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Pokémon-Go-Alternativen: Das sind weitere Augmented-Reality-Apps

Ständig stößt man derzeit auf Bilder von Pokémon in der echten Welt – der Augmented-Reality-Funktion von “Pokémon Go” sei dank. Doch das Spiel ist nicht das erste, das die Realität mit Virtuellem erweitert.

Pokémon-Go-Alternativen: Das sind weitere Augmented-Reality-Apps – SPIEGEL ONLINE

Spiegel Online – Netzwelt vom 26.07.2016

App “Hillary 2016” – virtuelles Wahlkampfbüro für Clinton-Fans

Ein alternativer Account für den US-amerikanischen iOS-Appstore ist ja nicht so gaaanz konform mit den Nutzungsbedingungen von Apple, aber u.U. doch sehr praktisch. Wenn man z.B. Pokemon Go spielen will, bevor die App in Deutschland gelauncht wird. Oder wenn man mal – aus welchen Gründen auch immer – in den normalerweise dem amerikanischen Publikum vorbehaltenen Angeboten herumstöbern möchte. Zum Beispiel, um die Welt vor dem wahnsinnigen wandelnden Herrenwitz namens Donald Trump zu bewahren – und dafür lieber auch eine Vertreterin des Polit-Establishments zu unterstützen, die sicher ihre Schwächen hat, aber ganz bestimmt nicht wahnsinnig ist. (Das mit den charismatischen Lichtgestalten und Friedensnobelpreisträgern im Weißen Haus war ja auch schon etwas ernüchternd…)

Also eine GTA-V-Alternative ist die “Hillary 2016”-App jetzt nicht direkt geworden. Wäre ja auch gerade wenig opportun. Ein nettes Motivations- und Mobilisierungs-Vehikel für eh schon Überzeugte, die möglicherweise noch ein paar andere mobilisieren können, aber schon. Die LGBT-Plakate in der App habe ich übrigens “gekauft”, um den Aktivitäten von Peter Thiel und Milo Yiannopoulos etwas entgegenzuhalten. 🙂  Die beiden haben sich ja gerade aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen in ein Boot gesetzt mit Leuten, die ihnen aktuell nicht mal eine Hochzeitstorte verkaufen – und sie “an sich” wahrscheinlich auch lieber gleich ertränken, teeren und federn würden, von wegen widernatürliche Unzucht und so. Ob der Donald sein Schutzversprechen auch nach der Wahl noch einhält? Oder vielleicht löst das toupierte Haupthaar ja bei den beiden auch irgendeinen Schlüsselreiz aus?

Alles Wahnsinn – “Hill is my girl”. Dummerweise haben ungebildete Nicht-Checker auch eine Stimme. Thiel ist ja auch für die Diktatur – jetzt läuft das aber hier in unverantwortlichen Zirkelschlüssen. Kohle abdrücken kann man in der App übrigens auch.

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Aber letzlich geht es eben um Menschen, die ihr Kreuzchen an der richtigen Stelle machen. Hoffentlich.

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App “Hillary 2016” ausprobiert: Und welchen Unsinn hat Trump noch mal verzapft? – SPIEGEL ONLINE

Spiegel Online – Netzwelt vom 25.07.2016

Amok in München, die Medien und die Social Media

Es ist halt so ein gewisses Ritual bei mir, dass ich um 20 Uhr das Fernsehen einschalte, um die Tagesschau zu gucken (und dann ganz schnell auch wieder auszumachen, bevor eine launig-weichgespülte Intromusik signalisiert, dass nun etwas grässliches wie “Um Himmels Willen” folgt…) – ich ziehe nach wie vor den vielleicht etwas steifen Gestus im Ersten der pseudo-lockeren Nachrichten”präsentation” bei der Konkurrenz vor. Aber ob ich da wirklich beim richtigen Kanal bin, daran hatte ich gestern erhebliche Zweifel.

Ich mache also völlig unvorbereitet oder uninformiert die Glotze an, zuerst läuft noch ein paar Sekunden Werbung (Bauhaus, wenns gut werden muss, soweit ich mich erinnere…) – der Eingangstrailer läuft, Jens Riewa sagt sein Sprüchlein auf (“Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur Tagesschau”) – und dann geht es ohne jegliche Erklärung weiter: (Ein gekürzter Mitschnitt findet sich hier.) “Aktuelle Informationen zur Lage in München jetzt von meinem Kollegen Eckhart Querner. Herr Querner, wie erleben Sie die Lage in München zur Zeit?” Hinter Jens Riewa sieht man einen Herrn mit Mikrofon, an dem aber ein anderer Herr noch hektisch herumzupft, dann verschwindet die Einblendung.

