Die Golfplätze sind wieder einmal geschlossen. Einen sachlichen Grund dafür gibt es: Nicht.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Armin Laschet,

Sehr geehrte Frau Staatssekretärin Andrea Milz,

Ich habe Ihnen ja schon mal Anfang des Jahres geschrieben; beim ersten “Lockdown”; seinerzeit noch zugegebenerweise in einer Phase, in der es schwierig war, die Auswirkungen der Corona-Pandemie einzuordnen. Aber auch schon damals war klar: Das Ausüben des “Golfsports” bringt praktisch keinerlei zusätzliche Infektionsrisiken mit sich gegenüber dem – ja aus guten Gründen weiterhin erlaubten – “Individualsport” oder der – mehr oder weniger  sportlichen – “Individualbewegung” außerhalb des Hauses. Auf das Schreiben damals habe ich eine super-tolle Antwort bekommen. Ich könnte also mal davon ausgehen – wie die meisten Bürgerinnen und Bürger – dass Zuschriften an Sie sowieso zwecklos sind, Aber ich versuche es noch mal.

Wir müssen auch bei unserem zweiten Lockdown wieder einmal ganz klar die Parameter abchecken: Komplett zuhause bleiben; ein völliges Bewegungsverbot bzw. ein wirklich “harter Lockdown” – der dann aber auch sämtliche Bewegungen umfassen müsste – das wäre natürlich eine Option. Aber der findet ja auch zur Zeit nicht statt, und dessen Verhältnismäßigkeit bei einer Gefährdung praktisch ausschließlich unserer sehr alten Bevölkerung wäre auch absolut fraglich. Interessanterweise haben nämlich auch jüngere Leute legitime Gesundheits-Aspekte – und wie schon unser Corona-Papst, Herr Drosten, konstatiert hat: Zuhause sitzen bleiben ist völlig kontraproduktiv.

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Lee Westwood (“Schatzilein am Bag”) hat die Gesamtwertung beim “Race to Dubai” gewonnen – herzlichen Glückwunsch!!

Wir alle brauchen Bewegung; Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind der “Killer” Nr. 1 für die deutsche Bevölkerung – nicht das Corona-Virus. Wenn Sie selbst das noch nicht so ganz verinnerlicht haben: Mein Beileid – dann werden Sie wahrscheinlich mehr statistisch kalkulierte Lebenszeit einbüßen als die derzeitigen “Opfer” “mit oder im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion.” Von daher mal erneut an Sie die Frage: Aufgrund welcher Erkenntnisse haben Sie die Passage in Ihrer neuen “Corona-Schutzverordnung vom 14.12. formuliert?

Der Freizeit- und Amateursportbetrieb ist wie im Frühjahr auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, Fitnessstudios, Schwimmbädern und ähnlichen Einrichtungen unzulässig. Das gilt auch für Individualsportarten in Sporteinrichtungen/-vereinen, wie Tennis oder Golf. Zulässig bleibt damit nur noch die sportliche Bewegung alleine oder zu zweit in der „freien Natur”.

Wir dürfen also gnädigerweise noch rausgehen aus unseren Wohnungen, allein oder zu zweit – und kompatibel zu den Erkenntnissen von Herrn Drosten unseren Arsch bewegen, um unserem Haupt-Sterberisiko “Abkratzen aufgrund von Bewegungsmangel” abzuhelfen. Vielen Dank dafür! Aber das dürfen wir jetzt wie schon im Frühjahr im Park oder irgendwo – aber nicht auf dem Golfplatz. Wo mir aber eben im Gegensatz zum Park niemand entgegenkommen kann; wo ich entweder alleine spiele oder mit einem Flightpartner, der zig Meter entfernt ist.

