine ganz aus der Reihe fallende Langzeitfolgen 🙂 – Gefährlichkeit vorliegt, ist relativ gering. (Aber natürlich möglich… 🙂 )

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Neben der Risikobewertung für sich persönlich kommen natürlich noch zig weitere Faktoren dazu. z.B. die Risikobewertung für die Personen, mit denen man Kontakt hat. Wenn man selbst jung und fit ist, aber mit alten oder vorerkrankten Menschen zu tun hat – mit Eltern, Freunden oder natürlich auch mit Patienten oder Pflegebedürftigen – da ist ja völlig selbstverständlich, dass man deren sehr viel höheres Risiko mit einbeziehen muss in seine eigene Kalkulation.

Darüber hinaus gibt es möglicherweise noch eine gesellschaftliche Dimension – dass ich also in meine Risikobewertung nicht nur die Personen einbeziehe, die ich kenne und mit denen ich de facto regelmäßig Kontakt habe, sondern auch mir unbekannte Zufallsbegegnungen, die ich gar nicht registriere – das wäre also das gesellschaftliche Solidaritätsprinzip. Dass ich mich impfen lasse, obwohl ich das in einer rein individuellen Betrachtung nicht für notwendig halten würde. Und dann kommen auch noch Erwägungen wie eine eventuell exponierte eigene Rolle in der Gesellschaft hinzu – als Fußball-Nationalspieler etwa.

Und natürlich auch noch politische und gesellschaftliche Druck-Faktoren – das Leben als Nicht-Geimpfte(r) ist ja mittlerweile kaum noch durchhaltbar. Psychisch und finanziell. Ok – da hilft vielleicht das Dasein als Fußballprofi – ein normaler Mensch kann sich tägliche kostenpflichtige Tests ja schon gar nicht mehr leisten.

Kommen wir doch aber mal zu den “paar Bedenken” von Joshua Kimmich und ein paar hunderttausenden oder Millionen anderer Bürgerinnen und Bürger. Er sorgt sich um “fehlende Langzeitstudien” und also um eventuelle “Langzeitfolgen”. Und erfährt nun aus den Reaktionen von Experten und Medien-Faktencheckern, dass diese Bedenken ein “Missverständnis” sind. Zu einem großen Teil stimmt das sicherlich auch. Es stimmt – aufgrund der quasi weltweiten massiven Anwendungen der neuen Impfstoffe sind die seltenen Nebenwirkungen “wie Sinusvenenthrombosen und Myokarditis” bereits sehr schnell identifiziert. Insofern ist also die Studienlage tatsächlich besser als bei irgendwelchen Impfstoff-Neueinführungen in der Vergangenheit.

Tagesschau.de zitiert den Vorsitzenden der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens: “Dass es bei der Anwendung eines Impfstoffes über knapp ein Jahr keine Zehnjahres-Beobachtungsstudien geben kann, ist klar.” Das gelte aber nicht nur für jeden anderen Impfstoff auch, der neu angewendet werde, sondern auch für jedes neue Medikament. Stimmt – nur ein neues Medikament oder auch ein neuer Impfstoff wird – bislang jedenfalls nicht – quasi auf die gesamte Bevölkerung angewendet – egal, ob deren persönliches Risiko in Bezug auf die durch die Anwendung (hoffentlich…) verhinderten Konsequenzen im äußerst niedrigprozentigem Bereich liegt.

Kommen wir doch mal zu den “Bedenken” von Herrn Kimmich und hunderttausenden oder Millionen anderer Bürgerinnen und Bürger: “Generell sei es bei Impfstoffen so, ‘dass die meisten Nebenwirkungen innerhalb weniger Stunden oder Tage auftreten, in seltenen Fällen auch mal nach Wochen’. Nebenwirkungen, die erst nach Jahren auftreten, seien ‘bei Impfstoffen nicht bekannt’, sagt Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts.” Sehr schön.

mRNA-Impfstoffe waren allerdings bislang auch nicht bekannt. Das Ganze ist ein völlig neues Wirkprinzip. Und zwar ein geniales, wie ich persönlich finde. Ich persönlich sehe in dem Konzept der mRNA-Impfstoffe praktisch kein Risiko, sondern ein gewaltiges Potential auch in der Bekämpfung anderer Krankheiten bis hin zu Krebs – wer sich einmal von der “Genialität” des Konzeptes überzeugen will, sollte den m.E. wirklich sehr gut erkärten Artikel zum Funktionsprinzip des Impfstoffes bei heise.de lesen. Das ist alles wirklich sehr durchdacht.

Aber heißt das, das es wirklich “kein Risiko” gibt? Natürlich nicht. Wir hatten im DLF 2020 einen Beitrag bzw.  Interview zur Funktionsweise von mRNA-Impfstoffen und mussten da schon präzisieren, dass ein “Übergang von Viren-mRNA in menschliche DNA nach bisherigem Erkenntnisstand praktisch ausgeschlossen” ist. Es existiert aber grundsätzlich ein Mechanismus, nach dem das theoretisch möglich wäre. Auch bei der Frage nach einer möglichen kanzerogenen Wirkung des Impfstoffes war der Experte damals “neutral”.

Und damit kommen wir jetzt mal zu der Einordnung der von Joshua Kimmich befürchteten Risiken und deren Bewertung durch Experten und “Faktenchecker”: Wenn es irgendeinen Übergangsmechanismus von mRNA in DNA geben sollte (und bei Vektorimpfstoffen auf der Basis von Adenoviren wie Astra-Zeneca ist die Frage nach möglichen unerwünschten Effekten im Zellkern ja noch einmal dringlicher…) – dann wäre natürlich absolut nicht gesagt, dass da etwaige “Nebenwirkungen innerhalb weniger Stunden oder Tage auftreten”. Im allerschlimmsten Fall würden sich Veränderungen im Erbgut ergeben, die sich dann eben erst beim Nachwuchs zeigen würden. Oder z.B. in einer geringen Fruchtbarkeit, die sich ja auch erst nach ein paar Jahren signifikant zeigen würde. (Und genau das sind ja offenbar Befürchtungen bei einem gewissen Teil der Bevölkerung…)

Auch kanzerogene Wirkungen eines neuen Impfstoffes – sei es durch den Impfstoff oder das neuartige Impfstoff-Prinzip selber, sei es durch die Zubereitung oder eventuelle Verunreinigungen – würden sich u.U. erst nach zig Jahren zeigen. Von daher: diese Erwiderung oder dieses Narrativ – wenn sich da jetzt nicht sofort etwas als Nebenwirkung zeigt, dann gibt es das auch nicht; hat es nie gegeben, wird es nie geben – die stimmt schon mal rein methodisch so nicht. Mal als Disclaimer: Ich selbst halte auch eine solche theoretisch mögliche Nebenwirkung und dann eben auch Langzeitfolgen zumindest bei mRNA-Impfstoffen für absolut unwahrscheinlich – da spricht vom Code-Wirkprinzip praktisch nichts für.