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Oha, da gibt es also irgendeine Lage in München – und das kann in diesen Zeiten und unter diesen Umständen ja auch nichts Gutes bedeuten. Herr Riewa schaut betreten drein und lauscht der Regieanweisung in seinem Ohrstecker – dann kommt das Bild im Hintergrund wieder, auf dem wiederum ein emsiger Technik-Kollege um den Reporter herumwieselt und zupft und verkabelt. Ganz offenbar ist Herr Querner noch nicht soweit, was Jens Riewa immer noch sehr souverän entschuldigt, während das Bild wieder weggenommen wird, jetzt erfahren wir immerhin auch, was überhaupt los ist, ein Anschlag nämlich. Nach diesen zusammenfassenden Informationen der nächste Versuch, und erneut die Frage (weil sie nun ja einmal so gut ist…) an Herrn Querner, wie er denn die Lage erlebt.

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Herr Querner schaut sich aber gerade um, guckt dann wieder in bzw. neben die Kamera, im Wartemodus halt und definitiv nicht im Bewusstsein, schon wieder mal auf Sendung zu sein. Neuer Versuch aus der Regie – Telefonschalte zum Kollegen Richard Gutjahr (der offenbar momentan bei allen Anschlägen in Europa als Augenzeuge vor Ort ist, das würde ein KI-Algorithmus für höchst verdächtig halten…) Herr Gutjahr kann aber auch im Moment nichts berichten, weil die Leitung offenbar noch nicht steht. Der arme Herr Riewa fragt noch einmal nach – immer noch mit bewundernswerter Gesichtsbeherrschung – irgendein falscher Ton wird reingeblendet, Herr Riewa bekommt neue Ansagen der Regie aufs Ohr, bittet noch mal um Entschuldigung, und dann, bei Minute 2’35, kommt die erste erlösende Rückmeldung von Herrn Gutjahr, wenn auch zunächst nicht verständlich, der “gerade noch rechtzeitig” in das Krisengebiet hereingekommen ist, nachdem er im Auto in der Nähe unterwegs, von Schüssen und womöglich Toten erfahren hat.

Wer wie ich bei Rundfunk oder TV arbeitet, der kennt solche Albtraum-Situationen mit zusammengebrochenen Leitungen oder kaputten Sendepulten (oder eben mit Techniker- oder Regie-Fehlern, ich selbst habe da auch schon das eine oder andere Mal etwas verbockt) – wobei das Desaster in diesem Fall schon sensationelle Ausmaße hatte. Geschenkt. Aber das wirkliche Grauen, das ging ja nun erst richtig los. Nach dem ersten Telefonat mit Herrn Gutjahr ist Herr Querner nun zum vierten Male auf Sendung, die Frage wiederum “Herr Querner, wie erleben Sie die Lage dort?” – und oh, Wunder, nach einer Schrecksekunde (im Gesicht von Herrn Riewa laufen ganze Romane ab…) beginnt Herr Querner auch zu reden, Er ist einen halben Kilometer vom Tatort entfernt und referiert das, was er vom Hörensagen weiß und von der Ansicht eines Handyvideos. Dann gibt er “mit diesen Informationen zurück an Jens Riewa.”

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Aber so einfach lässt der ihn nicht davonkommen – eine Nachfrage. Herr Querner steht wieder im Stand-By-Modus und sagt nix. Möglicherweise ahnt er schreckliches. Jetzt kommen nämlich alle mögliche Fragen, zu denen Herr Querner eigentlich absolut nichts sagen kann, jedenfalls nicht aufgrund der Tatsache, dass er da steht, wo er steht. Zwischendurch werden Bilder eingeblendet, wo Polizisten im Laufschritt mit gezückter Waffe Personen einen Bürgersteig entlang eskortieren – vorbei an den Kamerateams, die das in aller Seelenruhe und ohne jegliches Zeichen einer akuten Gefahr filmen und dabei wiederum gefilmt werden.