Lieber Herr Laschet, liebe Frau Milz – Sie muten mir da zum zweiten Mal in diesem Jahr eine dramatische Einschränkung meiner Bürgerrechte zu. Und Sie muten mir zum zweiten Mal eine Gefährdung meiner Gesundheit zu. Die gesamte Corona-Scheiße – wenn ich das mal so salopp formulieren darf – ist ein “Deal”, aber auch eine gewaltige Zumutung: Es gibt eine sehr kleine Minderheit, die von den Gefahren des Corona-Virus betroffen ist – und eine gewaltige Mehrheit, die offenbar nicht betroffen ist, aber die Zeche zahlt für die Auswirkungen der angeordneten Einschränkungen.

Das alles ist vertretbar im Sinne einer gesellschaftlichen Solidarität und unter der Prämisse der Wertschätzung des menschlichen Lebens. Die Sache ist nur die – das Corona-Risiko lässt sich vermeintlich quantifizieren. Mit Inzidenzen und täglich aktualisierten Positiv-Test- und Sterbe-Zahlen  im “Zusammenhang” mit Corona. Die “Kollateralschäden” werden hingegen nicht quantifiziert. Aber sie sind da. Krebs-Untersuchungen und -Behandlungen werden ausgelassen. Das Gleiche bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen – dem bisherigen “Killer” Nr. 1… Von psychischen Belastungen rede ich gar nicht mal. Oder doch.

OK: Ich bin latent depressiv. Ich habe keine Partnerin, ich bin allein. Meine emotional wichtigste Aktivität und meine wichtigsten Kontakte waren meine Freunde bei unserem Opern-Ensemble. Das kann aufgrund der beschissenen Corona-Einschränkungen seit Monaten nicht mehr stattfinden. Ich habe keinen Kontakt mehr zu meinen Arbeitskolleginnen und -Kollegen: Die Arbeit findet aus dem “Home-Office” statt. Und jetzt wird auch noch der soziale Kontakt zu meinen Golf-Freunden gekillt – der wohlgemerkt draußen, an der frischen Luft, in einem ungefährlichen Abstand stattgefunden hat. Am quasi sichersten Ort in dieser beschissenen Pandemie.

Die tägliche Aktivität auf dem Golfplatz ist genau das “strukturierende Element”, das für mich in meinem gefährdeten Tagesablauf essentiell ist. Ich bin gerne bereit, über irgendwelche “Opfer”, die ich bringen soll, zu diskutieren. Aber nicht über Opfer, die völlig unnötig sind und niemand etwas bringen. Sondern allein mir schaden. Lieber Herr Laschet, Liebe Frau Milz – wieso bin ich eigentlich völlig unnötigerweise das Arschloch, wieso gefährden und schädigen Sie definitiv meine physische und psychische Gesundheit, ohne dass da irgendjemand mit geholfen wäre??

Ich wäre Ihnen da für sachdienliche Hinweise sehr dankbar, zumal ich die hoffentlich vorhandene Logik Ihrer Maßnahmen ja auch noch beruflich weiterverbreiten muss 🙂

Mit freundlichen Grüßen,

Michael Gessat

P.S. noch mal zu Ihrer Sicherheit: Das alles hat mit vermeintlich politisch problematischen “Extrawürsten” für eine vermeintliche Elite nichts zu tun. Es geht um gravierendste Einschnitte in unsere Bürgerrechte – und um vermeintliche “Kollateralschäden” die möglicherweise aber viel gravierender sind als die beabsichtigt verhinderten Schäden.

Und da muss also weiterhin einfach differenziert werden: Was ist geboten, und für was gibt es eben keinerlei sachliche Begründung? Wem wird geholfen, wer zahlt die Zeche – und wie ist da das Verhältnis? Wie Sie ja schon sehr richtig festgestellt haben – wir brauchen da bald ein neues Konzept. Entwickeln Sie doch mal eins!

Ein Gedanke zu „Die Golfplätze sind wieder einmal geschlossen. Einen sachlichen Grund dafür gibt es: Nicht.

  1. Bernhard Nacke

    Chapeau, Herr Gessat!

    Wieder einmal ein sehr guter Brief.

    Bin schon sehr gespannt auf die Antwort. Bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt… .

    Mit besten Grüßen aus dem Münsterland
    Bernhard

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