Es spricht allerdings auch praktisch nichts dafür, dass Joshua Kimmich persönlich irgendwelche signifikanten Probleme aufgrund einer eventuellen Corona-Infektion bekommen würde. Insofern halte ich also seine Bedenken und sein Zögern für legitim – und innerhalb der von mir ja schon mal öfter erwähnten Schwelle des legitimen persönlichen Risiko-Eingehens liegend. Erstmal nicht impfen lassen, keinen Sport treiben, rauchen, trinken, kitesurfen, Junkfood essen – das sind individuelle eingegangene Risiken, die die Gesamtgesellschaft in einer gesellschaftlichen Solidarität zu tragen bereit sein müsste.

Wenn das nicht mehr Konsens ist – dann haben wir eine (auch noch ulkigerweise selbst generierte…) Diktatur. Die natürlich auch den noch jetzt so selbstgewiss “auf der richtigen Seite” stehenden um die Ohren fliegen wird.

Österreich auf dem Weg in die Corona-Diktatur?

“Die österreichische Regierung hat neue Verschärfungen der Corona-Maßnahmen für Ungeimpfte beschlossen”, meldet Tagesschau.de 

In dem Artikel wird der neue österreichische Bundeskanzler Alexander Schallenberg (nachdem ja der ebenso junge wie hoffnungsvolle Herr Sebastian Kurz aus diversen Gründen abtreten musste…) zitiert mit den Worten: “Wir sind drauf und dran, in eine Pandemie der ungeschützten Ungeimpften hineinzustolpern”. Und: “Bei einer dramatischen Verschlechterung der Lage auf den Intensivstationen müssten ungeschützte Menschen mit Ausgangsbeschränkungen rechnen.” “Sie dürften dann ihre Wohnungen nur noch in Ausnahmefällen verlassen.”

Ich gehe mal davon aus, dass die geschätzten Kolleginnen und Kollegen der Tagesschau das hier richtig zitieren – und in der Tat scheint das nach einem ersten Googeln der Fall zu sein: Dann ist ja sehr apart, dass der österreichische Bundeskanzler hier von “ungeschützten”, und nicht von “ungeimpften” Bürgerinnen und Bürgern spricht. Das macht selbstredend einen gewaltigen Unterschied. Nämlich den, ob die angesprochenen nicht-geimpften und “nicht-geschützten” Bürgerinnen oder Bürger in der “Phase fünf” des Corona-Armageddon-Plans als Gefährder oder als Gefährdete fungieren sollen.

Und den, ob die “nicht-geimpften” (trotz nicht vorhandener Impf-Pflicht…) ab dem Szenario 5 in häusliche Haft müssen (als Gefährder…) oder in häusliche Schutzhaft (als unbelehrbare Gefährdete…) 🙂 Man kann hier noch kurz anmerken, dass die Kriterien des Szenarios (wie alle Kriterien in dieser gottverdammten “Pandemie”…) völlig willkürlich sind. Wieso sind “600 belegte Betten” das Kriterium? Ist die alternativlose Notwendigkeit der Intensiv-Behandlung immer belegt, oder spielen da etwa finanzielle Erwägungen der Krankenhäuser eine Rolle? Wieso gibt es nur 600 plus x Betten, hat das etwa schnöde finanzielle Erwägungen innerhalb des Gesundheitssystems als Ursache??

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Jetzt mal zu den beiden möglichen Szenarien. Erste Variante – dann sollte das der Herr Bundeskanzler doch auch klar sagen: Die Ungeimpften sind die Gefährder. Da müsste man jetzt allerdings noch mal gucken, wieso. Die Vulnerablen haben ja alle ihr Impfangebot erhalten und hoffentlich auch angenommen – die sind also jetzt signifikant weniger vulnerabel. Die können sich, wenn sie wollen, auch ihren dritten “Booster”-Shot abholen und sind dann noch weniger vulnerabel. Die gehen wahrscheinlich oder vernünftigerweise auch nicht in Diskos oder so, und wenn ja, sind sie halt selber Schuld.

Zweite Variante – die Ungeimpften, die “Ungeschützten” sind die Gefährdeten. Sind die, die als Patienten in den Intensivstationen auftauchen. Erste Frage – ist das überhaupt signifikant so? Zweite Frage – ok, aber dann ist das doch deren Problem? Da kommt ja sofort das Narrativ ins Spiel – ungeimpfte Intensiv-Patienten “nehmen anderen Leuten die Intensivbetten weg.” Mag ja stimmen. Ich hätte überhaupt nix dagegen, wenn man ab einer bestimmten Überlastung des Gesundheitssystems und der Intensivbettenzahl dann selektieren würde: Nicht Geimpfte nicht mehr aufnehmen. Und gegebenfalls verrecken lassen.  Selbst Schuld, gell?

Das gleiche Prinzip müsste dann aber auch für alle anderen Sozial-Schädlinge gelten. Übergewichtige mit Herz-Kreislauf-Problemen? Ab einer gewissen Intensivbetten-Belegung – abweisen und verrecken lassen. Unsportliche mit null Bewegung, aber Nikotin und Alkohol? Abweisen und verrecken lassen. Porsche-Fahrer, Drachenflieger und Kletterer – abweisen und verrecken lassen. Alles natürlich bewertet und gewichtet aufgrund eines Risiko-Kosten-Nutzen-bewertenden Algorithmus.

Es gibt offenbar – und das ist sensationell beängstigend und abartig – eine gesellschaftliche Mehrheit, die eine solche Abschaffung des gesellschaftlichen Solidarprinzips gutheißt. “Ich bin geimpft – warum soll ich mich für die nicht geimpften einschränken”? “Ich bin schlank – wieso soll ich mich für die Fettsäcke einschränken?” “Ich rauche nicht.” “Ich fahre kein Auto über 130 kmh.” “Ich esse kein Junkfood.” Das ist alles vermeintlich legitim – aber wenn man/frau allen Ernstes will, aus der Solidargemeinschaft auszuscheren, dann sollte man sich die Kalaschnikoff besorgen.

Wieso sollten Minderprivilegierte die bestehenden sozialen Unterschiede weiterhin akzeptieren? Wenn alle demokratischen Grundrechte wegen eines Pussy-Virus 😉 suspendiert sind und offenbar gegen alle Ankündigungen und Versprechungen auch bleiben – welche Begründung sollte es dann irgendwann noch geben, nicht einfach nach dem Recht des Stärkeren/nicht-Vulnerablen zu verfahren? Noch mal zur Erinnerung: Rechtsstaatliche Grundrechte sind keine Frage von (ängstlichen…) Mehrheiten. Das sind mit gutem Grund unverhandelbare Grundsätze. Zum Schutz der Minderheiten und der Schwachen.