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Herr Querner schildert, was wir gleichzeitig hinter ihm ohnehin sehen und hören. Er beschreibt die Situation als immer noch extrem angespannt, während hinter ihm Jugendliche hin und her durchs Bild latschen und wiederum das Kamerateam mit dem Smartphone filmen.

Zwischendurch kommt wieder Herr Gutjahr zu Wort, dann auch ein Experte, und die Fachsimpelei geht los, war es ein Terroranschlag oder ein Amoklauf, oder irgendwas mit “fließendem Übergang”? Und immer alle Einschätzungen mit den mittlerweile von allen Akteuren verinnerlichten Einschränkungen – “möglicherweise, vermutlich, wenn das so stimmen sollte” – alles journalistisch korrekt. Fragt sich nur, warum man dann überhaupt “live” dran bleibt am Ereignis und wie lange – wenn man offenbar einerseits keine neuen belastbaren Information mehr hat und über weniger belastbare nicht reden möchte.

Die gab es nämlich sehr früh – aus den Social Media. Zum einen kursierten spätestens gegen 18.18 Uhr Aufnahmen (von dem Zeitpunkt findet sich ein Screenshot des Facebook-Accounts der Münchener Polizei, wo das Video gemeldet wurde), die ganz offenbar den (oder einen) Täter auf dem Dach des Parkhauses zeigen, und das andere, schon von Herrn Querner referierte Video, das die ganz offenbar gleiche Person schießend vor der McDonalds-Filiale zeigt. Das dies nun eigentlich die “möglicherweise authentischen” Quellen sind, über die man so schnell wie möglich und so fachkundig wie möglich reden müsste, das sieht man im Ersten anscheinend nicht so, oder es fehlten die personellen Kapazitäten.

In den Social Media kursiert sehr früh noch ein anderer Hinweis – dass nämlich über ein gehacktes oder gefaketes Facebook-Profil einer jungen Frau offenbar Mitteilungen verschickt worden waren; mit dem Ziel, junge Leute zu dem McDonalds-Restaurant zu locken. Und in dem später von Facebook gesperrten Profil identifiziert ein anderer User dann auch den Täter mit Vor- und Nachnamen. Jetzt, nach der Pressekonferenz der Münchner Polizei stellt sich heraus – das waren in diesem Fall die relevanten Informationen; der merkwürdige Gang des Täters, sein “Dialog” auf dem Dach, das Anlocken von jungen Menschen, vielleicht sogar gezielt von solchen mit Migrationshintergrund. Auch wenn es zusätzlich die üblichen Fakes gab.

Und das Fazit? Es wäre vielleicht noch einmal an der Zeit, in den Redaktionen sehr gründlich darüber nachzudenken, wie man solche “Akutsituationen” eigentlich abdecken will und kann. Das Tempo herausnehmen und sich auf bestätigte Informationen der Polizei verlassen wäre die eine Möglichkeit – da verliert man allerdings seine Kundschaft im Zweifelsfall an weniger zimperliche Konkurrenz. Ein rund um die Uhr verfügbares und auch noch sehr kompetent besetztes Team, das Onlinequellen sichtet und mit forensischen Methoden verifiziert, wäre eine andere Option – angesichts der finanziellen Realitäten in öffentlich-rechtlichen wie in privaten Medien eine ziemlich unrealistische.

Kleiner, großer Haken überdies: Eine forensisch abgesicherte und sachkundig eingeordnete “Live-Berichterstattung” mit Netz-Quellen wäre zwar journalistisch wertvoll, würde aber u.U. der Polizei in die akute Arbeit hineinpfuschen – die sich wiederum fragen lassen muss, ob sie beim Monitoring und der Verifizierung von Net-Input schon auf der Höhe ist. Was ich selbst jedoch eigentlich nicht mehr sehen möchte: Vor-Ort-Live-Reporter, die mit zuversichtlichem oder verzweifeltem Gesicht über Dinge spekulieren, über die sie nichts wissen. Oder verpixelte Einspieler aus dem Netz, von denen man sich “journalistically correct” distanziert, anstatt den Versuch einer Überprüfung und Bewertung zu machen.

