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Angeblicher Skandal beim CISPA – Bullshit?

Überschriften mit Fragezeichen sind ja top zur Clickbait-Generierung. Und zum „sich-einen-schlanken-Fuß-machen“ 🙂

Ich habe am Freitag bei „Forschung aktuell“ über das Thema berichtet. Leider aus meiner Sicht im Ergebnis etwas suboptimal – wir hatten da in der Live-Situation in der Sendung weniger Zeit als eigentlich geplant. Da fiel aus Live-Zeitgründen eine wichtige Information raus – dass nämlich das CISPA kein Geheimnis-produzierendes Institut ist, sondern dass qua Auftrag und eben auch in der Realität alle Forschungen veröffentlicht werden und dass es also insofern grundsätzlich nur ein sehr kleines zeitliches Fenster für einen angeblichen oder vermuteten Geheimnis-Abfluss geben kann.

Bei wirklich sicherheits-kritischen Erkenntnissen (und eben längst nicht alle Forschungs-Themen des CISPA sind im Sinne einer „Gefährdung der Interessen der Bundesrepublik Deutschland“ wirklich sicherheitskritisch…) – also vielleicht eben mal bei Side-Channel-Angriffen gegen Prozessoren und einer etwaigen Gefährdung von Cloud-Diensten – da würde ein Geheimnis-Abfluss eigentlich nur in der Non-Disclosure-Phase möglich bzw. relevant sein – der Phase also, in der betroffene Software- oder Hardware-Hersteller vorab und vertraulich infomiert werden, um die entdeckten Lücken zu fixen.  (Und auch da würde ich mal annehmen, dass auch westliche CERTS und Geheimdienste informiert werden.)

Friede, Freude, Eierkuchen kurz vor der „Affäre“

Noch mal ein paar Anmerkungen zu der angeblichen Enthüllungs-Recherche der Handelsblatt-Kollegen – die Besetzung der Arbeitsgruppen am CISPA war völlig transparent auf der CISPA-Webseite dokumentiert. Die Antwort auf die Handelsblatt- Interview-Frage an den Präsidenten der Helmholtz-Gesellschaft, Martin Keller…

Wir fragen uns, warum bestimmte Vorgänge beim Cispa nicht schon früher aufgefallen sind – zum Beispiel, dass die Forschungsgruppe des Zentrumleiters überwiegend aus Forschern mit chinesischen Wurzeln besteht.

…hätte lauten können: „Na ja, wenn Sie mal einfach auf der Webseite des CISPA nachgeschaut hätten, hätten Sie diese Besetzung seit eh und je völlig transparent dort sehen können, da gab es kein Geheimnis oder nichts, was erst jetzt hätte auffallen müssen.“

Stattdessen hat Herr Keller allen Ernstes gesagt:

Ich möchte ausdrücklich betonen: Nicht alle chinesischen Staatsbürger sind schlechte Menschen.

Dazu möchte ich mal vorsichtigerweise nichts sagen 😡

Die Präsidentin des BSI, die von mir sehr geschätzte Claudia Plattner, hat ja angeblich laut Handelsblatt gesagt (fragt sich nur noch, auf welche Frage genau… 🙂 )

„Die Problematik, wie sie dort vorliegt, ist uns seit Langem bekannt und bewusst“.

Und weiter: „Ihre Behörde habe sich bereits mit dem Thema befasst. Nun müssten die Stellen, die sich aktuell damit beschäftigten, ihre Arbeit machen. „Wir werden alles tun, sie dabei bestmöglich zu unterstützen“, sagte Plattner.“

Das ist recht drollig – das BSI ist im Aufsichtsrat des CISPA vertreten, in Person des stellvertretenden BSI-Präsidenten. Das Forschungsministerium ist auch vertreten, und das Land Saarland. Ich bin selbst Aufsichtsrat. Wenn ein Aufsichtsrats-Mitglied ein schwerwiegendes Problem im Geschäftsablauf des zu beaufsichtigenden Unternehmens erkennt, ist es verpflichtet, dem nachzugehen und das ggf. auch aus dem Aufsichtsrat hinaus zu eskalieren. Das Narrativ, das im Handelsblatt-Artikel erzählt wird…

Im Aufsichtsrat soll es immer wieder Debatten und Streit wegen der China-Problematik gegeben haben. Eine Mehrheit für Veränderungen sei aber nicht zustande gekommen, allein in einem Fall sei nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine ein Vorhaben Backes’ vom Aufsichtsrat abgelehnt worden. Zeitweilig habe der Bund sogar den Vorsitz des Kontrollgremiums nicht besetzen können, obwohl ein Vertreter des Bundes im Gremium saß.

…ist meines Erachtens: Bullshit. Der Bund und das Saarland sind die Gesellschafter und Haupt-Finanziers des CISPA. Auch wenn da tatsächlich im AR keine Mehrheits-Entscheidung im Sinne etwaiger angeblicher Bedenken gegen die China-Connection zustandegekommen sein soll (was noch mal völlig unwahrscheinlich ist, und so eine totale Konflikt-Situation im AR wäre auch aufgefallen, was aber offenbar nicht der Fall war…) – dann hätten BSI und Forschungsministerium jederzeit die Möglichkeit gehabt, die Bedenken auch über andere Kanäle, und sei es nur ein kleines Interview, zu signalisieren. Stattdessen gab es: Nix. Und einen schönen Feier-Bahnhof anlässlich der Etat-Aufstockung und des geplanten neuen Campus des CISPA in St. Ingbert.