Mal ein kleiner Disclaimer – ich bin mittlerweile zweimal geimpft: Ich würde aus wissenschaftsjournalistischer Perspektive davon ausgehen, dass die Benefits einer Impfung zumindest für ältere Menschen wie mich selbst die theoretisch vorhandenen Risiken bei weitem überwiegen. Bei sehr viel jüngeren Menschen sieht diese Abwägung aber möglicherweise schon ganz anders aus. Ich kann es nach wie vor nicht fassen, dass die “Politik” und die “Mehrheitsgesellschaft” in ihrer wohlfeilen überalterten Bräsigkeit, mit ihren sicheren Jobs, ihrer Verachtung von Kultur und Gastronomie und allen anderen “nicht-systemrelevanten” und daher brutal geschrotteten Segmenten diese “Kollateralschäden” und völlig anderen Sichtweisen nicht sieht.

Um noch mal auf Österreich zurückzukommen – hoffentlich gibt es da noch ein funktionierendes Verfassungsgericht.

Über Corona-“Normalität”, Masken-Wahnsinn und gesunden Menschenverstand

Ich habe gerade zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie wieder an einem Massen-Event teilgenommen. Ein Golf-Turnier mit ca. 150 TeilnehmerInnen – das 16. “Rainbow-Open”  – vermutlich war ich da die einzige teilnehmende “Hete” 🙂 … Es war sehr nett. Die Corona-Rahmenbedingungen entsprachen der 3G-Regel: Für die Teilnahme an den Abendveranstaltungen  – das war dann eine “geschlossene Gesellschaft”, für die es auch keine Maskenpflicht mehr gab – musste man/frau entweder vollständig geimpft oder “genesen” 🙂 sein oder einen offiziellen Corona-Test beibringen.

So weit, so gut, so bekannt. Die Abschlussveranstaltung am Samstag ging allerdings ab 21.30 in eine “Tanzveranstaltung” über – und dafür war dann ein “normaler” Corona-Test nicht mehr ausreichend – da war ein PCR-Test erforderlich. Rein wissenschaftlich ist das natürlich totaler Bullshit – die angebliche “Mehr-Genauigkeit” gegenüber dem Antikörper-Test ist winzig oder fiktiv. Es ist ziemlich klar, dass die Anforderung für einen PCR-Test bei vermeintlich “gefährlicheren” Events nur einen politischen Zweck hatte: Mehr Druck ausüben auf “Impfunwillige”, einen faktischen Impfzwang schaffen für die, die wieder am normalen gesellschaftlichen Leben teilnehmen möchten.

Um mal ganz kurz zu belegen, dass die ganze Sache Bullshit ist: Auch bei 2G-Events gab es ja massive “Impfdurchbrüche” und Superspreader-Effekte. Die vermeintlich “sicheren” geimpften oder genesenen Zeitgenossen sind also in Bezug auf Infektionen überhaupt nicht “sicher”. (selbstverständlich “sicherer” in Bezug auf die Folgen einer etwaigen Infektion…) Aber ok – die PCR-Test-Erfordernis war zunächst auch für mich (bin erst einmal geimpft…) mal wie politisch gewünscht maximal druckausübend: Ich hätte da von Heiligenhaus am Freitag morgen vor dem Turnier zu einem Test um 7.30 Uhr zum Düsseldorfer Flughafen fahren müssen; Kosten 59,-. Das war die billigste Variante mit Übermittlung des Testergebnisses innerhalb von 24 Stunden. Die Variante mit einer Übermittlung innerhalb von 1,5 Stunden hätte 149,- gekostet.

Am Abend des 30.9. kam dann die frohe Botschaft rein: Die NRW-Landesregierung hat die Corona-Vorschriften gelockert. Für die Teilnahme an einer “Tanzveranstaltung” (an der ich übrigens eh nicht teilnehmen wollte…) war nun plötzlich kein PCR-Test für die nicht oder noch nicht vollständig geimpften mehr erforderlich, sondern nur noch ein “offizieller” Test “nicht älter als 6 Stunden vor Beginn der Veranstaltung”. Sehr schön. Ich brauchte also nicht vor dem Turnier am frühen Morgen noch nach Düsseldorf zum Flughafen-Testzentrum reinfahren (PCR-Tests gibt es eben leider nicht überall…) und die vorab gezahlte Kohle bekomme ich hoffentlich auch wieder erstattet.

Stattdessen habe ich mir dann am Samstag nachmittag einen neuen “Bürgertest” in Heiligenhaus besorgt – ulkigerweise wurde der beim Einlass abends gar nicht mehr überprüft… Aber jetzt mal zu den Events: Wir sitzen da zu 150 Leuten in dem Lokal – ohne Maske. Essen, Trinken, Gröhlen. (Und die Tanzwilligen tanzen hinterher.) Stundenlang mit sicherlich guter Aerosol-Durchmischung. Und nur das Servicepersonal, das da durch die fröhliche Menge durchläuft, trägt eine bescheuerte Maske.

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Im Hotel am ersten Abend: Das sind 50, 60, 70 Leute an der Bar und im Raum – fröhliches Saufen und Kommunizieren – eine solche Enge hab ich seit Corona-Beginn nicht mehr erlebt. Alle ohne Maske. Bis auf das Personal hinter der Theke. Die haben das Fetzchen schon den ganzen Tag auf. Ein paar eine lockere OP-Maske, ein paar ein FFP-2-Modell. (Das ja bekanntlich auch nie dicht ist.) Völlig irre!!! Die Maskenpflicht für das Personal beruht ja auf der Fiktion, dass ein von Tisch zu Tisch gehender Kellner theoretisch eher spreaden könnte als ein Gast, der zu seinem Tisch mit Maske hingelatscht ist.

Passt allerdings bei einer Bar-Situation nicht mehr. Wenn im Gastraum und am Tresen 60, 70  Leute sind, die auch vorher schon ohne Maske als “geschlossene Gesellschaft” ihre etwaigen Viren ausgetauscht haben – und dann noch 3, 4 Service-Leute, die hinter der Bar stehen: Dann ist die Vorschrift offenbar totaler Bullshit. Zumal bei der Masken-Tragweise des Personals offensichtlich eh jede Menge Luft ist 🙂 … – kein Wunder, die wollen ja nicht ersticken. Pilzinfektionen im Mund-Nasenbereich haben sie eh schon teilweise, wie sie berichten.

Am Morgen im Frühstückssaal: Die sicherlich bereits viren-ausgetauschten Teilnehmer sind da wiederum unter sich, andere Hotelgäste frühstücken offenbar woanders. Das Maskentragen auf dem Weg zum Buffet ist also: reiner Bullshit. Ein Aluhut oder Nudelsieb auf dem Kopf oder ein Mutter-Gottes-Geweih wäre genauso wirksam oder unwirksam. Und vielleicht noch kleidsamer.