iAWACS: Hacker versucht Krisen-Vorhersage am heimischen PC

Als vor ein paar Tagen in den USA ein Schwarzer bei einer Polizeiaktion erschossen wurde, als danach die Proteste starteten, die Demonstration in Dallas, dann dort die Schüsse auf die Polizei – da zeigte sich wieder einmal, dass eigentlich mittlerweile im Netz – über Twitter oder Facebook; über die Live-Postings von Bildern und Videoclips – eine Live-Dauerschalte läuft. Und zwar zu allen Orten und Themen gleichzeitig, von belanglosem bis hin zum dramatischen. Da kommt natürlich immer wieder die Idee auf den Schirm, ob man nicht aus diesem Informationsdauerfeuer im Netz ablesen kann, was gerade passiert – oder besser noch, was gleich passieren wird. Der US-amerikanische Hacker “Jester” hat eine Seite ins Web gestellt, die genau so etwas verspricht.

Das InternetAWACS ist allerdings momentan noch eine Beta-Version, die offenbar auch gar nicht ständig “scharfgeschaltet” ist – das dürfte nicht zuletzt mit den Kosten zu tun haben, die ein möglichst globales Abgreifen und Auswerten von Tweets verursachen würde. So etwas kann man sich auch als Privatperson etwa in einer AWS-Instanz bei Amazon einrichten – allerdings nicht in einer der Billigversionen. Die übrigen Komponenten von iAWACS sind in der jetzigen Form nicht viel mehr als Gimmicks – das Flugbewegungs-Overlay macht optisch etwas her, dürfte aber in den allermeisten Fällen wenig Informationsgewinn bringen, die Watson-KI ist nicht integriert, sondern kann nur gesondert aufgerufen werden.

Man darf aber getrost davon ausgehen, dass bei NSA und Konsorten die “Profiversionen” eines Netz-Frühwarnsystems im Einsatz sind – nur ob sie da schon irgendwelche sinnvollen Ergebnisse bringen, darf bislang bezweifelt werden. Und selbstverständlich – auch wir Journalisten hätten gern so ein Tool. Im Grunde gilt aber unser methodisches Dilemma dann auch wieder für die Schlapphut-Branche (und auch für “Cyber-Vigilanten” 🙂 ): Eine Netzquelle, die sich nicht verifizieren lässt, ist in Prinzip völlig wertlos. Oder schlimmer; Bullshit, Fake und Desinformation.

Terrorgefahr: Hacker versucht Krisen-Vorhersage am heimischen PC – SPIEGEL ONLINE

Spiegel Online – Netzwelt vom 12.07.2016

DRadio Wissen – Hielscher oder Haase vom 11.07.2016 (Moderation: Till Haase)

Verschlüsselung bei Android-Geräten mit Qualcomm-Chip lässt sich aushebeln

Wenn ein Unbefugter erst einmal physischen Zugriff auf einen Computer hat, dann steht es schlecht um die heiklen Daten des Eigners – und naturgemäß ist es bei einem Mobilgerät sehr viel wahrscheinlicher als beim PC daheim, dass dieser Fall eintritt; sei es durch einen Diebstahl oder Verlust des Gerätes, sei es bei einer Durchsuchung durch Behörden. Das Mittel der Wahl ist also Verschlüsselung – und aus Nutzersicht wäre es natürlich schön, wenn auf die entsprechenden Features des Betriebssystems dann auch wirklich Verlass wäre. Ganz anders sehen dies wiederum die erwähnten “Autoritäten” – und fordern wie auch immer geartete Zweitschlüssel, Hinter- oder Vordertüren.

Eine bewusste, eingebaute Schwächung des Sicherheitskonzepts geht letztendlich immer nach hinten los, lautet das Gegenargument von Kryptografieexperten und Firmen wie Apple. Eine hübsche, für Android-Nutzer allerdings unerfreuliche Demonstration dafür liefert der israelische IT-Experte Gal Beniamini – offenbar haben die Programmierer der Full-Disk-Encryption-Umsetzung in Geräten mit Qualcomms Snapdragon-Plattform bewusst darauf verzichtet, beim Verschlüsselungsprozess einen individuellen Hardware-Schlüssel unmittelbar einzubinden. Stattdessen laufen die Schlüsselerzeugung und -management in einem speziellen Bereich, dem “Qualcomm Secure Execution Environment” (QSEE) ab, was möglicherweise mehr Flexibilität bei der Kommunikation mit Apps und Gerätefunktionen schafft, aber einen gewaltigen Nachteil hat: Das “Allerheiligste” der Verschlüsselung liegt in Software, nicht in Hardware vor – und lässt sich per Softwarezugriff aus dem Gerät extrahieren.

