Beluga als Imitator

Mit Tieren zu kommunizieren, ist ein alter Traum von Menschen – nicht erst seit dem heiligen Franziskus von Assisi… Dabei gibt es ja gleich zwei sehr gravierende Probleme: Zum einen ist die Frage, wie weit die Viecher intellektuell überhaupt kommunizieren können, von grundlegenden Äußerungen wie „ich habe Hunger“ und „danke fürs Leckerli“ einmal abgesehen. Und zum zweiten – die anatomisch angelegten Artikulationsmöglichkeiten, vor allem eben die Sprache sind beim Menschen so ziemlich exklusiv. Aber auch in der Entwicklung von Menschenbabys spielt Imitation eine wichtige Rolle – wer weiß also, was uns Belugas eigentlich sagen wollen würden. Wenn sie nur könnten. (Unübertroffen ist natürlich Hoover, der sprechende Seelöwe

– der sich immerhin wie ein Mensch mit fehlendem Gebiss, Alkoholproblem und Tourette-Syndrom anhört…)

Beluga als Imitator.

Deutschlandfunk – Forschung aktuell vom 23.10.2012

Mit Algorithmen gegen Fakes

„Top Produkt. Alles bestens. Darauf will ich nie mehr verzichten.“ Benutzerbewertungen bei Amazon, bei rege frequentierten Hardware-Shops wie Alternate oder auch etwa im  AppStore von Apple sind einerseits sehr hilfreich, um die Qualität von Produkten oder Software-Updates einschätzen zu können. Andererseits sind die Rezensionen allzu oft gefaked. Manchmal kommt man selbst schnell dahinter – wenn etwa enthusiastiche Rezensenten nur genau dieses eine Produkt bewertet haben oder mehrere Besprechungen kurz hintereinander den gleichen Duktus haben. Ansonsten könnten Algorithmen helfen, die Sockenpuppen zu entlarven.

Mit Algorithmen gegen Fakes.

Deutschlandfunk – Forschung aktuell vom 11.07.2012

Allianz gegen Cyber-Attacken

Das größte Sicherheitsrisiko sitzt immer noch vor der Tastatur – das ist so eine banale wie unverwüstliche Erkenntnis von Computer-Security-Experten. Aber zumindest könnte man ja dafür sorgen, dass sich einmal erkannte Sicherheitslücken auch herumsprechen – und dass nicht zig Leute oder Firmen auf den gleichen Trick hereinfallen… (Fachkonferenz Cybersicherheit in Bonn 2012)

Allianz gegen Cyber-Attacken.

Deutschlandfunk – Computer&Kommunikation vom 2.6.2012

„Was du ererbt von deinen Vätern“

Alte Urkunden und Bücher zerbröseln unter dem Zahn der Zeit; alte Tonbänder und Filmspulen lassen sich irgendwann nicht mehr abspielen – Rettung verspricht die Digitalisierung. Die auch gleichzeitig dafür sorgen würde, dass Kulturgüter nicht in irgendwelchen Provinzmuseen oder gar deren Depots quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit herumliegen. Die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) will all diese Schätze heben, per Internet verfügbar machen. Aber das ambitionierte Ziel ist finanziell noch lange nicht ausreichend unterfüttert – und auch technische Probleme gilt es noch zu bewältigen…

„Was du ererbt von deinen Vätern“.

Deutschlandfunk – Wissenschaft im Brennpunkt vom 29.04.2012

DRadio Wissen – Kultur vom 27.04.2012

 

Die Digitalisierung des deutschen Kulturguts ist eine Herkulesaufgabe – wie weit ist das Projekt „Deutsche Digitale Bibliothek“, wann kann die Öffentlichkeit auf die Bestände zugreifen, wie kann die Kooperation mit privaten Unternehmen aussehen? Was ist dem Volk und seinen Vertretern eigentlich Kultur und kulturelles Erbe wert?

Teilnehmer der Podiumsdiskussion:

    • Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Sprecher des Vorstands des Kompetenznetzwerks DDB
    • Elke Harjes-Ecker, Ministerialdirigentin, Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur; Vorsitzende des Kuratoriums des Kompetenznetzwerks DDB
    • Günter Winands, Staatssekretär a. D., Ministerialdirigent, Leiter der Gruppe K 3 Medien, Film und Internationales BKM
    • Sabine Brünger-Weilandt, Geschäftsführerin FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur
  • Hanns-Peter Frentz, Geschäftsführer Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte (bpk)

Moderation: Michael Gessat, Deutschlandfunk

Parlamentarischer Abend der „Deutschen Digitalen Bibliothek“ am 26.04.2012 in Berlin