Ich komme am Samstag spät abends nach dem maskenlosen Abschlussevent im Hotel an und werde von der Bar-Bedienung aufgefordert, für die fünf Meter von der Tür bis zum Barhocker die Maske aufzusetzen. Die ich dann am Barhocker wieder absetzen darf – im Gegensatz zu der Bedienung. Im Raum sind offenbar auch nur Teilnehmer am Event; zudem dauert der Gang von der Tür zum Hocker nur 10 Sekunden, innerhalb derer ich sehr wenig Aerosole ausstoße. Danach bin ich ja weiterhin im gleichen Raum. Fazit: Das Ganze ist Super-Bullshit und Super-Scheiße.

Nur völlig gehirnamputierte Schafe können allen Ernstes diese totale Entwürdigung und schematische Regel-Befolgung gutheißen oder befolgen, diese totale Unterwerfung an ein Panik-Narrativ und eine Ausblendung jeglichen Menschenverstandes und jeglicher Erinnerung an Grundrechte und Verhältnismäßigkeiten. Zur Demokratie und zu einem Dasein nicht als Untertan oder unmündiges Kleinkind, sondern als Bürger gehört auch die Infragestellung von “Befehlen” oder staatlichen Vorgaben, wenn es an diesen begründete Zweifel gibt.

Wer nachts um zwei an einer menschenleeren Kreuzung als Fußgänger auf “Grün” wartet, ist für mich (und vermutlich auch für die meisten Leute außerhalb Deutschlands 🙂 ) kein Musterbürger, sondern ein Idiot. Wer mutterseelenallein auf der Straße dahergehend oder -radelnd eine Maske trägt, ist für mich ein Idiot, der sich selbst schädigt. Die Anforderung, auf den 4 Metern vom Eingang einer Bar bis zum Barhocker die (eh nicht dicht schließende…) Maske aufzusetzen ist reine Idiotie, vollkommener Wahnsinn und reine Schikane. Bzw. eben eine Unterwerfungsgeste an den Wahnsinn und die Panik-Idiotie.

Ich mach das “natürlich” auch mit, um da nicht irgendwelche unschuldigen Beteiligten in Zwangssituationen zu bringen (die Bar-Bedienung z.B., die die Sache übrigens ziemlich ähnlich sah wie ich…)  Aber an sich ist das alles doch völlig irre. Als mündige Bürger sollten wir doch eigentlich immer Begründetes von Bullshit trennen können. Sollten; nein müssten wir uns Bullshit und abstrusen und unbegründeten Einschränkungen unserer Lebenswirklichkeit entgegenstellen und die entsprechenden Vorschriften nicht befolgen.

Aber meine Beobachtung ist: Die Mehrheit macht den Bullshit, macht die Befehle mit. Am liebsten natürlich dann, wenn nur die anderen (Schüler und Schülerinnen z.B….) Masken tragen oder unter Kollateralschäden leiden müssen.  🙁 Und leider empfinde ich das so: Obwohl das vielleicht eine etwas zu große Keule ist – diese Bereitschaft, vollkommenen Irrsinn bereitwillig und untertänig mitzumachen – nur um nicht anzuecken und im Mainstream mitzuschwimmen – das ist die gleiche Haltung, die schon mal so gewisse suboptimale Entwicklungen in der jüngeren deutschen Geschichte befördert hat 🙁

Schwierige Wahlentscheidung… Ein offener Brief an die FDP.

Liebe FDP, Lieber Christian Lindner –

Ich habe gestern euren Wahl-Flyer per Post erhalten.

Das total ulkige ist – ich hatte gerade ganz ernsthaft überlegt, zum ersten Mal in meiner Wähler-Biografie das Kreuz bei der FDP zu machen. Weil ich das bisher so wahrgenommen habe, dass die FDP die einzige ernstzunehmende demokratische Partei ist, die gegen die abartigen Grundrechtseinschränkungen im Zusammenhang mit der „Corona-Pandemie“ Einspruch erhoben hat. Weil nach meinem bisherigen Eindruck die FDP die einzige ernstzunehmende demokratische Partei ist, die darauf hinweist, dass möglicherweise die Kollateralschäden der Corona-Maßnahmen viel signifikanter sind als die durch die Corona-Maßnahmen beabsichtigten Benefits.

Das habe ich wie gesagt bislang so wahrgenommen – aber interessanterweise findet sich in Eurem Flyer nichts mehr davon. Ihr touchiert das Thema noch mal ganz unverfänglich im ersten Satz, aber dann kommt nix mehr dazu. Stattdessen schwafelt ihr von Themenbereichen, in denen – sorry – die anderen Parteien halt besser aufgestellt sind oder zumindest so tun oder zumindest diesen Claim traditionell besetzt haben – wobei wir uns ja eh wohl einig sind, dass die Themenbesetzung und die Claims zu einem großen Teil Bullshit sind 🙂

Thema „Sicherheit“ – das ist nun mal traditionell die Bullshit-Domaine der CDU/CSU – da braucht ihr nicht versuchen dagegen anzustinken…

Thema „Wirtschaft“ – die Agenda für die Besserverdienenden und Wirtschaftsliberalismus ist sowas von out – das habt ihr offenbar gemerkt. (Im Gegensatz zu Herrn Merz 🙂 ) Doppelbesteuerung von Renten – da rennt ihr bei mir offene Türen ein. Gerne auch das Thema Doppelverbeitragung bei betrieblicher Altersversorgung in den Fokus nehmen – ich bin da als Aufsichtsrat der PK Rundfunk, der Altersvorsorgeeinrichtung der freien Mitarbeiter der Rundfunkanstalten involviert.

Apropos Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk – wenn ihr den abschaffen wollt, hab ich natürlich ein Problem mit euch. Überlegt aber noch mal – trotz aller sicherlich gerechtfertigter Kritik (klar, es gibt fragwürdige Ausgaben für Fußball, Unterhaltung, doppelte und dreifache Strukturen…) – ob ihr das tatsächlich wollt, dass die politische Landschaft nur noch von privaten Medien beleuchtet wird. Das wird garantiert super toll für euch – die RTL2-Klientel ist ja exakt eure Klientel 🙂 …

Thema „Nachhaltige Politik“ und Klimaschutz – das ist zwar super-tofte, aber echt kein FDP-Thema. Dafür wählt niemand euch, sondern eben die Grünen. Sofern man nicht (wie ich…) angesichts der Baerbock-Plagiate und vor allem der irrwitzigen Reaktionen auf die Plagiats-Nachweise das Kotzen bekommen hat.

Fazit – ihr habt da einen windelweichen und versuchsweise massenkompatiblen Flyer rausgeschickt, in dem ihr alle möglichen Themen mal ziemlich windelweich ansprecht oder antäuscht 🙂 Das ist aber totaler Bullshit. Die FDP ist niemals eine Massenpartei (ok, bei der SPD und bei der CDU wird das ja auch schon fraglich gerade 🙂 …) – insofern müsst ihr also fokussieren. Und nachdem der Besserverdienenden-Blödsinn durch ist, wäre das fokussierte Thema eben jetzt die Rückbesinnung auf ein genuin liberales Gebiet – den politischen Liberalismus, die Verteidigung der Grundrechte.