Um da also noch mal auf die – hoffentlich im richtigen Kontext zitierten Worte der geschätzten BSI-Präsidentin einzugehen: Die Stellen, „die sich aktuell damit beschäftigen, und ihre Arbeit machen müssen“ – das ist/war, sorry – genau der Aufsichtsrat des CISPA selbst und damit u.a. auch das BSI. Ich erinnere in diesem Zusammenhang mal an den Bullshit rund um die Ablösung des früheren BSI-Präsidenten Arne Schönbohm – (mit dem ich keinerlei Vertrag habe, ich hasse nur Bullshit…) in der angeblichen Böhmermann- und angeblichen Russland-Affäre.

Auch in der aktuellen CISPA-Affäre schwingt offenbar heftig Bullshit mit. Das ganze Gemunkel und Geraune in den Handelsblatt-Artikeln – „alle Chinesen sind verpflichtet, mit dem chinesischen Geheimdienst zusammenzuarbeiten“ – ok, dann müssen eben alle raus aus Deutschland. „Verbindungen mit Angehörigen problematischer chinesischer Universitäten“ – ok, wie sehen diese Verbindungen denn genau aus? Es gibt keine Verbote der Zusammenarbeit, US-Embargovorschriften sind aus gutem Grund hierzulande erstmal nicht bindend.

„Einschätzungen von Experten“; klar, nämlich von Leuten mit US-Ticket („Think-Tanks“) und dem schlichten interessens-/wirtschaftspolitischen Narrativ, China rauszukicken. Äußerungen wie von Herrn Kiesewetter nach der Bahnfunk-Panne, jetzt müsse man aber sofort alle China-Technik rausschmeißen, sind da für die Mischung aus Ahnungslosigkeit oder vermutlich eben doch überwiegend klarer Interessens-Agenda symptomatisch. Wobei momentan in Wirklichkeit die Frage ist, wer eigentlich unser/Deutschlands verlässlicher strategischer Tech-Partner ist – der irre US-Präsident ganz gewiss nicht, der auch mal ganz ungerührt eben den Stecker zieht, wie gerade bei Anthropic demonstriert.

Ich habe auch mal selbst die „KI-unterstützte“ Recherche der Handelsblatt-Kollegen so ansatzweise versucht nachzuvollziehen. Bei mir liefert die KI wie üblich völligen Halluzinations-Bullshit: Angeblich überwiegend mit Chinesen besetzte Arbeitsgruppen, in der nach meiner händischen Überprüfung kein einziger Chinese ist. „Oh Entschuldigung, Du hast vollkommen recht, ich habe da wohl etwas verwechselt.“ Es gibt zig Namensverwechselungen auf Basis der transkribierten chinesischen Namen. Da könnte man auch noch mal die Daten-Basis der Vorwürfe checken.

Mit KI-Hilfe findet man auch einfach eine CISPA-Publikation, in der alle Ko-Autoren Chinesen sind, darunter eine Forscherin an einer der „problematischen“ Seven-Sons-of-Defense-Universitäten. Die Studie ist zudem von chinesischen Institutionen finanziert. Ein super-problematischer Super-Treffer im Sinne eines vermeintlichen Skandals also. Des Rätsels Lösung: Der Hauptautor hat die Studie vor seinem CISPA-Engagement durchgeführt und geleitet und nach seinem CISPA-Start einfach nur unter „CISPA“ als seinem aktuellen Standort gelabelt. Das Thema bzw. Forschungsgebiet der Studie ist übrigens sicherheitspolitisch nicht kritisch für Deutschland. 🙂

Ob es tatsächlich irgendwelche problematische Vorgänge gegeben hat am CISPA – das muss natürlich jetzt die Sonderprüfung herausfinden. Und ok – warum eine Arbeitsgruppe an einem deutschen Institut komplett aus chinesischen GastwissenschaftlerInnen bestehen muss, das erschließt sich mir auch nicht. Welcher Mehrwert für das Institut dahinter stecken könnte, ob da nicht im Gegenteil eine einigermaßen ausgeglichene Zusammensetzung per se für bessere Kommunikation, Transparenz, Kontrolle und auch für einen besseren Wissens-Austausch sorgen würde – da scheint mir die Antwort ziemlich klar. Und insofern die Konstellation am CISPA bei der Backes-Arbeitsgruppe suboptimal. Auch wenn der vielleicht in Wirklichkeit federführende chinesische Kollege am Institut meiner Einschätzung nach auch wiederum auf weniger sicherheitskritischen Themenfeldern unterwegs ist und das Geheimnis-Abfluss-Potential mir dort sehr gering scheint.

Ähnlich zusammengesetzte Arbeitsgruppen gibt es allerdings auch an anderen Instituten in Deutschland, auch Exzellenz-Instituten auf dem Gebiet der IT-Security. Von anderen technischen Disziplinen mal ganz zu schweigen. Ein Motiv dafür hat mir eine Koryphäe für IT-Security an einer ausländischen Uni genannt: Chinesische Doktoranden oder Post-Doc-Kandidaten sind im Gegensatz zu deutschen oder europäischen oder amerikanischen extrem fokussiert und leistungsbereit. Insofern gibt es einen immer weiter laufenden Trend zu chinesischer Besetzung – und jetzt nach dieser „Affäre“ laut meinen Hintergrund-Gesprächen gerade in einem großen Teil der Wissenschafts-Community auch: Panik. Wenn das nämlich so easy geht, dass man von heute auf morgen durch eine Artikel-Serie in einer fachfremden Zeitung bei an sich völlig offenliegenden Fakten abserviert werden kann – dann droht das ja potentiell auch noch anderen Instituts-LeiterInnen.