 

Online-Talk: Max Schrems – Europe-v-Facebook.org

Mark Zuckerberg, der Gründer und Chef von Facebook ist 27 Jahre alt und Multimilliardär – in diesen Tagen bereitet er gerade den Bösengang seines Unternehmens vor. Max Schrems, Jurastudent aus Wien, ist 24 Jahre alt und hat Facebook wegen Verstößen gegen das europäische Datenschutzrecht angezeigt – warum und wie die bisherigen Reaktionen aussahen, lässt sich auf seiner Website „Europe versus Facebook“ nachlesen. Ein Kampf David gegen Goliath, könnte man meinen – aber das Social Network nimmt die Attacke aus der österreichischen Hauptstadt ganz und gar nicht auf die leichte Schulter. Das wäre auch nicht angebracht, denn auch die EU-Kommission beobachtet das Geschäftsgebaren des US-amerikanischen Unternehmens mit äusserst kritischen Blicken. Am Montag hat Max Schrems sich mit Vertretern von Facebook in Wien getroffen, um die beiderseitigen Positionen auszuloten – am Samstag ist er zu Gast bei uns im Online-Talk.

Die Bookmarks von Max Schrems: austrianfilm.at; dict.leo.org; facebook.com; 7 Tage Ö1 (oe1.orf.at); ris.bka.gv.at (österr. Rechtsinformationssystem des Bundes); Wikipedia

Moderation: Michael Gessat und Thomas Reintjes.

DRadio Wissen – Online-Talk vom 11.2.2012

Das ganze Leben als digitale Skulptur – jetzt will Facebook wirklich alles wissen

Wer bin ich? – Diese Frage hat sich bestimmt jeder schon einmal gestellt. Jetzt gibt Facebook die Antwort. Das Netz, so sagen die Medientheoretiker, ist zunächst einmal ein Kommunikationsmittel. Und Kommunikation im weiteren Sinne ist es ja auch, Inhalte mal einfach so in den Raum zu stellen – sozusagen als unverbindliches Angebot zur allgemeinen Kenntnisnahme. „Hier bin ich, und das ist meine Welt“ lautet die Botschaft, und früher mussten dafür ein paar Katzen- und Babybilder auf der privaten Homepage ausreichen.

Die Zeiten ändern sich und auch der verfügbare Speicherplatz: Ab sofort lässt sich nun wirklich das ganze Leben dokumentieren und öffentlich sichtbar machen – bei Facebook nämlich. Ganz ohne Zweifel: Das neue Konzept des sozialen Netzwerks; der Zeitstrahl, die „Timeline“ als zentrale Achse der angesammelten persönlichen Daten; der Facebook-Account also als ultimatives Tagebuch und multimediale Instant-Autobiografie – das hat schon Charme. „Wir geben Ihnen die Möglichkeit, die Geschichte Ihres eigenen Lebens zu kuratieren“, lockt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg als Chef des digitalen anthropologischen Weltmuseums. Und spricht damit auch freimütig schon gleich einen kleinen Haken an: Die User sollen nicht nur wie bisher Daten liefern, sondern diese auch noch selbst verschlagworten.

„Arbeit und Ausbildung“, „Familie und Beziehung“, „Gesundheit und Fitness“ sind ein paar der neuen, vorgegebenen Kategorien – die doch bitte jetzt ausgefüllt werden sollten: Die Ehrenrunde in der elften Klasse und der erzwungene Studienfachwechsel von der Teilchenphysik zur vergleichenden Mediensoziologie gehören hier ebenso hin wie die erste Liebe, die zweite und alle folgenden; wenn dabei etwas herausgekommen ist, bitte eintragen unter „Kind hinzufügen“. Tragische Ereignisse lassen sich bequem unter „verlor einen geliebten Menschen“ einsortieren, eine dadurch ausgelöste eigene körperliche oder seelische Fehlbefindlichkeit gehört dann aber in die Kategorie Gesundheit, Unterabteilung „überstand eine Krankheit“ – oder gleich in die Kategorie „Meilensteine und Erfahrungen“.

Noch tiefergehende Einblicke in die Lebensumstände ermöglichen die neu eingeführten „Verben“: Wer gerade liest, hört, glotzt, kocht oder rennt, der kann dies per Button mitteilen – oder dies von „intelligenten“ Apps in Webanwendungen, vom Smartphone oder von Sensoren im Joggingschuh automatisch erfassen lassen. Warum nicht auch einen Bewegungsmelder ins Ehebett montieren – die Auswertung interessiert schließlich nicht nur Voyeure, sondern auch den Versender von erotischem Spielzeug oder die neue Paartherapie-Praxis in der Nachbarschaft.