Das war und ist niemals Mainstream – das war bei der Volkszählung nicht so, das war bei der Vorratsdatenspeicherung und bei Überwachungsmaßnahmen nicht so, und das ist auch bei Grundrechtseinschränkungen aus Corona-Gründen nicht so. Das ist aber notwendig und ur-demokratisch und aller Ehren wert – und das würde m.E. auch einen gewissen signifikanten Wählerstamm abdecken, der locker über fünf Prozent kommt.

In diesem Sinne – auf der Basis eures Flyers werde ich euch entgegen meiner bisherigen Pläne dann doch nicht wählen. Überzeugt mich doch bitte vom Gegenteil – auf eurer Webseite gibt es ja noch andersklingende Posts https://www.fdp.de/epidemische-lage-von-nationaler-tragweite-muss-beendet-werden – im Flyer findet diese Positionierung aber wie gesagt nicht statt.

Für – gutbezahlte – weitere Strategie-Ratschläge stehe ich gern zur Verfügung 🙂

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Gessat

Journalist, Köln

 

P.S. Über das komische Kerning in der Überschrift sprechen wir jetzt mal nicht 🙂

Wie antisemitisch ist Sucharit Bhakdi?

Es gibt ja so manche Themen, mit denen kann man eigentlich nur verlieren. Oder seine komplette bürgerliche und berufliche Existenz schrotten. Was über Nazis oder über Juden sagen ist da ein Patentrezept. Ich mach das jetzt mal trotzdem. Spannende Sache. “Autobahn” – das geht bekanntlich gar nicht. Und offenbar gibt es auch noch ein paar andere Verdammungs-Automatismen.

Es gab da einen einstmals sehr renommierten Professor namens Sucharit Bhakdi – der ist allerdings in das Lager der Corona-“Maßnahmenkritiker” abgetaucht. Ulkigerweise muss ich mich selbst auch in das Lager der Corona- “Maßnahmenkritiker” – welch schönes Wort, viel schöner als “Verharmloser”, “Relativierer” oder “Leugner” – einordnen.  Professor Bhakdi hat zur aktuellen Corona-Pandemie und zu deren Bekämpfungsmaßnahmen und zu deren Sinnhaftigkeit oder Legitimität so einiges gesagt – wofür er auf der einen Seite gefeiert, auf der anderen Seite verdammt wird.

 

Ein Interview aus dem April, das jetzt erst breit bekannt wird, hat die Wahrnehmung noch einmal drastisch verschärft – darin hat Bhakdi etwas über Juden oder Israelis gesagt.

Das Volk, das geflüchtet ist aus diesem Land, aus diesem Land, wo das Erzböse war, (…), und haben ihr Land gefunden, haben ihr eigenes Land in etwas verwandelt, was noch schlimmer ist, als Deutschland war. (…) Das ist das Schlimme an den Juden: Sie lernen gut. Es gibt kein Volk, das besser lernt als sie. Aber sie haben das Böse jetzt gelernt – und umgesetzt. Deshalb ist Israel jetzt living hell – die lebende Hölle.

Soweit das Zitat laut Tagesschau.de – die Titelzeile und Überschrift des Artikels lautet:

Antisemitische Aussagen: Bhakdi, die Juden und das “Erzböse”

Das klingt ziemlich durchgeknallt. Wenn man aber mal in das komplette Video des Bhakdi-Interviews reinhört, dann klingt das vielleicht immer noch ziemlich durchgeknallt, aber nicht mehr zwangsläufig antisemitisch. Sucharit Bhakdi erzählt dem etwas perplexen Interviewer nämlich zunächst, warum er “die Juden” eigentlich verehrt:

Und ich wurde mal gefragt von einem Amerikaner, was ich zu Israel zu sagen habe. Ich hatte für mich die Israelen, dieses Volk, das ich mehr bewundert habe als irgendein anderes Volk auf der Welt – ich war ein Juden-Bewunderer. Ja, du weißt, ich bin Musikliebhaber. Kunstliebhaber, die größten Geister waren die Juden. Es tut mir leid, wenn ich das sagen muss, es tut mir leid. Ich bin Buddhist.

(Interviewer: Ja, ich hab da kein Problem mit.) 🙂

Ich verehrte sie. Ich bin, Du hast meine Schallplatten-Sammlung gesehen, ich bin diesen jüdischen Musikern nachgereist, um eine Unterschrift von ihnen zu bekommen. Isaac Stern, David Oistrach. Ja, hunderte von Kilometern bin ich gereist, um sie zu hören, um ein Autogramm zu holen. Ich habe sie verehrt. Und jetzt machen sie das. Das Volk, das geflüchtet ist aus diesem Land. Aus diesem Land, wo das Erzböse war. (Lange Pause.)

Mit “diesem Land” ist übrigens Nazi-Deutschland gemeint.

Und haben ihr Land gefunden. Haben ihr eigenes Land verwandelt in etwas, was noch schlimmer ist als Deutschland war. So unfassbar. Und dann habe ich dem Amerikaner gesagt: Das ist das schlimme an den Juden. Sie lernen … gut, es gibt kein Volk, das besser lernt als sie. Aber sie haben das Böse jetzt gelernt … und umgesetzt. Und deswegen ist Israel jetzt “living hell”, die lebende Hölle.

Das ist vermutlich ziemlich irre. Warum Israel jetzt gerade “living hell” sein soll, das erschließt sich mir nicht. Israel hat eine ziemlich “gute” Impfquote, wobei es auch in der jüngeren Bevölkerung jetzt so etwas stockt – darüber kann man ja als “Maßnahmenkritiker” 🙂 geteilter Meinung sein. Israel hat überdies noch einen gewissen Anteil fundamentalistischer Orthodoxer, die auch nicht so ganz impf-begeistert sind. Wo die “lebende Hölle” in Israel sein soll, bleibt Sucharit Bhakdis Geheimnis. Und natürlich ist die Behauptung “schlimmer als Deutschland war”, totaler Quatsch und eine Verharmlosung des Holocaust.

Andererseits – wenn wir mal konzedieren, dass die Behauptung – “lebende Hölle” – und die suggerierte dramatische Gleichsetzung zur Zwangssituation im dritten Reich eh Quatsch ist – dann bleibt doch möglicherweise auch vom Antisemitismus-Verdacht nicht mehr so viel übrig. Stereotype und Vorurteile gegenüber “Völkern” und Nationen (oder gar “Rassen”…) sind ja generell Quatsch. Und trotzdem völlig normal und geläufig. Die Deutschen: Sind spießig, aber effektiv. (Vor den Bauversuchen zum Berliner Flughafen zumindest.) Die Franzosen: haben guten Wein und kochen gut. Die Italiener: Sind entspannt, kochen auch gut, überfallen als Armee vorzugsweise Wehrlose. Die Engländer: kochen nicht gut, stehen aber diszipliniert Schlange.