Ich habe keinerlei tiefere Einblicke in die Tätigkeit von Michael Backes am CISPA. Ich höre aus Hintergrund-Gesprächen – und genauso wird das ja auch in der Handelsblatt-Story insinuiert: Er hat sich möglicherweise „Feinde gemacht“, vielleicht ja auch Fehlentscheidungen getroffen. Für mich sieht die ganze Aktion aber momentan nach einer Kampagne aus, in der das Handelsblatt samt entsprechend gestreuter und dann als angebliche Enthüllung verkaufter Informationen den „Königsmörder“ gemacht hat. Der sauberere und fairere Weg wäre gewesen – wenn da doch angeblich klare Hinweise auf problematische Vorgänge bekannt waren, dann hätten Gesellschafter, Aufsichtsrat und ggf. Verfassungsschutz intervenieren können. Mit einem Warnschuss, oder einer eventuellen Nicht-Verlängerung des Vertrages.

Aber doch nicht mit einer offenbar lancierten Kampagne, in der rumgemunkelt und mit klar fehlendem Fachwissen rumgeschwurbelt wird. Ich bin jetzt sehr gespannt auf die etwaigen Entdeckungen des Sonderprüfers Alexander Geschonnek. 🙂

Eine bemerkenswerte Rede des kanadischen Premierministers

Mark Carney, Premier von Kanada: „Wir sollten unsere Schilder aus dem Fenster nehmen.“ Die Appeasement- und Unterwerfungs-Schilder nämlich, die Unrecht und die schleichende – oder leider schon gar nicht mehr schleichende – Abschaffung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung und jedweder politischer und moralischer Integrität überhaupt erst real werden lassen.

DeepSeek halluziniert auch nur rum – und auch noch mit Emo-„Reasoning“

Heute sind ja auf der ganzen Welt die Börsenkurse abgeschmiert. Panik, Armargeddon. Na ja, in Wirklichkeit nur ein paar Prozentpunkte runter vom gerade erreichten Allzeit-Hoch. (Die Schlagzeilen bei den geschätzten öffentlich-rechtlich alimentierten Charttechnik-Ko-Irren; Entschuldigung, KollegInnen aus den Wirtschaftsredaktionen natürlich wieder: „Wie tief kann der Dax jetzt fallen?“ Natürlich maximal bis auf Null. Wenn die „Unterstützungslinien“ nicht halten sollten. Das ist tröstlich.

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Nvidia hat es besonders heftig erwischt. Weil die ja die überteuerten Grafikkarten verkaufen, die mit ihren Tensor-Kernen das KI-Training und die KI-Modell-Ausführung beschleunigen bzw. erst möglich machen. Und jetzt kommen da seit letzter Woche so ein paar Chinesen und sagen – wir haben ein ebenso gutes Modell wie GPT von OpenAI, nur mit viel geringerem Hardware-Aufwand trainiert. Wenn das stimmen würde – klar, dann würde das natürlich das eh völlig fragliche Geschäftsmodell der bisherigen Akteure mit ihren Milliarden-Investionen anrempeln.

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Aber so ganz klar ist das noch gar nicht, wie DeepSeek sein Modell trainiert und entwickelt hat. Es gibt Mutmaßungen, das LLM könnte eine abgespeckte, „destillierte“ Version von GPT sein; vielleicht aufgepeppt mit ein paar neuen Funktionen. In den bisherigen „Benchmark-Tests“ hat Deepseek eine gute Performance gezeigt – nur sind diese Benchmarks auch nicht zwangsläufig wirklich praxis-aussagekräftig. Ich habe heute mal versucht, die App zu installieren und freizuschalten – die ist ja immerhin auf Platz eins der Appstore-Hitliste. Die ist wohlgemerkt nur ein Frontend für den Web-Zugang, genauso wie die ChatGPT-App.

Hat leider nicht geklappt. Meine eigene Mailadresse mgessat@mgessat.com wollte die App nicht akzeptieren. Danach mit einer Web.de-Adresse: Der Registrierungs-Code kam erst nach einer halben Stunde. Und die App hat den dann auch nicht akzeptiert. Hier schon mal keine Intelligenz, sondern Usability-Voll-Fail.

Danach hab ich Deepseek lokal auf meinem Rechner installiert; auf die einfache Tour mit Ollama. Die erste Begegnung hat mich nicht vom Hocker gehauen – wohlgemerkt; das KI-Modell ist ja nicht schlecht (das Deutsch ist z.B. quasi perfekt…), aber Deepseek halluziniert. Und der vorab als „Reasoning“ („think“) vorangestellte Teil in Englisch ist wenig hilfreich, sondern liest sich eher wie ein passiv-agressives-Emo-Geschwafel. Sehr interessant nebenbei das Bekenntnis in der DeepSeek-Ausgabe „mein Wissen ist nur bis Ende 2023 limitiert“. Dass DeepSeek bei „heiklen“ Themen politisch auf der Linie der chinesischen Machthaber liegt, war klar.

Deswegen nun ein Börsenabsturz? Würde ich für eine Panik-Reaktion halten. Ich habe gerade ein paar Nvidia-Calls gekauft. Das ist natürlich keine Anlage-Beratung, sondern nur eine Wette.

The pig is back

Wer hätte das gedacht? Das scheußliche, debile und hosenscheißende orangene Pig ist wieder da, samt seiner komplett alternativen, bewährten Weltsicht.

Symbolbild. Das Bild zeigt keine lebende Personen und soll insbesondere „Frankie, the Pig“ nicht verunglimpfen.

Die Demokratie hatte ich ja letztes Mal aus gegebenem Anlass schon für abgeschafft erklärt – das hat leider niemanden interessiert. Für den jetzigen Zustand gibt es das schöne Wort „idiocracy“, aber auch das juckt niemanden mehr. Zum Glück habe ich General-Pardon.

Glory to the allmighty LORD!!!