In diesen Tagen kursiert eine kleine Karikatur im Netz; zwei Schweine plaudern da miteinander: „Ist das nicht toll? Wir brauchen nichts für den Stall zu bezahlen – ja, und sogar das Futter ist umsonst.“ Darunter die Zeile: „Facebook und du. Wenn die Sache gratis ist, bist du nicht der Kunde. Du bist das Produkt, das verkauft wird.“ Die Frage „Wen soll denn der ganze private Quatsch interessieren?“– bei den Katzen- und Babybildern der Netz-Frühzeit noch berechtigt – hat Mark Zuckerberg nun hinreichend beantwortet. Es ist halt ein einfacher Deal: Die totale digitale Selbstvergewisserung des Users gegen die totale Information für Facebook bzw. für die angeschlossenen Datenverwerter.

Und wenn die Leute jetzt mitmachen und fleißig kategorisieren und taggen, und wenn die automatischen Datenquellen unermüdlich protokollieren und übermitteln, und wenn der Auswertungsalgorithmus dann ausgefeilt und ausgereift ist – dann müsste er eigentlich den Usern auch ihre Zukunft voraussagen können. Oder ihnen zumindest einen Tipp geben, was sie aufgrund der bisher erhobenen Daten jetzt eigentlich machen müssten. Schöne neue Welt – da verliert selbst der Gedanke an den bislang immer noch unvermeidlichen analogen Tod ein wenig den Schrecken; wo doch jedes Detail eines ganzen Lebens für alle Zeiten digital konserviert bleibt.

Wenn Mark Zuckerberg mal nicht der Speicherplatz ausgeht. Oder sonst irgendjemand versehentlich oder mit Absicht den Stecker aus der Cloud zieht. Dann, ja dann ist halt die ganze mühevoll kuratierte Existenz schon zu Lebzeiten im Nirwana.

(Dieser Text erschien als “Netz.Blick” in der Zeitschrift “Digital”, Ausgabe November/Dezember 2011.)

Schach verkehrt mit Steinbrück

Es ist schon ein Weilchen her, dass ich Fernschach gespielt habe. Und es ist noch ein längeres Weilchen her, dass ich Nahschach gespielt habe. Aber auf falsch aufgestellte Schachbretter reagiere ich immer noch ein bisschen allergisch. Wenn das ahnungslose Werbefritzen bei irgendwelchen PR-Fotos machen, dann kann man das relativ schmerzlos abhaken. Aber wenn das ein Politiker macht, den man selbst (vergleichsweise…) für einen Hoffnungsträger gehalten hat?

Die irritierenden Fakten und mein Kommentar dazu…

Deutsche Welle 30.10.2011

Unseren täglichen Cyberwar gib uns heute

Rumgetöse im Netz wird zum Dauerbrenner

Früher brauchte man für eine ordentliche Verschwörung einen Umhang oder eine Kutte wie beim Ku-Klux-Klan oder zumindest eine Gesichtsmaske aus Stoff, Leder oder Pappmaschee – und die geheime Übereinkunft wurde dann stilvoll mit dem eigenen Blut besiegelt. Heute braucht man sich nur irgendwelche Open-Source-Software aus dem Netz runterzuladen und zu starten. Dann stattet einem mit etwas Glück sieben Monate später die vereinigte Anti-Terror-Kavallerie von FBI, CIA und NSA einen kleinen Überraschungsbesuch ab. Schwarz vermummte und bis an die Zähne bewaffnete Elitekämpfer stellen die Bude gründlich auf den Kopf, packen alles ein, was einen Prozessor und einen Internetzugang hat – und man selbst landet schnurstracks, Gegenwehr empfiehlt sich nicht, in einem Verlies. Wegen „mutwilliger Beschädigung eines gesicherten Computersystems“ und wegen „Conspiracy“ – wegen Verschwörung also.

Der „Cyberwar“ ist eben in vollem Gang – bei Polizei, Geheimdiensten und Militär werden Task Forces und neue Kommandozentralen zu Verteidigungs- und Angriffszwecken aus dem Boden gestampft, mit Tausenden von Beschäftigten und mit Milliarden-Budgets. Wo plötzlich all die dafür benötigten Experten herkommen sollen, ist noch nicht so ganz klar, aber das macht ja nichts – schließlich erwägen Strategen ganz ernsthaft auch „konventionelle Vergeltungsschläge“ nach gravierenden digitalen Attacken. Die martialische Rhetorik passt natürlich auch den Medien bestens ins Konzept – da wird dann im Zweifelsfall kein großer Unterschied gemacht: die Stuxnet-Attacke auf iranische Atomanlagen, eine für zwei Tage lahmgelegte Website oder die Veröffentlichung eines sieben Jahre alten Speiseplans aus einer NATO-Kantine: alles gefährliche Hacker-Angriffe, alles Cyberwar.