Wenn so ein geläufiger Quatsch geläufig ist – dann ist vielleicht auch ein Quatsch nicht wirklich dramatisch wie der von den “gut lernenden Juden”, hinter dem in diesem Fall eher kein Hass, sondern etwas wie Bewunderung steht. “Schlimm” ist ja auch die stereotype Spießigkeit der Deutschen und die Feigheit der Italiener und das Porridge der Engländer 🙂 Aber klar – das alles ist Quatsch – und andererseits vielleicht noch kein Weltuntergang, sondern normaler, geläufiger Quatsch – bei dem jede und jeder einmal kurz innehalten muss und sich fragen – hab ich solche Klischees nicht auch verinnerlicht?

Dass “Judenhass … zentrales Bindeglied der Corona-Proteste” sein soll – das ist wiederum für mich: Quatsch. Klar, da gibt es jede Menge Durchgeknallte, und wie immer versammeln sich Durchgeknallte – und darunter auch Antisemiten – hinter einer Protest-Agenda. Die Protest-Agenda aber mal einfach pauschal zu verteufeln und in eine Schublade zu stecken mit verkürzten Zitaten einzelner, vielleicht auch partiell durchgeknallter Akteure – das ist wiederum unredlich.

Kann man partiellen Quatsch über Juden oder über Israel relativieren? Ja, man kann. Finde ich zumindest. Das ändert nichts daran, dass der Quatsch Quatsch ist. Aber nicht unbedingt antisemitischer Quatsch.

Strg-C verwenden führt regelmäßig zu Plagiaten – da hilft auch kein Medienanwalt

Ich habe ja als letzten Beitrag hier gewisse Bullshit-Vorwürfe in Bezug auf angebliche perfide Täuschungsversuche im CV von Annalena Baerbock behandelt, die nur durch die heldenhaft investigative Recherchearbeit deutscher Journalisten aufgedeckt werden konnten. 🙂 Um nun mal meine Unabhängigkeit und Objektivität zu demonstrieren: Die neuerdings vom österreichischen “Plagiatsjäger” Stefan Weber aufgedeckten abgeschriebenen Stellen in Annalena Baerbocks Buch “Jetzt” sind kein Bullshit.

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Zu einer eventuellen Agenda und Voreingenommenheit von Herrn Weber in Bezug auf Annalena Baerbock muss ich mich hier gar nicht einlassen bzw. habe gerade keine Zeit und Lust, nachzuprüfen, ob seine früheren Anmerkungen zum akademischen Werdegang der Grünen-Kandidatin tatsächlich “falsch” waren, wie nun von Baerbock und den Grünen behauptet. Dass es gewisse Zweifel an der Werthaltigkeit des von Annalena Baerbock absolvierten Studienganges gibt, ist eine Tatsache. Ob das ihre Eignung als Kanzlerkandidatin betrifft, ist eine offene Frage.

Was aber keine offene Frage ist: Wenn längere Textpassagen identisch; eins zu eins in einem früheren Werk erschienen sind und dann später in einem späteren Werk erscheinen – dann ist das entweder ein wunderbarer Zufall. Dessen Wahrscheinlichkeit man statistisch beziffen kann. 🙂 Wenn man Wahrscheinlichkeitstheorie und Heisenbergsche Unschärferelation kombiniert, dann tanzen irgendwo im Universum Atome oder Strings oder Geister herum, die genau den Text von Dantes Göttlicher Komödie abbilden.

In unserer realen, so unendlich profanen und flachen Welt ist so eine Koinzidenz aber schlichtweg das Resultat einer geläufigen Tastensequenz: Strg-C. Strg-V. Copy und Paste. Die Passagen, die Stefan Weber in seinem Blog aufzählt, sind schlichtweg aus anderen, früheren Quellen kopiert. Da helfen auch Vernebelungsaktionen wie die Formulierung bei Tagesschau.de in einem angeblichen Faktencheck nicht weiter, Annalena Baerbock habe “die Länder der EU-Osterweiterung in der gleichen Reihenfolge” aufgezählt, “wie es die Bundeszentrale für Politische Bildung in einem Aufsatz macht.”

Nein, es ist nicht nur eine Aufzählung in der gleichen Reihenfolge; es ist ein Copy und Paste der gesamten Textpassage:

Insgesamt zehn Staaten traten an diesem Tag der Europäischen Union bei: die baltischen Staaten und ehemaligen Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen, außerdem Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, die frühere jugoslawische Teilrepublik Slowenien sowie die beiden Mittelmeerstaaten Malta und Zypern. Die EU wuchs von 15 auf 25 Mitglieder – und begrüßte damit rund 75 Millionen neue Unionsbürgerinnen und –bürger.

Mit der Ausnahme einer kleinen Gender-Eigenleistung von Frau Baerbock oder ihrem Ghostwriter: “…neue Unionsbürger*innen.”

Eine andere Passage:

Erstmals wurde der Klimawandel 2007 als Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA wahrgenommen und somit als Phänomen, das die Aufmerksamkeit des Pentagons erforderte. Der Bericht „National Security and the ­Threat of Climate Change“ der Denkfabrik CNA beeinflusste die Militärstrategie des Verteidigungsministeriums nachhaltig. … Das Konzept des Klimawandels als „Bedrohungsmultiplikator“, der Rohstoff- und Gesellschaftskonflikte in Entwicklungsländern verschärfen kann, ist seither zu einem Eckpfeiler in der Strategie des Pentagons geworden. Je gespaltener und korrupter ein Staat ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass er besonders stark unter den Folgeerscheinungen der Erderwärmung leiden wird – also unter inneren Konflikten, humanitären Katastrophen und Massenmigration. Das daraus entstehende Chaos könnte wiederum zu neuen Herausforderungen für das US-Militär führen, sei es durch humanitäre Hilfseinsätze oder militärische Interventionen im Ausland.

Im Buch von Annalena Baerbock steht:

“Da ähneln sich die Passagen.” Höhö, lieber Kollege von Tagesschau.de, da ähneln die sich aber sehr. Heisenbergsche Unschärfe wahrscheinlich. Oder Copy&Paste. Oder : “Bei den kritisierten Passagen scheint es eher so, als habe Baerbock Sachinformationen übernommen.” Nö. Da sind nicht nur Sachinformationen übernommen, sondern Einordnungen. Das ist auch, liebe Grüne und lieber Medienanwalt Christian Schertz, keine “Wiedergabe allgemein bekannter Fakten sowie politischer Ansichten.” Das ist eine Passage, die von ihrer Komplexizität her ganz eindeutig urheberrechtlich geschützt sein dürfte. Eine ganze Lobby-Fraktion deutscher Verleger hat ja gerade unter aufopferungsvollstem Einsatz 🙂 durchgepaukt, wo im Netz die Grenzen des zulässigen kostenfreien Zitierens verlaufen sollen. Die dort vorgesehene Bagatell-Zeichenzahl hat Annalena Baerbock bzw. ihr Ghostwriter hier eindeutig gerissen.