Mein Canon-Multifunktionsgerät schlägt brutal zurück

Es gibt ja so ein paar Phänomene in der IT-Welt, die kann man jetzt gut oder schlecht finden – oder versuchen, die eiskalt auszunutzen. Zum Beispiel werden seit zig Jahren Tintenstrahl-Drucker in einem bestimmten Marktsegment zu Spottpreisen und eigentlich weit unter ihrem realen Wert verkauft (also preis-subventioniert…), weil die Hersteller nicht mit den Geräten Geld verdienen wollen, sondern mit den Tintenpatronen, die dann wiederum (z.B. im Vergleich zu alternativen Anbietern…) sehr ambitioniert bepreist sind – oder reden wir doch mal Klartext: völlig überteuert. Das ist halt das berühmte Rockefeller-Prinzip.

Nachdem mal vor einiger Zeit mein Epson-Flachbettscanner rumgezickt hat und nicht mehr zuverlässig funktionierte, hab ich mir einen „Canon Pixma TR4650 Multifunktionsdrucker“ gekauft, für schlappe 68,56 €. Mit der perfiden Absicht, den wirklich nur als Scanner, nämlich als Einzugs-Scanner zu verwenden. Drucken und vielleicht teure Patronen von Canon kaufen wollte ich damit gar nicht. Soweit, so gut. Das Ding scannt ganz gut, manchmal verrutschen die eingezogenen Seiten so etwas – das ist kein High-Tech, aber für den Spottpreis absolut akzeptabel.

Jetzt vor kurzem spinnt plötzlich mein Brother-SW-Laserdrucker rum und druckt nicht. (hat möglicherweise was mit dem Update auf Windows 11 zu tun…) Ich brauch aber den Ausdruck sehr dringend, weil ich in wenigen Minuten bei DLF Nova auf Sendung gehe. Also drucke ich jetzt doch – zum allerersten Mal – mit dem Canon Pixma die Seiten des Scripts aus. Alles wunderbar, das sieht sogar viel kontrastreicher aus als mit der abgelutschten Toner-Patrone im Brother. Die Links am Schluss des Scriptes werden blau ausgedruckt, Korrekturen oder Redigier-Passagen rot – das ist nice, leert aber natürlich auch noch die Farb-Patrone.

Heute morgen wollte ich dann mal ganz schlau sein, den aus meiner Sicht unnötigen Farbzauber abschalten und die Farbpatrone schonen. (Eine Original-XL-Schwarz-Patrone von Canon hab ich sogar mittlerweile schon nachgekauft.) Ich wähle also in den Druck-Optionen (ganz tief im Menü versteckt…) den Farbdruck ab und drücke auf „Drucken“. Dann passierte erstmal nix, ich dachte „schon wieder Fehler“ – aber da war eine Warnmeldung. „Das Abschalten der Farboption kann zu einer verringerten Druck-Qualität führen.“ Ich so: „Ja, ja, ihr Abzocker, ihr wollt die Farbpatrone natürlich auch auslutschen, aber nicht mit mir.“ Und drück auf (trotzdem…) „OK“.

Daraufhin druckt mir die Canon-Kiste die zweite Seite, wo unten die farbigen Links drunter stehen, völlig ok in s/w aus. Und dann die erste Seite so (das Ding druckt „rückwärts“…):

„Hab ich doch gesagt, mit der von Dir gewählten Einstellung wirst Du Qualitäts-Probleme bekommen. Und einen höheren Tintenverbrauch, und jetzt musst Du dir das noch mal ausdrucken, Du Schlaumeier. Höhö, Du Schmock.“

Klarer Beweis: Canon hat schon KI, „Künstliche Intelligenz“ in seine Billig-Multifunktionsgeräte eingebaut, ohne das an die große Glocke zu hängen.

Aber warte nur, Du super-smarte Kiste. Das nächste Mal lösch ich die Links halt vorher oder formatiere die schwarz. Nicht mit mir. Nicht mit dem Computer-Super-Experten!!!

 

P.S. Es ist mir völlig bewusst bzw. fällt mir jetzt wieder ein, dass moderne Tintenstrahldrucker ggf. auch bei Schwarz Farbe beimischen. (Aus Qualitätsgründen, versteht sich…) Ist natürlich immer noch keine Erklärung für den Fehldruck oben.

Alexei Navalny ist tot

Es gibt in der kulturellen Welt, in der ich mich verortet fühle, so ein paar Archetypen von unfassbarer, brutaler und jede Regeln missachtender Bösartigkeit. Pizarro in „Fidelio“; Scarpia in „Tosca“. Typen, die einfach gegen das Regime aufbegehrende „Rebellen“ einkerkern, foltern und ohne jegliche jurististische Legitimation „auf ewig“ in Straflager oder Verliese schicken. Oder eben da die Delinquenten einfach abmurksen, einfach töten – einfach aus dem dreckigen, feigen und menschenverachtenden Impuls heraus – der könnte mir gefährlich werden; und ich bin jetzt gerade in der Situation, den straflos abmurksen zu können.

Leider sind das aber keine kulturellen, historischen Archetypen – das ist leider immer noch die Realität. Wie man gerade am Tod von Alexei Navalny sieht. Am Vorabend seines Todes war er noch recht vital. Und hat bei der Zuschaltung zu einem neuen, wiederum völlig absurden Prozess mit feigen, vom Regime gekauften – bzw. eben wie die gesamte russische Bevölkerung  verängstigten –  Richtern einen kleinen Scherz gemacht. Am nächsten Tag war er dann plötzlich tot. Es raubt mir den Atem, ich bin so schockiert über diese Niederträchtigkeit.

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Wie ist das passiert? Ist da ein Scherge, ein Lagerleiter oder ein Geheimdienst-Mitarbeiter am Freitag morgen auf Alexei Navalny zugekommen und hat gesagt: Das war es jetzt, jetzt wirst Du sterben? Haben sie ihm noch mal Gift gespritzt oder im Essen verabreicht? Haben sie ihn einfach beim Rundgang im Gefängnishof zusammengeschlagen und danach „innere Blutungen“ festgestellt? Die Leiche ist ja momentan noch nicht freigegeben, da müssen erst noch die Beweisspuren abklingen.