Die Dauer-Aufgeregtheit nervt. Aber andererseits: Die „Hacker“ mit der digitalen Gesichtsmaske, Anonymous, LulzSec samt ihrer regionalen Ortsvereine, Splitter- oder Konkurrenzgruppen – die nerven auch. Vor allem die, die mit Sendungsbewusstsein daherkommen, mit aufgeplusterten Begründungen für eine schlichte DDoS-Attacke oder für das Ausnutzen einer uralten SQL-Lücke, mit spätpubertärem Geschwafel von Widerstand und Krieg gegen „das System“. Dabei sind ja, wenn nicht alles täuscht, politische Teilhabe und demokratische Veränderung zumindest in den „westlichen Staaten“ durchaus noch möglich – aber dazu muss man halt den Allerwertesten auch einmal aus dem Hocker heben und Chipstüte und Pizza-Box liegen lassen. Notfalls geht es sogar vom Hocker aus, aber sowohl analoge als auch digitale Beteiligungsformen sind natürlich immer etwas mühsam und zumindest in den unteren Etagen weitgehend unglamourös.

Wer meint, mit einer DDoS-Aktion per „Low Orbit Ion Cannon“ an einer legitimen „digitalen Demonstration“ teilzunehmen, der täuscht sich: Bei einer analogen Kundgebung tritt man nämlich als Individuum persönlich und identifizierbar für oder gegen etwas ein, auch wenn man dabei für gewöhnlich kein Namensschildchen trägt. Aber ganz klar – so schlimm ist ein solcher Irrtum allerdings nun auch wieder nicht, als dass die vereinigte Anti-Terror-Kavallerie anrücken müsste; schwerste Kriminalität ist halt schon noch einmal etwas ganz anderes.

Immer schön auf dem Teppich bleiben, so lautet also die Devise für alle Beteiligten. Wobei ja übrigens nichts gegen einen richtig schönen, durchdachten Hack gesagt sein soll, wie die Aktion gegen die selbst großmäulige „Sicherheitsfirma“ HBGary – und auch nicht gegen die Aufdeckung von Informationen über wirkliche Skandale oder Missstände. Aber wenn’s geht, alles immer mit etwas Augenmaß. Eines natürlich muss man dem ganzen Rumgehacke und Cybergekriege ja lassen: Es sichert Arbeitsplätze. Bei „Sicherheitsfirmen“ und Behörden. Und hier bei uns, in der Presse.

(Dieser Text erschien als “Netz.Blick” in der Zeitschrift “Digital”, Ausgabe September/Oktober 2011.)

Online-Talk: Smilla Dankert – anders-anziehen.blogspot.com

Die Kölnerin Smilla Dankert betreibt ein Streetblog; ein Fashionblog der besonderen Art. Sie zeigt dort Menschen aller Altersklassen, und lässt sie fernab von Modetrends ihre Geschichten erzählen. Für anders-anziehen.blogspot.com erhielt Smilla Dankert im vergangenen Jahr eine Nominierung für den Grimme-Online-Award in der Rubrik „Kultur und Unterhaltung“. Smilla Dankert zieht mit ihrer Kamera durch die Stadt. Wenn sie jemanden trifft, der ihr ins Auge fällt, spricht sie die Person an und fragt, ob sie ein paar Fotos machen kann.

Im Online-Talk spricht sie über ihr Anliegen und über die Relevanz von „Mainstream-Modeblogs“ – außerdem geht es um die in Berlin stattfindende Fashion Week. Wenn sie nicht bloggt, arbeitet Smilla Dankert als Kostümbildnerin für Film- und Fernsehproduktionen.

Die Bookmarks von Smilla Dankert:

http://unknownhipster.com/
Jean-Philippe Delhomme, Maler und Illustrator, zeichnet und schreibt sich die Anmaßungen von Lifestyles und Zeitgeist von der Seele.

http://www.theyshootmusic.at/
Eine kleine Gruppe musikbegeisterter Österreicher dreht mehr oder weniger improvisierte Videos mit Bands, die gerade auf Tour und vor Ort sind (meist in Wien)
Sarah und Michael von TSMDT habe ich in Köln auf der Strasse angesprochen und für meinen Blog fotografiert:
http://anders-anziehen.blogspot.com/2011/02/they-shoot-music.html

http://songdestages.de/
Joha und Ben posten Musik.