Wie Beniamini plausibel mutmaßt, könnte es für die konzeptuelle Schwäche einen einfachen Grund geben: Sie eröffnet die Möglichkeit, wenn nicht für Qualcomm selbst, so doch für die OEM-Hersteller, Behörden notfalls bei der Entschlüsselung eines gesperrten Gerätes behilflich zu sein. Eine potentielle Hintertür also, die sich dummerweise aber auch von Hackern aufsperren lässt. Das QSEE ist fehlerhaft implementiert und lässt sich per manipulierter App und Rechte-Ausweitung knacken – damit hat man Zugriff auf den Masterkey und muss diesen lediglich noch per Brute-Force entschlüsseln. Für Behörden eh kein Problem, für Privatleute in Zeiten von Hashcat oder Cloud-Diensten auch nicht mehr.

Auch bei dieser Lücke kommt das leidige Android-Updateproblem verschärfend hinzu – wer Wert auf die Sicherheit seiner Mobilgerätdaten legt, ist wahrscheinlich mit einem Apple-Produkt besser bedient. Wobei ganz klar gesagt werden muss – es ist ja auch für einen Android-Hersteller nicht grundsätzlich unmöglich, die Schotten dicht(er) zu machen. Man muss es aber auch wollen (und dürfen 🙂 )…

Android: Full-Disk-Verschlüsselung lässt sich aushebeln – SPIEGEL ONLINE

Spiegel Online – Netzwelt vom 04.07.2016

Einreise in die USA: Behörden wollen Social-Media-Accounts abfragen

Fällt demnächst der Urlaub in den Staaten flach, wenn man nicht ein unverdächtiges Facebook- oder Twitter-Konto vorweisen kann? Eine geplante Erweiterung des berüchtigten Einreisefragebogens sorgt für Aufregung.

Einreise in die USA: Behörden wollen Social-Media-Accounts abfragen – SPIEGEL ONLINE

Spiegel Online – Netzwelt vom 27.06.2016

Social-Media-Aktivitäten des IS: Frauen spielen eine zentrale Rolle

Wenn man sich so ganz allgemein anschaut, was Menschen dazu bringt, den sogenannten “Islamischen Staat” zu unterstützen, dann hat das ja offenbar mit einer rationalen Entscheidung meist nicht allzu viel zu tun. Da sind anscheinend viele geistig unzurechnungsfähige oder psychisch Gestörte dabei, an oder jenseits der Debilitätsgrenze und/oder mit einer Klein- oder Schwerkriminellen-“Karriere” im Gepäck. Oder eben die “ganz normal” Orientierungslosen, die von tatsächlicher oder vermeintlicher Chancenlosigkeit Entmutigten – die entweder in islamischen Staaten oder in irgendwelchen westlichen “Gast”- oder “Einwanderungsländern” ein dankbares Missionierungs-Zielobjekt von fanatischen Anwerbern werden. Und wo man in diesem Spektrum diejenigen hintun soll, die sich von über die Wüste galoppierenden Fantasy-Kämpfern unter der grünen Fahne des Propheten begeistern lassen und auch mal endlich nicht nur am PC, sondern “in echt” mit Schwertern ungläubige Hälse abhacken wollen, die nach den Jungfrauen im Paradies lechzen und sich auch gern schon einmal auf Erden einen kleinen Vorschuss bei “Sexsklavinnen” holen – das auch noch mal eine Spezialfrage.

Manch einer erklärt das ganze Phänomen “IS” ja als Ausdruck einer systemischen sexuellen Neurose – aber so einfach ist die Sache wohl auch nicht. Denn es schließen sich ja auch Frauen dem “Projekt” an oder unterstützen es – andererseits können natürlich auch Frauen bei einer systemischen sexuellen Neurose mitwirken; sie erziehen schließlich ihre Söhne zu neuen kleinen und später großen Arschlöchern emotionalen Krüppeln. (Zusätzliche traumatische Kindheitserfahrungen ggf. obendrein – geschenkt.) Wie dem auch sei – bei der Kommunikation im Netz, bei der Rekrutierung neuer Kämpfer oder Terroristen kommen anscheinend auch im vermeintlich männerdominierten IS-Universum die klassischen “Soft Skills” ins Spiel, die Frauen nachgesagt werden. Laut einer Studie in Science Advances haben jedenfalls weibliche Akteure in islamistischen Unterstützergruppen beim russischen Facebook-Pendent VKontakte eine signifikant höhere Verknüpfungseffizienz (“betweenness centrality”) als ihre zahlenmäßig stärker vertretenen männlichen “Freunde”.