Aber klar- auf all diese Fragen werden wir sicherlich kompetente, authentische Antworten von unseren lupenrein demokratischen russischen Freunden bekommen. Wenn völlig überraschenderweise nicht:  Fahrt zur Hölle, dreckige Wixer! Baumelt am Laternenpfahl wie ein gewisser Diktatoren-Kumpel in Rumänien. Wir haben gestern angestoßen auf das baldmögliche und möglichst schmerzhafte Verrecken von allen Typen, die für den Tod von Alexei Nawalny verantwortlich sind. Als Befehlshaber, als Ausführende.

Das sind aber leider alles nur wohlfeile Rache- und Empörungs-Reflexe. Den gelernten und insofern auch unverbesserlichen Geheimdienst-Killer Herrn Putin wird das nicht jucken, und einen rächenden oder gerechten Gott gibt es ja auch leider nicht; soweit mal meine persönliche Einschätzung.

Wobei das ja noch das furchtbarste ist: Herr Putin ist ja wenigstens noch geistig zurechnungsfähig – ein zwar moralisch verkommener Mensch, aber ein rationaler und intelligenter, wenn auch mit kleinen historischen Interpretations-Eigenwilligkeiten; nicht so ganz auf der Höhe eines satisfaktionsfähigen politisch-historischen Diskurses. Das alles leider im Gegensatz zum völlig debilen, lippenschürzenden und moralisch mindestens ebenso verkommenen Herrn Trump…

Es ist also alles völlig hoffnungslos. Insofern mal was ganz schlichtes, weltliches. Das Statement eines Mannes. Eines charismatischen Mannes. Keines lupenreinen, geheimdienst-verseuchten Feiglings, der sich hinter Leibwächtern und gefaketen Unterstützern verschanzt und alle abmurkst, die ihm gefährlich werden könnten.

 

P.S. 17.2.2026:  Die Wunde schmerzt nach wie vor. Das feige Drecksschwein Putin hat Alexei Navalny laut den aktuellen Untersuchungsergebnissen mehrerer Staaten mit Froschgift töten lassen. (Das wurde selbstverständlich dementiert vom super-glaubwürdigen, lupenrein demokratischen KIller.) Und der debile Idiot im Weißen Haus, der sich nach wie vor permanent an den Killer ranwanzt (das ganze Spektrum der dahinter stehenden Motivation – ist das nur der banale Minderwertigkeitskomplex eines Chabos, oder hat Babo Vladi da irgendein Erpressungs-/Korruptions-Druckmittel gegen Donny in der Hand?), der ist auch noch wieder und immer noch im Amt. Der Unterschied zwischen Abschaum und Niedertracht und Charakter, Ehre und Werten (moralischen und demokratischen…) wird hoffentlich noch immer weiterhin erkennbar sein. Und das befeuern und beflügeln, was Menschsein ausmacht.

 

 

 

„Baerbocks Digitaldetektive decken russische Lügenkampagne auf“

Das ist eine auf den ersten Blick sehr nett, aber in Wirklichkeit völlig beknackt formulierte Schlagzeile. Sie stammt (natürlich!) von den geschätzten Ex-KollegInnen von Spiegel.de – die mich hoffentlich deswegen nicht abmahnen oder verklagen. Was aber auch nicht funktionieren würde, weil ich die Clickbait-Headline 🙂 ja hier jetzt einordne und kommentiere und mit einer Menge eigenem investigativem Content garniere. 😊

Also „Baerbocks Digitaldetektive“ – das sind offenbar ungenannte „Experten im Auftrag des Auswärtigen Amts“, die über „spezielle Software“ verfügen, mit der sich Fake-Accounts bei X, früher mal Twitter, aufspüren und identifizieren lassen. Und die Baerbockschen Digitaldetektive haben – hoffentlich gut bezahlt – ein Desinformations-Netz auf X aufgespürt und aufgedeckt, über das die üblichen Verdächtigen – russische Trolle – wieder mal unsere schöne freiheitlich-demokratische Grundordnung in ihren Grundfesten zu erschüttern versuchen.

Dimitri N. arbeitet in einer russischen Troll-Farm und versucht, die freiheitlich-demokratische Grundordnung durch Postings in Elon Musks Social Network „X“ zu untergraben (Bild: privat)

Das habe ich heute morgen bei Tagesschau.de gelesen und bei der Faz. Die Berichte dort sind allerdings etwas mau in Bezug auf etwaige Details, über die verwendete „Spezial-Software“ und über etwaige Belege (zum Beispiel Screenshots von identifizierten Accounts samt ihren Postings…), mit denen ich als Fachjournalist oder mit denen auch die geneigte Öffentlichkeit den Sachverhalt nachvollziehen könnte. Das ist insofern erklärlich, als die Berichte auch nur auf den Artikel bei spiegel.de verweisen – der allerdings hinter einer Paywall steckt.

Ich unterhalte als freier Journalist mit Schwerpunkt Wissenschaft und Computer verschiedene Presse-Abos: Faz, Zeit, New York Times, Washington Post, Guardian, Wired, c’t, Mac&I und Übermedien – Spiegel ist jetzt leider nicht dabei; da ist für meinen Fachbereich normalerweise nicht so viel genuin unverzichtbar neues zu lesen. Insofern hab ich heute morgen mal eine Anfrage an das Auswärtige Amt gestellt:

Guten Morgen liebe KollegInnen,

ich habe gerade bei Tagesschau.de und Faz.net https://www.tagesschau.de/inland/desinformation-kampagne-russland-100.html die Geschichte mit der Kampagne gelesen. So wie sie da steht, ist sie ja reichlich dünn und nicht nachvollziehbar/nachprüfbar – wie Sie sicherlich wissen, gibt es ja durchaus Diskussionen darüber, wie zuverlässig sich Fake-Accounts bei X von „echten“ unterscheiden lassen.