http://www.gespenst-der-armut.org/
Elke Brüns thematisiert Armut.

http://www.rebelart.net/diary/
Alain Biber schreibt über Kunst: Streetart, Culture Jamming, Adbusting und andere Subversitäten

http://konsumpf.de/
Peter Marwitz betreibt das „Forum für kreative Konsumkritik“

http://mehlschwitze-allesausserkochen.blogspot.com/
Neuentdecktes persönliches Privatvergnügen; Mr. Wilson, Bewohner einer kleinen deutschen Stadt kanns einfach gut mit den Worten.

http://mistermort.typepad.com/
Mordechai Rubinstein aus New York verleiht seiner Leidenschaft für hauptsächlich Männer-Mode, Männer-Kleidung und Männer-Typen Ausdruck. Klar am Handwerk und diversen klassischen Ausprägungen von Kleidung interessiert präsentiert er was ihm unterwegs so begegnet; gerne mal halbdurchgescheuerte Maßhemden zum lebenslangen Tweedjackett, mit Stolz und Würde getragen.

Moderatoren des Online-Talks sind Michael Gessat und Konstantin Zurawski.

DRadio Wissen – Online-Talk vom 9.7.2011

3D-Secure – Fragwürdige Sicherheit bei Kreditkartenzahlung

Mehr Sicherheit ist immer etwas Schönes. Für Kunden. Aber auch für Anbieter. Fragt sich halt nur, wer für diese Mehr-Sicherheit zahlt. Auf dem Finanzmarkt gibt es ja so herrliche Konstrukte wie Verbraucherkredite für Leute mit etwas schlechterer Bonität, für die trotz niedrigster Zentralbank-Refinanzierungsraten dann bis zu 16% Zinsen berechnet werden. Und zusätzlich drückt der Bankberater dem Kunden noch „wohlmeinend“ eine Versicherung auf, die im Fall eines Arbeitsplatzverlustes die Weiterzahlung der Kreditraten garantieren soll. Eine Super-Idee: Damit ist dann das Risiko der Bank quasi gleich Null, und der Kunde zahlt zu den Wucherzinsen (in denen ja sein Ausfallrisiko schon eingerechnet ist…) noch mal einen Wucher-Aufschlag.

Ganz so schlimm ist es bei den neuen Sicherheitsverfahren für Kreditkartenzahlungen im Netz nicht. Trotzdem: Bislang haben Kunden eigentlich bei Online-Zahlungen überhaupt kein Sicherheitsdefizit. Bei missbräuchlichen Belastungen (zum Beispiel nach dem immer wieder vorkommenden Hacken von Anbieter-Datenbanken…) haftet nämlich schlicht und ergreifend die Bank bzw. die Kreditkartenfirma – auch wenn die Reklamation einer etwaigen Fehlbuchung vielleicht etwas Mühe macht. Und als Analogie zu den Verbraucherkrediten: Die Kosten für diese Betrugsfälle sind bislang halt in die Gebühren für die Transaktionen und einen Schritt weiter in die Händlerpreise einkalkuliert – letzlich zahlt für das Betrugsrisiko am Ende eh schon der Kunde – und zwar auch der ohne Kreditkarte 🙂 …

Natürlich gibt es neben dem Betrug durch Dritte auch Fahrlässigkeit oder sogar Missbrauch bei gewissen Kreditkarten-Nutzern. Grundsätzlich aber kann man sagen: die neuen Absicherungsverfahren gegen Kreditkartenbetrug helfen prinzipiell zunächst einmal vor allem den Kreditkartenunternehmen und den Händlern. Für die ehrlichen Kunden hingegen können sie sogar prinzipiell deren Position gravierend verschlechtern; wenn nämlich das Haftungsrisiko nach dem Einsatz von vermeintlich sicheren neuen Passwort- und Legitimierungsverfahren nach einem trotzdem erfolgreichen Hack (und das ist technisch gesehen durchaus möglich…) an ihnen hängen bleibt.

Zumindest in Deutschland allerdings schwören Banken und Kreditkartenfirmen – nicht zuletzt nach kritischem Nachhaken der Stiftung Warentest – Stein und Bein, dass sie auf eine solche Haftungs- und Beweislastumkehr verzichten wollen…

Eine gute Idee – denn sonst müssten sich Kunden ganz ernsthaft überlegen, ob sie tatsächlich bei Einkäufen im Netz weiterhin eine Kreditkarte verwenden sollten…

Fragwürdige Sicherheit bei Kreditkartenzahlung.

Deutschlandfunk – Computer&Kommunikation vom 02.07.2011