Und damit bestätigen sich also auch bei einer “extremistischen Gruppe unter Druck” im zeitgemäßen Cyberraum die netzdynamischen Strukturen aus der alten, analogen Welt – die Studienautoren bringen hier detaillierte Sozialgefüge-Analysen der PIRA (Provisional Irish Republican Army) im Nordirland der 70er und 80er Jahre zum Vergleich. Ob die Welt und die individuelle Kommunikations-, Verfolgungs- und Risikosituation damals nicht doch sehr weit von einer heutigen Social-Media-Aktion am warmen PC entfernt ist, ist eine berechtigte Frage. Aber zumindest die möglichen Konsequenzen laufen ja am Ende auf das gleiche, alte Lied hinaus: Gewalt und Tod im Dienste der höheren Sache; für andere und gegebenenfalls auch für die eifernden Akteure selbst.

Vielleicht liegt ja im besonders engagierten und effektiven weiblichen Netz-Einsatz für den “IS” letztlich sogar ein emanzipatorisches Element? Aus der Perspektive unter den Kopftüchern mancher Frauen bestimmt. Ob’s stimmt, wird sich ja dann irgendwann nach dem ruhmvollen, unausweichlichen Sieg des Kalifats erweisen. Oder auch nicht.

Social-Media-Aktivitäten des IS: Die Anwerberinnen · DRadio Wissen

DRadio Wissen – Schaum oder Haase vom 13.06.2016 (Moderation: Till Haase)

Islamischer Staat: Frauen geben bei IS-Propaganda im Netz den Ton an – SPIEGEL ONLINE

(Spiegel Online – Netzwelt vom 14.06.2016)

Google-App “Motion Stills” bringt Ruhe ins bewegte Bild

Viele Besitzer eines neueren iPhones oder iPads, die mit ihrem Gerät fotografieren, wissen gar nicht, dass sie eigentlich filmen – minifilmen genauer gesagt. Denn wenn man das “Live Photo”-Feature nicht explizit ausschaltet, dann zeichnet die Kamera der Geräte auch vor und hinter einem Schnappschuss noch eineinhalb Sekündchen auf. Wer eifrig in Social Media unterwegs ist, der kennt den Clip-Hype natürlich – inklusive der spezialisierten Apps und der speziellen Ästhetik. Wobei man also sogar behaupten könnte: Das unperfekte, spontane, verwackelte gehört eigentlich dazu. Lomo-Motion sozusagen.

Aber genau wie auf YouTube stimmt das anders herum auch wieder gar nicht so ganz; auch die unperfekten Filmchen sind oft in Wahrheit viel durchdachter und aufwendiger produziert als es den Anschein hat. Und das gilt auch für die Sekundenclips und GIFs. Also ganz klarer Fall: Für eine App wie Googles “Motion Stills” gibt es durchaus Bedarf; auch wenn Apple ja selbst schon eine nachträgliche Bearbeitung der “Live Photos” durch die eigene Fotos-App vorsieht. “Motion Still” geht nämlich über eine “normale” Bildstabilisierung noch hinaus, außerdem bietet das Programm mehr Export-Möglichkeiten für den Clip bzw. das GIF. Die Resultate sind jedenfalls recht überzeugend:

Wackelfreie Gifs: Motion Stills bringt Ruhe ins bewegte Bild – SPIEGEL ONLINE

(Spiegel Online – Netzwelt vom 09.06.2016)

Schiff Wackel

 

 

 

Schiff Ruhig

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oder als Video:

 

Bodyguard-Apps für das Smartphone – Sicherheits-Illusion oder echter Schutz?

Unter Datenschutz- und Privacyaspekten kann man gar nicht genug darauf herumreiten, dass wir alle freiwillig mit einer Überwachungswanze durch die Gegend laufen – unserem Handy. Und auf der Tatsache, dass zumindest unser Mobilfunkprovider allerbestens über unser Leben Bescheid weiß – hinzu kommen natürlich dann auch noch die ganzen US-Firmen, deren Apps wir bereitwillig installiert haben. Und interessierte Kreise, die wiederum diese ganzen Daten abschnorcheln.