Gibt es insofern von Ihnen noch irgendwelche näheren Informationen dazu („vertrauliche Analyse“) oder gab es die nur exklusiv für die Kollegen vom Spiegel hinter deren Paywall oder steht in deren Artikel auch nicht viel mehr drin?

Ich nehme zwar an, dass wir irgendwo im DLF auch noch einen SPON-Zugang haben, nur komme ich als da freier Mitarbeiter nicht ohne weiteres dran. Privat kann ich auch beim besten Willen nicht alle Medien abonnieren. Und so wäre jetzt mein Reflex – „da soll es also was gegeben haben“, nähere Infos sind aber nur (vielleicht…) hinter einer Paywall – dann hake ich das mal ab.

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Gessat

Am Abend habe ich eine Antwort bekommen – die stellvertretende Sprecherin Kathrin Deschauer habe sich „in der heutigen Regierungspressekonferenz“ dazu geäußert, insofern verweise man „an dieser Stelle“ auf deren Äußerungen. Dann hab ich mir natürlich die PK angeschaut. Hier ist mal die Stelle im Kanal des geschätzten naiven Kollegen – keine Ahnung, warum Google mir das als ersten Treffer geliefert hat…

Hier auch mal das Transkript der Anfrage, der Nachfrage und der Antworten von Frau Deschauer:

Dann, Herr Kuhn.

Eine Frage an das Auswärtige Amt bezüglich des Spiegelberichts, wonach Ihr Haus und Experten aus Ihrem Haus eine russische Desinformationskampagne entdeckt hätten, mit bis zu 50.000 beteiligten Konten. Vielleicht können Sie uns ein bisschen was zu den Details sagen. Da ist von einer Software die Rede. Welche Software würde wurde für die Analyse verwendet? Welche Indizien und Beweise gibt es, dass es eine koordinierte Kampagne ist? Und welche Indizien oder Beweise gibt es, dass diese Kampagne aus Russland gesteuert wird?

(Deschauer) Also wir handhaben das ja hier grundsätzlich so, dass wir Medienberichterstattung nicht kommentieren. Das würde ich in dem Fall auch nicht machen. Insofern möchte ich ganz grundsätzlich etwas sagen und kann auch ganz grundsätzlich etwas sagen, einordnen zu Desinformationen, Desinformationskampagnen und auch zur Bedeutung, die diese für Regierungshandeln haben kann. Der Desinformation ist sicher zu einem globalen Bedrohungsfaktor geworden. Sie wird von denjenigen eingesetzt, die unsere Werte nicht teilen und teilweise auch gezielt eingesetzt, um Gesellschaften zu destabilisieren. Und das gilt nicht nur für Deutschland oder westliche Demokratien. Das ist auch weltweit zu beobachten. Und beispielsweise gibt es nicht authentische Plattformen, Profile, die Desinformation verbreiten. Das können Bildkacheln sein, das können kurze Videos sein, es können online links sein. Das sind einige Beispiele, die wir grundsätzlich beobachten können. Und genau das würde ich jetzt für den Moment dabei belassen.

Nachfrage: Wir sind uns hier wahrscheinlich einig, dass oder vielleicht sind wir doch nicht, dass das nicht vom Heuwagen gefallen ist. Die Informationen, die der Spiegel da hat und im Jahr 2023 (Anmerkung der Redaktion – ok, wir haben sogar schon 2024…) so was über die Medien zu lancieren, falls es so sein sollte, ist auch etwas intransparent in dem Sinne, um Desinformation entgegenzuwirken. Zu diesem, ob es dieses Netzwerk gibt, hilft ja Transparenz am besten. Deswegen frage ich Sie noch mal: Welche Indizien oder Beweise gibt es in diesem Fall, dass es sich um eine koordinierte Kampagne handelt? Und welche Indizien oder Beweise gibt es, dass diese Kampagne aus Russland gesteuert wurde?

(Deschauer) Ich würde es dabei belassen, dass ich den Medienbericht nicht kommentiere, auch wenn ich ihr Interesse verstehen kann. Aber das handhaben wir hier so und ich würde es auch dabei belassen, dass wir aus Sicherheitsgründen es, verstehen Sie hoffentlich, nicht in Details einsteigen können, sondern ich kann Ihnen hier die Bedeutung der wirklich, der Desinformation als Einfallstor für Manipulationen in westliche Demokratien und Gesellschaften weltweit beschreiben. Das habe ich getan und bitte um Verständnis.

Ich habe daraufhin eine weitere Mail an die Pressestelle des AA geschrieben:

Liebe Frau W….,

vielen Dank für Ihre Antwort. Ich habe mir jetzt die Äußerungen Ihrer stellvertretenden Sprecherin in der Regierungspressekonferenz angehört. … Ich möchte mal betonen – ich bin ein ganz seriöser, staatstragender 🙂 öffentlich-rechtlicher Journalist. Das Phänomen der Sockenpuppen-Farmen und Desinformation aus russischen Quellen ist mir völlig vertraut, daran zweifle ich natürlich auch nicht und darüber habe ich oft berichtet. Die Frage ist nur trotzdem grundsätzlich, welche angeblichen oder vermeintlichen Fake- oder „Bot“-Accounts in Social Media tatsächlich Fake-Accounts sind – denn dabei gibt es – das kann ich als Fachjournalist und Netz-Experte sagen – bei Laien und leider auch unkritischen Medien-Kollegen falsche Vorstellungen. Insofern sind die Fragen des Kollegen Kuhn in der PK absolut berechtigt. Sie haben ja auch eine gewaltige politische Brisanz – wenn nämlich ein gewisser Teil der vermeintlichen Fake-Accounts oder -Postings authentisch wäre oder eben tatsächlich von deutschen Social-Media-Teilnehmern stammen würden, dann hätten wir ja ein viel größeres Problem 🙂 …

Der Kollege hat also absolut recht mit seiner Anmerkung, dass Sie als AA hier größtmögliche Transparenz über ihre Studie schaffen sollten. Ich muss ganz ehrlich sagen, die Äußerungen Ihrer Kollegin Deschauer sind vor diesem Hintergrund absolut ärgerlich und kontraproduktiv. Sie stechen erst Informationen an ein Presseorgan (Spiegel) hinter einer Paywall durch und weigern sich dann, die „Medienberichte“ zu kommentieren, die sie selbst lanciert haben?? Das kann ja wohl nicht wahr sein.