Stefan Weber hat gerade noch eine weitere Passage gefunden bzw. dokumentiert. Kommen wir mal zu der Bewertung. Herr Weber hat ja sogar selber gesagt, die fraglichen Stellen im Buch seien “nichts Weltbewegendes”. Das ist korrekt. Annalena Baerbocks Buch ist keine Dissertation, das ist auch korrekt und banal. Plagiate sind aber auch außerhalb von Dissertationen Plagiate. In Artikeln von Journalisten z.B., wo ich die mal als abnehmender Redakteur gefunden habe. Oder sonstwo. Bei der Übernahme von Fotos im Netz, bei der Übernahme von Melodien oder Samples in der Musik. Darüber freuen sich normalerweise; bzw. davon profitieren normalerweise “Medienanwälte”.

Bei der Abgrenzung eines Plagiates zu einer zulässigen Übernahme geht es regelmäßig um die Frage der “Schöpfungshöhe”. Wenn die bei der gerade zitierten Passage nicht erreicht sein sollte, dann fresse ich einen Besen oder spiele wahlweise eine Runde Golf um eine Kiste Wein gegen Herrn Schertz oder die “Rufmord”-Rufer von den Grünen 🙂 (Das können aber auch gerne einfach Gerichte klären…) Liebe Leute – diesmal ist der Bullshit-Joker auf eurer Hand. Gebt doch einfach zu, dass so ein “Sachbuch” halt relativ pragmatisch zusammengezimmert wird, dass das vermutlich überwiegend ein Ghostwriter schreibt, der seinen Job pragmatisch macht.

Über die Qualifikation der Kandidatin sagt die “Affäre” immer noch nix aus. Ich war übrigens schon bei früheren Doktorarbeits-Analysen eher großzügig: Meiner Meinung nach sind Zitierungs-Sünden im Abschnitt des Referierens der vorhandenen Literatur eher lässlich – bei dieser Fleißarbeit behauptet der Autor/die Autorin ja eh nicht, einen eigenen genialen Gedanken zu formulieren.  Bei einem Sachbuch mag die Schwelle noch geringer sein – nur; wenn da so viel von anderen stammt, warum das dann unter eigenem Namen veröffentlichen?

Wie dem auch sei. “Nichts Weltbewegendes.” Stimmt. Aber das allzu selbstgefällige “Rufmord”-Gequake, die plakative Empörung und der Aufruf zur Solidarität von den Grünen gegen das eigentlich nicht wegzudiskutierende sind peinlich. Und die verschwurbelten und einfach nicht zutreffenden “Faktencheck”-Einordnungen von öffentlich-rechtlichen Kollegen, die sind vielleicht noch viel heikler.

P.S. 06.07.2021: Stefan Weber hat wie angekündigt einen ersten größeren Überblick über die bislang gefundenen Plagiatsstellen in Annalena Baerbocks ( 😉 ) Buch online gestellt – nach Lektüre des PDFs erübrigen sich wohl alle weiteren Diskussionen, nach welcher “Methode” das “Werk” angefertigt wurde. Ich empfehle den “Faktenchecker”-Kolleginnen und -Kollegen dringend die Lektüre – es ist dann übrigens auch nicht nötig, noch Dritt-Expertise von Juristen oder Medienwissenschaftlern oder “Plagiatsexperten” einzuholen. Wer nicht glasklar erkennt (und auch benennt!), dass diese Art des systematischen Fremdtext-Ausschlachtens alle Konzepte von “geistigem Eigentum” einerseits und selbstständigem Denken und Texten andererseits verletzt, der/die hat auch als Journalist/Journalistin seinen/ihren Beruf verfehlt, untergräbt die eigene berufliche und gesellschaftliche Existenzberechtigung, und sollte vielleicht auch dringend mal mit dem hauseigenen Justiziar plaudern. 🙂

Und wer die schlichte Dokumentation dieses Desasters als “Rufmord” bejammert, sollte vielleicht mal das Oberstübchen durchlüften.

Über Schaumschlägerei in Politik, Journalismus und Sozialen Medien

Seit Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin der Grünen nominiert worden ist, ist das Interesse an ihrer Person und ihrem Lebenslauf stark angestiegen. Nicht immer unbedingt aus reiner Neugier oder Sympathie. 🙂 Das ist aber auch im Grundsatz völlig ok. PolitikerInnen agieren in der Öffentlichkeit und müssen insofern eben auch einpreisen, dass die Öffentlichkeit auch an ihrer Person Anteil nimmt – und zwar nicht nur an dem offiziellen und kuratierten Image, sondern auch an irgendwelchen vermeintlich privaten, vermeintlich irrelevanten oder tatsächlich oder angeblich “vergessenen” Details der Biographie.

Und das alles gilt proportional zur politischen Exposition bzw. proportional zur Wichtigkeit des bekleideten oder angestrebten Amtes. Umstimmigkeiten im Lebenslauf des Stadtrates in Winsen an der Luhe interessieren fast niemand. Solche im Lebenslauf eines Kanzlerkandidaten oder einer Kanzlerkandidatin fast alle.  Dafür gibt es einen sehr guten Grund – bei einem sehr exponierten und sehr machtvollen Posten möchte man eben sicher gehen, dass der/die Inhaber(in) bzw. der/die Kandidat(in) da auch geeignet ist; mit nachweislichen Qualifikationen.

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Es gibt auch einen zweiten Grund, der jetzt eher nicht gut, sondern eher böse ist – aber in einer legitimen Weise böse: Politische Auseinandersetzung beinhaltet nun einmal auch, die Schwachstellen des politischen Gegners abzuklopfen. Ob die nun sachlich stark relevant sind oder nur weniger stark, ob die nun im Politischen liegen oder im Privaten, ob die vermeintliche oder tatsächliche Schwachstelle oder Verfehlung nun etwas mit dem politischen Wirken der Person zu tun hat oder nicht.

Wenn zum Beispiel rauskommt, dass der verheiratete Vorsitzende einer “christlich sozialen Union” mit traditionellem religiös-moralisch geprägten Wertekanon und auch im Parteiprogramm und in der politischen Agenda ausdrücklich propagandiertem Familienbild eine außereheliche Beziehung geführt und in dieser ein Kind gezeugt hat, dann wirft dies unter Umständen Fragen an der Integrität/Glaubwürdigkeit des Politikers bzw. der Partei auf. Interessanterweise gibt es aber bei uns in Deutschland einen ungeschriebenen Ehrenkodex in der Presse, solche “persönlichen” “Verfehlungen” nicht sonderlich zu thematisieren. Und letztlich ist das auch gut so.