Aber es gibt ja Situationen, in denen man (bzw. frau…) ganz gerne überwacht wird: Beim nächtlichen Heimweg durch einen Park oder beim frühmorgendlichen Jogging im Grüngürtel etwa. Und da ist es ja sehr naheliegend, die verschiedenen Smartphone-Fähigkeiten in eine App zu packen, die dann so etwas wie ein digitaler Bodyguard sein will: Das Prinzip ist bei allen Lösungen auf dem Markt ähnlich: In der App ist ein Kreis von Kontakten hinterlegt, die sozusagen die “Beschützerfunktion” übernehmen – das können Freunde sein, oder aber eine Leitstelle, ein Dienstleister. Idealerweise rund um die Uhr mit garantiert ausreichenden Kapazitäten erreichbar – das kostet typischerweise dann auch etwas.

Wenn die App gestartet wird, bekommen die “Beschützer” die Geodaten des Smartphones übermittelt. Und dann gibt es eine “Ziel erreicht, alles in Ordnung”-Funktion – aber natürlich auch das Gegenteil, den Alarmknopf. Im Notfall wird direkt oder über den “Beschützer” die Polizei alarmiert – und die hat (im Gegensatz zu einem typischen telefonischen Anruf in Panik…) wenigstens schon einmal die genaue Ortsbeschreibung. Und kann insofern schnellstmöglich anrücken. Das bedeutet in Deutschland (wo die Apps im Gegensatz zu anderen Ländern noch nicht so gebräuchlich sind oder in ihren “Premium”-Varianten auch noch nicht verfügbar…): so ungefähr nach 10 Minuten ist Hilfe vor Ort; die genaue Zeit hängt natürlich von allen möglichen Faktoren ab.

Und bis dahin ist frau/man natürlich längst ausgeraubt, vergewaltigt, verblutet oder erstickt, um nur einmal die traurige Palette der Möglichkeiten aufzuzählen. Im Zweifelsfall – das fügt dann noch ungeahnte traumatische Erfahrungsmöglichkeiten mit hinzu – kann der Freund an seinem Smartphone oder der Dienstleister in der Leitstelle alles mit anhören. Denn direkt helfen kann er nicht – und auch nicht einen potenziellen Angreifer direkt abschrecken. Das ist eine banale Erkenntnis. Sollte man meinen. Tatsächlich droht hier aber eine zusätzliche Gefahr: Die nämlich, dass “Bodyguard”-App-User mit dem “gefühlten” Mehr an Sicherheit nun plötzlich eine andere Risikokalkulation anstellen als vorher. Und halt einen Gang in der Dunkelheit antreten, wo sie sonst ein Taxi genommen hätten.

Das ist keineswegs hypothetisch, sondern fast zwangsläufig – die unzähligen Erfahrungen mit hasardierenden Wanderern oder Kletterern seit der Verfügbarkeit von Handys geben da ein gutes Beispiel. Der psychologische Aspekt, dass die hinzugeblendete Virtualität und die Dauerkommunikation mit Freunden und Followern den Blick für nach wie vor existierende reale Gefahren völlig vernebelt, liess sich vor ein paar Tagen schön im Statement einer jungen Frau nach den Blitzeinschlägen bei “Rock am Ring” ablesen: “Das hätte ich nicht gedacht, dass es so schlimm wird.” Klar, auf dem Screen bei WhatsApp war die Welt ja auch in schönster Ordnung und man war ja schließlich Teil eines gerade livegestreamten und kommunizierten “Events”; und außerdem hatte die Wetter-Radar-App doch Hagel und Blitz 400 Meter weiter nördlich vorüberziehen lassen. 🙂

Das alles soll nicht heißen, dass die Security-Apps nicht ihren Wert haben. Aber wie bei allen anderen Errungenschaften der modernen Technik – Gehirn und gesunden Menschenverstand angeschaltet lassen hat nach wie vor allerhöchste Priorität.

“WayGuard”: Handy-App als Begleitschutz – SPIEGEL ONLINE

(Spiegel Online – Netzwelt vom 08.06.2016)