Die angeführten „Sicherheitsgründe“ für eine Nicht-Information (bzw. eine nicht nachvollziehbar exklusive Information an ein einzelnes Presseorgan…)  bei einem allgemein bekannten und nun wirklich auch nicht geheimdienst-verdächtigen Phänomen in öffentlichen Netzwerken sind auch – Entschuldigung – lächerlich.

Ich bin einigermaßen empört. Wir reden hier von „Desinformation“. Dagegen brauchen wir völlig transparente Information – falls Sie das noch nicht ganz gecheckt haben. Und falls Sie noch nicht ganz gecheckt haben, wie völlig kontraproduktiv rumschwurbeln und Informations-Zurückhalten und Intransparenz sind. Genau das wird – mit Bezug auf uns öffentlich-rechtliche Sender, aber auch mit Bezug auf Sie in der Regierung – von den Demokratie-Zweiflern und -Gegnern als Argument für die angebliche „Verschwörung“ und staatliche Manipulation angeführt. In den Social Media übrigens. Nicht von Fake-Accounts übrigens.

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Gessat

Ich kann nur noch mal resümieren – wenn man als Vertreter eines „Diktatur“-Narrativs unterwegs ist, oder eben zu den Russen-Trollen gehört – dann braucht man nur die Passage aus der Regierungskonferenz und die transparenz-verweigernden, Worthülsen-produzierenden Statements der unfroh dreinschauenden Sprecherin des AAs rauszuschneiden. Und hat den „perfekten“ „Beweis“, dass die Berichte über die angebliche russische Desinformations-Kampagne „natürlich“ Fake und Propaganda der amerika-hörigen Bundesregierung sind.

Das wär echt extrem hilfreich, wenn die Super-Checker in der Bundesregierung samt ihren Super-Experten mal so ganz einfache Kommunikations-Mechanismen checken würden. Super-bezahlte Beratungs-Auträge nehme ich als freier Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks übrigens immer gerne entgegen. 🙂

Jon Rahm wechselt zur Seite des Bösen (Saudi-Arabien)

Es gab ja mal irgendwann so einen Film, wo es um ein unmoralisches Angebot ging. Damals ein erotisches/sexuelles Angebot, und dann auch noch mit einem „Verführer“ oder eben vielmehr die „Prostitutions-Summe-Bezahler“, der in Gestalt von Robert Redford auch noch ausgesprochen gut aussah. Da ging es um eine Million Dollar, und es gab eben ein Riesen-moralisches Dilemma.

Der derzeitige Machthaber in Saudi-Arabien, der „Kronprinz“ Mohammed bin Salman bin Abdulaziz Al Saud sieht nicht so gut aus wie Robert Redford; nach meiner bescheidenen, natürlich völlig unseriösen Küchen-Psychologie-Einschätzung sogar eher wie ein Psychopath – das wird so ein bisschen gedeckt von den „Säuberungen“ in der saudi-arabischen Herrscher-Familie, wo eben so manche etwaige Konkurrenten von „MBS“ irgendwie abgemurkst worden sind.

Das wird auch sehr stark gedeckt vom unseligen Schicksal von Jamal Kashoggi, dem etwas widerspenstigen saudi-arabischen Journalisten, der regime-kritisch u.a. für die Washington Post geschrieben hat. Deren Eigentümer Jeff Bezos ja übrigens auch höchstwahrscheinlich von MBS abgehört worden ist. Aber ok. Jamal Kashoggi ist mal unter irgendwelchen Vorwänden in das Saudi-Arabische Konsulat in Istanbul gelockt worden, und dann haben ihn die da drin extra zuvor angereiste Schergen von MBS abgeschlachtet und zerstückelt.

Team „Jamal Khashoggi“ vielleicht?

Die Reststücke haben die Schlächter irgendwo beseitigt, da ist auch noch irgendein Double aus der Botschaft rausmarschiert. Irgendwann gab es nach massiven Vorwürfen – auch mit Belegen vom US-Geheimdienst; die Türkei war auch etwas angepisst – einen Prozess in Saudi-Arabien. Das sind irgendwelche subalternen Schergen verurteilt worden bzw. haben mit der Familie von Jamal Kashoggi einen Deal abgeschlossen. Und offiziell wusste der sehr machtbewusste/paranoide, die eigene Familie killende Kronprinz natürlich nix davon.

Also alles bestens. Nach etwas Abklingzeit wurden die Kontakte zum erstmal kurz verfemten Schurken-Staat Saudi-Arabien wieder aufgenommen. Weil die ja leider eben so wahnwitzig viel Kohle haben, die in Form von Öl aus dem Boden raussprudelt. Und diese wahnwitzige, völlig unproblematisch raussprudelnde Kohle nutzt der saubere Herr MBS eben auch – völlig ungeniert eingestanden – für Sports-Washing. Also für die Strategie, mit dem „Sponsoring“ – in Wirklichkeit mit dem völlig unmoralischen „Kaufen“  ganzer Sportarten positive PR für Saudi-Arabien zu machen.