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Bei sonstigen Unstimmigkeiten im Lebenslauf ist das anders, das wird thematisiert – die Anzahl von über geschluderten und gefaketen Dissertationen gestolperten PolitikerInnen ist inzwischen Legion. Insofern muss ich auch sagen, die Diskussionen über den Stand und Wert der Studien und über vorhandene oder nicht vorhandene Abschlüsse an renommierten oder nicht so renommierten Universitäten im Fach “Völkerrecht” bei Annalena Baerbock finde ich völlig nachvollziehbar und legitim. Auch da kann man trefflich darüber nachsinnen, wie relevant die Qualifikation für die aktuelle politische Arbeit ist, und wie da die Expertise von Mitbewerbern ist – aber solange eine Qualifikation in einem offiziellen Lebenslauf drinsteht, darf man die auch einordnen.

Jetzt hat der Kollege Philip Plickert, der für die FAZ schreibt, angebliche neue Unstimmigkeiten im offiziellen Lebenslauf von Annalena Baerbock entdeckt und öffentlich gemacht – zunächst mal auf seinem privaten Twitter-Account.

Die Faz hat sich die Story mittlerweile auch zu eigen gemacht (war das also eine private oder Faz-“Recherche”?…)  – zuvor waren aber bereits Focus, BILD (verlink ich hier mal nicht, das Drecksblatt ist eh nicht satisfaktionsfähig… 🙂 ) und die einschlägigen Blogs und Twitter-Quellen auf den “Skandal” eingestiegen. “Kanzlerkandidatin von Köpenick?” ist da eine sehr schöne Schlagzeile. Und unglaublich lustige Tweet-Headlines wie “Baerbock ändert Biografie öfter als die SPD ihr Grundsatzprogramm.” Har. Har. Was haben wir gelacht.

Tatsächlich hat Annalena Baerbock bzw. ihr Web-/Social-Media-Team ja nun die Angaben auf der Website geändert. Die ganze Kategorie heißt jetzt “Beiräte, (Förder-)Mitgliedschaften, regelmäßige Unterstützung”. Schauen wir uns mal die Korrekturen an; vier von zehn skandalöse Unstimmigkeiten hatte der Kollege Plickert ja investigativ “gefunden”. Die angeblich nicht nachvollziehbare Mitgliedschaft im “Potsdamer Solarverein” – uups, die gab es doch – kleiner Recherche-Irrtum. (Ob der Verein eine Homepage besitzt, ist doch piepegal – wenn der Verein nicht wichtig ist, dann ist doch bestimmt die Mitgliedschaft oder Nicht-Mitgliedschaft von Frau Baerbock auch nicht wichtig, gell? 🙂 )

Die behauptete Mitgliedschaft im UNHCR – Riesen-Skandal!!! Da kann man ja als Privatperson gar kein Mitglied sein!!! Wie völlig vernagelt muss Frau Baerbock sein, uns dies fälschlicherweise glaubhaft machen zu wollen. Sonst nur Staaten als Mitglied – und dann noch Annalena Baerbock? Welche Hybris, die durch die fantastische Recherchearbeit eines deutschen Journalisten aufgedeckt worden ist und jetzt auch zurecht im einschlägigen internet gegeißelt wird!! Oder: Ist das einfach nur ein ganz banales Versehen? Frau Baerbock ist Fördermitglied – also einfach Spenderin beim UNO-Flüchtlingshilfswerk. Das ist deutscher Partner des UNHCR – und das UNHCR wird in deutschen Internetquellen meist als “Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen” bezeichnet.

Punkt drei: Annalena Baerbock ist offenbar nicht mehr im „Europa/Transatlantik-Beirat der Heinrich-Böll-Stiftung“, sondern war da mal drin. Und ist inzwischen ausgeschieden. Punkt vier: Frau Baerbock ist gar kein Mitglied des German Marshall Fund (GMF), sondern hatte nur mal eine “Marshall Memorial Fellowship vom German Marshall Fund” inne.

Kommen wir doch mal zum Narrativ vom Kollegen Plickert – die falschen Angaben und Mitgliedschaften seien “hochstaplerisch” und “prestigeheischend”. Das mit dem Solarverein war ja eh: Bullshit. Die angeblich behauptete Mitgliedschaft im UNHCR: Bullshit – bzw. ganz offenbar nur ein Versehen. (Nur mal als Analogie: Wenn ich jetzt schreibe: “ich bin Mitglied der UN” – kann man das dann als relevanten Täuschungsversuch werten?)

Die Sache mit dem Beirat der Heinrich-Böll-Stiftung – da war sie mal drin, und ist jetzt nicht mehr drin – aber wie “prestigeheischend” kann das denn sein?? Ist doch völlig logisch, dass irgendwelche grüne Hanseln und Greteln in der Heinrich-Böll-Stiftung irgendwas bekleiden oder nicht bekleiden – das wird jetzt niemand irgendwie interessieren oder nicht interessieren.

Zum German Marshall Fund – dem kann man/frau offensichtlich völlig problemlos Kohle rüberschieben – ob ich daraus einen “prestigeheischenden” Distinktionsgewinn in der Öffentlichkeit ableiten kann, ist noch eine andere Frage. Offenbar war Frau Baerbock aber immerhin im Fellowship-Programm, und wie ja auch aus ihrer Mitgliedschaft bei der “Atlantik-Brücke” hervorgeht, ist sie offenbar “Transatlantikerin” und Freundin eines vertrauensvollen Dialogs mit den USA und – Riesen-Überraschung!!!- offenbar Angehörige des “Realo-Flügels” bei den Grünen.

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Ein Soufflé – zum Glück mit Substanz.

So. Was bleibt denn eigentlich noch vom “Skandal” und der “Köpenickiade”? Wo ist denn eigentlich das “Soufflé”, das zusammenfällt? Ist die heiße Luft vielleicht doch eher bei gewissen Kollegen und gewissen PolitikerInnen und deren FollowerInnen mit etwas ideologischem Schaum vor dem Mund?

Mal so als kleine medienkritische Einordnung – dass da Focus, BILD und einschlägige Netz-Quellen losprusten – das überrascht mich nicht. Dass die (von mir bislang abonnierte…) FAZ unkritisch drauf einsteigt, schon eher. Zum Glück bin ich ja öffentlich-rechtlicher Journalist. Und wir dürfen noch unserem eigenen Narrativ folgen, weil wir ja die Kohle zwangseingetrieben bekommen und keinem “Wes Brot ich ess, des Lied ich sing” folgen müssen. 🙂 Kleiner Scherz. Klar – wir bekommen natürlich immer jeden Morgen einen Anruf aus dem Kanzleramt. Übrigens mal als Disclaimer in der ganzen Sache – dass ich Grün wähle, ist nicht ausgeschlossen, aber ziemlich unwahrscheinlich. Aber ich hab was gegen Bullshit.