Klar – zur „Kaufen“-Strategie gehören immer auch auch korrupte Leute, die sich kaufen lassen. Im Fall des Golfsports waren das zunächst überwiegend abgehalfterte und eben nicht mehr so richtig konkurrenzfähige Alt-Stars, die dem Ruf des saudischen Scheckhefts erlagen. Dann aber leider unfassbarerweise auch die Funktionäre der PGA-Tour, mit dem Ober-Verräter Jay Monahan, der nach monatelangem Widerstand gegen die saudische LIV-Tour plötzlich eine Kooperation vereinbarte. Die Konditionen: Völlig unklar. Die eigene korrupte Bezahlung: Ziemlich klar.

Trotzdem gurkte die LIV-Tour erstmal mit ihren Fancy-Bedingungen (kein Cut, keine Qualifizierung; insofern folgerichtig auch keine Weltranglisten-Punkte…) so rum, ein paar Leute kamen auch wieder zurück zur PGA/Ega-Tour. Und dann jetzt der Kracher: Jon Rahm wechselt zur LIV-Tour.

Das ist so furchtbar, so niederschmetternd. So verachtenswert und infam. Jon Rahm ist ein fantastischer Spieler. Weltranglisten-Erster. Multi-Multi-Multi-Millionär. Mit Preisgeldern und Sponsoren-Geldern. Und dieser Mann lässt sich kaufen. Für 300 oder 400 oder 500 Millionen Dollar. Klar, das ist eine Menge Geld. Aber der von so vielen Fans angebetete Mann braucht das doch gar nicht. (Zusätzlich…) Seine hübsche Frau hat garantiert genug anzuziehen, seine Kinder haben genug Kohle für ihr späteres Studium.

Jon Rahm kann also  – im Gegensatz zu irgendwelchen abgehalferten Kollegen, und erst recht im Gegensatz zu irgendwelchen lächerlich bezahlten LET-Golferinnen – überlegen: Brauch ich die zusätzliche Kohle, und zu welchen Konditionen bekomme ich die denn? Und dass er das dann mit dem perfiden, gekauften Schurken Greg Norman tatsächlich macht und dann irgendwas rumlabert von neuen Herausforderungen und Captain-Rollen – das ist niederschmetternd und abartig. Jon Rahm ist nun eine „Persona non grata“, ein Verräter, der sich perfide verkauft hat an saudische Geld-Scheißer und Diktatoren und Mörder.

Ich erwarte nun von allen Sponsoren von Jon Rahm – Callaway, Rolex, Mercedes-Benz, Santander, TravisMathew, Blue Yonder, Maestro Dobel, Silverleaf Club – dass sie das Sponsor-Verhältnis auflösen. Ich werde keine Produkte mehr kaufen, die einen Unterstützer bzw. Nutznießer des saudi-arabischen Diktators promoten. Wollen Sie sich gemein machen mit einem islamistischen Diktator, der einerseits eine angebliche Öffnung seines Landes promotet, andererseits Regimegegner abschlachtet, Frauen unterdrückt und Kritiker in Social Media für Jahrzehnte ins Gefängnis wirft?

Liebe Sponsoren – bei euch geht es doch eh in Wirklichkeit nicht um Moral und Werte und den „Spirit of the Game“. Aber wenn sich jemand verkauft, prostituiert an die Seite des Bösen – dann müsstet ihr das doch irgendwie so mitbekommen und registrieren. Und abchecken, ob das für euer Geschäftsinteresse gut ist. Und das ist es garantiert nicht.

Buhuh! Ich werde als Single gedisst.

Es gibt ja in den letzten Jahren eine sehr stark erhöhte Sensibilität für Verletzungen der individuellen Befindlichkeit. Studenten und Studentinnen und StudentX reagieren empfindlich auf möglicherweise „verstörende“ Inhalte in uralten Schmökern von politisch inkorrekten Autoren wie Shakespeare; Kniegriffe von prominenten Fernsehmoderatoren werden nicht mehr akzeptiert usw. usf.

Ich will das auch alles gar nicht ins Lächerliche ziehen – natürlich haben Bewegungen wie #metoo und diverse andere Outings wichtige Impulse reingebracht in völlig abartige Strukturen; in Kirche, Sport-, Unterhaltungs- und Kunstbusiness, die bis dato nie hinterfragt worden sind. Das Ganze schlägt nur nach meinem Eindruck auch regelmäßig in lächerliche Über-Reaktionen hinaus. Aber mal zu meiner eigenen Betroffenheit.

Ich habe heute dieses Schreiben vom ADAC bekommen:

Ich habe nur eben leider keinen Partner – weil ich nicht schwul bin. Und leider aber auch keine Partnerin. Wenn ich so eine Ansprache erhalte – dann bin ich ganz ehrlich gesagt etwas angepisst. Weil die Ansprache – ja eh nur aus einem schnöden wirtschaftlichen Interesse heraus – impliziert und voraussetzt, ich müsse eine Partnerin haben. Weil: Ist ja total normal. Und wenn ich die nicht habe, dann habe ich ja offenbar irgendwas verbockt. Und bin unnormal.

Liebe Werbe-Heinis – ihr habt bestimmt alle einen Partner oder eine Partnerin. Herzlichen Glückwunsch. Ist bestimmt immer auch eine super-geile Beziehung. Da kann man schon mal den Versicherungs-Schutz ausweiten zu einem günstigen Preis. Aber vielleicht nehmt ihr das mal zur Kenntnis, die Partner-losen sind auch eine ziemlich relevante Gruppe auf dieser Welt. Zahlenmäßig garantiert noch viel relevanter als irgendwelche spezielle Gender- und Sexualbesonderheits-Betroffene.

Am 11.11. ist ja bekanntlich Singles’ Day. 🙂